Beiträge vom September, 2009

Cyber-Mobbing – zwischen zwei Buchdeckeln

Montag, 28. September 2009 6:25

Es gibt Bücher, die gehen „unter die Haut“.
Das Buch, über das ich hier berichten möchte, ist so eines.
Es ist ein Buch über Cyber-Mobbing.
Aber dazu später …

In meinem ersten Blogartikel über Cyber-Mobbing habe ich bereits definiert, was dieser Begriff bedeutet. Er meint das über einen längeren Zeitraum stattfindende absichtliche Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen anderer mit Hilfe moderner Kommunikationsmittel. Die Kommunikationsmittel können ein Handy sein (SMS oder Anrufe) oder / und das Internet (Soziale Netzwerke, Video- und Fotoportale) Der Täter, auch Bully genannt, handelt meist anonym, so dass das Opfer nicht weiß, von wem die Angriffe kommen.

Seit 2007 liegt eine interessante Studie zum Thema Gewalt im Web 2.0 vor, dem Umgang Jugendlicher mit gewalthaltigen Inhalten im Internet sowie die rechtliche Einordnung der Problematik. Interviews mit Jugendlichen haben ergeben, dass Jugendliche heutzutage regelmäßig mit der Situation des Fotografiert- und Gefilmtwerdens konfrontiert sind und mit der Möglichkeit, dass diese Bilder veröffentlicht werden. Bei diesem Bildmaterial sind natürlich auch Szenen dabei, in denen die Jugendlichen in unvorteilhaften oder peinlichen Situationen zu sehen sind (schlafend, betrunken …). Werden diese Bilder durch Freunde oder in guter oder witziger Absicht ins Netz gestellt, so finden die Jugendlichen dies akzeptabel. Werden die Bilder als Racheakt ins Netz gestellt, so ist dies schmerzhaft. Mädchen empfinden dabei die Veröffentlichung derartigen Bildmaterials insgesamt sehr viel stärker problematisch als Jungen. Beide greifen in einem solchen Fall zu Relativierungsstrategien: „Das kann jedem passieren, dass mal solche Bilder erscheinen.“

Das jedoch ist kein Cyber-Mobbing im Sinne der obigen Definition. Die Webseite klicksafe.de, die sich mit Cyber-Mobbing beschäftigt, erwähnt acht Stufen des Cyber-Mobbings. Diese von Nancy Willard beschriebenen Ausprägungen des Cyber-Mobbings umfassen zunächst Beleidigungen und Beschimpfungen (Flaming) sowie die Belästigung des Opfers (Harassments), daran schließt sich das Anschwärzen, Gerüchte verbreiten (Denigration), das Auftreten unter falscher Identität (Impersonation), das Bloßstellen (Outing und Trickery) sowie der Ausschluss (Exclution) an. Abschließend finden das Phänomen im Cyberstalking (fortwährende Belästigung und Verfolgung) sowie im Cyberthreat (offene Androhung von Gewalt) seinen Höhepunkt.

So richtig kann man sich eigentlich nicht hineinversetzen in ein Cyber-Mobbing Opfer. Das neu erschienene Buch „Böses Spiel“ von Brigitte Blobel katapultiert den Leser in eine Cyber-Mobbing Welt. Svetlana Olga Aitmatowa, die 14jährige Hauptfigur des Jugendromans, stammt aus der Ukraine. Sie kommt als „Russlanddeutsche“ mit ihrer Mutter und ihrem Stiefvater nach Deutschland. Dort geht sie zunächst in Wohlstorf in die Schule, bis sie ein Stipendium erhält und auf das Internatsgymasium Erlenhof gehen darf. Nachdem sie sich darüber zunächst riesig freut, fängt der Trouble bald an. Es ist wichtig, Markenkleidung zu tragen – da kommt Svetlana nicht mit. Zudem arbeitet ihre Mutter zuerst in einer Fleischwarentheke im Supermarkt und dann als Putzfrau, auch das kommt bei Svetlanas Klassenkameradinnen und Klassenkameraden im Edelinternat nicht gut an. Als Svetlana dann aber auch noch zur besten Schülerin der Klasse wird, ist nichts mehr aufzuhalten.

Die Beleidigungen von Svetlana sind an der Tagesordnung, und dann kommen die ersten SMSen dazu. „Bei Achselschweiss: Alles über Seife und Deos bei ichstinke.de“ so das Beispiel von einer der ersten SMS’. Kurz darauf treten auch schon die höheren Eskalationsstufen des Cyber-Mobbing im Internet auf. Space Shuttle, Rosenstolz, Luzifer und Prinz Eisenherz (alles Tarnnamen) verbreiten Fotomontagen von Svetlana mit hässlichem Inhalt, wählen sie zum hässlichsten Mädchen im Gymnasium und kennen absolut keine Grenzen mehr.

Das von Brigitte Blobel für Leser ab 12 geschriebene Buch “Böses Spiel“ verdeutlicht, wie die Gesundheit von Svetlana sich immer weiter verschlechtert, wie sie in eine Depression rutscht, sich immer mehr selber fremd wird, und wie sie schließlich sogar zum Suicid bereit ist. Kein einfaches Buch, fürwahr, aber eben ein „unter die Haut gehendes“. Wenn das Thema Cyber-Mobbing auf dem Stundenplan steht, dann sollte dieses Buch als Begleitlektüre nicht fehlen.

Eine irreale Geschichte? Mitnichten.
Man denke nur an 13jährige Megan aus Missouri, die sich nach einer Cyber-Mobbing-Attacke erhängte.

Unterstützen Sie Ihre Schülerinnen und Schüler bei Mobbing und Cyber-Mobbing bedingungslos!

Christa D. Schäfer

Thema: Allgemein, Literaturempfehlungen, Mobbingbearbeitung | Kommentare (0) | Autor:

Rechtsschutzversicherung bietet Mediation an

Mittwoch, 23. September 2009 19:27

Jetzt wird die Methode der Mediation auch von den Rechtsschutzversicherungen ernst genommen. Die Allianz Rechtsschutzversicherung bietet seit August 2009 Mediation für Firmenkunden an. Gibt es Probleme mit Lieferanten, Streit in der Gesellschafterversammlung oder ähnliche Dinge, so können sich die betroffenen Unternehmer für eine Mediation entscheiden – anstatt in ein Gerichtsverfahren zu gehen.

Die Allianz hat dazu mit dem EUCON, also dem Europäischen Institut für Conflict Management eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Dadurch stehen jetzt 90 MediatorInnen in Deutschland den Allianz-Versicherten für das Verfahren zur Verfügung. Die EUCON berechnet für die Mediation einen Pauschalpreis. In versicherten Fällen tragen die Allianz Rechtsschutz sowie der Verfahrensgegner die Mediationskosten je zur Hälfte (Angaben sind der Pressemitteilung der Allianz entnommen).

Christa D. Schäfer

Thema: Mediationsverfahren, Wirtschaftsmediation | Kommentare (1) | Autor:

Wie entstehen Gefühle im Gehirn?

Montag, 21. September 2009 5:30

Gefühle werden im limbischen System hervorgerufen und verarbeitet. Das limbische System ist eine ringartige Ansammlung von Hirnkernen, bestehend aus Amygdala, Hippokampus, Hypothalamus und dem Gyrus cinguli – Strukturen, die vielfältig mit der Großhirnrinde verbunden sind. Sie können das gesamte Gehirn in seiner Funktion beeinflussen. Der untere Bereich des limbischen Systems (Amygdala, Hippokampus, Hypothalamus) ist für den körperlichen Ausdruck von Gefühlen verantwortlich, der obere Teil mit dem limbischen Kortex für die Wahrnehmung und das Bewusstwerden von Gefühlen.

Die Amygdala, der sogenannte Mandelkern, ist von besonderer Bedeutung für unser emotionales System. Wird er beispielsweise bei einer Hirnblutung beschädigt, so kann es zu einer „Gefühlsblindheit“ bezüglich eigener als auch fremder Gefühle kommen. Besonders die Gefühle der Furcht, Angst und Aggression sind hiervon betroffen. Die Amygdala begleitet alle Ereignisse emotional und bewertet sie. Sie beeinflusst schon auf der Wahrnehmungsebene, was wir wahrnehmen und wie wir die Welt „erleben“.

Diese Informationen sowie die folgenden sind dem neuen Buch des Neurobiologen Martin Korte entnommen: „Wie Kinder heute lernen. Was die Wissenschaft über das kindliche Gehirn weiß“. Das Buch ist superspannend geschrieben, interessant zu lesen und erklärt anhand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse, wie das kindliche Gehirn denkt, versteht, sich konzentriert und erinnert.

Neugeborene werden zunächst nur mit einer kleinen, aber effektiven Grundausstattung an emotionaler Ausdrucksfähigkeit (Freude, Lachen, Ekel) geboren. Sie können Gesichtsausdrücke wie Zufriedenheit, Trauer und Überraschung erkennen und nachahmen. Diese Imitation von Menschen mit Gefühlsausdrücken ist schon früh angelegt und eine wichtige Voraussetzung für die spätere Empathie – also die Fähigkeit, sich in die Empfindungen anderer Menschen einzufühlen. Autistischen Kindern fehlt übrigens die Neigung, andere zu imitieren.

Eigene Emotionen aufzubauen sowie Gefühle bei anderen Menschen wahrzunehmen, das sind wichtige Funktionen eines jeden Gehirns. Manchen dreijährigen Kindern fehlt die „Kontrollinstanz“ von der Großhirnrinde zur Amygdala, das macht es für sie nicht einfach, ihre jähzornigen Ausbrüche zu kontrollieren. Grob gesagt beginnt die Gefühlskontrolle und Bewertung von Emotionen erst mit dem fünften bis sechsten Lebensjahr. Und erst nach der Pubertät ist die Verbindung vom Stirnlappen zur Amygdala myelinisiert, so dass dann der präfrontale Kortex effektiv Emotionen kontrollieren kann. Erst dann ist diese Verbindung in der Lage, die starken emotionalen Reaktionen der Amygdala zu dämpfen.

Gefühle spielen nicht zuletzt beim Lernen eine wichtige Rolle. Was emotional aufwühlt, wird leichter im Gehirn abgespeichert als ein neutraler Sachverhalt. Eine negative gefühlsmäßige Einstellung in Bezug auf Lehrer oder Lernstoff oder etwa durch ein Mobbing in der Klasse, blockiert die Aufnahme von neuem Lernstoff.

“Wie Kinder heute lernen” ist ein fantastisches Buch für Eltern, die Kinder auf Ihrem Weg zum Schulerfolg begleiten wollen. Neben den Themen “Die 7 Säulen des kindlichen Lernens” und “Die 7 Säulen für den Schulerfolg” wird hier auch über den Umgang mit Lernstörungen und über hochbegabte Kinder berichtet. Dieses Buch sollten sich engagierte Eltern (und Lehrer) nicht entgehen lassen!

Und übrigens: Emotionen lenken maßgeblich unser Handeln, auch das, welches wir für rational halten. Gefühle behindern uns nicht im Denken, sondern sie sind im Laufe der Evolution überhaupt erst entstanden, um die Entscheidungsfindung zu beschleunigen!

Ach ja, und kennen Sie schon den Marshmellow-Test des Stanforder Professors Walter Mischel? Der hat direkt vor den Augen je eines vierjährigen Kindes ein Marshmallow abgelegt mit der Anweisung, dieses nicht eher zu essen, als bis er wieder da sei. Dann würde das Kind, falls es das ersten Marshmallow noch nicht gegessen hat, einen zweiten dazu bekommen. Nun ging Mischel aus dem Zimmer und kam erst 20 Minuten später wieder zurück. Die meisten Kinder hatten den Marshmallow schon aufgegessen.

Was aber so interessant an diesem Test war: Nach 14 Jahren testete Mischel den Schulerfolg der am Test teilhabenden Kinder. Genau die Kinder, die mit vier Jahren die beste Impulskontrolle hatten und dem Impuls, das Marshmallow zu essen, widerstehen konnten, schnitten in allen Intelligenz- und Hochschulexamenstests besser ab als diejenigen Kinder, deren Impulskontrolle nicht so sonderlich ausgeprägt war. Zudem waren diejenigen Kinder mit der ehemals besten Impulskontrolle sozial kompetenter, durchsetzungsfähiger, nahmen Herausforderungen leichter an und konnten mit Frustrationen und Drucksituationen besser umgehen! Die Impulskontrolle zählt übrigens nach Howard Gardner zur interpersonalen Intelligenz.

Ja, wozu emotionale Intelligenz doch gut ist. Schaffen Sie es, einer Tafel Schokolade, die vor Ihnen liegt, sagen wir 30 Minuten zu widerstehen?

Christa D. Schäfer

Wollen sie wissen, was Hass und Liebe im Gehirn verbindet?

Thema: Emotionale Intelligenz, Konflikte, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (2) | Autor:

Täglich die Angst

Montag, 14. September 2009 20:29

Das ist das Gefühl, mit dem Mobbingopfer in die Schule gehen – und das ist auch das Gefühl, das Thorsten aus dem gleichnamigen Buch von Manfred Theisen verspürt.

„Katinka, Annika und Lisa haben die Klasse fest im Griff und Thorsten in der Zange. Er ist ihr neuestes Opfer, und die Lehrer reden gegen Wände, denn keiner macht den Mund gegen die Gang auf. Wer ist schon so verrückt, sich als nächstes Mobbing-Opfer anzubieten? Doch irgend jemand hat den Terror satt – und mobbt zurück, eiskalt und richtig gefährlich: mit Sachbeschädigung, versuchter Körperverletzung und Entführung, bis Annika die Gewaltspirale durchbricht.“ – so der cbj-Verlag über dieses Buch zum Thema Mobbing.

Ursprünglich bezeichnete man mit Mobbing eine Folge von böswilligen Taten (Gewalt mit Worten oder Bildern, Ausgrenzen, Eigentum zerstören), die über einen längeren Zeitraum hinweg durchgeführt werden und das Ziel haben, einen Mitschüler oder eine Mitschülerin fertig zu machen. Bullying meinte dagegen eher eine wiederkehrende physische Gewalt gegen eine andere Klassenkameradin bzw. einen anderen Klassenkamerad. Heutzutage werden die Worte Mobbing und Bullying im Schulkontext oft parallel gebraucht.

Das oben angesprochene Buch ist für die Klassenstufen 8 und 9 geschrieben. Interessant ist die Erzählperspektive aus der Sicht einer Mit-Täterin. Die 14jährige Annika berichtet hart, kühl und mit wenig Empathie über die Mobbing-Geschehnisse. Die Romansprache ist mitunter recht derb und die Leser können gut die Motive der Mit-Täterschaft sowie ihre Hilflosigkeit gegenüber der Haupt-Täterin samt dem Gruppenzwang herauslesen. Irgendwann will Annika beispielsweise aussteigen, aber dann ist sie bereits so dicht im Geschehen, dass es kaum mehr eine Chance gibt.

Auch Thomas hat als Mobbing-Opfer zunächst keine „Wahl“:

„Wäre Thorsten Russe, Kurde oder Türke, hätte er eine Chance in der Klasse, denn die Clans halten zusammen, und jeder von denen kriegt auch immer ein Mädel: Russe findet Russin, Kurde Kurdin, Türke Türkin. Aber er ist kein Russe, kein Kurde, kein Türke, sondern Deutscher, Eingänger ohne Clan. Ein Computerfreak, Hacker, Genie an der Tastatur. Bringt ihm bloß nichts. Gar nichts. Schlanke Hände, ein Hochleistunghirn, nichts davon zählt, denn er gehört zu den schwachen Tieren in der Herde. Wären wir ein Wolfsrudel, hätten wir ihn totgebissen.“ (Seite acht)

Falls Sie Hilfe für einen Mobbingfall in der Schule benötigen, gibt die 32seitige Berliner Anti-Mobbing-Fibel erste Auskünfte zum Thema. Die von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport herausgegebene und von Walter Taglieber geschriebene Broschüre eignet sich hervorragend für einen ersten Einstieg ins Thema.

Ebenfalls empfehlenswert ist die 24seitige Anti-Mobbing-Broschüre des Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung unter Mitarbeit von Christina Großmann. Beide Broschüren sind kostenfrei herunterladbar.

Fantastisch, und damit schließt sich der Kreis, ist auch das 24seitige, ebenfalls kostenfrei herunterladbare Unterrichtsmaterial zum oben genannten Buch „Täglich die Angst“. Dieses wurde von Birgit Gehring herausgegeben, die als ehemalige Lehrerin die Mobbingthematik im Zusammenhang mit dem Buch gut aufgearbeitet hat. Damit wird das Buch ein wirksames Instrument zur Mobbingprävention. Im heutigen Sprachgebrauch werden ja interessanterweise die Wort „Mobbingopfer“ und „Mobbingtäter“ nicht mehr verwendet – beide werden als „Mobbingbetroffene“ gesehen. Im obigen Jugendroman wird letztendlich aus dem Opfer ein Täter und es werden aus den Tätern die Opfer.

Neben der Mobbingproblematik bietet das Buch auch Erkenntnisse zu Computerspielen sowie zur Medienerziehung, aber das nur am Rande.

Ach ja, und übrigens gibt es derzeit eine interessante Forschung zum Thema Mobbing im Schulbereich. Dr. Melanie Wegel vom Institut für Kriminologie der Universität Tübingen untersucht einerseits individuelle Verhaltensweisen sowie Sozialisationsstile der Opfer und andererseits die Reaktion der Außenstehenden. Sie geht von der Annahme aus, dass Mobbing nur möglich ist, wenn die Gemeinschaft dies toleriert. Dieses vom Weissen Ring unterstützte Projekt hat jetzt erste Ergebnisse vorgelegt: Mobbingtäter haben in ihrem Elternhaus in der Regel selbst Opfererfahrungen gemacht (Handgreiflichkeiten oder Vernachlässigung). Ein Teil der Mobbingopfer hat im Elternhaus Opfererfahrungen erlebt und behält diese Rolle in der Schule bei. Ein anderer Teil der Mobbingopfer wurde überbehütet erzogen und erlernte Verhaltensweisen, die zwar der Deeskalation dienen, aber beim Täter nicht greifen. Letztlich hat Wegel einen transgenerationalen Effekt festgestellt: „Mobbende Eltern haben mobbende Kinder“. (Quelle: Weisser Ring direkt, Ausgabe 19 Nr. 3/2009)

Halten wir also unsere Augen und Ohren offen und greifen so früh wie möglich ein! Mehr zum Thema Mobbingbearbeitung finden Sie in der entsprechenden Kategorie hier im Blog.

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Konflikte, Literaturempfehlungen, Mobbingbearbeitung, Schulmediation | Kommentare (0) | Autor:

Opfer – eine Ausstellung mit Mut zum Hinsehen

Mittwoch, 9. September 2009 11:51

Probleme und Konflikte gibt es viele, sie tauchen überall auf, manchmal ganz plötzlich, manchmal bahnen sie sich schon länger an. Dieses Blog steht für eine absolut gewaltfreie Methode der Konfliktbearbeitung. Doch das gibt es leider nicht immer.

Das zeigt derzeit in Berlin die Ausstellung „Opfer“, eine Kampagne des Weissen Rings gegen häusliche Gewalt und sexuelle Misshandlungen von Frauen und Kindern. Die Ausstellung ist vom 3. – 28. September im Rathaus Mitte in der Karl-Marx-Allee 31 zu sehen und von Montag bis Freitag 9:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

Studentinnen und Studenten der Bauhaus-Universität Weimar haben den Mut zum Hinsehen gehabt. Sie haben dem Opfer-Sein ein Gesicht gegeben, das wachrüttelt und das das Schweigen bricht. Die entstandenen Fotos und Plakate sind eindringlich und aufrüttelnd. Einige der Ausstellungsmotive provozieren, schockieren und gehen an Grenzen. Wenn Sie in der Nähe sind, schauen Sie sich die Ausstellung an!

Beachten Sie bitte auch die neue Kampagne des Weissen Ring:
Kinder sind nie Täter!

Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte, Konfliktlösung, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Disziplin und Soziales Lernen

Montag, 7. September 2009 6:19

Disziplin, das ist ein traditionsbelasteter Begriff, der dem Kasernenhof entstammt und die Vorstellung des „unbedingten“, möglicherweise auch blinden Gehorsams impliziert. Immer wieder kommt dieser Begriff auch mit der Pädagogik in Verbindung.

So auch in letzter Zeit wieder verstärkt. Immer noch steht das Buch „Lob der Disziplin“ von Bernhard Bueb in den Bestsellerlisten. Das Buch, das sich grundsätzlich und engagiert gegen das Bild von Erziehung wendet, das Bueb verbreitet, hat es leider bisher noch nicht in die Top 10 geschafft, ist in Fachkreisen allerdings hoch angesehen.

Ich spreche hier von Rolf Arnolds Buch “Aberglaube Disziplin“ aus dem Carl-Auer Verlag. Rolf Arnold spricht vom Begriff der Disziplin als „Erleichterungsbegriff“ für gestresste ErzieherInnen, Eltern und LehrerInnen; als Begriff, der das heimliche Versprechen gibt, endlich Handlungsgewissheit, Wirksamkeit und Ruhe zu verschaffen. Aber aufgepasst: Nach diesem Modell funktionieren autoritäre Gesellschaften, während demokratische Gesellschaften der Auseinandersetzungen und des Ausgleichs bedürfen.

Für Situationen mit schwierigen Schülern oder schwierigen Situationen in der Schule wird auch immer wieder der Begriff der „Disziplinstörung“ verwendet. Während dieses Wort eher dem Lehrer die Schuld an der Situation gibt, da er nicht „durchgreifen“ kann – weist das Wort der „Verhaltensauffälligkeit“ eher dem Schüler oder der Schülerin die Schuld zu, da sie sich „nicht richtig“ verhalten. Der eher neutrale Begriff der Unterrichtsstörung meint dagegen die Betrachtung des Unterrichts und des Systemgefüges einer schwierigen Situation und ist daher der Begriff, der am ehesten der Situation gerecht wird.

„Wer diszipliniert wird, ist mundtot. Wer einer Disziplin unterworfen wird, handelt nicht aus Überzeugung. Disziplin ohne Selbst führt zu einer Entfremdung vom Selbst.“ (Arnold S. 15)

„Ein Kind, das sich in seinen eigenen Handlungen nicht zu spüren vermag, weil es kein liebevoll akzeptierendes Gegenüber hat, kann kein Bild von sich selbst entwickeln. Doch ohne ein solches Bild von sich selbst kann auch Selbstdisziplin nicht wirklich entstehen …“ (Arnold S. 23)

Erziehung, oder soll ich besser sagen: Die Ermöglichung eines Sozialen Lernens ist also nicht Drill oder Disziplin. Erziehung, oder soll ich sagen: Die Ermöglichung eines Sozialen Lernens erfordert Nachdenken, Reflexion und Aufklärung.

Sind Kinder und Jugendliche wirklich „schwierig“ oder befinden sie sich nicht auch in „schwierigen Situationen“, die sie sich selber nicht aussuchen konnten?

All denjenigen, die Erziehung als Dialog mit der absoluten Notwendigkeit einer gegenseitigen Wertschätzung auffassen, denen sei dieses Buch von Rolf Arnold als „Stärkung“ empfohlen – allen anderen als ein Instrument zum Nachdenken und eventuell sogar Überdenken ihrer Position!

Was für ein fantastisches Konzept bietet die Systemische Pädagogik, auf deren Grundlage das Buch geschrieben ist: Eine Pädagogik, die die Vielfalt und Wechselbezüglichkeit des Erzieherischen kennt. Sie sieht in der Selbstreflexion von Eltern, Lehrern und Erziehern sowie der Erweiterung ihrer pädagogischen Vielfalt eine große Chance und will die Professionalität der Erziehung in Deutschland stärken. Komplexe Probleme benötigen komplexe und differenziert begründete Antworten!

Pure Disziplin als Lösung für Unterrichtsstörungen? Nein danke. Wo bleibt da das Verständnis für unser Gegenüber, das Verständnis für uns selber, die Reflexion der Situation und damit die Chance zur Veränderung und Verbesserung von Schule?

Ohne Begegnung findet keine Erziehung und kein soziales Lernen statt. Also: Geben wir Kindern und Jugendlichen, Freunden und unser Familie Zeit, Gespräche und Begegnungen! Lassen Sie uns mehr Wert auf Erziehung und soziales Lernen durch Beziehungen legen!

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konflikte, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen, Systemischer Ansatz | Kommentare (2) | Autor:

Antrainierte “Emotionen” in Japan

Freitag, 4. September 2009 10:16

In Japan testet die Bahngesellschaft Keihin Kyuko per Computer, ob ihre Bahnangestellten die Kunden gut genug anlächeln. “Smile- Scan”, so heißt dieser Computer, der bis jetzt an 15 Bahnhöfen Japans im Einsatz ist. Er scannt das Gesicht des Schalterangestellten, bewertet den Ausdruck und gibt anschließend Ratschläge für ein besseres Lächeln.

Zunächst dachte ich, dies ist ein Aprilscherz …
aber der April ist schon lange vorbei.

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Konfliktmanagement | Kommentare (0) | Autor:

Ombudsstelle für den Ärger mit dem Anwalt in Sicht

Mittwoch, 2. September 2009 20:04

Bereits im Oktober letzten Jahres gab es die Neuigkeit, dass eine Ombudsstelle für Streitigkeiten zwischen Mandanten und Anwälten geplant war. Jetzt zum 1. September 2009 tritt das Gesetz in Kraft, mit dem eine bundesweite Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft geschaffen wird.

“Diese Ombudsstelle kann bei vermögensrechtlichen Streitigkeiten mit einem Rechtsanwalt aus einem bestehenden oder beendeten Mandatsverhältnis angerufen werden und steht damit allen Mandanten offen, die Schadensersatz von einem Rechtsanwalt verlangen oder mit diesem über seine Gebühren streiten. Das Schlichtungsverfahren ist für Ansprüche von jeweils nicht mehr als 15.000 Euro vorgesehen und ist kostenfrei. Der Schlichtungsvorschlag ist nur verbindlich, wenn er von beiden Seiten angenommen wird.“

so Irene Schmid, Präsidentin der Rechtsanwaltskammer im Tagesspiegel.

Anfang nächsten Jahres soll diese Ombudsstelle die praktische Arbeit aufnehmen können.

Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement | Kommentare (0) | Autor: