Beiträge vom Mai, 2009

Untersuchung zum Thema Jugendgewalt

Montag, 25. Mai 2009 6:39

Eine Studie zum Thema „Jugendliche in Deutschland als Opfer und Täter von Gewalt“ hat interessante Ergebnisse hervorgebracht. Für die Untersuchung wurden in den Jahren 2007 und 2008 deutschlandweit 44610 Neuntklässler aus allen Schulformen befragt; das Vorhaben war ein gemeinsames Forschungsprojekt des Bundesministeriums des Innern und des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.

Seit März 2009 liegt der Forschungsbericht vor,
neun Thesen fassen die Ergebnisse kurz und prägnant zusammen:

1. In den 12 Monaten vor der Befragung gehörte Gewalt für mehr als ¾ der Jugendlichen nicht zum persönlichen Erfahrungsbereich – oder andersherum gesagt: ¼ der Jugendlichen erlebten Gewalt in den 12 Monaten vor der Befragung.

2. Die Jugendgewalt ist in den vergangenen 10 Jahren leicht gesunden bzw. konstant geblieben. Prügeleien an Schulen, bei denen ärztliche Hilfe benötigt wurde, haben beispielsweise zwischen 1997 uns 2007 um 31 % abgenommen.

3. Der Trend zum geringfügigen Rückgang von Jugendgewalt findet eine direkte Entsprechung im Anstieg präventiv wirkender Faktoren und im Sinken Gewalt fördernder Lebensbedingungen der Jugendlichen.

4. Es gibt ein Stadt-Land-Gefälle in der Gewaltbelastung von Jugendlichen; in ländlichen und süddeutschen Regionen gibt es eine feststellbar niedrigere Gewaltbelastung.

5. Jugendliche mit Migrationshintergrund begehen häufiger Gewalttaten als deutsche Jugendliche. Die höhere Gewaltquote von jungen Migranten beruht auf mehreren Belastungsfaktoren, beispielsweise erfahren Migrantenkinder häufiger innerfamiliäre Gewalt als deutsche Kinder. Weitere Belastungsfaktoren, die die Gewaltbereitschaft fördern, sind: Alkohol- und Drogenkonsum, die Akzeptanz gewaltorientierter Männlichkeitsnormen („Machokultur“), Schulschwänzen und die Nutzung gewalthaltiger Medieninhalte.

6. Die Anzahl delinquenter Freunde im sozialen Netzwerk hat einen starken Einfluss auf die Jugendgewalt; je mehr delinquente Freunde, desto größer die Wahrscheinlichkeit zum Ergreifen von Gewalt.

7. Bildung wirkt sich präventiv aus: Je höher der Bildungsgrad, desto unwahrscheinlicher eine Eskalation in einer Gewaltspirale. Auch schlechte schulische Integration der Migrantenjugendlichen fördert Gewalt.

8. Alkohol und Drogenkonsum ist einer der Risikofaktoren für gewalttätiges Verhalten. Jungen, Haupt- und Realschüler sowie Jugendliche aus ländlichen Gebieten stellen hierbei eine große Risikogruppe dar.

9. Eine Minderheit von Jugendlichen ist ausländerfeindlich, antisemitisch und rechtsradikal. 14 % (rund jeder siebte der Befragten) gaben an, sie seien „sehr ausländerfeindlich“. 4 % der Befragten äußerten sich antisemitisch. Beides ist bei Jungen häufiger verbreitet als bei Mädchen. Jugendlich im Osten Deutschlands fallen besonders durch derartige Überzeugung auf. Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit sind in ländlichen Regionen und an Förder- und Hauptschulen stärker verbreitet als anderswo.

Für die Konflikt- und Gewaltprävention bedeutet dies in erster Linie, die Risikofaktoren für Gewalt zu minimieren und die Schutzfaktoren zu nutzen bzw. auszubauen.

Der hier besprochene Forschungsbericht (Nr. 107) kann in Landversion und Kurzversion auf der Seite des Kriminologischen Forschungsinstituts heruntergeladen werden.

Ein weiterer Forschungsbericht wird noch in der zweiten Jahreshälfte diesen Jahres vertiefende Analysen zu Einzelfragen des Themas Jugendgewalt liefern (u.a. das Ausmaß und Folgen von Computerspielabhängigkeit sowie die Integration von jungen Migranten je im Zusammenhang mit dem Thema). Ebenfalls werden dort die Forschungsergebnisse zum Bereich Kinderdelinquenz und zu Kinder-Opfererfahrungen dargestellt.

Wer mehr zum Thema Cyber-Mobbing, einer „modernen“ Form von Jugendgewalt wissen möchte, der findet Informationen sowie Hinweise zur Bekämpfung in einem ausführlichen Artikel hier im Mediationsblog.

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktprävention | Kommentare (0) | Autor:

Jugendliche denken über Konflikte in der Familie nach

Montag, 18. Mai 2009 7:16

„Ich in meiner Familie – Zwischen Wunsch und Wirklichkeit“, darüber haben sich 150 SchülerInnen zwei Tage lang im Rahmen eines open space im Berliner Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung Gedanken gemacht.

Dabei ging es auch ganz viel um Konflikte in der Familie, nämlich um: Taschengeld, Haushalt, Offenheit in der Familie, ethnische Konflikte, alleinstehende Elternteile, Vernachlässigung in Familien, Integrationsprobleme, Wunschkinder, der Hilflosigkeit gegen Gewalt in Familien, die Rolle von Strafen in der Familie, das betreute Wohnen als letzten Ausweg, und vieles mehr. In manchen Arbeitsgruppen war es eher beschaulicher und nachdenklicher – in anderen Arbeitsgruppen war es richtig voll und es wurde intensiv diskutiert und debattiert. Die Jugendlichen waren froh, endlich einmal über diese Themen sprechen zu können und wünschten sich weitere derartige Veranstaltungen.

Auch ich habe gerne an dem open space teilgenommen und viele Gedankenanregungen von den Jugendlichen mitnehmen können. Besonders ist mir in Erinnerung geblieben, wie ernsthaft die Mädchen und Jungen über die Themen nachgedacht haben, Erfahrungen ausgetauscht haben, Lösungen gesucht haben und Anregungen für die Politik formuliert haben.

Auch das Thema „Rechte von Kindern und Jugendlichen“ hat Wellen geschlagen: Wie lange darf ich denn draußen bleiben? Was für Rechte habe ich? Warum habe ich in der Schule noch nichts über Rechte gehört? Den wenigsten Anwesenden waren die Antworten auf diese Fragen bekannt. Bleibt zu hoffen, dass darauf reagiert wird …

Die Landeskommission Berlin gegen Gewalt hat gut daran getan, dieses Thema auf diesem open space anzubieten. Allen LehrerInnen und SchülerInnen seien sowohl die Methode des open space als auch das Thema empfohlen.

Die Landeskommission Berlin gegen Gewalt führt übrigens immer wieder hochwertige Vorträge und Tagungen zu den verschiedensten Themen durch, demnächst am 16.06.09 beispielsweise zu den Ergebnissen der jüngsten bundesweiten Repräsentativbefragung von 45.000 Jugendlichen durch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen e.V.

Eine Anleitung, um Konflikte in der Familie gut lösen zu können, bietet übrigens mein Buch “Kommunikation in der Familie: Vom Schimpfen und Schreien zum Runden Tisch in der Familie.”

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Kommunikation, Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktlösung | Kommentare (0) | Autor:

Medition beim Uferstreit in Potsdam

Donnerstag, 14. Mai 2009 13:10

Und wieder gibt es vielleicht demnächst eine spannende Mediation, den öffentlichen Raum bzw. das Gemeinwesen betreffend. Es geht um den Uferweg am Griebnitzsee in Potsdam-Babelsberg. Ist er öffentlich oder dürfen die Anrainer ihn für ihre Bedarfe sperren?

Dieser Streit eskalierte, als das Oberverwaltungsgericht kürzlich im Streit um die Nutzungsrechte acht Anrainern Recht gab, den Weg am See als ihr Eigentum für den Durchgang anderer zu sperren. Begründung: Es bestünde kein „naturschutzrechtliches Betretungsrecht für die Allgemeinheit“. Fast ein Dutzend Anrainer haben daraufhin ihren Weg am See entlang gesperrt.

Andere prominente See-Anrainer sprechen sich für den Weg am See als öffentlichen Weg aus. Dies will natürlich auch die Bürgerinitiative „Griebnitzsee für alle“. Heftige Emotionen werden teilweise frei, wenn Spaziergänger auf Grenzen und Absperrungen treffen. Am Griebnitzsee verlief übrigens früher die deutsch-deutsche Grenze.

Ob es zur Mediation kommt, hängt von den Griebnitzsee-Anrainern ab. Akzeptieren sie die Mediatoren, so kann es losgehen. Am 5. Juni wird über das Ja oder Nein zur Mediation entschieden.

Die Mediatoren werden sein:
Lothar de Maizière, CDU, war 1990 der erste und letzte demokratisch gewählte Ministerpräsident der DDR, später Bundesminister für besondere Aufgaben. De Maizière war einer der Hauptverhändler der deutsch-deutschen Wiedervereinigung.
Hans-Otto Bräutigam, war ständiger Vertreter der BRD in der DDR, Jurastudium, Auswärtiges Amt, Bundeskanzleramt, Justizminister in Brandenburg bis 1999

Christa Schäfer

Ausführlicher Berichte zum Thema im “Berliner Tagesspiegel“.

Thema: Gemeinwesenmediation, Konflikte | Kommentare (0) | Autor:

“In einer friedlichen Familie kommt das Glück von selbst.”

Montag, 11. Mai 2009 7:55

Mit diesem chinesischen Sprichwort als Eingangszitat beginnt das erste Kapitel meines neuen Buches “Kommunikation in der Familie: Vom Schimpfen und Schreien zum Runden Tisch”. Im folgenden eine kleine Leseprobe daraus:

„Die Eltern Sabrina und Frank leben in Harmonie mit ihrer sechzehnjährigen Tochter Meike. Doch in letzter Zeit entwickelt sich langsam ein Konflikt: Meike hört gerne laute Musik und gerät dabei zusehends in Streit mit ihrem Vater. Der arbeitet bei einem Nahverkehrsbetrieb im Schichtdienst. Er hat momentan Frühdienst und würde sich gerne gleich nach seinem Dienst für zwei bis drei Stunden aufs Ohr legen.
Wenn Meike von der Schule nach Hause kommt, ist sie vom Schulstress etwas angespannt und da hilft es ihr, wenn sie die Boxen ganz laut aufdreht. Dass sie dabei ihren Vater stört, kommt ihr gar nicht in den Sinn, ebenso wenig, dass sie ja eigentlich die Kopfhörer benutzen könnte …
Vater Frank fühlt sich in seinem Schlafbedürfnis gestört und so kommt es unweigerlich zu einem kleinen Streit. Meike sieht zwar ein, dass ihr Vater Ruhe braucht, ist aber sauer, weil sie schon wieder nachgeben muss. Deshalb ist der Nachmittag für sie gelaufen, trotzig knallt sie die Türe zu ihrem Zimmer zu.“

Situationen wie diese lassen sich frühzeitig durch nur einen Satz ganz leicht entschärfen – und dann im Gespräch klären. Wie das funktioniert können Sie in meinem neuen Buch nachlesen.

„Ich bin Jana, wohne mit meinem Mann Ahmed in Berlin, und meine Kinder sind 9 und 6 Jahre alt. Seit einiger Zeit kommt Berkai, mein Großer aus der Schule und erzählt von allen möglichen Fernsehserien, die seine Freunde nachmittags schauen. Bisher sind wir ganz ohne Fernseher ausgekommen, waren viel auf Spielplätzen, manche Nachmittage beim Sport, und hatten zu Hause auch immer unseren Spaß mit den vielen Spielsachen der beiden Jungs.
In letzter Zeit kommt unser 9jähriger Berkai jedoch häufiger aus der Schule nach Hause und erzählt von den Fernsehserien, die seine Klassenkameraden nachmittags anschauen. Er möchte die jetzt auch anschauen, und da Berkai diese Serien schauen möchte, will sein Bruder Emre die natürlich auch sehen.
Einerseits verstehe ich ja, dass Berkai in seiner Klasse mitreden möchte, andererseits möchte ich, dass er sich lieber mit kreativen Dingen beschäftigt und nicht so oft vor der „Glotze“ hängt. Also haben Ahmed und ich uns zusammengesetzt und uns überlegt, dass die beiden maximal eine 30minütige Serie am Tag schauen dürfen. Wir Erwachsenen fanden diese Entscheidung gut, aber bei unseren Kindern ist sie nicht gut angekommen. Die konnten sich nämlich nicht auf eine Serie einigen. Während Berkai lieber Pokemon schauen will, fährt Emre total auf SpongeBob ab. Nun schauen sie manchmal hintereinander weg, zuerst der eine und dann der andere. Dabei bleibt der eine dann manchmal bei der Serie des anderen sitzen und umgekehrt. Eigentlich bin ich jetzt nachmittags nur noch dabei auf die Uhr zu schauen, wann die unterschiedlichen Serien anfangen und aufhören und wer gerade schauen darf und wer nicht. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Seit ich jetzt davon gehört habe, dass man Regeln gemeinsam vereinbaren muss, werde ich das jetzt mit meinen Kindern und meinem Mann zusammen versuchen. Hoffentlich klappt das und meine Nachmittage werden wieder ruhiger.“

Ja, auch für diese Konfliktsituation benötigt man das richtige know how, das einfach zu lernen ist und das Sie in meinem neuen Buch „Kommunikation in der Familie: Vom Schimpfen und Schreien zum Runden Tisch“ nachlesen können.

Das Buch enthält viele Fallbeispiele aus meiner Arbeit mit Familien. Es bietet fundierte fachliche Inputs, neue Forschungsergebnisse aus dem Bereich sowie als Arbeitsbuch viele Seiten, mit denen Sie selbst IHREN Kommunikations- und Konfliktstil in der Familie überdenken und ändern können. Auch die Mangazeichnungen von Nora Holtmann, die in Beispielen die wichtigsten Kommunikationsregeln nochmals verdeutlicht, sollten Sie sich nicht entgehen lassen.

Das 156 Seiten umfassende Buch kostet 14 €.
Freuen Sie sich mit mir über das Erscheinen des Buches und
bestellen Sie jetzt Ihr persönliches Exemplar zum Subskriptionspreis von 12 €.

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Kommunikation, Konflikte, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Berlin: Myfest und 1.-Mai-Demo 2009

Montag, 4. Mai 2009 7:32

Erst gab es das Myfest in Berlin Kreuzberg, dann begann abends die so genannte „Revolutionäre 1.-Mai-Demo“ mit ca. 5000 Teilnehmern.

Auf dem Myfest halfen 200 Kreuzberger Jugendliche aus den Kreuzberger Jugendclubs der Polizei, die Stimmung ruhig zu halten und Krawalle nicht aufkommen zu lassen. Sie hatten zuvor in einige Seminare allgemeine Informationen zum 1. Mai erhalten und bei der Polizei in Rollenspielen gelernt, wie man Streit schlichtet. Mit Namensschildern und dem Hinweis auf ihre Security-Tätigkeit haben die jungen Wachleute stolz ihre Aufgaben versehen. Damit haben die Jugendlichen einen Teil der Verantwortung für ihren Kiez übernommen, sie haben als Experten in eigener Sache sicherlich die richtigen Worte bei ihnen bekannten Jugendlichen getroffen und so zur Deeskalation beigetragen. Wer weiß, vielleicht hätten einige ohne diese ihre Aufgabe sonst sogar selber bei den Krawallen mitgemacht …

Auf der Revolutionären 1.-Mai-Demo am Abend brach dann bereits zwei Minuten, nachdem sich diese Demo am Kottbusser Tor in Bewegung gesetzt hatte, Gewalt aus. Die Anti-Konflikt-Teams (AKT’s) der Polizei, die mit im Demonstrationszug gingen, wurden mit Flaschen beworfen. Die Stimmung war aggressiver als in den letzten Jahren, der Steinhagel extremer. Dennoch konnte verhindert werden, dass die Randale ausuferte, denn die Feiern auf dem Myfest gingen weiter …

Christa Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Konflikte, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Systemischer Ansatz | Kommentare (3) | Autor: