Beiträge vom März, 2009

Fair play

Montag, 30. März 2009 7:36

„Fair play ist, wenn unsere Herzen Brücken bauen.
Fair play heißt, sich für Gerechtigkeit zu entscheiden.
Fair play heißt, niemanden auszugrenzen. (…)
Fair play heißt, miteinander statt übereinander zu reden.
Fair play heißt, sich selbst in die Augen schauen zu können.
Fair play beginnt bei jedem einzelnen von uns.“

Das sind die ersten und die letzten drei Botschaften aus dem Buch „Fair play“ des Oups-Verlages. Mit diesen Botschaften und den dazu passenden allerliebsten Zeichnungen möchten der Autor Kurt Hörtenhuber und die llustratorin Conny Wolf dazu beitragen, mehr Fairness in die Welt zu tragen. Fair Play will change the world. Dieses Buch spricht besonders Kindergarten- und Vorschulkinder an und das Thema ist und bleibt vorerst aktuell. Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen erhalten mit dem Buch einen Schatz für die Vorbereitung von „Sozialen Stunden“ in Kindergarten und Schulen. Mit ein wenig Fantasie sowie den Botschaften und Zeichnungen aus dem Buch lassen sich interessante Gespräche mit den Schülerinnen und Schülern führen, es kann zu Rollenspielen eingeladen werden und es können eigene Zeichnungen sowie eigene Botschaften zum Fair play (bezogen auf die eigene Situation) entstehen. Das ist eine Konfliktprävention, die allen Beteiligten Spaß macht.

Für alle diejenigen, die das Oups-Männchen und seine Botschaften genauso toll finden wie ich, gibt es sogar monatlich ein Cartoonbild mit liebevoller Botschaft kostenfrei zum Herunterladen.

Fairplay ist nach wikipedia übrigens ein Begriff, „der ein bestimmtes sportliches Verhalten kennzeichnet, das über die bloße Einhaltung von Regeln hinausgeht. Er beschreibt eine Haltung des Sportlers: die Achtung und der Respekt vor dem sportlichen Gegner und die Wahrung seiner physischen und psychischen Unversehrtheit. Der sportliche Gegner wird als Partner gesehen oder zumindest als Gegner, dessen Würde es zu achten gilt, selbst im härtesten Kampf.“

Das zielt auf die Anerkennung und Einhaltung der (Spiel-)Regeln im Sport, den partnerschaftlichen Umgang mit dem Gegner, auf die Achtung gleicher Chancen und Bedingungen, auf die „Begrenzung“ des Gewinnmotivs (keinen Sieg um jeden Preis) und die Bewahrung der Haltung in Sieg und Niederlage.

All das kann man übrigens auch im Mitternachtssport lernen …

… und wer das kann, der ist schon einen großen Schritt weiter in der Selbstkompetenz sowie im sozialen Umgang mit anderen Menschen.

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Schulmediation, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Was hat das Thema „Entspannung in der Schule“ im Themenbereich Mediation zu suchen?

Montag, 23. März 2009 7:18

Nun, dies ist ein Mediationsblog, und dennoch gehört das Thema Entspannung in der Schule genau hierher. Viele Schulkinder müssen sehr früh aufstehen, zur Schule hetzen, eine Unterrichtsstunde nach der anderen absolvieren, erst Mathe, dann Deutsch, dann Sachkunde, Sport dazwischen, manchmal gibt es zu wenig Pause zum Essen und Trinken, dann in die Aula und das Theaterstück proben … Wer sich als Erwachsener ständig auf andere Themen konzentrieren muss und permanent so ungefähr 25 Personen um sich hat, der weiß, wie energiegeladen diese Tage sind.

Da ist es gut, zumindest ein Mal am Tag eine Quelle der Ruhe zu finden und „herunterzukommen“. Viele Kinder neigen zu Tagträumen, sie sitzen dann da und starren „Löcher in die Luft“. Diese Tagträume sind eine wichtige Pause im (zu) anstrengenden Alltag und sie fördern die psychische und körperliche Integration und Gesundheit. Schule kann/könnte diese Tagträume institutionalisieren! Da hilft schon das Vorlesen einer Geschichte zum Träumen oder eine Fantasiereise, und da ist natürlich eine Entspannungs- und Wohlfühlgeschichte eine wundervolle Methode, Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen.

Ich habe dazu ein fantastisches Buch von Daniel Wilk mit einer Vielzahl von Entspannungs- und Wohlfühlgeschichten entdeckt, es heißt „Ein Käfer schaukelt auf einem Blatt“ und ist für Kinder (und Erwachsene) jeden Alters gedacht.

Durch die Entspannung erholt sich der Körper. Das Kind öffnet sich jedoch auch für seine Wahrnehmung in den Bereichen, die in der Geschichte angesprochen werden. Mit den Geschichten wird den Kindern vermittelt, dass es mit seinen Gefühlen nicht alleine ist, Ängste werden reduziert und kreative Ressourcen werden aktiviert. Für jeden Menschen ist es wichtig, sich selbst anzunehmen, die eigenen Gefühle zu spüren und zu akzeptieren. Das Kind lernt sich selbst wertzuschätzen und eigene Grenzen sowie die anderer Menschen zu respektieren und zu schützen. Durch die in der Geschichte verwendeten Formulierungen kann das Kind sogar seine eigenen Ressourcen im Umgang mit der belebten und unbelebten Welt verstärkt erschließen und nutzen.

Dies alles sind unschätzbare Werte für das Kind, die natürlich auch der Suchtprävention und der Gewaltprophylaxe dienen. Eine Entspannungsgeschichte pro Tag und die Lehrer sowie die SchülermediatorInnen haben nicht mehr so viele Konfliktfälle zu bearbeiten wie in anderen Klassen und Schulen. Natürlich können die Geschichten auch zu Hause oder an anderen Orten vorgelesen werden.

So, und jetzt sind Sie sicherlich ganz neugierig, wie die Geschichten aussehen. Hier eine kleine Kostprobe:

„… und während du es dir jetzt hier gemütlich machst und dich dabei erholst, erzähle ich dir etwas über Käfer … es gibt wahrscheinlich manche Käfer, die gerne auf Blättern schlafen … wenn sie müde werden, suchen sie sich ein schönes Blatt, irgendwo im Schatten oder auch in der warmen Sonne, dafür laufen sie ein Weilchen durch den Wald oder über die Wiese, bis sie den richtigen Platz gefunden haben, auf dem sie sich wohl fühlen …

manche Blätter sind ein guter Schlafplatz … sie sind weich und über dem Boden und doch leicht für einen Käfer zu erreichen, er braucht nur am Stamm hochzuklettern …

wenn du magst, kannst du dir jetzt vorstellen, wie es wäre, wenn du ein solcher Käfer wärst … der legt sich auf seinem Platz bequem hin … vielleicht ruhen sich manche Käfer auch im Sitzen aus, wenn das bequemer für sie ist … dabei lehnen sie sich an den nächsten größeren Zweig, damit ihr Rücken und ihr Kopf sich entspannen können, denn es ist auch für einen Käfer wichtig, dass es ihnen gut geht …..“

Entspannungs- und Wohlfühlgeschichten sind ein Mittel der Konfliktprävention und beugen damit auch Gewalt in Schule vor. Das Buch „Ein Käfer schaukelt auf einem Blatt“ ist voll mit wunderbaren Geschichten und ich wünschte, dass viele Grundschullehrerinnen und -lehrer diese Geschichten in den Schulalltag für die Schüler mit einbauen.

Christa Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Familienmediation, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Schulmediation | Kommentare (0) | Autor:

Von der Unfähigkeit zum Mit-Leiden

Montag, 16. März 2009 8:35

„Von der Unfähigkeit zum Mit-Leiden. Winnenden als Ausdruck einer Kluft: Nie war die Erwachsenenwelt so weit von der Einsamkeit der Heranwachsenden entfernt.“ – so die Überschrift des gestrigen Artikels von Tissy Bruns im Berliner Tagesspiegel zum furchtbaren Ereignis an der Realschule in Winnenden.

„Mehr miteinander reden, Konflikte gewaltfrei lösen und kontrovers diskutieren zu lernen, halte ich für die bessere Alternative zu einem verstärkten Wachschutz und Detektorenüberwachung an den Schulen.“ – so die Konsequenz von Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner, die auch für mehr Sozialarbeiter in Schulen plädiert.

„Schule muss ein freier öffentlicher Ort bleiben – ein Ort unbedingter Achtung.“ – so Bildungssenator Jürgen Zöllner.

„Alle Maßnahmen – Familienförderung, Jugendhilfe, Schulsozialarbeiter – sind wichtig und sinnvoll. Aber manchmal können sie alle an einer speziellen Situation, in der ein Mensch irrational handelt, nichts ändern. Wahrscheinlich müssen wir das akzeptieren.“ – so Innensenator Ehrhart Körting.

Und der Landeselternausschuss Berlin fordert die Senatsbildungsverwaltung Berlin auf: „geeignete Maßnahmen und Unterstützungssysteme einzurichten, dass künftig jeder Schüler und jede Schülerin – der/die in seiner/ihrer Schule zum Opfer von Mobbing, Gewalt oder Demütigung wurde – in der Schule geeignete Hilfe zur Klärung, Aufarbeitung und Bewältigung der Vorfälle erhält. In der Schule darf es künftig keine Opfer mehr geben, die später zu Tätern werden könnten.“

„In den flüchtigen Debatten über Kinder und Schule verhalten wir uns, als könnten wir die Weisheiten der großen Humanisten ebenso in den Wind schlagen wie die wunderbaren Erkenntnisse der modernen Hirnforschung. Erziehung ist Liebe und Vorbild, sonst nichts, hat Friedrich Fröbel gesagt. Die Metakompetenz, die wir das ganze Leben brauchen, sagt Gerald Hüther, das ist Beziehungsfähigkeit. (…) Vertrauen und Vorbild sind die wichtigsten Ressourcen, auf die Kinder und Jugendliche bauen, wenn Erwachsene ihnen begegnen.“ – so endet der oben genannte Tagesspiegel-Artikel.

Möge für jeden Menschen in Not (Kind, Jugendlichen oder Erwachsenen) immer ein mit-fühlender Mensch da sein, der gut zuhören kann und zum Helfen bereit ist. Das ist mein Wunsch.
Christa Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Konfliktberatung, Konflikte, Schulmediation | Kommentare (0) | Autor:

Zivilcourage und emotionale Intelligenz

Montag, 9. März 2009 6:01

Ein sehr berührendes Buch zum Thema Zivilcourage wird dieses Jahr 5 Jahre alt. Damals hat nämlich Aktion Mensch zusammen mit amnesty international einen bundesweiten Schreibwettbewerb zum Thema durchgeführt. Herausgekommen ist ein Buch mit 20 Erzählungen und Geschichten, die direkt ins Herz gehen.

„Jonathan fühlte einen starken Adrenalinstoß. Wirkliche Angst empfand er noch immer nicht, auch wenn Manfred ein wahrer Stier von einem Mann war. Ohne sichtbare Hast schloss Jonathan sein Buch und schob es in den Rucksack. Es war gut möglich, dass er an einer der nächsten Haltestellen den Bus verlassen musste. So schnell wie möglich …“ so heißt es in der Geschichte „Wie du mir, so ich dir“ von Matthias Fetting über eine Begegnung im Bus.

„Die Beine sind alles, was ich noch vor mir sehe. Nicht die Gesichter, nicht die Haltung, nicht einmal an die Stimmen kann ich mich erinnern. Vier Paar Beine im Halbkreis vor mir. Zweimal blaue Jeans, einmal schwarzer Cord, einmal helles Leinen. Details, die ich lange, zu lange angestarrt habe und die darum tief in mein Gedächtnis eingebrannt sind. Ich wagte nicht aufzusehen. Augenkontakt provoziert den Gegner noch mehr, das hatte ich damals schon gelernt …“ so heißt es in der Erzählung „Anders“ von Julia Helbig.

Die Texte richten sich an junge Leser ab 12 Jahren und erzählen davon, wie Zivilcourage heutzutage und hierzulande aussehen kann bzw. was passiert, wenn sie fehlt. Dabei geht es um Angst, die in konflikthaften Situationen unser Verhalten beeinflussen kann. Es geht um den ersten Schritt der Überwindung der eigenen Ängste, die Einfühlung (auch Empathie genannt) als wichtige Voraussetzung um Menschen in Not zu sehen, um das Spannungsverhältnis zwischen mir und den anderen in einer Gruppe und die Aufmerksamkeit, die solche Situationen erfordern.

„’Haut doch endlich ab!’, rief jemand zornig aus. ‘Jetzt habt ihr’s ja endlich geschafft! Verschwindet!’ Er erschrak. War er selbst es, der da gerufen hatte? Sie gingen mit kleinen, hastigen Schritten. Andere waren zurückgetreten, aber nicht gegangen. Sie musterten das gedemütigte Mädchen weiterhin – wie Künstler, die ihr Werk betrachteten. Und irgendwie war das hässliche Kichern noch immer nicht verklungen. Er machte einige Schritte auf sie zu und wagte kaum sie anzusehen, hob aber schließlich doch den Blick und sah ein verstörtes, kleines Tier, das ihn aus leeren Augen ansah. Ihre Hand war auf das zerrissene Hemd gepresst, die Knöchel ganz weiß. Er zog sich den verwaschenen Pullover über den Kopf und gab ihn ihr.“ so heißt es im Text „Die Demütigung“ von Nora Katharina Schmid.

Besonders bedrückend sind die Texte im Buch, die die Grenzen der Zivilcourage aufzeigen, die aufzeigen was passiert, wenn Zivilcourage gefehlt hat.

„Das Begräbnis fand Tsunami schrecklich. Sie hat nicht verstanden, was der Mann in der schwarzen Robe sagte, als der Sarg hinabgelassen wurde und Hatisu in der Erde verschwand. Sie weiß nur, dass nichts mehr ist oder sein wird, wie es war. Tsunami lacht nicht mehr.“ so heißt es unter der Überschrift „Hatisu kommt nicht mehr nach Hause“ von Verena Brauner.

Leider lässt sich das Buch nur noch antiquarisch kaufen, aber wenn Sie es finden, sollten Sie sofort zugreifen!

Für diejenigen Leserinnen und Leser, die neben dem Thema Zivilcourage mehr Informationen zu den zugehörigen Emotionen suchen, der schaue hier im Block nach den Stichworten „Empathie“ und „Angst“.

Christa Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Konflikte, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Der Runde Tisch in der Familie: Seminarplätze frei

Dienstag, 3. März 2009 12:19

Der Runde Tisch in der Familie ist eine Methode zum konstruktiven, kreativen und gemeinsamen Lösen von Problemen und Konflikten innerhalb der Familie.

Der amerikanische Psychologe Thomas Gordon beschreibt das Wesen eines Konfliktes in seinem Buch „Familienkonferenz“ folgendermaßen: „Ein Konflikt ist der Augenblick der Wahrheit in einer Beziehung – ein Test ihrer Gesundheit, einer Krise, die sie schwächen oder stärken kann, ein entscheidendes Ereignis, das vielleicht dauernden Hass, schwelende Feindseligkeit , psychologische Narben mit sich bringt. Konflikte können Menschen trennen oder sie in eine engere und vertrautere Übereinstimmung ziehen …“

Die von mir entwickelte Methode des „Runden Tisches in der Familie“ hat sowohl Ähnlichkeiten mit der Familienkonferenz von Thomas Gordon als auch mit dem Familienrat von Rudolf Dreikurs. Im Unterschied zu diesen beiden Methoden wird beim Runden Tisch jedoch verstärkt Wert auf den Prozess des Problem- bzw. Konfliktlösens gelegt. Neben dem Aktiven Zuhören und der Beherrschung von Ich-Botschaften sind einige Kenntnisse im Bereich der emotionalen Intelligenz sowie zur Regelsetzung Voraussetzungen für die Methode des Runden Tisches.

Mein neues Buch zum Thema „Vom Schimpfen und Schreien zum Runden Tisch in der Familie“ wird in den nächsten Wochen in den Druck gehen. Falls Sie nicht bis zur Fertigstellung warten wollen, können Sie jetzt bereits an einem Seminar zum Thema teilnehmen. Ein Mal monatlich von März bis November arbeiten wir einen Vormittag mit Interessierten am Thema. Passend zum Erwachsenenkurs wird ein Kinder- und Jugendkurs zum Thema angeboten.

Das Projekt findet unter der Trägerschaft des MediationsZentrums Berlin statt und wird von der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin gefördert. Der erste Termin findet schon am 10. März statt. Es sind nur noch wenige Seminarplätze frei.

„Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will.“ (Galileo Galilei) Seien auch Sie neugierig und sichern Sie sich Ihren Platz bei uns im Seminar zum Runden Tisch in der Familie!

Christa Schäfer

Thema: Familienmediation, Kommunikation, Konfliktlösung, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Die VW-Regel in der Kommunikation

Montag, 2. März 2009 5:29

Die Sprache ist ein wesentliches Element in der Mediation. Und zur Sprache bzw. zur Intervention durch Sprache bzw. zu minimalen Interventionen mit maximaler Wirkung ist mir gerade ein fantastisches Buch in die Hände gefallen: Die MiniMax-Interventionen von Manfred Prior aus dem Carl-Auer Verlag.

Dieses Buch richtet sich vornehmlich an Psychotherapeuten, Berater, Supervisoren, Coachs und Organisationsentwickler. Meiner Meinung nach darf bei dieser Aufzählung die Berufsgruppe der MediatorInnen jedoch nicht fehlen!

Die VW-Regel hat meine Mediationsausbilderin bereits in meiner Ausbildung stets betont, allerdings natürlich nicht als solche benannt: „Hinter jedem Vorwurf steckt ein Wunsch!“ Bei Prior in der MiniMax-Intervention Nr. 15 heißt dies: „Aus V mach W.“

Wie oft gibt es Medianten, die sich gegenseitig Vorwürfe an den Kopf werfen: „Nie hilfst du mir im Haushalt …“ oder „Und wenn ich nach Hause komme, dann sitzt du immer vor dem Fernseher oder quatscht mit deinen Freundinnen am Telefon …“ So geht es in manchen Ehen zu, es gibt Vorwürfe über Vorwürfe, und in den allermeisten Fällen tut der Weg in die Mediation, der Weg zu einer Änderung der Kommunikation bzw. der Schritt zur Lösung dieser Kommunikationsstörung gut. Wie anders klingt es hingegen, wenn sie sagt: „Ich wünsche mir, dass du mehr im Haushalt hilfst und zum Beispiel Dienstags das Altpapier in die Tonne bringst.“ Und er könnte dann sagen: „Und ich wünsche mir, dass du mich begrüßt, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme und dich mit mir gemeinsam an den Tisch setzt, um die Neuigkeiten des Tages zu besprechen.“ Das klingt doch schon viel anders als die Vorwürfe und wird natürlich – da freundlicher und gezielter formuliert – auch eher angenommen und berücksichtigt.

Übrigens steckt in diesem Beispiel auch die MiniMax-Intervention Nr. 4, denn „immer“ stimmt in den meisten Situationen nicht. Sagt sie: „Immer brüllst er mich an!“, so kann das gar nicht sein. Durch bedacht formuliertes Spiegeln und Fragen kann der Mediator dieses „immer“ auf seine tatsächliche Größe zurückschrauben: „In der Vergangenheit hat er Sie oft angebrüllt. Wann war das letzte Mal, an das Sie sich erinnern können, und was ist da passiert …“ Nach Klärung dieser Situation kann dann der Mediator weitergehen und Situationen erfragen, wann die Kommunikation gut geklappt hat, wie sich dies angefühlt hat, was dieses Gespräch ausgemacht hat usw. Da kommt dann das zu mediierende Paar einer Lösung schon viel näher.

Die MiniMax-Interventionen von Manfred Prior bringen mit einem Mini-Leseaufwand einen maximalen Gewinn für MediatorInnen. Die Reflexion der eigenen Kommunikation in der Mediation wird mit Hilfe der vorgeschlagenen Interventionen riesig spannend. Auch für den Alltag und das tägliche Miteinander in Familie und Beruf kann man diesem Buch viel Gewinnbringendes entnehmen.

Ach, und übrigens sorgt in dem Buch ein kleine Bär mit seiner radikalen Form der deutschen Rechtschreibung für echten Lesegewinn: „’n tolles Buch hap ich da grad inne Finger gekricht!“

Auf der auf der Homepage der Regionalstelle Frankfurt der Milton Erickson Gesellschaft können Sie in das Vorwort sowie in zwei weitere Interventionen hineinschnuppern. Ein MiniMax-Buch für Lehrer ist übrigens gerade in der Entstehung – ich freue mich schon jetzt sehr darauf. Und falls Sie sich für „Fragen in der Mediation“ interessieren, schauen Sie doch hier in diesem Blog auf den entsprechenden Artikel.

Christa Schäfer

Thema: Familienmediation, Kommunikation, Konfliktberatung, Konfliktlösung, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Systemischer Ansatz | Kommentare (1) | Autor: