Elfriede ermittelt im Mobbingmilieu

Montag, 20. Mai 2013 4:51

Elfriede Schmittke ist Privatdetektivin. Sie hat sich erst vor kurzem von ihrem Mann getrennt und wohnt jetzt zusammen mit ihrem Sohn Oliver in der Niederhofheimer Straße in Hofheim, in der Nähe von Frankfurt. 15 Jahre ist Elfriede aus ihrem Beruf draußen, jetzt hat sie nach dieser Pause wieder ihren ersten Auftrag. Herr Köster, dessen Sohn Alexander mit einer Eisenstange erschlagen wurde, hat sie engagiert, um den Mörder zu finden.

Was hat der Mord mit diesem Blog zu tun,
so fragen Sie sich vielleicht …

Ganz einfach. Der oben beschriebene Plot entstammt einem Krimi von Veronika Aydin & Kerstin Klamroth und trägt den Titel “Schulsachen“. In dem Krimi geht es auch tatsächlich um das Schulmilieu, um Mobbing unter Schülern, um Erpressung, Gewalt in Familien, Erziehungsprobleme und dunkle Machenschaften. Wer diesen Blog öfters liest, der wird auch das Buch mögen. Der Krimi zeigt teils übertriebene, teils realistische Szene, versehen natürlich mit ungewöhnlichen Wendungen – so dass das Lesen spannend ist. Als Feierabendlektüre also wunderbar geeignet, trotz des schweren Themas.

Die Geschichte vom Prinz-von-Nassau-Gymnasium ist erfunden. Mobbing an Deutschen und Berliner Schulen sind leider aktuell, existent und heftig. Auch Cybermobbing nimmt immer mehr zu.

Das Bündnis gegen Cybermobbing hat kürzlich über 10.000 Schülern, Eltern und Lehrern aller Schulformen befragt. Seit dem 16.05.2013 liegen nun die Ergebnisse der drei Befragungen (Schüler, Eltern, Lehrer) zum Thema Cybermobbing vor.

Hier die wichtigsten Ergebnisse aus der Schülerstudie:

Soziale Netzwerke dienen Schülerinnen und Schülern immer häufiger der Kompensation von Sorgen und Nöten in der realen Welt.

Zwei Drittel aller Schülerinnen und Schüler verfügen über internetfähige Handys und Smartphones.

Nur 17 % der Eltern überprüfen, was ihre Kinder im Internet machen.

17 % der Schülerinnen und Schüler waren nach eigenem Bekunden bereits Opfer von Cybermobbing-Attacken

19% bekennen sich dazu, bereits Täter von Cybermobbing-Attacken gewesen zu sein.

Cybermobbing ist auch ein Mittel, um sich zu wehren: Mehr als ein Drittel der Täter war selbst schon einmal Opfer von Cybermobbing.

„Langeweile“ oder „Spaß“ sind häufige Motive der Cybermobber.

Soziale Netzwerke sind der zentrale Tatort für Cybermobbing. Als Medien werden immer häufiger Handys und Smartphones genutzt.

Beschimpfungen und Beleidigungen, gefolgt von Gerüchten und Verleumdungen sind die häufigsten Formen von Cybermobbing.

Ein Fünftel der Cybermobbingopfer fühlt sich dauerhaft belastet.

Nur jeder Fünfte meldet die Vorfälle den Betreibern der betroffenen Plattformen.

Freunde und Eltern werden als wichtigste und wünschenswerteste Hilfe bei Cybermobbing-Attacken genannt. 50% der Mobbingopfer wünscht sich mehr Unterstützung der Schulen in Form z.B. von Anti-Mobbing-Trainings, Unterstützungsteams, Schüler-Scouts und mehr Unterstützung durch die Lehrer.

Quelle: Bündnis gegen Cybermobbing
Ergebnisse zum Nach- und Weiterlesen

Präventions- und Interventionsprogramme gegen Cybermobbing und Mobbing sind im Schulbereich also unerlässlich. Hoffen wir, dass sich da in den nächsten Jahren viel bewegt …

Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Mobbingbearbeitung | Kommentare (0)

Der Zusammenhang zwischen Motivation, Sozialem Lernen und Lernerfolg

Montag, 29. April 2013 9:10

Grundschulkinder lernen weitgehend intrinsisch und aus eigenem Antrieb. Mit dem Beginn der Pubertät werden äußere Einflüsse wie Belohnung, Lob und soziale Beziehungen wichtiger als Aspekte der inneren Motivation.

Ergebnisse der Gehirnforschung zeigen schon seit längerem, dass Angst der größte Lernhemmer ist. Sie zeigen ebenfalls, dass positiv wahrgenommene Emotionen sowie positiv erlebte soziale Beziehungen dazu in der Lage sind, das Lernen zu einem aufregendem und bereichernden Erlebnis zu machen und das körpereigene Belohnungssystem zu aktivieren.

