Beiträge vom Oktober, 2008

Ombudsstelle für den Streit mit dem Anwalt geplant

Mittwoch, 29. Oktober 2008 15:03

Jedermann kann sich in einem Verfahren vor Gericht durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen. Aber was kann man tun, wenn man mit seinem Anwalt Streit hat, sich von ihm schlecht vertreten fühlt oder er gar zu einem Gerichtstermin gar nicht erscheint?

Bisher gibt es die Möglichkeit sich bei der Rechtsanwaltskammer über diesen Anwalt zu beschweren; das haben im vergangenen Jahr 1250 Berliner getan.

Demnächst kommt eine weitere Möglichkeit dazu: Das Bundesjustizministerium will eine Ombudsstelle für Streitigkeiten zwischen Mandanten und Anwälten einrichten. Ein entsprechender Gesetzesentwurf ist vom Bundeskabinett kürzlich verabschiedet worden, im nächsten Frühjahr soll das neue Gesetz in Kraft treten. Die bundesweite Schlichtungsstelle soll von Mandanten kostenlos in Anspruch genommen werden können, angesiedelt wird sie bei der Bundesrechtsanwaltskammer in Berlin. In der Anwaltschaft findet das Vorhaben Anklang. Im Berliner Tagesspiegel weitere Ausführungen zum Thema.

Eine Ombudsstelle erfüllt die Aufgabe eines unparteiischen Schiedsmannes. Sie geht dabei in folgenden Schritten vor: objektive Betrachtung des Streitfalls / Abwägen der von beiden Seiten vorgebrachten Argumente / Vergleich von Schaden, Aufwand und Kostenfaktoren / Erreichen einer zufriedenstellenden Lösung / oder Aussprechen einer empfohlenen Lösung. Ähnlich den Ombudsstellen in Banken und Versicherungen wird auch in der Anwaltschaft dann ein Schlichtungsverfahren nur eröffnet, wenn sich beide Streitparteien (also Anwalt und Mandant) dafür aussprechen. Ebenfalls ist es hier beiden Parteien überlassen, ob sie dem Spruch des Ombudsmannes bzw. der Ombudsfrau Folge leisten.

Dieses Jahr eine Beschwerdestelle innerhalb der Berliner Schulbehörde, nächstes Jahr eine Ombudsstelle in der Anwaltschaft. Beides ein guter Schritt in Richtung ADR = Alternative Dispute Resolution / in Richtung einer zu staatlichen Gerichtsverfahren alternativen Streitbeilegungsmethoden.

Christa Schäfer

Thema: Konflikte, Konfliktmanagement | Kommentare (0) | Autor:

Knut vor Gericht

Dienstag, 28. Oktober 2008 10:49

Unser Berliner Eisbär Knut hat jetzt ein Aktenzeichen und einen Gerichtstermin. Im Streit um das durch Knut eingenommene Geld ist die vorgeschlagene Mediation leider nicht zustande gekommen. Stattdessen wird es am 19. Mai nächsten Jahres einen Gerichtstermin geben. Der Zoo Neumünster erwartet zunächst erst einmal Auskünfte über die Gewinne, die der Berliner Zoo durch Knut erwirtschaftet hat. Dann wird wahrscheinlich über eine Gewinnbeteiligung vor dem Landgericht Berlin gestritten.

Wer mehr darüber lesen will, kann gerne die beiden vorherigen Notizen zum Thema in diesem Blog ansehen.

Christa Schäfer

Thema: Konflikte, Konfliktlösung, Wirtschaftsmediation | Kommentare (0) | Autor:

Unkonventionelle Methoden der Konfliktprävention und -intervention

Montag, 27. Oktober 2008 8:54

oder: Der Mitternachtssport und die Buurtväter

In Berlin Spandau gibt es seit ca. einem Jahr eine unkonventionelle Methode der Konfliktprävention: den „Mitternachtssport“. Das von dem Sozialarbeiter Ismail Öner initiierte und betreute Projekt hat dafür gesorgt, dass eine Turnhalle in Spandau-Wilhelmstadt Freitag nachts bis 3 Uhr für Jugendliche geöffnet hat. Jetzt tummeln sich die 14- bis 20jährigen nicht mehr am Wochenende auf der Straße, sondern treiben Sport. Neben der sportlichen Betätigung lernen sie Fair Play, Teamwork und verbindliche Regeln. Viele jugendliche Migranten haben früher auf der Straße „abgehangen“ und aus lauter Langeweile „Scheiße“ gemacht. Jetzt gibt ihnen der Sport Beschäftigung und Lebensfreude. Seitdem sind nach den Angaben des zuständigen Polizeiabschnittes die Straftaten in der Gegend spürbar zurückgegangen. Also lautet die Devise: Konfliktprävention und weniger Gewalt durch mehr Sport.

Die Idee zum Mitternachtssport kommt aus New York und den Pariser Banlieues. In Großstädten wie Hannover, Frankfurt am Main und Köln gibt es Mitternachtssport schon seit Jahren. In Berlin hat das Projekt in Spandau große Erfolge gezeigt und demnächst werden dort weitere drei Turnhallen für den Mitternachtssport geöffnet. Dennoch ist an eine flächendeckende Anwendung dieses Konzeptes zur Konfliktprävention in Berlin vorerst nicht gedacht.

In Amsterdam-West/Niederlande gibt es seit seit einigen Jahren eine unkonventionelle Methode der Konfliktintervention: die marokkanischen Buurtvaders. Dieses von marokkanischen Vätern initiierte Projekt hat zum Ziel, die Sicherheit im Stadtviertel zu erhöhen, indem sie junge Männer von der Straße holen und sie in ihren Zukunftsperspektiven unterstützen. Die Zielgruppe des Projektes sind ebenfalls jugendliche Migranten. Die marokkanischen Väter (Buurtvaders) machen abendliche Rundgänge durch die Straßen und sprechen hierbei Jugendliche und Jugendgruppen u.a. auf ihr andere Menschen beeinträchtigendes Verhalten an. Der Einstieg ins Gespräch folgt auf indirekte Weise durch ein Gespräch über das Wetter, über Fußball oder die Schule. Erst danach wird mit einer wertschätzenden Haltung Kritik geäußert. Die Jugendlichen werden eingeladen zu Fragen bezüglich der Reflexion ihres Verhaltens, ihrer Verantwortung gegenüber ihrer direkten Umgebung sowie sich selbst. So übermitteln die Väter Werte und Normen auf eine respektvolle Weise, ohne die Jugendlich moralisch zu verurteilen oder einen Machtunterschied auszuspielen.

Partizipation und das Mitgestalten-Können der eigenen Umgebung und der eigenen Möglichkeiten sieht das Projekt als ein gutes Mittel, eine weitere Radikalisierung der Migrantenjugend zu verhindern. Auch hier in diesem Projekt sind die Gewalttaten im Stadtteil deutlich zurückgegangen. Die Väter haben ihre eigenen Interessen selber in die Hand genommen und sorgen sowohl für Intervention als auch Prävention im Konfliktfall. In einem neu erschienenen Büchlein der Stiftung Mitarbeit sowie auf folgender Internetseite gibt es mehr Informationen zum Thema.

Nicht auf Stadtteilebene, sondern auf Schulebene Gewalt und Sucht durch Tätigkeit und Lebenssinn vorbeugen, das will das Buddy-Projekt. Mehr zu diesem Projekt zur Förderung sozialer Handlungskompetenz für Schüler in Schulen auch in diesem Blog.

Christa Schäfer

Thema: Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

Beschwerde-Manager für die Berliner Schulbehörde

Montag, 20. Oktober 2008 9:09

Der Schulsenator Jürgen Zöllner hat in Berlin nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit in seinem Haus drei “Problemlöser“ installiert, die täglich Dutzende von Beschwerden bearbeiten. Diese Beschwerdemanager kümmern sich, machen Verantwortliche ausfindig und zeigen Auswege auf. „Es geht nicht um Schuld, sondern um Problemlösung“, so Zöllner.

Der Berliner Landeselternsprecher fordert seit einiger Zeit für den Schulbereich eine Ombuds- oder Schlichtungsstelle. Er gibt an, dass Familien oftmals an der Schulbürokratie scheitern, wenn sie Missstände und Gewaltvorkommnisse thematisieren wollen. Es gebe sogar Fälle, in denen Lehrer mit Verleumdungsklagen drohten, falls Eltern sich an die Schulbehörde wenden wollten. Ein Ombudsrat könnte hier Hilfe bieten, falls ihnen Schulräte oder Rektoren Hilfestellungen verweigern.

Ob das vom Bildungssenator eingerichtete Beschwerdemanagement eine solche Ombudsstelle ersetzen kann, bleibt abzuwarten.

In Hamburg gibt es seit März 1999 in der Behörde für Bildung und Sport eine Ombudsfrau für SchülerInnenvertretungen. Sie ist Beschwerdeinstanz und Ansprechpartnerin für die Schülervertretungen der Klassen, den Schülerrat, die Schulkonferenz und für überschulische Gremie in allen Angelegenheiten, die ihre schulgesetzlich verankerten Mitbestimmungsrechte betreffen. Innerhalb eines Jahres wenden sich etwa 80 SchülervertreterInnen, 130 SchülerInnen sowie 40 Eltern an die Ombudsfrau.

Wer mehr zum Thema Ombudsfrau, -mann, -rat oder -stelle wissen möchte, kann sich darüber ausführlich in dem neu erschienenen Buch “Mediation im Gemeinwesen“ informieren.

Christa Schäfer

Thema: Konfliktlösung, Schulmediation | Kommentare (0) | Autor:

Friedensnobelpreis für Martti Ahtisaari

Montag, 13. Oktober 2008 7:17

Der 71jährige finnische Ex-Präsident und Friedensvermittler Martti Ahtisaari erhielt am 10. Oktober den Friedensnobelpreis 2008. Ahtisaari setzt sich seit Jahrzehnten unermüdlich und erfolgreich für die Lösung von Konflikten ein. Dadurch habe er zu einer friedlicheren Welt und zu „Brüderlichkeit zwischen den Nationen“ im Geiste des Preisstifters Alfred Nobel beigetragen, so das Nobelpreiskomitee.

Ahtisaari ist seit den 60iger Jahren als Friedensstifter in Krisengebieten auf der ganzen Welt gewesen. Er war lange Zeit Namibia-Beauftragter der UNO und vermittelte u.a. 2005 in einem Friedensabkommen in Aceh/Indonesien. 2007 schuf er für den Kosovo einen Plan, der zur Unabhängigkeit der serbischen Provinz führte. Die Süddeutsche Zeitung schreibt in ihrer Ausgabe vom 11./12.10.08 über ihn: „Feines Gespür für den richtigen Ton. Martti Ahtisaari ist kein Mann für die große Bühne, aber bei schwierigen Verhandlungen im Hinterzimmer gelingt ihm fast alles.“

Die Geduld ist eine der großen Stärken von Martti Ahtissaari. Jede Mediatorin und jeder Mediator wird bestätigen können, dass die Geduld neben der Neugier eine der Grundvoraussetzungen für eine gelungene Mediationssitzung ausmacht.

Auf die Frage hin, was einen guten Vermittler ausmacht, antwortet Ahtisaari: “Zuerst einmal braucht man das Vertrauen der Beteiligten. Das erfordert ein gewisses Ansehen. (…) Die Konfliktparteien müssen einsehen, dass sie sich an das halten müssen, was wir vereinbart haben. In den Aceh-Verhandlungen sagte einer der Beteiligten: Mit Ahtisaari wissen wir wenigstens, woran wir sind. Das sehe ich als Kompliment. Ich habe bei anderen Friedensprozessen erlebt, dass die Leute nett sein wollen. Das will ich nicht. Ich will das Problem lösen. Man muss sehr pragmatisch sein …” (Quelle: Der Tagesspiegel)

Christa Schäfer

Thema: Konflikte, Konfliktmanagement | Kommentare (0) | Autor:

Buchvorstellung “Mediation im Gemeinwesen”

Mittwoch, 8. Oktober 2008 11:50

Nachbarschaftsmediation o Stadtteilmediation o Gemeinwesenmediation

Wer sich für diese Mediationsbereiche interessiert, der ist herzlich eingeladen zur Buchvorstellung des Werkes “Mediation im Gemeinwesen“. Diese findet am Dienstag, dem 14.10.08 ab 19:00 Uhr in den Räumen des MediationsZentrums Berlin in der Dennewitzstr. 34; 10783 Berlin statt. Sie werden mit einem Tee empfangen, die Autorinnen des Sammelbandes kennenlernen und über das Thema diskutieren können.

Die beiden Hauptautorinnen des Buches, Monika Götz und Christa D. Schäfer, wünschen mit dem Buch allen bestehenden Projekten zur Gemeinwesenmediation viel Erfolg beim Wachsen, bei der Arbeit und in kritischen Phasen des Projektes. Und weiterhin hoffen sie, dass es stets genügend MediatorInnen gibt, die in diesem Feld arbeiten wollen, dass es künftig in jedem Projekt hauptamtliche Mit­arbeiterInnen geben wird, dass es Begeisterte gibt, die neue Projekte gründen, und dass es natürlich auch Fördergeldgeber gibt, die die Wichtig­keit derartiger Projekte anerkennen.

Christa Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Nachbarschaftsmediation, Stadtteilmediation, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Mediationskongress des Bundesverbandes Mediation

Montag, 6. Oktober 2008 6:26

Möchten Sie wissen, worüber die Mediatorinnen und Mediatoren Deutschlands nachdenken und diskutieren? Dann schauen Sie doch in das Programm des Bundeskongresses Mediation. Der Kongress findet vom 9. bis 11.10.08 in München statt und wird vom Bundesverband Mediation e.V. unter dem Motto „Dialog in die Zukunft“ veranstaltet.

Mediation muss aktiv weiterentwickelt werden, denn sie steht vor der Aufgabe, den gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Herausforderungen einer globalisierten Welt zu begegnen. Daran will der Kongress mitwirken und Themen, die für die Weiterentwicklung einer zukunftsfähigen Gesellschaft relevant sind, bilden einen besonderen Schwerpunkt in der Gestaltung der Veranstaltung.

Frau Dr. Monika Hauser, Trägerin des Alternativen Nobelpreises 2008, Gründerin von medica mondiale e.V. und Schirmfrau des Kongresses, schreibt in ihrem Grußwort, dass der Leitgedanke „Dialog in die Zukunft“ dafür steht, Visionen zu haben und sich gemeinsam auseinanderzusetzen. Das setze jedoch voraus, den Blick auf das zu richten, was ist, und damit alle Unterschiedlich- und Andersartigkeiten überhaupt wahrzunehmen.

Mein workshop-Angebot auf dem Kongress lautet: “Gelungene Kommunikation in interkulturellen Familien”. Ich freue mich schon darauf.
Christa Schäfer

Thema: Konfliktmanagement, Mediationsverfahren, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Buddy als Präventionsprojekt in Berliner Grundschulen

Donnerstag, 2. Oktober 2008 9:10

Buddy ist ein Projekt bzw. ein Programm, das Gewalt und Sucht (und Konflikten) vorbeugt. Beim Tauchen gibt es das so genannte Buddy-System, in dem die einzelnen Mitglieder aufeinander achten, sich gegenseitig unterstützen und helfen. Dieser Grundgedanke steckt auch hinter dem Buddy-Projekt.

Es ist ein Programm zur Förderung sozialer Handlungskompetenz von und mit Kindern und Jugendlichen auf der Basis des systemischen Ansatzes, der Peergroup-Education und der Lebensweltorientierung. Ziel ist es, dass die SchülerInnen als Buddys Verantwortung für sich und andere übernehmen.

In Berlin haben durch die finanzielle Unterstützung der Vodafone Stiftung in den vergangenen Jahren aus fast jeder Grundschule zwei LehrerInnen, SozialpädagogInnen oder ErzieherInnen/HortnerInnen an einem fünftägigen Buddy-Training teilnehmen können. Zeitgleich oder anschließend haben sie Buddy-Projekte in ihren Schulen aufgebaut.

Jetzt ist eine Berliner Schule, nämlich die Uhlenhorst-Grundschule aus dem Bezirk Treptow-Köpenick vom Buddy e.V. zum Projekt des Monats September gekürt worden. In dieser Grundschule gibt es die Energie-Buddys, die auf Energieeinsparung in ihrer Grundschule achten. Herzlichen Glückwunsch an die Buddys der Uhlenhorst-Grundschule aus Treptow-Köpenick!

Vielleicht stellen Sie jetzt die Frage: Was daran bitte schön ist Prävention? Na ganz einfach: Die Erfahrung, mit den eigenen Kompetenzen und dem eigenen Engagement etwas bewirken zu können („Selbstwirksamkeit“) ist einer der wesentlichen Gründe dafür, dass das Buddy-Projekt in Berlin als Maßnahme der Sucht- und Gewaltprävention eingesetzt wird. Elvira Surrmann hat als Referentin für Suchtprophylaxe im Berliner Schulsenat die Federführung für das Buddy-Programm inne. „Wertschätzung und Selbstwirksamkeitserfahrung sind Bedingungen, die zur Entwicklung einer stabilen Persönlichkeit notwendig sind. Nur Kinder, die diese Erfahrungen machen, können einen Lebensstil entwickeln, der frei ist von Sucht und Gewalt.“ Wichtig sei nicht nur das Erlebnis, selber helfen zu können, sondern ebenso bedeutsam sei die Erfahrung, sich auf die Hilfe der Mitschüler verlassen zu können.

Wer mehr dazu wissen möchte, findet auf der Webseite des Buddy e.V. weitere Informationen zum Thema. Und wer Berliner Buddys gerne im Film sehen möchte, auch der kann dies ebenfalls über diese Webseite tun.

Ich habe als Buddy-Landeskoordinatorin in den vergangenen Jahren viele Trainings durchgeführt und unzählige Schulen im Buddy-Projekt betreut. Deshalb hoffe ich, dass die Buddy-Projekte in den Berliner Schulen wachsen, dass neue Projekte entstehen und immer mehr Schulen zu Buddy-Schulen werden. Natürlich freue ich mich über Rückmeldung!

Christa Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konfliktprävention, Schulmediation, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor: