Mediation um den Landwehrkanal in Berlin – Erfolg ?!

Mittwoch, 18. März 2015 22:14

Im Sommer 2008 berichtete ich erstmals hier im Blog über die Mediation um die Bäume am Landwehrkanal in Berlin.

Sechs Jahre dauerte die Mediation. 20 Verbände, Ämter, Anwohner und Vertreter der Binnenschifffahrt tagten in rund 140 Mediationsitzungen, die durchschnittlich je fünf Stunden dauerten. Schließlich fanden die Beteiligten ein Lösungspaket für den Konflikt und unterzeichneten im Dezember 2013 eine Mediationsvereinbarung.

Anuschka Guttzeit, die Mitbegründerin der Initiative „Bäume am Landwehrkanal“, sieht das Mediationsverfahren kritisch. Auf freitag.de berichtete sie über einen Regelbruch im Mediationsverfahren und über diese Mediation als Steuergeldverschwendung einer Bundesbehörde. Lesen Sie selbst …

Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte, Umweltmediation | Kommentare (0)

Gedanken zur Selbstachtung

Montag, 16. März 2015 6:50

Ein junger Indianer streifte allein durch die Wälder. Dabei fand er das Ei eines Adlers. Weil er es aber für ein Präriehuhnei hielt, legte er es ins Nest eines Präriehuhn-Pärchens.
Als der junge Adler schlüpfte, war er von Präriehühnern umgeben. Er lernte laufen wie ein Präriehuhn, gackern wie ein Präriehuhn, fressen wie ein Präriehuhn.
Eines schönen Frühlingstages aber erblickte er etwas ganz Wunderbares: Er sah, wie ein Vogel sich weit in die Lüfte erhob und majestätisch mit dem Wind dahinsegelte. „Was für ein Tier ist das denn?“, fragte der junge Adler, der zwischen Präriehühnern aufgewachsenen war. „Das ist ein Adler, der prächtigste aller Vögel!“ „Es muss wunderbar sein, so anmutig durch die Lüfte gleiten zu können“, träumte der kleine Adler. Aber er war ja kein solch prachtvolles Tier, und so vergaß der kleine Adler seine Träumereien schnell wieder.
Solange er lebte, glaubte er, ein Präriehuhn zu sein.
(Indianermärchen aus Amerika)

Was ziehen Sie aus diesem Märchen für Schlüsse?

Alle Menschen verfügen über ein außerordentlich großes Potential an Fähigkeiten. Manche Menschen sind unglücklich, wissen oder können ihre Potentiale nicht nutzen. Coaching kann helfen, Potentiale zu heben, Selbstachtung aufzubauen und das Leben zu verändern. Mediation kann unterstützen, kurzfristig verloren gegangenes Selbstwertgefühl wieder zu finden.

Definition Coaching (Wortlaut des dvct – Deutscher Verband für Coaching und Training):

„Professionelles Coaching setzt ganz auf die Entwicklung individueller Lösungskompetenz beim Klienten.
Der Klient bestimmt das Ziel des Coachings. Der Coach verantwortet den Prozess, bei dem der Klient neue Erkenntnisse gewinnt und Handlungsalternativen entwickelt. Dabei wird dem Klienten die Wechselwirkung seines Handelns in und mit seinem Umfeld deutlich.
Coaching ist als strukturierter Dialog zeitlich begrenzt und auf die Ziele und Bedürfnisse des Klienten zugeschnitten.
Der Erfolg von Coaching ist messbar und überprüfbar, da zu Beginn des Prozesses gemeinsam die Kriterien der Zielerreichung festgelegt werden.“

Gelesen habe ich das Indianermärchen in dem von Rosette Poletti und Barbara Dobbs geschriebenen Buch „Selbstachtung. Leben in Frieden mit sich selbst“ aus dem Scorpio Verlag. Das Märchen wird im Eingang zum Buch so interpretiert, dass viele Kinder Botschaften erhalten und verinnerlichen haben, die sie daran hindern, sich selbst zu lieben und ihren Stärken zu vertrauen. Das Buch zeigt, wie sich Selbstachtung entwickelt und was Eltern und andere Bezugspersonen eines Kindes tun können, damit dieses ein gutes Selbstwertgefühl entwickeln kann.

Die Wikipedia Definition zum Begriff Selbstwert lautet:
“Unter Selbstwert (auch: Selbstwertgefühl, Selbstwertschätzung, Selbstachtung, Selbstvertrauen, oder unpräziser: Selbstbewusstsein, Eigenwert, umgangssprachlich auch Ego) versteht die Psychologie die Bewertung, die man von sich selbst hat. Das kann sich auf die Persönlichkeit und die Fähigkeiten des Individuums, die Erinnerungen an die Vergangenheit und das Ich-Empfinden oder auf das Selbstempfinden beziehen.”

Wird einem Kind Anerkennung und Wertschätzung entgegen gebracht, so kann ein Kind „wachsen“, eine eigene Identität entwickeln, kreativ und konstruktiv bleiben sowie Angst- und Schuldgefühle außen vor lassen. Kann ein Kind in die Selbstwertschätzung gehen, so kann es eigene Stärken und auch Schwächen sehen und daran reifen. Auch Erwachsene können Ursachen für Schwierigkeiten erkennen und beschließen, die Verantwortung für ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben, so Ben Furmann.

Nicht nur Eltern in der Verantwortung für das Selbstwertgefühl, auch Kita-Erzieherinnen und -Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, Pädagoginnen und Pädagogen sind in der Verantwortung für gute und gelingende Beziehungen.

Das Buch „Selbstachtung“, das mir Anlass für meine Gedanken gab, ist übrigens ein liebevoll gestaltetes kleines Büchlein zum Thema. Es gibt viele und vielfältige Gedankenanregungen, wie Erwachsene Selbstachtung entwickeln können, welche „Werkzeuge“ dazu gut nutzbar sind, und wie die Selbstachtung bei Kindern gefördert werden kann. Von der Arbeit mit Affirmationen über das Auflösen von „schädlichen“ Verhaltensmustern geht die Reise bis zu kreativem Visualisieren und den positiven Botschaften für eine positive Entwicklung. Prima auch als Geschenkbüchlein nutzbar.

Natürlich haben auch sprachliche Elemente einen großen Raum beim Aufbau von Selbstachtung, und da wären wir wieder bei den Mini-Max Interventionen von Manfred Prior …

Und sehr interessant auch die 10 praktischen Tipps für mehr Selbstbewusstsein von Moritz Bauer …

Einen stets wertschätzenden Umgang miteinander wünscht Ihnen und mir
Christa Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)

Mediation und Kreativität

Montag, 9. März 2015 15:22

Sollte ein Mediator oder eine Mediatorin kreativ sein?
Müssen die Medianden kreativ sein?
Was ist überhaupt Kreativität?

Definition Kreativität

Das Gabler Wirtschaftslexikon gibt dazu folgenden Erklärungen:

Kurzerklärung: „Kreativität bezeichnet i.d.R. die Fähigkeit eines Individuums oder einer Gruppe, in phantasievoller und gestaltender Weise zu denken und zu handeln.“

Ausführliche Erklärung:
„Kreativität bezeichnet i.d.R. die Fähigkeit eines Individuums oder einer Gruppe, in phantasievoller und gestaltender Weise zu denken und zu handeln. Die Bedingungen für Kreativität werden oftmals nach den vier Ps der Kreativität eingeteilt, und zwar nach person (Person), process (Prozess), product (Produkt) und press (Umwelt). Zu den kreativitätsförderlichen Aspekten der Person gehören bspw. Personenmerkmale wie Offenheit für Erfahrung, Verantwortungsgefühl oder hohe allg. kognitive Fähigkeiten. Der Kreativitätsprozess wird meist als typische Abfolge von Problemidentifikation (Erkennen von Problemen), Vorbereitungsphase (notwendige Informationen werden gesammelt), Generierungsphase (mögliche Lösungen werden entwickelt) und Beurteilungsphase (Analyse der Lösungen) beschrieben. Die Aufgabenstellungen in den einzelnen Phasen können durch den Einsatz verschiedener Techniken unterstützt werden (z.B. Brainwriting in der Vorbereitungsphase). Kennzeichnend für kreative Produkte ist, dass sie gleichzeitig neu und angemessen, nützlich oder wertvoll für die Lösung eines Problem sind. Zu den kreativitätsförderlichen Umweltaspekten gehören bspw. das Teamklima für Kreativität und Innovation oder eine qualitativ gute Beziehung zwischen Geführten und Führungskraft.“

Springer Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Kreativität, online im Internet: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/82522/kreativitaet-v7.html

Mihaly Czikszentmihalyi und das Flow-Erleben in der Kreativität

In meiner Studienzeit war der amerikanische Psychologe Mihaly Czikszentmihalyi einer der Top-Experten für das Thema Kreativität. Er beschrieb das Flow-Erleben (engl. für Fließen, Rinnen, Strömen) als das:

„beglückend erlebte Gefühl eines mentalen Zustandes völliger Vertiefung (Konzentration) und restlosen Aufgehens in einer Tätigkeit (Absorption), die wie von selbst vor sich geht – auf Deutsch in etwa Schaffens- bzw. Tätigkeitsrausch oder auch Funktionslust. Der Glücksforscher Mihaly Czikszentmihalyi gilt als Schöpfer der Flow-Theorie, die er aus der Beobachtung verschiedener Lebensbereiche, u. a. von Chirurgen und Exremsportlern, entwickelte und in zahlreichen Beiträgen veröffentlichte. Heute wird seine Theorie auch für rein geistige Aktivitäten in Anspruch genommen.
Flow kann bei der Steuerung eines komplexen, schnell ablaufenden Geschehens im Bereich zwischen Überforderung (Angst) und Unterforderung (Langeweile) entstehen. Der Flow-Zugang und das Flow-Erleben sind individuell unterschiedlich. Auf der Basis qualitativer Interviews beschrieb Csíkszentmihályi verschiedene Merkmale des Flow-Erlebens.”

In seinem Buch „Kreativität“ schreibt er:

„Kreativität ist so faszinierend, weil sie uns aus dem Alltag heraushebt, weil sie uns das Gefühl gibt, intensiver zu leben als sonst. (…) Das tiefe Gefühl, Teil von etwas zu sein, das größer ist als man selbst, kann man außer durch die Kreativität wahrscheinlich nur durch Sex, Sport, Musik oder religiöse Ekstase erreichen – doch diese Erfahrungen sind nur flüchtig und hinterlassen keine bleibenden Spuren. Aber die Kreativität hinterläßt darüber hinaus ein Ergebnis, das zum Reichtum und zur Komplexität des Lebens in der Zukunft beiträgt.“ (Csikszentmihalyi: Kreativität. Stuttgart: Klett-Cotta 1997. S. 10)

In der Zwischenzeit ist viel über Kreativität geforscht worden. Forschungen haben ergeben, dass Kreativität in jedem Gehirn angelegt ist. Man muss sie hervorzulocken wissen. Aber was kann ich tun, um sie zu locken?

Bas Kast und sein Buch „Plötzlich macht es KLICK!“

Aus mittlerweile unzähligen Einzelbefunden zum Forschungsfeld der Kreativität lassen sich empirisch überprüfbare Grundfaktoren des schöpferischen Denkens herausristallisieren. Bas Kast stellt diese „Erfolgszutaten der Kreativität“ in seinem neuen Buch „Plötzlich macht es KLICK! Das Handwerk der Kreativität oder wie die guten Ideen in den Kopf kommen“ vor. Er hat zwei Jahre damit zugebracht, Hunderte von Studien zum Thema Kreativität auszuwerten, Forschungslabore zu besuchen, Kognitionspsychologen und Hirnforscher zu befragen und Experimente im Selbstversuch zu machen.

Die 10 wichtigsten Strategien kann man in einem Tagesspiegelartikel von Bas Kast nachlesen. Viel interessanter ist es allerdings, das Buch in aller Ausführlichkeit zu lesen. Da kann man nämlich erfahren:

  • wie gegrillter Aal das Denken lockern kann
  • wie ein dickes Adressbuch das Risiko für gute Einfälle erhöht
  • wie Gorillas unsichtbar werden
  • was Wodka, Schläfrigkeit und die Farbe Blau gemeinsam haben
  • wie man den Gruppen-IQ steigern kann
  • wie Steve Jobs’ Ein-Klo-Prinzip funktioniert
  • was der Wert gemeinsamer Kaffee- und Bierpausen ist
  • und viele mehr.

Kreativität ist eine Grundeigenschaft des Gehirns. Warum sind manche Menschen dennoch „kreativer“ als andere? Entsteht Kreativität durch hartnäckiges Üben und Trainieren oder durch plötzlich von irgendwoher kommende Geistesblitze?

Kast zeigt im ersten Kapitel seines Buches, dass Ungewohntes die Phantasie beflügelt. Wer regelmäßig aus dem Alltag „ausbricht“ und das Gehirn mit Ungewöhnlichem konfrontiert, wird kreativer. Ausbrechen aus der Alltagsroutine kann bedeuten: mal etwas anderes zu lesen als sonst, einen anderen Weg zu fahren als den sonst genutzten, andere Menschen kennen zu lernen, exotische Gerichte zu testen und vieles mehr. Auch Auslandsreisen und neue Sprachen erweitern den Horizont. Ein bunter Bekanntenkreis bringt neue Ideen und Verbindungen, die Bandbreite der sozialen Kontakte wird ausschlaggebende Inspirationsformel.

Das zweite Kapitel zeigt, dass mit Entspannung, Loslassen und der Erweiterung der Aufmerksam mehr Ideen kommen. Die Konzentration auf ein Problem führt dazu, dass sich der Blick verengt. Die Verminderung der Konzentration kann zu kreativen Schüben führen, Kast nennt dies „Wenn das Gehirn offline geht“. Menschen die meditieren, kennen den Effekt, dass sich die Aufmerksamkeit erweitert, fokussiert und „Aha-Erlebnisse“ folgen können. Auch Alkohol „erweitert“ die Aufmerksamkeit und lässt die Kreativität wachsen (nur nicht in diesem Zustand Auto oder Fahrrad fahren!). Die Farbe Blau hat eine inspirierende Wirkung. Oft kommen die besten Ideen vor dem Schlafengehen oder beim Aufwachen.

Weitere Kapitel im Buch „Plötzlich macht es KLICK“ zeigen, wie die Kreativität in Teams Einzug halten kann und wie Personen ihre eigene kreative Nische entdecken können. Das Buch ist interessant geschrieben, voller Fakten und Details und vielfältiger Hinweise zum Thema.Für mich als Mediatorin und Pädagogin war dieses Buch absolut gewinnbringend und ich empfehle es gerne weiter. Ach ja, ein Kapitel zum Thema Kreativität bei Kindern und Erwachsenen hat das Buch natürlich auch …

Kreativität in der Mediation

Jede Mediatorin und jeder Mediator benötigt eine große Portion Handwerk und eine gewisse Portion an Kreativität, um verschiedene Fragetechniken, Satzwendungen und Methoden an der jeweils passenden Stelle nutzen zu können.

Das Thema Kreativität in der Mediation gewinnt in der Phase vier allerdings erst richtig an Bedeutung. Zu Anfang der Mediation kommen die Medianden und sind in ihren Gedanken „gefangen“. Der Mediator bzw. die Mediatorin hat deshalb zunächst erst einmal die Aufgabe, in den ersten drei Phasen die Grundvoraussetzungen und eine solide Basis zu schaffen, die zur Kreativität in der Problemlösung der vierten Phase führen kann.

Ob mit der Methode des Brainstormings als Standardmethode für die vierte Phase der Lösungssuche oder das Mindmapping, die Denkhüte von De Bono oder die Kopfstandtechnik, es gibt viele Kreativtechniken, die ich in der Mediation nutzen kann. Vielfältige Bücher geben Hinweise zu derartigen Methoden, die in der Mediation und natürlich auch im Coaching, in der Supervision und im Training eingesetzt werden können. Lesen Sie das Buch „KLICK …“ und experimentieren Sie mit Kreativtechniken im privaten und mediativen Bereich. Beides macht viel Spaß.

Danke an Bas Kast für das unterhaltsame und äußerst lehrreiche Buch „KLICK …“
sagt Dr. Christa Schäfer

 

 

Interessiert an: Mediation und Psychologie –> Welche Kompetenzbereiche MediatorInnen benötigen … Dann bitte auf die rote Schrift klicken, um zum Artikel zu kommen.

Thema: Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0)

Jay Rothman in Berlin

Donnerstag, 5. März 2015 12:22

Heute möchte ich möchte gerne auf eine Veranstaltung in Berlin hinweisen. Es handelt sich um den 9. Berliner Mediationstag mit Dr. phil. Jay Rothman. Er ist international bekannt für seine Arbeit in identitätsbasierter Konfliktlösung und Bewertung. 2012 wurde er erster Professor of Conflict Resolution im Graduate Program in Conflict Management, Resolution und Negotiation an der Bar-Ilan Universität, Israel.

Jay Rothman wird den 9. Berliner Mediationstag am 8. Mai 2015 bestreiten. Das Thema des Tages, der sich an interessierte Konfliktmanager, Konfliktmoderatoren, Coaches, Mediatoren, Supervisoren und Berater/innen richtet, steht unter dem Thema

Kreativer Konfliktdialog von Innen nach Außen
Vom Selbst über soziale Beziehungen zur Gesellschaft

Alle Beiträge von Jay Rothman werden simultan übersetzt. Die Veranstaltung wird in Kooperation mit dem Bundesverband Mediation e.V. (BM) durchgeführt.

Ich kann als Teilnehmerin von einigen zurückliegenden Mediationstagen die Veranstaltung nur wärmstens empfehlen. Alle bisher von mir besuchten Berliner Mediationstage waren thematisch sehr interessant, hier der Hinweis zu den Tagen mit Schulz von Thun und Johan Galtung.

Hier der Link zu einem youtube-Video mit Jay Rothman …

Und hier der Flyer zum 9. Berliner Mediationstag mit Jay Rothman …

Viel Spaß auch beim diesjährigen Mediationstag
wünscht Dr. Christa Schäfer

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Lehrer-Eltern-Konflikte

Dienstag, 3. März 2015 21:27

In Schule gibt es viele und vielfältige Konflikte. In Berliner Schulen werden Konfliktlotsinnen und Konfliktlotsen, Streitschlichter und Streitschlichterinnen ausgebildet, also Schüler_innen, die den Streit zwischen anderen Schüler_innen schlichten.

Über die Konfliktbearbeitung zwischen Lehrkräften und Eltern wird selten in den Schulen nachgedacht. Von Lehrerseite aus sind es immer die Eltern, die nerven und mangelndes Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit zeigen. Von Elternseite aus sind es immer die Lehrkräfte, die falsche Entscheidungen treffen, ungerecht sind und entmutigend handeln. Was tun?

Der erste Schritt ist, über Eltern-Lehrer-Konflikte nachzudenken. Das Buch “Lehrer-Eltern-Konflikte systemisch lösen” tut genau dies. Das von Inge Maria Mandac geschriebene Buch aus dem Carl-Auer Verlag zeigt im ersten Teil, wie Lehrkräfte klar und gelassen Konfliktgespräche führen können, und im zweiten Teil, wie Konflikten präventiv vorgebeugt werden kann.

Das Buch baut auf der Grundlage der Gewaltfreien Kommunikation auf, gibt viele Hinweise und Tipps zu Kommunikation und Konfliktbearbeitung für Lehrkräfte in Lehrer-Eltern-Konflikten und bindet interessante Beispiele aus dem Schulalltag ein. Besonders interessant sind die Vorschläge für Elternabende zur Thematik Kommunikation / Konfliktmanagement im zweiten Teil des Buches.

Nach dem Elternabend „Sich kennenlernen“ könnte es in einem zweiten Elternabend um das Thema „Grundsätze zum Zusammenwirken definieren“ gehen. Dieser für 90 Minuten geplante Elternabend beschäftigt sich mit Orientierung gebenden Grundsätzen in der „Zusammenarbeit“. Nach den Prinzipien des Kooperativen Lernens (think, pair, share) werden den Eltern zunächst Reflexionsaufgaben zur Einzelarbeit gegeben, anschließend gibt es eine Gruppenarbeit zum Austausch über die einzelnen Meinungen und abschließend die Präsentation der Gruppenergebnisse im Plenum.

In einer Reflexionsaufgabe werden die Eltern beispielsweise nach ihrem Schulerleben als Schülerin und Schüler gefragt: Welches Verhalten von Lehrkräften wurde in der Schulzeit als wohltuend und förderlich erlebt? Welche Übereinstimmung zu drei wohltuenden Verhaltensweisen finden die Eltern in der Gruppenarbeit? Welches Schulerleben haben die Eltern in ihrer Rolle als Eltern: Welches Verhalten von Lehrkräften empfinden sie als wohltuend und förderlich? Welche Übereinstimmung finden sie in der Gruppenphase?

Oder eine andere Reflexionsaufgabe: Wie sehen Eltern ihre Mitwirkungsmöglichkeiten in der Schule? Welche Rollen wollen sie in Schule ausfüllen? Wollen sie Blitzableiter, Beichtvater, Richter, Trainer, Feuerwehrmann, Entwicklungshelfer, Briefträger, Begleiter, Zauberer, Therapeut, Fachmann, Dirigent, Rechtsanwalt, Besserwisser, Krankenpfleger, Gärtner oder was sonst noch sein? In der Einzelarbeitsphase suchen sich die Elternteile drei Berufe aus und formulieren Sätze wie: Ich will … sein, weil … In der Partnerarbeit tauschen sich die Eltern zu ihren Sätzen aus., formulieren ein Fazit und suchen ein Symbol für dieses Fazit. In der Gruppenarbeitsphase stellen sich die Eltern innerhalb der Gruppe ihre Symbole vor, sammeln Gemeinsamkeiten und notieren ein Fazit auf einem Papier. Sie überlegen ferner, welche Rolle sie sich von der Lehrkraft wünschen und wie sie die Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern sehen.

All das sind wunderbare Ideen für Elternabende !!

Immer noch sind Elternabende im Schulalltag eher Abende, in denen Lehrkräfte über Neuigkeiten aus der Klassen berichten. Wenige Elternabende bieten eine Interaktion zwischen den anwesenden Personen. Mit den Übungen aus dem hier vorgestellten Buch wird sich das ändern. LehrerInnen und Eltern können ins Gespräch miteinander kommen und eine gemeinsame Basis finden. Es kann eine längst überfällige Partnerschaft zwischen Schule und Elternhaus entstehen.

Ich wünsche dem Buch darum viele LeserInnen und vor allem einen häufigen Einsatz in Schulen, nur Mut.

Das online-Material zu Lehrer-Eltern-Konflikte systemisch lösen ist übrigens auf der Seite des Carl-Auer Verlages einsehbar.

Eine neue Art der Beziehung zwischen Schule und Eltern wünscht sich
Dr. Christa Schäfer

Infos zum Buch „Der systemische Lehrer“, ebenfalls aus der Reihe „Spickzettel für Lehrer“

Und hier geht’s zu meinem neuen Buch zur partizipativen Schule …

Thema: Allgemein, Kommunikation, Literaturempfehlungen, Schulmediation | Kommentare (0)

Was ist ein systemischer Lehrer?

Montag, 23. Februar 2015 5:43

Vor Jahren habe ich eine Ausbildung als systemische Beraterin gemacht, seitdem führe ich stets einige systemische Beratungen pro Jahr durch. Von Zeit zu Zeit schreibe ich auch hier in diesem Blog über systemische Themen, zum Beispiel über

Über den systemischen Lehrer habe ich bisher noch nicht geschrieben. Das möchte ich heute gerne nachholen, und dazu passend das Buch Der systemische Lehrer von Jürgen Pfannmöller aus der Reihe „Spickzettel für Lehrer“ vom Carl-Auer Verlag vorstellen.

„Systemisch orientierte Pädagogen können sich ruhig und entspannt zurücklehnen, wohl wissend, dass sie selber ‘Fragende’ sind – Fragende bezüglich passender Antworten auf die sich stets wandelnden und neu entstehenden Konfliktfelder in der Organisation Schule, zwischen Schülern und Lehrern, zwischen Schule und Eltern und auch mit dem politischen Umfeld von Schule.“ (Vorwort der Reihenherausgeber „Spickzettel für Lehrer“ in: Pfannmöller: Der systemische Lehrer. S. 3 f)

Der Autor Pfannmöller schreibt über den systemischen Lehrer: „Der systemische Ansatz blickt darauf, in welchem Zusammenhang (System) ein Problem entsteht und wie es aufrechterhalten wird. Am Beispiel typischer Schulsituationen möchte ich Ihnen Anregungen geben, welche Haltungen und Methoden neue Handlungsmöglichkeiten im System Schule eröffnen.“ (ebenda, S. 10)

Tatsächlich können in dem postkartengroßen 96 Seiten starken „Spickzettel-Büchlein“ verschiedene Grundlagen des systemischen Denkens nachgelesen werden. In der Folge werden systemische ‘Methoden’ vorgestellt: die Musterunterbrechung, die Teilearbeit, die Arbeit mit Glaubenssätzen, paradoxe Interventionen, die Methode Rollenspiel mit Elementen der systemischen Aufstellung und vieles mehr. Lebensnahe Geschichten aus dem Schulalltag verdeutlichen die vorgestellten theoretischen Aspekte, schlagen die Verbindung zur Schule und verdeutlichen Vorgehensweisen eines „systemischen Lehrers“. Erstaunlich, wie viele Anregungen in solch einem kleinen Büchlein Platz haben !!

Besonders hat mich das Kapitel „Konflikte lösen“ interessiert, das sich u.a. mit den Mechanismen des Dramadreiecks und den daraus folgenden Verstrickungen beschäftigt.

Das Dramadreieck ist ein psychologisch-soziales Modell von Stephen Karpman. Beheimatet in der Transaktionsanalyse beschreibt es ein systemisches Beziehungsmuster zwischen mindestens zwei Personen, die darin drei Rollen einnehmen können: Täter, Opfer und Retter.

In vielen Konflikten kann man diese verschiedenen Rollen finden. In verschiedenen Beziehungen oder Situationen befindet man sich meist in verschiedenen, wechselnden Rollen. Dennoch fühlen sich manche Menschen in ihrem Leben auf eine dieser Rollen festgeschrieben und / oder suchen bzw. finden diese Rolle. Andere Menschen erleben, dass sich binnen Sekunden die Rollen in einem Konflikt ändern können und aus einem Opfer ein Täter wird oder aus einem Täter ein Opfer oder aus einem Retter ein Opfer oder auch ein Täter.

Auch in der Schule gibt es Beziehungskonstellationen, die der Ordnung des Dramadreiecks folgen. Schülerinnen und Schüler können nach Anregung des Autors Pfannmöller im Rollenspiel das Dramadreieck erleben. Gerne möchte ich hier eines der Rollenspiele vorstellen:

Der Partyflirt
Beziehungskonstellation nach dem Drama-Dreieck

Die Rollen: A Freund / B Freundin / C Partyflirt / D Zeuge/Petze

Die Geschichte: A und B sind ein Liebespaar. Auf einer Party verschwinden plötzlich B und C von der Tanzfläche sonst wohin. Nach geraumer Zeit betreten beide wieder das Geschehen und treffen auf A. Beide sehen ziemlich strubbelig und zerzaust aus. Der ansonsten immer akkurat aufgetragene Lippenstift ist verschmiert. A äußert den begründeten Verdacht, dass B ein „falsches Spiel“ spielt. Es mischt sich D ein, der sagt, alles gesehen zu haben. (ebenda, S. 57)

Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Rollenspiel in Schulklassen oder in Konfliktlotsenausbildungen gut ankommt und für viel Diskussion und Wirbel sorgt. Wenn Schülerinnen und Schüler das Dramadreieck theoretisch verstanden haben und sogar Erfahrungen damit im Rollenspiel gemacht haben, erkennen Sie leichter solche Muster im real life. Sie können dann sogar derartige Situationen überdenken und einfacher „lösen“. Was für ein Gewinn, nicht mehr im Dramadreieck gefangen zu sein …

Danke für die Anregung zu derartigen Rollenspielen im Schulbereich !!
sagt Christa Schäfer

Thema: Schule in Berlin, Systemischer Ansatz | Kommentare (0)

Gefühlsmonster und andere Gefühlskarten für Kita und Grundschule

Montag, 16. Februar 2015 9:34

Ich liiiiebe die Gefühlsmonster !!
Gerne setze ich diese Bildkarten in meinen Mediationen ein.

Bei meinen Trainings im Kita- und Grundschulbereich setze ich manchmal jedoch auch andere Sets von Gefühlskarten ein, die dichter an der “Lebenswelt” der Kinder sind. Sehr gelungen finde ich beispielsweise für den Kindergarten und die Grundschule die Bildkarten Gefühle vom Don Bosco Verlag. Es werden 6 Gefühle vorgestellt:

Freude
Wut
Angst
Trauer
Ekel
Neugier/Erstaunen.

Die ersten vier genannten Gefühle werden in zwei Intensitätsstufen dargestellt, also kleine Traurigkeit und große Traurigkeit, brummig und stinksauer, Angst und Panik, Freude und Glückseeligkeit.

20 weitere Karten zeigen Situationen von Kindern im Kita- und Grundschulalter, welche Kinder traurig, freudig, wütend oder ängstlich stimmen. Ein Junge wird von zwei anderen geärgert, ein Kind mag sein Essen nicht riechen, ein Kind sitzt am Bett des kranken Opas, ein Mädchen schaukelt usw.

Anhand dieser Bildkarten können die Grundgefühle kennen gelernt werden. Es können Zuordnungen von Situationen zu Gefühlen (und umgekehrt) vorgenommen werden. Spielerisch sind vielfältige Möglichkeiten des Umgangs mit den Karten vorstellbar.

Die smilieähnlichen Gefühlsdarstellungen lassen die Gesichter mit all ihren Merkmalen gut erkennen. Die Angst hat die weiten Augen, die Wut die zerfurchte Stirn usw. Sogar die typischen Körperhaltungen eines Gefühls sind den Figuren zu entnehmen, die zueinander gedrehten Beine, eine zusammengesunkene Haltung und vieles mehr.

Mit Hilfe der Karten können Geschichten erzählt werden, Gefühle erfragt, Gefühlsworte gefunden und gelernt, Erfahrungen ausgetauscht werden und vieles mehr. Ein beiliegendes booklet gibt kreative Hinweise zum Einsatz der Karten.

Welche Gefühle werden dargestellt?

Gefuehlskarten_Kita_01

Gefuehlskarten_Kita_02

Gefuehlskarten_Kita_05

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Welche Gefühle haben die Kinder in den folgenden Situationen?

Gefuehlskarten_Kita_03

Gefuehlskarten_Kita_04

Gefuehlskarten_Kita_06

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn Sie mögen, können Sie hier im Blog gerne über Ihre Erfahrungen mit Gefühlskarten für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Erwachsene oder Senioren berichten. Einfach auf das Kommentarfeld klicken und schon geht’s los …

Christa Schäfer

 

Weitere Artikel zum Thema Gefühle in diesem Blog:

Gefühle aus Sand

Gefühle auf der Berliner Mauer

Gefühle an einem Haus

Gemischte Gefühle

Welche Gefühle hat der Grüffelo?

Mikroexpressionen und Mimikresonanz

Thema: Emotionale Intelligenz | Kommentare (0)

Bausteine einer inklusiven Schule

Montag, 9. Februar 2015 6:54

Das Stichwort Inklusion ist heutzutage in aller Munde.
Was aber meint genau inklusive Pädagogik?

Wikipedia schreibt zur Inklusiven Pädagogik:
Inklusive Pädagogik ist ein pädagogischer Ansatz, dessen wesentliches Prinzip die Wertschätzung und Anerkennung von Diversität (= Unterschiedlichkeit) in Bildung und Erziehung ist. (…) Befürworter der Inklusion betrachten Heterogenität als ‚normale‘ Gegebenheit; Gegner der Inklusion argumentieren, dass Inklusion keine Methode sei, sondern eine Ideologie, in der nicht unbedingt das Glück und die Lern-Entwicklung aller Schulkinder im Mittelpunkt stehe, sondern die von Gesellschaft und Politik.
Inklusive Pädagogik ist dabei ein Gegenmodell zu Konzepten, die eher in der Bildung homogener Lerngruppen Vorteile sehen. Mit Slogans wie „Es ist normal, verschieden zu sein“, „Vielfalt macht stark“, „Jedes Kind ist besonders“ oder „Alle sind behindert“ möchten die Vertreter der Inklusion über den aus der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen zitierten Begriff der inclusive education hinaus verweisen: Sie soll in Deutschland als Aufgabe mit Folgen für die gesamte Bevölkerung betrachtet werden.

Berlin.de, das Internetportal der Hauptstadt, verdeutlicht mit einem Schaubild die Begriffe Seperation, Integration und Inklusion:

Grafik Segregation Integration Inklusion

 

„Inklusive Didaktik. Bausteine für eine inklusive Schule“, so heißt ein Buch von Kersten Reich aus dem Beltz Verlag. Das 392 Seiten starke Buch kann als „Anleitung“ zum Aufbau einer inklusiven Schule gesehen werden. Reich beginnt mit den Voraussetzungen und Standards für eine inklusive Schule, beschreibt anschließend erste Schritte und verschiedene Bausteine einer solchen Schule, schildert Methoden und endet mit Hinweisen zu Unterrichtsplanung und -qualität. Damit legt das Werk Maßstäbe für eine Inklusive Schule vor, und ich kann mir vorstellen, dass das Buch zu einem Standardwerk wird.

Auch Demokratie in der Schule ist einer der Bausteine, auf die Reich eingeht.
In dem Buch heißt es:

Demokratie und Inklusion bedingen einander
Nach John Dewey erkenne ich demokratische Strukturen insbesondere daran, dass die Menschen in einer Gruppe unterschiedliche sein können und unterschiedliche Interessen und Wünsche sowie Lebenswege mit- und auch gegeneinander leben und verwirklichen können, ohne dadurch die toleranten Normen und Werte dieser Gruppe (Gemeinschaft) insgesamt infrage stellen zu müssen. Dieser Aspekt zielt auf Gemeinschaften ab, wie sie z.B. auch in Schulen für bestimmte Zeiten entstehen. Zugleich muss es aber auch zwischen verschiedenen Gruppen bzw. Gemeinschaften in einer Gesellschaft möglich sein, die oft sehr unterschiedlichen Interessen mit gegenseitiger Achtung, Respekt und Toleranz zu leben und ohne gegenseitige Schmähung und Gewalt zu verwirklichen, wobei die Menschenrecht und grundsätzliche Ansprüche auf Menschenwürde und Chancengleichheit beachtet werden müssen.“
(Reich, Kersten: Inklusive Didaktik. S. 21)

Eines der Buchkapitel beschreibt darum „Demokratie im Kleinen“ als wesentliche Grundlage für „Demokratie im Großen“. Es geht darum, dass Kinder und Jugendliche so früh wie möglich demokratische Methoden kennen und umzusetzen lernen. Demokratie im Kleinen soll auf allen Stufen des Lernens eine Partizipation der Lernenden ermöglichen. Reich zählt folgende Punkte zum demokratischen Grundanliegen im Kleinen:

  • Lehrenden müssen demokratische Elemente für den Schulalltag kennenlernen und sich auf dieses Konzept einlassen. Lehrende und Lernende bilden nicht zwei Parteien, die sich auf unterschiedlichen Ebenen begegnen. Es geht vielmehr darum, dass beide Seiten dafür verantwortlich sind, die pädagogischen Prozesse, d.h. den Unterricht und den Schulalltag erfolgreich gemeinsam zu gestalten.
  • Diskussionen und Auseinandersetzungen werden nach bestimmten Regeln ausgetragen. Es geht darum, dass sowohl unter den Lernenden als auch mit der lehrenden Person respektvolle Diskussionen stattfinden, aus denen gelernt wird. Ein Bestandteil davon ist, zu lernen, eine andere Person ausreden zu lassen und selbst zuzuhören. Erfahrungen, die in solchen Auseinandersetzungen gemacht werden sind sehr wichtig. So lernen Kinder und Jugendliche früh, andere Sichtweisen zu respektieren und sich in Diskussionen anzunähern, um Lösungswege zu finden. Dadurch wird das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl gesteigert.
  • Lehrende und Lernende können sich in ihrer Diversität zeigen.
  • Lernende und Lehrende erarbeiten gemeinsam ein Konzept der Partizipation. Projektarbeit behandelt demokratisch relevante Themen.
  • Aktive Teilhabe der Lernenden am Unterricht gehört zum demokratischen Prozess dazu.

Résumé: Die Schaffung einer inklusiven Schule setzt demokratische Spielregeln, eine demokratische Erziehung und viel demokratische Erfahrungen voraus.

Wie sieht es in ihrer Gruppe, in ihrer Klasse aus?
Ist der Gruppen- bzw. Klassenrat schon eingeführt?

Wenn nicht, so nutzen Sie meine Praxisbroschüre zum Klassenrat oder fragen Sie mich nach einem einführenden Seminar an …

Ach ja, jetzt gibt es übrigens eine neue und informative Facebook-Seite zum Thema INKLUSION in der Schule

Und auch auf meiner Twitter-Seite können Sie kurze und knackige Neuigkeiten im Umfang von 140 Zeichen lesen …

Dr. Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Schule in Berlin, Soziales Lernen | Kommentare (0)

In der Mediation komplimentieren …

Montag, 2. Februar 2015 7:29

Darüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein.

Mitunter bekomme ich als Mediatorin nach einer Mediation „Komplimente“ und Lob für meine gute Arbeit, aber davon soll heute hier nicht die Rede sein. Ich frage mich eher, ob es angebracht ist Medianden für Ihre harte Arbeit in einer Mediation „Komplimente“ zu machen.

Angeregt ist diese Fragestellung dadurch, dass ich seit langer Zeit mal wieder in einem systemischen Klassiker gelesen habe, in dem Buch „Lösungen (er-)finden. Das Werkstattbuch der lösungsorientierten Kurztherapie“. 594 Seiten haben Peter De Jong und Insoo Kim Berg zusammengetragen, jetzt gibt es die deutschsprachige Ausgabe in der 7. Auflage beim Verlag modernes lernen. Das Buch zeigt die ungeheure Reflektiertheit in der Sprache der beiden Systemiker, und besonders die grundlegenden Fertigkeiten des Interviewens haben mich vor Jahren beeindruckt, als ich das Buch zum ersten Mal las.

Da ist die Rede vom Hören, von Fragearten, vom Achten auf Schlüsselworten, der Technik Worte der KlientInnen mit in die eigenen Aussagen einzubeziehen, dem Paraphrasieren, dem Zusammenfassen, dem Schwiegen, dem non-verbalen Verhalten, dem Komplimentieren, der natürlichen Empathie, dem Normalisieren, den Beziehungs-Fragen, der Lösungs-Sprache und vielem mehr …

Deshalb möchte ich das Buch „Lösungen (er-)finden“ gerne allen MediatorInnen ans Herz legen. Viele der dort vorgestellten Fertigkeiten des Interviewens lassen sich auf die Mediation übertragen. Es gibt viel Input zur Wunder-Frage, die ein wesentliches Element in der Arbeit von De Jong und Berg darstellt, und die ja auch in der Mediation als Methode genutzt werden kann. Beeindruckend und für MediatorInnen interessant sind ebenfalls die Buchkapitel, die zeigen wie Stärken und Erfolge von KlientInnen aufgebaut werden können, was es mit Skalierungsfragen auf sich hat, wie KlientInnen (also in unserem Fall MediandInnen) Rückmeldung gegeben werden kann und vieles mehr.

Herausgreifen möchte ich heute einige Buchpassagen über das Komplimentieren, weil ich mich gefragt habe, ob dies eine Methode ist, die auch in der Mediationspraxis angewandt wird bzw. angewandt werden kann. Dazu einige Zitate aus dem dem Buch von Peter De Jong und Insoo Kim Berg:

„Das Komplimentieren sollte nicht der Motivation entspringen, freundlich oder ‘nett’ zu den KlientInnen zu sein. Es sollte vielmehr auf der Realität gründen (…)

Als das Komplimentieren erstmals am Brief Family Therapy Center in Milwaukee eingeführt wurde, wurden Komplimente vorwiegend am Ende des Gesprächs eingesetzt, um die Aufmerksamkeit der KlientIn auf Stärken und Erfolge in der Vergangenheit zu lenken, die beim Erreichen ihrer Ziele hilfreich sein könnten. Die PraktikerInnen sind aber nach und nach dazu übergegangen, Komplimente im ganzen Gespräch einzusetzen, weil KlientInnen aus diesem Vorgehen Hoffnung und Zuversicht zu schöpfen scheinen. (…) Es gibt verschiedene Arten von Komplimenten …“

Quelle: De Jong, P.; Berg, I.K.: Lösungen (er-)finden). S. 80f

Wenn ich von Komplimenten spreche, so meine ich natürlich keine „platten Komplimente“ wie etwa: „Heute haben Sie aber ein schönes Kleid an.“ Ich meine vielmehr ehrliche, auf die gemeinsame Arbeit bezogene Komplimente.

Ein direktes Kompliment ist eine positive Würdigung oder Reaktion der PraktikerIn auf das, was die KlientIn gesagt oder getan hat.

In Bezug auf die Mediation bedeutet dies beispielsweise, den Medianden Dank und Würdigung auszusprechen für in der Mediation Geleistetes:

  • „Sie haben heute hart an Ihrem Konflikt gearbeitet …“
  • „Wunderbar, dann sind wir heute einen großen Schritt weiter gekommen in der Bearbeitung des Sachverhaltes x.“
  • „Besten Dank für die vielen kreativen Idee, die wir gleich zu Anfang der nächsten Sitzung wieder aufgreifen und weitergehend besprechen werden.“

Ein indirektes Kompliment ist eine Frage, die etwas Positives über die KlientIn impliziert. Eine Möglichkeit, indirekt zu komplimentieren, besteht darin, mehr Informationen über ein gewünschtes Ergebnis zu erfragen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, systemische Fragen zu etwas Positivem in einer Beziehung zu stellen. Eine dritte Möglichkeit besteht darin zu implizieren, dass die KlienIn weiß, was am besten ist. Indirektes Komplimentieren ist im Systemischen Therapiekontext der direkten Komplimentierung vorzuziehen.

In Bezug auf die Mediation meint dies beispielsweise folgende Fragen:

  • „Wie haben Sie es geschafft, dass es in den vergangenen zwei Wochen nicht zu erneutem beiderseitigen Anschreien in der Kommunikation gekommen ist?“
  • „Wenn ich ihre ArbeitskollegInnen fragen würde, auf welche Art und Weise Sie beide es geschafft haben die Arbeitsatmosphäre wieder zu festigen, was würden die sagen?“

Mein Tipp: Achten Sie doch bei zukünftigen Mediationen oder Mediationsrollenspielen auf den Effekt des Komplimentierens.

Zugegeben, in meiner Mediationspraxis gibt es diese Art der Komplimente für meine Medianden, denn es ist wirklich nicht einfach einen heftigen Konflikt anzugehen, hart daran zu arbeiten und die Zuversicht zur Klärung nicht zu verlieren. Und solange die Würdigung ernst gemeint ist, ist dies eine meiner Meinung nach durchaus legitime Methode. Eigentlich sollte ich nicht Methode sagen, denn es ist Teil (m)einer Haltung …

Wie sehen andere MediatorInnen dies?

fragt sich Dr. Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0)

Wahlrecht für Kinder?

Montag, 26. Januar 2015 7:20

Ich bin der festen Überzeugung, dass Kinder und Jugendliche das Recht zur Partizipation haben. Partizipation in der Familie, Partizipation in der Kita, Partizipation in der Schule. Auch das Wahlrecht?

Beteiligung/Partizipation beschreibt wohl eines der grundlegendsten Prinzipien der Demokratie. Ähnlich wie mit dem Begriff der Demokratie verbinden sich allerdings auch mit dem Terminus „Partizipation“ vielfältigste Verständnisse und Verwendungsweisen, die auf ganz unterschiedliche, teilweise konkurrierende Erklärungsansätze zurückgehen.
In dem wohl allgemeinsten Verständnis wird Partizipation als die Beteiligung von Einzelnen und Gruppen an Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen verstanden – die ganz unterschiedliche Formen und Ausmaße annehmen kann.
Besonders in der Kinder- und Jugendhilfe wurden in den vergangenen Jahrzehnten Stufenmodelle von Partizipation zitiert und weiterentwickelt. Um zu unterscheiden, wann in welchem Ausmaß von echter Partizipation die Rede sein kann, finden sich hier verschiedene Stufen der Partizipation, die bei Nicht-Beteiligungsformen wie z.B. „Dekoration“, bloße „Information“ oder „Alibi-Teilnahme“ ansetzen und über aufbauende Stufen von „Teilhabe“, „Mitarbeit, „Mitwirkung“ oder „Mitbestimmung“ bis hin zur Selbstbestimmung und Selbstverwaltung ein höchst mögliches Maß an Partizipation beschreiben.“
(DeGeDe: ABC der Demokratiepädagogik)

Mein neues Buch, das demnächst erscheint, heißt „Die partizipative Schule”. Es wird das Thema Partizipation im schulischen Umfeld näher beleuchten, zeigt die Voraussetzungen für den Partizipationsprozess auf und gibt Hinweise zu vielfältigen Möglichkeiten und Methoden der Partizipation. Es ist übrigens schon jetzt bestellbar, einfach auf den Buchtitel klicken …

Deutschland ist 1992 der Konvention der Vereinten Nationen zu den Rechten der Kinder beigetreten. In der Konvention ist festgeschrieben, dass Kinder von Geburt an in allen sie betreffenden Belangen angehört werden müssen und ein Recht auf Beteiligung haben. Super. In der Konsequenz auf mein neues Buch und die Kinderrechte habe ich mich gefragt, wie es dann mit dem Wahlrecht für Kinder aussieht.

In meinen Recherchen bin ich dabei auf das Buch „Wahlrecht für Kinder? Politische Bildung und die Mobilisierung der Jugend“ von Klaus Hurrelmann und Tanjev Schultz gekommen, das ich daraufhin mit großem Interesse gelesen habe.

Im Buch gibt es neun Artikel, die sich für ein Wahlrecht für Kinder einsetzen, und neun Artikel, die sich gegen ein Wahlrecht für Kinder aussprechen. Die beteiligten AutorInnen kommen großteils aus dem wissenschaftlichen Bereich, von PädagogInnen über Psychiater bis zum Rechtswissenschaftler; in der politischen, rechtlichen oder verbandlichen Arbeit tätig; oder sind direkt betroffene Schülerinnen und Schüler. Auch die Buchherausgeber Hurrelmann und Schultz ordnen sich diesen beiden Polen „für oder gegen Wahlrecht für Kinder“ zu, Hurrelmann für die Absenkung des derzeitigen Wahlalters, Schultz für die Beibehaltung.

Ja, ich bin noch dabei mir meine Meinung zum Thema zu bilden und bin mir noch nicht ganz schlüssig …
Was ich jedoch sagen kann, ist, dass mir das Buch sehr geholfen hat, die verschiedenen Positionen zu verstehen und zu durchdenken. Darum sei es all denjenigen empfohlen, die sich auch mit dieser Frage beschäftigen, oder die sich zum Thema interessieren wollen. Jedenfalls ist das Buch spannend zu lesen und regt zu eigenen Gedanken an.

Und damit Sie als Leserinnen und Leser meines Blogs auch einen kleinen Einblick in die Diskussion erhalten, seien hier im folgenden einige Gedanken aus dem Anfang des Streitgesprächs wiedergegeben.

Schultz: Du beschäftigst dich schon recht lange mit dem Wahlalter und setzt dich dafür ein, es abzusenken. Warum ist dir das so wichtig?
Hurrelmann: Seit den 1990er Jahren plädiere ich dafür, das Mindestwahlalter um mindestens zwei Jahre abzusenken. Ich bin auf das Thema durch die Kinder- und Jugendforschung gekommen, auch durch Befragungen von Kindern und Jugendlichen. Dabei habe ich den Eindruck gewonnen, dass sich schon Kinder im Grundschulalter heute mit allen gesellschaftlich relevanten Fragen und Problemen auseinandersetzen müssen. Sie sind durch die Medien mit sämtlichen Themen konfrontiert, nehmen sie auch wahr. Sie sind schon sehr früh gezwungen, sich zurechtzufinden, sich eine eigene Meinung zu bilden. Sie sagen, wenn wir uns schon so viel auseinandersetzen müssen, möchten wir auch Einfluss nehmen und möchten ernst genommen werden.
Schultz: Wirklich? Kein Desinteresse, keine Apathie?
Hurrelmann: Das wird ja den Jüngeren oft unterstellt. Aber ich habe in vielen Studien den Eindruck gewonnen, dass es ein Anliegen vieler junger Leute ist, mitzureden, mitzugestalten – wenn man sie lässt. Natürlich gibt es da viele verschiedene Möglichkeiten, unterschiedliche Kanäle und Foren. Aber was ist mit dem vornehmsten Bürgerrecht: dem Wahlrecht? Da liegt die Altersschwelle zu weit hinten im Leben. (…)
Schultz: Demokratische Rechte auszuweiten, klingt sympathisch. Mehr Demokratie wagen, die Jüngeren beteiligten – prima. Dennoch habe ich große Vorbehalte gegen eine Absenkung des Wahlalters. Wenn ich ehrlich bin, ist es zunächst ein Gefühl und eine Intuition – und die Argumente kommen hinterher. (…) Wir muten Kindern viel zu, mitunter zu viel. Bei den Gegnern des Kinderwahlrechts taucht in unserem Buch – wie ich finde zu Recht – öfter das Argument auf: Gebt den Kindern zwar den Raum, sich auszuprobieren, sich politisch zu engagieren, aber gebt ihnen auch Schutz! Lasst sie langsam hineinwachsen in die komplizierte und harte Welt der Politik und der Verantwortung. Zwingt sie nicht zu früh in Entscheidungen hinein!
Hurrelmann: Es gibt ja – was ich bemerkenswert finde – einen breiten Konsens unter den Autorinnen und Autoren in diesem Buch, dass es eine stärkere politische Beteiligung der Jüngeren geben kann und geben sollte, und das schon vom Kindesalter an. Da sind sich alle einig: Mehr Partizipation und politische Bildung sind möglich und nötig. Auch jenseits des Wahlrechts können wir viel und noch mehr dafür tun, die Ansprüche, Meinungen und Ideen von Kindern ernst zu nehmen und Kinder zu beteiligen an Entscheidungen, die sie und ihre Umwelt betreffen.“
(Hurrelmann, Schultz: Wahlrecht für Kinder. S. 254 ff)

Genau !!

Was denken Sie zur Absenkung des Wahlalters?
fragt sich Christa D. Schäfer

Thema: Gewalt, -prävention, -intervention, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)