Beiträge vom Juli, 2009

Berlin auf dem Weg zu mehr Respekt

Montag, 27. Juli 2009 9:52

Die Initiative Berliner Ratschlag für Demokratie möchte in Form von Kampagnen, Veranstaltungen und sonstigen Aktionen eine Signalwirkung für ein demokratisches und vielfältiges Berlin initiieren. Ein breit angelegtes Bündnis soll für die Schlüsselbegriffe Demokratie, Vielfalt und Respekt als Merkmale der demokratischen Stadtkultur in Berlin werben.

Bereits im Januar 2008 wurde die Initiative von René Gurka (Berlin Partner GmbH), Dagmar Reim (Intendantin rbb), Prof. Klaus Staeck (Präsident der Akademie der Künste) und Dr. Heidi Knake-Werner (Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales) gegründet. Im Mai 2008 hat der Ratschlag sein Selbstverständnis in dem »Leitbild für Demokratie, Vielfalt und Respekt« beschrieben und den Kampagnetext »Berliner Verpflichtung« beschlossen.

Hier der Wortlaut der Berliner Verpflichtung:

»Du bist anders als ich. Ich respektiere dich.« »Ich bin anders als du. Respektiere mich.« Wer andere Menschen wegen Aussehen, Hautfarbe, Sprache, Herkunft, Religion, Kleidung oder Lebensweise herabsetzt oder ausgrenzt, trifft auf unseren Widerstand. Wir zeigen Gesicht. Für Konflikte gibt es keine einfachen Lösungsmuster. Wer Freund-Feind-Denken überwinden will, darf keinen simplen Parolen folgen. Wir lassen uns nicht provozieren. Wir verhalten uns solidarisch. Wer andere Menschen mit Worten, Gebärden oder Fäusten angreift, zeigt Schwäche. Wir sehen nicht tatenlos zu. Berlin ist unsere Stadt: In der Schule und am Arbeitsplatz, auf der Straße oder im Stadion, in der Nachbarschaft, im Kiez und in öffentlichen Verkehrsmitteln, in öffentlichen Gebäuden oder in der Disko. Wir teilen die gleichen Räume und lassen sie nicht beschädigen. Wir bleiben offen für das Unbekannte und nehmen aufeinander Rücksicht. Wir verpflichten uns zu gegenseitigem Respekt.

Ich finde diese Kampagne fantastisch und habe mit meinem Namen für mehr Respekt in Berlin unterzeichnet. Gerne können Sie mir folgen!

Derzeit gibt es auch einen Aktionswettbewerb, bei dem Aktionen in Berlin prämiert werden, die sich für Respekt und die Berliner Verpflichtung einsetzen. Starten Sie eine Aktion und machen Sie mit!

Für mehr Fairplay in Berlin!

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktlösung, Konfliktprävention, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

In Berliner Schulen wird seltener zugeschlagen, bedroht, beleidigt oder erpresst …

Montag, 20. Juli 2009 9:23

… nämlich im Durchschnitt täglich neun Mal im Schuljahr 2007/2008, über das jetzt der Bericht vorliegt. Insgesamt meldeten die Schulen für diesen Zeitraum genau 1632 Gewaltvorfälle, und das ist ein Rückgang von genau 100 im Gegensatz zum davor liegenden Schuljahr.

In vier von 10 Fällen wurde die Polizei eingeschaltet, bei 28 Prozent ein Arzt geholt. Die Täter waren in der Regel männlich, die Opfer überwiegend weiblich. In jedem fünften Fall waren Lehrer oder andere Schulmitarbeiter die Opfer. Jugendlich mit Migrationshintergrund wurden überproportional häufig als Täter genannt, in etwa der Hälfte der Fälle. Der Tatbestand der Körperverletzung und der gefährlichen Körperverletzung machten zusammen rund 2/3 aller Fälle aus.

Die am häufigsten von Gewaltvorfällen betroffenen Schulen waren Grund-, Sonder- und Hauptschulen. Die Bezirke, in denen die meisten Gewaltvorfälle vorkamen, waren Mitte und Neukölln, gefolgt von Steglitz-Zehlendorf. Die wenigsten Gewaltvorfälle wurden aus Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau und Pankow gemeldet.

Eine Zusammenfassung des Berichtes im Tagesspiegel vom 11. Juli 09

Der ausführliche Gewaltpräventionsbericht zum Schuljahr 2007/2008 einzusehen unter www.berlin.de

Interesse an den Ergebnissen einer deutschlandweiten Studie zum Thema Jugendgewalt?

Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte | Kommentare (0) | Autor:

Das Kinder- und Jugendtelefon hilft bei Problemen und Konflikten

Montag, 13. Juli 2009 7:28

Vor den Sommerferien gibt es Zeugnisse, und bei einigen Schülerinnen und Schülern rufen diese ein starkes Unwohlsein oder sogar ein Krise hervor. Manche Kinder und Jugendlichen können mit ihren Eltern oder mit Freundinnen und Freunden, ihrem Bruder oder der Schwester, ihren Lehrern oder anderen Personen darüber sprechen. Andere trauen sich nicht und “fressen den Ärger in sich hinein”.

Es gibt auch andere Probleme und Konflikte, da mag ein Kind oder eine Jugendliche bzw. ein Jugendlicher eigentlich zu niemandem gehen, um dies zu besprechen. Vielleicht ist das Problem mit Angst besetzt, vielleicht ist es zu peinlich oder es gibt niemanden, zu dem man genügend Zutrauen hat, oder die Eltern sind gerade die Konfliktpartner …

Dann können Kinder und Jugendliche anrufen bei der
Nummer gegen Kummer: 0800-1110333.

Kinder und Jugendliche können sich kostenlos und anonym an dieses Kinder- und Jugendtelefon wenden. 2006 haben dort 225.864 Kinder und Jugendliche angerufen, die Beratung gesucht haben. Der Anteil an längeren Gesprächen hat zugenommen, das spricht dafür, dass die Probleme und Konflikte komplizierter geworden sind oder Kinder und Jugendliche sich intensiver damit auseinander setzen. Je älter die Anrufer sind, um so länger dauert ein Beratungsgespräch. Das Alter der Anrufer liegt zwischen 8 und 25 Jahren, 73 % der Anrufer sind zwischen 12 und 16 Jahren. Daran ist zu merken, dass die Pubertät ein wichtiges Thema für Jugendliche ist und bleibt und oft kein Ansprechpartner da ist, mit dem Fragen diesbezüglich geklärt werden können. Mädchen und Frauen nutzen das Beratungsangebot häufiger als Jungen, 2/3 aller Anrufe sind weiblich.

Mehr als 3.500 Beraterinnen und Berater arbeiten ehrenamtlich für die Nummer gegen Kummer. In den meisten Fällen ist der Anlass für den Anruf die eigene, persönliche Entwicklung des Anrufers, an zweiter Stelle folgen Probleme mit Gleichaltrigen, also anderen Kindern und Jugendlichen und erst an dritter Stelle folgt das Thema Auseinandersetzung mit Eltern oder der Familie. 75 % der geführten Gespräche werden zu einer Problemklärung geführt bzw. zu einer Anregung zur selbständigen Bewältigung, zur Selbsthilfe.

Ergänzend zur Nummer gegen Kummer gibt es die Internetberatung für Kinder- und Jugendliche, bei denen die Nutzer die Möglichkeit haben, ihre Probleme per mail den Beraterinnen und Beratern zu schildern.

Das Elterntelefon unter der Nummer 0800-1110550 bietet Eltern oder anderen Personen Hilfe, die Fragen zur Erziehung haben oder Tipps und Hinweise zu speziellen Problem im Umgang mit Kindern und Jugendlichen suchen. Hilflosigkeit und Überforderung ist das meist besprochene Thema am Elterntelefon, gefolgt von allgemeinen Erziehungsfragen sowie Problemen mit dem (Ex-)partner, einer Unsicherheit in der Beziehung sowie dem Umgang mit Bestrafen und Strafen.

Die Nummer gegen Kummer gibt es seit 1980, sie ist in der Zwischenzeit ein unverzichtbares Beratungsangebot in Deutschland geworden. Mein Wunsch ist es, dass viele Kinder und Jugendliche ihre Probleme und Konflikte selber lösen können bzw. lösen lernen. Falls sie jedoch Hilfe benötigen und suchen und nicht in ihrem Umfeld bekommen, die Nummer gegen Kummer ist glücklicherweise da.

Informationen über Probleme und Konflikte von Kindern- und Jugendlichen in Berlin auf diesem blog.

Christa Schäfer

Thema: Familienmediation, Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Schulmediation, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Zweite Mediation um einen Uferweg in Potsdam?

Mittwoch, 8. Juli 2009 12:45

Zur Mediation am Griebnitzsee hat man bisher nichts gehört oder gelesen. Ist sie zustande gekommen? Gab es Ergebnisse?

Nun sperrten auch Anrainer am Groß Glienicker See das Seeufer eigenmächtig ab. Bisher konnten Spaziergänger und Anwohner den Weg am See nutzen. Jetzt haben Besitzer im Süden des Sees ihr Grundstück umzäunt und Schilder aufgestellt. Damit gibt es einen zweiten heftigen Streit in Potsdam zwischen Privateigentümern und Spaziergängern um einen Seeweg.

Auch hier soll durch Mediationsgespräche eine Lösung gefunden werden. Als Mediatoren sind ebenso wie im Streitfall Griebnitzsee der frühere Brandenburger Justizminister Hans-Otto Bräutigam sowie der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maiziére vorgesehen.

Ein Teil der Anrainer hat jedoch schon jetzt ihre Teilnahme an den Gesprächsrunden abgelehnt und sich auf ein zu ihren Gunsten ausgefallenes früheres Gerichtsurteil bezogen.
Mehr Infos?
Man darf gespannt sein, wie es weitergeht …

Christa D. Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Konflikte | Kommentare (0) | Autor:

Vergleich für Eisbären Knut

Dienstag, 7. Juli 2009 22:23

Erinnern Sie sich noch an die Mediationsanfrage um den Berliner Eisbären Knut?

Knuts Vater Lars stammt aus dem Tierpark Neumünster. Damit gehörte auch Knut nach Neumünster und der dortige Tierpark wollte natürlich einen Teil der Einnahmen aus der Knut-Vermarktung abbekommen. Eine Mediationsanfrage wurde jedoch aus Berlin abgelehnt.

Danach hat sich Neumünster für eine Klage entschieden und wollte wissen, wie viel der Berliner Zoo durch Knut eingenommen hat. Als diese vor dem Landgericht verhandelt wurde, legte der Richter den Parteien einen Vergleich nahe. Mit einer Auskunftsklage werde Neumünster nicht durchkommen, so seine Aussage.

Nun haben sich der Berliner Zoo und der Tierpark Neumünster tatsächlich einvernehmlich geeinigt, dass Knut in Berlin bleibt und Neumünster dafür 430.000 € erhält. Damit tritt auch Neumünster die Rechte an dem Eisbären ab.

Also herzlich willkommen dem neuen Berliner, unserem Eisbären Knut !

Schauen Sie auch nach den ausführlichen Informationen zu diesem Vergleich oder zu meinen bisherigen Artikeln bezüglich der Mediationsgeschichte des Falls Knut.

Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte, Konfliktlösung, Wirtschaftsmediation | Kommentare (0) | Autor:

Glück ist keine Emotion

Montag, 6. Juli 2009 6:55

Das Buch „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ stand lange auf den Bestsellerlisten, und es ist ein wahrhaft wunderbares Buch. Der ziemlich gute Psychiater Hector kann den Menschen nachdenklich und mit echtem Interesse zuhören:

„Er schaute die Leute an, wenn sie ihre Geschichte erzählten, er nickte ermutigend, machte seine kleinen ‘Hmm’s’ und zwirbelte dabei den Schnurrbart, und manchmal sagte er sogar: ‘Warten Sie, erklären Sie mir das. Ich habe es nicht genau verstanden.’ Außer an den Tagen, an denen Hector sehr müde war, spürten die Leute, dass er wirklich hinhörte und ihre Geschichten sogar interessant fand.“

Also: Hector reiste durch die Welt und versuchte zu verstehen, was Glück ist. Am Ende seiner Reise trifft er einen großen Professor, der ganz klein ist, aber eine große Nase und ein großes Büschel Haare hat, das über seinem Kopf steht wie das Federkleid eines Vogels. Und dieser Professor sagt über das Glück:

„Nun ja, das Glück, verflixt, da zerbricht man sich schon den Kopf, wenn man es bloß definieren will. Ist es Freude – aber nein, wird man Ihnen sagen, Freude ist eine Emotion, so etwas hält nicht lange vor, das ist gerade mal ein glücklicher Augenblick, aber immerhin, man sollte ihn auf jeden Fall auskosten. Also ist Glück vielleicht Vergnügen, häm? Häm? Ah ja, das sagt uns schon was, jedermann weiß, was das ist, aber auch das hält nicht unbedingt lange an. Aber ist Glück nicht die Summe aus lauter kleinen Freuden und kleinen Vergnügungen, häm? Häm? Na ja, meine Kollegen haben sich schließlich auf den Begriff ‘subjektives Wohlbefinden’ geeinigt, puh, wie trist und platt das klingt …“

Also ist Freude ein glücklicher Augenblick, und Glück ist die Summe aus lauter kleinen Freuden und kleinen Vergnügungen? Was meinen Sie?

Falls Sie sich für die aus 20 Punkten bestehende Checkliste interessieren, die Hector über das Glück zusammen gestellt hat, und falls sie weitere Forschungsergebnisse des Professors hören möchten, so bietet sich dieses von Francois Lelord geschriebene Buch als Urlaubslektüre geradewegs an …

Falls Sie wissen möchten, was den Hass und die Liebe verbindet …

Und das Glücklichsein, das ist natürlich ein Gefühl, das ich Ihnen für die kommenden Sommertage in großen Menge wünsche!

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Klassenfahrtsausschluss wegen Unterrichtsstörung

Freitag, 3. Juli 2009 6:49

In jeder Klasse gibt es SchülerInnen, die den Unterricht stören und sich aggressiv gegenüber KlassenkameradInnen und LehrerInnen benehmen. Da kann es auch schon mal leicht passieren, dass diese den Unterricht störenden Schüler von Wandertagen oder Klassenfahrten ausgeschlossen werden. Dagegen haben jetzt die Eltern eines 14jährigen Berliner Gymnasiasten geklagt.

Laut Gericht hatten die Eltern des Charlottenburger Schülers die Vorfälle als “Lappalien” abgehandelt. Die Richter stellten jedoch fest, dass durch den Jungen eine “Atmosphäre” der Angst in der Klasse verbreitet wurde. Das Verwaltungsgericht wies die Klage der Eltern zurück, der Junge darf nicht mit auf Klassenfahrt. (Quelle: DER TAGESSPIEGEL vom 02.08.09)

Christa Schäfer

Thema: Konflikte, Konfliktlösung, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor: