Teamarbeit in der Kita. So geht’s!

Montag, 29. Juni 2015 19:54

Erzieherinnen, Erzieher, Pädagogisches Fachpersonal, Leitungsteam und Verwaltung/Büro/Küche bilden in Kitas mehr oder weniger ein Team. Das kann ein gut funktionierendes oder ein weniger gut funktionierendes Team sein. Eigentlich gehören auch die ElternvertreterInnen dazu, und natürlich auch die MitarbeiterInnen des Trägers. Man kann als jemand, der in Kita tätig ist, verschiedenen Teams zugehörig sein. Und von dem Erfolg der Teams hängt im Großen und Ganzen auch der Erfolg der Kita ab. Ist das ErzieherInnenteam zerstritten, so können meist keine für die Kita und alle MitarbeiterInnen guten Entscheidungen getroffen werden. Wird der Koch vom Verwaltungsperson angefeindet, so wird er nicht gerne zur Arbeit kommen und vielleicht irgendwann sogar kündigen. Gibt es im Leitungsteam Spannungen, so „schaukelt“ die Kita vielleicht zwischen zwei Polen hin und her. Und will die eine Gruppenerzieherin lieber basteln und die andere eher offene Arbeit, so sollten diese beiden Erzieherinnen sich einigen können.

Gute Teamarbeit ist die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit mit den Kindern. Das ist einfach gesagt, aber wie kommt man eigentlich zu guter Teamarbeit?

Dazu braucht es einiges Grundwissen. Ich führe seit Jahren in Kitas Leitungscoachings, Teamsupervision und Mediationen durch und bin in der Entwicklung von Kitas tätig. Aber natürlich können Sie auch aus einen Buch wichtige Infos herauslesen. Dazu möchte ich Ihnen gerne ein wunderbares Buch empfehlen: Das Buch “Teamarbeit in der Kita“ aus dem Don Bosco Verlag.

Hier in Kürze der Buchinhalt:
Selbstcheck: Wie sieht unsere bisherige Teamarbeit aus?
7 Strategien, wie wir ein erfolgreiches Team werden:
Teamformen und ihre Einsatzmöglichkeiten
Teamstrukturen
Teambuilding und Teamentwicklung
Teampflege und Teamtraining
Teambesprechung
Moderation, Kreativitäts- und Feedbacktechniken
Teamdynamik und Teamkonflikte

Jedes Kapitel wird mit einem Praxisbeispiel aus einer Kita eingeleitet, gibt wichtige theoretischen Input, Übungen und Ideen. Auf knappen 92 Seiten erfährt man knackig und in Kürze alles, was zum Thema „Teams in einer Kita“ wichtig ist. Grafiken und Listen vervollständigen den guten Überblick über die verschiedenen Themenfelder.

Und als kleinen Appetizer für Sie hier eine
Übung zur Stärkung des Wir-Gefühls im Team:
Immer schön auf dem Teppich bleiben.

Teamgeist muss gepflegt werden. Eine Übung für kleine Teams, die viel Spaß macht, aber schon eine gewisse Vertrautheit miteinander voraussetzt. Gefragt sind bei diesem Spiel vor allem Geschick und eine funktionierende Gruppendynamik: Alle Mitglieder des Teams stehen auf einem Teppich, der nun komplett gewendet werden muss. Aber Vorsicht: Beim Umdrehen darf keiner den Boden außerhalb des Teppichs berühren oder gar auf andere Gegenstände ausweichen.

Arbeiten Sie an Ihrem Team
und pflegen Sie es !!

Zum Thema „Kommunikation unter Erzieherinnen“ gibt es übrigens das Buch “Das Kommunikationsbuch für Erzieherinnen“

Deutsches Inklusionsforum für die Kita

Und im Herbst gibt es wieder in verschiedenen deutschen Städten auf dem Deutschen Inklusionsforum für die Kita verschiedene Vorträge zur Thematik. Die drei Vorträge:

  1. Konzeptionelle Ausrichtung der Kita: Pädagogische Ansätze, Barrierefreiheit und Teamentwicklung (Karsten Häschel)
  2. Rechtsanspruch und rechtssicherer Umgang mit Inklusion: Antworten auf die häufigsten Fragen (Judith Barth)
  3. Konflikte in einer inklusiven Kita: Wie Sie ruhig bleiben und die richtigen Worte finden (Dr. Christa D. Schäfer)

Melden Sie sich jetzt bereits an, damit Ihr Platz sicher ist …

Herzliche Grüße
von Christa D. Schäfer

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Nachtrag “Konflikte in Berlin”

Donnerstag, 11. Juni 2015 11:20

Kaum hatte ich den letzten Artikel zum Thema “Konflikte im Frühsommer in Berlin” online, da hörte und las ich von einer neuen Schlägerei in Berlin, wieder eine Massenschlägerei, der Titel:

Hochzeitsfeier endete in Schlägerei

Im Bezirk Tempelhof endete in der Nacht zu Montag vom 7.6. zum 8.6.2015 eine Hochzeitsfeier in einer Massenschlägerei. Bisher gab es keinerlei Information, wodurch der Streit ausgelöst wurde. Die in einem Festsaal  feiernden Gäste stammten vornehmlich aus Bosnien-Herzegowina. Zwei Männer schienen in Streit miteinander geraten sein und prügelten heftig aufeinander ein. Die Polizei wurde gerufen und wollte die beiden Männer trennen. Daraufhin wurden sie von Gästen mit Flaschen, Gläsern und Stühlen beworfen. Mehrere Gäste und zwei Polizisten wurden zum Teil schwer verletzt. Sieben männliche Gäste kamen in die Gefangenensammelstelle der Polizei.

Hier eine Videoimpression:
Hochzeitsfeier endete in Schlägerei

Was ist eigentlich derzeit in Berlin los ??!!
fragt sich kopfschüttelnd Christa Schäfer

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Konflikte in Berlin, im Frühsommer 2015

Montag, 8. Juni 2015 7:03

28. Mai 2015, zwei Spielplätze in Berlin Prenzlauer Berg

Im Prenzlauer Berg werden in den letzten Wochen immer wieder Rasierklingen auf Kinderspielplätzen gefunden. Oft sind sie hochkant und knapp unter der Sandoberfläche versteckt. Wer macht so etwas? Der oder die Täter werden von der Polizei wegen versuchter Körperverletzung gesucht.

3. Juni 2015 auf einem Spielplatz in Berlin Moabit

Zwei Frauen, beide aus unterschiedlichen arabischen Großfamilien stammend, geraten auf einem Kinderspielplatz in Streit miteinander und lösen eine Massenschlägerei auf dem Spielplatz aus. Warum ist unklar. Es kommt zu einer verbalen Auseinandersetzung. Ein Unbeteiligter geht dazwischen und will schlichten. Es gelingt ihm nicht. Immer mehr Familienangehörige mischen sich in den Streit mit ein. Die Auseinandersetzung mündet in einem handfesten Gemenge. Schließlich sorgen 90 Polizisten dafür, dass die 70 Familienangehörigen beider Familien voneinander ablassen.

Einen Tag später, am 5. Juli 2015, diesmal in Berlin Neukölln

Mehrere kleine Jungs streiten sich um 21.25 Uhr auf einem Spielplatz an der Neuköllner Grenzallee. Erwachsene mischen sich ein. Es entstehen zwei Lager, die miteinander im Streit liegen. Insgesamt 50 Personen, allesamt Angehörige zweier aus Rumänien stammenden Familien sind an dieser Schlägerei auf dem Neuköllner Spielplatz beteiligt.

Als die Polizei eintrifft, findet sie einen 30jährigen Mann mit einer blutenden Platzwunde auf dem Bürgersteig liegen. Er gibt an, von vier Männern mit Messern und Gewehr bedroht und mit einer Flasche geschlagen worden zu sein. Bei den Ermittlungen stellt die Polizei fest, dass der Mann zuvor eine schwangere Frau in deren Wohnung geschlagen haben soll.

Alle Jahre wieder

Immer mal wieder gibt es – vorzugsweise im Juni – Schlägereien zwischen Großfamilien in Berlin. Ob’s das jetzt für dieses Jahr war, oder ob noch was kommt ?!

fragt sich Christa D. Schäfer

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Was gibt es in den meisten Schulen zur Genüge? Stress

Dienstag, 2. Juni 2015 11:35

Der_spirituelle_NotfallkofferKürzlich habe ich mal im spirituellen Notfallkoffer nachgeschaut, was man in diesem Fall für sich persönlich ändern kann. Das Buch „Der spirituelle Notfallkoffer“ empfiehlt Erste-Hilfe-Maßnahmen „für die Seele“. Das von Katharina Ceming und Christa Spannbauer herausgegebene Buch aus dem Trinity Verlag greift verschiedene Themen auf. Es werden Hinweise gegeben für den Weg zur inneren Balance, zur Gelassenheit und zu einem erfüllten Leben. Das Buch basiert auf Weisheitstraditionen aus Ost und West, bietet kurze Erklärungen zu verschiedenen Entwicklungsthemen und darauf aufbauend einfache Körperübungen aus dem Yoga, dem Qigong und der Atemtherapie – gut zur Selbstreflexion und zur Durchführung von ersten Maßnahmen.

Hinweise zum Stressabbau

Es ist gut, sich Stressoasen zu schaffen, in die man sich immer wieder einige Zeit zurückziehen kann, und sei es auch nur für ein paar Minuten. Die Wahl der Mittel zur Stressreduzierung ist sehr individuell, sie reicht von Bewegung über völlige Ruhe bis zu Musik und Entspannungstechniken.

Natürlich nützt auch die Stressanalyse. Was stresst mich, und warum verharre ich in dieser Situation? Kann ich keine Grenze ziehen, weil ich Angst vor Zurückweisung habe? Oder suche ich mir die Anerkennung ausschließlich in der Außenwelt? Manchmal meinen wir, wenn wir irgendetwas nicht mehr tun oder wenn wir etwas verändern bricht die Welt zusammen. Das ist ein Glaubenssatz, der unbedingt überprüft werden sollte!

Es hilft die Bewusstmachung:
Weshalb tue ich etwas, und für wen?
Was würde passieren, wenn ich es nicht mehr so machen wie bisher?
Was würde ich dadurch verlieren?

Es gibt nichts Wertvolleres als den Moment, in dem ich gerade lebe. Nichts kann mich zwingen, etwas zu tun, das ich nicht mit innerer Zustimmung tun möchte. Es sind meine Gedanken, die bestimmen, wohin die Reise meines Lebens geht.

Eine Erste-Hilfe-Atemübungen zur Stressreduktion ist die Hummel-Atmung

  • Die Hummel-Atmung (Brahmari) ist eine einfache und zugleich hochwirksame Atemtechnik au dem Hatha Yoga. Sie dient der Entspannung und Beruhigung.
  • Begeben Sie sich für die Meditation an einen ungestörten Ort, nehmen Sie eine aufrechte Meditationshaltung Ihrer Wahl ein und schließen Sie die Augen.
  • Atmen Sie in und erzeugen Sie beim Ausatmen einen Summton wie das Summen einer Hummel.
  • Sie können diese Übung unterstützen, indem Sie die Ohren mit den Zeigefingern verschließen. Dadurch können Sie die Schwingungen im Schädel besonders stark spüren.
  • Werden Sie ganz eins mit der Klangvibration und lassen Sie diese Ihren Kopf und den ganzen Körper erfüllen.
  • Wiederholen sie dies 9 mal.

Sie werden bereits nach den ersten Atemzügen wahrnehmen, wie beruhigend diese Übung für Ihren Geist ist. Täglich für einige Minuten ausgeführt hilft sie, mentale Spannungen zu beseitigen und erhöhten Blutdruck zu senken. Im Hathapradipika, dem Grundlagenwerk des Hatha Yoga, steht geschrieben:
„Durch fortgesetztes Üben entsteht Glückseligkeit im Herzen“.
(Ceming; Spannbauer: Der spirituelle Notfallkoffer. S. 103)

Warum diese Übung nicht mal im Schulstress einsetzen …
oder in der Vorbereitung einer wichtigen Mediationssitzung …
empfiehlt Christa Schäfer

Thema: Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0)

Wann ist eine Pädagogik systemisch?

Dienstag, 26. Mai 2015 9:14

Vor längerer Zeit habe ich in diesem Blog bereits ein Buch vorgestellt, das systemisches Wissen für Coaching, Mediation und Pädagogik zur Verfügung stellt. Ebenfalls habe ich an anderer Stelle bereits einiges zur Systemischen Pädagogik berichtet …

Hier_fuehle_ich_mich_wohlJetzt habe ich ein wunderbar praxisorientiertes Buch zur Systemischen Pädagogik entdeckt, es ist das Buch „Hier fühle ich mich wohl“ von Erika Gollor aus dem Carl-Auer Verlag. Die systemische Pädagogik wird kurz und gut nachvollziehbar erklärt. Das Buch enthält viele Situationsbeispiele, mit denen die systemische Pädagogik erläutert wird. Viele Übungen (zur sozialen Kompetenzerweiterung und zum systemischen Verständnis) ergänzen den Text. Sowohl für diejenigen gut geeignet, die sich erstmals mit dem Thema auseinander setzen, als auch für diejenigen, die vertiefende Erkenntnisse und besonders praxisrelevante Hinweise zur systemischen Pädagogik suchen !!

Sehr gefällt mir die von Erika Gollor geprägte Definition für die systemische Pädagogik:

„Allgemein lässt sich sagen, dass systemische Pädagogik die Anwendung von systemischen Sichtweisen in der pädagogischen Praxis ist. Die systemische Sichtweise ist eine vernetzte Sichtweise. Sie blickt ‘weit’ auf das Kind. Das heißt, sie sieht das Kind nicht nur als Einzelperson, sondern als einen Teil der verschiedenen Systeme, in die es eingebunden ist: Familie, Klasse, Freundeskreis … Dabei ist der Einfluss wechselseitig.Der Einzelne beeinflusst das System und umgekehrt. Das bedeutet, dass nichts bleibt, wie es ist. Sowohl der Einzelne als auch das System verändern sich ständig, in gegenseitiger Abhängigkeit.“ (Gollor: Hier fühle ich mich wohl. S. 14)

Zu den Grundordnungen eines Systems zählt Erika Gollor:

  1. Zugehörigkeit: In Systemen gelten gewisse, in der Tiefe wirksame Grundordnungen. Eine davon ist das Recht auf Zugehörigkeit. Das Kind braucht die Sicherheit, dass es zur Gemeinschaft gehören kann und darf.
  2. Reihenfolge des zeitlichen Eintritts: Jedes Mitglied einer Gemeinschaft ist gleichwertig. Dennoch gibt es im Systemischen den Vorrang des Früheren vor dem Späteren. Diejenigen, die früher in die Gemeinschaft eintreten, haben mehr Rechte, aber auch mehr Pflichten.
  3. Vorrang der Gruppe: Die Gruppe hat Vorrang vor dem Einzelnen. Verlangt das Verhalten eines Gruppenmitglieds eine Entscheidung, so hat der Schutz der Gruppe Vorrang.
  4. Stärken erkennen, Ressource nutzen: Lehrer sehen leicht Fehler, Schwächen und Probleme – beim Kind und auch bei sich selbst. Die systemische Sichtweise lenkt den Blick hingegen auf die Ressourcen und Fähigkeiten, die jeder in sich trägt. Diese zu stärken und auf ihre Kraft zu vertrauen, tut allen gut.
  5. Der Blick auf die Lösung: Probleme gehören zum Alltag eines Pädagogen. Der systemische Blick sucht nach Lösungen, statt an den Problemen hängen zu bleiben.
  6. Die Verbundenheit des Kindes mit seinem Familiensystem: Aus der Verbundenheit mit der Familie müssen sich Kinder so verhalten, wie sie es tun. Dies ist unbewusster Ausdruck einer tiefen Liebe und Treue zu den Eltern. Das Wissen darum hilft im pädagogischen Alltag.
  7. Wertschätzung und Achtung der Eltern: Kinder haben innerlich immer ihre Eltern dabei, wenn sie in die Schule kommen. Widersprechen Werte in der Schule bestimmten Werten aus dem Elternhaus, so verwirrt das die SchülerInnen und bringt sie in innere Konflikte. Die systemische Sichtweise hilft, dieses Dilemma zu mildern.

Leider ist die systemische Pädagogik, also die Verbindung zwischen systemischen Gedankengängen und der Pädagogik heutzutage immer noch ziemlich unbekannt. Geht man in eine Schule und fragt dort nach systemischer Pädagogik, so erntet man meist ungläubige Blicke. Manche PädagogInnen fragen sogar, ob man im Rahmen der systemischen Pädagogik mit den SchülerInnen in der Schule Familien- oder Systemaufstellungen macht.

Aber das ist natürlich nicht der Fall. Vielmehr nutzt man die systemischen Gedanken für die Haltung und das Agieren als Pädagogin/als Pädagoge. Im Buch „Hier fühle ich mich wohl“ findet man deshalb neben einleitenden theoretischen Gedanken auch Kapitel zu den Themenfeldern: „Leiten und führen“ (die Rolle des Pädagogen), „Ich gehört dazu“ (das Bedürfnis nach Zugehörigkeit), „Wir gehören zusammen“ (Gemeinschaftsgefühl stärken), „Ich weiß um meinen Platz“ (Rangordnung einhalten), „Ich kann, ich bin“ (Stärken erkennen, Ressourcen nutzen), „Ich komme nicht allein in die Schule“ (die Eltern gehören dazu), „Herausforderungen im Schulalltag“ (systemische Herangehensweise) und „Hier komme ich nicht mehr weiter“ (Grenzen von Pädagogen).

Ärger- und Freuderunden

Es gibt viele Übungen, die auch von Lehrkräften durchgeführt werden können, die keine systemische Ausbildung genossen haben. Ich denke hier beispielsweise an die von Erika Gollor vorgeschlagenen „Ärger- und Freuderunden“. Diese Übung genügt dem Grundsatz „Wir gehören zusammen. Gemeinschaftsgefühl stärken“. Einmal in der Woche sollte innerhalb einer Schulklasse eine Ärger- und einmal eine Freuderunde abgehalten werden. Beide Runden dauern ca. 10 bis 15 Minuten und können gut unabhängig voneinander durchgeführt werden (bsp. die Ärgerrunde am Donnerstag und die Freuderunde am Freitag). Es gibt spezielle Regeln:

  • Alles, was – speziell in der Ärgerrunde – gesagt wird, unterliegt der Schweigepflicht.
  • Das Kind, an das sich der Ärger oder die Freude richtet, wird mit Namen angesprochen.
  • Die Gesprächspartner schauen sich an.
  • Keine Beschimpfungen und Beleidigungen.
  • Ich-Botschaften nutzen.
  • Das angesprochene Kind nimmt nicht Stellung, es kann lediglich sagen, dass es ihm leid tut.

Diese Übung kann bereits in Vorschulgruppen, auf jeden Fall aber ihn Grundschulklassen durchgeführt werden. Sie ist eine wunderbare Vorübung zum Klassenrat. Und auch für Klassen, die den Klassenrat nicht einführen wollen, bieten sich Ärger- und Freuderunden an, um das Soziale Klima in der Klasse zu verbessern.

Besten Dank für diese wunderbare Übung !!
sagt Christa Schäfer

 

Weitere Literaturhinweise:

Systemisches Wissen für Pädagogik und Mediation

Einführung in die systemische Pädagogik

Der systemische Lehrer

Thema: Literaturempfehlungen, Schule in Berlin, Systemischer Ansatz | Kommentare (0)

Rabattmarken, Gummiband und Racket im Umgang mit Gefühlen

Montag, 18. Mai 2015 8:55

Leben heißt Emotionen zu erfahren.

7 Emotionen hat Paul Ekman durch seine Forschungen als universal und kulturübergreifend gleich in ihrem Ausdruck identifiziert: Ärger, Angst, Ekel, Freude, Trauer, Überraschung, Verachtung. Jede Emotion ist eine Energiequelle.

4 Basisemotionen bilden je eine Obergruppe, denen viele Emotionen zugeordnet werden können: Angst, Wut, Traurigkeit, Freude. Jede Gruppe von Gefühlen hat eine besondere „Funktion“.

Angst
‘“Die Angst ist das Gefühl,
das uns zur Flucht animiert,
um einer Gefahr zu entkommen.“
(Nunge; Mortera: Gefühlsbalance. S. 23)

Wut
„Wut ist das Gefühl, das uns bereit macht, anzugreifen und zu kämpfen
bzw. uns einer Bedrohung zu stellen oder gegen etwas anzugehen.“
(ebenda, S. 33)

Traurigkeit
„Die Traurigkeit ist die Emotion,
die mit dem Gefühl der seelischen Betäubung einhergeht,
das wir empfinden, wenn wir einen geliebten Menschen
oder ein wertvolles Objekt verloren haben.
Zu dieser Reaktion gehört vor allem der Rückzug in sich selbst.“
(ebenda, S. 48)

Freude
„Freude ist das Gefühl, das uns dazu drängt,
unser Wohlgefühl, unser Vergnügen mit anderen zu teilen.
Sie ist ein starker Motor, setzt aber eine gewisse Öffnung,
ein Zugehen auf andere voraus.“
(ebenda, S. 66)

Kommen Erwachsene mit ihren Gefühlen nicht gut zurecht, so liegt es oft daran, dass Gefühle in der Kindheit durch die Erziehung „verfälscht“ worden sind. Meist hat diese(r) Erwachsene nicht gelernt, „gut“ mit bestimmten Gefühlen umzugehen. Das kann natürlich „nachgelernt“ werden, ist aber nicht so einfachen …

GefuehlsbalanceDie obigen Zitate entstammen dem Buch „Gefühlsbalance“ von Olivier Nunge und Simonne Mortera aus dem Scorpio Verlag. Die beiden schauen mit der Transaktionsanalyse (TA) auf das Thema Gefühl und geben Informationen, Erfahrungen und Tipps weiter, die unterstützen, belastende Emotionen loszulassen und im Alltag besser mit Gefühlen umzugehen.

Die Transaktionsanalyse stellt drei Modelle vor, auf welche Weise Gefühle an ihrem authentischen Ausdruck gehindert werden.

Das Sammeln von Gefühlen (Rabattmarken)
Wir neigen dazu, Emotionen zu sammeln, bis sie sich aufstauen. Dann kann ein einziger Satz oder eine einzige Geste „die Bombe zum Platzen bringen“. Je nach Menge der gesammelten „Rabattmarken“ gibt es dann unterschiedlich große Gefühlsausbrüche.

Reaktive Gefühle (Gummiband)
Hierbei geht es um unangemessene Gefühle, die sich auf jede der vier oben benannten Emotionen beziehen können. Ein aktuelles Ereignis ruft uns die Erinnerung an ein ähnliches Ereignis in der Vergangenheit wach. Haben wir die Situation damals als unangenehm erlebt und bisher keine Möglichkeit, das Problem auf seelischer Ebene auf zufriedenstellende Weise zu lösen, so schleppen wir das alte ungute Gefühl weiter mit uns mit und es wird in jeder vergleichbaren Situation wieder ausgepackt. Ein unsichtbares Gummiband zieht uns in einer bestimmten Situation quasi zurück in die Vergangenheit.

Racket (Ersatz- oder Maschengefühle)
Ersatzgefühle sind Emotionen, die an Stelle einer realen, tiefer liegenden Emotion treten. Das ursprüngliche Gefühl bleibt verborgen, weil es vielleicht anfangs unerwünscht oder sogar verboten war. Ein neues Gefühl tritt an die Stelle des ursprünglich erlebten Gefühls. Mithilfe dieser „Manipulation“ kann Aufmerksamkeit erlangt werden, ohne das ursprüngliche Gefühl zu benennen.

Das Buch „Gefühlsbalance“, dem ich diese Gedanken entnommen habe, zeigt zunächst die vier Basisemotionen, bespricht dann die Verfälschungen und erläutert anschließend die drei von der Transaktionsanalyse benannten Zusammenhänge von Gefühlen zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Damit ist dieses kleine Geschenkbändchen ein guter erster Einstieg zum Thema Emotionen, interessant geschrieben für jederfrau und jedermann.

Einen intensiven Einblick in das Thema Gefühle gibt es beispielsweise über die Mimikresonanz und das Buch “Gefühle sehen. Menschen verstehen“

Dr. Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)

Bildung braucht Beziehung

Mittwoch, 13. Mai 2015 8:03

Da kann ich nur zustimmen.
Und bis nach Wolfsburg ist es ja von Berlin aus nur eine Stunde.
Dort findet dieses Jahr vom 6. bis 8. November der große Lehrer-Bildungskongress 2015 statt, veranstaltet vom BeltzForum in Zusammenarbeit mit dem Bildungsbüro der Stadt Wolfsburg. Hier kann man erfahren, wie man in einer Balance zwischen Empathie und Führung guten Unterricht macht. 35 Expertinnen und Experten geben Tipps für Schul- und Unterrichtsentwickung. Also nichts wie hin …

Viel Spaß in Wolfsburg
wünscht Christa Schäfer

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Wer ist Henri?

Montag, 11. Mai 2015 6:58

„Henri ist kein Fall, Henri ist ein Kind“ – so seine Mutter Kirsten Ehrhardt, die ein Buch über den bisherigen Lebensweg von Henri geschrieben hat. Henri ist ein Junge mit Down-Syndrom. Das Buch zeigt, wie Henri die Familie verändert hat, wie er den Kindergarten und die Grundschule auf den Weg der Inklusion gebracht hat und wie seine Eltern schließlich frustriert miterleben mussten, mit welchen Mitteln sich ein Gymnasium in Baden-Württemberg 2014 gegen die Aufnahme eines Kindes mit Behinderung wehrt.

Henri ist ein Kämpfer. Henris Familie ist glücklich, dass er da ist, und wird dennoch in eine Gedankenwelt verstrickt, die sie vorher nicht erahnt hat. Was mag das wohl für ein Gefühl sein, wenn der Arzt in das Zimmer kommt und zu der Krankenschwester sagt: „Da liegt das Down-Syndrom“. Auch Nachbarn und Freunde müssen zunächst lernen, mit der Tatsache Down-Syndrom umzugehen, manche Beziehungen zerbrechen, andere leben auf und intensivieren sich. Oft sind die Eltern von Henri hin- und hergeworfen zwischen ihren Gedanken um Henri, um seine Förderung oder Nicht-Förderung und um all das, was von Außen an sie herangetragen wird. Sicherlich trägt auch seine Schwester Emily durch ihre unaufgeregte Art dazu bei, dass Henri sich gut entwickeln kann. Gut, dass die Familie immer wieder Menschen findet, die ihnen Unterstützung und Kraft gibt. Dennoch ist der Weg, die Inklusion einzufordern, sehr hart. Zunächst die Kita, dann die Grundschule und schließlich der Weg auf eine neue Schule ist ein „steter Kampf“. Da werden die Eltern, die nur das beste für Henri wollen, schnell als „anstrengende Eltern“ wahrgenommen.

„Henris Leben findet in einem Spannungsfeld von Anpassung und Anderssein statt. Immer wieder werden wir herausfinden müssen: Wie reagiert ein System mit Normen und Vorschriften auf das Anderssein? … Henri ist anders und stört. Doch was ist eigentlich mit den Kindern, die auch anders sind als unsere Gesellschaft im Großen und bestimmte Systeme im Kleinen vorgeben, und die deshalb ebenso stören? Kinder, die langsamer oder schneller lernen oder einfach nur auf anderen Wegen zu einer Lösung kommen, vielleicht auch einmal zu einer unerwarteten?“ (Kirsten Ehrhardt: Henri. S. 52f)

Henri lernt laufen, sprechen, schreiben und rechnen, liebt seine Playmobil-Figuren, hat viele Freunde, lernt tanzen, singen und vieles vieles mehr. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie viel Freude er den Menschen in seiner Umgebung gibt.

2009 unterschrieb Deutschland die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Inklusion ist also Menschenrecht. Damit hat sich Deutschland verpflichtet, eine inklusive Gesellschaft zu werden, und somit auch ein inklusives Schulsystem zur Verfügung zu stellen.

henri_ein_kleiner_junge_veraendert_die_weltDas Buch “Henri. Ein kleiner Junge verändert die Welt“ zeigt, wie es um die Inklusive Pädagogik in Deutschland 2015 immer noch bestellt ist. So einfühlsam und liebevoll Henri und das Familienleben mit ihm beschrieben wird, so ist auch der folgende Erfahrungsbericht offen und ehrlich. Er zeigt die Gedanken, die notwendig sind, um zu einem inklusiven Bildungssystem zu kommen. Er zeigt aber auch schonungslos das Denken von immer noch zahlreichen PädagogInnen, die Inklusion nicht umsetzen wollen oder können und vielleicht sogar Angst davor haben (Warum eigentlich?) …

Ach ja, der Weg an Gymnasium oder Realschule wurde Henri verwehrt. Schulleitung, Kollegium, Eltern, Schulkonferenz waren dagegen. Zur Sonderschule sollte er gehen. Jetzt wiederholt er die vierte Klasse der Grundschule, und zum neuen Schuljahr finden seine Eltern hoffentlich eine Schule, die Henri gut tun wird, und der auch er gut tun kann.

Auch Berlin ist ja erst ganz am Anfang des Weges zu einer Inklusiven Schule.
Es ist noch viel Arbeit notwendig. Packen wir’s an !!
Dr. Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Schule in Berlin | Kommentare (0)

Walter Mischel und der Marshmallow-Test

Mittwoch, 6. Mai 2015 6:41

In den Sechzigerjahren führte Walter Mischel mit seinen StudentInnen ein Experiment mit Kindern im Vorschulalter an der Bing Nursery School durch, einer Kindertagesstätte der Stanford University. Er führte die Kinder in eine echte Dilemma-Situation. Die Kinder hatten die Wahl zwischen einer sofortigen Belohnung (einem Marshmallow) und einer größeren späteren Belohnung (zwei Marshmallows), für die sie jedoch 20 Minuten warten mussten. Das sah so aus, dass ein Kind alleine im Raum saß, ein Marshmallow und eine Glocke vor sich. Wollten das Kinder die Süßigkeit essen, so konnte es die Glocke betätigen und den Marshmallow essen. Betätigte es die Glocke nicht, so erhielte es die größere Belohnung nach der Rückkehr des Versuchsleiters. Manche Kinder warteten nicht lange, bis sie die Glocke läuteten, andere Kinder hielten die 20 Minuten standhaft durch.

Was Mischel und seine StudentInnen vollkommen überraschte, war die Tatsache, was die vier- und fünfjährigen Kinder alles taten, um sich nicht verlocken zu lassen. Vollkommen verblüffend war auch die Tatsache, dass der Marshmallow-Test und die Länge des Belohnungsaufschubs viel über das zukünftige Leben der Probanden verriet. Je länger ein Kind wartete, umso besser schnitt es später bei Studierfähigkeitstests ab, und um so höher konnte das kognitive Leistungsvermögen im Jugendalter eingestuft werden. Im Alter zwischen 27 und 32 Jahren verfolgten diejenigen, die im Vorschulalter beim Marshmallow-Test länger gewartet hatten, ihr Ziel konsequenter und kamen besser mit Frustration und Stress zurecht, sie hatten ein höheres Selbstwertgefühl und sogar einen niedrigeren Body-Mass-Index. Außerdem waren sie belastbarer und anpassungsfähiger bei der Bewältigung zwischenmenschlicher Probleme und schafften es besser, enge Beziehungen aufrecht zu erhalten. Im mittleren Alter dieser ehemaligen Probanden konnte man in den Hirnarealen, die mit Suchtverhalten und Fettleibigkeit verknüpft sind, deutliche Aktivitätsunterschiede feststellen zu den Probanden, die als Kinder nicht in der Lage waren, in den Belohnungsaufschub zu gehen. Bei denjenigen, die die Belohnung gut aufschieben konnten, war das Areal im präfrontalen Kortex aktiver, das für effektives Problemlösen, kreatives Denken und die Kontrolle impulsiven Verhaltens wichtig ist. Bei denjenigen, die die Belohnung weniger gut aufschieben konnten, war das ventrale Striatum aktiver, vor allem auch dann, wenn sie sich bemühten, ihre Reaktionen auf emotional aufgeladene, verlockende Stimuli zu kontrollieren.

Marshmallow-TestIch finde von Walter Mischel erzielten Ergebnisse und die durch ihn angestoßenen Forschungen äußerst spannend und freue mich sehr, dass es jetzt ein wunderbares, fast 400 Seiten starke Buch zum Marshmallow-Test und den Auswirkungen gibt. In dem Buch „Der Marshmallow-Test“ werden Antworten auf viele Fragen gegeben. Ist die Fähigkeit, Belohnungen aufzuschieben, angeboren? Wie kann man Menschen diese Fähigkeit beibringen? Was ist „Willenskraft“? Welche Umstände schwächen die Willenskraft? Auf welchen kognitiven Fähigkeiten und Motivationen basiert sie?

Belohnungsaufschub und Selbstkontrolle

Mischel nutzt zur Unterstützung dieser Antworten neueste wissenschaftliche Erkenntnisse. Er erläutert, dass im menschlichen Gehirn zwei eng miteinander verwobene Systeme existieren, das eine „heiß“ – emotional, reflexgesteuert, unbewusst – das andere „kühl“ – kognitiv, reflektierend, langsamer und mehr Anstrengung erfordernd. Die spezifischen Wechselwirkungen zwischen diesen beiden Systemen bestimmen, wie die Vorschulkinder im Marshmallow-Test reagieren. Es gibt Strategien, wie mentale Prozesse und Strategien beschaffen sind, mit denen heiße Verlockungen abgekühlt werden können, Belohnungen aufgeschoben und Selbstkontrolle entwickelt werden kann.

Sind die Belohungen sichtbar, so fällt das Warten schwerer, als wenn die Belohnungen unter einem Tablett versteckt sind. Erfolgreiche Belohnungsaufschieber dachten sich zudem alle möglichen Kniffe aus, um sich abzulenken und den Konflikt und dem Stress, dem sie ausgesetzt waren, abzukühlen. Es gab Kinder, die dachten sich kleine Lieder oder Geschichten aus, schnitten Grimassen, beschäftigten sich mit ihren Händen oder Füßen oder hatten sonstige kreative Ideen. Ablenkende Gedanken führten zu einem längeren Belohnungsaufschub. Das Denken an die Belohnung verkürzte die Dauer, bis die Kinder die Glocke betätigten.

Die Aktivierung des heißen, emotionalen Systems sorgt dafür, sofort zu handeln. Konzentriert man sich auf die heißen Merkmale einer Verlockung führt das zu Los!-Reaktionen. Hoher Stress aktiviert das heiße System. Das heiße System befindet sich im limbischen System im Gehirn, in der Amygdala. Ein auftauchender Löwe hat in früheren Zeiten natürlich zu einer automatischen Selbstschutzreaktion geführt. Heiße Reaktionen sind allerdings nicht hilfreich, wenn es darum geht, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Das kühle, kontrollierte System befindet sich vornehmlich im präfrontalen Kortex im Gehirn. Dieses System entwickelt sich langsam, wird in den Vorschul- und Grundschuljahren allmählich aktiver und ist erst mit Anfang 20 vollständig ausgereift. Gute Belohnungsaufschieber konzentrierten sich auf die kühlen, abstrakten, faktischen Merkmale der Verlockung und entzogen sich den heißen Merkmalen. Es gibt Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen im Belohungsaufschiebeverhalten und in den Abkühlungsstrategien. Bei großem Stress fällt das kühle System zunehmend aus.

Selbstkontrolle entsteht im Zusammenhang mit dem Bindungsverhalten eines Menschen. Die von Mary Ainsworth konzipierte „Fremde Situation“ simuliert ein kurzes Verschwinden der Mutter und eine Wiedervereinigung zwischen Mutter und Kind unter harmlosen Bedingungen. Kleinkindern zwischen ein und drei Jahren, denen es gelang, sich von der Abwesenheit der Mutter abzulenken, schnitten auch später beim Marshmallow-Test besser ab. Der Erziehungsstil einer Mutter beeinflusst die Strategien zur Selbstkontrolle, die ein Kind entwickelt. Wow. Sind die Kinder älter, so können Wenn-dann-Pläne dem Kind helfen, eine breite Palette ansonsten kaum bezwingbarer Selbstkontrollprobleme erfolgreich zu bewältigen. Fest verankerte Wenn-dann-Umsetzungspläne können auch im Erwachsenenalter noch helfen, Verlockungen zu trotzen, mit dem Rauchen aufzuhören, uns auf eine Zielerreichung oder auf bestimmte Kernaufgaben zu konzentrieren.

Von Marshmallows im Kindergarten zur Altersvorsorge

Selbstkontrolle ist zur Erreichung langfristiger Ziele absolut wichtig. Zu viel Selbstkontrolle lässt uns unser Leben allerdings ebenso unerfüllt erscheinen wie zu wenig Selbstkontrolle. Die Fähigkeit zur Selbstkontrolle kann ein starkes Selbstwertgefühl wachsen lassen. Da heißt es dann: „Ich weiß, ich kann es (schaffen)!“

Mischel beschreibt in seinem Buch auch, dass sich Kinder, die erfolgreich im Belohnungsaufschub waren, durch drei Merkmale der Exekutiven Funktionen (einem Teil des kühlen Systems) auswiesen. Sie mussten sich erstens an ihr gewähltes Ziel erinnern, zweitens im Blick behalten wie nah sie dem Ziel schon gekommen waren und evtl. Korrekturen vornehmen und drittens impulsive Reaktionen hemmen.

Optimistisch denkende Menschen haben insgesamt höhere Erfolgserwartungen. Kinder, die davon ausgehen, alles Notwendige schaffen zu können, um ihre Belohnung zu erhalten, strengen sich an und sind eher der Gruppe zuzuschreiben, die lange warten kann. Erfolgserlebnisse verstärken zukünftige Erfolgserwartungen ganz erheblich.

Impulskontrolle und Selbstkontrolle können zudem die Herausforderungen des Lebens meistern helfen, beispielsweise schmerzliche Gefühle abzukühlen. Erzählten Klienten ihre Gefühle aus einer selbstzentrierten Perspektive, so berichten sie so, als würden sie eine Erfahrung nochmals durchleben. Werden Gefühle und Gründe aus einer distanzierten Perspektive berichtet, so können Ereignisse kognitiv neu bewertet werden. Selbstdistanzierung unterstützt, konstruktive Strategien zur Problemlösung und Konfliktbeilegung zu finden und den Blutdruck zu senken.

„Wenn die Probanden sich spontan von sich selbst distanzierten, während sie an die negativen Erfahrungen in ihrer Beziehung dachten, wendeten sie auch konstruktivere Strategien zur Problemlösung und Konfliktbeilegung an als diejenigen, die sich nicht spontan von sich selbst distanzierten. Besonders interessant war, dass die Probanden mit geringer Selbstdistanz Konflikte konstruktiv bewältigten, solange ihre Partner keine ablehnende, feindselige Haltung ihnen gegenüber zeigten. Wurden ihre Partner feindselig, zahlten sie es ihnen jedoch mit gleicher Münze heim, sodass die Feindseligkeit eskalierte. Die Kombination von Menschen mit geringer Selbstdistanzierung und extrem negativ gestimmten Partnern setzte regelmäßig die Zukunft der Beziehung aufs Spiel. Dieses Muster galt unabhängig davon, ob das Konfliktverhalten in Selbstberichten oder durch unabhängige Beobachter eingeschätzt wurde, wenn die Partner ihre Konflikte in einer Laborsituation diskutierten. …“ (Mischel: Der Marshmallow-Test. S. 195)

Sicherlich haben Sie beim bisherigen Text dieses Blogartikels bereits gemerkt, dass ich von diesem Buch begeistert bin. Ich könnte viele weitere interessante und spannende Ergebnisse aus dem Buch referieren, möchte Ihnen allerdings das Buch selber ans Herz legen. Walter Mischels Buch zum Marshmallow-Test ist wie ein spannender Krimi ein absoluter Lesegenuss, der hilft, Menschen zu verstehen.

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Konflikte, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0)

Circle

Montag, 27. April 2015 8:45

Die Kraft des Kreises

Der Klassenrat in der Schule findet im Stuhlkreis statt. Was passiert dort, und kann man dieses „Redeprinzip“ auf den Wirtschaftsbereich ausweiten? Kann man Business-Meetings und Business-Sitzungen im Stuhlkreis stattfinden lassen?

Was ist der Vorteil von Circles?
Welche Rollen gibt es?
Wie funktionieren Meetings und Gespräche in Circles?
Gibt es auch Circles in Paarbeziehungen und in der Familie?

Wow, ich habe diesen Artikel mit ganz vielen Frage begonnen, Fragen, die mir durch den Kopf gingen, als ich das Buch „Circles: Die Kraft des Kreises“ in die Hand bekam. Die beiden Autorinnen Christina Baldwin und Ann Linnea haben sich in diesem Buch, herausgegeben im Beltz Verlag, ausführlich mit dem Peer Spirit Circle Process – kurz Circle – auseinander gesetzt. Ein Prinzip, das viel mehr enthält als nur eine bestimmte Anordnung von Stühlen.

Peer Spirit Circle Process

Circle_Baldwin_Linnea

Christina Baldwin und Ann Linnea hatten die intuitive Überzeugung, dass der Kreis sowohl uralt als auch universell ist. Naturvölker nutzten den Kreis, um Entscheidungen für den ganzen Stamm zu treffen. Nordamerikanische Stammesälteste nutzten den Kreis und schätzten ihn auf sozialer und geistiger Ebene. Der Kreis war für manche Kulturen Organisationsprinzip, schien als Sprache der Naturvölker jedoch nicht zur vorherrschenden westlichen Kultur zu passen.

Baldwin und Linnea schauten, wie Circles in unserer modernen Welt funktionieren können. 1996 erschien die erste Version ihres Werkes „Calling the Circle. The First and Future Culture“. Damit war der erste Schritt getan, den Kreis in die moderne Kultur zurückzurufen und zur erneuten Anwendung zu bringen:

Das war zu jener Zeit, in der auch das World-Café, das Open Space und die Methode der Zukunftskonferenz entwickelt wurde. In jeder dieser „Methoden“ sitzen Menschen zusammen, sprechen miteinander und erachten ihre gegenseitigen Stimmen als wertvoll. Jede dieser Methoden geht von Respekt und Wertschätzung aus. Jedes Ereignis hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Der Archetyp des Kreises ist im Raum präsent. In einem Kreis können große Ideen von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern kommen, alle Beiträge werden gleichwertig aufgenommen. Im Jahr 2000 kam die Arbeit von Baldwin und Linnea nach Europa und fing auch an hier zu wirken. Vier Mal waren beide bereits in Deutschland, mehrmals auch in anderen europäischen Ländern.

„Nach mehr als 20 Jahren Erfahrung haben wir den weitreichenden Nutzen dieser Arbeit gesehen und sind nun überzeugt, dass die Wiedereingliederung des Kreises den Prototyp für eine neue Kultur liefert: eine Kultur der Kreativität, der Zusammenarbeit und des Gesprächs.“ (Baldwin/Linnea: Circle, S. 14)

Vom Ursprung des Kreises

„Der Mann ist nass bis auf die Haut und zittert vor Kälte. Mit einem erlegten Kaninchen über der Schulter läuft er eilig durch die Abenddämmerung. Die Frau neben ihm bleibt trotz des schwindenden Lichts immer wieder kurz stehen, um einige Blätter zu sammeln oder eine Wurzel mit dem Fuß frei zu scharren und in einen Lederbeutel zu stecken, den sie um die Taille gehängt hat. So folgen sie dem Pfad, der sie hoffentlich an einen Ort führt, an dem sie freundliche Aufnahme, Wärme und Gesellschaft für die Nacht finden. …“ Beide finden ein Feuer, an dem bereits andere Männer und Frauen sitzen, erzählen, sich wärmen und zusammen essen. Das Feuer ist die Mitte, gibt Sicherheit, Wärme und Nahrung. (ebenda, S. 30)

Hat sich Sprache als soziales Instrument parallel zur Nutzung von Feuer und zur Ausdifferenzierung von Handwerkszeugen entwickelt?

Der Kreis als Archetyp des Gruppenprozesses

„Der Weg des Kreises ist eine praxisorientierte Methode, soziale Partnerschaften neu zu etablieren und eine Welt zu schaffen, in der wahrhaftige Kooperation zu optimaler kompetenter hierarchischer Führung anregt. Ein Anführer braucht ein Ratsgremium, das ihm die Dorfmeinungen zu Gehör bringt. Ein Präsident braucht ein Kabinett, ein Trainer ein Team, ein Lehrer Schüler. Die Älteren brauchen junge Leute. Und Meetings brauchen dringende Veränderung.“ (ebenda, S. 39)

Gespräche und Sitzungen im Kreis etablieren eine neue Gesprächskultur. Allein durch Sprechen und Zuhören können dringend notwendige Veränderungen bewirkt werden. Die Gesprächskultur im Kreis stellt einen sozialen Paradigmenwechsel dar, der überall, jederzeit und in jeder beliebigen Gruppe stattfinden kann. Er funktioniert über eine Intelligenz, die Herz und Verstand in Einklang bringt, setzt auf das Gemeinschaftsprinzip und sucht nach Möglichkeiten, wie sich jede und jeder einbringen kann.

Der Kreis hat eine feste Struktur:
Auftakt und Einladung
Die Kreismitte einrichten
Vereinbarungen
Check-in
Intention
Drei Prinzipien
Drei Praktiken
Rollen
Check-out

Der Kreis hat drei Prinzipien:
Führung im Wechsel
Gemeinsame Verantwortung
Vertrauen in die Ganzheit

Der Kreis hat drei Praktiken:
Aufmerksam zuhören
Absichtvolles Reden
Auf das Wohlergehen der Gruppe achten

Es gibt verschiedene Rollen:
Der Gastgeber mit temporärer Führungsrolle
Der Achtgeber
Der Schreiber

Die Arbeit im Kreis hat drei Grundformen:
Die Redeobjekt-Runde
Die Gesprächsrunde
Schweigen

Die Entscheidungsfindung funktioniert über:
Konsens und Abstimmung

Circle können sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext abgehalten werden.

Sie interessieren sich für ein Beispiel zu einem Circle?
Hier das Beispiel eines Circles im Rahmen eines konfliktgeladenen Gespräches.

„Die Geschäftsleitung lud alle Franchisenehmer zu einer Konferenz von Freitagmittag bis Sonntagnachmittag ein. So etwas hatte es noch nie gegeben. 140 von ihnen sagten ihre Teilnahme zu. Der schwierigste Teil war ein Dialog mit der gesamten Gruppe am Samstagnachmittag über den Konflikt der in Bezug auf die neuen Statuten entstanden war. Wenn ein Kreisprozess in großen Gruppen stattfindet, muss der Gastgeber äußerst kreativ vorgehen. Der Unterschied ist etwa so groß wie zwischen der Organisation einer Dinnerparty und einem professionellen Catering: Bedeutend mehr Planung ist erforderlich, um sicherzustellen, dass die Qualität des Engagements von Dauer ist. Doch wenn jede Stimme persönlich zu Wort kommen soll – und in diesem Fall war dies eine conditio sine qua non -, dann kann der Kreis auch für die Diskussion in einer großen Gruppe erweitert werden.
Matthias und Jutta entwarfen eine Kreismitte, die für die Gruppe besonders relevant war. Sie bestand aus einer etwa 90 Zentimeter hohen Pyramide aus 16 roten Boxen. Die oberste Box symbolisierte den Zweck des Unternehmens (einschließlich des Franchisesystems). Die vier Boxen in der Mitte repräsentierten seine Werte und die neun an der Basis symbolisierten die Firmenziele. Die Gruppe hatte im Laufe der Konferenz schon mit Zweck, Werten und Zielen gearbeitet und kannte deshalb die Bedeutung der Boxen. Dann arrangierten Matthias und Jutta 140 Stühle in vier konzentrischen Kreisen wie Jahresringe an einem Baumstamm darum herum.“ (ebenda, S.

Wenn ich Sie mit meiner Begeisterung für die Circles „angesteckt“ habe, dann finden Sie in dem 281 Seiten starken Buch „Circle: Die Kraft des Kreises. Gespräche und Meetings inspirierend, schöpferisch und effektiv gestalten“ von Christina Baldwin und Ann Linnea aus dem Beltz Verlag viele weitere Beispiele und natürlich Beschreibungen, wie Circles zum Laufen gebracht werden können. Sehr empfehlenswert !! Wer weiß, vielleicht – oder besser hoffentlich – gibt es in ein paar Jahren auch in Deutschland viele Circles in privaten und geschäftlichen Kontexten.

Ach ja, Sie kennen meine Praxisbroschüre zum Klassenrat?

Dr. Christa D. Schäfer

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