Beiträge vom November, 2008

Hausaufgaben als Familienproblem?

Montag, 24. November 2008 7:50

Hausaufgaben der Kinder sind ein dickes Konfliktthema in vielen Familien. Da werden schnell aus Problemen Konflikte. Und da geht es darum, präventiv Konflikten vorzubeugen und einen Weg zu finden, wie das Problem sinnvoll bearbeitet werden kann.

In vielen meiner Familienberatungen habe ich Erfahrung zu diesem Thema sammeln können. Jetzt habe ich ein prima Buch gefunden, das solchen Familien weiterhelfen kann. Es ist ein Buch, das das Problem mit allen Beteiligten – also Eltern und Kindern – angeht, denn: „Jede und jeder lernt sich beim Lernen selber kennen!“ Die Autorinnen S. Miethner und M. Schmidt sowie B. Schmitz sehen das Lernen als eine Straße, auf der jeder Mensch ein Leben lang unterwegs ist, um immer Neues zu entdecken – und sei es auch etwas Altes, das plötzlich in einem anderen Licht erscheint.

Das Buch basiert auf der Theorie der Selbstregulation mit den drei Aspekten: Ziele stecken, Weg zum Erreichen des Ziels durchplanen und rückblickend untersuchen, ob und wie die Stufen des Plans erreicht wurden.

Wichtig ist den Autoren das Aktive Zuhören als Teil des Problemlöseprozesses: „Beim aktiven Zuhören geht es darum, sich in den Gesprächspartner einzufühlen, beim Gespräch mitzudenken und den Ausführungen des Gesprächspartners mit Aufmerksamkeit und Interesse zu folgen. Der Zuhörer versucht zu verstehen, was der Gesprächspartner empfindet, er formuliert es in seinen eigenen Worten und meldet dies dem Gesprächspartner ohne eigene Urteile, Ratschläge oder Ermahnungen zurück.“

Dies erinnert an die Ausführungen des aktiven Zuhörens in der Büchern von Thomas Gordon und Carl Rogers. Durch diese Methode können Eltern ihr Kind unterstützen, ohne Lösungen vorzugeben: Ihre Kinder kennen bereits die Lösung für Ihre Probleme – helfen Sie ihnen, diese zu formulieren! Also lautet der Weg: sich in Ruhe zusammensetzen, keine Vorwürfe und Ratschläge lossenden, das Gesagte kurz zusammenfassen, Gefühle benennen, eventuell nachfragen und sich anschließend vergewissern, ob Sie alles richtig verstanden haben.

Viele weitere gute Inhalte machen dieses Buch zu einem Begleiter in einer durch Hausaufgaben belasteten Familie: Sei es das Thema der Eltern als Vorbilder und Coach im Prozess des Problemlösens, seien es die detaillierten Tipps zum Rahmensetzen beim Lernen und bei Hausaufgaben, das Thema Loben oder die Betonung der Wichtigkeit von Ich-Botschaften. Und: Mit guter Stimmung und Optimismus bekommt man auch das Hausaufgabenproblem in der Familie in den Griff.

Falls nicht: Lassen Sie uns das Problem gemeinsam angehen. Vereinbaren Sie einen Beratungstermin.

Christa Schäfer

Thema: Kommunikation, Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Masterarbeit über „Interkulturelle Mediation in der Gemeinwesenmediation“

Montag, 17. November 2008 6:08

Oft hört man im Alltag den Begriff des „Interkulturellen Konflikts“. MediatorInnen berichten gerne von „Interkultureller Mediation“. In der Zwischenzeit gibt es viele Abhandlungen über diese beiden Themenfelder. Folgende Begriffsdefinitionen finde ich besonders schlüssig:

Christine Mattl hat in ihrem Buch „InterKULTURelle interpersonale Konflikte“ in Anlehnung an Friedrich Glasl definiert: „Interkulturelle interpersonale Konflikte sind Konflikte im Sinne einer Interaktion zwischen Personen, die verschiedene kulturelle Systeme repräsentieren, wobei wenigstens eine Person Unvereinbarkeiten im Denken / Vorstellen / Wahrnehmen / Fühlen / Wollen mit der anderen Person in der Art erlebt, dass im Realisieren eine Beeinträchtigung erfolgt und Kultur eine Rolle spielt.“ Kultur wird hier als ein System begriffen, das über geographische Einheiten hinausgeht.

Die Definition des Begriffes Interkulturelle Mediation ist nicht so einfach. Während für einige Theoretiker die Kultur keine große Rolle spielt und die Universalität des Problemlöseprozesses im Vordergrund steht, sehen andere kulturelle Differenzen als Hauptursache für das Scheitern von friedlichen Konfliktbearbeitungsprozessen. Ich schließe mich in meiner Auffassung Petra Haumersen und Frank Liebe an, die in ihrem Buch „Multikulti: Konflikte konstruktiv“ beschreiben, dass die Interkulturelle Mediation selbst einer Suchhaltung, einer Aufforderung zu einem Experiment entspricht. Man sollte darum versuchen, mit dem vermuteten Einfluss der kulturellen Unterschiede differenziert konstruktiv umzugehen.

Milena Manns hat auf dieser Basis ihre Masterarbeit im Fach Mediation zum Thema „Interkulturelle Mediation in Theorie und Praxis (Gemeinwesen) an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) geschrieben. Letzte Woche hat sie im MediationsZentrum Berlin einen Vortrag über ihre Forschungen gehalten. Am Ende der Arbeit stellt sie 10 Thesen auf, von denen ich einige Wesentliche hier zitieren möchte:

„Die Stadtteilmediatoren haben es im Gemeinwesen mit mikro- und makrosozialen Konflikten zu tun. Die Akteure stehen in verschiedenen Beziehungen zueinander und bewerten die Konflikte meist negativ. Es gibt Differenzen bei Interessen, im Verhalten und in seelischen Tätigkeiten. Alle 5 Qualitäten (nach Moore) finden Nennung.“ Bearbeitet werden sowohl Sachverhalts-Konflikte, als auch Interessen-Konflikte, Beziehungs-Konflikte, Werte-Konflikte und Struktur-Konflikte. „Die Konflikte äußern sich latent, manifest, gewaltlos und extrem und weisen unterschiedliche (meist hohe) Eskalationsstufen auf.“

„Die Mediatoren räumen der Kultur unterschiedlich starke Stellenwerte hinsichtlich der Anpassung des Verfahrens, der Techniken und der Anforderungen an den Mediator ein.“

„Die wichtigsten Erfolgskriterien einer interkulturellen Mediation sehen die Mediatoren in der Spiegelung der Parteien durch die Co-Mediatoren (auf kultureller und sprachlicher Ebene) und in der Erfassung des Individuums in seiner kulturellen Vielfalt und seinen individuellen Bedürfnissen.“

Die hier vorgestellt Arbeit ergänzt in idealer Art und Weise das neu erschienene Buch zur Gemeinwesenmediation. Besten Dank an Milena Manns, dass ich hier über ihre Arbeit berichten durfte. Wer sich für die weiteren Thesen interessiert oder die gesamte Arbeit lesen möchte, kann gerne mit mir Kontakt aufnehmen, ich vermittle dann weiter. Die Theoriebildung zur Gemeinwesenmediation hat mit dieser Arbeit einen großen Fortschritt erringen können.

Christa Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen, Stadtteilmediation | Kommentare (0) | Autor:

Das Falsche-Opfer-Syndrom in der Mediation

Montag, 10. November 2008 10:00

Vor einigen Jahren hatte ich einen jungen Mann in der Mediation, der sich fürchterlich über seine Nachbarn beschwerte und eine Nachbarschaftsmediation anstrebte. Mit dem Nachbarn über ihm hatte er sich total verkracht, weil der den ganzen Tag so oft die Toilettenspülung bediente. Mit der Nachbarin zwei Etagen über ihm war er böse, weil die immer Brotscheiben und Brötchen auf sein Fensterbrett werfe. Mit seinem Vermieter (er wohnte als Mieter in einer Eigentumswohnung eines älteren Herren) hatte er sich sowieso verkracht, weil der die Wohnung nicht gut renoviert hatte.

Aus dieser Mediationsanfrage ist damals ein intensives Konfliktcoaching geworden, aus der der junge Herr unzufrieden gegangen ist, weil ich seiner Meinung nach „nicht genug für ihn gekämpft“ hätte – und ich ebenfalls, weil der Verlauf des Konfliktcoachings unbefriedigend verlief.

Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass der junge Herr bereits das zweite Mal durch sein Staatsexamen in Jura gefallen war und zudem schon, bevor er in die Wohnung einzog, Bedenken hatte, denn diese hatte ein schlechte Energie, weil Jahre zuvor in eben diesem Haus ein anderer junger Mann Suizid begangen hatte.

Jetzt bekam ich das von Julia Bettermann geschriebene Buch „Falsche Stalking-Opfer? Das Falsche-Opfer-Syndrom in Fällen von Stalking“ vom Verlag für Polizeiwissenschaft in die Hände. Da wurde mir vieles deutlich.

Vorgebliche Opfer sind nach Bettermann seit Jahrhunderten bekannt. Es sind Menschen, die sich als Opfer einer sozialen Lage, eines Phänomens oder gar eines Deliktes vorgeben. Das Wort „vorgeblich“ ist glücklicherweise genauso neutral wie subjektiv und lässt Zweifel für Außenstehende mitschwingen. Eine Entführung durch Außerirdische kann genauso gut vorgeblich sein wie der Umstand, Opfer von Hasskriminalität zu sein. In letzter Zeit hat man beispielsweise von einem Fall in der Zeitung gelesen, in dem sich eine Jugendliche selbst ein Hakenkreuz in die Haut geritzt hat und dann vorgegeben hat, von Neonazis geschädigt worden zu sein.

Das oben genannte Buch beschäftigt sich mit vorgeblichen Stalking-Opfer, also Personen, die sich selber als Opfer von Stalking identifizieren oder ausgeben. Untersuchungen haben ergeben, dass vorgebliche Stalking-Opfer oft Menschen sind, die entweder wahnhafte Züge entwickelt haben oder die unter anderen schwerwiegenden Problemen leiden. Häufig titulieren diese Menschen ihre Nachbarn als die Stalkenden. Vorgebliche Opfer bedürfen natürlich dringend der Hilfe, im Kontext einer Opferberatungsstelle sind sie jedoch falsch aufgehoben.

Wer sich für Stalking bzw. Falsche Stalking-Opfer interessiert, dem sei das oben genannte Buch empfohlen. Wer sich für das Thema “Stalking – ein Thema für die Mediation?“ interessiert, der findet in einem meiner früheren Artikel dazu Ausführungen.

Die gesamte Problematik resümierend möchte ich an dieser Stelle vorsichtig den Begriff des Falschen Opfers mit dem jungen Herren in Verbindung bringen, der damals zwecks einer Mediation zu mir in die Sprechstunde kam. Meine These ist, und das haben mir auch andere GemeinwesenmediatorInnen bestätigt, dass ein gewisser Prozentsatz an Personen mit wahnhaften Zügen in die Nachbarschaftsmediation kommt, die eigene Probleme auf ihre Nachbarn übertragen / projizieren und in der Mediation eine Lösung suchen. Da die Mediation wissenschaftlich gesehen jedoch noch eine relativ junge Methode ist, ist dieses Phänomen bisher leider noch nicht untersucht worden. Vielleicht findet sich ja demnächst jemand, der sich dieses Themas annimmt …..

Christa Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen, Nachbarschaftsmediation | Kommentare (0) | Autor:

Was hat Supervision mit Mediation zu tun?

Montag, 3. November 2008 10:34

Supervision meint die Unterstützung von helfend Tätigen in ihren Aufgaben. Dies bedeutet die Bearbeitung von Anliegen in der Fallarbeit (Gruppen- oder Einzelfallsupervision), eine Verbesserung der Zusammenarbeit (Team- oder Leitungsebene) und eine Entlastung und Unterstützung der Supervisanden.

Mediation meint die Vermittlung in Konflikten. Hinter dem Begriff der Mediation steht ein Verfahren, bei dem zwei oder mehr in einen Konflikt verwickelte Personen zusammenkommen, um eine Lösung des Problems mit Hilfe einer unparteiischen dritten Person zu erarbeiten.

Supervision spielt heute in der Mediation in Form der Ausbildungssupervision eine wachsende Rolle. Laut den Richtlinien des BM (Bundesverband Mediation e.V.) müssen MediatorInnen, die eine Anerkennung anstreben, Ausbildungssupervision / Fallsupervision nachweisen. Und diejenigen MediatorInnen, die sich als AusbilderInnen Mediation vom BM anerkennen lassen wollen, müssen sogar eine kurze Supervisionsausbildung nachweisen können, um Ausbildungs- und Fallsupervision durchführen zu können.

Gerade ist ein fantastisches Buch zum Thema „Methodenintegrative Supervision“ erschienen. In dem von Albrecht Boeckh verfassten Buch finden Interessierte vielfältige und kompakte Informationen. Diese reichen vom beschriebenen Rahmen einer Supervision über den Ablauf in einem Zwölf-Punkte-Programm bis zu speziellen Methoden aus psychotherapeutischen Verfahren und deren Integration in die Supervision.

Die Gründe für eine Supervision werden dort gut beschrieben: „Jeder, der professionell mit Menschen arbeitet, wird von deren Thematik berührt und kann sich auf Dauer den Problemen, Konflikten, deren Anspannung und Leid nicht entziehen. Das gilt vor allem dann, wenn es sich um Menschen in kritischen Lebenssituationen handelt. Die meisten professionellen Helfer haben deshalb Strategien entwickelt, die ihnen helfen, diese Probleme zu verarbeiten und innere Distanz dazu zu gewinnen.“

Menschen in helfenden Tätigkeiten sind häufig durch ihr Tun belastet. Es gibt Situationen, in denen sie Abwehrmechanismen entwickeln, die sie gegenüber dem Leid der Klienten abstumpfen lässt. Es gibt auch Situationen, in denen sie sich das Leiden und die Konflikte ihrer Klienten zu sehr zu Herzen nehmen. Und es kann natürlich auch der Fall auftreten, dass sie in einem bestimmten Fall nicht mehr weiter wissen oder sich vergewissern wollen. Bei allen diesen Anlässen, ist Supervision genau der richtige Ansatzpunkt zur Wiederherstellung einer gesunden Arbeitsatmosphäre.

MediatorInnen, die sich über die Methode der Supervision informieren möchten, sei dieses Buch wärmstens empfohlen. MediatorInnen, die Ausbildungs- oder Fallsupervision suchen, können gerne nach Terminen für Supervision in Berlin bei mir nachfragen.

Christa Schäfer

Thema: Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0) | Autor: