Gesichter aus Sand

Montag, 30. August 2010 9:04

Was Sie hier sehen, sind Gesichter aus Sand.
Sie sind Teil einer Sandskulptur,
die dieses Jahr auf der Sandsation in Berlin gezeigt wurde.

Auch mit Sand kann man die emotionale Intelligenz ein Stück weit trainieren, deshalb:

Suchen Sie sich eines der Gesichter aus
und beantworten Sie dann bitte folgende Fragen
über die „Sandperson“, die Sie auf dem Bild sehen:

 

Wie alt ist die Person?
Was fühlt die Person?
Was denkt die Person?
Was hat diese Person erlebt?
Wie lebt diese Person?
Was für Träume hat diese Person?

Diese Übung trainiert die Perspektivübernahme
als einen Baustein des sozialen Lernens.

Viel Spaß mit Ihrer Sandperson
wünscht Christa D. Schäfer

Vor einiger Zeit gab es hier im Blog übrigens einen Artikel zum Thema “Gesichter als Jahreszeiten“

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Unterrichtsstörung durch ein Pausenbrot

Montag, 23. August 2010 7:52

„Die Sache mit dem Pausenbrot begann, als ein Junge namens Petey rief, will jemand ein Mortadella-Sandwich?!
Soll das ein Witz sein? Deine Mutter muss einen schönen Hass auf dich haben, dass sie dir solche Sandwiches mitgibt.
Petey warf die braune Tüte mit dem Sandwich nach dem Kritiker, Andy, und die Klasse johlte. Haut euch, haut euch, riefen sie. Haut euch, haut euch. Die Tüte landete auf dem Boden, zwischen der Tafel und der ersten Reihe, in der Andy saß.
Ich kam hinter meinem Pult hervor und tat die erste Äußerung meiner Lehrerlaufbahn: he. Vier Jahre Studium an einer New Yorker University, und mir fiel nichts Besseres ein als He.
Ich sagte es noch einmal. He.
Sie beachteten mich nicht. Sie waren damit beschäftigt, die beiden Kampfhähne anzuspornen. Mit einer Keilerei konnten sie Zeit schinden und mich vor etwaigen Unterrichtsplänen ablenken. Ich ging zu Petey und sagte meinen ersten Satz als Lehrer. Hör auf, mit Sandwiches um dich zu schmeißen. Petey und der ganzen Klasse verschlug es die Sprache. Dieser Lehrer, ein Neuer, hatte sie gerade um eine zünftige Keilerei gebracht. Neue Lehrer machen so was nicht, sie halten sich raus oder lassen den Rektor oder einen Konrektor holen, und jeder weiß, dass es Jahre dauert, bis einer von denen kommt. Bis dahin kann man die schönste Keilerei veranstalten. Außerdem, was soll man von einem Lehrer halten, der einem sagt, man soll aufhören, mit Sandwiches zu schmeißen, wenn man das Sandwich schon geschmissen hat?
Benny rief aus der letzten Reihe: He, Mister, der hat doch das Sangwitches schon geschmissen. Wieso sagen Sie ihm jetz, er soll nich mit dem Sangwits schmeißen? Das Sangwits liegt da am Boden.
Alle lachten. Es gibt nichts Dümmeres auf der Welt als einen Lehrer, der einem etwas verbietet, was man schon getan hat. Ein Junge hielt sich die Hand vor den Mund und sagte Blödmann, und es war klar, dass er mich damit meinte. Ich hätte ihn am liebsten aus seiner Bank gezerrt, aber das wäre das Ende meiner Lehrerlaufbahn gewesen. Außerdem war die Hand, die er sich vor den Mund hielt, riesig, und seine Bank war zu klein für seinen Körper.
Irgendjemand sagte: Mann, Benny, bist du’n Anwalt oder so was?, und die Klasse lachte wieder. Ja, ja, sagen sie und warteten auf meine Reaktion. Was wird der neue Lehrer machen?
Die Pädagogikprofessoren an der New Yorker Universität hatten uns nie gesagt, wie man fliegende Pausenbrote in den Griff kriegt. Sie hatten über Erziehungstheorie und -philosophie doziert, über Moral und Ethik, über die Notwendigkeit, das Kind als Ganzes zu sehen, als Gestalt, bitte schön, über die subjektiven Bedürfnisse des Kindes, aber nie über kritische Situationen im Schulalltag.
Sollte ich sagen, he, Petey, komm her und heb das Sandwich auf, sonst kannst du was erleben? Sollte ich es selbst aufheben und in den Papierkorb werfen, um meine Verachtung für Menschen auszudrücken, die mit Sandwiches um sich schmeißen, während anderswo auf der Welt Millionen verhungern?
Sie mussten begreifen, dass ich der Boss war, dass ich streng war, dass ich mir ihren Scheiß nicht gefallen ließ.
Das Sandwich, in Pergamentpapier, schaute halb aus der Tüte heraus, und meine Nase sagte mir, dass noch mehr darauf war als nur Mortadella. Ich hob es auf und wickelte es aus. Es war kein gewöhnliches Sandwich, nicht nur lieblos zwischen zwei Scheiben fades amerikanisches Weißbrot geklemmte Wurst. Das Brot war dick und dunkel, von einer italienischen Mamma in Brooklyn gebacken, so kräftig, dass man es mit mehreren Scheiben fetter Mortadella, Tomaten- und Gurkenscheiben, Zwiebeln und Paprika belegen konnte, das Ganze verfeinert mit ein paar Tropfen Olivenöl und einer himmlischen Remoulade.
Ich aß das Sandwich.
Das war meine erste Amtshandlung im Klassenzimmer. Mein vollgestopfter Mund faszinierte sie. Fassungslos glotzen sie zu mir hoch, vierunddreißig Jungen und Mädchen, Durchschnittsalter sechzehn. Ich sah die Bewunderung in ihren Augen, der erste Lehrer in ihrem Leben, der ein Sandwich vom Boden aufhob und es vor versammelter Mannschaft verdrückte. Sandwichman. In meiner Kindheit in Irland hatten wir einen Lehrer bewundert, der jeden Tag einen Apfel schälte und aß und Musterknaben mit dem langen Schalenstreifen belohnte. Meine Schüler hier schauten zu, wie mir das Öl vom Kinn auf meinen Zweidollar-Schlips von Klein-on-the-Square tropfte.
Petey sagte, he, Mister, das ist mein Sandwich, was Sie da essen.
Die anderen wiesen ihn zurecht. Halt die Klappe, sieht du nicht, dass der Lehrer isst?
Ich lecke mir die Finger ab. Ich machte Mmm, knüllte das Papier zu einer Kugel zusammen und warf es in den Abfallkorb. Die Klasse applaudierte. Wow, sagten sie und Große Klasse und Maaaann, seht euch das an. Er mampft das Sandwich. Er trifft in den Korb. Wow.
Das also ist Unterrichten? Ja, wow, ich kam mir vor wie ein Held. Ich hatte das Sandwich gegessen. Ich hatte in den Korb getroffen. Ich hatte das Gefühl, mit dieser Klasse alles machen zu können. Von jetzt an würden sie mir aus der Hand fressen. Schön und gut, nur wusste ich nicht, wie ich weitermachen sollte. Ich war hier, um zu unterrichten, und ich fragte mich, wie ich den Übergang vom Sandwich zu Rechtschreibung, Grammatik, dem Aufbau eines Absatzes oder irgend etwas anderem schaffen sollte, was zu meinem Unterrichtsfach Englisch gehörte …“

Dieses Zitat entstammt dem wunderbaren Buch von Frank McCourt mit dem Titel „Tag und Nacht und auch im Sommer“. Es bleibt an dieser Stelle unkommentiert …

Ich wünsche allen Berliner Lehrerinnen, Lehrern, Schülerinnen und Schülern, Schulleiterinnen und Schulleitern einen guten Start in das neue Schuljahr!
Christa D. Schäfer

Interesse an aktueller Fachliteratur zum Thema Unterrichtsstörungen?!

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6 billion others

Montag, 16. August 2010 7:36

- so heißt eine Ausstellung, die derzeit in Marseille gezeigt wird.

„It began with a helicopter breakdown in Mali. While I was waiting for the pilot to arrive, I spent an entire day talking with a villager. He told me about this everyday life, his hopes, his fears: his sole ambition was to feed his children. Taking a break from my work for a magazine, I found myself immersed in the most basic of concerns. The way he looked me straight in the eye contained no hint of complaint, demand or resentment. I had come here to work as a landscape photographer … but I had been captivated by his face, his words.“ (Yann Arthus Bertrand)

Das Projekt stammt von dem Fotografen Yann Arthus-Bertrand, den man durch seine Fotos und Fotoausstellungen „Die Welt von oben“ in der Zwischenzeit auch in Deutschland sehr gut kennt. 2003 haben Sibylle d’Orgeval und Baptiste Rouget-Luchaire die Projektarbeiten aufgenommen und 5.600 Interviewporträts in 78 Ländern von 6 Reportern drehen lassen. Ein brasilianer Fischer kam dabei genauso zu Wort wie ein australischer Rechtsanwalt, ein deutscher Künstler, ein Bauer aus Afghanistan und viele viele viele weiter. Alle haben dieselben 40 Fragen beantwortet: Was ist Ihre erste bewusste Erinnerung? Von was haben Sie als Kind geträumt? Was haben Sie von Ihren Eltern gelernt? Was möchten Sie gerne an Ihre Kinder weiter geben? Sind Sie glücklich und wie definieren Sie Glücklichsein? Was würden Sie in Ihrem Leben gerne ändern?

Äußerst interessant sind auch die Fragen zu Emotionen: Was ärgert Sie besonders und warum? Was war die schwierigeste Situation, die Sie in Ihrem Leben meistern mussten und was haben Sie daraus gelernt? Was würde Sie dazu bringen, jemanden umzubringen? Wie definieren Sie Liebe und denken Sie, dass Sie genug Liebe geben und empfangen?

Man muss sich vorstellen, dass es zu jeder der 40 Fragen 5.600 Antworten gibt von Frauen und Männern in 50 verschiedenen Sprachen aus 78 Ländern der Welt. Das ist wunderbar. Wer Menschen liebt, kann stundenlang zuhören und zuschauen. Da herrscht manchmal Verwunderung vor, manchmal Zustimmung oder Staunen. Es gibt Szenen, da möchte man mitweinen oder die Interviewten in den Arm nehmen, und es gibt andere Szenen, da muss man lächeln oder auch bei einigen Antworten richtig lachen.

Auf der englischsprachigen Webseite des Projektes „6 billion others“ kann man einige kurze Beispielsfilme mit Antworten zu Gefühlen wie Angst, Trauer, Ärger und Freude finde.

Über 6 Milliarden Menschen gibt es derzeit auf der Erde.
Wir sind alle unterschiedlich.
Wir alle haben unterschiedliche Erfahrungen und Geschichten.
Ist das nicht wunderbar?

Das Projekt passt so gut auch nach Berlin mit all seinen vielen unterschiedlichen Menschen, die natürlich auch ganz unterschiedliche Erfahrungen, Ansichten und Sichtweisen haben. Da heißt es stets, gut miteinander zu kommunizieren, Dinge auszuhandeln und Toleranz zu zeigen.

Christa D. Schäfer

Wenn Sie schauen wollen, wovor sich Kinder fürchten und was die tollsten Sachen sind, die ihnen passieren, dann finden Sie auch dazu Hinweise hier im blog.

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Berliner Mediationstag 2011

Freitag, 13. August 2010 20:19

Der nächste Berliner Mediationstag wird am 08.04.2011 von Dr. Verena Kast (Zürich) gestaltet. Wer kennt sie nicht, die Schweizer Psychologin und Psychotherapeutin …

„Vom Umgang mit Emotionen“, so ist der Titel der Veranstaltung. Ärger, Wut, Angst, Scham, Neid und viele andere Emotionen spielen auch in Mediationssitzungen eine große Rolle. Ärger zeigt uns beispielsweise an, dass jemand über unsere Grenze gegangen ist oder uns nicht erlaubt, unsere Grenzen zu vergrößern. Angst sagt uns, dass wir von einer Gefahr ergriffen werden. Werden diese Emotionen nicht wahrgenommen, so kann auch deren Veränderungspotential nicht genutzt werden. Aber auch die positiven Emotionen wie Freude und Interesse sind starke Emotionen, die ihren Raum in der Mediation finden müssen, indem sie als robuste Ressourcen wahrgenommen werden.

Deshalb: Heftige Emotionen verstehen und damit umgehen können ist ein Schlüssel für eine erfolgreiche Mediation.

Ich war beim 4. Berliner Mediationstag dabei und freue mich bereits auf den 5. Berliner Mediationstag mit Verena Kast und ihre Gedanken zur Mediation. Besten Dank an Peter Knapp und Dr. Birgit Keydel für die Organisation.

Christa D. Schäfer

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Wieder Nachbarschaftsmediation im RTL

Montag, 9. August 2010 7:33

Letztes Jahr im Sommer kam Andreas Kolb und hat Nachbarschaftsstreit im Fernsehen durch Mediation gelöst, ich berichtete darüber. Dieses Jahr ist es Streitschlichter Franz Obst, der „im Einsatz“ ist.

Letzte Woche hatte er einen Konflikt zu bearbeiten, in dem ein Rentner in einer niedersächsischen Kleinstadt im Streit mit der gesamten Nachbarschaft lag. Er hat buchstäblich viele seiner Nachbarn terrorisiert und zwei Ehepaare haben in Folge dessen um eine Streitschichtung gebeten. Der Rentner selber war nicht an einem gemeinsamen Gespräch interessiert, eine Mediation (im Film wird von Schlichtung gesprochen) kam deshalb nicht zustande. Es gab stattdessen ein Konfliktcoaching bzw. eine Konfliktberatung zu sehen, bei der sogar zwei „Verhaltenstrainer“ zum Einsatz kamen, die den terrorisierten Ehepaaren gezeigt haben, wie sie sich deeskalierend und geschickt in den diesbezüglichen Krisensituationen verhalten können.

Diese Woche geht es um zwei befreundete Ehepaare, bei denen aus Freundschaft Feindschaft wird. Falls es Sie interessiert: Mittwoch Abend, den 11.8.2010 um 20:15 Uhr im RTL.

In Internet können Sie auf der Seite von RTL die Streitfälle jeweils 7 Tage lang nach der Sendung kostenfrei ansehen, danach sind sie für 0,99 € zum Anschauen herunterladbar.

An dieser Stelle möchte ich gerne meine Worte wiederholen, die in meinem Blogbeitrag zum Thema letztes Jahr den letzten Absatz bildeten:

Falls Sie in Berlin eine kostenfreie, auf Spendenbasis basierende Nachbarschaftsmediation suchen, so wenden Sie sich bitte an das MediationsZentrum Berlin. Und falls Sie ein Buch zum Thema Nachbarschaftsmediation suchen …, letztes Jahr ist das erste deutschsprachige Buch erschienen!

Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Mediationsverfahren, Nachbarschaftsmediation, Stadtteilmediation | Kommentare (2)

Mediationsgesetz

Sonntag, 8. August 2010 8:48

Bisher war hier im mediation-berlin-blog noch nichts über das zukünftige Mediationsgesetz zu lesen, das soll nun mit diesem Artikel dringend nachgeholt werden.

Seit langem schon ist ein, nein ist das Mediationsgesetz im Gespräch. Am 19.07.2010 wurde der Referentenentwurf des Mediationsgesetzes an die Resorts versandt. Das Gesetz soll die außergerichtliche Streitbeilegung stärken, so Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

Auf der Internet seite des Bundesministeriums der Justiz ist zu lesen:

„Der vorgelegte Referentenentwurf sieht die Förderung des Mediationsverfahrens vor. Die Regelung soll grenzüberschreitende und nationale Sachverhalte auf eine einheitliche Grundlage stellen, um eine Rechtszersplitterung zu vermeiden.

Im Referentenentwurf werden die Aufgaben der Mediatorinnen und Mediatoren beschrieben und Offenbarungspflichten und Tätigkeitsbeschränkungen festgelegt, die ihre Neutralität und Unabhängigkeit sicherstellen sollen.

Die vorgesehenen Änderungen erleichtern darüber hinaus die Vollstreckbarkeit von Mediationsvereinbarungen und regeln eine Verschwiegenheitspflicht für alle Mediatorinnen und Mediatoren. Aus der Verschwiegenheitspflicht folgt zugleich ein Zeugnisverweigerungsrecht in der Zivilprozessordnung und allen auf sie verweisenden Verfahrensordnungen. Der Referentenentwurf schützt so die Vertraulichkeit der Mediation.“

Am 05.08.2010 dann versandte das Bundesjustizministerium den Referentenentwurf an Länder und Verbände. Damit ist der Referentenentwurf zur Förderung der Mediation und anderer Verfahren der außergerichtlichen Konfliktbeilegung auch öffentlich einsehbar.

„Der Referentenentwurf sieht neben Regeln zur Neutralität und Unabhängigkeit der Mediatorinnen und Mediatoren unter anderem vor, dass Mediationsvereinbarungen künftig leichter vollstreckt werden können. Zudem soll eine Verschwiegenheitspflicht für alle Mediatoren eingeführt werden. Aus einer solchen Verschwiegenheitspflicht folgt ein Zeugnisverweigerungsrecht in der Zivilprozessordnung und allen auf sie verweisenden Verfahrensordnungen. Dadurch kann die Vertraulichkeit der Mediation geschützt werden.“

so eine kurze Zusammenfassung des Bundesministeriums zum Referentenentwurf. Man darf gespannt sein, wie es weiter geht.
Christa D. Schäfer

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Rob Birzas Gesichter als Jahreszeiten

Montag, 2. August 2010 8:55

Schiphol, Amsterdam Flughafen, Durchgang zum Gate B:

Vier große Plastikscheiben mit 1,50 m Durchmesser hängen an der Wand.
Sie sind von hinten beleuchtet und wechseln ihre Farbe, sie zeigen Gesichter.

Die Skulptur stammt von Rob Birza und trägt den Titel: Vier Jahreszeiten.
Kunst oder Kitsch?
Auf jeden Fall Gesichter.

Sie erinnern an eine Sonne oder den Mond.

Foto: Ch.D.Schäfer Foto: Ch.D.Schäfer
Foto: Ch.D.Schäfer Foto: Ch.D.Schäfer

 

Welches Gesicht ist der Frühling?
Welches der Sommer?
Welches der Herbst ?
Und welches der Winter?
Und warum?

Was meinen Sie …
fragt Christa D. Schäfer

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Mediation in und mit Gruppen

Montag, 26. Juli 2010 10:15

Eine Mediatorin bzw. eine Mediator kann sich auf die Mediation in und mit Gruppen spezialisieren. MediationsausbilderInnen haben es natürlich mit Gruppen in der Ausbildung zur Mediation zu tun.

Es gibt die vielfältigsten Formen von Gruppen: ein Team, ein Verein, eine Familie, eine Schulgruppe, oder auch eine betriebliche oder religiöse Gruppen. Nach der heute gängigen Kleingruppenforschung besitzen Gruppen zwischen 3 bis ca. 20 Mitgliedern (ab 20 Personen spricht man dann von einer Großgruppe), eine gemeinsame Aufgabe bzw. ein gemeinsames Ziel, die Möglichkeit zur direkten face-to-face-Kommunikation sowie eine gewisse Dauer an Gemeinsamkeit, die von 3 Stunden bis zu mehreren Jahren laufen kann. Gruppen entwickeln mit der Zeit ein Wir-Gefühl der Gruppenzugehörigkeit, ein System gemeinsamer Normen und Werte als Grundlage der Kommunikations- und Interaktionsprozesse sowie ein Geflecht aufeinander bezogener Rollen, die auf das Gruppenziel bezogen sind.

Seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden in Wissenschaft und Praxis vielfältige Ideen zum sozialen Ort Gruppe. Eine besondere Rolle spielte dabei Kurt Lewin (1890 – 1947), der Demokratisierungsprozesse ins Zentrum seiner Forschungen stellte und die verschiedenen Gruppen des sozialen Lebens als Orte sah, an denen diese alltagspraktisch umgesetzt werden sollten. Lewin und seine Mitarbeiter entwickelten eine Verhaltenstheorie der Führung; sie unterschieden zwischen einem autokratischen Führungsstil (auf Befehlen, Lob und Tadel beruhend), einem demokratischen Führungsstil (auf Aushandeln und Überzeugen basierend) und einem „Laissez-faire“-Stil (der die Geführten weitgehend sich selber überlässt). Die Gruppendynamik wurde in einem der Forschungsprojekte Lewins am MIT (Massachusetts Institute of Technology) als praktisches Verfahren „entdeckt“.

Das vom Carl-Auer Verlag herausgegebene und von Oliver König und Karl Schattenhofer verfasste Buch “Einführung in die Gruppendynamik” gibt einen aktuellen, knappen und dennoch prägnanten Überblick zur Theorie der Gruppendynamik für MediatorInnen, MediationsausbilderInnen und andere Professionen.

Für MediatorInnen ist beispielsweise der horizontale Schnitt durch einen Gruppenprozess spannend, also das im Buch auf Gruppen angewandte Eisbergbild. Wenn man sich die Arbeit mit einer Gruppe als Eisberg symbolisiert vorstellt, so gibt es innerhalb der Gruppe Themen, die direkt sichtbar sind und einiges, das sich im Verborgenen, also unter Wasser versteckt hält. Sichtbar ist natürlich die Sachebene, also das Thema und das Arbeitsziel der Gruppe, das erkennt auch jeder Außenstehende meist innerhalb kürzester Zeit. Unterhalb der Wasseroberfläche gibt es jedoch verschiedenen Schichten. Da befindet sich zunächst direkt unter der Wasseroberfläche die Beziehungsebene sowie die Sozio- und Gruppendynamik, darunter die Psychodynamische Ebene sowie die Beziehungsbedeutungsebene mit den Psychologischen Prozessen der Übertragung und Gegenübertragung, und darunter der Kernkonflikt der Gruppe. Von oben nach unten nimmt in Gruppenprozessen sowohl die Kommunizierbarkeit als auch die Bewusstheit ab und so wird ein von Außen hereinkommender Gast in einer Gruppe wohl kaum innerhalb der ersten Zeit die gewachsenen Strukturen und Beziehungen untereinander deuten bzw. ablesen können. Dazu bedarf es genauerer Kenntnis der Gruppe oder einer guten Fragetechnik und einem guten „Gespür“, um die Prozesse aufdecken und „ordnen“ zu können.

Nicht umsonst ist also die Mediation in Gruppen (und mit Gruppen) ein wichtiger extra zu behandelnder Punkt in der Mediationsausbildung bzw. eine Spezialisierung in der Mediationsarbeit. Eine Mediatiorin wird über dem Eisberg arbeiten, aber auch in ihrer Arbeit mit einer Gruppe unter den Eisberg gehen müssen, um die Mediation erfolgreich abschließen zu können. Genauso wie beim Konflikt, so liegt auch bei der Arbeit mit einer Gruppe einer der wichtigen Schlüssel zum Erfolg „unter dem Eisberg“.

Für MediationsausbilderInnen ist unter anderem das fünfphasige Modell der Gruppenentwicklung äußerst interessant. Die fünf Phasen werden im Buch betitelt mit: 1. Orientierung, 2. Positions- und Rollenklärung, 3. Vertrautheit und Konsolidierung, 4. Differenzierung und 5. Abschluss. In diesen fünf Phasen hat sowohl die Gruppe als Ganzes, als auch der Einzelne und natürlich die Gruppenleitung verschiedene Situation zu meistern und verschiedene Aufgaben zu bewältigen. In der ersten Phase wird beispielsweise jedes Gruppenmitglied vor die Aufgabe gestellt, den Kontakt zu den anderen Gruppenmitgliedern herzustellen, sich selber vorzustellen, den anderen Gruppenmitgliedern Raum zu lassen und den Anfang mit zu gestalten. In der zweiten Gruppenphase müssen die Gruppenmitglieder Position beziehen (können). Dazu gehört es, seine Meinung vertreten zu können, auch wenn diese nicht auf positive Resonanz stößt. Und dazu gehört es auch seine Interessen, Wünsche und Befürchtungen transparent zu machen und Spannungen in der Gruppe auszuhalten. In der dritten Gruppenphase muss jedes Gruppenmitglied Nähe aushalten können. Es ist wichtig, Prozesse mit zu gestalten ohne Angst, die eigene Individualität zu verlieren. Die vierte Gruppenphase bietet die Anforderung an den Einzelnen durchzuhalten, weiterzumachen, die Experimentierfreudigkeit nicht zu verlieren, neue Aufgaben auszuprobieren und auch die kollegiale Führung übernehmen zu können. Die letzte und fünfte Gruppenphase muss Abschied und Trennung gestalten. Jeder aus der Gruppe hat nun die Aufgabe sich trennen zu können und sich neu zu orientieren, Offenes muss noch angesprochen werden, aber nicht alles Versäumte kann nachgeholt werden.

Für jeden, der mit Gruppen arbeitet, ist dieses Wissen wichtig. Eine Lehrerin hat Klassen, mit denen sie über ein Schuljahr oder länger zusammen lernt. Teamleiter arbeiten mit Teams, die ein Projekt über einen bestimmten Zeitraum hindurch bearbeiten und meist unter Erfolgsdruck stehen. Eine MediationsausbilderIn kann mit diesem Wissen die Gruppendynamik ihrer Ausbildungsgruppe nachvollziehen und bewusst gestalten. Wird transparent mit der Gruppendynamik gearbeitet, so können die Gruppenteilnehmer gleichzeitig einen Grundstock an Wissen über Gruppenprozesse erfahren und mitnehmen.

Mediationen mit Gruppen im Gemeinwesen oder im öffentlichen Raum fallen übrigens unter den Begriff der Gemeinwesenmediation. Derzeit läuft in Berlin eine der größten öffentlich beachteten Gemeinwesenmediationen der letzten Jahre mit verschiedenen Großgruppen. Die Admiralbrücke in Kreuzberg ist zugleich Grund und Standort dieser Mediation, erste Ergebnisse der Mediation sind bereits ablesbar.

Christa D. Schäfer

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BM-Kongress mit starkem Programm in Berlin

Mittwoch, 21. Juli 2010 10:09

Ich möchte Sie heute noch einmal auf den Kongress zum Thema Streitkultur hinweisen, der in Berlin vom 16.-18.9.2010 stattfindet.

Der Kongress bietet zu Beginn einen Rückblick darauf, aus was sich Mediation entwickelt hat und zeigt dann am zweiten Tag einen Überblick über die Vielfalt der praktischen Ansätze der Gegenwart. Am dritten Tag wird thematisiert, welche Konflikte die Zukunft mit sich bringt und welchen Herausforderungen sich Konfliktmanager und Mediatoren gegenüber sehen.

Alles im Hotel Berlin, Berlin und sicher sehr informativ!
Näheres unter BM-Kongress.de

Und das derzeit aktuelle Programm ganz exklusiv hier im Mediationsblog.

Ich hoffe, wir sehen uns …
Christa D. Schäfer

Thema: BM Mediationskongress 2010, Veranstaltungen | Kommentare (0)

Konflikte und Schlägereien im Sommerbad

Montag, 19. Juli 2010 8:07

Sommer 2009

Der größte Polizeieinsatz 2009 in einem Berliner Sommerbad fand am Columbiadamm statt, 50 Störer arabischer und türkischer Herkunft wurden dort von Polizisten vom Gelände geführt.

Juni 2010

Der erste größere Konflikt des Jahres 2010 findet im Sommerbad Pankow statt, im Bad an der Wolfshagener Straße. Ein 13jähriges Mädchen wird dort von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen.

10. Juli 2010

In Berlin Neukölln musste ein Sommerbad geräumt werden, weil sich zwei „konkurrierende Familienclans mit Migrationshintergrund“ dort im Freibad eine Schlägerei geliefert haben. Gegen 17 Uhr gingen zunächst einige Jugendliche aufeinander los. Ein Wachmann wollte schlichten und geriet zwischen dazwischen, er wurde verletzt. Daraufhin ließen die Berliner Bäderbetriebe das Bad vorsorglich räumen, weil eine Eskalation der Situation drohte, ca. 7.000 Besucher müssen das Bad verlassen. Als die Polizei kam, waren die meisten Menschen schon gegangen, wahrscheinlich auch die Jugendlichen, die die Schlägerei begonnen hatten, denn die waren nun nicht mehr auszumachen. Deshalb gab es auch keine größeren Verletzungen.

In der Folge dieses Vorfalls diskutiert Berlin heftig. Die Junge Union fordert eine Schließung des Neuköllner Sommerbads für eine Woche, damit ein „Lerneffekt“ eintreten kann. Die Neuköllner Partei Die Grünen fordert hingegen längere Öffnungszeiten, damit sich die Jugendlichen und deren Gemüter mehr abkühlen könnten. Das Sicherheitspersonal im Schwimmbad wurde jedenfalls erhöht. „Wir wollen nichts schönreden“, sagt M. Oloew (Sprecher der Berliner Bäderbetriebe), „bei der Hitze kommt es in vollen Bädern tatsächlich zu Aggressionen. Aber man soll auch nicht so tun, als befänden sich unsere Gäste mitten in Schützengräben.“

Die Aggressivität in Berliner Freibädern ist hoch: Pöbeleien, Drängeln, Provozieren, das ist keine Seltenheit. Oft, oder soll ich sagen meist, sind es Jugendliche arabischer oder türkischer Herkunft, die in den Streit verwickelt sind.

16. Juli 2010

Dieses Mal findet die Eskalation im Prinzenbad statt: Es gibt eine Schlägerei auf einer Liegewiese des Sommerbades Kreuzberg, das Wachpersonal versucht die Kontrahenten auseinander zu halten, ein vierjähriges Mädchen gerät zwischen die Fronten und erhält einen Schlag in den Bauch, die Sicherheitsbeamten sind im Anmarsch, die Kontrahenten fliehen, erneut muss ein Berliner Sommerbad gegen 19 Uhr geräumt werden, ca. 5.000 Besucher verlassen das Bad, die Tatbeteiligten sind weg.

Derzeit haben übrigens ca. 300 Berliner Hausverbot bei den Berliner Bäderbetrieben.

Interesse am Bericht eines Berliner Bademeisters, der sich vorzüglich mit Konflikten und „klaren Ansagen“ auskennt?

Mein Rat, auch wenn das Wetter derzeit wirklich drückend ist in Berlin … Erstens: Keep cool in der jeweiligen Situation und zweitens: Mehr Möglichkeiten für Schüler in Berliner Schulen auch alternative Möglichkeiten der Konfliktbearbeitung zu lernen.

Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte, Konfliktlösung | Kommentare (0)