Beiträge vom Juni, 2008

Konfliktbearbeitung an Berliner Schulen

Montag, 30. Juni 2008 9:37

Schulmediation ist ein Verfahren zur konstruktiven Konfliktregelung im Bereich der Schule. In Berlin gibt es in der Zwischenzeit weit über 230 Schulen, die die Schulmediation fest in ihrem Schulprogramm verankert haben. Und den Wunsch nach einer Etablierung derartiger Projekte gibt es in mindestens ebenso vielen weiteren Schulen Berlins.

Bei der Implementierung von Schulmediation wird zumeist das Modell der Peergroup-Education verwirklicht. Hierzu werden Schülerinnen und Schüler ausgebildet, die dann die Konflikte altersangemessen und eigenverantwortlich lösen helfen. Diese SchülermediatorInnen werden Konfliktlotsen oder auch Streitschlichter genannt. Auch wenn derartige Projekte zunächst viel Energie und Zeit benötigen, hat sich die Schulmediation als Methode der Gewaltprävention in Schule unter bestimmten äußeren Bedingungen als äußerst erfolgreich dargestellt.

In den letzten Jahren wurde eine Studie zum Thema Schulmediation durchgeführt. Die Ergebnisse sind jetzt in dem Buch „Mediation an Schulen. Eine bundesdeutsche Evaluation“ nachzulesen. Inhaltsverzeichnis, Einleitung und Zusammenfassung des Buches können auf der Seite des Instituts für Sozialpädagogische Forschung Mainz e.V. eingesehen werden. Ebenfalls können dort Empfehlungen, Handreichungen und Ideen für die Praxis von Mediationsprojekten an Schule kostenfrei heruntergeladen werden.

Neben der Mediation als Intervention im Konfliktfall ist die Konfliktprävention in Schulen ein weiteres immens wichtiges Feld der Gewaltprävention. In Berlin gibt es dazu ein groß angelegtes Programm, das in fast allen Grundschulen im Rahmen von Suchtprophylaxe und Gewaltprävention ausgetestet wurde und ab Sommer in den meisten Grundschulen weiter durchgeführt wird. Es handelt sich um das BUDDY-PROJEKT. Im Rahmen von Buddy-Praxisprojekten lernen die Schüler in den Bereichen Peer-Helping, Peer-Learning, Peer-Coaching, Peer-Counseling und Peer-Mediation altersgerechte Verantwortung zu übernehmen. Dabei werden Schüler zu Buddys (Kumpel/Freund) ausgebildet, die dann nach dem Motto „Aufeinander achten. Füreinander da sein. Miteinander lernen.“ im Schulalltag in den unterschiedlichsten Funktionen agieren.

Neben derartigen Prinzipien sollten gerade in den ersten Schuljahren Projekte zum „Umgang miteinander“ einen festen Platz im Stundenplan finden, später können sie duch einzelne Projekttage vertieft und ergänzt werden. Verschiedene Programmpakete und Bücher bieten den Lehrerinnen und Lehrern Unterstützung hierbei an. Einige Schulen buchen auch speziell ausgebildete TrainerInnen, die dann mit einzelnen Klassen arbeiten. Die GRIPS-GRUNDSCHULE in Berlin ist beispielsweise eine Schule, die das Konfliktlotsenmodell intern organisiert und immer wieder externe Trainer für soziale Projekte in die Schule holt. Mir macht es jedenfalls viel Spaß, im Konfliktfall in Klassen im Rahmen von Prävention oder Intervention mitwirken zu können.

Da Schulmediation eines meiner Lieblingsthemen im Bereich der Mediation ist, gibt es sicherlich demnächst hier mehr interessante und neue Einzelheiten dazu.

Christa Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konfliktprävention, Mediationsverfahren, Schulmediation, Soziales Lernen | Kommentare (1) | Autor:

Konflikteskalation auf Berliner Bühne

Montag, 23. Juni 2008 9:12

Zwei Ehepaare treffen sich, um einen Konflikt ihrer Söhne zu regeln. Der 11jährige Ferdinand hat dem gleichaltrigen Bruno bei einem Streit die beiden Vorderzähne ausgeschlagen.

Die Eltern besprechen diese Konfliktsituation. Das Gespräch beginnt ganz harmlos; die Eltern des „Schlägers“ sind reumütig, die Eltern des „Opfers“ verständnisvoll. Nach und nach ganz schleichend eskaliert das Gespräch und endet schließlich nach fast zwei Stunden agressiv, beleidigend und ausufernd.

Was wie eine reale Situation anmutet, ist in Wirklichkeit ein Theaterstück von Yasmina Reza. Dieses Theaterstück heißt Der Gott des Gemetzels und wird derzeit in Berlin im Berliner Ensemble aufgeführt.

Es ist als Mediatorin eine wahre Freude diesem Theaterstück zu folgen, die Feinheiten der Darsteller im Umgang miteinander zu genießen und der Eskalationsspirale zuzusehen. Die Fähigkeit zum Aktivem Zuhören nimmt bei den Protagonisten des Stückes stetig ab, die Häufigkeit von Du-Botschaften und gegenseitige Vorwürfe nimmt kontinuierlich zu. Interessant auch die sich herauskristallisierenden Sichtweisen und die späterhin sogar paarübergreifend wechselnden Koalitionsbildungen in der Austragung des Konfliktes.

Wie würde Mediation in diesem Fall funktionieren? Sie würde natürlich zunächst einmal bei den beiden Jungen anfangen und das Problem hier lösen. Falls dann noch Bedarf sein sollte, kann es natürlich auch ein Gespräch zwischen den Eltern geben.

Wer sich für Kommunikation und Konfliktlösungen in der Familie interessiert, der sollte sich mein Buch Kommunikation- und Konfliktmanagement für Eltern anschauen.

Und wer die Möglichkeit hat, das Theaterstück von Yasmina Reza zu sehen, der sollte dies unbedingt wahrnehmen!

Christa Schäfer

Thema: Familienmediation, Kommunikation, Schulmediation | Kommentare (1) | Autor:

Was hat Knut mit Mediation zu tun?

Montag, 16. Juni 2008 1:08

Knut ist der immer noch süße Berliner Eisbär, der viele Millionen Besucher in den Berliner Zoo gezogen hat und in der Zwischenzeit zum Klimaschutzsymboltier geworden ist. Wegen Knut gibt es nun einen Konflikt, der entweder zur Mediation oder zum Gericht führen wird.

Knut gehört eigentlich dem Tierpark in Neumünster, denn laut Vertrag ist das erste geborene und überlebende Jungtier von Knuts Vater, dem Eisbären Lars aus Neumünster, Eigentum des Neumünsterer Tierparks. Deshalb erhebt dieser auch Anspruch auf einen Teil des 6,8 Millionen Euro betragenden Bilanzgewinns des Berliner Zoos.

Der Berliner Zoo-Vorstand Bernhard Blaszkiewitz führte jedoch Anfang Juni in einer Hauptversammlung vor Zoo-Aktionären in Berlin aus, dass er keinen Handlungsbedarf sieht. Die Anwälte des Berlines Zoos hätten festgestellt, dass der Zoo Neumünster keinerlei Rechte auf Beteiligun an den durch Knut eingefahrenen Gewinnen habe.

Peter Drüwa, der Chef des Tierparks in Neumünster, hat schon vor einiger Zeit dem Berliner Zoo eine Mediation angeboten: „Wir haben immer noch keine Antwort auf unser Angebot, sich außergerichtlich mit einem Mediator zu einigen und behalten uns weitere Schritte vor.“ Er ist jetzt dabei, die Entscheidung zu treffen, ob der Tierpark Neumünster sogar gegen den Berliner Zoo vor Gericht ziehen.

Mehr über den Konflikt um Knut gibts bei Der Tagesspiegel.

Warten wir ab, ob die Knut-Geschichte vor Gericht geht, oder ob die Parteien doch noch eine außergerichtliche Konfliktlösung durch Mediation finden.

Christa Schäfer

Thema: Konflikte, Wirtschaftsmediation | Kommentare (4) | Autor:

Erstes deutschsprachiges Buch zur Gemeinwesenmediation

Montag, 9. Juni 2008 18:37

Die Fachgebiete Gemeinwesenmediation, Stadtteilmediation und Nachbarschaftsmediation sind in Deutschland immer noch relativ unbekannt.

Gemeinwesenmediation ist ein Bereich der Mediation, der sich auf ein räumlich begrenztes Gebiet bezieht. Zunächst wird in diesem Gebiet eine Gruppe von MediatorInnen ausgebildet, die dann zumeist ehrenamtlich die Streitfälle des Gemeinwesens mediieren. Seltener findet sich eine Gruppe bereits ausgebildeter MediatorInnen zusammen, die ein Projekt zur Gemeinwesenmediation aufbauen will. Es wird eine Struktur geschaffen, in der das Mediationsverfahren im Gemeinwesen greifen kann. Die Konflikte sind vielschichtig und betreffen all jene Konflikte mit personalem, institutionellem und thematischem Kontext.

Der Begriff der Stadtteilmediation betont im Vergleich zur Gemeinwesenmediation die Konzentration eines derartigen Projektes auf einen Stadtteil. Die Projekte sind analog denen der Gemeinwesenmediation aufgebaut und es werden dieselben Themengebiete bearbeitet. Die Bandbreite der Themen reicht von Familienkonflikten über Nachbarschaftskonflikte bis hin zu Konflikten im öffentlichen Raum.

Nachbarschaftsmediation meint einen Teilbereich der Gemeinwesenmediation. Dieser Mediationsbereich beschränkt sich auf Konflikte im privaten Bereich zwischen Nachbarn und Nachbarschaften.

Das erste deutschsprachige Buch zur Gemeinwesenmediation ist Oktober 2008 erschienen. Ausgehend von den beiden Berliner Projekten zur Gemeinwesenmediation, dem MediationsZentrum Berlin e.V. und der Konfliktagentur im Sprengelhaus haben Dr. Christa D. Schäfer und Monika Götz vielfältige Aspekte zum Thema Gemeinwesenmediation zusammengetragen. Gastbeiträge runden das vielfältige Repertoire an Fachthemen ab.

Wer wissen will, was es für alternative Formen der Streitbeilegung in Deutschland gibt, wie man ein Gemeinwesenmediationsprojekt aufbaut und was seine Qualität ausmacht, der findet in diesem Buch vielfältige Hinweise und Anregungen.

Einen Artikel von mir zur Projektentwicklung in der Gemeinwesenmediation finden Sie übrigens in der Fachzeitschrift des Bundesverbandes Mediation e.V. – Spektrum der Mediation Nr. 19 von Sommer 2005 auf den Seiten 22-25.

Weitere Informationen dazu unter eigene Publikationen und neue Entwicklungen zum Thema immer mal wieder in diesem Blog.

Christa Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor: