Was ist ein systemischer Lehrer?

Montag, 23. Februar 2015 5:43

Vor Jahren habe ich eine Ausbildung als systemische Beraterin gemacht, seitdem führe ich stets einige systemische Beratungen pro Jahr durch. Von Zeit zu Zeit schreibe ich auch hier in diesem Blog über systemische Themen, zum Beispiel über

Über den systemischen Lehrer habe ich bisher noch nicht geschrieben. Das möchte ich heute gerne nachholen, und dazu passend das Buch Der systemische Lehrer von Jürgen Pfannmöller aus der Reihe „Spickzettel für Lehrer“ vom Carl-Auer Verlag vorstellen.

„Systemisch orientierte Pädagogen können sich ruhig und entspannt zurücklehnen, wohl wissend, dass sie selber ‘Fragende’ sind – Fragende bezüglich passender Antworten auf die sich stets wandelnden und neu entstehenden Konfliktfelder in der Organisation Schule, zwischen Schülern und Lehrern, zwischen Schule und Eltern und auch mit dem politischen Umfeld von Schule.“ (Vorwort der Reihenherausgeber „Spickzettel für Lehrer“ in: Pfannmöller: Der systemische Lehrer. S. 3 f)

Der Autor Pfannmöller schreibt über den systemischen Lehrer: „Der systemische Ansatz blickt darauf, in welchem Zusammenhang (System) ein Problem entsteht und wie es aufrechterhalten wird. Am Beispiel typischer Schulsituationen möchte ich Ihnen Anregungen geben, welche Haltungen und Methoden neue Handlungsmöglichkeiten im System Schule eröffnen.“ (ebenda, S. 10)

Tatsächlich können in dem postkartengroßen 96 Seiten starken „Spickzettel-Büchlein“ verschiedene Grundlagen des systemischen Denkens nachgelesen werden. In der Folge werden systemische ‘Methoden’ vorgestellt: die Musterunterbrechung, die Teilearbeit, die Arbeit mit Glaubenssätzen, paradoxe Interventionen, die Methode Rollenspiel mit Elementen der systemischen Aufstellung und vieles mehr. Lebensnahe Geschichten aus dem Schulalltag verdeutlichen die vorgestellten theoretischen Aspekte, schlagen die Verbindung zur Schule und verdeutlichen Vorgehensweisen eines „systemischen Lehrers“. Erstaunlich, wie viele Anregungen in solch einem kleinen Büchlein Platz haben !!

Besonders hat mich das Kapitel „Konflikte lösen“ interessiert, das sich u.a. mit den Mechanismen des Dramadreiecks und den daraus folgenden Verstrickungen beschäftigt.

Das Dramadreieck ist ein psychologisch-soziales Modell von Stephen Karpman. Beheimatet in der Transaktionsanalyse beschreibt es ein systemisches Beziehungsmuster zwischen mindestens zwei Personen, die darin drei Rollen einnehmen können: Täter, Opfer und Retter.

In vielen Konflikten kann man diese verschiedenen Rollen finden. In verschiedenen Beziehungen oder Situationen befindet man sich meist in verschiedenen, wechselnden Rollen. Dennoch fühlen sich manche Menschen in ihrem Leben auf eine dieser Rollen festgeschrieben und / oder suchen bzw. finden diese Rolle. Andere Menschen erleben, dass sich binnen Sekunden die Rollen in einem Konflikt ändern können und aus einem Opfer ein Täter wird oder aus einem Täter ein Opfer oder aus einem Retter ein Opfer oder auch ein Täter.

Auch in der Schule gibt es Beziehungskonstellationen, die der Ordnung des Dramadreiecks folgen. Schülerinnen und Schüler können nach Anregung des Autors Pfannmöller im Rollenspiel das Dramadreieck erleben. Gerne möchte ich hier eines der Rollenspiele vorstellen:

Der Partyflirt
Beziehungskonstellation nach dem Drama-Dreieck

Die Rollen: A Freund / B Freundin / C Partyflirt / D Zeuge/Petze

Die Geschichte: A und B sind ein Liebespaar. Auf einer Party verschwinden plötzlich B und C von der Tanzfläche sonst wohin. Nach geraumer Zeit betreten beide wieder das Geschehen und treffen auf A. Beide sehen ziemlich strubbelig und zerzaust aus. Der ansonsten immer akkurat aufgetragene Lippenstift ist verschmiert. A äußert den begründeten Verdacht, dass B ein „falsches Spiel“ spielt. Es mischt sich D ein, der sagt, alles gesehen zu haben. (ebenda, S. 57)

Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Rollenspiel in Schulklassen oder in Konfliktlotsenausbildungen gut ankommt und für viel Diskussion und Wirbel sorgt. Wenn Schülerinnen und Schüler das Dramadreieck theoretisch verstanden haben und sogar Erfahrungen damit im Rollenspiel gemacht haben, erkennen Sie leichter solche Muster im real life. Sie können dann sogar derartige Situationen überdenken und einfacher „lösen“. Was für ein Gewinn, nicht mehr im Dramadreieck gefangen zu sein …

Danke für die Anregung zu derartigen Rollenspielen im Schulbereich !!
sagt Christa Schäfer

Thema: Schule in Berlin, Systemischer Ansatz | Kommentare (0)

Gefühlsmonster und andere Gefühlskarten für Kita und Grundschule

Montag, 16. Februar 2015 9:34

Ich liiiiebe die Gefühlsmonster !!
Gerne setze ich diese Bildkarten in meinen Mediationen ein.

Bei meinen Trainings im Kita- und Grundschulbereich setze ich manchmal jedoch auch andere Sets von Gefühlskarten ein, die dichter an der “Lebenswelt” der Kinder sind. Sehr gelungen finde ich beispielsweise für den Kindergarten und die Grundschule die Bildkarten Gefühle vom Don Bosco Verlag. Es werden 6 Gefühle vorgestellt:

Freude
Wut
Angst
Trauer
Ekel
Neugier/Erstaunen.

Die ersten vier genannten Gefühle werden in zwei Intensitätsstufen dargestellt, also kleine Traurigkeit und große Traurigkeit, brummig und stinksauer, Angst und Panik, Freude und Glückseeligkeit.

20 weitere Karten zeigen Situationen von Kindern im Kita- und Grundschulalter, welche Kinder traurig, freudig, wütend oder ängstlich stimmen. Ein Junge wird von zwei anderen geärgert, ein Kind mag sein Essen nicht riechen, ein Kind sitzt am Bett des kranken Opas, ein Mädchen schaukelt usw.

Anhand dieser Bildkarten können die Grundgefühle kennen gelernt werden. Es können Zuordnungen von Situationen zu Gefühlen (und umgekehrt) vorgenommen werden. Spielerisch sind vielfältige Möglichkeiten des Umgangs mit den Karten vorstellbar.

Die smilieähnlichen Gefühlsdarstellungen lassen die Gesichter mit all ihren Merkmalen gut erkennen. Die Angst hat die weiten Augen, die Wut die zerfurchte Stirn usw. Sogar die typischen Körperhaltungen eines Gefühls sind den Figuren zu entnehmen, die zueinander gedrehten Beine, eine zusammengesunkene Haltung und vieles mehr.

Mit Hilfe der Karten können Geschichten erzählt werden, Gefühle erfragt, Gefühlsworte gefunden und gelernt, Erfahrungen ausgetauscht werden und vieles mehr. Ein beiliegendes booklet gibt kreative Hinweise zum Einsatz der Karten.

Welche Gefühle werden dargestellt?

Gefuehlskarten_Kita_01

Gefuehlskarten_Kita_02

Gefuehlskarten_Kita_05

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Welche Gefühle haben die Kinder in den folgenden Situationen?

Gefuehlskarten_Kita_03

Gefuehlskarten_Kita_04

Gefuehlskarten_Kita_06

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wenn Sie mögen, können Sie hier im Blog gerne über Ihre Erfahrungen mit Gefühlskarten für Kinder, Jugendliche, junge Erwachsene, Erwachsene oder Senioren berichten. Einfach auf das Kommentarfeld klicken und schon geht’s los …

Christa Schäfer

 

Weitere Artikel zum Thema Gefühle in diesem Blog:

Gefühle aus Sand

Gefühle auf der Berliner Mauer

Gefühle an einem Haus

Gemischte Gefühle

Welche Gefühle hat der Grüffelo?

Mikroexpressionen und Mimikresonanz

Thema: Emotionale Intelligenz | Kommentare (0)

Bausteine einer inklusiven Schule

Montag, 9. Februar 2015 6:54

Das Stichwort Inklusion ist heutzutage in aller Munde.
Was aber meint genau inklusive Pädagogik?

Wikipedia schreibt zur Inklusiven Pädagogik:
Inklusive Pädagogik ist ein pädagogischer Ansatz, dessen wesentliches Prinzip die Wertschätzung und Anerkennung von Diversität (= Unterschiedlichkeit) in Bildung und Erziehung ist. (…) Befürworter der Inklusion betrachten Heterogenität als ‚normale‘ Gegebenheit; Gegner der Inklusion argumentieren, dass Inklusion keine Methode sei, sondern eine Ideologie, in der nicht unbedingt das Glück und die Lern-Entwicklung aller Schulkinder im Mittelpunkt stehe, sondern die von Gesellschaft und Politik.
Inklusive Pädagogik ist dabei ein Gegenmodell zu Konzepten, die eher in der Bildung homogener Lerngruppen Vorteile sehen. Mit Slogans wie „Es ist normal, verschieden zu sein“, „Vielfalt macht stark“, „Jedes Kind ist besonders“ oder „Alle sind behindert“ möchten die Vertreter der Inklusion über den aus der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen zitierten Begriff der inclusive education hinaus verweisen: Sie soll in Deutschland als Aufgabe mit Folgen für die gesamte Bevölkerung betrachtet werden.

Berlin.de, das Internetportal der Hauptstadt, verdeutlicht mit einem Schaubild die Begriffe Seperation, Integration und Inklusion:

Grafik Segregation Integration Inklusion

 

„Inklusive Didaktik. Bausteine für eine inklusive Schule“, so heißt ein Buch von Kersten Reich aus dem Beltz Verlag. Das 392 Seiten starke Buch kann als „Anleitung“ zum Aufbau einer inklusiven Schule gesehen werden. Reich beginnt mit den Voraussetzungen und Standards für eine inklusive Schule, beschreibt anschließend erste Schritte und verschiedene Bausteine einer solchen Schule, schildert Methoden und endet mit Hinweisen zu Unterrichtsplanung und -qualität. Damit legt das Werk Maßstäbe für eine Inklusive Schule vor, und ich kann mir vorstellen, dass das Buch zu einem Standardwerk wird.

Auch Demokratie in der Schule ist einer der Bausteine, auf die Reich eingeht.
In dem Buch heißt es:

Demokratie und Inklusion bedingen einander
Nach John Dewey erkenne ich demokratische Strukturen insbesondere daran, dass die Menschen in einer Gruppe unterschiedliche sein können und unterschiedliche Interessen und Wünsche sowie Lebenswege mit- und auch gegeneinander leben und verwirklichen können, ohne dadurch die toleranten Normen und Werte dieser Gruppe (Gemeinschaft) insgesamt infrage stellen zu müssen. Dieser Aspekt zielt auf Gemeinschaften ab, wie sie z.B. auch in Schulen für bestimmte Zeiten entstehen. Zugleich muss es aber auch zwischen verschiedenen Gruppen bzw. Gemeinschaften in einer Gesellschaft möglich sein, die oft sehr unterschiedlichen Interessen mit gegenseitiger Achtung, Respekt und Toleranz zu leben und ohne gegenseitige Schmähung und Gewalt zu verwirklichen, wobei die Menschenrecht und grundsätzliche Ansprüche auf Menschenwürde und Chancengleichheit beachtet werden müssen.“
(Reich, Kersten: Inklusive Didaktik. S. 21)

Eines der Buchkapitel beschreibt darum „Demokratie im Kleinen“ als wesentliche Grundlage für „Demokratie im Großen“. Es geht darum, dass Kinder und Jugendliche so früh wie möglich demokratische Methoden kennen und umzusetzen lernen. Demokratie im Kleinen soll auf allen Stufen des Lernens eine Partizipation der Lernenden ermöglichen. Reich zählt folgende Punkte zum demokratischen Grundanliegen im Kleinen:

  • Lehrenden müssen demokratische Elemente für den Schulalltag kennenlernen und sich auf dieses Konzept einlassen. Lehrende und Lernende bilden nicht zwei Parteien, die sich auf unterschiedlichen Ebenen begegnen. Es geht vielmehr darum, dass beide Seiten dafür verantwortlich sind, die pädagogischen Prozesse, d.h. den Unterricht und den Schulalltag erfolgreich gemeinsam zu gestalten.
  • Diskussionen und Auseinandersetzungen werden nach bestimmten Regeln ausgetragen. Es geht darum, dass sowohl unter den Lernenden als auch mit der lehrenden Person respektvolle Diskussionen stattfinden, aus denen gelernt wird. Ein Bestandteil davon ist, zu lernen, eine andere Person ausreden zu lassen und selbst zuzuhören. Erfahrungen, die in solchen Auseinandersetzungen gemacht werden sind sehr wichtig. So lernen Kinder und Jugendliche früh, andere Sichtweisen zu respektieren und sich in Diskussionen anzunähern, um Lösungswege zu finden. Dadurch wird das Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl gesteigert.
  • Lehrende und Lernende können sich in ihrer Diversität zeigen.
  • Lernende und Lehrende erarbeiten gemeinsam ein Konzept der Partizipation. Projektarbeit behandelt demokratisch relevante Themen.
  • Aktive Teilhabe der Lernenden am Unterricht gehört zum demokratischen Prozess dazu.

Résumé: Die Schaffung einer inklusiven Schule setzt demokratische Spielregeln, eine demokratische Erziehung und viel demokratische Erfahrungen voraus.

Wie sieht es in ihrer Gruppe, in ihrer Klasse aus?
Ist der Gruppen- bzw. Klassenrat schon eingeführt?

Wenn nicht, so nutzen Sie meine Praxisbroschüre zum Klassenrat oder fragen Sie mich nach einem einführenden Seminar an …

Ach ja, jetzt gibt es übrigens eine neue und informative Facebook-Seite zum Thema INKLUSION in der Schule

Und auch auf meiner Twitter-Seite können Sie kurze und knackige Neuigkeiten im Umfang von 140 Zeichen lesen …

Dr. Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Schule in Berlin, Soziales Lernen | Kommentare (0)

In der Mediation komplimentieren …

Montag, 2. Februar 2015 7:29

Darüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein.

Mitunter bekomme ich als Mediatorin nach einer Mediation „Komplimente“ und Lob für meine gute Arbeit, aber davon soll heute hier nicht die Rede sein. Ich frage mich eher, ob es angebracht ist Medianden für Ihre harte Arbeit in einer Mediation „Komplimente“ zu machen.

Angeregt ist diese Fragestellung dadurch, dass ich seit langer Zeit mal wieder in einem systemischen Klassiker gelesen habe, in dem Buch „Lösungen (er-)finden. Das Werkstattbuch der lösungsorientierten Kurztherapie“. 594 Seiten haben Peter De Jong und Insoo Kim Berg zusammengetragen, jetzt gibt es die deutschsprachige Ausgabe in der 7. Auflage beim Verlag modernes lernen. Das Buch zeigt die ungeheure Reflektiertheit in der Sprache der beiden Systemiker, und besonders die grundlegenden Fertigkeiten des Interviewens haben mich vor Jahren beeindruckt, als ich das Buch zum ersten Mal las.

Da ist die Rede vom Hören, von Fragearten, vom Achten auf Schlüsselworten, der Technik Worte der KlientInnen mit in die eigenen Aussagen einzubeziehen, dem Paraphrasieren, dem Zusammenfassen, dem Schwiegen, dem non-verbalen Verhalten, dem Komplimentieren, der natürlichen Empathie, dem Normalisieren, den Beziehungs-Fragen, der Lösungs-Sprache und vielem mehr …

Deshalb möchte ich das Buch „Lösungen (er-)finden“ gerne allen MediatorInnen ans Herz legen. Viele der dort vorgestellten Fertigkeiten des Interviewens lassen sich auf die Mediation übertragen. Es gibt viel Input zur Wunder-Frage, die ein wesentliches Element in der Arbeit von De Jong und Berg darstellt, und die ja auch in der Mediation als Methode genutzt werden kann. Beeindruckend und für MediatorInnen interessant sind ebenfalls die Buchkapitel, die zeigen wie Stärken und Erfolge von KlientInnen aufgebaut werden können, was es mit Skalierungsfragen auf sich hat, wie KlientInnen (also in unserem Fall MediandInnen) Rückmeldung gegeben werden kann und vieles mehr.

Herausgreifen möchte ich heute einige Buchpassagen über das Komplimentieren, weil ich mich gefragt habe, ob dies eine Methode ist, die auch in der Mediationspraxis angewandt wird bzw. angewandt werden kann. Dazu einige Zitate aus dem dem Buch von Peter De Jong und Insoo Kim Berg:

„Das Komplimentieren sollte nicht der Motivation entspringen, freundlich oder ‘nett’ zu den KlientInnen zu sein. Es sollte vielmehr auf der Realität gründen (…)

Als das Komplimentieren erstmals am Brief Family Therapy Center in Milwaukee eingeführt wurde, wurden Komplimente vorwiegend am Ende des Gesprächs eingesetzt, um die Aufmerksamkeit der KlientIn auf Stärken und Erfolge in der Vergangenheit zu lenken, die beim Erreichen ihrer Ziele hilfreich sein könnten. Die PraktikerInnen sind aber nach und nach dazu übergegangen, Komplimente im ganzen Gespräch einzusetzen, weil KlientInnen aus diesem Vorgehen Hoffnung und Zuversicht zu schöpfen scheinen. (…) Es gibt verschiedene Arten von Komplimenten …“

Quelle: De Jong, P.; Berg, I.K.: Lösungen (er-)finden). S. 80f

Wenn ich von Komplimenten spreche, so meine ich natürlich keine „platten Komplimente“ wie etwa: „Heute haben Sie aber ein schönes Kleid an.“ Ich meine vielmehr ehrliche, auf die gemeinsame Arbeit bezogene Komplimente.

Ein direktes Kompliment ist eine positive Würdigung oder Reaktion der PraktikerIn auf das, was die KlientIn gesagt oder getan hat.

In Bezug auf die Mediation bedeutet dies beispielsweise, den Medianden Dank und Würdigung auszusprechen für in der Mediation Geleistetes:

  • „Sie haben heute hart an Ihrem Konflikt gearbeitet …“
  • „Wunderbar, dann sind wir heute einen großen Schritt weiter gekommen in der Bearbeitung des Sachverhaltes x.“
  • „Besten Dank für die vielen kreativen Idee, die wir gleich zu Anfang der nächsten Sitzung wieder aufgreifen und weitergehend besprechen werden.“

Ein indirektes Kompliment ist eine Frage, die etwas Positives über die KlientIn impliziert. Eine Möglichkeit, indirekt zu komplimentieren, besteht darin, mehr Informationen über ein gewünschtes Ergebnis zu erfragen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, systemische Fragen zu etwas Positivem in einer Beziehung zu stellen. Eine dritte Möglichkeit besteht darin zu implizieren, dass die KlienIn weiß, was am besten ist. Indirektes Komplimentieren ist im Systemischen Therapiekontext der direkten Komplimentierung vorzuziehen.

In Bezug auf die Mediation meint dies beispielsweise folgende Fragen:

  • „Wie haben Sie es geschafft, dass es in den vergangenen zwei Wochen nicht zu erneutem beiderseitigen Anschreien in der Kommunikation gekommen ist?“
  • „Wenn ich ihre ArbeitskollegInnen fragen würde, auf welche Art und Weise Sie beide es geschafft haben die Arbeitsatmosphäre wieder zu festigen, was würden die sagen?“

Mein Tipp: Achten Sie doch bei zukünftigen Mediationen oder Mediationsrollenspielen auf den Effekt des Komplimentierens.

Zugegeben, in meiner Mediationspraxis gibt es diese Art der Komplimente für meine Medianden, denn es ist wirklich nicht einfach einen heftigen Konflikt anzugehen, hart daran zu arbeiten und die Zuversicht zur Klärung nicht zu verlieren. Und solange die Würdigung ernst gemeint ist, ist dies eine meiner Meinung nach durchaus legitime Methode. Eigentlich sollte ich nicht Methode sagen, denn es ist Teil (m)einer Haltung …

Wie sehen andere MediatorInnen dies?

fragt sich Dr. Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0)

Wahlrecht für Kinder?

Montag, 26. Januar 2015 7:20

Ich bin der festen Überzeugung, dass Kinder und Jugendliche das Recht zur Partizipation haben. Partizipation in der Familie, Partizipation in der Kita, Partizipation in der Schule. Auch das Wahlrecht?

Beteiligung/Partizipation beschreibt wohl eines der grundlegendsten Prinzipien der Demokratie. Ähnlich wie mit dem Begriff der Demokratie verbinden sich allerdings auch mit dem Terminus „Partizipation“ vielfältigste Verständnisse und Verwendungsweisen, die auf ganz unterschiedliche, teilweise konkurrierende Erklärungsansätze zurückgehen.
In dem wohl allgemeinsten Verständnis wird Partizipation als die Beteiligung von Einzelnen und Gruppen an Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen verstanden – die ganz unterschiedliche Formen und Ausmaße annehmen kann.
Besonders in der Kinder- und Jugendhilfe wurden in den vergangenen Jahrzehnten Stufenmodelle von Partizipation zitiert und weiterentwickelt. Um zu unterscheiden, wann in welchem Ausmaß von echter Partizipation die Rede sein kann, finden sich hier verschiedene Stufen der Partizipation, die bei Nicht-Beteiligungsformen wie z.B. „Dekoration“, bloße „Information“ oder „Alibi-Teilnahme“ ansetzen und über aufbauende Stufen von „Teilhabe“, „Mitarbeit, „Mitwirkung“ oder „Mitbestimmung“ bis hin zur Selbstbestimmung und Selbstverwaltung ein höchst mögliches Maß an Partizipation beschreiben.“
(DeGeDe: ABC der Demokratiepädagogik)

Mein neues Buch, das demnächst erscheint, heißt „Die partizipative Schule”. Es wird das Thema Partizipation im schulischen Umfeld näher beleuchten, zeigt die Voraussetzungen für den Partizipationsprozess auf und gibt Hinweise zu vielfältigen Möglichkeiten und Methoden der Partizipation. Es ist übrigens schon jetzt bestellbar, einfach auf den Buchtitel klicken …

Deutschland ist 1992 der Konvention der Vereinten Nationen zu den Rechten der Kinder beigetreten. In der Konvention ist festgeschrieben, dass Kinder von Geburt an in allen sie betreffenden Belangen angehört werden müssen und ein Recht auf Beteiligung haben. Super. In der Konsequenz auf mein neues Buch und die Kinderrechte habe ich mich gefragt, wie es dann mit dem Wahlrecht für Kinder aussieht.

In meinen Recherchen bin ich dabei auf das Buch „Wahlrecht für Kinder? Politische Bildung und die Mobilisierung der Jugend“ von Klaus Hurrelmann und Tanjev Schultz gekommen, das ich daraufhin mit großem Interesse gelesen habe.

Im Buch gibt es neun Artikel, die sich für ein Wahlrecht für Kinder einsetzen, und neun Artikel, die sich gegen ein Wahlrecht für Kinder aussprechen. Die beteiligten AutorInnen kommen großteils aus dem wissenschaftlichen Bereich, von PädagogInnen über Psychiater bis zum Rechtswissenschaftler; in der politischen, rechtlichen oder verbandlichen Arbeit tätig; oder sind direkt betroffene Schülerinnen und Schüler. Auch die Buchherausgeber Hurrelmann und Schultz ordnen sich diesen beiden Polen „für oder gegen Wahlrecht für Kinder“ zu, Hurrelmann für die Absenkung des derzeitigen Wahlalters, Schultz für die Beibehaltung.

Ja, ich bin noch dabei mir meine Meinung zum Thema zu bilden und bin mir noch nicht ganz schlüssig …
Was ich jedoch sagen kann, ist, dass mir das Buch sehr geholfen hat, die verschiedenen Positionen zu verstehen und zu durchdenken. Darum sei es all denjenigen empfohlen, die sich auch mit dieser Frage beschäftigen, oder die sich zum Thema interessieren wollen. Jedenfalls ist das Buch spannend zu lesen und regt zu eigenen Gedanken an.

Und damit Sie als Leserinnen und Leser meines Blogs auch einen kleinen Einblick in die Diskussion erhalten, seien hier im folgenden einige Gedanken aus dem Anfang des Streitgesprächs wiedergegeben.

Schultz: Du beschäftigst dich schon recht lange mit dem Wahlalter und setzt dich dafür ein, es abzusenken. Warum ist dir das so wichtig?
Hurrelmann: Seit den 1990er Jahren plädiere ich dafür, das Mindestwahlalter um mindestens zwei Jahre abzusenken. Ich bin auf das Thema durch die Kinder- und Jugendforschung gekommen, auch durch Befragungen von Kindern und Jugendlichen. Dabei habe ich den Eindruck gewonnen, dass sich schon Kinder im Grundschulalter heute mit allen gesellschaftlich relevanten Fragen und Problemen auseinandersetzen müssen. Sie sind durch die Medien mit sämtlichen Themen konfrontiert, nehmen sie auch wahr. Sie sind schon sehr früh gezwungen, sich zurechtzufinden, sich eine eigene Meinung zu bilden. Sie sagen, wenn wir uns schon so viel auseinandersetzen müssen, möchten wir auch Einfluss nehmen und möchten ernst genommen werden.
Schultz: Wirklich? Kein Desinteresse, keine Apathie?
Hurrelmann: Das wird ja den Jüngeren oft unterstellt. Aber ich habe in vielen Studien den Eindruck gewonnen, dass es ein Anliegen vieler junger Leute ist, mitzureden, mitzugestalten – wenn man sie lässt. Natürlich gibt es da viele verschiedene Möglichkeiten, unterschiedliche Kanäle und Foren. Aber was ist mit dem vornehmsten Bürgerrecht: dem Wahlrecht? Da liegt die Altersschwelle zu weit hinten im Leben. (…)
Schultz: Demokratische Rechte auszuweiten, klingt sympathisch. Mehr Demokratie wagen, die Jüngeren beteiligten – prima. Dennoch habe ich große Vorbehalte gegen eine Absenkung des Wahlalters. Wenn ich ehrlich bin, ist es zunächst ein Gefühl und eine Intuition – und die Argumente kommen hinterher. (…) Wir muten Kindern viel zu, mitunter zu viel. Bei den Gegnern des Kinderwahlrechts taucht in unserem Buch – wie ich finde zu Recht – öfter das Argument auf: Gebt den Kindern zwar den Raum, sich auszuprobieren, sich politisch zu engagieren, aber gebt ihnen auch Schutz! Lasst sie langsam hineinwachsen in die komplizierte und harte Welt der Politik und der Verantwortung. Zwingt sie nicht zu früh in Entscheidungen hinein!
Hurrelmann: Es gibt ja – was ich bemerkenswert finde – einen breiten Konsens unter den Autorinnen und Autoren in diesem Buch, dass es eine stärkere politische Beteiligung der Jüngeren geben kann und geben sollte, und das schon vom Kindesalter an. Da sind sich alle einig: Mehr Partizipation und politische Bildung sind möglich und nötig. Auch jenseits des Wahlrechts können wir viel und noch mehr dafür tun, die Ansprüche, Meinungen und Ideen von Kindern ernst zu nehmen und Kinder zu beteiligen an Entscheidungen, die sie und ihre Umwelt betreffen.“
(Hurrelmann, Schultz: Wahlrecht für Kinder. S. 254 ff)

Genau !!

Was denken Sie zur Absenkung des Wahlalters?
fragt sich Christa D. Schäfer

Thema: Gewalt, -prävention, -intervention, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)

Rollenspiele in der Mediationsausbildung

Montag, 19. Januar 2015 7:12

Eine Mediationsausbildung beinhaltet neben theoretischem Input zu den Themen Kommunikation, Konfliktmanagement und Mediation auch Einheiten zur Selbstreflexion und vorallem Rollenspiele. Einige Ausbildungsteilnehmerinnen und -teilnehmer sind vor ihrem „ersten Rollenspiel“ aufgeregt und können sich die Methode nicht richtig vorstellen. Fast immer ist jedoch schon nach dem ersten Rollenspiel zu hören, wie effektiv diese Art des Lernens ist, und wie viel Spaß die Rollenspiele machen.

Gewöhnlich gibt es in den Rollenspielen in der Mediationsausbildung einen (oder zwei) MediatorInnen, zwei MediandInnen und mindestens einen Beobachter bzw. eine Beobachterin. Die Mediatorinnen und Mediatoren können die verschiedenen Phasen der Mediation erproben, den Schwerpunkt auf die sprachliche Entwicklung legen und/oder Methoden ausprobieren. Dabei können Rollenspiele sowohl im Anfangsstadium der Ausbildung als auch zur Verfeinerung verschiedener Techniken genutzt werden. Die Mediandinnen und Medianden im Rollenspiel erfahren, wie es sich anfühlt einen Streit – angeleitet durch eine allparteiliche dritte Person – konstruktiv zu lösen. Die Beobachter können intensiv die ablaufenden Prozesse wahrnehmen und anschließend den RollenspielerInnen Feedback geben. Meist machen sich alle Rollenspielerinnen und Rollenspieler ihre Rollen schnell zu eigen.

Gewöhnlich läuft ein Rollenspiel in vier verschiedenen Phasen ab.

Erstens die Aufwärmphase: Es gibt die Vorbereitungsphase, in der die MediatorInnen sich auf das Rollenspiel vorbereiten, die MediandInnen sich in ihre Rollen einfinden und die zukünftigen BeobachterInnen das Setting vorbereiten. Zweitens die Spielphase: Das Rollenspiel wird durchgeführt. Dies kann in verschiedenen Gruppen passieren, so dass sich möglichst viele Personen in den verschiedenen Rollen ausprobieren können – oder im Fishbowl, indem das Rollenspiel im Innenkreis der TeilnehmerInnen durchgeführt wird. Drittens die Entlassungsphase: Alle Rollenspieler entrollen sich und legen ihre Rollen ab. Viertens die Reflexionsphase: Die MediatorInnen und MediandInnen können beschreiben, wie sich sich im Rollenspiel und zu ausgewählten Zeitpunkten gefühlt haben, bzw. was sie noch voneinander gebraucht hätten, um den Konflikt gut lösen zu können. Die BeobachterInnen leiten den Auswertungsprozess und geben Feedback.

Wer mehr über die Methode „Rollenspiel“ wissen möchte, wird in dem Artikel von Kersten Reich aus dem Methodenpool der Kölner Universität fündig …

Immer wieder werde ich von TeilnehmerInnen in den Ausbildungen nach zusätzlichen Rollenspielen für die Intervisionsgruppenarbeit gefragt. Bisher konnte ich folgende zwei Bücher zur Anschaffung vorschlagen:

Jetzt kann ich das neu erschienene Buch „Rollenspiele. Ein Handbuch mit Übungsfällen und Begleitung“ von Sabine Zurmühl aus dem Wolfgang Metzner Verlag wärmstens empfehlen. Es enthält 10 Rollenspiele aus den Mediationsbereichen Familienmediation, Wirtschaftsmediation, Schulmediation und Gruppenmediation. Zu jedem Rollenspiel gibt es einführende Worte, eine Fallbeschreibung, besondere Rollenbeschreibungen für die mitspielenden MediandInnen, Empfehlungen für die Rollenspieler, Hinweise auf die Besonderheiten des Falles und ein abschließendes Fazit. Die Fälle sind plausibel beschrieben und betreffen gängige Mediationsthemen. Damit wird das Buch zu einem praktischen und unerlässlichen Begleiter für Intervisionsgruppen innerhalb von Mediationsausbildungen.

Das Buch “Rollenspiele” aus dem Metzner Verlag ist mein neuer Favorit in Sachen Rollenspiel. Gut einsetzbar für Ausbilder Mediation als auch für diejenigen, die gerade Mediation erlernen oder in diesem Bereich fit bleiben wollen …

Gutes Gelingen für die nächsten Rollenspiele
bzw. die nächsten Mediationen
wünscht Christa Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0)

Elder Mediation

Montag, 12. Januar 2015 7:11

Die Elder Mediation ist ein Mediationsbereich, der in Kanada in den 1980/90er Jahren entstand. Es gab verschiedene Organisationen, die die Erfahrung machten, dass Altersmediation Familien in bis dahin ungelösten Fragen gut unterstützen kann. Die Alzheimer-Gesellschaft der Prince Edward Island in Kanada, die erstmals 1991 Elder Mediation anbot, erklärte diesen Mediationsbereich sogar zu einem Kerngeschäft ihrer Gesellschaft. Die ersten Ausbildungsgänge zur Elder Mediation entstanden. Ein Berufskodex wurde für MediatorInnen entwickelt, die im Bereich der Elder Mediation tätig waren. 2006 wurden die Berufsregel zur Elder Mediation von Judy McCann-Beranger ausgearbeitet, verabschiedet und später auch ins Deutsche übersetzt. Das Elder Mediation International Network (EMIN) entstand als ein internationaler Zusammenschluss von Elder MediatorInnen. Seit 2008 führt das Netzwerk jährlich einen Kongress durch, das von Mediatorinnen und Mediatoren aus aller Welt besucht wird. Der Kongress hat in der Schweiz dazu geführt, dass das Thema auch dort verstärkt Fuß fassen konnte.

Ganz klar gibt es im Alter verschiedene Themen. Mal geht es darum, dass ein älterer Mann mit seinen Kindern etwas klären möchte, das ihn schon lange belastet und endlich ausgesprochen werden muss. Mal ist es die Familie, in der drei Geschwister klären müssen, wie die Pflege der Mutter gut gelingen kann, wer sich um was kümmert und wie die Kosten aufgeteilt werden sollen. Dann wieder gibt es ältere Ehepaare, in denen jetzt im Alter die Gewalt im Familienkontext Einzug hält, wie können sich die Kinder verhalten, wie kann man das alte Paar unterstützen und welche Regeln können aufgestellt werden? Die Fälle in der Elder Mediation sind so vielfältig wie nur denkbar. Gleich bleibt allen Fällen, dass sich die Mediatorin oder der Mediator in diese Ebene des Lebens hineindenken können und bestimmtes Wissen, diesen Bereich betreffend, haben muss.

Seit kurzem gibt es auch verschiedene Angebote zur Elder Mediation in Deutschland. Die 2013 gegründete Fachgruppe des Bundesverbandes Mediation (BM) verzichtet bewusst darauf, den Begriff „Alter“ anhand der Anzahl der gelebten Jahre eines Beteiligten zu bestimmen. Sie definiert die Elder Mediation:

„Elder Mediation ist Mediation, bei der die MediandInnen Alter bzw. die Konsequenzen des Älterwerdens als ein Thema ihres Konfliktes wahrnehmen. Der Konflikt, der in der Mediation bearbeitet wird, kann im privaten oder beruflichen Zusammenhang entstanden sein. Häufig, aber nicht immer, sind generationenübergreifende Systeme betroffen. Elder Mediation richtet sich an ältere Menschen und ihr Umfeld mit dem Ziel, Konflikte zu deeskalieren und bestehende Netzwerke zu stärken.“ (http://www.bmev.de/index.php?id=584, eingesehen am 30.08.2014)

Seitdem ich vor einigen Jahren die Elder Mediation in Tucson / Arizona kennen gelernt habe, führe ich auch verschiedentlich Elder Mediationen in Berlin oder deutschlandweit durch. Es gibt verschiedene Besonderheiten in diesem Mediationsbereich, die beispielsweise in den folgenden beiden Artikeln nachzulesen sind:

Artikel im „Spektrum der Mediation“

Artikel in „Mediation aktuell“

Aufgrund der Besonderheiten dieses Mediationsbereiches hat mich das Buch “Systemisches Arbeiten mit älteren Menschen. Konzepte und Praxis für Beratung und Psychotherapie“, im Carl-Auer Verlag herausgegeben von Thomas Friedrich-Hett, Noah Artner und Rosita A. Ernst sehr interessiert. Das Buch beschäftigt sich zunächst mit den Grundlagen des Alterns und umfasst anschließend verschiedene Aspekte der praktischen Arbeit mit älteren Menschen. Da breitet sich eine große Bandbreite aus, angefangen von der Systemischen Psychotherapie Hochbetagter über die Biografiearbeit, das Thema Sexualität und Partnerschaft im Alter, eine mögliche Suchtproblematik bis zum Umgang mit dementen Menschen. Das Buch ist eine wahre Fundgrube, wenn man sich für verschiedene Aspekte zur Beratung, Therapie und Mediation mit älterer Menschen interessiert. Und da es zur Elder Mediation noch kein deutschsprachiges Fachbuch gibt, sollte dieses Buch ein Grundlagenwerk werden, das für Elder MediatorInnen Pflicht wird.

Wer meinen Blog schon schon ein wenig länger kennt, der weiß, dass ich gerne eine Buchpassage zitiere, deren Gedankengänge mich besonders beschäftigt haben. Aus dem „Systemischen Arbeiten mit älteren Menschen“ möchte ich gerne auf Folgendes hinweisen:

„Verschiedene internationale Studien bestätigen, dass Einstellung und Lebenshaltung erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität und die Lebensdauer haben. Genauso, wie negative Erwartungen dem eigenen Alter gegenüber zu ungünstigen sich selbst erfüllenden Prophezeiungen werden können, können positive Einstellungen Lebensdauer und Lebensqualität verbessern.
So zeigte zum Beispiel eine Langzeitstudie der Universität Yale an 660 Älteren, dass diejenigen, die Altersvorurteile ablehnten und eine positive Selbsterwartung hatten, im Durchschnitt 7,5 Jahre länger lebten. Die innere Haltung hatte dabei sogar einen größeren Einfluss auf die Lebensdauer, als Sport zu treiben oder aufs Rauchen zu verzichten.“ (Friedrich-Hett; Artner; Ernst (Hrsg.): Systemisches Arbeiten mit älteren Menschen. S. 24)

Gerne möchte ich den Rat geben, rechtzeitig in einer Mediation Themen im Umgang miteinander zu klären, um die Lebensqualität zu erhöhen und eine positive innere Haltung steigern zu können, nur MUT !!

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Konflikte, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)

WUUUT

Montag, 5. Januar 2015 6:46

Vor einiger Zeit schrieb ich über das Thema Aggression im Kindesalter.
Wut und Aggression, ist das dasselbe?
Oder was ist der Unterschied?

Meine Definition: Wut ist ein Grundgefühl. Wut kann man im Innen spüren und fühlen. Wut kann nach außen gehen oder auch nicht. Wut kann ich gegen mich oder gegen andere richten. Wut ist nichts Schlechtes, sondern gibt lediglich den Hinweis auf etwas in mir, auf ein unbefriedigtes Bedürfnis. Wut kann nicht von jemandem anderen in mir produziert werden, die andere Person kann lediglich der Auslöser sein. Ich kann gut oder weniger gut mit meiner Wut umgehen. Wut kann zerstören. Wut kann aber auch zu Veränderung führen und etwas heilen. Es ist wichtig, wie ich mit meiner Wut umgehe – für mich und für andere. Und natürlich ist es ganz wichtig, wie mit Wut in Beziehungen und speziell im Familienkontext umgegangen wird. Was wenn Kinder oft wütend sind? Was wenn sich die Wut innerhalb der Familie entlädt? Wie geht die gesamte Familie mit Gefühlen, speziell mit Wut um? Darf Wut sein? Schlägt Wut in Aggression um und wird gegen andere ausgelebt?

Jetzt gibt es ein fantastisches Buch zum Thema Umgang mit Wut in der Familie, es heißt „Das kleine Anti-Wut Buch. Für Eltern und Kinder“. Es zeigt, wie Wut und Aggressionen bei Kindern entstehen, wie man Wutausbrüchen bei Kindern begegnen kann und was Eltern für sich selber tun können. Endlich ein deutschsprachiges Buch, das dieses immens wichtige Thema aufgreift.

Es ist normal, dass Kinder wütend werden. Kinder haben ein Recht auf ihre Emotionen und Gefühle. In meiner Arbeit stelle ich immer wieder fest, dass Eltern den Gefühlen ihrer Kinder hilflos gegenüber stehen oder vollkommen ungeschickt reagieren. Ja, natürlich haben viele Eltern selber nicht gelernt, wie sie mit eigenen Gefühlen gut umgehen können. Wie dann mit fremden Gefühlen gut umgehen? Aber in heutiger Zeit kann auch dies erlesen und erlernt werden. Es ist Zeit, dass überall darüber gesprochen wird. Kommunikation und der Umgang mit eigenen und fremden Gefühlen sind wichtig für die Gestaltung von Beziehungen, für die Entwicklung von Kindern, für das eigene Persönlichkeitswachstum und vieles mehr.

Das deutschsprachige Buch, das es jetzt endlich zum Thema „Wut in der Familie“ gibt, stammt von Rita Steiniger und wurde im Patmos Verlag herausgegeben. Das Buch heißt Das kleine Anti-Wut Buch. Das Buch zeigt einerseits theoretische Hintergründe auf und bietet andererseits ganz praktische Hinweise und Übungen an. Von der Entstehung von Wut und Aggression bei Kindern, den Entwicklungsphasen und der Rolle der Erziehung reicht der Bogen bis zu Hinweisen, was Eltern bei Wutanfällen ihrer Kinder tun können, und was sie aber auch für sich selber tun können. Hoffentlich lesen viele viele Eltern dieses Buch !!!

Die Hinweise von Rita Steininger, wie mit Schimpfworten in der Familie umgegangen werden kann, möchte ich meinen Leserinnen und Lesern hier exemplarisch vorstellen, deshalb ein längeres Zitat als Auszug aus dem Buch.

„Der Umgang mit Schimpfwörtern

Schimpfwörter sind ein weiteres Thema, mit dem sich so gut wie alle Eltern konfrontiert sehen. Kinder gebrauchen sie, ebenso wie Erwachsene, um Dampf abzulassen – manchmal auch, um die Reaktion der Erwachsenen auszutesten. Je nach Situation können Ihre Reaktionen unterschiedlich ausfallen:

Geht es dem Kind offensichtlich darum, Sie mit (frisch aufgeschnappten) Ausdrücken wie „Scheiße“ oder „Stinkfurz“ aus der Reserve zu locken, sollten Sie am besten darüber hinweggehen und kein großes Aufheben um die Sache machen. Wenn Ihr Nachwuchs merkt, dass Sie sich von seiner Ausdrucksweise nicht beeindrucken lassen, dürfte das Spielchen schnell seinen Reiz verlieren.
Sie können auf solche Schimpfwörter auch humorvoll reagieren: Veranstalten Sie einfach einen Kreativwettbewerb, bei dem alle Teilnehmer innerhalb einer vereinbarten Zeit, beispielsweise fünf Minuten, so viele lustige Schimpfwörter wie möglich von sich geben. Doch müssen hierbei Spielregeln eingehalten werden: Erlaubt sind nur solche Schimpfwörter, die niemanden verletzen,, zum Beispiel „Donnerhagelblitzundsturm“ oder „Katzenschiete“.
Anders sieht es aus, wenn das Kind sein Geschimpfe gegen eine Person richtet, sie mit beleidigenden Ausdrücken wie „Arschloch“ oder „Vollidiot“ betitelt. Solche Beschimpfungen sollten Sie nicht tolerieren. Machen Sie deutlich, dass es nicht in Ordnung ist, andere Menschen mit Worten zu verletzen.
Verwendet das Kind einen Kraftausdruck gegen Sie selbst – etwa weil es bei einer Auseinandersetzung mit Ihnen seinen Willen nicht bekommen hat und deshalb wütend ist -, sollten Sie ihm klar und bestimmt zu verstehen geben: „So reden wir nicht miteinander. Mit Schimpfwörtern kannst du bei mir nichts erreichen.“
Generell sollten Sie Schimpfwörter, die Ihrem Nachwuchs in einem Wutanfall herausrutschen, nicht gleich als persönliche Beleidigung werten. Gewöhnlich sind sie nicht so gemeint, sondern nur dem Gefühlsaufruhr des Kindes geschuldet. Hier ist es oft sinnvoll, eine Weile zu warten, bis der größte Zorn verraucht ist, statt gleich zu reagieren. Wenn Sie Ihr Kind dann auf den Zwischenfall ansprechen, können Sie ihm in sachlichem Ton klarmachen, dass Sie seine Beschimpfungen nicht okay fanden. Vergessen Sie jedoch nicht, auf seine Gefühle einzugehen: „Ich mag es nicht, wenn du mich beschimpfst, aber ich würde gerne wissen, was dich so wütend gemacht hat.“ Damit zeigen Sie Ihrem Nachwuchs, dass Sie seinen inneren Aufruhr wahrgenommen haben und seine Gefühle akzeptieren.
Und was tun, wenn ein Freund oder eine Freundin Ihres Kindes zu Besuch kommt und in Ihrem Haus mit Schimpfwörtern um sich wirft? Dann machen Sie dem Besuch deutlich: „Bei uns werden keine solchen Ausdrücke benutzt, ich möchte, dass du dich daran hältst.“ Ignoriert das betreffende Kind diesen Hinweis, geben Sie Ihrem eigenen Nachwuchs zu verstehen, dass die Regel für ihn trotzdem weiterhin gilt.“ (Rita Steininger: Das kleine Anti-Wut Buch. S. 45 ff)

Ich drücke die Daumen, dass das kleine Anti-Wut Buch von Rita Steininger ein Bestseller im deutschsprachigen Raum wird !!! Dr. Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)

Ein stressfreies 2015

Mittwoch, 31. Dezember 2014 17:17

Oder, um genauer zu sein: Ich wünsche Ihnen für das neue Jahr 2015 lediglich positiven und keinen als negativ empfunden Stress. Dazu zunächst die wikipedia-Definition von Stress:

„Unter Stress versteht man die Beanspruchung (Auswirkung der Belastungen) des Menschen durch innere und äussere Reize oder Belastungen (objektive, auf den Menschen einwirkende Faktoren sowie deren Größen und Zeiträume). Diese können sowohl künstlich wie auch natürlich, sowohl biotisch als auch abiotisch sein, sowohl auf den Körper wie auch die Psyche des Menschen einwirken und letztlich als positiv oder negativ empfunden werden oder sich auswirken. Die Bewältigung der Beanspruchung ist von den persönlichen (auch gesundheitlichen) Eigenschaften und kognitiven Fähigkeiten der individuellen Person abhängig, der Umgang mit einer Bedrohung wird auch Coping genannt. Einsetzbare Verhaltensweisen sind z. B. Aggression, Flucht, Verhaltensalternativen, Akzeptanz, Änderung der Bedingung oder Verleugnung der Situation.

Als “positiver Stress” bzw. Eustress (Die griechische Vorsilbe εὖ (eu) bedeutet „wohl, gut, richtig, leicht“) werden diejenigen Stressoren bezeichnet, die den Organismus zwar beanspruchen, sich aber positiv auswirken. Positiver Stress erhöht die Aufmerksamkeit und fördert die maximale Leistungsfähigkeit des Körpers, ohne ihm zu schaden. Eustress tritt beispielsweise auf, wenn ein Mensch zu bestimmten Leistungen motiviert ist, dann Zeit und Möglichkeiten hat, sich darauf vorzubereiten oder auch wenn eine (ggf. auch längere oder schwere) Krisensituation oder Krankheit dennoch positiv angegangen, bewältigt (s. Bewältigungsstrategie) und überwunden werden kann. Im Resultat können sogar Glücksmomente empfunden werden. Eustress wirkt sich auch bei häufigem, längerfristigem Auftreten positiv auf die psychische oder physische Funktionsfähigkeit eines Organismus aus.

Stress wird erst dann negativ empfunden, wenn er häufig oder dauerhaft auftritt und körperlich und/oder psychisch nicht kompensiert werden kann und deshalb als unangenehm, bedrohlich oder überfordernd gewertet wird. Insbesondere können negative Auswirkungen auftreten, wenn die individuelle Person (auch durch ihre Interpretation der Reize) keine Möglichkeit zur Bewältigung der Situation sieht oder hat. Beispiele dafür sind Klausuren ohne Zeit oder Fähigkeit zum Lernen, eine trotz Ärztebesuch unklare oder nicht anerkannte Erkrankung (vgl. Semmelweis-Reflex), eine durch Lärm unerträgliche Wohnung ohne Möglichkeit zum Umzug, o. ä. In diesem Fall kann dauerhaft negativer Stress (auch Disstress oder Dysstress, engl. distress; die griechische Vorsilbe δύς (dys) bedeutet „miss-, schlecht“) gegebenenfalls durch geeignete Hilfen oder Stressbewältigungsstrategien verhindert werden.“ (wikipedia, eingesehen am 30.12.2014)

Damit ein stressfreies Jahr 2015 in Erfüllung gehen kann, habe ich ein kleines Programm mit Anti-Stress-Yoga-Übungen für Sie zusammen gestellt. Die folgenden drei Übungen habe ich aus der Kartenbox Anti-Stress-Yoga von Petra Orzech aus dem systemed Verlag übernommen:

1. Den herabschauenden Hund – stärkt das Selbstbewusstsein, verhilft zu innerer Klarheit und sorgt für ein inneres sowie äußeres Gleichgewicht.

Yoga-Empfehlung Anti-Stress 1

Yoga-Übung Anti-Stress Herabschauender Hund

2. Den Krieger 1 – stärkt das Durchhaltevermögen, verleiht Zuversicht und schafft innere Stabilität.

Yoga-Empfehlung Anti-Stress 2

Yoga-Übung Anti-Stress Krieger 1

3. Das Kamel – erhöht das Energieniveau auf körperlicher sowie geistiger Ebene, gibt Kraft und verhilft zu einer tieferen, freieren Atmung.

Yoga-Empfehlung Anti-Stress 3

Yoga-Übung Anti-Stress Kamel

Das 74-teiligte Kartenset „Anti-Stress-Yoga“ bietet 18 Rezeptkarten und 56 Yoga Asanas. Es will unterstützen, mit gesunder Ernährung und mit Yoga zu einer guten Work-Life-Balance zu kommen. Die Yoga-Übungen sind einfach und in drei Schritten kompakt dargestellt, so dass sie leicht nachzumachen sind. Damit ist das Kartenset empfehlenswert sowohl für einen ersten Einblick als auch für den professionellen Einsatz und eine individuelle Zusammensetzung von Übungen.

Mit den von mir vorgestellten Übungen sollten Sie gut in das Neue Jahr 2015 starten können … Natürlich können Sie für besondere Stresssituationen auch die folgende Atem-Übung aus dem Office Yoga machen …

In diesem Sinne alles für Gute für 2015
wünscht Dr. Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen | Kommentare (1)

Farbenergie zu Weihnachten

Mittwoch, 24. Dezember 2014 13:15

Geht es Ihnen auch so, dass Sie im Dezember das Licht der Weihnachtsmärkte und der vielen Kerzen hinter den Fenstern der Häuser lieben? Manchmal gibt es sogar kleine Tannenbäume, die auf Kränen balancieren und dort ihr Licht verströmen. Oder einen beleuchteten Weihnachtsmann, der eine Fassade hochklettert. Licht bringt Energie und Kraft. Natürlich sind die Lichter im Dezember einerseits kitschig, aber andererseits auch wunderschön.

Auch Farben sind Energiebringer. Und so habe ich letztes Jahr zu Weihnachten ein Farbenergie-Kartenset geschenkt bekommen. Damit kann Farbe bekannt werden, Farbe in die Welt gebracht werden, Wichtiges auf Farbe festgehalten werden und vieles mehr. Dieses Jahr habe ich besonders im Coaching mit den Farbkarten gearbeitet und möchte sie Ihnen deshalb zu Weihnachten gerne vorstellen.

Die Farbenergie-Karten sind DIN A lang-Karten in kräftigen Farben: Gelb, Orange, Blau, Grün und natürlich auch in meiner Lieblingsfarbe Rot. Es gibt sie als Blanco-Karten, die man als solche wirken lassen oder mit eigenen Botschaften und einem speziellen Stift beschriftet kann. Es gibt sie als Karten, auf denen Werte wie Frieden, Lebensfreude, Glückseligkeit, Vertrauen und vieles mehr geschrieben sind. Und es gibt sie als Set mit Sprüchen. Mein Lieblingsspruch auf der roten Karte (wie könnte es anders sein): „Glück ist der schönste Aussichtspunkt, er steht uns immer zu.“

Besonders im Coaching nutze ich dieses Set sehr gerne. Ein Bild (und eine Farbe) sagen mehr als tausend Wort – Da ist was dran, denken Sie nicht auch?!

Übrigens, das Set der Farbenenergie kann man bei marketing:pur kaufen. Es wurde von Peter Köstel entwickelt und ist ein Beispiel aus seiner großen Palette von Kommunikations- und Training-Tools. Weihnachten 2014 ist nun zwar fast vorüber, aber nach Weihnachten ist auch vor Weihnachten und außerdem ist es eine gute Idee, sich dieses Set zum Jahresbeginn selber zu schenken. Perfekt können darauf die Jahresziele oder die Vorsätze zum Neuen Jahr festgehalten werden …

Mit den grünen Karten aus dem Kartenset möchte ich Ihnen ein schönes Weihnachtsfest wünschen.

Liebe ist ein heilendes Wunder, Foto von Christa Schäfer

Ein friedliches Weihnachstfest wünscht Christa Schäfer

Dr. Christa Schäfer

Können eigentlich Emotionen den Farben zugeordnet werden?

Thema: Emotionale Intelligenz, Kommunikation | Kommentare (0)