Mediation – mal ganz anders

Montag, 24. August 2015 6:52

Ferien. Ich lese ein neues Buch. Den Roman “Der Klassenfeind“, geschrieben von dem Lehrer, Musiker, Schriftsteller und Kabarettisten Marc Hofmann über den Lehrer Harry Milford.

Und was finde ich in dem Buch? Ein Kapitel über ein „sprechendes Kissen“. Das möchte ich Ihnen als Mediatorinnen und Mediatoren nicht vorenthalten. Also folgendermaßen:

Harry Milford kommt Sonntag Mittag nach einem missglückten Angelausflug wieder nach Hause, wo ihn bereits seine Frau Karen erwartet. Hier ein langes Zitat, was nun passiert:


(Zitatanfang) Ich stehe wie erstarrt auf der Türschwelle. Eigentlich muss ich ziemlich dringend aufs Klo, habe einen Mordshunger und müsste unbedingt mal ein Glas Wasser trinken, aber jetzt hat sich Karen vor mir aufgebaut. Offenbar ist sie in Rage.
„Aha“, sage ich, um Zeit zu gewinnen. Was meint sie? Was hab ich jetzt schon wieder falsch gemacht?
„Ich habe mir was überlegt. Komm mal rein!“
Es scheint mir keine gute Idee, jetzt meine unmittelbaren körperlichen Bedürfnisse zur Sprache zu bringen, so bestimmt, wie sie auftritt. Ich folge ihr ins Wohnzimmer. Es riecht fürchterlich nach Patschuli, und überall stehen brennende Kerzen.
„Wir müssen uns mal aussprechen. Setz dich!“
„Kann ich erst mal …“
„Nein, jetzt lass dich da mal drauf ein. Nicht schon wieder flüchten!“
Eigentlich wollte ich sie nur darauf hinweisen, dass ich noch meine gefütterte Jacke anhabe, aber das muss jetzt offenbar alles warten.
„So!“ Karen setzt sich mir gegenüber und faltet die Hände. „Weil wir ja in letzter Zeit Probleme mit der Kommunikation haben, also ich ja weniger als du, finde ich, brauchen wir einen Moderator.“
Einen Moderator? Was soll denn die Scheiße?
„Der Peter hat da unlängst eine Fortbildung in gewaltfreier Konfliktlösung und themenzentrierter Interaktion gemacht, und daher hat er sich angeboten, das Gespräch zu leiten.“
Der Peter kommt aus der Küche wie ein Stargast. Soll ich jetzt applaudieren?
„Karen, das ist mir zu blöd, das ist doch …“
„Du bleibst sitzen!“
Sie drückt mich zurück auf den Stuhl.
„Also ihr beiden“, beginnt der Peter salbungsvoll und setzt sich aufs Sofa.
„Seht ihr das Kissen hier?“
Karen nickt eifrig. Ich sacke in mich zusammen. Ein Albtraum. Ein verdammter Albtraum.
„Wer das Kissen hat, spricht. Der andere muss zuhören. Er darf nicht widersprechen und nicht unterbrechen. Verstanden?“
Er blickt uns aufmunternd an.
Karen nickt.
„Du auch, Harry?“
Ich weiß nicht, was ich tun soll.
„Also ich schlage vor, Harry, du beginnst.“
Er drückt mir das Kissen auf den Bauch. Im Zimmer ist es unerträglich heiß. Dass ich meine Jacke immer noch anhabe, macht es nicht besser.
„Ja, äh, also …“
Karen dreht sich genervt zu Peter um.
„Siehst du, ich hab’s dir gesagt. Da kommt nichts.“
Peter blickt mich milde an.
„Harry, du wirkst etwas verkrampft. Mach dich doch mal locker.“
Ich schwitze. Meine Kopfhaut juckt und mein Herz rast. Ich habe Durst. Hunger. Und muss arg aufs Klo. Ich will hier weg. Was ist bloß mit den beiden los? Sind die komplett wahnsinnig geworden? Vielleicht sollte ich ihnen erklären, dass ich keine Ahnung habe, was ich eigentlich sagen soll. Worum geht es denn überhaupt?
„Vielleicht beginnst einfach du, Karen, dann kann Harry reagieren.“
Karen schaut mich auffordernd an.
„Was?“, frage ich gereizt.
„Das Kissen!“
Sie zeigt auf das Kissen.
„Ach so.“
Ich gebe es ihr.
Sie presst sich das Kissen auf die Brust.
„Also, Harry ist einfach seit einiger Zeit, ich weiß nicht mehr, wann das angefangen hat,a oder vielleicht ist er ja schon immer so, und ich hab es nur nicht gemerkt …“
Peter hebt einen Finger in die Luft.
„Denk dran, Karen. Ich-Botschaften.“
„Ach so ja, also ich finde, Harry ist einfach so … so …“
Sie fuchtelt mit den Händen durch die Luft.
Ich will das alles nicht. Ich will nicht hören, was sie sagt, ich will nicht über mich reden. Das ist doch absurd. Der ist doch parteiisch. Der will doch bloß mit Karen ins Bett. Da will ich jetzt auch am liebsten hin. Aber alleine.
„So ein unkommunikativer Eigenbrötler, er wird immer kauziger und überlässt alle Erziehungsfragen mir. Außerdem ist er nicht mehr zärtlich. Wir leben ja hier wie in einer WG!“
Peter wendet sich mir zu.
„Das sind deutliche Vorwürfe, Harry. Was sagst du dazu?“
„Ohne Kissen sag ich dazu gar nichts.“
Peter schaut erschrocken, nimmt Karen das Kissen vom Schoß, reicht es mir und blickt mich erwartungsvoll an.
Ich weiß nicht, was ich sagen soll, und überlege, ob ich einen Herzanfall vortäuschen soll. Wie kann ich diesen Irrsinn beenden?
Natürlich hätte ich auch etwas zu sagen. Natürlich könnte ich meinem Unmut Luft machen. Darüber was ich hier alles mitmache. Dass ich seit einiger Zeit nur noch Unkraut zu essen kriege, Goji, Chia, Kale, Quinoa, dieser ganze neumodische Quark. Dass ich allabendlich dieses staubtrockene Dinkelbrot herunterwürge und dieses ganze überteuerte laktosefreie Zeug. Ich habe so viel davon verzehrt, dass ich schon eine Laktosefrei-Intoleranz entwickelt habe. Im Kühlschrank liegt glutenfreie Salami, was bitte soll das denn für eine Scheiße sein? Ich arbeite mir die Seele bucklig, damit sich hier alle selbst verwirklichen können. Ich ermögliche Karen, dass sie diesem Nonsensberug nachgehen kann, bei dem sie nichts verdient, weil es ja egal ist, ich verdiene ja genug, weil ich ja immer ein volles Deputat runterreiße, egal, wie es mir geht. (…) Aber beklage ich mich? Hört man von mir ein Wort der Beschwerde? Laufe ich ständig mit einer Maske der Enttäuschung und des latenten Vorwurfs herum? Ich glaube nicht. Ich lasse Karen freie Hand bei der Wohnungseinrichtung, bei dem Perlenvorhang in der Garderobe, in dem man sich ständig verheddert (…). Und als Dank werde ich ständig dafür attackiert, zu wenig im Haushalt zu machen, dabei würde ich sofort eine Haushaltshilfe einstellen, aber nein, das ist ja auch wieder nicht recht. Ich muss mit einer Frau zusammenleben, die überhaupt nicht weiß, was sie will, aber fest entschlossen ist, es zu bekommen!
All das könnte ich sagen, aber was bringt das?

Karen sitzt steif auf ihrem Stuhl und blickt mich erwartungsvoll an.
Peter schaut gehetzt von mir zu Karen und wieder zurück, wie ein nervöses Nagetier.
„Sagst du jetzt was, oder nicht?“ schreit mich Karen an.
„Was willst du denn? Sag doch mal, was du willst! Jetzt ist die Geleghenheit!“
„Ich will jetzt erst mal gepflegt aufs Klo.“
Ich erhebe mich.
„Und danach sehen wir weiter. Aber heute nicht mehr …“ (Zitatende)

(Marc Hofmann: Der Klassenfeind. Stuttgart: Tropen 2015. S. 108-113)

Sicherlich haben Sie als Leserin oder Leser dieses Blog entdeckt, dass es sich hier um den Versuch einer Mediation handelt. Allerdings ist der Versuch aufgrund verschiedener Umstände schief gegangen. Deshalb ist es um so interessanter, sich aus mediativer Sicht Gedanken über den Text zu machen.

  • Welche Grundregel der Mediation wurde von Anfang an vernachlässigt?
  • Welche Gesprächsregeln gelten bei dieser Mediation (auch wenn sie nicht ausgesprochen werden)?
  • Was sind die Bedürfnisse bzw. Interessen von Harry Milford?
  • Was sind die Bedürfnisse und Interessen seiner Frau Karen?
  • Und haben Sie entdeckt, dass auch in diesem Textausschnitt mit der Ähnlichkeit der Worte „Mediation“ und „Meditation“ gespielt wird?

Jenseits dieses Kapitels zur Mediation kann man in dem Buch den Alltag des Gymnasiallehrers Harry Milford nachlesen, der viele Probleme in der Schule hat und auch viele Probleme in der Schule produziert. Er hat ein großes Ziel, seine Frühpensionierung. Als ihm die junge Referendarin Frau Selig kurzfristig den Kopf verdreht, glaubt er, alles wird gut. Aber weit gefehlt. Wer sich für den Schulalltag interessiert, kabarettistisch, messerscharf und zugleich lustig, für den ist da Buch prima geeignet – ob in den Ferien oder in der Schulzeit.


Übrigens steht auf der Rückseite des Buches “Der Klassenfeind” der Spruch: „Schule ist etwa so demokratisch wie Nordkorea“. Damit dies nicht so bleiben muss, hier der Link zu meinem neusten Buch: „Die partizipative Schule. Mit innovativen Konzepten zu einer demokratischen Schulkultur“. Beide Bücher sind absolut empfehlenswert !!!

Dr. Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)

TZI und Mediation

Montag, 17. August 2015 6:53

Mediatorinnen und Mediatoren sollten wissen, was TZI bedeutet.

TZI ist die Abkürzung für „Themenzentrierte Interaktion“. Ruth Cohn, eine Berliner Psychoanalytikerin hat die Grundlagen der TZI in den 1960iger Jahren als Konzept für die Leitung von Gruppen entwickelt. Hier und heute möchte ich gerne in meinem Blog ein Buch vorstellen, in dem die wichtigsten Grundlagen der TZI von Experten knapp, präzise und dennoch aussagekräftig und gut nachvollziehbar beschrieben werden. Ferner möchte ich die einführenden Worte aus diesem Buch verdichten, um so allen LeserInnen einen guten Einblick in die Elemente der TZI geben zu können.

Die TZI ist in der Humanistischen Psychologie beheimatet, also der dritten Kraft neben der Psychoanalyse und der Verhaltenstherapie. Der Name „Themenzentrierte Interaktion“ verweist darauf, dass es um die Arbeit an einem ausformulierten Thema als Ausgangspunkt für die Interaktion in einer Gruppe geht. Ein gut gewähltes Thema spricht alle Gruppenmitglieder an, lässt innere Bilder und Bezüge entstehen und führt dazu, dass alle sich einbringen können. Wichtig ist für die Gruppenleiterin oder den Gruppenleiter ein solides Wissen um Gruppenprozesse, das meint die verschiedene Phasen in der Arbeit mit einer Gruppen, das Wissen um verschiedene Rollen im Gruppengeschehen sowie das Erkennen von Entwicklungspotentiale und -klippen in einer Gruppe. Gelingt es einer Gruppe nicht, ins Arbeiten zu kommen, so liegt dies meist weniger am Thema als an der Gruppe selber und den in ihr ablaufenden Prozessen.

TZI sieht die Struktursetzung als wichtige Aufgabe der oder des Leitungsverantwortlichen. Die Entscheidung, in welcher Struktur und mit welcher Methode zu einem bestimmten Zeitpunkt in einer Gruppe gearbeitet wird, hat großen Einfluss auf die Arbeit der Gruppe und die Arbeit der oder des Einzelnen. Gibt eine Leitung zu viel, zu wenig oder unpassende Strukturen vor, so wird die Gruppe in ihrer Arbeit behindert. Dann wird die gemeinsame Arbeit als chaotisch erlebt, Einzelne wirken passiv oder desintegriert, negative Gefühle dominieren oder man kommt inhaltlich nicht voran.

Der TZI-Praxis liegen drei Axiome zugrunde.

„1. Axiom (existentiell-anthropologisch): Der Mensch ist eine psycho-biologische Einheit und ein Teil des Universums. Er ist darum gleichermaßen autonom und interdependent. Die Autonomie des Einzelnen ist um so größer, je mehr er sich seiner Interdependenz mit allen und allem bewusst ist.
2. Axiom (ethisch): Ehrfurcht gebührt allem Lebendigem und seinem Wachstum, Respekt vor dem Wachstum bedingt bewertende Entscheidungen. Das Humane ist wertvoll, Inhumanes wertbedrohend.
3. Axiom (pragmatisch-politisch): Freie Entscheidung geschieht innerhalb bedingender innerer und äußerer Grenzen. Erweiterung dieser Grenzen ist möglich. Unser Maß an Freiheit ist größer, wenn wir gesund, intelligent, materiell gesichert und geistig gereift sind, als wenn wir krank, beschränkt oder arm sind und unter Gewalt und mangelnder Reife leiden. Das Bewusstsein unserer universellen Interdependenz ist die Grundlage humaner Verantwortung.“ (von Kanitz; Lotz, Menzel; Stollberg; Zitterbarth (Hrsg.): Elemente der Themenzentrierten Interaktion. S. 12f)

Auf der Grundlage dieser drei Axiome gibt es zwei Postulate für die praktische Umsetzung.

1. Sei deine eigene Chairperson.
„Das TZI nimmt für sich in Anspruch, mit ihrem Modell Menschen in ihrer Selbstbestimmung, ihrem Selbst-Bewusstsein und ihrer Bereitschaft, Verantwortung für sich, andere und die Sache zu übernehmen, zu unterstützen. Anders als in manch anderen Konzepten steht hier die Balance zwischen dem Selbst, den anderen und den gegebenen Notwendigkeiten im Vordergrund. Damit will die TZI so etwas wie im positivsten Sinne demokratisches Handeln unterstützen.“ (ebenda, S. 13)

2. Störungen nehmen sich Vorrang.
„Viele Menschen, die Gruppen leiten, fürchten sich genau davor: dass es zu Störungen kommen könnte, die die Arbeit behindern. Das sogenannte Störungspostulat bringt unmissverständlich zum Ausdruck, dass Arbeits- und Lernprozesse störanfällig sind und dass Störungen sich ihren Raum nehmen. (…) es geht nicht darum, dass Störungen immer, sobald sie auftreten, zum Thema gemacht werden müssen (…) Die TZI hat einen durchweg positiven Störungsbegriff, denn Störungen (…) helfen der Leitung und der Gruppe bei der Analyse, was gerade nicht gut läuft bzw. gerade nicht passt. Sie helfen beim Finden einer Entscheidung, was man anders machen könnte, damit die gemeinsame Arbeit besser gelingt. Grundlage dafür ist ein humanistisches Menschenbild, das davon ausgeht, dass Menschen gute Gründe haben, warum sie gerade im Moment anderes tun als von ihnen erwartet.“ (ebenda, S. 13f)

Ein zentrales Element der TZI ist das Vier-Faktoren-Modell
TZI-Dreieck Das Vier-Faktoren-Modell „geht von der Gleichwertigkeit der vier Faktoren aus, die die Arbeit einer Gruppe bestimmen: jede/-r einzelne Grupenteilnehmer/-in inklusive der Leitungsverantwortlichen (ICH), die Gruppe als Gesamtheit (WIR), die Aufgabe/die Sache, derentwegen Menschen zusammenkommen (ES), sowie die Beachtung der (Rahmen-)Bedingungen der Einzelnen, der Gruppe und der Sache (GLOBE). Gelingt es, alle vier Faktoren in der Arbeit zu berücksichtigen und auszubalancieren, fördert dies Prozesse des lebendigen Lernen und gelingender gemeinsamer Arbeit. (…) Der Leitung kommt dabei die Aufgabe der dynamischen Balance dieser Faktoren zu.“ (ebenda, S. 14)

Eine Gruppenleitung sollte partizipativ leiten.

Entgegen der autoritären und der laissez-fair Führung handelt eine partizipative Leitung als „role model“. Sie nehmen so Einfluss auf das Geschehen. „Indem sie eigene Gefühle, Assoziationen, Wünsche und Impulse wahrnehmen und diese partiell und bewusst ausgewählt auch in die Gruppe einbringen, entwickelt sich ein Leitungsstil, der sich grundlegend von anderen Konzepten (…) unterscheidet. Eine Gruppe gemäß der TZI Leitende begegnen den anderen Gruppenteilnehmenden auf Augenhöhe und sind bestrebt, ihre Leitungsmacht und -verantwortung zu mindern.“ (ebenda, S. 15)

TZI ist meine Grundhaltung in Mediationsseminaren und Pädagogik­weiterbildungen.


Natürlich gibt es ganz viel Literatur zur TZI von Ruth Cohn selber und von anderen AutorInnen. Das Buch „Elemente der Themenzentrierten Interaktion“ von Anja von Kanitz, Walter Lotz, Birgit Menzel, Elfi Stollberg und Walter Zitterbarth (Hrsg.) aus dem Vandenhoeck & Ruprecht Verlag stellt jedoch ganz hervorragende, grundlegende und ausgewählte Texte zur TZI zur Verfügung. Die Texte entstammen ursprünglich der Fachzeitschrift „Themenzentrierte Interaktion“ und sind so etwas wie ein best off. Alle Texte dieses Buches sind als Einstiegslektüre geeignet. Es gibt Artikel zur Orientierung im TZI-System, Artikel zu Prozessen innerhalb einer Gruppe und eine Auswahl von Beispielen, die zeigen, wie man TZI in der Praxis zur Planung, Gestaltung und Reflexion von Gruppenarbeit nutzen kann. Die AutorInnen der Aufsätze sind allesamt profilierte Lehrende, Forschende und Praktizierende der TZI aus verschiedenen Fachgebieten. Damit ist das Buch so etwas wie ein must have für TZI-Interessierte. Zum Bestellen einfach auf das Cover des Buches klicken …

Welche Verbindungen gibt es zwischen der TZI und der Mediation?

Meine eindeutige Antwort: Die Haltung einer Mediatorin / eines Mediators ist der Haltung einer TZI-Gruppenleiterin / eines TZI-Gruppenleiters sehr ähnlich. Kein Wunder, beiden liegt ja auch die Humanistische Psychologie zugrunde …

Dr. Christa D. Schäfer

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Schuld

Montag, 10. August 2015 7:55

Über Schuld denken wahrscheinlich die wenigsten Menschen gerne nach. Und dennoch ist Hintergrundwissen über dieses Gefühl wichtig. Darum möchte ich dem Thema “Schuld” einen Artikel in diesem Blog widmen …

Mediation sucht nicht nach Schuldigen oder nach Verursachern. Dennoch ist Schuld manchmal ein Thema, das eine oder einen der Medianden beschäftigt. In meiner Arbeit mit straffällig gewordenen jungen Männern im Denkzeit-Training kommt es häufiger zur Besprechung des Themas „Schuld“. Manche geben anderen Personen die Schuld, dass sie eine Straftat begangen haben oder sogar ihrer Ansicht nach begehen mussten. Manche sehen eine Schuld bei sich.

Schuld scheint mir so etwas wie ein vergessenes Gefühl zu sein. Ist Schuld überhaupt ein Gefühl, oder ist Schuld eher ein kognitiver Vorgang, der im Gehirn stattfindet? Wie fühlt sich Schuld an? Was steht – kognitiv gesehen – hinter der Schuld? Das Schuldgefühl ist kein Begriff, der einfach zu definieren ist.

Bertold Ulsamer hat ein Buch mit dem Titel „Acht Gesichter der Schuld – Ansätze zur Überwindung“ geschrieben, das im Scorpio Verlag erschienen ist. Er benennt, dass Schuld mehrere Gesichter hat und es verschiedene Wege gibt, damit umzugehen. Durch seine Arbeit als systemischer Therapeut hat er einen großen Erfahrungsschatz zum Thema. Er beschreibt Schuld, spricht darüber, wie sie sich anfühlt und welche Auswirkungen sie auf unser Handeln hat. Dabei beschäftigt er sich zunächst mit der individuellen Schuld und den Schuldgefühlen. Er behandelt acht unterschiedliche Bereiche und Formen von Schuld. Er merkt aber auch an, dass Schuld weiterhin viel komplexer ist, als sie in diese acht Bereiche zu teilen.

Die acht von Ulsamer benannten Facetten von Schuld:

  1. Schuld und Schulden: Das Bedürfnis nach einem Ausgleich
  2. Die Verantwortung für einen Schaden: Täter und Opfer
  3. Das schlechte Gewissen: Das Drama im eigenen Inneren
  4. Die Illusion der Kontrolle
  5. Überlebensschuld
  6. Kinder und Eltern: Bindung und Loslösung
  7. Eltern und Kinder: Die Schwierigkeit, die Kinder loszulassen
  8. Die geteilte Schuld: Nachkommen tragen die Schuld mit

Besonders interessant im Sinne des pädagogischen Gesichtspunktes sind die Kapitel sechs und sieben, in denen Kinder und Eltern im Fokus der Betrachtungen stehen. Das sechste Kapitel spricht aus der Perspektive der Kinder. Dabei geht es darum, was für Gefühle und Verpflichtungen Kinder gegenüber ihren Eltern mit der Zeit aufbauen und welche Schuldgefühle dabei mitschwingen. Schuld ist hier oft ein Thema, das im Untergrund wirkt. Dann können sich Kinder nicht wirklich von ihren Eltern lösen, sondern bleiben in einer unguten Art und Weise gebunden und verpflichtet. Oder auch das Gegenteil: Kinder brechen den Kontakt ab, um frei atmen zu können. Auch damit ist ein Kind nicht wirklich gelöst, denn ein innerer Frieden ist mit einem solchen Bruch selten verbunden.

Im siebten Kapitel betrachtet Ulsamer den Blickwinkel der Eltern: Welche Verantwortungen und damit einhergehenden Schuldgefühle bringen Kinder für die Eltern? Zu Beginn seines Lebens ist ein Kind ganz und gar von seinen Eltern abhängig. Diese Abhängigkeit bleibt viele Jahre bestehen. Das macht es für manche Eltern schwierig, ihr Kind als eigenständiges Wesen zu sehen und loszulassen. Weil Eltern ihre Kinder lieben, fühlen sie sich oft verantwortlich, wenn es den Kindern schlecht geht. Außerdem ist heutzutage überall Perfektion gefragt, so auch in der Elternschaft. Eltern können sich schuldig fühlen, wenn sie den öffentlichen oder ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden und ihr Kind nicht „perfekt“ ist.

Ja, damit hat Schuld auch einen großen Zusammenhang zur Thematik von Erziehung und innerhalb von Familien.

Zeit um in die Selbstreflexion zu gehen?
Kennen Sie das Gefühl der Schuld in Bezug auf Ihre Ursprungsfamilie? Oder in Bezug auf Ihre jetzige Partnerschaft oder Familie? Worin sehen Sie Schuld? Wie könnte die Schuld losgelassen werden?

Wer die Dynamiken, die hier wirken, versteht, kann schrittweise über sie hinauswachsen. Also: Schuld verstehen und wirksame Lösungen finden.

Gutes Gelingen dabei
wünscht Christa Schäfer

Lesetipp: Gefühle sehen – Menschen verstehen

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Die Geschichte mit der gelben Tüte

Montag, 27. Juli 2015 15:01

Ein Mann sitzt mit einer schwarzen Tüte auf einer Parkbank. Ein Mädchen mit einer gelben Tüte setzt sich neben ihn. Sie fragt ihn, warum er eine schwarze Tüte habe und darin nur schlechte Sachen (Alpträume, Unglück, Schmerz und schlimme Erinnerungen) enthalten seien, und sie erzählt von ihrer gelben Tüte, in der alle glücklichen Sachen aus ihrem Leben festgehalten sind. Ihre schwarze Tüte schmeiße sie jede Woche weg. Der Mann ist erstaunt, und als ihn das Mädchen verlässt, findet er neben sich eine gelbe Tüte mit der Erinnerung an das Gespräch darin. Er freut sich, macht sich auf den Weg und schmeißt seine schwarze Tüte in den Müll. (Hans-Uwe L. Köhler: Hau eine Delle ins Universum. S. 163)

Die Geschichte stammt aus dem Buch „Hau eine Delle ins Universum – Wie alles gelingt, was Ihnen wichtig ist“ von Hans-Uwe L. Köhler, erschien 2014 im Ariston Verlag. In dem Buch geht es darum, die eigene Motivation und den Antrieb zu finden, um dem Leben einen positiven Weg zu geben.

Da passt die Geschichte wirklich wunderbar. Sie ist kurz, einfach und sehr verständlich. Die Botschaft ist, sich nicht an den schlechten Erinnerungen und Erlebnissen festzuhalten, denn dies führt oft dazu, keinen Schritt vorwärts machen zu können. Wie sieht es aber mit der Botschaft aus, die schlechten Erinnerungen einfach wegzuwerfen? Oft ist es doch gerade so, vergangene Ereignissen zunächst erst einmal gedanklich zu bearbeiten, sei es im Coaching, in Therapie, Supervision oder Mediation.

Coaching zur Bearbeitung von schlechten Erinnerungen? Da werden vielleicht manche LeserInnen staunen. Ja, im Coaching können tatsächlich aus hinderlichen Glaubenssätzen neue fördernde Glaubenssätze werden.

Mediation zur Bearbeitung von schlechten Erinnerungen? Das werden sich vielleicht auch einige LeserInnen dieses Artikels fragen. Ja, in Mediation kann über Erinnerungen gesprochen werden und eine „Regulierung“ oder ein „Neuanfang“ für eine Beziehung gefunden werden. Da geht es weniger um die Vergangenheit, sondern vielmehr um Zukünftiges (natürlich, ganz klar, oft unter Einbeziehung von vergangenen Erfahrungen).

Unabhängig davon ist es dennoch sehr wichtig, positive Ereignisse und Gefühle zu „sammeln“, um Motivation und ein positives Grundgefühl entstehen und aufrecht erhalten zu lassen. Die positive Runde im Klassenrat zeigt dies im Schulkontext sehr deutlich.

Haben wir nicht oft das Negative zuerst im Sinn, wenn wir an die vergangene Woche oder den vergangenen Tag denken? Dann braucht es schon ein wenig Anschubs, um beim Positiven zu landen …

Hans-Uwe Köhler betont in seinem Buch „Hau eine Delle ins Universum“ immer wieder, dass es wichtig ist, die Hindernisse, die sich innerpsychisch aufgebaut haben, aufzubrechen und mit positiven Glaubenssätzen und Motivationen zu ersetzen. So können negative Erfahrungen abgelöst und ein neuer Antrieb gefunden werden. Dazu stellt er Lösungsansätze vor, spricht durch Geschichten oder eigene Erlebnisse. Ihm geht es darum, den Leser_innen Mut zu machen, wieder einen positiven Lebensweg einzuschlagen. Keinesfalls zeigt das Buch einen Weg in Richtung „besser-höher-weiter“. Es zeigt den Weg ein wenig tiefer in sich selbst, ein wenig langsamer auf dem Weg und ein wenig lässiger im Umgang mit den möglichen Beschwernissen auf dem Weg.

Machen auch Sie mit und
werden Sie ein klein wenig „positiver“ durch folgende Übung:
Suchen Sie sich ein kleines wohl aussehendes Büchlein und legen Sie dies mit einem kleinen Stift zusammen neben ihr Bett. Abends nehmen Sie sich bitte diese Büchlein zur Hand. Überlegen Sie drei positive Aspekte, die der vergangene Tag hatte. Schreiben Sie diese in Ihr Buch. Darin sammelt sich im Laufe einer Woche, eines Monats, eines Jahres eine ganze Menge an. Resümieren Sie am 31.12. des Jahres, was sich alles im Jahr getan hat.

Sein eigenes Leben zu hinterfragen, impliziert auch Veränderungen anzustreben. Wir alle starten als Optimisten und Chancensucher ins Leben – so Köhler – und verlieren im Leben im Laufe der Zeit die Wahrnehmung für das Glück und die Kraft, Entscheidungen für unser eigenes Leben zu treffen.

Suchen Sie Ihr Glück,
befreien Sie sich selbst,
steigen Sie aus aus der Geisterbahn
und lachen Sie die Welt an !

Nur das Beste wünscht Ihnen
Christa Schäfer

Lesetipp: Glück ist keine Emotion, oder: Hektors Reise …

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Lehrergeschichte mit „Wehmut“ am Ende

Dienstag, 14. Juli 2015 10:23

„Mit meinem grauen Anzug bin ich hier eindeutig overdressed, stelle ich fest, als ich mich in der Mensa umschaue. Eine verbindliche Kleiderordnung gibt es halt nicht mehr, nicht einmal bei der feierlich gedachten Verleihung der Abiturzeugnisse.Da sitzen vereinzelt dunkel gekleidete Kopftuchträgerinnen, daneben coole Jungs in verschlissenen Jeans, nicht mal rasiert heute Morgen. Schüler mit feinen Sakkos neben überschminkten, schmuckbeladenen Schwestern in kurzen Röcken. Einige Kollegen haben sich fein gemacht, andere, gerade aus dem Unterricht gekommen, tragen die üblichen Lehrer Cordjeans.
Wir sitzen in unserer wenig feierlichen, etwas heruntergekommenen und notdürftig mit Blumen aufgehübschten Mensa und haben eben der ziemlich quietschigen Schulband gelauscht, die sich mühsam an einem getragenen Pop-Lied abarbeitete. Trotzdem war der Applaus frenetisch, eine Gelegenheit, wieder einmal zu pfeifen und zu johlen. So richtig feierlich kriegen wir es einfach nicht hin. Nicht hier in Kreuzberg.
Die neue Rektorin hält jetzt, immer wieder gestört durch Verspätete, ihre Rede. Vom neuen Aufbruch spricht sie, vom Wandel zur Gemeinschaftsschule und dem Konzept des individualisierten Lernens, von der kommenden Inklusion. Der neue Geist sei schon überall zu spüren.
Es ist meine letzte Abiturfeier. Vor 28 Jahren wurden hier die ersten Abiturzeugnisse ausgegeben, und ich habe seither viele Reden von Aufbruch und Neuanfang gehört, deshalb kann ich ich einer gewissen Skepsis nicht erwehren: Mein Blick fällt auf die wenigen jungen Kollegen. Einige scheinen ja sehr engagiert zu sein. Aber werden sie wirklich die Wende schaffen? Wer sie „von oben“ die versprochene Unterstützung bekommen? Wird sich ein neues Team finden, das diesen Neuanfang entschlossen vorantreibt? …“
(A. Johann: Rock’n'Roll und Ramadan. S.286 f.)

Das sind Gedanken von Albrecht Johann, einem Berliner Lehrer, der 34 Jahre lang an einer sogenannten „Brennpunktschule“ im Bezirk Kreuzberg unterrichtet hat. Er erzählt in seinem Buch Rock ‘n’ Roll und Ramadan Unterhaltsames und Nachdenkliches aus dem bunten Alltag seiner Schule. Das ist für die Leserschaft interessant und herausfordernd zugleich. Johann begann seine Lehrerkarriere am 11. Dezember 1977 in einer Gesamtschule. Schnell merkte er, dass Schüler so etwas wie Wesen von einem anderen Stern sein können. Da wird in Vertretungsstunden gespielt, da toben die Schülerinnen und Schüler über Tisch und Bänke und es ist an „echtes“ Unterrichten kaum zu denken.

Albrecht Johann Rock'n' Roll und RamadanDer Junglehrer Johann lernt schnell, sich in Schule zu behaupten. Seine Gedankengänge und Lernerfolge sind im Buch nachzulesen: „In meinem Unterricht merke ich täglich, wie wenig praxistauglich unsere naive Vorstellung ist, man müsse einfach nur nett zu den Schülern sein. Dazu kommen persönliche Defizite …“ (ebenda, S. 17)

Von da aus geht die Reise weiter und schnell kommt der Johann in seinem Beruf fest an. Der Lehrer Johann wird eine Lehrerpersönlichkeit. Er arbeitet und kämpft in der Schule, im Umgang mit seinen Schülerinnen und Schülern. Er erzieht und bildet seine Schülerschaft, bezieht KollegInnen, Eltern und Schulleitung in seine Gedanken und Arbeit mit ein. Später dann sagt er über die Berliner Schule: „Berlin muss sparen, aber das kostet seinen Preis. In den Schulen liegen die Nerven blank. Hetze und Genervtheit prägen zunehmend den Alltag, der Krankenstand steigt und damit auch die Anzahl der Vertretungsstunden. Dabei laufen gleichzeitig die kräftezehrenden Reformen an. Jahrzehntelang haben wir fast unbeachtet vor uns hinwerkeln können, aber seit dem Pisa Schock rotiert die Bildungsverwaltung und kehrt in den Schulen das Unterste zuoberst, bloß kosten darf es nichts. Fast wöchentlich finden wir Gedanken, Entwürfe, Erlasse, Ausführungsvorschriften, Ergänzungen und Erläuterungen zu Reformen im Fach, die verstanden, diskutiert und umgesetzt werden müssen. Alles wird umgekrempelt. Ein ungeheurer Kraftakt.“ (ebenda, S. 205)

Der mit Wehmut überschriebene erste Absatz dieses Artikels beschreibt die letzte Abiturfeier, die Johann an seiner Schule erlebt, und zugleich auch seinen Weg aus der Schule heraus in die Zeit „nach der Schule“ – auch Rente genannt. Viel ist passiert in der Laufbahn des Lehrers Albrecht Johann, viel ist passiert in der Berliner Schullandschaft der vergangenen Jahrzehnte. Super, dass dies alles nachzulesen ist in dem Buch Rock’n Roll und Ramadan. Ein Buch, das als Ferienlektüre für Lehrerinnen und Lehrer bestens geeignet ist !!

Schöne Ferien wünscht
Christa Schäfer

Lehrergeschichten von Hildegard Monheim …

Lehrergeschichten von Frau Freitag …

Thema: Literaturempfehlungen, Schule in Berlin | Kommentare (0)

I am proud to present you: Die partizipative Schule. Mit innovativen Konzepten zur demokratischen Schulkultur

Sonntag, 12. Juli 2015 13:35

In Schulen wächst das Bedürfnis nach Methoden und Konzepten, mit denen sie Gewalt vorbeugen, Probleme lösen und Konflikte bearbeiten können. Ziel der Implementierung partizipativer Methoden ist es, den Wert von Schule als Lern- und Lebensort zu steigern. Das soziale Klima an Schulen wird dadurch nachhaltig gestärkt, das Lernverhalten der Schüler verändert sich positiv und Lehrer und Schüler gestalten ihre Schule gemeinsam.

Mein neues Buch „Die partizipative Schule. Mit innovativen Konzepten zu einer demokratischen Schulkultur vermittelt kompakt die Grundlagen der partizipativen Schulentwicklung als Voraussetzung für demokratische Strukturen. Im praktischen Teil profitiert der Leser anhand zahlreicher Praxisprojekte von Anregungen und Erfahrungsberichten und findet außerdem Unterstützung für die Umsetzung an der eigenen Schule. Ergänzt wird das Buch durch zahlreiche exklusive Online-Materialien.

Ende letzten Jahres geschrieben,
Anfang diesen Jahres gesetzt und gedruckt,
jetzt erhältlich !!

Das Buch eignet sich hervorragend als Ferienlektüre für die anstehenden Sommerferien, denn dann können Sie nach den Ferien mit neuen Ideen in das neue Schuljahr starten. Es ist geeignet für Schulleitungen, Lehrkräfte, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Erzieherinnen und Erzieher, Eltern und viele weitere an Schule Beteiligte.

Gerne können Sie Ihre Eindrücke zum Buch hier im Blog, auf amazon oder auch persönlich bei mir rückmelden.

Und natürlich können Sie bei mir anfragen für:

  • Beratung für Schulentwicklung
  • Coaching für Schulleitungen und Lehrkräfte
  • Mediationen für Konflikte in Schulen
  • Moderation für Studientage, Zukunftswerkstätten, Open Space Veranstaltungen und World-Cafés
  • Projektbegleitung für Programme zur demokratischen Schulkultur
  • Training für pädagogische und kommunikative Themen

Lassen Sie uns in Verbindung bleiben.
Ich freue mich auf Sie.
Dr. Christa D. Schäfer

 

Sie können das Buch bestellen,
indem Sie auf folgenden Link klicken:

Thema: Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Schule in Berlin, Soziales Lernen | Kommentare (0)

Newsletter – schon entdeckt ?!

Sonntag, 12. Juli 2015 13:02

Hallo an alle Leserinnen und Leser dieses Blogs,

gerne möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass dieser Blog jetzt über einen Newsletter verfügt. Melden Sie sich (in der Spalte rechts) mit Ihrer E-Mail Adresse, Ihrem Vor- und Nachnamen an. Sie erhalten dann monatliche Informationen und Neuigkeiten aus dem Bereich zwischen Pädagogik und Mediation direkt in Ihr Postfach. So verpassen Sie keinen Blogartikel mehr und sind immer auf dem Laufenden …

Ich freue mich auf Sie
sagt Dr. Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)

Teamarbeit in der Kita. So geht’s!

Montag, 29. Juni 2015 19:54

Erzieherinnen, Erzieher, Pädagogisches Fachpersonal, Leitungsteam und Verwaltung/Büro/Küche bilden in Kitas mehr oder weniger ein Team. Das kann ein gut funktionierendes oder ein weniger gut funktionierendes Team sein. Eigentlich gehören auch die ElternvertreterInnen dazu, und natürlich auch die MitarbeiterInnen des Trägers. Man kann als jemand, der in Kita tätig ist, verschiedenen Teams zugehörig sein. Und von dem Erfolg der Teams hängt im Großen und Ganzen auch der Erfolg der Kita ab. Ist das ErzieherInnenteam zerstritten, so können meist keine für die Kita und alle MitarbeiterInnen guten Entscheidungen getroffen werden. Wird der Koch vom Verwaltungsperson angefeindet, so wird er nicht gerne zur Arbeit kommen und vielleicht irgendwann sogar kündigen. Gibt es im Leitungsteam Spannungen, so „schaukelt“ die Kita vielleicht zwischen zwei Polen hin und her. Und will die eine Gruppenerzieherin lieber basteln und die andere eher offene Arbeit, so sollten diese beiden Erzieherinnen sich einigen können.

Gute Teamarbeit ist die beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit mit den Kindern. Das ist einfach gesagt, aber wie kommt man eigentlich zu guter Teamarbeit?

Dazu braucht es einiges Grundwissen. Ich führe seit Jahren in Kitas Leitungscoachings, Teamsupervision und Mediationen durch und bin in der Entwicklung von Kitas tätig. Aber natürlich können Sie auch aus einen Buch wichtige Infos herauslesen. Dazu möchte ich Ihnen gerne ein wunderbares Buch empfehlen: Das Buch “Teamarbeit in der Kita“ aus dem Don Bosco Verlag.

Hier in Kürze der Buchinhalt:
Selbstcheck: Wie sieht unsere bisherige Teamarbeit aus?
7 Strategien, wie wir ein erfolgreiches Team werden:
Teamformen und ihre Einsatzmöglichkeiten
Teamstrukturen
Teambuilding und Teamentwicklung
Teampflege und Teamtraining
Teambesprechung
Moderation, Kreativitäts- und Feedbacktechniken
Teamdynamik und Teamkonflikte

Jedes Kapitel wird mit einem Praxisbeispiel aus einer Kita eingeleitet, gibt wichtige theoretischen Input, Übungen und Ideen. Auf knappen 92 Seiten erfährt man knackig und in Kürze alles, was zum Thema „Teams in einer Kita“ wichtig ist. Grafiken und Listen vervollständigen den guten Überblick über die verschiedenen Themenfelder.

Und als kleinen Appetizer für Sie hier eine
Übung zur Stärkung des Wir-Gefühls im Team:
Immer schön auf dem Teppich bleiben.

Teamgeist muss gepflegt werden. Eine Übung für kleine Teams, die viel Spaß macht, aber schon eine gewisse Vertrautheit miteinander voraussetzt. Gefragt sind bei diesem Spiel vor allem Geschick und eine funktionierende Gruppendynamik: Alle Mitglieder des Teams stehen auf einem Teppich, der nun komplett gewendet werden muss. Aber Vorsicht: Beim Umdrehen darf keiner den Boden außerhalb des Teppichs berühren oder gar auf andere Gegenstände ausweichen.

Arbeiten Sie an Ihrem Team
und pflegen Sie es !!

Zum Thema „Kommunikation unter Erzieherinnen“ gibt es übrigens das Buch “Das Kommunikationsbuch für Erzieherinnen“

Deutsches Inklusionsforum für die Kita

Und im Herbst gibt es wieder in verschiedenen deutschen Städten auf dem Deutschen Inklusionsforum für die Kita verschiedene Vorträge zur Thematik. Die drei Vorträge:

  1. Konzeptionelle Ausrichtung der Kita: Pädagogische Ansätze, Barrierefreiheit und Teamentwicklung (Karsten Häschel)
  2. Rechtsanspruch und rechtssicherer Umgang mit Inklusion: Antworten auf die häufigsten Fragen (Judith Barth)
  3. Konflikte in einer inklusiven Kita: Wie Sie ruhig bleiben und die richtigen Worte finden (Dr. Christa D. Schäfer)

Melden Sie sich jetzt bereits an, damit Ihr Platz sicher ist …

Herzliche Grüße
von Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)

Nachtrag “Konflikte in Berlin”

Donnerstag, 11. Juni 2015 11:20

Kaum hatte ich den letzten Artikel zum Thema “Konflikte im Frühsommer in Berlin” online, da hörte und las ich von einer neuen Schlägerei in Berlin, wieder eine Massenschlägerei, der Titel:

Hochzeitsfeier endete in Schlägerei

Im Bezirk Tempelhof endete in der Nacht zu Montag vom 7.6. zum 8.6.2015 eine Hochzeitsfeier in einer Massenschlägerei. Bisher gab es keinerlei Information, wodurch der Streit ausgelöst wurde. Die in einem Festsaal  feiernden Gäste stammten vornehmlich aus Bosnien-Herzegowina. Zwei Männer schienen in Streit miteinander geraten sein und prügelten heftig aufeinander ein. Die Polizei wurde gerufen und wollte die beiden Männer trennen. Daraufhin wurden sie von Gästen mit Flaschen, Gläsern und Stühlen beworfen. Mehrere Gäste und zwei Polizisten wurden zum Teil schwer verletzt. Sieben männliche Gäste kamen in die Gefangenensammelstelle der Polizei.

Hier eine Videoimpression:
Hochzeitsfeier endete in Schlägerei

Was ist eigentlich derzeit in Berlin los ??!!
fragt sich kopfschüttelnd Christa Schäfer

Thema: Konflikte | Kommentare (0)

Konflikte in Berlin, im Frühsommer 2015

Montag, 8. Juni 2015 7:03

28. Mai 2015, zwei Spielplätze in Berlin Prenzlauer Berg

Im Prenzlauer Berg werden in den letzten Wochen immer wieder Rasierklingen auf Kinderspielplätzen gefunden. Oft sind sie hochkant und knapp unter der Sandoberfläche versteckt. Wer macht so etwas? Der oder die Täter werden von der Polizei wegen versuchter Körperverletzung gesucht.

3. Juni 2015 auf einem Spielplatz in Berlin Moabit

Zwei Frauen, beide aus unterschiedlichen arabischen Großfamilien stammend, geraten auf einem Kinderspielplatz in Streit miteinander und lösen eine Massenschlägerei auf dem Spielplatz aus. Warum ist unklar. Es kommt zu einer verbalen Auseinandersetzung. Ein Unbeteiligter geht dazwischen und will schlichten. Es gelingt ihm nicht. Immer mehr Familienangehörige mischen sich in den Streit mit ein. Die Auseinandersetzung mündet in einem handfesten Gemenge. Schließlich sorgen 90 Polizisten dafür, dass die 70 Familienangehörigen beider Familien voneinander ablassen.

Einen Tag später, am 5. Juli 2015, diesmal in Berlin Neukölln

Mehrere kleine Jungs streiten sich um 21.25 Uhr auf einem Spielplatz an der Neuköllner Grenzallee. Erwachsene mischen sich ein. Es entstehen zwei Lager, die miteinander im Streit liegen. Insgesamt 50 Personen, allesamt Angehörige zweier aus Rumänien stammenden Familien sind an dieser Schlägerei auf dem Neuköllner Spielplatz beteiligt.

Als die Polizei eintrifft, findet sie einen 30jährigen Mann mit einer blutenden Platzwunde auf dem Bürgersteig liegen. Er gibt an, von vier Männern mit Messern und Gewehr bedroht und mit einer Flasche geschlagen worden zu sein. Bei den Ermittlungen stellt die Polizei fest, dass der Mann zuvor eine schwangere Frau in deren Wohnung geschlagen haben soll.

Alle Jahre wieder

Immer mal wieder gibt es – vorzugsweise im Juni – Schlägereien zwischen Großfamilien in Berlin. Ob’s das jetzt für dieses Jahr war, oder ob noch was kommt ?!

fragt sich Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte | Kommentare (2)