Beiträge vom Dezember, 2008

Praxishilfe “Klassenrat”

Montag, 29. Dezember 2008 10:10

In Schulklassen können Probleme und Konflikte durch die Methode des Klassenrats in kreativer und konstruktiver Weise im Win-Win-Rahmen bearbeitet werden. Ebenfalls ist der Klassenrat eine Methode, die Konflikten und Gewalt vorbeugt und die Suchtprophylaxe mit einbezieht.

Viele Grundschullehrer müssen nach den Pausen erst einmal Konflikte zwischen Schülern klären, dadurch geht wertvolle Unterrichtszeit verloren. Wenn es einen Rahmen gibt, Konflikte untereinander zu besprechen und sich angemessen über Meinungsverschiedenheiten zu verständigen, nehmen Streitigkeiten ab. Dadurch verbessert sich die Atmosphäre in einer Klasse und es bleibt mehr Energie zum Lernen.

In Mittelstufenklassen geht es meist ausschließlich um die Vermittlung fachlicher Kompetenzen und es gibt meist gar keinen Rahmen mehr zur Klärung sozialer Konflikte im Klassenrahmen. Dadurch kann es leicht zur Verfestigung von Konflikte und zur Polarisierung der Klasse in verschiedene Gruppen kommen. Das soziale Miteinander wird von den SchülerInnen und Schülern als belastend erlebt und lenkt in Hochphasen nicht selten vom fachlichen Lernen ab.

Die Methode des Klassenrats bietet einen Rahmen, in dem Probleme gelöst, Konflikte besprochen, organisatorische Belange geklärt, Buddy-Praxisprojekte aufgebaut werden können und Demokratie erfahren werden kann. Jetzt gibt es eine Praxishilfe zum Klassenrat gratis zum Herunterladen auf der Webseite des Buddy e.V. Mit Hilfe dieser Praxishilfe können Pädagoginnen und Pädagogen diese Methode leicht in ihren Klassen einführen – damit ab 2009 die Konflikte in den Schulen konstruktiver und kreativer sowie im win-win-Verfahren gelöst werden können.

Christa Schäfer

Thema: Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren, Schulmediation, Soziales Lernen, Wirtschaftsmediation | Kommentare (0) | Autor:

Das Hormon Oxytocin verstärkt positives Verhalten beim Streiten!

Dienstag, 9. Dezember 2008 16:48

An der Universität Zürich haben Forscher rund um Beate Ditzen das Streitverhalten von 47 Versuchspaaren analysiert. Die Hälfte der Paare bekam über ein Nasenspray das Hormon Oxytocin verabreicht, die andere Hälfte der Paare erhielt ein Placebo. Anschließend sollten sich die Paare über ein für sie typisches Thema streiten.

Dabei schnitten Paare, die Oxytocin erhalten hatten, besser in ihrem Streitverhalten ab und nutzen positive Verhaltensmerkmale im Streit: Sie konnten besser Zuhören, benutzten Bestätigungen wie Kopfnicken und lächelten öfters. Die Paare ohne Oxytocinzufuhr unterbrachen sich häufiger, kritisierten heftiger und werteten den Partner öfters ab. Die Forschungsergebnisse sind in der Fachzeitschrift Biological Psychiatry publiziert, können jedoch auch unter im idw nachgelesen werden.

Oxytocin ist älteren Studien zufolge im Gehirn von Säugetieren dafür verantwortlich, das Sozialverhalten zu regulieren. Es hilft dabei, Stresshormone im Gehirn zu reduzieren und verlängert der neuen Studie zufolge zumindest die Dauer von positivem im Verhältnis zu negativem Verhalten. Somit ist das Hormon also wirklich für positives Verhalten oder Stressreaktionen bei Partnerschaften verantwortlich. Interessant, oder?!

Christa Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Kommunikation, Konflikte, Konfliktprävention | Kommentare (0) | Autor:

Konflikte, Mobbing, Mediation, Mobbingberatung

Montag, 8. Dezember 2008 8:33

Viele Mobbingbetroffene holen sich Hilfe und Unterstützung bei einer Mediatorin oder einem Mediator. Andere landen bei einer MobbingberaterIn, die sich auf derartige Fälle spezialisiert hat. Jetzt gibt es das erste deutschsprachige Buch zum Thema Mobbingberatung.

MediatorInnen werden versuchen, ein gemeinsames Gespräch mit Mobbingopfer und Mobbingtäter anzubahnen. MobbingberaterInnen sehen Ihre Aufgabe zunächst im Einzelgespräch.

Das von Christa Kolodej geschriebene Buch „Mobbingberatung“ aus dem Facultas Verlag bietet Wissenswertes zum Thema Mobbing, Grundlagen zum Thema Mobbingberatung, es zeigt viele Fallbeispiele und beschreibt ausgewählte Interventionen der Konflikt- und Mobbingberatung. Ich kann das Buch rundweg allen MediatorInnen empfehlen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen.

In manchen Betrieben und Schulen wird der Begriff Mobbing heutzutage geradezu inflationär benutzt. Nach Kolodej ist Mobbing dann gegeben, wenn folgende vier Aspekte zutreffen: Es ist eine gezielte Schikane gegen eine oder mehrere Personen mit häufigen Angriffen erkennbar. Diese Angriffen finden gezielt und systematisch statt. Es besteht ein Machtungleichgewicht zwischen den Beteiligten zu Ungunsten der vom Mobbing betroffenen Person(en). Es kommt zur zunehmenden Isolierung bei dem/den Betroffenen.

Während Konflikte ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens sind, bleibt bei Mobbingkonflikten das zugrunde liegende Problem meist im Hintergrund und die angegriffene Person wird als Problem in den Vordergrund geschoben. Mobbing entsteht zumeist aus der Nicht-Bewältigung von alltäglichen Konflikten als Phänomen mit hoher Konflikteskalation.

Interessant ist die Frage, ob Mobbingbetroffene aufgrund ihrer Persönlichkeit gemobbt werden. Verschiedenste Untersuchungen, die im Buch zitiert werden, haben ergeben, dass Mobbingopfer häufig zu den Konfliktvermeidern gehören (Rückzug oder Ignorieren des Konfliktes). Mobbingtäter hingegen sind oft hoch narzistische Personen mit geringer Selbstkonzeptklarheit.

Für Mobbingopfer ist das Hinzuziehen einer dritten Person ein erster wichtiger Schritt aus der Opferperspektive heraus. Bei der Arbeit mit Mobbingtätern sind neben dem Unterbinden des negativen Verhaltens gegenüber den Betroffenen verschiedene das Selbstwert stabilisierende Maßnahmen wichtig. Mobbingintervention allgemein bedarf einer starken Lösungsorientierung, die zugleich Schutzraum für leidvolle Erfahrungen bieten muss. Die systemische Sichtweise ist bei Mobbing geradezu grundlegend, denn Mobbing ist in den meisten Fällen ein Gruppenkonflikt mit speziellen organisatorischen Rahmenbedingungen.

In letzter Zeit höre ich leider aus Schulen verstärkt von Mobbingvorfälle. Wer sich für dieses Thema interessiert, findet weitere Informationen in diesem blog unter den Stichpunkten Schulmediation und Mobbingmotive von SchülerInnen.

Christa Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren, Mobbingbearbeitung | Kommentare (3) | Autor:

Lachen ist ansteckend oder: Warum Spiegelzellen in der Mediation so wichtig sind

Montag, 1. Dezember 2008 6:13

Spiegelzellen gelten immer noch als der „letzte Schrei“ in der Hirnforschung. 1991 wurde die erste Spiegelzelle von Vittorio Gallese entdeckt. Die Zellen haben die Fähigkeit, unser Gegenüber zu spiegeln (daher das Wort Spiegelzellen). Sie können die Welt wahrnehmen und Muskeln steuern. Jedes Mal, wenn wir etwas sehen, wird unser Gehirn so aktiviert, als würden wir die wahrgenommene Handlung selbst anführen.

Haben Sie das auch schon mal erlebt? Ihr Gegenüber gähnt und sie machen es ihm gleich nach. Sie steigen in den Bus ein und der Busfahrer lächelt Ihnen freundlich zu – da geht der Rest des Tages doch gleich viel leichter … Wir gähnen, lachen und machen Grimassen, wenn unser Gegenüber uns das vormacht. Dann kommen nämlich die Spiegelzellen ins Spiel, die uns die Fähigkeit geben, unser Gegenüber zu spiegeln.

So funktioniert auch das Mitgefühl, ebenfalls Empathie genannt. Das Mitgefühl ist im wahrsten Sinne des Wortes „körperlich“, denn die Hirnforscher können es sehen, hören und mit ihren Elektroden messen. Der Ursprung des Mitgefühls liegt darin, dass ich innerlich mein Gegenüber imitiere, mich mental in die Person hineinversetze und so tue, als würde ich das tun, was sie tut. So muss ich, um die andere Person zu verstehen, nur mich selbst verstehen. Empathie besteht also aus neuronalem Nachvollziehen der Verhaltensweise und des Gefühls der von mir betrachteten Person.

Das heißt aber auch, dass nur derjenige Trauer, Wut, Verzweiflung, Skepsis usw. empfinden kann, der diese Gefühle kennt. Denn nur wer ein Gefühl erlebt hat, dessen Spiegelzellen können es exakt interpretieren und imitieren und somit zum Verstehen und Nachvollziehen freigeben. Es gibt die Theorie, dass es bei gefühlskalten Verbrechern an Spiegelzellen mangelt – bewiesen ist dies bisher noch nicht.

Ja, und dann stellt sich noch die Frage, warum wir dann nicht permanent am Spiegeln anderer Personen sind. Es gibt glücklicherweise einen „Riegel“ im Gehirn, der verhindert, dass wir die Imitationen ständig ausführen. Nur wenn wir uns auf die Empathie einlassen, findet sie auch statt.

Wer sich ausführlicher mit dem Thema beschäftigen möchte, der schaue in diesen Artikel von Bas Kast: „Auf der Suche nach dem Mitgefühl“ oder dessen Buch „Revolution im Kopf“. Wer Gefühle spannend findet, der findet hier mehr zum Zeitalter der Emotionen.

Ja, und jetzt ist auch klar, warum bei Mediationen möglichst viele Spiegelzellen zum Einsatz kommen sollten: Erst dadurch ist gegenseitige Empathie und Verstehen in der Phase der Konflikterhellung möglich.

Christa Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (1) | Autor: