Die Mediation in Gruppen und Teams …

Montag, 23. Januar 2012 4:09

… stellt die Mediatorin bzw. den Mediator bzw. meist das MediatorInnenteam vor besondere Herausforderungen. Da sind es nämlich „nicht nur“ zwei Konfliktparteien, sondern gleich mehrere Personen, die an der Mediation teilnehmen, und das erfordert natürlich spezielles Wissen und spezielle Methoden, um die Mediation gut gelingen zu lassen.

Ein Team meint dabei einen Zusammenschluss von mehreren Personen zur Lösung einer bestimmten Aufgabe oder zur Erreichung eines bestimmten Zieles. In einem Unternehmen meint ein Team eine für einen bestimmten Zweck aus Mitarbeitern zusammengesetzte Arbeitsgruppe.

Eine Gruppe kann definiert werden als Ansammlung von Individuen, die sich selber als Mitglieder derselben sozialen Kategorie wahrnehmen, die ein gewisses Maß an emotionaler Bindung an diese Kategorie aufweisen und die einen gewissen sozialen Konsens über die Beurteilung und ihre Mitgliedschaft in dieser Gruppe aufweisen.

2011 erschien im Junfermann Verlag das Buch “Praxis der Gruppen- und Teammediation“, das Methoden und Visualisierungsvorschläge zur Team- und Gruppenmediation praxisnah vorstellt. In diesem Buch von Al Weckert, Christian Bähner, Monika Oboth und Jörg Schmidt werden die dargestellten Methode zunächst ausführlich beschrieben, dann folgt die Beantwortung der FAQs (Frequent Answered Questions), also der häufigsten Teilnehmerfragen aus Mediationsausbildungen zu dieser Methode, und es schließt sich eine Visualisierung durch ein abgebildetes Flip-Chart-Blatt an, das die wichtigsten Kernmerkmale der Methode zeigt. Die dem Buch beiliegende DVD veranschaulicht die Methoden am Beispiel von drei gespielten Mediationsfällen. Damit wird das Buch für all diejenigen, die sich in dem Bereich der Gruppen- und Teammediation spezialisieren wollen, ein unbedingtes Muss …

Weckert, Bähner, Oboth und Schmidt zeigen Besonderheiten auf, die die Mediationsarbeit mit Teams und Gruppen ausmachen, da heißt es beispielsweise:

„Gruppen und Teams brauchen Struktur, um Sicherheit und Orientierung in der Konfliktklärung zu erleben. Diskussionen mit vielen Beteiligten erfordern eine hohe Konzentrationsleistung. Lässt die Konzentration nach oder ist viel Pfeffer in der Debatte, nehmen automatisch die Seitengespräche zu. Der Schallpegel erhöht sich durch Papiergeraschel, Hüsteln und Getränkegeklapper. Was um 9.15 Uhr noch kein Problem darstellt, wird um 16.15 Uhr leicht zum Auslöser von Kopfschmerzen. Das Mediationsteam achtet deshalb darauf, durch regelmäßige Methodenwechsel Körper und Geist arbeitsfähig zu halten. …“ (Buch S. 19)

Sowohl in der Wirtschaftsmediation als auch in der Umwelt- und Gemeinwesenmediation warten Team- und Gruppenmediationen. Wer in diesen Mediationsbereichen tätig ist, wird also sein Mediationswissen und sein Methodenrepertoire vergrößern müssen. Ich denke da beispielsweise an das Phasenmodell der Mediation.

Kennt man in den meisten Bereichen der Mediation das klassische Fünf-Phasen-Modell der Mediation:

  1. Den sicheren Rahmen schaffen
  2. Die Themen erheben
  3. Sichtweisen erhellen
  4. Lösungen entwickeln
  5. Vereinbarungen treffen

so muss dieses in der Arbeit mit Gruppen und Teams auf ein Sieben-Phasen-Modell erweitert werden:

  1. Den sicheren Rahmen schaffen
  2. Die Themen erheben
  3. Die Themen priorisieren
  4. Die Sichtweisen darstellen
  5. Die Sichtweisen erhellen
  6. Lösungen entwickeln
  7. Vereinbarungen treffen

Natürlich ist es im Zusammenhang zur Arbeit mit Gruppen und Teams auch hochinteressant und wichtig, Grundkenntnisse zu den Gruppenphasen und Einblick in die Gruppendynamik zu besitzen – aber dazu gibt es bereits einen anderen Artikel in diesem Mediationsblog …

Gutes Gelingen für Ihre nächsten Mediationen
wünscht Christa D. Schäfer

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Mediation am Landwehrkanal

Montag, 16. Januar 2012 7:02

Ende 2007 hat sie begonnen, die Mediation um den Berliner Landwehrkanal. Zuvor, im April 2007 ist eine gemauerte Kanalwand am Maybachufer abgesackt. Taucher stellten bei einer Begutachtung der Unglücksstelle fest, dass die gesamte Uferbefestigung des Kanals auf einer Länge von 11 Kilometern marode war. Das Wasser- und Schiffahrtsamt veranlasste daraufhin, 200 Bäume am Landwehrkanal zu fällen – das Gewicht der Bäume trage zum Absacken des Ufers bei. Proteste, Bürgerinitiativen und eine Baumpatrouille regten sich und wollte Bäume und Landwehrkanal schützen. 37 Bäume wurden dennoch im Juli 2007 gefällt, teilweise unter Polizeischutz.

Mittlerweile ist wissenschaftlich nachgewiesen, „dass das Wurzelwerk der Bäume eher gut ist für eine Stabilisierung des Ufers.“ – so der Tagesspiegel vom 15.01.2011 unter dem Titel „Wasserstraße ins Ungewisse“.

Die 2007 beginnende Mediation ist eine der längsten bisher in Berlin abgehaltenen. Zahlreiche Arbeitskreise und -gruppen tagen regelmäßig, das Forum hält im Februar seine 34. Sitzung ab. Verzögerungen im sich lange hinziehende Mediationsverfahren werden von der Verwaltung den Bürgern, und von den Bürgern der Verwaltung angelastet. Derzeit werden „Realisierungsvarianten“, danach „Zielvarianten“ entwickelt. Wir werden sehen, wie es weiter geht …

Fachlich gesehen ist diese Mediation eine Umweltmediation bzw. eine Mediation im öffentlichen Bereich.

Definitionen

Umweltmediation
wird hauptsächlich mit „Umwelt(schutz)mediation“ assoziiert

Mediation im öffentlichen Bereich
entwickelte sich geschichtlich gesehen aus dem Begriff der Umweltmediation, indem der Begriff der „Umwelt“ im Sinne von gesellschaftlichem Umfeld oder Lebensfeld konkretisiert wurde.

Eine erste Definition hierzu entstand im Umfeld von Horst Zillessen, einem der ersten Umweltmediatoren im deutschsprachigen Raum: „Gegenstand dieser Verfahren sind Konflikte im öffentlichen Raum, also im politisch-administrativen gestaltbaren gesellschaftlichen Bereich. Damit ist sowohl der physische Raum (bei konkreten baulichen Projekten und Vorhaben) als auch der soziale Raum (bei der Vorbereitung oder der Erstellung von Programmen und politischen/rechtlichen Normvorstellungen) gemeint. Weiter identifiziert sie in Abgrenzung zu anderen Mediationsfeldern als Haupterkennungsmerkmal die Beteiligung von Vertretern aus Politik und Verwaltung.“
Quelle: MEDIATOR – Zentrum für Konfliktmanagement und -forschung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg: Mediation im öffentlichen Bereich. Oldenburg 2004. Nach: Schulz, Olaf: Gemeinwesenmediation als Methode partizipativer Gemeinwesenarbeit. GRIN Verlag 2004.

Die Konfliktaustragung findet im öffentlichen Raum statt – im Gegensatz zur Sphäre des Privaten oder der Arbeitswelt in anderen Bereichen der Mediation. „Die einer Mediation im öffentlichen Bereich zugrunde liegenden Konflikte werden in der Öffentlichkeit diskutiert, im gesamten Bereich der politischen Willensbildung: in Parteien genauso wie in Verwaltungen, betroffenen Unternehmen oder Bürgerinitiativen.“
Quelle: Rüssel, Ulrike: Grundlagen der Mediation im öffentlichen Bereich, in: Niedostadek, André: Praxishandbuch Mediation. Stuttgart, München u.a.: Boorberg 2010. S. 54.

Fachtag November 2011 zur „Mediation im öffentlichen Bereich“ in München

Am 18. November 2011 hat in München eine Fachtagung zum Thema „Mediation im öffentlichen Raum“ stattgefunden. Gut 150 MediatorInnen haben diesen spannenden und vielfältigen Fachtag der Stelle für Gemeinwesenmediation der Stadt München (SteG) besucht. SteG wird von Frau Dr. Eva Jüsten geleitet. Die zu SteG gehörigen MediatorInnen vermitteln bei Konflikten im gesamten Stadtgebiet, und natürlich auch bei Streitigkeiten im öffentlichen Raum. Wer den von mir auf dieser Tagung gehaltenen Eröffnungsvortrag zum Zusammenhang zwischen Mediation im öffentlichen Raum und Gemeinwesenmediation gerne nachlesen möchte, der kann sich das handout hier herunterladen

Infos zur Gemeinwesenmediation

Und wer Informationen zur Gemeinwesenmediation in Deutschland sucht, dem sei weiterhin das erste deutschsprachige Buch zum Thema Gemeinwesenmediation natürlich wärmstens empfohlen:

Christa D. Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Konflikte, Umweltmediation | Kommentare (0)

Ein Stuhl ist (kein) Stuhl – und mehr …

Montag, 9. Januar 2012 6:43

Vor einiger Zeit habe ich über Antworten zur Frage „Wann ist eine Frage eine gute Frage?““ berichtet. Heute möchte ich darüber schreiben, dass ein Stuhl nicht nur ein Stuhl ist …

Vielleicht haben Sie von der Methode mit dem leeren Stuhl gehört, oder kennen diese Technik bereits? Die Methode kommt ursprünglich aus der Gestalttherapie. Dort kann ein leerer Stuhl stellvertretend für verschiedenen Rollen stehen. Ein Stuhl kann einen Teil des Ichs repräsentieren und wird in der Gestalttherapie dadurch zur Lösung innerpsychischer Probleme genutzt. Ein leerer Stuhl kann allerdings auch einen Gesprächspartner oder eine Wunschperson symbolisieren. In der Vorstellung nimmt eine andere Person auf diesem Stuhl Platz. Perspektivwechsel und imaginäre Unterhaltungen sind möglich. Zirkuläre Fragen bekommen mehr Prägnanz. Und manchmal bekommt der Klient auch den Auftrag, sich mit diesem anderen zu identifizieren, in diesem Fall tauscht er mit der vorgestellten Person den Platz und setzt sich selbst auf den leeren Stuhl, damit er sich besser in die abwesende Person hineinversetzen kann, um zu erfahren, wie der andere eine Situation erlebt.

Sowohl in der systemischen Beratung und Therapie, als auch natürlich im Konfliktcoaching und in der Mediation – die ja per se systemisch ist – kann die Methode des leeren Stuhls eingesetzt und genutzt werden.

Im Konfliktcoaching kann der leere Stuhl beispielsweise als „So-tun-als-ob-Stuhl“ genutzt werden. Hat jemand die Wahl zwischen verschiedenen Optionen und Reaktionsmöglichkeit im Konfliktfall, so können diese Wahloptionen als Stühle gestellt werden. Der sich im Konfliktcoaching befindende Coachee kann sich dann abwechselnd auf die Stühle setzen, Vor- und Nachteile der jeweiligen Wahl kognitiv abwägen und die Wahlmöglichkeit über das eigene Erleben auf den Stühlen „erfühlen“. „Mal angenommen, Sie hätten sich für diesen Weg entschieden, wie geht es Ihnen damit? Wie fühlt es sich an?“ – so würde man einen Coachee fragen, der einen der Stühle gewählt hat.

Auch das zirkuläre Fragen im Konfliktcoaching kann mit einem dazu gestellten leeren Stuhl verstärkt werden. „Wenn jetzt auf diesem Stuhl hier neben Ihnen Herr xy sitzen würde, was würde er dann wohl dazu sagen?“ Es gibt Situationen, da meint man fast, diesen imaginären Herrn xy im Coaching „spüren“ zu können.

In der Mediation kann die Methode des leeren Stuhls natürlich auch genutzt werden, wenn eine Konfliktpartei nicht mit dabei sein kann. In einer Mediation mit einer Gruppe oder einem Team kann es schon mal passieren, dass ein Mitglied nicht anwesend sein kann. Dann ist zu überlegen, ob die Mediation abgesagt wird oder ob es eine Möglichkeit ist, durch die Methode mit dem leeren Stuhl weiter zu arbeiten. In diesem Fall wird dann der leere Stuhl stellvertretend für das fehlende Team- oder Gruppenmitglied gestellt. Dadurch kann dieses Team- oder Gruppenmitglied mit in die Mediation, in die Darstellung der Sichtweisen und in die Diskussion um die Lösungsfindung eingebunden werden. Natürlich ist die Anwesenheit aller Konfliktparteien immer oberstes Ziel in einer Mediation und die Wahl der Methode mit dem leeren Stuhl stets die zweite Wahl.

In dem zweiten Teil des Buches “Die Psychotherapeutische Schatzkiste“ von Andrea und Filip Caby aus dem Borgmann Verlag werden verschiedene Anwendungsmöglichkeiten für die Methode des leeren Stuhls in systemischen Settings genauer beschrieben. Die Cabys haben die Methode des leeren Stuhls in verschiedensten Situationen mit Klienten und ihren Systemen erfolgreich eingesetzt: Einsatz von Stühlen beim zirkulären Fragen, in der Time-Line-Technik, bei Familienskulpturen sowie beim Rollentausch. Sie nutzen Stühle oder andere Gegenstände zur bildlichen Darstellung eines Problems (oder einer Lösung) und schätzen einen leeren Stuhl bei ungewohnten Interventionen.

Neben dieser Methode wird in der Psychotherapeutischen Schatzkiste ein großes Repertoire an systemisch-lösungsorientierten Interventionen für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Familien vorgestellt. Praxisgeleitete Ausführungen gibt es zu Frageformen, Metaphern, Gesprächsgestaltung, Ressourcenarbeit und vielem mehr. Damit eignet sich das Buch als Lektüre für alle diejenigen, die systemisch arbeiten oder arbeiten möchten – sei es im beraterischen oder therapeutischen Bereich oder in der Mediation.

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (1)

Gemischte Gefühle?

Montag, 2. Januar 2012 15:59

Ja, gemischte Gefühle kann man schon haben am Anfang eines neuen Jahres … Man wünscht sich so Einiges, das im neuen Jahr in Erfüllung gehen soll. Man hat aber auch Befürchtungen, was da so alles auf einen zukommen könnte im frisch gebackenen Jahr. Gemischte Gefühle hat man jedoch nicht nur Anfang des Jahres, sondern sie sind ein Begleiter durch das ganze Jahr. Und mir werden dieses Jahr die Befos mit ihren gemischten Gefühlen Begleiter sein.

Befos?

Die Befos, die sind gleichzeitig fremd und vertraut, schräg, manchmal schüchtern und verlegen oder motzig und frech. Sie sind tiefgründig und albern und oft wundern sie sich, wie alles so ist. Das sagt jedenfalls die „Mutter der Befos“ Bettina Follenius zu den von ihr kreierten Gefühlskerlen.

Die Befos zeigen Gefühle, gemischte Gefühle. Es gibt 42 postkartengroße Gefühlskarten, die wunderbar in vielen Bereichen einsetzbar werden können, in Schule, Jugendarbeit, Mediation, Supervision, Seminaren, Trainings, Teambesprechungen, Beratungen, Coachings und vielem mehr.

Was sagen die Befos wohl, wenn ich Ihnen mitteilen, dass das neue Jahr gestartet hat?


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist bekannt, dass der Umgang mit eigenen und fremden Gefühlen Voraussetzung ist für den Aufbau von positiven und zufriedenstellenden Beziehungen, deshalb ist auch der adäquate Umgang mit Emotionen ein wichtiger Baustein im Sozialen Lernen. In der Schule kann beispielsweise über die Gefühle der Befos gesprochen werden, die Karten können Anlass für Geschichten sein oder als Signalkarten im Sozialen Lernen genutzt werden.

Auch in Mediations-, Supervisions- oder Coachingsitzungen ist der Umgang mit Gefühlen ein ganz wichtiger. Da bringt manchmal eine Befo-Karte die Situation klar und deutlich auf den Punkt. In Seminaren können sie gut in Eingangs- oder Abschlussrunden eingesetzt werden.

Ich freue mich sehr, dass Frau Follenius, die Erfinderin der Befos, mir einige Fragen zu den Befos beantwortet hat:

Frau Follenius, wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Befos zu erfinden?

In meinen Bildern habe ich schon länger an dem Spiel zwischen Gesichts/Gefühlsausdruck und Text gearbeitet. Mich interessiert dabei immer das nicht eindeutige, vielleicht auch überraschende, das die Betrachter zu eigenen Interpretationen einlädt. Gemischte Gefühle eben. Die Idee ein Kartendeck zu gestalten kam mir im Gespräch mit Kunden auf dem Kunstmarkt, die meine Bilder in ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verwenden wollten. Und wie wesentlich es ist, Gefühle wahrzunehmen und damit umzugehen ist mir aus meiner langjährigen Arbeit als Lehrerin, Therapeutin und Coach sehr vertraut. Dabei hilft ein Medium wie die Karten sich dem Thema Gefühle zu nähern, am besten mit einem Augenzwinkern.

Wie alt sind die Befos schon?

Nach 6 Monaten Entwicklungszeit haben sie in dieser Form im September 2011 das Licht der Welt erblickt.

Was ist ihr Lieblingserlebnis mit den Befos?

Am Verkaufstand während der Tagung „Selbstwert und Persönlichkeit“ im November in Göttingen. Eine Gruppe von vier jungen Frauen, eine zieht eine verdeckte Karte und liest laut vor: „Igitt“, eine andere zieht eine andere Karte und antwortet: „Auch das noch“, und so geht es weiter mit witzigen und zum Teil absurden Dialogen. Einer fällt ein: “das wäre etwas für…“, „genau, das ist doch wie…“, einer anderen: „das würde ich Frau… gerne mal sagen“. Spontanes Theater, die Umstehenden amüsieren sich. Später erzählen mir die jungen Frauen, dass sie in der Ausbildung zur Erzieherin sind und sich die Karten z.B. für Reflexionsrunden wünschen, die Teil ihrer Ausbildung sind. Das war spontan und besonders lebendig. Aber ich habe schon so viele, ganz unterschiedliche schöne, witzige und anrührende Situationen mit den „Gemischten Gefühlen“ erlebt, dass ich darüber ein ganzes Buch schreiben könnte.

Liebe Frau Follenius,
besten Dank für das Gespräch.

Grob gesehen gibt es vier Grundgefühle: Freude, Wut, Trauer und Angst. Der PS-Psychologe Paul Ekman definiert Wut, Ekel, Angst, Freude, Traurigkeit und Überraschung als Basisemotionen und hat durch seine Forschungen Anfang der 1970er Jahre auf Papua-Neuguinea nachgewiesen, dass die dortigen Ureinwohner diese Emotionen mit ähnlicher Mimik ausdrücken wie Europäer oder Amerikaner. Andere Wissenschaftler zählen neben den bereits genannten auch die Neugier zu den Basisemotionen.

Den Gemischen Gefühlen hat die Süddeutsche Zeitung 2011 eine Serie gewidmet. Da geht es um Gemischte Gefühle als Triebkräfte unseres Lebens, um Gefühle wie Verachtung, Verwirrung, Eifersucht, Schadenfreude, Ekel, Nostalgie, Einsamkeit, Rache, Geborgenheit, Vertrauen und noch viel mehr …

Ich empfinde Gefühle, Emotionen, Stimmungen, Empfindungen als ein spannendes Feld. Allen, die gut mit ihren gemischten Gefühlen ins neue Jahr starten möchten, empfehle ich die Befos, zu bestellen unter … (einfach auf den roten Text klicken)

Christa D. Schäfer

Haben Sie schon einmal Gefühle aus Sand gesehen?

Thema: Emotionale Intelligenz, Soziales Lernen | Kommentare (0)

Viel Freude und Glück für 2012

Montag, 2. Januar 2012 0:47

möchte ich Ihnen mit folgendem Gedicht wünschen,
das von Rainer Maria Rilke (1875-1926) stammt:

Freude ist unsäglich mehr als Glück,
Glück bricht über die Menschen herein,
Glück ist Schicksal -
Freude bringen sie in sich zum Blühen,
Freude ist einfach eine gute Jahreszeit über dem Herzen;
Freude ist das Äußerste, was die Menschen in ihrer Macht haben.

Herzlichst, Ihre
Christa D. Schäfer

 

Auch in diesem Jahr wird es natürlich wieder interessante Artikel zu Themen im Umfeld von Kommunikation und Konfliktmanagement im Spannungsfeld von Pädagogik und Mediation geben – schauen Sie also wieder rein …

Thema: Emotionale Intelligenz | Kommentare (0)

Gemeinwesenmediation im Bundesstaat Maryland / USA

Montag, 26. September 2011 9:39

Die USA hat 50 Bundesstaaten. Maryland ist einer der Bundesstaaten, der in der Nähe von Washington D.C. und Baltimore liegt. In Maryland gibt es 24 Countys (Bezirke). Einer davon ist Montgomery County mit 971.777 Einwohnern (2010).

Da Maryland der Mediation gegenüber sehr aufgeschlossen, gibt es in 18 dieser Countys ein Community Mediation Center, also ein Zentrum für Gemeinwesenmediation. Diese MediationsZentren werden von den Gerichten Marylands unterstützt, sie erhalten monitäre Förderung und bearbeiten dafür Fälle, die vom Gericht für eine Mediation benannt wurden.

Das Conflict Resolution Center of Montgomery County (CRCMC) befindet sich in Wheaton. „Strengthening our communities peace by peace“ – das ist der Slogan dieses MediationsZentrums. Es verhilft Personen im Konflikt:

to improve understanding
to open communication
to rebuild relationships
to create win-win solutions
to save time and money

Genau ist festgelegt, in welchen Fällen mediiert wird, nämlich zwischen Nachbarn, zwischen Hauseigentümer und Mieter, zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zwischen Betrieb und Kunde, zwischen Familienangehörigen, in Freundschaftsverhältnissen, zwischen Grundstückeigentümer und Mietern, bei geringfügiger Schadenshöhe, zwischen Eltern und deren jugendlichen Kindern sowie zwischen Senioren und deren Familien.

Jährlich gibt es eine Ausbildungsgruppe mit ca. 20 neuen MediatorInnen, die eine 50stündige Ausbildung genießen dürfen. Dafür stellen sie dem MediationsCenter im ersten Jahr 100 Arbeitsstunden zur Verfügung. Diese Arbeitsstunden können auf verschiedene Art und Weise „abgeleistet“ werden. Unter den TeilnehmerInnen der Ausbildung befinden sich auch immer wieder Richter oder Rechtsanwälte, die sich für diese Art der Konfliktbewältigung interessieren – die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass es diese Berufsgruppen nicht so einfach haben, Mediation zu erlernen und später im Mediationsprozess neutral zu bleiben.

Die neuen MediatorInnen werden von der Organisation „Community Mediation Maryland“ trainiert. Diese Organisation ist so etwas wie das „Dach“ der Community Mediation Zentren in Maryland, sie unterstützen die MediationsZentren Marylands durch verschiedene Serviceangebote und bieten jedem der in Maryland ansässigen MediationsZentren ein kostenfreies Training jährlich an.

Community Mediation Maryland hat Richtlinien für die Community Mediation herausgegeben, sie benennen 10 Punkte für die Gemeinwesenmediation:

1. Provide mediation services at no cost or on a sliding scale
2. Hold mediations in neighborhoods where disputes occur
3. Schedule mediations at a time and place convenient to the participants
4. Encourage early use of mediation to prevent violence or to reduce the need for court intervention, as well as provide mediation at any stage in a dispute
5. Mediate community-based disputes that come from referral sources including self-referrals, police, courts, community organizations, civic groups, religious institutions, government agencies and others
6. Educate community members about conflict resolution and mediation
7. Maintain high quality mediators by providing intensive, skills-based training, apprenticeships, continuing education and ongoing evaluation of volunteer mediators
8. Work with the community in governing community mediation programs in a manner that is based on collaborative problem solving among staff, volunteers and community members
9. Provide mediation, education, and potentially other conflict resolution processes to community members who reflect the community’s diversity with regard to age, race, gender, ethnicity, income, education, and geographic location

Aber zurück zum Conflict Resolution Center of Montgomery County (CRCMC): Derzeit stehen hier 76 MediatorInnen auf der Mediatorenliste, davon sind 25 sehr aktiv und 26 kaum aktiv. Zur Zeit wird ein volunteer mediation Standard ausgearbeitet. Danach sollen die MediatorInnen nur die Chance haben weiter zu mediieren, wenn sie mindestens 6 Mediationen pro Jahr mediiert haben und jährlich mindestens 35 Stunden für das MediationsCenter ehrenamtlich arbeiten. Sie unterstützen das Projekt durch ihre Mediationen, ihre Beratungen, ihre Fallorganisationen, als commitee members und vieles mehr. Neben Englisch wird auch in Spanisch mediiert.

Für die Annahme der Fälle sind die ehrenamtlich arbeitenden MediatorInnen selber zuständig. Montags bis Freitag zwischen 9 und 16 Uhr sitzen stets ein oder zwei MediatorInnen am Telefon, um die Fälle anzunehmen, um abzuklären ob sich ein Fall zur Mediation eignet oder um Wichtiges zu organisieren. Die meisten der eintreffenden Fälle können mit Mediation bearbeitet werden, in über 60 % der Fälle kann eine Einigung erzielt werden. Im MediationsZentrum arbeiten weiterhin neun Hauptamtliche, die verschiedene Aufgaben und Tätigkeitsbereiche haben.

Das Conflict Resolution Center of Montgomery County bearbeitete im letzten Jahr insgesamt 500 Fälle. Davon wurden 250 Fälle über das Gericht des Countys vermittelt, diese Mediationen wurden sogar im Gerichtsgebäude durchgeführt. Weitere 250 Fälle sind Fälle, die im Bereich der Community Mediation angefallen sind, vielfältige Konfliktthemen wurden bearbeitet.

Insgesamt hat das Conflict Resolution Center of Montgormery County viele Kooperationspartner, die mediationsgeeignete Fälle an das MeditionsZentrum „überweisen“. Mit manchen der Kooperationspartner wurde sogar vereinbart, dass eine Mediatorin / ein Mediator an einem festen Tag in der Woche in den Räumlichkeiten der „überweisenden Institution“ die Mediationen durchführt.

Wie beispielsweise auch das MediationsZentrum Berlin, so muss auch das Conflict Resolution Center of Montgomery County immer noch viele Aktionen starten, um Mediation bekannt zu machen. Die Vorgehensweisen sind ähnlich: Auf Festen und Festivals präsent sein, Präsentationen für andere Institutionen anbieten und durchführen, kleine zwei- oder sechsstündige Trainingseinheiten für Jedermann initiieren, den Kontakt zu den „überweisenden Institutionen“ ausbauen und halten, die im Gebiet ansässigen Schulen ansprechen und mit diesen zusammenarbeiten, Kirchen und religiöse Orte informieren und um Zusammenarbeit bitten, Broschüren und Flyer auslegen, Zettel im Supermarkt am schwarzen Brett ankleben, die Bücherei als Treff- und Informationsort nutzen, Werbung in öffentlichen Verkehrsmitteln schalten, usw. Auch in Maryland ist es noch so, dass manche Personen erst sechs bis sieben Mal das Wort Mediation gehört haben müssen, bis sie etwas damit verbinden und dann auch noch im Konfliktfall ein Zentrum für Gemeinwesenmediation aufsuchen.

Das CRCMC bietet folgendes an:

  • Mediation (stets kostenfrei)
  • Konfliktmoderation für Konflikte in und mit großen Gruppen (um eine Spende wird gebeten)
  • Community Conferencing und Dialogue Circles für Schulen (always free)
  • Konfliktkurse mit einer geringen Stundenanzahl (auf Spendenbasis von privat oder der jeweiligen Institution)

Viele Aspekte dieses Angebots sind sehr interessant und bemerkenswert. Es gibt beispielsweise ein extra Programm zur Mediation mit ehemaligen Häftlingen, genannt Re-Entry Mediation. Kurz vor und nach der Entlassung können die ehemaligen Häftlinge zusammen mit ihren Familien, Freuden, ehemaligen Freunden usw. Mediationen in Anspruch nehmen. Ein weiteres Programm nennt sich Senior-Mediation. Es soll Senioren und deren Familien helfen, die Zukunft zu planen. Sowohl die älteren Menschen als auch deren Familien besprechen gemeinsam Fragen nach der Pflege, einer Heimunterbringung und vielem anderen mehr. Die Parent-teen Mediationen sind speziell für Eltern und deren jugendliche Kinder gedacht. Die Pubertät der Kinder ist in viele Familien ein heftiger Einschnitt und die daraus erwachsenden Probleme fast nicht mehr in den Griff zu bekommen – hier wird mit Mediation eine Lösung geschaffen. Gerichte schicken beispielsweise auch bereits geschiedene Ehepaare zum CRCMC um Parenting plans zu machen, also Vereinbarungen zu treffen, wo das Kind bzw. die Kinder wann nach der Scheidung wohnen soll(en).

Die oben bereits angesprochenen Konfliktkurse laufen in Wheaton sehr erfolgreich, es sind meist sechsstündigen Konfliktkurse (drei Termine á zwei Stunden), die dort angeboten werden. Für Kooperationspartner und andere Interessierte aus der Community geht es dabei um folgende Inhalte: 1. Termin: Was ist ein Konflikt? Wie gehe ich mit einem Konflikt um? 2. Termin: Gefühle, Bedürfnisse, Grundlagen der Kommunikation 3. Termin: Creative problem solving. Zwischen 10 und 80 Personen nehmen je Kurs an diesen Terminen teil; ca. 80 derartiger Trainings gab es 2010.

Falls Sie sich nach diesem Ausflug in die Gemeinwesenmediation von Montgomery County nur für die Gemeinwesenmediation in Deutschland interessieren, empfehle ich Ihnen gerne folgendes Buch: “Mediation im Gemeinwesen“, das viele wertvolle Informationen enthält.

Ja, und über die Meeting Facilitations in Schools sowie die Dialogue Circles und die Methode des Community Conferencing gibt es demnächst in diesem blog einen eigenen Artikel, denn auch diese drei Themen sind natürlich höchst spannend !!

But now: I want to say Thank you to the three ladys from the Conflict Resolution Center of Montgomery county, who talked to me and explained all the facts I wanted to know about the Center. Thanks a lot !!

Christa D. Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Konfliktmanagement, Konfliktprävention | Kommentare (1)

Kommunikation in der Familie

Montag, 19. September 2011 22:44

„Lilly, zwei Jahre alt, will, was Lilly will. Also viel und auf jeden Fall immer das andere. Das Wurstbrot ohne Brot. Die linke Birne, nicht den rechten Apfel. Keine Spange, eine Spange. Dienstagmorgen kam ich in den Genuss einer zweistündigen Sinnlos-Diskussion über eine Strumpfhose, die sie nicht anhaben wollte, ich aber fand, sie sollte sehr wohl. Über ein Schlafanzugoberteil, das ich ihr über den Kopf zog. Und sie wieder runter. Über eine Socke, die sich sich vom Fuß zupfte, so bald ich versuchte, auch Nr. 2 an die Frau zu bringen. Hallo???!!!
Ich bin einundvierzig, und dieser Zellhaufen ist zwei!“

„Natürlich zählt die textile Wartung und Pflege eines zweijährigen sich sträubenden Schmutzfinks zu den Standardanforderungen des Mutterhandwerks. Aber ich bin Mama 2011. Mein Kind soll niemals weinen, es soll immer nur lachen. Es soll später allen erzählen, was für ein Riesenglück es war, vom Klapperstorch über unserem Haus abgeworfen zu werden. Und nicht bei der blöden Tante aus dem Haus gegenüber. Ich will, dass es voller Liebe ruft: „Ich habe mein Fehlverhalten eingesehen und kooperiere gerne!“ Und ich glaube, unsere Lilly ist da schon auf dem besten Weg. Sie kann sich halt nur noch nicht so gut ausdrücken, die kleine Maus: „Mama, böse!!!““

„Für XY-Chromosomenträger sind Problemgespräche purer Stress. Will sagen: Mit Schatzi kannst du über alles reden. Hauptsache, es geht nicht um Probleme. Als Mann hasst er Probleme. Insbesondere solche, die ihm seine eigene Frau erzählt. Und noch insbesonderer solche, die er nicht mit „ja“ oder „nein“ beantworten kann. Natürlich hat er auch diese klassischen tief verwurzelten Männerängste. Niemals zum Beispiel würde er irgendein Problem einfach so an sich reißen und zu seinem erklären. Nachher hänge ich noch dran, wer weiß?
Als Frau warte ich beim Telefonieren auch immer vergeblich auf ein Grunzen oder Schnarchen am anderen Ende der Leitung. Also irgendein Geräusch, das mir das Gefühl gibt, mein mit mir verheirateter Gesprächspartner ist noch am Leben. Stattdessen gewinne ich schnell den Eindruck: Muddi ist der akustische Spam hier, immer dicht am Mülleimer. Und Schatzi die wachere, unüberwindbare, ein Meter dreiundachtzig hohe Firewall – erschaffen, das Paradies vor dem Untergang durch Probleminvasion zu bewahren.
Dabei stehen die ganze Zeit zwei Fragen im Raum – natürlich breitbeinig, wie sich das gehört, und mit viel hosentaschentechnischem Kleingeldgeklöter: Ist Schatzi vielleicht ein schlechter Zuhörer?
Ach nein! Iwo!
Zuhören und Antworten sind einfach nur zwei im Männerhirn völlig voneinander abgekoppelte Prozesse.“

Das zum Thema „Kommunikation in der Familie“ …
Gelungene Kommunikation?
Kommunikation, die bekannt anmutet?

Auf jeden Fall jedoch Kommunikation, die amüsiert und zum Denken anregt -
und ein Text, der zum Schmökern da ist.

Gerne stelle ich Ihnen mit obigen Zitaten das neue Buch “Der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren“ von Katja Kessler vor.

Dr. Katja Kessler ist promovierte Zahnärztin, die vier Jahre lang als Gesellschaftkolumnistin bei der BILD-Zeitung war, dann zwei erfolgreiche Dieter-Bohlen-Biografien schrieb, mit ihrem ersten Roman „Herztöne“ auf der Spiegel-Bestsellerliste landete, deren Schwangerschaftsratgeber „Das Mami-Buch“ in acht Sprachen übersetzt wurde, und die jetzt bereits das zweite Buch über „Schatzi“ und ihre Familie geschrieben hat. Katja Kessler hat vier Kinder, wohnt in Potsdam und ist mit dem Bild-Chefredakteur Kai Diekmann verheiratet.

Das Buch ist sehr kurzweilig, es ist rasant zu lesen und kommunikationstheoretisch höchst interessant. Gerne würde ich in dieser Familie die Kommunikation mal einen Tag live verfolgen, und sicherlich wäre es interessant zu wissen wie dort Konflikte gelöst werden, welche Lieblingsthemen es zwischen Kindern und Erwachsenen gibt, usw. usw.

Nicht so lustig, aber dafür sehr lehrreich ist übrigens folgendes Buch zum Thema:
„Kommunikations- und Konfliktmangement für Eltern

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)

Ein kleines Stückchen Abstand …

Montag, 5. September 2011 6:57

Einige Leser dieses blogs haben bereits nachgefragt, warum in den letzten Wochen so wenig Neues hier zu lesen war. Das ist der Grund:

 

Diese Karte war mein Leitbild in den letzten Wochen. Sie stammt aus dem Kartenset „Sonnenstrahlen für Dein Herz“ von OUPS. 42 sonnige Gedanken sind in diesem Kartenset vereint. Karten, die wie immer bei Oups liebevoll gestaltet sind. Karten, die wie immer bei Oups in die Tiefe der Seele gehen und gut tun. Karten, die Herzensübungen mit Sozialem Lernen verbinden …

Auch für Sie alles Gute
wünscht Christa Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)

Gewalt und Mobbing an Schulen – Möglichkeiten der Prävention und Intervention

Montag, 15. August 2011 7:51

Die Schulmediation dient der Gewaltprävention, kann aber auch dann eingesetzt werden, wenn „leichte“ Gewalt bereits geschehen ist. Wilfried Schubarth hat ein sehr informatives Buch zum Thema „Gewalt und Mobbing an Schulen“ geschrieben, das ich an dieser Stelle gerne vorstellen möchte.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dieses im Grundgesetz verbriefte Grundrecht gilt auch für die Institution Schule und zwar für Schüler und Lehrer. Gleichwohl weiß jeder aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, diesem Recht Geltung zu verschaffen – auch und gerade in der Schule. Neben eigenen Erfahrungen stammt das meiste, was wir über die Schule zu wissen glauben, aus den Medien. Und diese sind beim Thema ‚Jugend und Gewalt‘ wahrlich nicht zimperlich, versprechen doch groß aufgemachte Berichte über extreme Gewaltvorfälle, z.B. Amokläufe, erhöhte Aufmerksamkeit und ökonomischen Gewinn. Sich über die Situation an Schulen selbst ein realistisches Bild zu machen, ist deshalb praktisch unmöglich. So bleiben die Fragen, die solche Medienberichte provozieren, weitgehend offen: Wie sicher sind unsere Schulen? Wie viel Gewalt, wie viel Mobbing gibt es an Schulen? Hat die Gewalt zugenommen? Haben wir bald amerikanische Verhältnisse? Was sind Ursachen für Gewalt und Mobbing? Und vor allem: Was kann gegen Gewalt und Mobbing getan werden? Welche Präventionsansätze gibt es und welche haben sich besonders bewährt?“ (Schubarth 2010, S. 7)

So eröffnet Wilfried Schubarth sein Vorwort zum Buch, und er geht schnell zu den quälenden Fragen über, die uns nach den bekannten Schlagzeilen der letzten Zeit immer wieder beschäftigen. Ich erinnere hier etwa an den Vorfall, als ein Schüler eines Berliner Gymnasiums am Bahnhof Friedrichstraße einen anderen Menschen brutal zusammenschlug oder an die Diskussion in den Medien über das immer verbreitetere Mobbing und Cybermobbing an Berliner Schulen.

Schubarth steht diesen Medienberichten kritisch gegenüber. Anhand einer Grafik zeigt er, wie schnell das öffentliche Interesse für das Thema durch die Medien ansteigt, wie auch die Politik oberflächlich reagiert und dann alles genauso schnell wieder im Sand verläuft. Er stellt auch kritisch dar, dass der Medienboom, der die Täter so sehr ins Rampenlicht stellt, Nachahmungstäter dazu animiert, ähnliche Verbrechen auszuführen. Fazit: Für Außenstehende sind die Fragen zu eventuellem Gewaltanstieg oder der aktuellen Situation nicht zu beurteilen.

In seinem Buch möchte Wilfried Schubarth dem ein wenig Abhilfe schaffen und beschreibt in der ersten Hälfte seines Buchs „Gewalt und Mobbing an Schulen“ die aktuellen Definitionen zu Aggression und Gewalt. Psychologische und soziologische Theorien und integrative Ansätze werden ausführlich zusammengefasst und schaffen ein Verständnis für die Vielschichtigkeit von Aggressionen, die in den allermeisten Fällen nicht nur einen Auslöser haben.

So beschreibt die Psychologie Aggression z.B. als Trieb oder als Reaktion auf Frustration, als erlerntes Verhalten oder als Persönlichkeitsstörung. Die Soziologie stellt Aggression mehr als abweichendes Verhalten dar, etwa als Folge von Anpassung an widersprüchliche kulturelle Ziel und sozialstrukturelle Verhältnisse oder als Anpassung an Anforderungen der Gesamt- oder Subkultur. Es entsteht auch aus zugeschriebenem Rollenverhalten oder mangelnder Selbstkontrolle und Verunsicherung. (Vgl. Schubarth 2010, S. 52f.)

Auf dieser Grundlage beschreibt Schubarth anhand von empirischen Forschungen ein Täter- und Opferprofil für den Schulbereich. Täter sind meist älter als ihre Opfer, sie sind dominant, meist selbstbewusst und eher beliebt bei ihren Mitschülern. Sie sind eher leistungsschwach, haben eine geringe Empathiefähigkeit und eingeschränkte Konfliktlösungskompetenzen. Dagegen sind typische passive Opfer im Gegenteil körperlich schwächer, unsicher, still. Sie wehren sich nicht, haben ein negatives Selbstbild, sind Außenseiter und haben mangelnde soziale Kompetenzen. Daneben gibt es auch noch die Gruppe der provozierenden Opfer, die sowohl Opfer wie Täter sind. Sie charakterisiert eine Kombination aus ängstlichem und aggressivem Verhalten. Sie sind leicht reizbar und in ihrer Altersgruppe eher unbeliebt. Während Täter und passive Opfer jeweils 5 % der Schüler ausmachen, sind etwa 2/3 der Opfer auch Täter und viele Täter sind auch schon Opfer gewesen. Dabei gelten die Zahlen sowohl für den Bereich der Aggression wie auch für Mobbing und Cybermobbing (vgl. Schubarth 2010, S. 67f. und 81f.).

Der zweite große Teil des Buches beschäftigt sich mit der Gewaltprävention und -intervention. Bereits bei der Definition von Aggression und Gewaltverständnis wurde im ersten Teil auf Folgen für die Prävention eingegangen. Nun fasst der zweite Teil ausführlich auf jeweils 2 bis 3 Seiten einzelne Programme zusammen aus dem Bereich der Gewaltprävention (z.B. „FAUSTLOS“) und –intervention (z.B. Coolness-Training), Programme gegen Mobbing (allen voran das Interventionsprogramm nach Dan Olweus), gewaltunspezifische Programme (z.B. das buddY-Programm) und weitere Konzepte, die das Zusammenleben in der Schule betreffen (z.B. Demokratie- und Menschenrechtserziehung). Jedes Projekt ist dabei übersichtlich gegliedert nach Zielen, Inhalt und Methoden, einer Gesamtbewertung und einer Zusammenfassung der Stärken und Schwächen des jeweiligen Programms.

Wilfried Schubarth hat mit seinem Buch eine Übersicht über den aktuellen Wissensstand im Bereich der Gewaltforschung geschaffen. Die Beschreibung der Präventionsprogramme ist knapp, aber mit ausreichend Literaturempfehlungen versehen, so dass ein vertiefendes Arbeiten damit ohne weiteres möglich ist. Das Buch eignet sich deshalb sehr gut als Grundlagenlektüre für Lehrer und Studierende und alle diejenigen, die mit Jugendlichen arbeiten, Gewalt und Aggression verstehen lernen und präventiv dagegen vorgehen wollen.

Ein gewaltfreies neues Schuljahr wünscht
Dominik Mühe

Thema: Gewalt, -prävention, -intervention, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)

Gute Schule gibt’s auch in Berlin !!

Montag, 8. August 2011 8:22

Deutscher Schulpreis 2011

Den Deutschen Schulpreis gibt es seit 2006. Er zeichnet jährlich seit die besten deutschen Schulen aus und wird von der Robert-Bosch Stiftung, der Heidehof Stiftung sowie dem Magazin stern und der ARD verleihen.

Es gibt sechs Qualitätsbereiche, in denen die teilnehmenden Schulen beurteilt werden:

Leistung
Schulen, die – gemessen an ihrer Ausgangslage – besondere Schülerleistung in den Kernfächern (Mathematik, Sprachen, Naturwissenschaften), im künstlerischen Bereich (z.B. Theater, Kunst, Musik oder Tanz), im Sport oder in anderen wichtigen Bereichen (z.B. Projektarbeit, Wettbewerbe) erzielen.

Umgang mit Vielfalt
Schulen, die Mittel und Wege gefunden haben, um produktiv mit den unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen, Interessen und Leistungsmöglichkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler umzugehen, mit kultureller und nationaler Herkunft, Bildungshintergrund der Familie, Geschlecht; Schulen, die wirksam zum Ausgleich von Benachteiligungen beitragen; Schulen, die das individuelle Lernen planvoll und kontinuierlich fördern.

Unterrichtsqualität
Schulen, die dafür sorgen, dass die Schüler ihr Lernen selbst in die Hand nehmen; Schulen, die ein verständnisintensives und praxisorientiertes Lernen auch an außerschulischen Lernorten ermöglichen; Schulen, die den Unterricht und die Arbeit von Lehrern mit Hilfe neuer Erkenntnisse kontinuierlich verbessern.

Verantwortung
Schulen, in denen achtungsvoller Umgang miteinander, gewaltfreie Konfliktlösung und der sorgsame Umgang mit Sachen nicht nur postuliert, sondern gemeinsam vertreten und im Alltag verwirklicht werden; Schulen, die Mitwirkung und demokratisches Engagement, Eigeninitiative und Gemeinsinn im Unterricht, in der Schule und über die Schule hinaus tatsächlich fordern und umsetzen.

Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner
Schulen mit einem guten Klima und anregungsreichen Schulleben; Schulen, in die Schüler, Lehrer und Eltern gern gehen; Schulen, die pädagogisch fruchtbare Beziehungen zu außerschulischen Personen und Institutionen sowie zur Öffentlichkeit pflegen.

Schule als lernende Institution
Schulen, die neue und ergebnisorientierte Formen der Zusammenarbeit des Kollegiums, der Führung und des demokratischen Managements praktizieren und die Motivation und Professionalität ihrer Lehrer planvoll fördern; Schulen, die in der Bewältigung der Stofffülle, der Verbesserung des Lehrplans, der Organisation und Evaluation des Schulgeschehens eigene Aufgaben für sich erkennen und daran selbständig und nachhaltig arbeiten.

Quelle: Auswahlkriterien für die Schulen

15 Schulen aus dem gesamten Bundesgebiet wurden für den Deutschen Schulpreis nominiert, sieben davon wurden beim Deutschen Schulpreis im Juni 2011 ausgezeichnet. Die Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule aus Göttingen, eine Integrierte Gesamtschule wurde Hauptpreisträger des Preises, Bundespräsident Christian Wulff hat den Preis überreicht.

Die Heinz-Brandt-Schule aus Berlin-Weißensee hat den „Preis der Akademie“ erhalten. Auch diese Schule ist eine integrierte Sekundarschule. In dieser Schule hilft man sich – so steht es im Schulportrait – hier gibt es Lernbüros, persönliche Logbücher und individualisierten Unterricht. Wunderbar!!!

Gute Schulen in Berlin zum Stichwort “Individualisierung”

Aber es gibt natürlich noch mehr gute Schulen in und um Berlin. Unter dem Stichwort „Individualisierung – das Geheimnis guter Schulen“ werden einige davon in einer Filmdokumentation durch Reinhard Kahl vorgestellt. In einem booklet und in 25 Filmclips gibt es „gute Schulen“ hautpsächlich aus Skandinavien, der Schweiz, Finnland und aus Deutschland zu sehen.

Schule in der Großstadt, so heißt der 22. Filmclip. Man sieht Bilder aus der Spreewald-Grundschule (Berlin-Schöneberg). Hier hat das Theaterprofil der Schule dazu beigetragen, dass Schule wieder gelingt. Theater wird an dieser Schule zum Hauptfach für Sprache und das Leben. Kinder dieser Schule lernen, sich zu exponieren, sich zu zeigen und gesehen zu werden. Das ist eine gute Schulung für das Leben …

Die Erika-Mann Grundschule (Berlin-Wedding) hat ein wunderbares Schulgebäude, das von Architekturstudenten zusammen mit den Kindern der Schule zusammen geplant und gebaut wurde. Im Treppenhaus der Erika-Mann Schule sind Harfen gespannt, es gibt Höhlen auf den Gängen und Arbeitsplätze für individualisiertes Lernen. Vor einigen Jahren habe ich an dieser Schule ein Projekt gemacht und es war wundervoll zu hören, wenn Kinder vorsichtig oder weniger vorsichtig die Harfen angeschlagen haben …

Im Bereich der Oberschule wird die Ferdinand-Freiligrath-Schule (Berlin-Kreuzberg) vorgestellt. Das war vor einigen Jahren eine Schule, an der es viel Gewalt gab. Irgendwann hat die Schule „Dritte“ geholt, also „außerschulische Personen“, die mit den SchülerInnen Projekte machen. Andrej Patler, ehemaliger Nationaltrainer der polnischen Turner, war beispielsweise an der Schule und hat mit den Schülern Akrobatik gemacht. Mithilfe der „Dritten“ – Künstlern, Sportlern, Handwerkern und anderen – hat sich die Berliner Schule zu einer beliebten Schule weiter entwickelt.

Der Montessori-Gesamtschule (Potsdam) werden gleich zwei Filmclips gewidmet. Für diese Schule ziehen sogar Berliner Eltern nach Potsdam, um ihr Kind dort unterbringen zu können. „Schüler dürfen nicht beschämt werden“, sagt Ulrike Kegler, die Schulleiterin der Montessori-Gesamtschule. „Wir müssen erst mal eine respektvolle Lernumgebung schaffen, sonst können sie gar nichts lernen.“ Und diese Lernumgebung gibt es tatsächlich an dieser Potsdamer Schule. Da wird sogar die Inklusion vorgelebt, die im Moment in Berliner Schulkreisen das große neue Stichwort ist. „Wir brauchen Kinder und Jugendliche, die gehandicapt sind, weil wir alle mit ihnen lernen, dass jeder Mensch wirklich anders ist“, so die Schulleiterin. Und was besonders interessant ist: Untersuchungen an der Schule haben ergeben, dass zwar alle Kinder und Jugendliche von diesem Inklusionsmodell profitieren, am meisten jedoch die leistungsstarken SchülerInnen.

Damit hat Reinhard Kahl wieder eine wunderbare Dokumention geschaffen, von der viele Schulen, Lehrerinnen und Lehrer, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen lernen können. Meine Empfehlung: „Individualisierung – das Geheinmis guter Schulen“ unbedingt anschauen, Anregungen holen, darüber nachdenken und einige Hinweise gleich zum neuen Schuljahr umsetzen !!!

Das Archiv der Zukunft sammelt und verbreitet übrigens Bilder des Gelingens rund um das Thema Lernen. Die Publikationsreihe „Archiv der Zukunft“ wurde mit dem Film „Treibhäuser der Zukunft – Wie in Deutschland Schulen gelingen“ eröffnet, der in der Zwischenzeit einen großen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Im Oktober gibt’s den nächsten Kongress „Arche Nova – Die Bildung kultivieren!“ vom Archiv der Zukunft in Bregenz am Bodensee.

Christa D. Schäfer

PS: Eine Geschichte zur absoluten Notwendigkeit von Individualisierung des Unterrichts in einer Tierschule finden Sie übrigens auch hier im blog – im Artikel der letzten Woche oder indem Sie hier klicken …

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