Beiträge vom April, 2009

Gemeinwesenmediation und Zivile Konfliktbearbeitung

Montag, 27. April 2009 8:19

„Vor gut 10 Jahren gründete sich die ‘Plattform Zivile Konfliktbearbeitung’, um im Gegensatz zur militärischen Ausrichtung Lobbyarbeit zu leisten für Konfliktbearbeitung, die aus der Zivilgesellschaft kommt. Mitglieder der Plattform sind: Kirchen, Friedensdienste, wissenschaftliche Institutionen und auch Einzelpersonen. Während vorwiegend die Konfliktbearbeitung im Ausland im Vordergrund stand und auch noch steht, entwickelt sich seit knapp 3 Jahren ein zweiter Strang, der sich mit der Zivilen Konfliktbearbeitung im Inland beschäftigt.“

„Seit ebenfalls 10 Jahren ist die Mediationsszene um eine Disziplin reicher – der Gemeinwesenmediation. Diese hat mit einer Adaption der angloamerikanischen ‘Community Mediation’ auf deutsche Verhältnisse angefangen und ist dabei, immer mehr ein eigenes Profil zu entwickeln.“

Diese beiden Zitate sind einem Artikel von Olaf Schulz und Nadja Gilbert entnommen, der im Spektrum der Mediation, der Fachzeitschrift des Bundesverbandes Mediation“, den Bogen zwischen beiden Gebieten schlägt (Heft Nr. 33).

Es gibt eine Vielzahl von Projekte der Gemeinwesenmediation in Deutschland. Leider haben die meisten der Projekte nicht die Relevanz in den sozialen Stadtteilentwicklungsprozessen, den sich sich gewünscht hätten. Ein Grund dafür wird von Schulz und Gilbert in der Bottom-up-Struktur der Projekte gesehen; ein weiterer im zivilgesellschaftlichen Selbstverständnis, dem in den seltensten Fällen ein formaler Auftrag oder ein Mandat von politisch-administrativer Seite zugrunde liegt.

MediatorInnen aus den Projekten fassen Gemeinwesen-Konflikte als Impuls zur Veränderung auf und müssen dann eventuell institutionelle Ebenen einschalten, die für den zu bearbeitenden Regelungsbereich die Verantwortung haben. Damit ist die Gleichberechtigung unter den an der Mediation teilnehmenden Parteien nicht mehr gegeben.

In dem Artikel wird deshalb ein spezielles Verfahrensdesign vorgeschlagen, das sowohl Bottom-up als auch Top-down arbeitet, und die Idee der Kooperation mit Ansätzen der Zivilen Konfliktbearbeitung im Inland wirkt geradezu bestechend. Der Definition der Zivilen Konfliktbearbeitung gemäß würde sogar die Gemeinwesenmediation unter diesen Begriff fallen.

Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung der Gemeinwesenmediation in Deutschland, die ihren festen Platz im Gefüge bisher noch nicht gefunden hat.

Christa Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Nachbarschaftsmediation, Stadtteilmediation | Kommentare (0) | Autor:

Wie können (Patchwork-) Familien ständige Konflikte vermeiden?

Montag, 20. April 2009 6:25

Früher war die Welt noch anders: Da gab es die Familie mit Mutter, Vater und mehreren Kindern. Heute gibt es viele verschiedene Arten von Familien, Einelternfamilien / Alleinerziehende, Patchworkfamilien, Lats (Living apart together) usw.

Das Auseinandergleiten der „alten“ und das Zusammenwachsen der „neuen“ Familie ist meist nicht einfach. Wenn mittels einer Mediation „getrennt“ wurde, ist oft noch einfacher miteinander zu reden. Dennoch gibt es Kränkungen auf allen Seiten. Eine Patchworkfamilie, die auf den Trümmern zweier destruktiver und traumatischer Trennungsgeschehen aufbaut, hat es schwer. Eine Patchworkfamilie, die auf dem Boden weitgehend vorher getrennter und gelöster Beziehungsstrukturen basiert, wird es einfacher haben.

Marguerite Dunitz-Scheer und Peter Scheer haben ein Buch geschrieben über „meine o deine o unsere. Leben in der Patchworkfamilie“. Die beiden Autoren leben jeweils in der zweiten Beziehung zusammen und haben gemeinsam acht Kinder, eben seine, ihre und gemeinsame. Beide Autoren sind Fachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde sowie Psychotherapeuten. Das Buch ist absolut lesenswert: ein Ratgeber nicht nur für neu zusammengewürfelte oder schon länger zusammen lebende Patchworkfamilien mit zahlreichen Beispielen, treffenden Analysen und konkreten Vorschlägen für eine Verbesserungen der Kommunikation und des Miteinanders in Familien.

Die beiden Autoren haben auch für die Kommunikation bzw. für Kommunikationsfallen in Familien einige Grundannahmen formuliert, die für alle Familientypen gelten und die helfen, das Zusammenleben für alle angenehm zu gestalten. Die allermeisten Annahmen sind MediatorInnen für den Mediationsrahmen nur allzu bekannt, sie sollten auch dringend in alle Familienkontexte Einzug halten!

Leben entsteht aus Beziehung, leben heißt Kommunizieren. Wo Menschen, dort Konflikte. In Beziehungen stellen sich Hierarchien (starr oder flexibel) ein. Sie schaffen ein Oben und ein Unten. Kommunikation von oben nach unten wird als Kritik, solche von unten nach oben als Lob empfunden. Eltern sind nicht automatisch oben, Kinder nicht automatisch unten. Oft beherrschen Kinder die emotionalen Kommunikationsmechanismen meisterhaft. Kritik ist immer Reibung, Auseinandersetzung und eine Form von Aggression. Konstruktive Kritik schafft Neues und fördert Kreativität, destruktive Kritik tötet. Täter-Opfer-Konstellationen in Familiensystemen sind nie hilfreich!

Kommunizieren heißt respektvolles Austauschen von Informationen!
Respekt vor den Signalen der anderen!
Aktives Rückhören nutzen!
Ich-Botschaften nutzen!
Respekt vor Grenzen ohne Rückfragen und Bedingungen!
(Dunitz-Scheer, Scheer 2008, S. 84 f.)

Übrigens wird mein neues Buch „Kommunikation in der Familie. Vom Schimpfen und Schreien zum Runden Tisch“ auf gut geeignete Methoden der Kommunikation wie beispielsweise das Aktive Zuhören und die Ich-Botschaften genau eingehen und Übungen dazu anbieten. Ich freue mich, auch damit zum Gelingen von friedlichem Zusammenleben in Familien beitragen zu können.

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Kommunikation, Konfliktberatung, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen | Kommentare (2) | Autor:

Konfliktbearbeitung in Schulklassen

Montag, 6. April 2009 6:58

Wie beuge ich in Schulklassen Konflikten vor?
Wie kann ich die Konflikte bearbeiten, wenn sie dann da sind?

Diese Frage gewinnt in den heutigen Schulen immer mehr an Wichtigkeit. Und sie ist eine Standardfrage und ein gern gesehenes Thema für SchiLFs und KiFs (Schulinternen und Kollegiumsinterne Lehrerfortbildungen), die ich in letzter Zeit des öfteren durchgeführt habe.

Gerne empfehle ich in diesen Veranstaltungen die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung herausgegeben zwei Hefte zum Thema „Achtsamkeit und Anerkennung“. Diese Materialsammlung ist excellent aufbereitet, gibt einen guten Überblick zum Thema und enthält viele praktische Übungen und leicht einsetzbare Arbeitsblätter. Sie ist kostenfrei online bestellbar.

Die sieben Bausteine des ersten Heftes für die Grundschule bearbeitet wichtige Themen wie u.a. rasch umsetzbare Anregungen zur Verbesserung des Klassenklimas, die klasseninterne Streitschlichtung, die Giraffen- und Wolfssprache, den Bereich des Mobbing und die Schülermitbestimmung. Das für die Klassen fünf bis neun gedachte Material bearbeitet in elf Bausteinen spannende Themen wie Orientierungshilfen zur Selbst- und Fremdwahrnehmung der Schüler, den Umgang mit unterschiedlichen persönlichen Fähigkeiten und Grenzen sowie Wissenswertes zum Kommunikations- und Konfliktmanagement.

Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Pädagoginnen und Pädagogen, Schulleitungen, Eltern, Hausmeister, Betreiber der Schulcaféteria und viele andere sind in der Institution Schule in vielfältige Interaktionen verstrickt. „Sie müssen sich auf raschen Szenenwechsel einstellen, mit unterschiedlichen Erwartungen, Gewohnheiten und Interessen zurechtkommen, sich in Konfliktsituationen behaupten, mit Missverständnissen fertig werden und auf Urteile und Interpretationen reagieren, die sie selbst manchmal für falsch halten oder zumindest als voreilig empfinden. Oft geht das gut und dann trägt Schule dazu bei, dass die Jugendlichen sich und andere besser verstehen lernen und die eigene Persönlichkeit im Umgang mit vielfältigen sozialen Anforderungen weiterentwickeln.“ – so steht es im Vorwort zu einem der oben beschriebenen Hefte.

Damit dies möglichst gut gelingt, sind natürlich nicht nur gut gestaltete Arbeitsmaterial wie die oben beschriebenen Hefte notwendig. Vielmehr benötigt Schule eine Ist-Analyse mit einer sich anschließenden Beratung oder einem Coaching, manchmal ist ein Studientag für die LehrerInnen wichtig, manchmal ist ein Training für bestimmte Schülergruppen notwendig. Falls Sie daran Interesse haben, nehmen Sie bitte mit mir Kontakt auf und wir können passgenau und zielgerichtet ein Angebot für Ihre Schule entwickeln.

Christa Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Schulmediation, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor: