Rabattmarken, Gummiband und Racket im Umgang mit Gefühlen

Montag, 18. Mai 2015 8:55

Leben heißt Emotionen zu erfahren.

7 Emotionen hat Paul Ekman durch seine Forschungen als universal und kulturübergreifend gleich in ihrem Ausdruck identifiziert: Ärger, Angst, Ekel, Freude, Trauer, Überraschung, Verachtung. Jede Emotion ist eine Energiequelle.

4 Basisemotionen bilden je eine Obergruppe, denen viele Emotionen zugeordnet werden können: Angst, Wut, Traurigkeit, Freude. Jede Gruppe von Gefühlen hat eine besondere „Funktion“.

Angst
‘“Die Angst ist das Gefühl,
das uns zur Flucht animiert,
um einer Gefahr zu entkommen.“
(Nunge; Mortera: Gefühlsbalance. S. 23)

Wut
„Wut ist das Gefühl, das uns bereit macht, anzugreifen und zu kämpfen
bzw. uns einer Bedrohung zu stellen oder gegen etwas anzugehen.“
(ebenda, S. 33)

Traurigkeit
„Die Traurigkeit ist die Emotion,
die mit dem Gefühl der seelischen Betäubung einhergeht,
das wir empfinden, wenn wir einen geliebten Menschen
oder ein wertvolles Objekt verloren haben.
Zu dieser Reaktion gehört vor allem der Rückzug in sich selbst.“
(ebenda, S. 48)

Freude
„Freude ist das Gefühl, das uns dazu drängt,
unser Wohlgefühl, unser Vergnügen mit anderen zu teilen.
Sie ist ein starker Motor, setzt aber eine gewisse Öffnung,
ein Zugehen auf andere voraus.“
(ebenda, S. 66)

Kommen Erwachsene mit ihren Gefühlen nicht gut zurecht, so liegt es oft daran, dass Gefühle in der Kindheit durch die Erziehung „verfälscht“ worden sind. Meist hat diese(r) Erwachsene nicht gelernt, „gut“ mit bestimmten Gefühlen umzugehen. Das kann natürlich „nachgelernt“ werden, ist aber nicht so einfachen …

GefuehlsbalanceDie obigen Zitate entstammen dem Buch „Gefühlsbalance“ von Olivier Nunge und Simonne Mortera aus dem Scorpio Verlag. Die beiden schauen mit der Transaktionsanalyse (TA) auf das Thema Gefühl und geben Informationen, Erfahrungen und Tipps weiter, die unterstützen, belastende Emotionen loszulassen und im Alltag besser mit Gefühlen umzugehen.

Die Transaktionsanalyse stellt drei Modelle vor, auf welche Weise Gefühle an ihrem authentischen Ausdruck gehindert werden.

Das Sammeln von Gefühlen (Rabattmarken)
Wir neigen dazu, Emotionen zu sammeln, bis sie sich aufstauen. Dann kann ein einziger Satz oder eine einzige Geste „die Bombe zum Platzen bringen“. Je nach Menge der gesammelten „Rabattmarken“ gibt es dann unterschiedlich große Gefühlsausbrüche.

Reaktive Gefühle (Gummiband)
Hierbei geht es um unangemessene Gefühle, die sich auf jede der vier oben benannten Emotionen beziehen können. Ein aktuelles Ereignis ruft uns die Erinnerung an ein ähnliches Ereignis in der Vergangenheit wach. Haben wir die Situation damals als unangenehm erlebt und bisher keine Möglichkeit, das Problem auf seelischer Ebene auf zufriedenstellende Weise zu lösen, so schleppen wir das alte ungute Gefühl weiter mit uns mit und es wird in jeder vergleichbaren Situation wieder ausgepackt. Ein unsichtbares Gummiband zieht uns in einer bestimmten Situation quasi zurück in die Vergangenheit.

Racket (Ersatz- oder Maschengefühle)
Ersatzgefühle sind Emotionen, die an Stelle einer realen, tiefer liegenden Emotion treten. Das ursprüngliche Gefühl bleibt verborgen, weil es vielleicht anfangs unerwünscht oder sogar verboten war. Ein neues Gefühl tritt an die Stelle des ursprünglich erlebten Gefühls. Mithilfe dieser „Manipulation“ kann Aufmerksamkeit erlangt werden, ohne das ursprüngliche Gefühl zu benennen.

Das Buch „Gefühlsbalance“, dem ich diese Gedanken entnommen habe, zeigt zunächst die vier Basisemotionen, bespricht dann die Verfälschungen und erläutert anschließend die drei von der Transaktionsanalyse benannten Zusammenhänge von Gefühlen zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Damit ist dieses kleine Geschenkbändchen ein guter erster Einstieg zum Thema Emotionen, interessant geschrieben für jederfrau und jedermann.

Einen intensiven Einblick in das Thema Gefühle gibt es beispielsweise über die Mimikresonanz und das Buch “Gefühle sehen. Menschen verstehen“

Dr. Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)

Bildung braucht Beziehung

Mittwoch, 13. Mai 2015 8:03

Da kann ich nur zustimmen.
Und bis nach Wolfsburg ist es ja von Berlin aus nur eine Stunde.
Dort findet dieses Jahr vom 6. bis 8. November der große Lehrer-Bildungskongress 2015 statt, veranstaltet vom BeltzForum in Zusammenarbeit mit dem Bildungsbüro der Stadt Wolfsburg. Hier kann man erfahren, wie man in einer Balance zwischen Empathie und Führung guten Unterricht macht. 35 Expertinnen und Experten geben Tipps für Schul- und Unterrichtsentwickung. Also nichts wie hin …

Viel Spaß in Wolfsburg
wünscht Christa Schäfer

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Wer ist Henri?

Montag, 11. Mai 2015 6:58

„Henri ist kein Fall, Henri ist ein Kind“ – so seine Mutter Kirsten Ehrhardt, die ein Buch über den bisherigen Lebensweg von Henri geschrieben hat. Henri ist ein Junge mit Down-Syndrom. Das Buch zeigt, wie Henri die Familie verändert hat, wie er den Kindergarten und die Grundschule auf den Weg der Inklusion gebracht hat und wie seine Eltern schließlich frustriert miterleben mussten, mit welchen Mitteln sich ein Gymnasium in Baden-Württemberg 2014 gegen die Aufnahme eines Kindes mit Behinderung wehrt.

Henri ist ein Kämpfer. Henris Familie ist glücklich, dass er da ist, und wird dennoch in eine Gedankenwelt verstrickt, die sie vorher nicht erahnt hat. Was mag das wohl für ein Gefühl sein, wenn der Arzt in das Zimmer kommt und zu der Krankenschwester sagt: „Da liegt das Down-Syndrom“. Auch Nachbarn und Freunde müssen zunächst lernen, mit der Tatsache Down-Syndrom umzugehen, manche Beziehungen zerbrechen, andere leben auf und intensivieren sich. Oft sind die Eltern von Henri hin- und hergeworfen zwischen ihren Gedanken um Henri, um seine Förderung oder Nicht-Förderung und um all das, was von Außen an sie herangetragen wird. Sicherlich trägt auch seine Schwester Emily durch ihre unaufgeregte Art dazu bei, dass Henri sich gut entwickeln kann. Gut, dass die Familie immer wieder Menschen findet, die ihnen Unterstützung und Kraft gibt. Dennoch ist der Weg, die Inklusion einzufordern, sehr hart. Zunächst die Kita, dann die Grundschule und schließlich der Weg auf eine neue Schule ist ein „steter Kampf“. Da werden die Eltern, die nur das beste für Henri wollen, schnell als „anstrengende Eltern“ wahrgenommen.

„Henris Leben findet in einem Spannungsfeld von Anpassung und Anderssein statt. Immer wieder werden wir herausfinden müssen: Wie reagiert ein System mit Normen und Vorschriften auf das Anderssein? … Henri ist anders und stört. Doch was ist eigentlich mit den Kindern, die auch anders sind als unsere Gesellschaft im Großen und bestimmte Systeme im Kleinen vorgeben, und die deshalb ebenso stören? Kinder, die langsamer oder schneller lernen oder einfach nur auf anderen Wegen zu einer Lösung kommen, vielleicht auch einmal zu einer unerwarteten?“ (Kirsten Ehrhardt: Henri. S. 52f)

Henri lernt laufen, sprechen, schreiben und rechnen, liebt seine Playmobil-Figuren, hat viele Freunde, lernt tanzen, singen und vieles vieles mehr. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie viel Freude er den Menschen in seiner Umgebung gibt.

2009 unterschrieb Deutschland die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Inklusion ist also Menschenrecht. Damit hat sich Deutschland verpflichtet, eine inklusive Gesellschaft zu werden, und somit auch ein inklusives Schulsystem zur Verfügung zu stellen.

henri_ein_kleiner_junge_veraendert_die_weltDas Buch “Henri. Ein kleiner Junge verändert die Welt“ zeigt, wie es um die Inklusive Pädagogik in Deutschland 2015 immer noch bestellt ist. So einfühlsam und liebevoll Henri und das Familienleben mit ihm beschrieben wird, so ist auch der folgende Erfahrungsbericht offen und ehrlich. Er zeigt die Gedanken, die notwendig sind, um zu einem inklusiven Bildungssystem zu kommen. Er zeigt aber auch schonungslos das Denken von immer noch zahlreichen PädagogInnen, die Inklusion nicht umsetzen wollen oder können und vielleicht sogar Angst davor haben (Warum eigentlich?) …

Ach ja, der Weg an Gymnasium oder Realschule wurde Henri verwehrt. Schulleitung, Kollegium, Eltern, Schulkonferenz waren dagegen. Zur Sonderschule sollte er gehen. Jetzt wiederholt er die vierte Klasse der Grundschule, und zum neuen Schuljahr finden seine Eltern hoffentlich eine Schule, die Henri gut tun wird, und der auch er gut tun kann.

Auch Berlin ist ja erst ganz am Anfang des Weges zu einer Inklusiven Schule.
Es ist noch viel Arbeit notwendig. Packen wir’s an !!
Dr. Christa D. Schäfer

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Walter Mischel und der Marshmallow-Test

Mittwoch, 6. Mai 2015 6:41

In den Sechzigerjahren führte Walter Mischel mit seinen StudentInnen ein Experiment mit Kindern im Vorschulalter an der Bing Nursery School durch, einer Kindertagesstätte der Stanford University. Er führte die Kinder in eine echte Dilemma-Situation. Die Kinder hatten die Wahl zwischen einer sofortigen Belohnung (einem Marshmallow) und einer größeren späteren Belohnung (zwei Marshmallows), für die sie jedoch 20 Minuten warten mussten. Das sah so aus, dass ein Kind alleine im Raum saß, ein Marshmallow und eine Glocke vor sich. Wollten das Kinder die Süßigkeit essen, so konnte es die Glocke betätigen und den Marshmallow essen. Betätigte es die Glocke nicht, so erhielte es die größere Belohnung nach der Rückkehr des Versuchsleiters. Manche Kinder warteten nicht lange, bis sie die Glocke läuteten, andere Kinder hielten die 20 Minuten standhaft durch.

Was Mischel und seine StudentInnen vollkommen überraschte, war die Tatsache, was die vier- und fünfjährigen Kinder alles taten, um sich nicht verlocken zu lassen. Vollkommen verblüffend war auch die Tatsache, dass der Marshmallow-Test und die Länge des Belohnungsaufschubs viel über das zukünftige Leben der Probanden verriet. Je länger ein Kind wartete, umso besser schnitt es später bei Studierfähigkeitstests ab, und um so höher konnte das kognitive Leistungsvermögen im Jugendalter eingestuft werden. Im Alter zwischen 27 und 32 Jahren verfolgten diejenigen, die im Vorschulalter beim Marshmallow-Test länger gewartet hatten, ihr Ziel konsequenter und kamen besser mit Frustration und Stress zurecht, sie hatten ein höheres Selbstwertgefühl und sogar einen niedrigeren Body-Mass-Index. Außerdem waren sie belastbarer und anpassungsfähiger bei der Bewältigung zwischenmenschlicher Probleme und schafften es besser, enge Beziehungen aufrecht zu erhalten. Im mittleren Alter dieser ehemaligen Probanden konnte man in den Hirnarealen, die mit Suchtverhalten und Fettleibigkeit verknüpft sind, deutliche Aktivitätsunterschiede feststellen zu den Probanden, die als Kinder nicht in der Lage waren, in den Belohnungsaufschub zu gehen. Bei denjenigen, die die Belohnung gut aufschieben konnten, war das Areal im präfrontalen Kortex aktiver, das für effektives Problemlösen, kreatives Denken und die Kontrolle impulsiven Verhaltens wichtig ist. Bei denjenigen, die die Belohnung weniger gut aufschieben konnten, war das ventrale Striatum aktiver, vor allem auch dann, wenn sie sich bemühten, ihre Reaktionen auf emotional aufgeladene, verlockende Stimuli zu kontrollieren.

Marshmallow-TestIch finde von Walter Mischel erzielten Ergebnisse und die durch ihn angestoßenen Forschungen äußerst spannend und freue mich sehr, dass es jetzt ein wunderbares, fast 400 Seiten starke Buch zum Marshmallow-Test und den Auswirkungen gibt. In dem Buch „Der Marshmallow-Test“ werden Antworten auf viele Fragen gegeben. Ist die Fähigkeit, Belohnungen aufzuschieben, angeboren? Wie kann man Menschen diese Fähigkeit beibringen? Was ist „Willenskraft“? Welche Umstände schwächen die Willenskraft? Auf welchen kognitiven Fähigkeiten und Motivationen basiert sie?

Belohnungsaufschub und Selbstkontrolle

Mischel nutzt zur Unterstützung dieser Antworten neueste wissenschaftliche Erkenntnisse. Er erläutert, dass im menschlichen Gehirn zwei eng miteinander verwobene Systeme existieren, das eine „heiß“ – emotional, reflexgesteuert, unbewusst – das andere „kühl“ – kognitiv, reflektierend, langsamer und mehr Anstrengung erfordernd. Die spezifischen Wechselwirkungen zwischen diesen beiden Systemen bestimmen, wie die Vorschulkinder im Marshmallow-Test reagieren. Es gibt Strategien, wie mentale Prozesse und Strategien beschaffen sind, mit denen heiße Verlockungen abgekühlt werden können, Belohnungen aufgeschoben und Selbstkontrolle entwickelt werden kann.

Sind die Belohungen sichtbar, so fällt das Warten schwerer, als wenn die Belohnungen unter einem Tablett versteckt sind. Erfolgreiche Belohnungsaufschieber dachten sich zudem alle möglichen Kniffe aus, um sich abzulenken und den Konflikt und dem Stress, dem sie ausgesetzt waren, abzukühlen. Es gab Kinder, die dachten sich kleine Lieder oder Geschichten aus, schnitten Grimassen, beschäftigten sich mit ihren Händen oder Füßen oder hatten sonstige kreative Ideen. Ablenkende Gedanken führten zu einem längeren Belohnungsaufschub. Das Denken an die Belohnung verkürzte die Dauer, bis die Kinder die Glocke betätigten.

Die Aktivierung des heißen, emotionalen Systems sorgt dafür, sofort zu handeln. Konzentriert man sich auf die heißen Merkmale einer Verlockung führt das zu Los!-Reaktionen. Hoher Stress aktiviert das heiße System. Das heiße System befindet sich im limbischen System im Gehirn, in der Amygdala. Ein auftauchender Löwe hat in früheren Zeiten natürlich zu einer automatischen Selbstschutzreaktion geführt. Heiße Reaktionen sind allerdings nicht hilfreich, wenn es darum geht, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Das kühle, kontrollierte System befindet sich vornehmlich im präfrontalen Kortex im Gehirn. Dieses System entwickelt sich langsam, wird in den Vorschul- und Grundschuljahren allmählich aktiver und ist erst mit Anfang 20 vollständig ausgereift. Gute Belohnungsaufschieber konzentrierten sich auf die kühlen, abstrakten, faktischen Merkmale der Verlockung und entzogen sich den heißen Merkmalen. Es gibt Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen im Belohungsaufschiebeverhalten und in den Abkühlungsstrategien. Bei großem Stress fällt das kühle System zunehmend aus.

Selbstkontrolle entsteht im Zusammenhang mit dem Bindungsverhalten eines Menschen. Die von Mary Ainsworth konzipierte „Fremde Situation“ simuliert ein kurzes Verschwinden der Mutter und eine Wiedervereinigung zwischen Mutter und Kind unter harmlosen Bedingungen. Kleinkindern zwischen ein und drei Jahren, denen es gelang, sich von der Abwesenheit der Mutter abzulenken, schnitten auch später beim Marshmallow-Test besser ab. Der Erziehungsstil einer Mutter beeinflusst die Strategien zur Selbstkontrolle, die ein Kind entwickelt. Wow. Sind die Kinder älter, so können Wenn-dann-Pläne dem Kind helfen, eine breite Palette ansonsten kaum bezwingbarer Selbstkontrollprobleme erfolgreich zu bewältigen. Fest verankerte Wenn-dann-Umsetzungspläne können auch im Erwachsenenalter noch helfen, Verlockungen zu trotzen, mit dem Rauchen aufzuhören, uns auf eine Zielerreichung oder auf bestimmte Kernaufgaben zu konzentrieren.

Von Marshmallows im Kindergarten zur Altersvorsorge

Selbstkontrolle ist zur Erreichung langfristiger Ziele absolut wichtig. Zu viel Selbstkontrolle lässt uns unser Leben allerdings ebenso unerfüllt erscheinen wie zu wenig Selbstkontrolle. Die Fähigkeit zur Selbstkontrolle kann ein starkes Selbstwertgefühl wachsen lassen. Da heißt es dann: „Ich weiß, ich kann es (schaffen)!“

Mischel beschreibt in seinem Buch auch, dass sich Kinder, die erfolgreich im Belohnungsaufschub waren, durch drei Merkmale der Exekutiven Funktionen (einem Teil des kühlen Systems) auswiesen. Sie mussten sich erstens an ihr gewähltes Ziel erinnern, zweitens im Blick behalten wie nah sie dem Ziel schon gekommen waren und evtl. Korrekturen vornehmen und drittens impulsive Reaktionen hemmen.

Optimistisch denkende Menschen haben insgesamt höhere Erfolgserwartungen. Kinder, die davon ausgehen, alles Notwendige schaffen zu können, um ihre Belohnung zu erhalten, strengen sich an und sind eher der Gruppe zuzuschreiben, die lange warten kann. Erfolgserlebnisse verstärken zukünftige Erfolgserwartungen ganz erheblich.

Impulskontrolle und Selbstkontrolle können zudem die Herausforderungen des Lebens meistern helfen, beispielsweise schmerzliche Gefühle abzukühlen. Erzählten Klienten ihre Gefühle aus einer selbstzentrierten Perspektive, so berichten sie so, als würden sie eine Erfahrung nochmals durchleben. Werden Gefühle und Gründe aus einer distanzierten Perspektive berichtet, so können Ereignisse kognitiv neu bewertet werden. Selbstdistanzierung unterstützt, konstruktive Strategien zur Problemlösung und Konfliktbeilegung zu finden und den Blutdruck zu senken.

„Wenn die Probanden sich spontan von sich selbst distanzierten, während sie an die negativen Erfahrungen in ihrer Beziehung dachten, wendeten sie auch konstruktivere Strategien zur Problemlösung und Konfliktbeilegung an als diejenigen, die sich nicht spontan von sich selbst distanzierten. Besonders interessant war, dass die Probanden mit geringer Selbstdistanz Konflikte konstruktiv bewältigten, solange ihre Partner keine ablehnende, feindselige Haltung ihnen gegenüber zeigten. Wurden ihre Partner feindselig, zahlten sie es ihnen jedoch mit gleicher Münze heim, sodass die Feindseligkeit eskalierte. Die Kombination von Menschen mit geringer Selbstdistanzierung und extrem negativ gestimmten Partnern setzte regelmäßig die Zukunft der Beziehung aufs Spiel. Dieses Muster galt unabhängig davon, ob das Konfliktverhalten in Selbstberichten oder durch unabhängige Beobachter eingeschätzt wurde, wenn die Partner ihre Konflikte in einer Laborsituation diskutierten. …“ (Mischel: Der Marshmallow-Test. S. 195)

Sicherlich haben Sie beim bisherigen Text dieses Blogartikels bereits gemerkt, dass ich von diesem Buch begeistert bin. Ich könnte viele weitere interessante und spannende Ergebnisse aus dem Buch referieren, möchte Ihnen allerdings das Buch selber ans Herz legen. Walter Mischels Buch zum Marshmallow-Test ist wie ein spannender Krimi ein absoluter Lesegenuss, der hilft, Menschen zu verstehen.

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Konflikte, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0)

Circle

Montag, 27. April 2015 8:45

Die Kraft des Kreises

Der Klassenrat in der Schule findet im Stuhlkreis statt. Was passiert dort, und kann man dieses „Redeprinzip“ auf den Wirtschaftsbereich ausweiten? Kann man Business-Meetings und Business-Sitzungen im Stuhlkreis stattfinden lassen?

Was ist der Vorteil von Circles?
Welche Rollen gibt es?
Wie funktionieren Meetings und Gespräche in Circles?
Gibt es auch Circles in Paarbeziehungen und in der Familie?

Wow, ich habe diesen Artikel mit ganz vielen Frage begonnen, Fragen, die mir durch den Kopf gingen, als ich das Buch „Circles: Die Kraft des Kreises“ in die Hand bekam. Die beiden Autorinnen Christina Baldwin und Ann Linnea haben sich in diesem Buch, herausgegeben im Beltz Verlag, ausführlich mit dem Peer Spirit Circle Process – kurz Circle – auseinander gesetzt. Ein Prinzip, das viel mehr enthält als nur eine bestimmte Anordnung von Stühlen.

Peer Spirit Circle Process

Circle_Baldwin_Linnea

Christina Baldwin und Ann Linnea hatten die intuitive Überzeugung, dass der Kreis sowohl uralt als auch universell ist. Naturvölker nutzten den Kreis, um Entscheidungen für den ganzen Stamm zu treffen. Nordamerikanische Stammesälteste nutzten den Kreis und schätzten ihn auf sozialer und geistiger Ebene. Der Kreis war für manche Kulturen Organisationsprinzip, schien als Sprache der Naturvölker jedoch nicht zur vorherrschenden westlichen Kultur zu passen.

Baldwin und Linnea schauten, wie Circles in unserer modernen Welt funktionieren können. 1996 erschien die erste Version ihres Werkes „Calling the Circle. The First and Future Culture“. Damit war der erste Schritt getan, den Kreis in die moderne Kultur zurückzurufen und zur erneuten Anwendung zu bringen:

Das war zu jener Zeit, in der auch das World-Café, das Open Space und die Methode der Zukunftskonferenz entwickelt wurde. In jeder dieser „Methoden“ sitzen Menschen zusammen, sprechen miteinander und erachten ihre gegenseitigen Stimmen als wertvoll. Jede dieser Methoden geht von Respekt und Wertschätzung aus. Jedes Ereignis hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Der Archetyp des Kreises ist im Raum präsent. In einem Kreis können große Ideen von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern kommen, alle Beiträge werden gleichwertig aufgenommen. Im Jahr 2000 kam die Arbeit von Baldwin und Linnea nach Europa und fing auch an hier zu wirken. Vier Mal waren beide bereits in Deutschland, mehrmals auch in anderen europäischen Ländern.

„Nach mehr als 20 Jahren Erfahrung haben wir den weitreichenden Nutzen dieser Arbeit gesehen und sind nun überzeugt, dass die Wiedereingliederung des Kreises den Prototyp für eine neue Kultur liefert: eine Kultur der Kreativität, der Zusammenarbeit und des Gesprächs.“ (Baldwin/Linnea: Circle, S. 14)

Vom Ursprung des Kreises

„Der Mann ist nass bis auf die Haut und zittert vor Kälte. Mit einem erlegten Kaninchen über der Schulter läuft er eilig durch die Abenddämmerung. Die Frau neben ihm bleibt trotz des schwindenden Lichts immer wieder kurz stehen, um einige Blätter zu sammeln oder eine Wurzel mit dem Fuß frei zu scharren und in einen Lederbeutel zu stecken, den sie um die Taille gehängt hat. So folgen sie dem Pfad, der sie hoffentlich an einen Ort führt, an dem sie freundliche Aufnahme, Wärme und Gesellschaft für die Nacht finden. …“ Beide finden ein Feuer, an dem bereits andere Männer und Frauen sitzen, erzählen, sich wärmen und zusammen essen. Das Feuer ist die Mitte, gibt Sicherheit, Wärme und Nahrung. (ebenda, S. 30)

Hat sich Sprache als soziales Instrument parallel zur Nutzung von Feuer und zur Ausdifferenzierung von Handwerkszeugen entwickelt?

Der Kreis als Archetyp des Gruppenprozesses

„Der Weg des Kreises ist eine praxisorientierte Methode, soziale Partnerschaften neu zu etablieren und eine Welt zu schaffen, in der wahrhaftige Kooperation zu optimaler kompetenter hierarchischer Führung anregt. Ein Anführer braucht ein Ratsgremium, das ihm die Dorfmeinungen zu Gehör bringt. Ein Präsident braucht ein Kabinett, ein Trainer ein Team, ein Lehrer Schüler. Die Älteren brauchen junge Leute. Und Meetings brauchen dringende Veränderung.“ (ebenda, S. 39)

Gespräche und Sitzungen im Kreis etablieren eine neue Gesprächskultur. Allein durch Sprechen und Zuhören können dringend notwendige Veränderungen bewirkt werden. Die Gesprächskultur im Kreis stellt einen sozialen Paradigmenwechsel dar, der überall, jederzeit und in jeder beliebigen Gruppe stattfinden kann. Er funktioniert über eine Intelligenz, die Herz und Verstand in Einklang bringt, setzt auf das Gemeinschaftsprinzip und sucht nach Möglichkeiten, wie sich jede und jeder einbringen kann.

Der Kreis hat eine feste Struktur:
Auftakt und Einladung
Die Kreismitte einrichten
Vereinbarungen
Check-in
Intention
Drei Prinzipien
Drei Praktiken
Rollen
Check-out

Der Kreis hat drei Prinzipien:
Führung im Wechsel
Gemeinsame Verantwortung
Vertrauen in die Ganzheit

Der Kreis hat drei Praktiken:
Aufmerksam zuhören
Absichtvolles Reden
Auf das Wohlergehen der Gruppe achten

Es gibt verschiedene Rollen:
Der Gastgeber mit temporärer Führungsrolle
Der Achtgeber
Der Schreiber

Die Arbeit im Kreis hat drei Grundformen:
Die Redeobjekt-Runde
Die Gesprächsrunde
Schweigen

Die Entscheidungsfindung funktioniert über:
Konsens und Abstimmung

Circle können sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext abgehalten werden.

Sie interessieren sich für ein Beispiel zu einem Circle?
Hier das Beispiel eines Circles im Rahmen eines konfliktgeladenen Gespräches.

„Die Geschäftsleitung lud alle Franchisenehmer zu einer Konferenz von Freitagmittag bis Sonntagnachmittag ein. So etwas hatte es noch nie gegeben. 140 von ihnen sagten ihre Teilnahme zu. Der schwierigste Teil war ein Dialog mit der gesamten Gruppe am Samstagnachmittag über den Konflikt der in Bezug auf die neuen Statuten entstanden war. Wenn ein Kreisprozess in großen Gruppen stattfindet, muss der Gastgeber äußerst kreativ vorgehen. Der Unterschied ist etwa so groß wie zwischen der Organisation einer Dinnerparty und einem professionellen Catering: Bedeutend mehr Planung ist erforderlich, um sicherzustellen, dass die Qualität des Engagements von Dauer ist. Doch wenn jede Stimme persönlich zu Wort kommen soll – und in diesem Fall war dies eine conditio sine qua non -, dann kann der Kreis auch für die Diskussion in einer großen Gruppe erweitert werden.
Matthias und Jutta entwarfen eine Kreismitte, die für die Gruppe besonders relevant war. Sie bestand aus einer etwa 90 Zentimeter hohen Pyramide aus 16 roten Boxen. Die oberste Box symbolisierte den Zweck des Unternehmens (einschließlich des Franchisesystems). Die vier Boxen in der Mitte repräsentierten seine Werte und die neun an der Basis symbolisierten die Firmenziele. Die Gruppe hatte im Laufe der Konferenz schon mit Zweck, Werten und Zielen gearbeitet und kannte deshalb die Bedeutung der Boxen. Dann arrangierten Matthias und Jutta 140 Stühle in vier konzentrischen Kreisen wie Jahresringe an einem Baumstamm darum herum.“ (ebenda, S.

Wenn ich Sie mit meiner Begeisterung für die Circles „angesteckt“ habe, dann finden Sie in dem 281 Seiten starken Buch „Circle: Die Kraft des Kreises. Gespräche und Meetings inspirierend, schöpferisch und effektiv gestalten“ von Christina Baldwin und Ann Linnea aus dem Beltz Verlag viele weitere Beispiele und natürlich Beschreibungen, wie Circles zum Laufen gebracht werden können. Sehr empfehlenswert !! Wer weiß, vielleicht – oder besser hoffentlich – gibt es in ein paar Jahren auch in Deutschland viele Circles in privaten und geschäftlichen Kontexten.

Ach ja, Sie kennen meine Praxisbroschüre zum Klassenrat?

Dr. Christa D. Schäfer

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Hat das Herz einen Verstand?

Dienstag, 21. April 2015 9:00

Der Coach, Bewusstseinsforscher, Weisheitslehrer und Buchautor Ruediger Schache sagt „Ja“. Ich sage „Hm …“ Was sagen Sie?

Ruediger Schache spricht in seinem Buch „Herzverstand“ davon, dass es eine intensive Beziehung zwischen Herz und Verstand gibt. Ein böses Wort kann ein Herz treffen, eine Sorge es erdrücken, ein Verlust es zerreißen. Eine kleine Blume im Sonnenstrahl kann ein Herz öffnen, aufblühen lassen und vielleicht sogar heilen. Das Herz kann Einfluss auf die Gedanken nehmen, so wie die Gedanken Einfluss auf das Herz nehmen.

„Im Herzen sitzt die Seele. Und diese Seele sendet und empfängt mithilfe des Herzens. Sie ist im ständigen Kontakt mit der Welt um sie herum …“ (Schache: Herzensverstand, S. 74)

Schache zeigt 4 Schlüsselfragen zum Herzverstand auf, die Menschen auf dem Weg zur Vergrößerung ihres Potentials führen können. Außerdem schreibt er über wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Neurobiologie, die belegen, wie groß die Kraft des HERZENS in Wahrheit ist. Er zeigt beispielsweise, dass das Herz seiner Ansicht nach eine eigene Intelligenz besitzt. Viele Beispiele von Menschen, die eine Herztransplantation erlebt haben, belegen seiner Ansicht nach die Verbindung zwischen dem früheren Herzbesitzer und dem jetzigen. Unglaubliche Geschichten lassen sich dort finden. So hatte die Amerikanerin Claire Sylvia nach ihrer Herztransplantation Durst auf Bier und Hunger auf Menüs der Fastfood-Kette Kentucky Fried Chicken, obwohl sie vorher diese Lebensmittel nie mochte. Der sieben Monate alte Carter erhielt das Herz des 16 Jahre alten Jerrys, und Carter erkannte im Alter von 5 Jahren inmitten einer Menschenmenge die Eltern von Jerry, obwohl bisher weder seine Eltern diese Menschen kannten, geschweige denn bis dahin jemand wussten, von wem das Spenderherz stammte.

„Zusätzlich zur Herz-Verstand-Verbindung verfügt das Herz auch über ein eigenes, autarkes neuronales Netzwerk, das tatsächlich, genau wie ein Gehirn, Kurzzeit- und Langzeiterinnerungen speichern kann. Man könnte es als ‘Herzgehirn’ bezeichnen. Fast schon eine eigene Persönlichkeit.“ (ebenda, S. 44)

Was bedeutet das Herz für PädagogInnen und MediatorInnen?
Diese beiden Berufsgruppen sollten meiner Meinung nach „das Herz auf dem rechten Fleck“ haben. Sie sollten das Herz anderer berühren und ein klein wenig öffnen können. Und sie sollten auch an ihr eigenes Herz denken.

Für mich persönlich hängt das Herz stets mit dem Thema Gefühl zusammen. Herz ist rot und Wärme und Zuneigung und Freundschaft und Liebe. Auch wenn Marshall Rosenberg sagt, Liebe ist ein Bedürfnis.

„Das Herz ist ein halber Prophet.“ (Jüdisches Sprichwort)

„Das wahre Wissen kommt immer aus dem Herzen.“ (Leonardo da Vinci)

Meinen Blogartikel zu diesem anregenden Buch möchte ich gerne mit einer Übung des Autors aus dem Buch beenden, sie heißt „Den Herzstand aktivieren – Eine Vorstellung ins Herz nehmen“:

„Ihr Herz ist direkt mit Ihrem Verstand verbunden. Beide kommunizieren ständig miteinander, sie gleichen sich ab. Diese Tatsache können Sie nutzen, wenn Sie wichtige Fragen haben.
Stellen Sie sich eine Szene in Ihrer Zukunft vor so wie sie sein könnte, falls Sie sich für etwas entscheiden. Zum Beispiel dafür, dass Sie in zehn Jahren noch in dieser Firma arbeiten. Oder dass Sie in zwanzig Jahren noch mit dieser Person zusammenleben. Oder dass sie eine bestimmte Ausbildung machen und dann in dem Beruf arbeiten.
Nur als Fantasiebild. Gelingt Ihnen diese Vorstellung?
Es kann sein, dass Sie allein bei dem Versuch der Vorstellung abbrechen und sagen: ‘Nein. Ich kann es nicht mal richtig denken.’ Dann haben Sie einen guten Hinweis.
Falls es Ihnen gelingt, ein Bild zu erzeugen, schicken Sie dieses Bild vom Kopf hinunter ins Herz. Als könnten Sie es mit einer unsichtbaren Hand vorsichtig umschließe und nach unten schieben. Wie fühlt sich das Herz an, wenn das Bild in ihm ist? Wird es traurig? Eng? Trostlos? Das wäre ein Hinweis, dass dieses Bild nicht mit der Zukunft übereinstimmt, die für Ihr Herz richtig ist. Oder wird es freudig? Kommt das wissende Gefühl auf, dass es ‘gut’ ist? Oder ist es einfach friedlich? Das wäre die Antwort, weiter dranzubleiben.
Sich eine Szene möglichst gut vorzustellen, sie dann ins Herz zu nehmen und zu fühlen, was sie dort auslöst, ist vor allem für Menschen mit bildlicher Vorstellungskraft und feinem Selbstgespür eine wertvolle Methode der Herzbefragung.“ (ebenda, S. 96)

Versuchen Sie es doch mal.
Bei mir funktioniert es …
Christa Schäfer

Ein Gedicht zur Verbindung zwischen Herz und Gesicht …

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Kommunikation in der Kita

Montag, 13. April 2015 7:23

In den letzten Jahren habe ich mich verstärkt um Kommunikation und Konfliktmanagement in verschiedenen Bereichen der Pädagogik gekümmert. Da war natürlich auch der Bereich der Kita (Kindertagesstätten) bzw. der Kindergärten ein ganz wichtiger. Neben Mediationen, Supervisionen und Leitungscoaching habe ich 2014 in München, Köln und Berlin Vorträge zur „Kommunikation und zum Konfliktmanagement in einer Inklusiven Kita“ im Rahmen des Deutschen Inklusionsforums für die Kita gehalten. 2015 gibt es im Oktober und November wieder die Möglichkeit diese interaktiven Vorträgen zu hören.

Bei Trainings zu Elterngesprächen in Kita empfehle ich gerne das Buch „Klare Worte finden“ von Ulrike Lindner, das aus dem Verlag an der Ruhr stammt und auf hervorragende Art und Weise das Thema Elterngespräche aufgreift.

Jetzt möchte ich hier sehr gerne „Das Kommunikationsbuch für Erzieherinnen“ (und Erzieher) empfehlen. Das Buch bringt daas Thema mal in ganz anderer Art und Weise auf den Punkt. Die Autorin Ursula Friederikje Rücker betrachtet verschiedene Wahrnehmungstypen und deren bevorzugte Kommunikationsstile, sehr interessant !! Bisher hatte ich mir erst am Rande dazu Gedanken gemacht, dass jeder Wahrnehmungstyp einen unterschiedlichen Kommunikationsstil pflegt, und das Wissen um diese Typen auch in Kitas den Alltag miteinander vereinfachen könnte.

Kommunikationsbuch für Erzieherinnen

Die Autorin des Kommunikationsbuches für Erzieherinnen gibt Hinweise zum visuellen, auditiven und kinästhetischen Wahrnehmungstyp. Jeder Typ wird mit seinen Merkmalen vorgestellt, es wird geschaut, wie die Begegnung und das Gespräch mit einem Elternteil dieses Wahrnehmungstyps vonstatten gehen kann, wie die so geprägte Fachkraft gut kommuniziert und wie man Kinder in diesen Wahrnehmungs- und Kommunikationsmustern gut abholen kann. Der weitere Teil des Buches beschäftigt sich mit den Stichworten Anerkennung und Wertschätzung als Grundlage für Beziehung und Kommunikation und schließt einigen gut einsetzbaren Übungen zu den Kommunikationsstilen in Kita.

Wahrnehmung gestaltet Kommunikation
Ich glaube, das größte Geschenk das ich von jemandem bekommen kann, ist, dass er mich sieht, mir zuhört, mich versteht und mich berührt. Das größte Geschenk, das ich einem andern Menschen machen kann, ist, ihn zu sehen, ihm zuzuhören, ihn zu verstehen und ihn zu berühren. Wenn das gelingt, habe ich das Gefühl, dass wir uns wirklich begegnet sind. (Virginia Satir)

Zum visuellen Wahrnehmungstyp und seinem Kommunikationsstil
Die Buchautorin Ursula Friederikje Rücker beschreibt, dass Menschen mit einer ausgeprägten visuellen Wahrnehmung meist sehr auf ihr eigenes persönliches Aussehen achten. Sie beziehen sich in Gesprächen auf ihre visuellen Eindrücke und nutzen gerne ihre Körpersprache um etwas zu verdeutlichen. Im wahrsten Sinne des Wortes machen sich diese Menschen ein „Bild“ von der Welt. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Visuelle Menschen werden ärgerlich, wenn sie das Gefühl haben, übersehen zu werden.

Wortfamilien und Redewendungen zum visuellen Wahrnehmungstyp:
großartig, kleinkariert, sehen, zeigen, schleierhaft, düster, strahlend, einleuchtend, veranschaulichen, Überblick, Ansicht, Vision, Perspektive …

„Ich sehe das so“, „mir scheint“, „eine Vision haben“, „anderer Ansicht sein“, „das sieht gut aus“, „ich finde“, „der blinde Fleck“, „etwas einsehen“, „rosa Brille“ …

Begrüßung und Verabschiedung:
„Wie schön, Sie zu sehen“
„Auf Wiedersehen“
„Wir sehen uns“

Offene Fragen, die im Gesprächsverlauf hilfreich sein können:
„Konnten Sie ein Bild von .. machen?“
„Das sieht doch ganz gut aus, was meinen Sie?“
„Welcher Ansicht sind Sie?“

Visuell geprägte Eltern
In der Begegnung und im Gespräch mit einem visuellen Elternteil sollten sich Erzieherinnen darüber im Klaren sein, dass diese Menschen scharfe Beobachter sind, sie schauen genau auf Kleidung, Körpersprache und vieles mehr. Es ist gut, visuell geprägten Eltern zu zeigen, dass ihr Kind sich in der Kita wohlfühlt. Man kann einen Rundgang machen, das Elternteil einladen, auf Sehenswertes hinweisen und vieles mehr. Für Konfliktsituationen ist es gut, Dokumente und wichtige Papiere parat zu haben, damit das Elternteil diese einsehen kann.

Visuelle pädagogische Fachkräfte
Sind pädagogische Fachkräfte visuell geprägt, so werden diese besonders Wert legen auf die Gestaltung der Kita und des Gruppenraumes. Sie nutzen Symbole als Orientierung, achten auf Ordnung und zeigen den ihnen anvertrauten Kindern die Welt.

Das aktuell visuelle Kind
Das Seelenleben eines visuellen Kindes kann am ehesten verstanden werden, wenn Sie sich in seiner Welt aufmerksam umsehen. Die Welt des visuellen Kindes ist die Welt der Farben, Formen, Schatten und Bilder. Kreativität ist ein wichtiges Stichwort. Visuelle Kinder setzen sich gerne in Szene, machen Rollenspiele, Pantomime, malen und gestalten gerne. Häufig haben visuell geprägte Kinder ganz genau im Kopf, was sie morgens anziehen möchten und was nicht. Visuell geprägte Kinder versuchten Aufmerksamkeit durch Auffälligkeit zu erregen. Da geht es durchaus manchmal darum eine „Show abzuziehen“. Visuelle Kinder stehen ferner gerne im Mittelpunkt. Sie fühlen sich zurückgesetzt, wenn sie übersehen werden. Genau wie visuell starke Kinder durch visuelle Reize erreicht werden, so lassen sie sich durch visuelle Impulse ablenken.
Unser Schulsystem ist stark visuell ausgerichtet. Dadurch sind visuell geprägte Kinder oft im Vorteil. Dennoch ist es wichtig, auch ihre anderen Sinne zu fördern.

Das soll als kurzer Einblick in diesen Wahrnehmungs- und Kommunikationstyp genügen. Im Buch gibt es natürlich ausführliche weitere Hinweise zu diesem und den anderen Typen.

Und abschließend meine Ideen für drei kleine Reflexionen / Übungen

  1. Welcher Kommunikationstyp sind Sie selber?
  2. Beobachten Sie heute, morgen oder bei Gelegenheit Ihre Arbeitskolleginnen, Kinder oder Eltern aus Ihrer Gruppe. Versuchen Sie herauszufinden, welcher Kommunikationstyp sie sind.
  3. Versuchen Sie bei Gelegenheit einmal, mit jemandem in einem rein visuell geprägten Kommunikationsstil zu reden. Das macht richtig Spaß und kann sogar komisch werden.

Ach ja, und vom Don Bosco Verlag gibt es übrigens auch wunderbare Gefühlskarten für die Förderung der Emotionalen Kompetenz in Kitas, lassen Sie sich inspirieren …

Dr. Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0)

Der Weg zur Resilienz

Sonntag, 5. April 2015 13:14

Manche Menschen bewältigen Stress, Rückschläge, Frust, Misserfolge, Verluste, Schicksalsschläge besser als andere. Warum? Sie besitzen eine größere Resilienz, eine größere psychische Widerstandsfähigkeit.

Resilienz, die unsichtbare Kraft …

Resilienz ist nicht angeboren, sondern wird im Laufe des Lebens erlernt. Wodurch? Zuerst natürlich durch eine stabile und sichere Bindung zu einer vertrauten Person in der Baby- und Kleinkindzeit. Es folgen positive Erfahrungen in der Familie und in der Kita, die unterstützen, ein gesundes Selbstwertgefühl aufzubauen. Eltern und andere Erwachsene zeigen, wie man gut mit Problemen und Konflikten umgehen kann, so dass der Blick auf die Lösungen fällt und nicht an den Schwierigkeiten hängen bleibt. Ein Netzwerk von Freundinnen, Freunden und vertrauten Personen lässt stabile Beziehungen und ein Netzwerk entstehen. Kinder sollten lernen, um Hilfe zu bitten. Eine optimistische Grundhaltung führt dazu, Krisen als vorübergehend anzusehen und den Blick auf die Zukunft zu schärfen. All dies führt zur Resilienz, und die im Kindesalter gelernte Perspektive wird in die Jugend und ins Erwachsenenalter mitgenommen. Natürlich kann man auch als Erwachsene(r) an der Resilienzfähigkeit arbeiten, manche Menschen benötigen dazu lediglich einen kleinen “Anstoß”, andere arbeiten täglich und hart hieran, manche gönnen sich ein Resilienz-Coaching, um wieder „in ihre Mitte“ zu kommen …

Das Jahr 2015 habe ich in diesem Blog mit einigen Yoga-Übungen und besten Wünschen für ein stressfreies Jahr eingeleitet. Ostern möchte ich Ihnen gerne einige Gedanken zum Thema „Resilienz“ mit auf den Weg geben.

Dazu habe ich die 75 Bildkarten zum „Resilienztraining“ von Sylvia Kéré Wellensiek aus dem Beltz Verlag in die Hand genommen. Wellensiek hat verschiedene Bücher zum Thema Resilienz und Resilienztraining herausgebracht. Ihr Human Balance Training (HBT) unterstützt Menschen dabei, realistische Schritte in Richtung Achtsamkeit und einer aufmerksamen Unternehmens- und Führungskultur zu nehmen.

Das DIN A4-große Kartenset enthält Bilder aus Natur, Kunst und Technik. Die Karten unterstützen in Einzelcoachings und Trainings, geben einen Input von außen, können Auslöser für neue Perspektiven sein, wecken Emotionen, regen Kreativität und Inspiration an und schenken Freude am Denken und Fühlen. Dabei gehen diese Bilder tiefer und in andere Gehirnareale als das reine Sprechen. Das booklet zu den Karten stellt verschieden mögliche Arbeitsweisen und Übungen vor. Gerne empfehle ich dieses Kartenset für Coaching- und Trainingssituationen, nicht nur zum Thema Resilienz, sondern auch zu vielfältigen anderen Themen …

Gewöhnlich werden im Coaching Fragen gestellt, und die Bildkarten regen zu Antworten ein, wirken inspirierend und auflockernd. Ich habe es zu Ostern anders gestaltet und geschaut, welche Bilder für mich gut in diese Zeit Anfang April passen. Erst dann habe ich geschaut, welche Achtsamkeitshinweise auf der Rückseite der Karte stehen. Das Ergebnis möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

Ich_lebe_meine_Werte_im_Alltag_Wellensiek_Resilienz

„Ich lebe meine Werte im Alltag.“
Sinn- und Werteverständnis

Ich_kann_Liebe_empfangen_und_verschenken_Wellensiek_Resilienz

„Ich kann Liebe empfangen und verschenken.“
Emotionale Balance

Ich hoffe, Sie leben Ihre Work-Life Balance
und können Ostern etwas für Ihre Resilienzfähigkeit tun …

Ein ruhiges und entspanntes Osterfest 2015
wünscht Ihnen Dr. Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0)

Gelingende Beziehungen halten die Welt zusammen

Montag, 30. März 2015 12:19

Manchmal treffen wir eine Person in der Bahn oder im Flugzeug und spüren gleich eine Sympathie zu dieser Person. Dann unterhält man sich, zunächst über das Wetter, dann vielleicht über die Arbeit oder die Stadt, in der man gerade ist. Und nach 10 Minuten geht man auseinander und hat das Gefühl, etwas Schönes erlebt zu haben. Das könnte der Anfang für eine gelingende Beziehung sein. Am nächsten Tag, in derselben Stadt, trifft man beim Bäcker eine Person, die sich zuerst vordrängelt und dann auch noch um sich herum mit Worten „giftet“ – daraus kann weniger gut eine gelingende Beziehung entstehen.

Beziehungen können lang andauern oder nur ganz kurz sein. Nach der Wikipedia-Definition ist eine Beziehung eine bestimmte Relation zwischen verschiedenen Objekten oder Individuen. Stimmt, Menschen können ja auch zu Tieren, zu Pflanzen oder zu leblosen Gegenständen eine Beziehung aufbauen.

Und weiter heißt es bei Wikipedia zu Sozialen Beziehungen:

„Als Soziale Beziehung (auch Zwischenmenschliche Beziehung) bezeichnet man in der Soziologie eine Beziehung von zwei Personen oder Gruppen, bei denen ihr Denken, Handeln oder Fühlen gegenseitig aufeinander bezogen ist. Soziale Beziehungen sind eine elementare Voraussetzung des Menschen, um gesellschaftlich erfolgreich zu leben. Erlernt er in seinen allerersten Jahren nicht, sie einzugehen (Urvertrauen), so ist er zeitlebens geschädigt. Soziale Beziehungen können positive oder negative Qualitäten haben. Beziehungen, die positive Auswirkungen haben, werden auch als Ressourcen des Individuums angesehen.“

Natürlich kann auch später noch gelernt werden, Beziehungen aufzubauen und gelingen zu lassen. Sowohl PädagogInnen als auch MediatorInnen sollten gelingende Beziehungen leicht aufbauen können. Sowohl Pädagogik als auch Mediation bauen auf gelingenden Beziehungen auf und haben zugleich gelingende Beziehungen als Ziel. Kürzlich entdeckte ich ein Buch von Krista Warnke und Berthild Lievenbrück mit dem Titel „Momente gelingender Beziehungen“ aus dem Beltz Verlag.

Das erste Kapitel des Buches gibt Hinweise auf Fragen wie: Worauf beruht die Qualität einer Beziehung? Welchen Einfluss haben Gefühle auf unser Denken und Handeln? Wie wichtig sind Momente gelingender Beziehung? Im zweiten Kapitel befinden sich Interviews mit dem bekannten Persönlichkeiten wie z.B. dem Familientherapeuten Jesper Juul, dem Hirnforscher Gerald Hüther und der Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan. Gespräche über Musik und gelingende Beziehungen sind im dritten Kapitel eingefangen.

„Beim Musikmachen muss man aufeinander hören, man schafft gemeinsam etwas, was mehr ist als das, was der Einzelne kann. Allein das sorgt schon für eine aufmerksame Beziehung. Und was dabei herauskommt, erzeugt Gefühle, eine Ästhetik und ein Form.“ (Magdalena Abrahams in Warnke; Lievenbrück 2015, S. 111)

Und das vierte Kapitel hat sich die Aufgabe gestellt, direkte Hinweise zu einer guten Beziehungskultur und zu Voraussetzungen gelingender Beziehungsmomenten zu geben. Als Pädagogin und Mediatorin bin ich natürlich sehr interessiert an den Hinweisen zu einer guten Beziehungskultur und an den Voraussetzungen für Momente gelingende Beziehungen. Gerne möchte ich deshalb einige Erkenntnisse des Buches “Momente gelingender Beziehung” hier im folgenden mit Ihnen teilen. Es gibt im Buch die Beschreibungen von drei Bausteine, die eine gute Beziehungskultur schaffen und 6 Gruppen von Voraussetzungen für Momente gelingender Beziehungen.

3 Bausteine, die eine gute Beziehungskultur schaffen:

Baustein 1: Aktiv werden
Dies bedeutet, nicht zu warten bis mich jemand anspricht, sondern sich selber einzubringen und gelingende Beziehungen mit zu gestalten. Wahrnehmen, hinschauen, zuhören sind diesbezüglich wichtige Stichworte.

Baustein 2: Denken und Fühlen
Fühlen und Denken sind unmittelbar und untrennbar miteinander verbunden. Es gibt kein Fühlen ohne Denken und kein Denken ohne Fühlen. Gefühle leiten zudem das Denken zu einem großen Teil. Eine Balance zwischen Fühlen und Denken, zwischen zugewandter Wahrnehmung und differenzierender Reflexion ist von großer Bedeutung für gelingende Beziehungen.

Baustein 3: 51 % Prosoziale Einstellungen und Haltungen zulassen
Momente, in denen Beziehungen gelingen, sind von prosozialen Gefühlen getragen, sie sind durch Zugewandtheit, Respekt oder Vertrauen gekennzeichnet. Positive Gefühle verändern den Fokus unserer Aufmerksamkeit und beeinflussen die Art und Weise unseres Denkens und damit den Umgang zwischen Menschen. Wir sind aus neurobiologischer Sicht auf soziale Resonanz und Kooperation angelegte Wesen. Darum lassen sich Beziehungssituationen positiv beeinflussen durch ein kurzes Innehalten, Wahrnehmen, durch Zuwendung und Reflexion der eigenen Gestimmtheit. Negative und positive Erlebnisse mit anderen Menschen werden unterschiedlich im Gehirn abgespeichert: Negative Erlebnisse bleiben haften, positive perlen ab. Werden die positiven Erlebnisse bewusst gemacht, verankern auch sie sich im Gehirn und prägen die Zukunft.

6 Gruppen von Voraussetzungen für Momente gelingender Beziehungen:

Gruppe 1: Offenheit
die anderen wahrnehmen, sich leer machen, neugierig sein, Vorbehalte reflektieren, dialogbereit sein

Gruppe 2: Zugewandtheit
sich anderen gegenüber positiv einstellen, empathisch reagieren, einladen ermutigen und inspirieren, positive Kritikfähigkeit bemühen, angstfreien Raum schaffen

Gruppe 3: Respekt
anerkennend und wertschätzend sein, Achtung zeigen und partnerschaftlich miteinander umgehen, auf Gleichwürdigkeit achten, auf Augenhöhe agieren, die Integrität einer Person nicht verletzen, authentisch sein

Gruppe 4: Mut
Vertrauen schenken, Vertrauensvorschuss geben, risikobereit sein

Gruppe 5: Humor
Humor zulassen, humorvoll sein

Gruppe 6: Zeit
sich Zeit nehmen, entschleunigen

Warum ist dieses Buch für Pädagoginnen und Pädagogen wichtig?
Weil die gelingende Beziehung Voraussetzung für Erziehung ist. Weil der Begriff der Gleichwertigkeit im pädagogischen Bereich leider noch nicht angekommen ist (siehe Buch oder die Gedankengänge von Jesper Juul an anderer Stelle).

Warum ist dieses Buch für Mediatorinnen und Mediatoren wichtig?
Weil der Aufbau von Beziehung für MediatorInnen zum Grundhandwerkszeug gehört.

Gelingende Beziehungen gehören natürlich auch für mich zu meiner Arbeitshaltung
und sind mir ein wichtiges Anliegen in Beratung, Coaching, Mediation und Training.
Dr. Christa D. Schäfer

Eine gute Beziehung sollte man auch zu sich selbst haben,
hier ein Artikel zum Thema Selbstachtung …

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0)

Mediation um den Landwehrkanal in Berlin – Erfolg ?!

Mittwoch, 18. März 2015 22:14

Im Sommer 2008 berichtete ich erstmals hier im Blog über die Mediation um die Bäume am Landwehrkanal in Berlin.

Sechs Jahre dauerte die Mediation. 20 Verbände, Ämter, Anwohner und Vertreter der Binnenschifffahrt tagten in rund 140 Mediationsitzungen, die durchschnittlich je fünf Stunden dauerten. Schließlich fanden die Beteiligten ein Lösungspaket für den Konflikt und unterzeichneten im Dezember 2013 eine Mediationsvereinbarung.

Anuschka Guttzeit, die Mitbegründerin der Initiative „Bäume am Landwehrkanal“, sieht das Mediationsverfahren kritisch. Auf freitag.de berichtete sie über einen Regelbruch im Mediationsverfahren und über diese Mediation als Steuergeldverschwendung einer Bundesbehörde. Lesen Sie selbst …

Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte, Umweltmediation | Kommentare (0)