Eine Gruppe von Erziehungswissenschaftern, Psychologen und Neurowissenschaftlern untersuchte kürzlich an der FU Berlin und der Charité den Einfluss sozio-emotionaler Lernfaktoren = SELF auf den schulischen Lernprozess. Die Forschungsgruppe hat unter der Leitung von Diana Raufelder 1000 Schülerinnen und Schüler Brandenburgs aus 7ten und 8ten Klassen von Gemeinschaftsschulen und Gymnasien befragt.

Das Projekt SELF hat vier verschiedene Motivationstypen identifiziert:

1. den Peer-abhängige Motivationstyp
2. den Peer- und Lehrer-abhängige Motivationstyp
3. den unabhängige Motivationstyp
4. den Lehrer-abhängige Motivationstyp

36,4 % der befragten SchülerInnen wurden als peer-abhängiger Motivationstyp identifiziert. Ihre schulische Motivation wird von SchülerInnen geprägt, die sie umgeben. Interessant vor diesem Hintergrund ist, dass während der Adoleszenz die Bedeutung von Peers gegenüber der Bedeutung der Familie wächst. In diesem Sinne sind Klassenkameraden potentielle Freunde, die Bedürfnisse des sich entwickelnden Jugendlichen erfüllen könnten.

Bei 27,8 % der SchülerInnen ist die schulische Motivation abhängig von ihrer Umgebung, also von LehrerInnen und anderen SchülerInnen und von positiv ausgerichteten Beziehungen in diesem Geflecht.

26,3 % der an der Untersuchung teilnehmenden SchülerInnen gehören zum unabhängigen Motivationstypen, sie orientieren sich in der Höhe ihrer Motivation

Nur 9,5 % der Jugendlichen sind dem lehrer-abhängigen Motivationstyp zuzuordnen.

Insgesamt ist also für 73,7 % aller SchülerInnen, also für die Mehrzahl der SchülerInnen die Qualität der schulischen Beziehung sowie das Klassen- und Schulklima zentral für ihre Lernmotivation. Da heißt es also dranbleiben, als Lehrperson gute Beziehungen aufbauen und für ein gutes Klassenklima sorgen !!! Schon damit minimiert sich die Anzahl der Unterrichtsstörungen um einen Großteil.

Lediglich für 26,3 % der Jugendlichen scheinen weder Peers noch Lehrer eine Rolle für ihre Motivation zu spielen. Vermutlich würden diese SchülerInnen von einer autonomen Lernumgebung profitieren mit weniger Vorgaben und mehr individuellen und kreativem Spielraum. Auch hier können Lehrkräfte ja gut die Voraussetzungen für schaffen …

Ab Sommer 2012 steigt die Charité Berlin in das Projekt mit ein. Je 20 SchülerInnen je Motivationstyp werden mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) auf Unterschiede in der Aktivierung von Motivationsarealen im Gehirn untersucht und anschließend in qualitativen Interviews zu ihrem Motivationserleben und ihren Motivationsstrategien befragt. Ich bin gespannt, was dabei raus kommt …

Interessant ist übrigens auch eine Untersuchung, über die ich kürzlich hier berichtet habe, in der der Frage nachgegangen wurde, ab wie viel Jahren Kinder lernen fair zu sein …

Christa D. Schäfer

Thema: Soziales Lernen, Unterrichtsstörungen | Kommentare (0)

Eskalationsstufen in der Schule

Donnerstag, 25. April 2013 22:42

Schon öfters habe ich von den neun Eskalationsstufen berichtet und sogar den Streit der Hells Angels „eskalationsstufenmäßig“ beschrieben.

Heute habe ich eine Denkaufgabe für Sie, und zwar habe ich neun Bildkarten vor mir liegen, die einen Streit zwischen Jugendlichen zeigen. Die Bilder können den neun Eskalationsstufen zugeordnet werden. Bisher gab es „nur“ Bilder eines Konfliktes zwischen zwei verschiedenen Büroteams, jetzt gibt es Bilder von Jugendlichen, die im Streit liegen. Von der Eskalationsstufe 1 lassen sich die Bilder verfolgen bis zur Eskalationsstufe 9.

Hier eine Grafik der neun Eskalationsstufen nach Friedrich Glasl:

Konflikteskalation_Glasl.svg

 

Und hier im folgenden drei gezeichnete Bilder.
Was meinen Sie, welches Bild entspricht welcher Eskalationsstufe?

bild1

bild3

bild2

 

 

 

 

 

 

Natürlich müsste man für diese Aufgaben genau genommen alle neun Bilder vorliegen haben, aber das geht nicht, vielmehr möchte ich Ihnen ein wenig Appetit auf die Bilder machen und Ihnen anschließend die Webadresse mitteilen, auf der Sie die Bilder alle bestellen können (derzeit zum Sonderpreis).

Also: welches Bild gehört zu welcher Eskalationsstufe?
Ihr Tipp?

Für Konfliktlotsenausbildungen und Ausbildungen im Schulbereich ist dieses Material eine absolute Bereicherung. Die Bilder sind in DIN A-4 erhältlich. Die Berliner Mediatorin Helga Neumann hat die Karten in Zusammenarbeit mit Friedrich Glasl entwickelt, und Klaus Martin Grebe hat die Karten dann gezeichnet. Auf der Webseite sozialeslernen.com können die Bilder bestellt werden.

Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte, Schulmediation | Kommentare (2)

Konflikte schrittweise bearbeiten …

Freitag, 19. April 2013 21:26

Beppo, der Straßenkehrer spricht zu Momo:

“Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich.
Man denkt, die ist so schrecklich lang;
das kann man niemals schaffen, denkt man …
Und dann fängt man an, sich zu eilen.
Und man eilt sich immer mehr.
Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man,
dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.
Und man strengt sich noch mehr an,
man kriegt es mit der Angst,
und am Schluss ist man ganz außer Puste
und kann nicht mehr.
Und die Straße liegt immer noch vor einem.
So darf man es nicht machen.

Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken,
verstehst du?
Man muss nur an den nächsten Schritt denken,
an den nächsten Atemzug,
an den nächsten Besenstrich.
Und immer wieder nur an den nächsten …
Dann macht es Freude; das ist wichtig,
dann macht man seine Sache gut.
Und so soll es sein …
Auf einmal merkt man,
dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat.
Man hat gar nicht gemerkt, wie,
und man ist nicht außer Puste …
Das ist wichtig.”

aus Michael Ende: Momo

Ist’s nicht auch so im Umgang und in der Bearbeitung von Konflikten?!
Christa D. Schäfer

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Die Arbeit mit Metaphern in der Mediation

Montag, 8. April 2013 6:46

So langsam geht alles den Bach runter …
Stufe für Stufe gehen wir der Lösung entgegen …

Mediatoren sollten in ihrer Arbeit sprachsensibel vorgehen. Der Grad der Sprachsensibilität wird vom Aufmerksamkeits- und Sprachvermögen eines Mediators bestimmt und kann zudem von Mediation zu Mediation ganz unterschiedlich sein.

Metaphern fördern die Aktivierung der rechten Gehirnhälfte. Die rechte Gehirnhälfte steuert die Intuition, Kreativität, Symbole und Gefühle. Beim Hören einer Metaphern können eigene, dazu passende Bilder, Symbole, Melodien oder Gerüche entstehen. Das Rohmaterial der Gedanken, die aufblitzenden Ideen, die Bilder, alle Sinneseindrücke werden rechts bearbeitet. Die Hauptziele der Verwendung von Metaphern im therapeutischen Kontext sind es, Veränderung zu fördern, neue Perspektiven zu gewinnen und neue Möglichkeiten der Interpretation einer Situation zu ermöglichen.

Das Verfahren der Mediation richtet sich an den Verstand der Medianden. Eine Metapher zielt auf unbewusstes Verstehen ab. Metaphern können nicht schnell und vollständig intellektuell analysiert und verstanden werden. Sie besitzen im Sinne des Psychotherapeuten Milton H. Erickson stets etwas Vages, Ungewisses und eine versteckte Bedeutung. Damit beeinflusst eine Metapher innere Prozesse, die sich dann in äußeren Veränderungen widerspiegeln können. Dies führt dazu, dass durch eine Metapher einerseits das bewusste Denken beschäftigt wird und andererseits unbewusste Suchprozesse nach neuen Bedeutungen und Lösungen angeregt werden. Metaphern berühren unser Herz und die Kreativität des Unbewussten. Sind sie gleichzeitig abstrakt und entfernt genug vom eigentlichen Problem, werden überkritische Anteile des bewussten Denkens den kreativen Prozess des Unbewussten nicht durch Widerstände, Zweifel oder intellektuelle Vorurteile stören.

Im NLP-Sprachgebrauch lösen Metaphern beim Zuhörer einen Prozeß der transderivationalen Suche, auch Ableitungssuche genannt, aus. Der Hörer einer Metapher hört die gesprochenen Wort auf einer Oberflächenstruktur (1), er versteht die Bedeutung der Metapher auf einer Tiefenstruktur (2), und er entwickelt eine parallele Deutung auf einer zusätzliche Tiefenstruktur (3), die in das Welt-Modell der Person passt, die einen inneren Zustand der Person aktiviert, oder die für ihr Leben bedeutungsvoll ist. Somit passiert durch eine Metapher ein Suchprozess nach einer spezifischen, den Prozess betreffenden Tiefenstruktur. Zudem bewirken Metaphern eine Dissoziierung von einem Problem, wenn das Problem (Bereich A) in einen anderen (weniger belastenden) Kontext (Bereich B) gestellt wird.

Ich persönlich arbeite in meinen Mediationskontexten sehr gerne mit der Methode der Metaphern. Sowohl in der Mediation mit Familien und Paaren als auch in der Gruppenmediation lässt sich diese Methode wunderbar einsetzen. Für das Buch „Konflikte lösen in Teams und großen Gruppen“ (Hrsg. Peter Knapp) habe ich kürzlich einen Fachartikel zur Arbeit mit der Metaphernmethode beigesteuert. Wer ein Mal mit Metaphern in der Mediation gearbeitet hat, der wird von der Wirkung dieser Methode begeistert sein und daran festhalten …

Jetzt habe ich ein Buch in die Hände bekommen, das diese Methode ausführlich behandelt. Ich war ernsthaft begeistert, das von Brigitte und Ernst Spangenberg geschriebene Buch „Sprachbilder und Metaphern in der Mediation“ in den Händen zu halten. Das Buch startet mit einer Beschreibung der Arbeit mit metaphorischen Ausdrücken. Es folgen Kapitel, in denen die Spangenbergs die Grundsätze in der Mediation in Form von Metaphern erklären, den Phasen der Mediation Metaphern zuweisen, über Konfliktmetaphern, Lösungsmetaphern und Schlüsselbilder berichten sowie die Anwendung von Metaphern in schwierigen Fallkonstellationen darstellen.

Das Buch ist das erste Werk, das sich dem Thema „Metaphern in der Mediation“ verschrieben hat. Es ist ein absolutes Muss und ein Highlight für all diejenigen MediatorInnen, die von dem Thema Sprache in der Mediation fasziniert sind und die auch auf unbewusster Ebene über das Thema Sprache in Mediationen arbeiten möchten.

Einige Zitate aus dem Buch mögen Ihnen Lust machen, sich intensiver mit dem Buch zu beschäftigen:

„Jeder Mediand hat zwei Seelen in seiner Brust, von denen die eine sich nach Frieden sehnt, während die andere den Konflikt provoziert. Medianden benötigen oft nur einen Vitaminstoß, um ihren Konflikt eigenverantwortlich lösen zu können. Die Mediation ist ein Impuls, der bei den Medianden eine Kugel ins Rollen bringt. Jede Mediation ist ein Abenteuer, bei dem es immer wieder erstaunliche Eigenschaften des Menschen zu entdecken gilt.“ (Brigitte und Ernst Spangenberg: Sprachbilder und Metaphern in der Mediation. Frankfurt: Metzner Verlag 2013. S. 31)

Christa D. Schäfer

Hier geht’s zum Artikel Geschichten in der Mediation nutzen …

Thema: Kommunikation, Konfliktberatung, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0)

Empathietraining mit Babys als Baustein der Gewaltprävention

Mittwoch, 3. April 2013 0:27

Wann haben Sie das letzte Mal ein Baby lächeln sehen? Und was ist daraufhin passiert, haben Sie zurück gelächelt? Das ist sehr wahrscheinlich und hat etwas damit zu tun, dass Babys „unwiderstehlich“ sind, und dass unsere Spiegelneuronen schnell und zuverlässig reagieren.

Heute habe ich etwas Wunderbares im Berliner Tagesspiegel gelesen. Grundschulklassen von drei Bremen Schulen erhalten ein Mal wöchentlich Besuch von einem Baby (mit Mutter und „Trainerin“). Die Kinder lernen die Gesichtsausdrücke des Babys zu interpretieren und zu erspüren, wie es ihm geht. Die Kinder sind begeistert und das Baby findet die Stunde auch gut. Gemeinsam wird gesungen, gesprochen, geschaut und reagiert. Da lernen alle im Klassenraum eine ganze Menge. Manche Besucherbabys tragen sogar T-Shirts mit der Aufschrift „I am the teacher“. Und die TrainerInnen, die Mutter und Baby begleiten, haben eine spezielle Ausbildung für diese Aufgabe erhalten. Deutschland ist das 10te Land, das dieses Projekt ausprobiert.

Das dahinter stehende Konzept stammt von Mary Gordon, einer kanadischen Pädagogin. Sie initiierte im Rahmen des Projektes „Roots of Empathie“ einen wöchentlichen Besuch eines Baby (mit seiner Mutter) in einer Grundschulklasse. Die GrundschülerInnen waren gewöhnlich begeistert von dem Besuch, spielten mit dem Baby, sangen und versuchten die Gefühle des Babys herauszufinden.

Im Anschluss an den Besuch hat sich stets das Aggressivitätspotential der Klasse deutlich reduziert und es war ein friedvolleres Arbeiten im Klassenverband. Mary Gordon schlussfolgerte, dass der Kontakt mit dem Baby eine Art Empathietraining für die SchülerInnen der Klasse darstellt.

Wäre das nicht auch ein Konzept für eine Berliner Grundschule?
Ich jedenfalls wäre gerne einmal dabei und würde zusehen …

Ausgehend von dem Zeitungsartikel habe ich mich damit beschäftigt, was Empathie eigentlich genau meint. Der Begriff Empathie bezeichnet die Fähigkeit, Gedanken, Emotionen, Absichten und Persönlichkeitsmerkmale eines anderen Menschen oder eines Tieres zu erkennen und zu verstehen. Zur Empathie gehört auch die Einfühlung als eigene Reaktion auf die Gefühle Anderer.

Die Perspektivenübernahme ist im Vergleich zur Empathie eine Fähigkeit, bei der man sich in die Rolle und Position eines anderen hineinversetzt und versucht, die Welt aus dessen Sicht zu sehen.

Untersuchungen zu Spiegelneuronen lassen zwischen einem Nachahmungsverhalten und der Fähigkeit zur Empathie einen Zusammenhang vermuten, beispielsweise beim Gähnen und Lachen. Dieses Phänomen wird jedoch als Gefühlsansteckung bezeichnet und nicht als Empathie.

Neuere Forschungen (Nathan Sprang u.a.) haben sich damit beschäftigt, wie sich die Empathie messen lässt, sie sind dabei auf folgende fünf Dimensionen gekommen:

Korrektes Entschlüsseln nonverbaler Botschaften
Die gleichen Emotionen wie andere empfinden (Mitgefühl)
Ähnliche Gedanken und Erinnerungen erleben
Auslösen gleicher physiologischer Reaktionen (Herzschlag, Beklemmung, „feuchte Hände“ etc.)
Auslösen helfender oder unterstützender Handlungsimpulse.

Howard Gardner und Daniel Goleman sehen die Empathie als einen Teil der Emotionalen Intelligenz. Die Intelligenzforscher Elsbeth Stern und Aljoscha Neubauer merken in ihrem kürzlich herausgegebenem Buch “Intelligenz. Große Unterschiede und ihre Folgen” an, dass Gardner und Goleman dazu neigen, den Intelligenzbegriff zu verwässern. Stern und Neubauer beschreiben die Intelligenz stattdessen als Begabung in kognitiven, also in sprachlichen, visuell-räumlichen, rechnerischen oder mathematischen Bereichen.

Sie zeigen in ihrem Buch, dass Intelligenz erblich ist, beschreiben jedoch auch, dass nur wenn bestimmte Umweltbedingungen gegeben sind, sich das genetisch angelegte Potential eines Menschen gut entwickeln kann. Ich habe zwar erst vier der acht Kapitel des Buches gelesen, kann aber jetzt schon sagen, dass es sich absolut lohnt, sich in dieses Buch zu vergraben um zu verstehen, wie sich Intelligenz entwickelt. Es ist spannend zu erfahren, welche Lebensbedingungen Babys, Kinder und Jugendliche herausfordern und welche Lebensumständen bei der Entwicklung ihrer Potentiale von großem Vorteil sind.

Interessant sind im Buch auch die Seiten, die sich mit der Erforschung der sozial-emotionalen Kompetenz beschäftigen. Ganz schwierig ist dieses Forschungsgebiet nach Meinung der beiden Autoren. Eine Beispielaufgabe: „Eine Freundin hat dich gebeten, für sie etwas zu besorgen. Leider hast du das Falsche gekauft, und sie regt sich darüber auf.“ Wer will bzw. kann bzw. darf hier entscheiden, was ein adäquates Verhalten wäre …

Christa D. Schäfer

Empathie ist übrigens auch eine Fähigkeit, die ein guter Mediator / eine gute Mediatorin benötigt …

Thema: Emotionale Intelligenz | Kommentare (1)

GfK visuell

Montag, 25. März 2013 7:18

Schon das ein oder andere Mal habe ich in Grundschulen die Gewaltfreie Kommunikation eingeführt. Stets hatte ich zwei Bildkarten dabei, um die verschiedenen Sprachen nach Marshall Rosenberg zu visualisieren: eine Bildkarte mit einem Wolf und eine Bildkarte mit einer Giraffe.

Wie sicherlich bekannt, steht der Wolf in der GfK für die Wolfssprache. Nach Rosenberg ist dies eine „lebensentfremdende Sprache“, in der moralisches Urteilen über andere, das Beleidigen, Anbrüllen, das Leugnen von Verantwortung und vieles mehr Platz hat.

Die Giraffe steht für die Giraffensprache und die gewaltfreie Kommunikation. Sie ist das Landtier mit dem größten Herz und hat zudem durch ihren langen Hals einen guten Überblick. Die Giraffensprache ist in vier Bausteine gegliedert:

  1. Beobachten ohne zu bewerten
  2. Gefühle wahrnehmen und ausdrücken
  3. Bedürfnisse erkennen und ausdrücken
  4. Bitten formulieren

Zu jedem der Bausteine könnte und müsste eine ganze Menge erklärt und geschrieben werden. Ich möchte jedoch an dieser Stelle Bildkarten sprechen lassen. Die Bildkarten sind von Lina Natterer (UdK Berlin), die zu jeder der vier Bausteine eine Symbolkarte konzipiert hat. Schauen Sie selber:

von Lina Natterer

 

von Lina Natterer
von Lina Natterer

 

von Lina Natterer

 

Natürlich möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bei Lina Natterer bedanken, die mir die Erlaubnis zum Abdruck ihrer Bildkarten gegeben hat. Hoffentlich kommen die Karten demnächst in möglichst vielen Grundschulklassen zu Einsatz.

Kennen Sie schon die Comics zur GfK, auch die finden Sie hier im Blog …

Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation | Kommentare (0)

Respekt und Allparteilichkeit

Montag, 18. März 2013 21:53

Respekt ist

„… die Grundlage menschlichen Seins.
… Gemeinsamkeit in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen.
… zusammen weniger allein zu sein.
… eine angenehme Pause vom Ich.
… ein wirkungsvolles Beruhigungsmittel in hitzigen Situationen.
… das Offensein für neue Sichtweisen.
… die potenzielle Chance, große Gefühle zu erleben.
… die verlässliche Arbeit der Spiegelneuronen.“
(Carmen Kindl-Beilfuß: Einladung ins Wunderland. Heidelberg: Carl-Auer 2012. S. 18)

Nach dem Buch Fragen können wie Küsse schmecken ist dies nun der zweite Bestseller von Carmen Kindl-Beilfuß. Dieses Mal beschreibt sie Systemische Feedback- und Interventionstechniken als Handwerkszeug für Therapie und Beratung – und in einigen Ansätzen gelten diese Techniken natürlich auch für die systemische Mediation. Wieder stehen im ersten Kapitel Fragen im Mittelpunkt der Ausführungen. Fragen knüpfen Verbindungen zum Gegenüber. Fragen (er)finden Geschichten aus der Vergangenheit. Fragen weisen einen Weg in die Zukunft. Fragen dienen dazu verstehen zu wollen. Fragen stellen Stimmungen her – oder zerstören sie. Fragen zeigen Interesse und führen zu Bindungen. Fragen sind ein Tanz der Spiegelneuronen (letztes nach Manfred Bauer 2006).

Natürlich ist eine Frage auch eine mächtige Methode in der Mediation. Mitunter kann es passieren, dass eine Streitpartei mehr oder länger gefragt wird als die zweite Konfliktpartei, und dass dann ein Ungleichgewicht entsteht. Carmen Kindl-Beilfuß beschreibt dies auch für den therapeutischen Kontext, in dem dies passieren kann. Um die Ebene der Allparteilichkeit wieder herzustellen, sind dann in der Mediation Sätze möglich wie:

„Besten Dank Herr A, dass Sie die Geduld aufgebracht habe, dass Herr B etwas länger von den Dingen erzählen konnte, die ihn bewegen.“

„Besten Dank Frau C, dass Sie heute Herrn D seine Sicht der Dinge haben ausführlich schildern lassen. Ich verspreche Ihnen, Sie erhalten jetzt natürlich ebenso lange Zeit zur Schilderung Ihrer Sichtweise.“

„Herr E, besten Dank, dass wir uns heute der Aufmerksamkeit des Themas F widmen konnten. Ich weiß, dass Ihnen der Punkt G sehr wichtig ist, der in unserer Reihenfolge an nächster Stelle steht. Beim nächsten Termin werden wir mit diesem Punkt beginnen und ihn sicherlich ebenso zu einem guten Ende führen können, wie wir es heute mit Thema F geschafft haben.“

„Es ist immer anstrengend Zuhörerin und Zuhörer zu sein. Das ist Ihnen heute sicherlich beiden so gegangen. Aber sicherlich haben Sie auch gemerkt, dass es sehr gewinnbringend ist, sich gegenseitig zuzuhören und dass sich bereits dadurch ein Verständnis und auch ein Aufeinander-Zugehen einstellen kann.“

Was fallen Ihnen noch für Sätze ein, um die Medianden für Ihr Zuhören während der Mediation zu „loben“?!

Loben möchte ich an dieser Stelle auch das Buch „Einladung ins Wunderland“ von Carmen Kindl-Beilfuß. Das Buch bietet einen riesigen Fundus an kreativen Interventionen und ist gerade auch für den Bereich der Familienmediation eine nicht zu unterschätzende Anregung.

Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0)

Mediation und Psychologie

Donnerstag, 14. März 2013 10:12

„Aus psychologischer Sicht erscheinen Mediation und Psychologie geradezu untrennbar miteinander verbunden – bieten doch alle Phasen des Verfahrens Anknüpfungspunkte für psychologische Kompetenzen unterschiedlicher Art bzw. erfordern diese sogar …“ (Ittner, Heidi: Grundfragen der Mediation aus psychologischer Sicht. In: Althammer, Eisele, Ittner, Löhnig: Grundfragen und Grenzen der Mediation. Frankfurt a.M.: Wolfgang Metzner Verlag 2012. S. 50)

Dem kann ich nur zustimmen. Einerseits ist die Psychologie als theoretischer Input, andererseits ist psychologisches Know How von absolutem Vorteil für die Mediation!! Ittner veranschaulicht ihre Aussage anhand drei zentraler Elemente in der Mediation: des Konfliktes an sich, der Person des Mediators / der Mediatorin und der Interaktion zwischen MediatorIn und Medianden.

Zu jedem dieser drei Punkte könnte man ganze Bücher schreiben. Da ich derzeit stark in der Ausbildung von MediatorInnen tätig bin, interessiert mich persönlich gerade besonders die Person des Mediators bzw. der Mediatorin. Ein Mediator / eine Mediatorin benötigt verschiedene Kompetenzbereiche. Zu den eher allgemein zu fassenden Kompetenzbereichen gehört nach Ittner die emotionale Intelligenz sowie die emotionale Stabilität, ein hoher Reflexionsgrad und ein sicheres Auftreten bei gleichzeitig authentisch wertschätzender Haltung. Neben Fertigkeiten, die einen flexiblen Umgang mit verschiedenen Techniken und Wissensbeständen während einer Mediation ermöglichen, sind weitere grundlegende Kompetenzbereiche nach Ittner für einen „guten Mediator bzw. eine gute Mediatorin“ wichtig:

„Vertrauen aufbauen: Prinzipien der Verfahrensgerechtigkeit, Offenheit, Echtheit und Wertschätzung, Empathie, sicheres und gleichzeitig umsichtiges Auftreten

Probleme bewältigen: Konflikte strukturieren und verständlich herausarbeiten, effiziente, wertschätzende Führung, vernetztes und systemisches Denken, Fachwissen

Lösungen finden: Denken in Alternativen, Kreativität, Motivation der Medianden

Ergebnis evaluieren: methodisches Wissen, strukturiertes Vorgehen über den gesamten Verlauf hinweg“
(ebenda, S. 52)

Leider gibt es bisher noch viel zu wenig Forschungarbeiten zum Thema „Mediation und Psychologie“ oder soll ich sagen zum Thema „Psychologie und Mediation“ ?!! Und dennoch, so wie das Fachgebiet der Mediation und der Mediationsforschung sich derzeit entwickelt, so wird auch dies nicht lange auf sich warten lassen. Von drei heißen Eisen spricht Heidi Ittner, mit denen MediatorInnen auf psychologischer Ebene in Mediationen konfrontiert werden, mit Machtungleichgewichten, intensiven Emotionen und erlebten (Un)Gerechtigkeiten. Aber lesen Sie selbst …

Grundfragen und Grenzen der Mediation ist ein Buch, das seinen Titel ernst nimmt und das Thema aus juristischer und psychologischer Sicht beleuchtet. Und für Berliner MediatorInnen ist natürlich auch das letzte Kapitel von Martin Löhnig sehr interessant, das über den Neuköllner Friedensrichter und über Bayrische Schülergerichte (Modellversuch) informiert. Ein spannendes Buch: Klein aber „oho“.

Christa D. Schäfer

Übrigens: 48 Konfliktlösungs-Tools finden Sie hier …

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0)

Gewaltfreier Umgang mit Konflikten in der Sekundarstufe I

Montag, 4. März 2013 7:54

Welche SchülerInnen und LehrerInnen wünschen sich das nicht?

Eines der ersten Bücher zum Thema Gewaltfreier Umgang mit Konflikten in der Sek. I, das bereits 1995 mit genau diesem Titel erschienen ist stammt von Jamie Walker und stammt aus dem Cornelsen Verlag. 2013 wurde das Buch überarbeitet und ist jetzt in der 7ten Auflage wieder erschienen.

Jamie Walker schreibt, dass es wichtig ist mit allen am Schulleben Beteiligten eine konstruktive Konfliktkultur zu schaffen – das meint Schüler_innen, Lehrer_innen, weitere Pädagogische Fachkräfte, Eltern und Schulleitung. Das scheint zwar fast selbstverständlich, ist aber immer noch recht unüblich in vielen Schulen. Dennoch: In vielen Schulen Berlins ist das Konzept der Schülermediation (auch Konfliktlotsen oder Streitschlichter oder Peer-Mediation genannt) bereits angekommen und immer mehr Schulen wünschen sich diese Konfliktbearbeitung für Ihre Schule.

Gewöhnlich gibt es zwei Pädagoginnen (meist Frauen, deshalb hier das kleine „i“), die sich im Rahmen einer Mediationsausbildung als Mediatorinnen ausbilden lassen. Diese übernehmen es dann eine Gruppe von SchülerInnen aus ihrer Schule zu trainieren, damit diese die Streitigkeiten zwischen ihren Schulkameraden mediieren können.

Ganz ganz selten gibt es ein Mediationsangebot für Streitigkeiten zwischen LehrerInnen oder Lehrer und Schulleitung oder Eltern und Lehrer bzw. Schulleitung. Dafür wären in der Tat auch externe MediatorInnen am besten geeignet, die nicht im direkten System Schule arbeiten, sondern von außen kommen. Von Zeit zu Zeit werde ich für dieses Spezialgebiet angefragt, und es ist mir stets eine große Freude diese Streitfälle bearbeiten zu können.

Und noch eine dritte Möglichkeit der Unterstützung im Streitfall gibt es für die Schulen, die SIS – Senior Partners in School. Ältere Menschen werden geschult, um anschließend die Streitigkeiten der Schüler in der Schule zu mediieren – ein wunderbarer Ansatz, der viel Respekt verdient.

Gut ist es für eine Schule, ein „Paket“ an Möglichkeiten zur Konfliktbearbeitung zu haben. Ein solches Konzept sollte Walker zufolge drei Säulen umfassen: Prävention, Intervention und die Konfliktbewältigung z.B. durch Mediation.

„Die allgemeine Prävention umfasst alle Maßnahmen, die dazu beitragen, dass sich Kinder, Jugendliche, Lehrkräfte und Eltern mit der Schule identifizieren.“ (S. 13)

„Wenn Gewalt angedroht oder ausgeübt wird, muss sofort interveniert werden. Ziel der Intervention ist die Deeskalation, d.h., es geht darum, die angedrohte Gewalt zu verhindern bzw. die bereits ausgeübte Gewalt zu unterbrechen und weitere Gewaltvorkommnisse zu verhindern.“ Die Mediation bzw. Klassenmediation kann eine Maßnahme der Intervention im Konflikt oder auch u.U. im Gewaltfall bei geringer Eskalationsstufe sein. (S. 14)

Das hier vorgestellte Buch umfasst nützliches Grundwissen über die gewaltfreie Konfliktaustragung in der Schule, über das Phänomen Mobbing und das Verfahren der Mediation. Äußerst hilfreich ist der dem Buch angegliederte praktische Teil, dem „Spiele“ und Übungen für die Klassenstufen 5 bis 10 entnommen werden können. Neben Übungen zum Kennenlernen und Auflockern gibt es auch Übungen zur Förderung des Selbstwertgefühls, zu Kommunikation, Kooperation, zur interkulturellen Interaktion und schließlich zur gewaltfreien Konfliktaustragung. Gerne möchte ich hier eine meiner Lieblingsübungen vorstellen, die ich regelmäßig am Anfang von Mediationsausbildungen nutze.

Die drei Musketiere

Man bilde Gruppen aus jeweils vier SchülerInnen bzw. AusbildungsteilnehmerInnen. In der Übung „Die drei Musketiere“ geht es nun darum festzustellen, was die einzelnen Gruppenmitglieder gemeinsam haben und was sie unterscheidet. Die Gruppen sollen jeweils drei Aspekte herausfinden, die alle vier Gruppenteilnehmer an einem Konflikt beängstigend finden, die sie ärgerlich finden und die sie spannend finden. Das gibt meist die erste intensive Auseinandersetzung mit dem Konfliktthema. Und alle Gruppen stellen schließlich fest, dass es am Konflikt zwar viele ärgerliche und beängstigende Dinge gibt, dass es aber auch spannend, interessant und wegweisend sein kann, einen Konflikt zu haben. Abschließend stelle ich dann jeder Gruppe die Frage, ob es bereits einen Gruppenkonflikt gab, denn vier Personen, die drei Aspekte suchen sollen – das kann mitunter schon einen Minikonflikt geben, und dann ist es interessant, wie dieser in der Gruppe gelöst (oder auch nicht gelöst) wurde.

Ja, und in dieser Übung finden wir auch bereits das Konfliktverständnis, das wir in der Mediation haben. Konflikte sind vielfältig und bunt. Jeder fasst einen Konflikt anders auf. Der Konflikt ist einerseits belastend, unangenehm und hochgradig emotional aufgeladen – und er ist andererseits auch eine Chance und zeigt neue Wege auf.

Ich freue mich übrigens sehr, dass ich zu diesem Buch ein Beispiel für eine gelungene Schulmediation beisteuern durfte: Zickenkrieg, so lautet das Mediationsbeispiel auf den S. 63 ff im Buch von Jamie Walker. Vor mehreren Jahren habe ich diese Mediation selber in einer Berliner Klasse durchgeführt. Konfliktbeteiligte waren Amira, Ayshe und Leonie. Nachdem Leonies Mutter meinte, das H-Wort von Amira und Ayshe gehört zu haben, gab es eine Mediation mit einem für alle zufriedenstellenden und nachhaltigen Ausgang. So muss Mediation sein …

In diesem Sinne:
Alles Gute für Sie und Ihre Konflikte
von Christa Schäfer

Übrigens: Gelingensbedingungen für Mediationsprojekte an Schulen sind …

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