Wahlrecht für Kinder?

Montag, 26. Januar 2015 7:20

Ich bin der festen Überzeugung, dass Kinder und Jugendliche das Recht zur Partizipation haben. Partizipation in der Familie, Partizipation in der Kita, Partizipation in der Schule. Auch das Wahlrecht?

Beteiligung/Partizipation beschreibt wohl eines der grundlegendsten Prinzipien der Demokratie. Ähnlich wie mit dem Begriff der Demokratie verbinden sich allerdings auch mit dem Terminus „Partizipation“ vielfältigste Verständnisse und Verwendungsweisen, die auf ganz unterschiedliche, teilweise konkurrierende Erklärungsansätze zurückgehen.
In dem wohl allgemeinsten Verständnis wird Partizipation als die Beteiligung von Einzelnen und Gruppen an Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozessen verstanden – die ganz unterschiedliche Formen und Ausmaße annehmen kann.
Besonders in der Kinder- und Jugendhilfe wurden in den vergangenen Jahrzehnten Stufenmodelle von Partizipation zitiert und weiterentwickelt. Um zu unterscheiden, wann in welchem Ausmaß von echter Partizipation die Rede sein kann, finden sich hier verschiedene Stufen der Partizipation, die bei Nicht-Beteiligungsformen wie z.B. „Dekoration“, bloße „Information“ oder „Alibi-Teilnahme“ ansetzen und über aufbauende Stufen von „Teilhabe“, „Mitarbeit, „Mitwirkung“ oder „Mitbestimmung“ bis hin zur Selbstbestimmung und Selbstverwaltung ein höchst mögliches Maß an Partizipation beschreiben.“
(DeGeDe: ABC der Demokratiepädagogik)

Mein neues Buch, das demnächst erscheint, heißt „Die partizipative Schule”. Es wird das Thema Partizipation im schulischen Umfeld näher beleuchten, zeigt die Voraussetzungen für den Partizipationsprozess auf und gibt Hinweise zu vielfältigen Möglichkeiten und Methoden der Partizipation. Es ist übrigens schon jetzt bestellbar, einfach auf den Buchtitel klicken …

Deutschland ist 1992 der Konvention der Vereinten Nationen zu den Rechten der Kinder beigetreten. In der Konvention ist festgeschrieben, dass Kinder von Geburt an in allen sie betreffenden Belangen angehört werden müssen und ein Recht auf Beteiligung haben. Super. In der Konsequenz auf mein neues Buch und die Kinderrechte habe ich mich gefragt, wie es dann mit dem Wahlrecht für Kinder aussieht.

In meinen Recherchen bin ich dabei auf das Buch „Wahlrecht für Kinder? Politische Bildung und die Mobilisierung der Jugend“ von Klaus Hurrelmann und Tanjev Schultz gekommen, das ich daraufhin mit großem Interesse gelesen habe.

Im Buch gibt es neun Artikel, die sich für ein Wahlrecht für Kinder einsetzen, und neun Artikel, die sich gegen ein Wahlrecht für Kinder aussprechen. Die beteiligten AutorInnen kommen großteils aus dem wissenschaftlichen Bereich, von PädagogInnen über Psychiater bis zum Rechtswissenschaftler; in der politischen, rechtlichen oder verbandlichen Arbeit tätig; oder sind direkt betroffene Schülerinnen und Schüler. Auch die Buchherausgeber Hurrelmann und Schultz ordnen sich diesen beiden Polen „für oder gegen Wahlrecht für Kinder“ zu, Hurrelmann für die Absenkung des derzeitigen Wahlalters, Schultz für die Beibehaltung.

Ja, ich bin noch dabei mir meine Meinung zum Thema zu bilden und bin mir noch nicht ganz schlüssig …
Was ich jedoch sagen kann, ist, dass mir das Buch sehr geholfen hat, die verschiedenen Positionen zu verstehen und zu durchdenken. Darum sei es all denjenigen empfohlen, die sich auch mit dieser Frage beschäftigen, oder die sich zum Thema interessieren wollen. Jedenfalls ist das Buch spannend zu lesen und regt zu eigenen Gedanken an.

Und damit Sie als Leserinnen und Leser meines Blogs auch einen kleinen Einblick in die Diskussion erhalten, seien hier im folgenden einige Gedanken aus dem Anfang des Streitgesprächs wiedergegeben.

Schultz: Du beschäftigst dich schon recht lange mit dem Wahlalter und setzt dich dafür ein, es abzusenken. Warum ist dir das so wichtig?
Hurrelmann: Seit den 1990er Jahren plädiere ich dafür, das Mindestwahlalter um mindestens zwei Jahre abzusenken. Ich bin auf das Thema durch die Kinder- und Jugendforschung gekommen, auch durch Befragungen von Kindern und Jugendlichen. Dabei habe ich den Eindruck gewonnen, dass sich schon Kinder im Grundschulalter heute mit allen gesellschaftlich relevanten Fragen und Problemen auseinandersetzen müssen. Sie sind durch die Medien mit sämtlichen Themen konfrontiert, nehmen sie auch wahr. Sie sind schon sehr früh gezwungen, sich zurechtzufinden, sich eine eigene Meinung zu bilden. Sie sagen, wenn wir uns schon so viel auseinandersetzen müssen, möchten wir auch Einfluss nehmen und möchten ernst genommen werden.
Schultz: Wirklich? Kein Desinteresse, keine Apathie?
Hurrelmann: Das wird ja den Jüngeren oft unterstellt. Aber ich habe in vielen Studien den Eindruck gewonnen, dass es ein Anliegen vieler junger Leute ist, mitzureden, mitzugestalten – wenn man sie lässt. Natürlich gibt es da viele verschiedene Möglichkeiten, unterschiedliche Kanäle und Foren. Aber was ist mit dem vornehmsten Bürgerrecht: dem Wahlrecht? Da liegt die Altersschwelle zu weit hinten im Leben. (…)
Schultz: Demokratische Rechte auszuweiten, klingt sympathisch. Mehr Demokratie wagen, die Jüngeren beteiligten – prima. Dennoch habe ich große Vorbehalte gegen eine Absenkung des Wahlalters. Wenn ich ehrlich bin, ist es zunächst ein Gefühl und eine Intuition – und die Argumente kommen hinterher. (…) Wir muten Kindern viel zu, mitunter zu viel. Bei den Gegnern des Kinderwahlrechts taucht in unserem Buch – wie ich finde zu Recht – öfter das Argument auf: Gebt den Kindern zwar den Raum, sich auszuprobieren, sich politisch zu engagieren, aber gebt ihnen auch Schutz! Lasst sie langsam hineinwachsen in die komplizierte und harte Welt der Politik und der Verantwortung. Zwingt sie nicht zu früh in Entscheidungen hinein!
Hurrelmann: Es gibt ja – was ich bemerkenswert finde – einen breiten Konsens unter den Autorinnen und Autoren in diesem Buch, dass es eine stärkere politische Beteiligung der Jüngeren geben kann und geben sollte, und das schon vom Kindesalter an. Da sind sich alle einig: Mehr Partizipation und politische Bildung sind möglich und nötig. Auch jenseits des Wahlrechts können wir viel und noch mehr dafür tun, die Ansprüche, Meinungen und Ideen von Kindern ernst zu nehmen und Kinder zu beteiligen an Entscheidungen, die sie und ihre Umwelt betreffen.“
(Hurrelmann, Schultz: Wahlrecht für Kinder. S. 254 ff)

Genau !!

Was denken Sie zur Absenkung des Wahlalters?
fragt sich Christa D. Schäfer

Thema: Gewalt, -prävention, -intervention, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)

Rollenspiele in der Mediationsausbildung

Montag, 19. Januar 2015 7:12

Eine Mediationsausbildung beinhaltet neben theoretischem Input zu den Themen Kommunikation, Konfliktmanagement und Mediation auch Einheiten zur Selbstreflexion und vorallem Rollenspiele. Einige Ausbildungsteilnehmerinnen und -teilnehmer sind vor ihrem „ersten Rollenspiel“ aufgeregt und können sich die Methode nicht richtig vorstellen. Fast immer ist jedoch schon nach dem ersten Rollenspiel zu hören, wie effektiv diese Art des Lernens ist, und wie viel Spaß die Rollenspiele machen.

Gewöhnlich gibt es in den Rollenspielen in der Mediationsausbildung einen (oder zwei) MediatorInnen, zwei MediandInnen und mindestens einen Beobachter bzw. eine Beobachterin. Die Mediatorinnen und Mediatoren können die verschiedenen Phasen der Mediation erproben, den Schwerpunkt auf die sprachliche Entwicklung legen und/oder Methoden ausprobieren. Dabei können Rollenspiele sowohl im Anfangsstadium der Ausbildung als auch zur Verfeinerung verschiedener Techniken genutzt werden. Die Mediandinnen und Medianden im Rollenspiel erfahren, wie es sich anfühlt einen Streit – angeleitet durch eine allparteiliche dritte Person – konstruktiv zu lösen. Die Beobachter können intensiv die ablaufenden Prozesse wahrnehmen und anschließend den RollenspielerInnen Feedback geben. Meist machen sich alle Rollenspielerinnen und Rollenspieler ihre Rollen schnell zu eigen.

Gewöhnlich läuft ein Rollenspiel in vier verschiedenen Phasen ab.

Erstens die Aufwärmphase: Es gibt die Vorbereitungsphase, in der die MediatorInnen sich auf das Rollenspiel vorbereiten, die MediandInnen sich in ihre Rollen einfinden und die zukünftigen BeobachterInnen das Setting vorbereiten. Zweitens die Spielphase: Das Rollenspiel wird durchgeführt. Dies kann in verschiedenen Gruppen passieren, so dass sich möglichst viele Personen in den verschiedenen Rollen ausprobieren können – oder im Fishbowl, indem das Rollenspiel im Innenkreis der TeilnehmerInnen durchgeführt wird. Drittens die Entlassungsphase: Alle Rollenspieler entrollen sich und legen ihre Rollen ab. Viertens die Reflexionsphase: Die MediatorInnen und MediandInnen können beschreiben, wie sich sich im Rollenspiel und zu ausgewählten Zeitpunkten gefühlt haben, bzw. was sie noch voneinander gebraucht hätten, um den Konflikt gut lösen zu können. Die BeobachterInnen leiten den Auswertungsprozess und geben Feedback.

Wer mehr über die Methode „Rollenspiel“ wissen möchte, wird in dem Artikel von Kersten Reich aus dem Methodenpool der Kölner Universität fündig …

Immer wieder werde ich von TeilnehmerInnen in den Ausbildungen nach zusätzlichen Rollenspielen für die Intervisionsgruppenarbeit gefragt. Bisher konnte ich folgende zwei Bücher zur Anschaffung vorschlagen:

Jetzt kann ich das neu erschienene Buch „Rollenspiele. Ein Handbuch mit Übungsfällen und Begleitung“ von Sabine Zurmühl aus dem Wolfgang Metzner Verlag wärmstens empfehlen. Es enthält 10 Rollenspiele aus den Mediationsbereichen Familienmediation, Wirtschaftsmediation, Schulmediation und Gruppenmediation. Zu jedem Rollenspiel gibt es einführende Worte, eine Fallbeschreibung, besondere Rollenbeschreibungen für die mitspielenden MediandInnen, Empfehlungen für die Rollenspieler, Hinweise auf die Besonderheiten des Falles und ein abschließendes Fazit. Die Fälle sind plausibel beschrieben und betreffen gängige Mediationsthemen. Damit wird das Buch zu einem praktischen und unerlässlichen Begleiter für Intervisionsgruppen innerhalb von Mediationsausbildungen.

Das Buch “Rollenspiele” aus dem Metzner Verlag ist mein neuer Favorit in Sachen Rollenspiel. Gut einsetzbar für Ausbilder Mediation als auch für diejenigen, die gerade Mediation erlernen oder in diesem Bereich fit bleiben wollen …

Gutes Gelingen für die nächsten Rollenspiele
bzw. die nächsten Mediationen
wünscht Christa Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0)

Elder Mediation

Montag, 12. Januar 2015 7:11

Die Elder Mediation ist ein Mediationsbereich, der in Kanada in den 1980/90er Jahren entstand. Es gab verschiedene Organisationen, die die Erfahrung machten, dass Altersmediation Familien in bis dahin ungelösten Fragen gut unterstützen kann. Die Alzheimer-Gesellschaft der Prince Edward Island in Kanada, die erstmals 1991 Elder Mediation anbot, erklärte diesen Mediationsbereich sogar zu einem Kerngeschäft ihrer Gesellschaft. Die ersten Ausbildungsgänge zur Elder Mediation entstanden. Ein Berufskodex wurde für MediatorInnen entwickelt, die im Bereich der Elder Mediation tätig waren. 2006 wurden die Berufsregel zur Elder Mediation von Judy McCann-Beranger ausgearbeitet, verabschiedet und später auch ins Deutsche übersetzt. Das Elder Mediation International Network (EMIN) entstand als ein internationaler Zusammenschluss von Elder MediatorInnen. Seit 2008 führt das Netzwerk jährlich einen Kongress durch, das von Mediatorinnen und Mediatoren aus aller Welt besucht wird. Der Kongress hat in der Schweiz dazu geführt, dass das Thema auch dort verstärkt Fuß fassen konnte.

Ganz klar gibt es im Alter verschiedene Themen. Mal geht es darum, dass ein älterer Mann mit seinen Kindern etwas klären möchte, das ihn schon lange belastet und endlich ausgesprochen werden muss. Mal ist es die Familie, in der drei Geschwister klären müssen, wie die Pflege der Mutter gut gelingen kann, wer sich um was kümmert und wie die Kosten aufgeteilt werden sollen. Dann wieder gibt es ältere Ehepaare, in denen jetzt im Alter die Gewalt im Familienkontext Einzug hält, wie können sich die Kinder verhalten, wie kann man das alte Paar unterstützen und welche Regeln können aufgestellt werden? Die Fälle in der Elder Mediation sind so vielfältig wie nur denkbar. Gleich bleibt allen Fällen, dass sich die Mediatorin oder der Mediator in diese Ebene des Lebens hineindenken können und bestimmtes Wissen, diesen Bereich betreffend, haben muss.

Seit kurzem gibt es auch verschiedene Angebote zur Elder Mediation in Deutschland. Die 2013 gegründete Fachgruppe des Bundesverbandes Mediation (BM) verzichtet bewusst darauf, den Begriff „Alter“ anhand der Anzahl der gelebten Jahre eines Beteiligten zu bestimmen. Sie definiert die Elder Mediation:

„Elder Mediation ist Mediation, bei der die MediandInnen Alter bzw. die Konsequenzen des Älterwerdens als ein Thema ihres Konfliktes wahrnehmen. Der Konflikt, der in der Mediation bearbeitet wird, kann im privaten oder beruflichen Zusammenhang entstanden sein. Häufig, aber nicht immer, sind generationenübergreifende Systeme betroffen. Elder Mediation richtet sich an ältere Menschen und ihr Umfeld mit dem Ziel, Konflikte zu deeskalieren und bestehende Netzwerke zu stärken.“ (http://www.bmev.de/index.php?id=584, eingesehen am 30.08.2014)

Seitdem ich vor einigen Jahren die Elder Mediation in Tucson / Arizona kennen gelernt habe, führe ich auch verschiedentlich Elder Mediationen in Berlin oder deutschlandweit durch. Es gibt verschiedene Besonderheiten in diesem Mediationsbereich, die beispielsweise in den folgenden beiden Artikeln nachzulesen sind:

Artikel im „Spektrum der Mediation“

Artikel in „Mediation aktuell“

Aufgrund der Besonderheiten dieses Mediationsbereiches hat mich das Buch “Systemisches Arbeiten mit älteren Menschen. Konzepte und Praxis für Beratung und Psychotherapie“, im Carl-Auer Verlag herausgegeben von Thomas Friedrich-Hett, Noah Artner und Rosita A. Ernst sehr interessiert. Das Buch beschäftigt sich zunächst mit den Grundlagen des Alterns und umfasst anschließend verschiedene Aspekte der praktischen Arbeit mit älteren Menschen. Da breitet sich eine große Bandbreite aus, angefangen von der Systemischen Psychotherapie Hochbetagter über die Biografiearbeit, das Thema Sexualität und Partnerschaft im Alter, eine mögliche Suchtproblematik bis zum Umgang mit dementen Menschen. Das Buch ist eine wahre Fundgrube, wenn man sich für verschiedene Aspekte zur Beratung, Therapie und Mediation mit älterer Menschen interessiert. Und da es zur Elder Mediation noch kein deutschsprachiges Fachbuch gibt, sollte dieses Buch ein Grundlagenwerk werden, das für Elder MediatorInnen Pflicht wird.

Wer meinen Blog schon schon ein wenig länger kennt, der weiß, dass ich gerne eine Buchpassage zitiere, deren Gedankengänge mich besonders beschäftigt haben. Aus dem „Systemischen Arbeiten mit älteren Menschen“ möchte ich gerne auf Folgendes hinweisen:

„Verschiedene internationale Studien bestätigen, dass Einstellung und Lebenshaltung erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität und die Lebensdauer haben. Genauso, wie negative Erwartungen dem eigenen Alter gegenüber zu ungünstigen sich selbst erfüllenden Prophezeiungen werden können, können positive Einstellungen Lebensdauer und Lebensqualität verbessern.
So zeigte zum Beispiel eine Langzeitstudie der Universität Yale an 660 Älteren, dass diejenigen, die Altersvorurteile ablehnten und eine positive Selbsterwartung hatten, im Durchschnitt 7,5 Jahre länger lebten. Die innere Haltung hatte dabei sogar einen größeren Einfluss auf die Lebensdauer, als Sport zu treiben oder aufs Rauchen zu verzichten.“ (Friedrich-Hett; Artner; Ernst (Hrsg.): Systemisches Arbeiten mit älteren Menschen. S. 24)

Gerne möchte ich den Rat geben, rechtzeitig in einer Mediation Themen im Umgang miteinander zu klären, um die Lebensqualität zu erhöhen und eine positive innere Haltung steigern zu können, nur MUT !!

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Konflikte, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)

WUUUT

Montag, 5. Januar 2015 6:46

Vor einiger Zeit schrieb ich über das Thema Aggression im Kindesalter.
Wut und Aggression, ist das dasselbe?
Oder was ist der Unterschied?

Meine Definition: Wut ist ein Grundgefühl. Wut kann man im Innen spüren und fühlen. Wut kann nach außen gehen oder auch nicht. Wut kann ich gegen mich oder gegen andere richten. Wut ist nichts Schlechtes, sondern gibt lediglich den Hinweis auf etwas in mir, auf ein unbefriedigtes Bedürfnis. Wut kann nicht von jemandem anderen in mir produziert werden, die andere Person kann lediglich der Auslöser sein. Ich kann gut oder weniger gut mit meiner Wut umgehen. Wut kann zerstören. Wut kann aber auch zu Veränderung führen und etwas heilen. Es ist wichtig, wie ich mit meiner Wut umgehe – für mich und für andere. Und natürlich ist es ganz wichtig, wie mit Wut in Beziehungen und speziell im Familienkontext umgegangen wird. Was wenn Kinder oft wütend sind? Was wenn sich die Wut innerhalb der Familie entlädt? Wie geht die gesamte Familie mit Gefühlen, speziell mit Wut um? Darf Wut sein? Schlägt Wut in Aggression um und wird gegen andere ausgelebt?

Jetzt gibt es ein fantastisches Buch zum Thema Umgang mit Wut in der Familie, es heißt „Das kleine Anti-Wut Buch. Für Eltern und Kinder“. Es zeigt, wie Wut und Aggressionen bei Kindern entstehen, wie man Wutausbrüchen bei Kindern begegnen kann und was Eltern für sich selber tun können. Endlich ein deutschsprachiges Buch, das dieses immens wichtige Thema aufgreift.

Es ist normal, dass Kinder wütend werden. Kinder haben ein Recht auf ihre Emotionen und Gefühle. In meiner Arbeit stelle ich immer wieder fest, dass Eltern den Gefühlen ihrer Kinder hilflos gegenüber stehen oder vollkommen ungeschickt reagieren. Ja, natürlich haben viele Eltern selber nicht gelernt, wie sie mit eigenen Gefühlen gut umgehen können. Wie dann mit fremden Gefühlen gut umgehen? Aber in heutiger Zeit kann auch dies erlesen und erlernt werden. Es ist Zeit, dass überall darüber gesprochen wird. Kommunikation und der Umgang mit eigenen und fremden Gefühlen sind wichtig für die Gestaltung von Beziehungen, für die Entwicklung von Kindern, für das eigene Persönlichkeitswachstum und vieles mehr.

Das deutschsprachige Buch, das es jetzt endlich zum Thema „Wut in der Familie“ gibt, stammt von Rita Steiniger und wurde im Patmos Verlag herausgegeben. Das Buch heißt Das kleine Anti-Wut Buch. Das Buch zeigt einerseits theoretische Hintergründe auf und bietet andererseits ganz praktische Hinweise und Übungen an. Von der Entstehung von Wut und Aggression bei Kindern, den Entwicklungsphasen und der Rolle der Erziehung reicht der Bogen bis zu Hinweisen, was Eltern bei Wutanfällen ihrer Kinder tun können, und was sie aber auch für sich selber tun können. Hoffentlich lesen viele viele Eltern dieses Buch !!!

Die Hinweise von Rita Steininger, wie mit Schimpfworten in der Familie umgegangen werden kann, möchte ich meinen Leserinnen und Lesern hier exemplarisch vorstellen, deshalb ein längeres Zitat als Auszug aus dem Buch.

„Der Umgang mit Schimpfwörtern

Schimpfwörter sind ein weiteres Thema, mit dem sich so gut wie alle Eltern konfrontiert sehen. Kinder gebrauchen sie, ebenso wie Erwachsene, um Dampf abzulassen – manchmal auch, um die Reaktion der Erwachsenen auszutesten. Je nach Situation können Ihre Reaktionen unterschiedlich ausfallen:

Geht es dem Kind offensichtlich darum, Sie mit (frisch aufgeschnappten) Ausdrücken wie „Scheiße“ oder „Stinkfurz“ aus der Reserve zu locken, sollten Sie am besten darüber hinweggehen und kein großes Aufheben um die Sache machen. Wenn Ihr Nachwuchs merkt, dass Sie sich von seiner Ausdrucksweise nicht beeindrucken lassen, dürfte das Spielchen schnell seinen Reiz verlieren.
Sie können auf solche Schimpfwörter auch humorvoll reagieren: Veranstalten Sie einfach einen Kreativwettbewerb, bei dem alle Teilnehmer innerhalb einer vereinbarten Zeit, beispielsweise fünf Minuten, so viele lustige Schimpfwörter wie möglich von sich geben. Doch müssen hierbei Spielregeln eingehalten werden: Erlaubt sind nur solche Schimpfwörter, die niemanden verletzen,, zum Beispiel „Donnerhagelblitzundsturm“ oder „Katzenschiete“.
Anders sieht es aus, wenn das Kind sein Geschimpfe gegen eine Person richtet, sie mit beleidigenden Ausdrücken wie „Arschloch“ oder „Vollidiot“ betitelt. Solche Beschimpfungen sollten Sie nicht tolerieren. Machen Sie deutlich, dass es nicht in Ordnung ist, andere Menschen mit Worten zu verletzen.
Verwendet das Kind einen Kraftausdruck gegen Sie selbst – etwa weil es bei einer Auseinandersetzung mit Ihnen seinen Willen nicht bekommen hat und deshalb wütend ist -, sollten Sie ihm klar und bestimmt zu verstehen geben: „So reden wir nicht miteinander. Mit Schimpfwörtern kannst du bei mir nichts erreichen.“
Generell sollten Sie Schimpfwörter, die Ihrem Nachwuchs in einem Wutanfall herausrutschen, nicht gleich als persönliche Beleidigung werten. Gewöhnlich sind sie nicht so gemeint, sondern nur dem Gefühlsaufruhr des Kindes geschuldet. Hier ist es oft sinnvoll, eine Weile zu warten, bis der größte Zorn verraucht ist, statt gleich zu reagieren. Wenn Sie Ihr Kind dann auf den Zwischenfall ansprechen, können Sie ihm in sachlichem Ton klarmachen, dass Sie seine Beschimpfungen nicht okay fanden. Vergessen Sie jedoch nicht, auf seine Gefühle einzugehen: „Ich mag es nicht, wenn du mich beschimpfst, aber ich würde gerne wissen, was dich so wütend gemacht hat.“ Damit zeigen Sie Ihrem Nachwuchs, dass Sie seinen inneren Aufruhr wahrgenommen haben und seine Gefühle akzeptieren.
Und was tun, wenn ein Freund oder eine Freundin Ihres Kindes zu Besuch kommt und in Ihrem Haus mit Schimpfwörtern um sich wirft? Dann machen Sie dem Besuch deutlich: „Bei uns werden keine solchen Ausdrücke benutzt, ich möchte, dass du dich daran hältst.“ Ignoriert das betreffende Kind diesen Hinweis, geben Sie Ihrem eigenen Nachwuchs zu verstehen, dass die Regel für ihn trotzdem weiterhin gilt.“ (Rita Steininger: Das kleine Anti-Wut Buch. S. 45 ff)

Ich drücke die Daumen, dass das kleine Anti-Wut Buch von Rita Steininger ein Bestseller im deutschsprachigen Raum wird !!! Dr. Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)

Ein stressfreies 2015

Mittwoch, 31. Dezember 2014 17:17

Oder, um genauer zu sein: Ich wünsche Ihnen für das neue Jahr 2015 lediglich positiven und keinen als negativ empfunden Stress. Dazu zunächst die wikipedia-Definition von Stress:

„Unter Stress versteht man die Beanspruchung (Auswirkung der Belastungen) des Menschen durch innere und äussere Reize oder Belastungen (objektive, auf den Menschen einwirkende Faktoren sowie deren Größen und Zeiträume). Diese können sowohl künstlich wie auch natürlich, sowohl biotisch als auch abiotisch sein, sowohl auf den Körper wie auch die Psyche des Menschen einwirken und letztlich als positiv oder negativ empfunden werden oder sich auswirken. Die Bewältigung der Beanspruchung ist von den persönlichen (auch gesundheitlichen) Eigenschaften und kognitiven Fähigkeiten der individuellen Person abhängig, der Umgang mit einer Bedrohung wird auch Coping genannt. Einsetzbare Verhaltensweisen sind z. B. Aggression, Flucht, Verhaltensalternativen, Akzeptanz, Änderung der Bedingung oder Verleugnung der Situation.

Als “positiver Stress” bzw. Eustress (Die griechische Vorsilbe εὖ (eu) bedeutet „wohl, gut, richtig, leicht“) werden diejenigen Stressoren bezeichnet, die den Organismus zwar beanspruchen, sich aber positiv auswirken. Positiver Stress erhöht die Aufmerksamkeit und fördert die maximale Leistungsfähigkeit des Körpers, ohne ihm zu schaden. Eustress tritt beispielsweise auf, wenn ein Mensch zu bestimmten Leistungen motiviert ist, dann Zeit und Möglichkeiten hat, sich darauf vorzubereiten oder auch wenn eine (ggf. auch längere oder schwere) Krisensituation oder Krankheit dennoch positiv angegangen, bewältigt (s. Bewältigungsstrategie) und überwunden werden kann. Im Resultat können sogar Glücksmomente empfunden werden. Eustress wirkt sich auch bei häufigem, längerfristigem Auftreten positiv auf die psychische oder physische Funktionsfähigkeit eines Organismus aus.

Stress wird erst dann negativ empfunden, wenn er häufig oder dauerhaft auftritt und körperlich und/oder psychisch nicht kompensiert werden kann und deshalb als unangenehm, bedrohlich oder überfordernd gewertet wird. Insbesondere können negative Auswirkungen auftreten, wenn die individuelle Person (auch durch ihre Interpretation der Reize) keine Möglichkeit zur Bewältigung der Situation sieht oder hat. Beispiele dafür sind Klausuren ohne Zeit oder Fähigkeit zum Lernen, eine trotz Ärztebesuch unklare oder nicht anerkannte Erkrankung (vgl. Semmelweis-Reflex), eine durch Lärm unerträgliche Wohnung ohne Möglichkeit zum Umzug, o. ä. In diesem Fall kann dauerhaft negativer Stress (auch Disstress oder Dysstress, engl. distress; die griechische Vorsilbe δύς (dys) bedeutet „miss-, schlecht“) gegebenenfalls durch geeignete Hilfen oder Stressbewältigungsstrategien verhindert werden.“ (wikipedia, eingesehen am 30.12.2014)

Damit ein stressfreies Jahr 2015 in Erfüllung gehen kann, habe ich ein kleines Programm mit Anti-Stress-Yoga-Übungen für Sie zusammen gestellt. Die folgenden drei Übungen habe ich aus der Kartenbox Anti-Stress-Yoga von Petra Orzech aus dem systemed Verlag übernommen:

1. Den herabschauenden Hund – stärkt das Selbstbewusstsein, verhilft zu innerer Klarheit und sorgt für ein inneres sowie äußeres Gleichgewicht.

Yoga-Empfehlung Anti-Stress 1

Yoga-Übung Anti-Stress Herabschauender Hund

2. Den Krieger 1 – stärkt das Durchhaltevermögen, verleiht Zuversicht und schafft innere Stabilität.

Yoga-Empfehlung Anti-Stress 2

Yoga-Übung Anti-Stress Krieger 1

3. Das Kamel – erhöht das Energieniveau auf körperlicher sowie geistiger Ebene, gibt Kraft und verhilft zu einer tieferen, freieren Atmung.

Yoga-Empfehlung Anti-Stress 3

Yoga-Übung Anti-Stress Kamel

Das 74-teiligte Kartenset „Anti-Stress-Yoga“ bietet 18 Rezeptkarten und 56 Yoga Asanas. Es will unterstützen, mit gesunder Ernährung und mit Yoga zu einer guten Work-Life-Balance zu kommen. Die Yoga-Übungen sind einfach und in drei Schritten kompakt dargestellt, so dass sie leicht nachzumachen sind. Damit ist das Kartenset empfehlenswert sowohl für einen ersten Einblick als auch für den professionellen Einsatz und eine individuelle Zusammensetzung von Übungen.

Mit den von mir vorgestellten Übungen sollten Sie gut in das Neue Jahr 2015 starten können … Natürlich können Sie für besondere Stresssituationen auch die folgende Atem-Übung aus dem Office Yoga machen …

In diesem Sinne alles für Gute für 2015
wünscht Dr. Christa D. Schäfer

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Farbenergie zu Weihnachten

Mittwoch, 24. Dezember 2014 13:15

Geht es Ihnen auch so, dass Sie im Dezember das Licht der Weihnachtsmärkte und der vielen Kerzen hinter den Fenstern der Häuser lieben? Manchmal gibt es sogar kleine Tannenbäume, die auf Kränen balancieren und dort ihr Licht verströmen. Oder einen beleuchteten Weihnachtsmann, der eine Fassade hochklettert. Licht bringt Energie und Kraft. Natürlich sind die Lichter im Dezember einerseits kitschig, aber andererseits auch wunderschön.

Auch Farben sind Energiebringer. Und so habe ich letztes Jahr zu Weihnachten ein Farbenergie-Kartenset geschenkt bekommen. Damit kann Farbe bekannt werden, Farbe in die Welt gebracht werden, Wichtiges auf Farbe festgehalten werden und vieles mehr. Dieses Jahr habe ich besonders im Coaching mit den Farbkarten gearbeitet und möchte sie Ihnen deshalb zu Weihnachten gerne vorstellen.

Die Farbenergie-Karten sind DIN A lang-Karten in kräftigen Farben: Gelb, Orange, Blau, Grün und natürlich auch in meiner Lieblingsfarbe Rot. Es gibt sie als Blanco-Karten, die man als solche wirken lassen oder mit eigenen Botschaften und einem speziellen Stift beschriftet kann. Es gibt sie als Karten, auf denen Werte wie Frieden, Lebensfreude, Glückseligkeit, Vertrauen und vieles mehr geschrieben sind. Und es gibt sie als Set mit Sprüchen. Mein Lieblingsspruch auf der roten Karte (wie könnte es anders sein): „Glück ist der schönste Aussichtspunkt, er steht uns immer zu.“

Besonders im Coaching nutze ich dieses Set sehr gerne. Ein Bild (und eine Farbe) sagen mehr als tausend Wort – Da ist was dran, denken Sie nicht auch?!

Übrigens, das Set der Farbenenergie kann man bei marketing:pur kaufen. Es wurde von Peter Köstel entwickelt und ist ein Beispiel aus seiner großen Palette von Kommunikations- und Training-Tools. Weihnachten 2014 ist nun zwar fast vorüber, aber nach Weihnachten ist auch vor Weihnachten und außerdem ist es eine gute Idee, sich dieses Set zum Jahresbeginn selber zu schenken. Perfekt können darauf die Jahresziele oder die Vorsätze zum Neuen Jahr festgehalten werden …

Mit den grünen Karten aus dem Kartenset möchte ich Ihnen ein schönes Weihnachtsfest wünschen.

Liebe ist ein heilendes Wunder, Foto von Christa Schäfer

Ein friedliches Weihnachstfest wünscht Christa Schäfer

Dr. Christa Schäfer

Können eigentlich Emotionen den Farben zugeordnet werden?

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Die Kraft der Mitfühlende Kommunikation

Montag, 15. Dezember 2014 6:28

Die Gewaltfreie Kommunikation ist in der Zwischenzeit in Deutschland gut bekannt.

Die Mitfühlende Kommunikation (Compassionate Communication) ist bisher wenig bekannt, hat aber durchaus das Potential, in die gängige und bekannte Kommunikationstheorie aufgenommen zu werden.

Die beiden Hirnforscher Andrew Newberg und Mark Robert Waldman haben die Mitfühlende Kommunikation als hochwirksames Instrument entwickelt, mit dessen Hilfe zwei Gehirne wie eins zusammenwirken können. Sie haben sich in die Neurologie von Mitgefühl, Kooperation und Vertrauen eingearbeitet und eine neue Art des Gesprächs entwickelt.

Zur „alten Art von Gesprächen“ sagen sie:

„Wir werden zwar mit der Gabe der Sprache geboren, aber Forschungen zeigen, dass wir überraschend ungeschickt in der Verständigung untereinander sind. Oft wählen wir unsere Worte gedankenlos und bedenken die Folgen der emotionalen Wirkung auf andere Menschen nicht. Wir reden mehr, als wir müssen, hören nicht zu und merken es nicht einmal, und häufig entgehen uns die subtilen Signale von Gesichtsausdruck, Körpersprache und Tonfall – Kommunikationssignale, die oft wichtiger sind als die eigentliche Äußerung.
Schuld an dieser mangelnden Kommunikationsfähigkeit ist nicht etwa fehlende Bildung, sondern eher ein unterentwickeltes Gehirn, denn die Hirnareale für soziales Bewusstsein, Empathie und die damit zusammenhängenden sprachlichen Fähigkeiten sind erst im Alter von etwa dreißig Jahren voll ausgebildet. Forschungen haben allerdings ergeben, dass junge wie ältere Menschen die Sprach- und Sozialzentren des Gehirns so einüben können, dass die Kommunikationsfähigkeit effektiv gestärkt wird.“ (Zitat aus Newberg, A.; Waldman, M.R.: Die Kraft der Mitfühlenden Kommunikation. S. 12)

Newberg und Waldman haben zwölf Strategien identifiziert und dokumentiert, mit denen sich die Dynamik jedes Gespräches steigern lässt. Durch die Nutzung der zwölf Strategien können negative Denkmuster unterbrochen und tiefe Empathie und Vertrauen im Hirn des Zuhörers stimuliert werden.

Die zwölf Strategien der Mitfühlenden Kommunikation:

  1. Entspannen Sie sich.
  2. Seien Sie im gegenwärtigen Moment präsent.
  3. Erzeugen Sie innere Stille.
  4. Steigern Sie Ihre Positivität.
  5. Denken Sie an Ihre tiefsten Werte.
  6. Denken Sie an etwas Schönes.
  7. Achten Sie auf nonverbale Signale.
  8. Drücken Sie Ihre Anerkennung aus.
  9. Sprechen Sie in herzlichem Ton.
  10. Sprechen Sie langsam.
  11. Fassen Sie sich kurz.
  12. Hören Sie konzentriert zu.

Gehirnscan-Studien haben gezeigt, dass eine Kombination dieser Strategien Stress, Angstgefühle und Reizbarkeit abbaut und gleichzeitig Gedächtnis sowie kognitive Fähigkeiten verbessert. Es passiert sogar etwas vollkommen Überraschendes: Die Gehirne von zwei Kommunikationspartnern gehen in eine neuronale Resonanz und fangen an, sich aufeinander abzustimmen.

Die Mitfühlende Kommunikation legt ebenso viel Wert auf das Zuhören wie auf das Sprechen. Bewusstes Zuhören unterbricht den eigenen inneren Dialog und setzt Konzentration voraus. Es entsteht eine neue Art von Stille, wodurch die Konzentration auf das Gegenüber steigt und auch subtile Signale des Gegenübers aufgenommen werden können. Das ist nicht einfach, denn das Gehirn will seinen „alten Weg“ nur ungern verlassen.

Um so wichtiger ist es, dass Newberg und Waldman die zwölf Strategien ausführlich vorstellen. Forschungsergebnisse bilden den wissenschaftlichen Hintergrund zur Methode. Viele Übungsvorschläge regen die Leserinnen und Leser des Buches zur Nachahmung und zum Erlernen der Mitfühlenden Kommunikation an. Wer also fernab der allseits bekannten Kommunikationstheorie eine aktuelle und faszinierende Kommunikationstheorie kennen lernen möchte, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Ich habe das Buch derzeit jedenfalls ganz vorne in meinem Bücherschrank stehen …

Gerne möchte ich hier beispielhaft eine Textpassage aus dem Buch mit Ihnen teilen.

„Wie Gedanken Wirklichkeit werden

Im Zentrum des Gehirns sitzt eine walnussförmige Struktur namens Thalamus. Diese überträgt Sinneseindrücke aus der Außenwelt in die übrigen Teile des Gehirns. Wenn wir uns etwas vorstellen, wird auch diese Information an den Thalamus geleitet. Unsere Forschungen lassen vermuten, dass der Thalamus diese Gedanken und Fantasien genauso verarbeitet wie Klänge, Gerüche, Geschmacksempfindungen, Bilder und Tastempfindungen. Wenn Sie sich also sicher fühlen, dann nimmt der Rest Ihres Gehirns an, Sie seien auch sicher. Wenn Sie aber über imaginäre Befürchtungen oder Selbstzweifel nachgrübeln, dann nimmt ihr Gehirn an, es bestehe womöglich eine wirkliche Bedrohung aus der Außenwelt. Unsere sprachbasierten Gedanken formen unser Bewusstsein, und das Bewusstsein formt die Realität, die wir wahrnehmen. Wählen Sie also Ihre Worte mit Bedacht, denn sie werden so wirklich wie der Boden, auf dem Sie stehen.“ (ebenda, S. 71)

In diesem Sinne: Steigern Sie Ihre positiven Gedanken und wählen Sie Ihre Worte mit Bedacht. Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)

Mediation, Supervision und Intervision

Montag, 8. Dezember 2014 8:14

Carla von Kaldenkerken ist Supervisorin und Mediatorin. Sie hat ein Buch mit dem Titel „Supervision und Intervision in der Mediation“ geschrieben, das kürzlich im Wolfgang Metzner Verlag erschienen ist. Nach einer Grundlegung zum Thema „Was ist Supervision“ berichtet das Buch über die Ausbildungssupervision im Rahmen der Mediationsausbildung, den Prozess der Supervision, die Programmelemente von Ausbildungssupervision, die Möglichkeit der Intervision im Rahmen der Mediationsausbildung und vieles mehr. Damit ist das Buch das erste seiner Art, das über die beiden Beratungsformate Mediation und Supervision schreibt. Von Kaldenkerken plädiert für eine gute Nachbarschaft der beiden Formate.

Das Buch richtet sich an angehende MediatorInnen in der Ausbildung, an praktizierende MediatorInnen sowie an MediationsausbilderInnen. Es gibt Anregungen und Empfehlungen für den Einsatz von Supervision im Kontext von Mediationsausbildung und Mediationstätigkeit. „Ohne Supervision können Mediatorinnen und Mediatoren nicht professionell arbeiten.“ so der erste Satz des Vorwortes im Buch. Dies kann ich nur bestätigen.

Eine gute Mediationsausbildung dauert heute ca. 200 Stunden. In der Ausbildung lernt man den Ablauf eines Mediationsverfahrens nebst den wichtigsten Methoden. Es gibt eine Spezialisierung für zwei Mediationsfelder. Immer wieder wird die Mediative Haltung betrachtet, und Rollenspiele bereiten auf Ernstfall vor. Wofür Supervision?

Ausbildungssupervision meint die supervisorische Begleitung von Ausbildungsteilnehmerinnen und -teilnehmern. Unter fachkundiger Anleitung werden in Einzel- oder Gruppensetting das erste eigene berufliche Handeln sowie die ersten Fälle begleitet. Der Schwerpunkt liegt auf der beruflichen Identität sowie auf fachlichen Fragen.

Fallsupervision kann regelmäßig oder fallbezogen durch einen Mediator oder eine Mediatorin in Anspruch genommen werden. In Einzel- oder im Gruppensetting stehen hier die aktuell bearbeiteten Fälle im Vordergrund, es geht um die Vergewisserung des eigenen Vorgehens, die Reflexion und Qualitätssicherung.

Die Mediationsverbände haben die Supervision als Bestandteil von Ausbildung und Anerkennung vorgeschrieben. Das Mediationsgesetz misst der Supervision ebenfalls einen großen Wert bei.

Von Kaldenkerken stellt in ihrem Buch Supervision und Intervision in der Mediation sowohl die Ausbildungssupervision und die Fallsupervision als auch die Intervision detailliert vor, dabei geht sie sowohl auf formale als auch auf gestalterische Elemente der verschiedenen Formate ein.

Intervision (auch kollegiale Beratung genannt) ist die Fallberatung ohne externen Berater. Ausbildungen sehen die Bildung von Intervisionsgruppen vor, in denen Rollenspiele, Seminarnach- und -vorbereitungen, kollegialer Austausch und Literaturstudium stattfindet.

In den letzten Jahren werden weltweit viele Mediatorinnen und Mediatoren ausgebildet. Supervision und Intervision gewinnen darum an immer größerer Bedeutung. Das Buch unterstützt, Licht in einen Begriffswirrwar zu bringen und Standards zu setzen. Ich empfehle dieses Buch zumindest allen, die an der Schnittstelle der Formate Mediation und Supervision arbeiten, und natürlich auch allen MediationsausbilderInnen.

Ich freue mich, von Carla von Kaldenkerken für den Bereich Ausbildungssupervision ausgebildet worden zu sein. Supervision für angehende oder ausgebildete MediatorIn gesucht? Gerne können Sie sich an mich wenden.

Christa D. Schäfer

Zur Begriffsdefinition von Mediation – Supervision – Coaching

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Das Empty Nest Syndrom

Donnerstag, 4. Dezember 2014 7:09

Neben dem „Spektrum der Mediation“ lese ich sehr gerne „Die Wirtschaftsmediation. Ein Fachmagazin für Unternehmer und öffentliche Verwaltung“ (herausgegeben von Gernot Barth und Bernhard Böhm).

In jeder Ausgabe dieses Fachmagazins gibt es einen Artikel zum Thema Familie. In der aktuellen Ausgabe „Die Wirtschaftsmediation 4/2014“ gibt es in dieser Rubrik einen spannenden Artikel von Felicitas Römer zum Thema „Und plötzlich ist das Nest leer – was der Auszug der Kinder für Eltern bedeutet.“

Artikel zu diesem Thema sind in Deutschland noch selten. Vor einigen Jahren habe ich in Amerika in einem Buchladen dutzendeweise Bücher zu diesem Thema gesehen. Sogar in Zeitschriften gab es Tipps für Mütter, wie am besten mit dieser Situation umzugehen sei. „Lernen Sie jetzt unbedingt SMS zu schreiben, damit Sie die Verbindung zu Ihrem Kind behalten.“ – war auf der Hilfe-Liste die Nummer 1.

Interessanterweise hatte ich bereits einige Mediation von Familien, die sich in dieser Lebensphase befinden. Immer wieder kamen dabei natürlich die Herausforderungen dieser Lebensphase zur Sprache. Die Loslösung des Kindes führt zu einer Neudefinition der Paarbeziehung, die gelingen – oder eben auch misslingen kann. Es kann eine Befreiung und ein „zweiter Frühling“ stattfinden, oder aber auch das Aufbrechen von alten und nicht gelösten Konflikten. Da tut eine Paarmediation gut und kann vieles klären …

Demnächst mal mehr zu diesem Themenfeld in diesem blog …

„Konfliktkompetenzen. Wie sie sich aus Verstrickungen lösen“ so lautet der Titel der aktuellen Ausgabe der Wirtschaftsmediation. Interessante Artikel warten auf die Leserinnen und Leser: Mediation im öffentlichen Raum – Alibi oder Chance / Mediationskompetenz und Kompetenzmediation / Unternehmen führen und Konflikte grenzüberschreitend lösen – bloß wie? / Pferdegestützte Trainings – wie sie die Konfliktkompetenz von Führungskräften stärken können / Die Lehrlingsmediation in Österreich / und viele weiter mehr

Internetartikel zum Thema „Empty Nest“

Buch von Felicitas Römer: „Ausgeflogen“ (2012)

Zur Internetseite der Wirtschaftsmediation

Mein Artikel zum Thema „Kommunikation und Konfliktmanagement in der Familie“ in der Ausgabe 03/2013 der Wirtschaftsmedition

Viel Spaß beim Lesen und Stöbern
wünscht Christa Schäfer

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Auffälliges Verhalten im Jugendalter – Schwerpunkt Jugendkriminalität

Montag, 1. Dezember 2014 7:06

Vor einiger Zeit berichteten wir hier im blog über Auffälliges Verhalten im Kindesalter – Schwerpunkt Aggressivität.

Heute möchten wir das Buch Auffälliges Verhalten im Jugendalter von Wilhelm Rotthaus und Hilde Trapmann aus dem verlag modernes lernen und das Stichwort Jugendkriminalität vorstellen. Auch in diesem Buch werden viele Verhaltensauffälligkeiten benannt, es wird dargelegt wann man von Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltensstörungen sprechen kann und muss, es wird erläutert welche bedingenden Faktoren eine Rolle spielen können und wie sie zu beeinflussen sind. Lehrkräfte, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen können dadurch ein gutes Verständnis für die im Buch besprochenen Verhaltensweisen erlangen. Die Ideen für konkrete Empfehlungen und Maßnahmen sind eine erste Anregung für die pädagogische Praxis im Umgang mit “schwierigen” Jugendlichen.

Kriminalität wird in diesem Buch als Verstoß gegen Gesetze definiert. Im Prozess der „Selbstfindung“ und Individualisierung erproben Jugendliche oft Grenzen normativer Vorgaben, welche schon zu leichten Gesetzesübertretungen führen können. Da sich Jugendliche in einer Entwicklungsphase befinden und in dieser Hinsicht stets ändernden gesellschaftlichen Lebens- und Problemlagen ausgesetzt sind, wurde das Jugendstrafrecht entwickelt, welches eine erzieherische Absicht verfolgt.

Bleibt es bei „Einzeltaten“ wird von einem normalen, temporären und episodenhaften Prozess gesprochen. Bei Mehrfachtäter_innen zeigt sich laut Untersuchungen häufig ein Nebeneinander von mehrfachen Belastungen und Benachteiligungen. Nach diesen Untersuchungen heißt es, dass kriminelles Verhalten nicht aus dem Nichts entsteht, sondern sich über einen längeren Zeitraum entwickelt und ein Mangel an Schutzfaktoren vorhanden ist.

Als provozierende Bedingungen zu kriminellem Verhalten im Jugendalter stellt das Buch unter anderem vor:

  • familiäre Struktur: Wichtig ist, dass Kinder/Jugendliche in einem gefestigten Umfeld aufwachsen. Das heißt, dass sie stete Bezugspersonen haben, auf deren Unterstützung sie bauen können.
  • Wohnsituation: Das Wohnviertel, seine Gestaltung und die daraus resultierenden Beziehungsverhältnisse der Bewohner_innen sind als Faktor für eine kriminelle Entwicklung nachgewiesen.
  • Vorbildverhalten: Jegliche Bezugspersonen (Eltern,Geschwister,etc.) sind Vorbilder für Kinder. Sie identifizieren sich zum Beispiel mit ihren Eltern. Wenn ebendiese ein kriminelles und/oder aggressives Verhalten zeigen und das innerhalb der Familie positive Akzeptanz findet, neigt das Kind dazu, dieses Verhalten nicht differenziert betrachten zu können. Auch wird nicht die Erfahrung gemacht, dass gegensätzliches Verhalten will positivere gesellschaftliche Resonanz hat, als kriminelles Verhalten.
  • Medieneinfluss: Die Fülle an Darstellungen von Gewalt- und Aggressionsverhalten trägt ohne Zweifel zur Erhöhung der Gewalt- und Kriminalitätsbereitschaft von Kindern bei. Durch Medien wird die eigene Hemmschwelle zu kriminellen Taten gemindert.

Weiter heißt es dort: Um an der Kriminalität des Kindes zu arbeiten, ist es wichtig auf die Punkte der Entstehung und Aufrechterhaltung von Auffälligkeiten und Störungen zurückzugreifen. Es ist bedeutsam, das Kind ernst zu nehmen. Auch Einzeltaten sollten nicht leichthin als jugendlicher Leichtsinn abgewunken werden. Es ist wichtig die jeweiligen Situationen zu verstehen, um die Chance gering zu halten, dass Jugendliche zur Wiederholungstäter_innen werden. Die Beobachtung des sozialen Umfeld und der Familienstruktur sind die Grundlage. Auch hier ist es wichtig, dem_der Jugendlichen die eventuelle Angst vor der Zukunft zu nehmen und die Anerkennung der sozialen Umwelt durch andere Aktivitäten und Bestätigungen zu sichern. In der Zusammenarbeit mit Jugendlichen ist bedeutend, die Jugendlichen nach ihren Beweggründen zu fragen und diese gemeinsam zu hinterfragen. Gesellschaftliche Strukturen können so gemeinsam aufgebrochen werden und bieten den Jugendlichen eine Plattform der Kommunikation.

Laut Rotthaus und Trapmann unterstützt eine multisystemische Therapie, um ein erneutes straffällig Werden des_der Jugendlichen zu reduzieren und darüber hinaus das sozialverträgliche Verhalten zu fördern. Die multisystemische Therapie umfasst sechs Elemente, die flexibel angewandt werden können:

  1. Familientherapie, die sich auf eine effektive Kommunikation, systematische Belohnungs- und Bestrafungssysteme und das Problemlöseverhalten in alltäglichen Konflikten bezieht.
  2. Stärkung des_der Jugendlichen und der Eltern, um mit Problemen in Familie, Schule, Freundeskreis und Wohngebiet besser umgehen zu können. Besonders Gewicht wird darauf gelegt, die familiären Ressourcen und adäquates Problemlöseverhalten zu fördern, damit die Beteiligten nicht immer wieder auf alte, untaugliche Verhaltensmuster zurückgreifen.
  3. Den_die Jugendliche ermutigen, mehr Zeit mit solchen Altersgenoss_innen zu verbringen, die keine sozialen Probleme haben, und die Beziehung zu anderen Delinquenten abzubrechen.
  4. Förderung der individuellen Entwicklung einschließlich eines Selbstbehauptungstrainings zum Schutz gegenüber negativen Einflüssen von Altersgenoss_innen.
  5. Zusammenarbeit mit der Schule halten, um Lern- und Hausarbeitsverhalten zu verbessern, sowie die Zeit außerhalb der Schule gut zu strukturieren
  6. Zusammenarbeit mit anderen Institutionen (z.B.: Jugendhilfe, Jugendgerichtshilfe, Sozialarbeit, Gesundheitsdienst, Erziehungswesen).

Gerne möchten wir diese Liste vervollständigen. Absolut empfehlenswert sind unserer Erfahrung nach die Denkzeit-Trainingsprogramme als psychoanalytisch fundierte, sozialkognitive Einzeltrainings für deviante Kinder und delinquente Jugendliche, Heranwachsende und Erwachsene. Diese Trainingsprogramme sind wissenschaftlich evaluiert und versprechen einen hohen Erfolg. Schauen Sie auf der Webseite der Denkzeit-Gesellschaft und informieren Sie sich …

Christa Schäfer und Atossa Nazeri

Thema: Gewalt, -prävention, -intervention, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)