Beiträge vom November, 2009

Das gesellige Gehirn

Montag, 30. November 2009 8:01

„Die Neurowissenschaft hat herausgefunden, dass unser Gehirn als geselliges Organ konstruiert ist, das unweigerlich eine enge Verbindung mit dem Gehirn jeder Person aufnimmt, mit der wir es zu tun haben. Diese neuronale Brücke ermöglicht es uns, auf das Gehirn – und damit auch den Körper – eines jeden Menschen Einfluss zu nehmen, mit dem wir in Kontakt treten; ein Prozess, der in der umgekehrten Richtung natürlich ebenfalls stattfindet.
Selbst ganz alltägliche Begegnungen wirken auf unser Gehirn ein und setzen Gefühle frei, wünschenswerte und weniger wünschenswerte. Je stärker wir einer Person emotional verbunden sind, desto stärker ist die gegenseitige Einwirkung. Der intensivste Austausch findet mit jenen Menschen statt, mit denen wir über Jahre hinweg die meiste Zeit verbringen, besonders mit jenen, die uns wichtig sind.
Bei diesen neuronalen Kontakten tanzen die beiden Gehirne Tango, einen sehr gefühlsbetonten Tanz. …“

Dieses Zitat entstammt Daniel Golemans Buch „Soziale Intelligenz. Wer auf andere zugehen kann, hat mehr vom Leben“.

Der amerikanische Psychologe und Wissenschaftsjournalist Daniel Goleman wurde bereits durch sein 1995 erschienenes Buch „Emotionale Intelligenz“ weltberühmt. Seinen Ausführungen nach setzt sich die Emotionale Intelligenz aus fünf Fähigkeiten zusammen: Die Selbstwahrnehmung ist die grundlegende Fähigkeit eines Menschen, achtsam den eigenen Gefühlen gegenüber zu sein. Die auf der Selbstwahrnehmung aufbauende Fähigkeit besagt, seine Emotionen gut handhaben zu können. Die Selbstmotivation meint, Emotionen in den Dienst eines Ziels stellen zu können. Die Empathie ist die Fähigkeit, emotionale Befindlichkeiten anderer Menschen zu verstehen und angemessen darauf reagieren zu können. Der geschickte Umgang mit Beziehungen stellt als Fähigkeit diejenige soziale Kompetenz dar, Kontakte zu knüpfen und tragfähige Beziehungen aufzubauen.

„Man kann die Ursache der Emotionen nicht von der Welt der Sozialbeziehungen trennen. Unsere Gefühle werden von unseren sozialen Kontakten gesteuert.“

so Goleman (der übrigens auch einen blog zum Thema schreibt) weiter zum Zusammenhang zwischen emotionaler und sozialer Kompetenz.

Viele Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer müssen sich in den letzten Jahren zwangsläufig mit diesen Themenkomplexen auseinander setzen. Die SchülerInnen, die jetzt in ihre Klassen kommen, haben oft zumindest in den Großstädten einen großen Nachholbedarf zum Thema.

Für diejenigen unter den Lehrkräften, die bisher nicht besonders viel Erfahrung mit Unterricht im Bereich des Sozialen Lernens haben, gibt es jetzt ein Mitmachheft für Grundschüler zum Thema “Gewalt? Ohne uns!”, das sogar von der Stiftung Lesen empfohlen wird. Ich habe dieses Arbeitsheft, das im Klassensatz bestellt werden kann, im Sailer Verlag entdeckt. Im Heft werden die Themen „Mobbing und Bullying besprochen, es wird über Wut und den Umgang mit Wut berichtet, über Streitschlichter und ein Interview mit einem Polizisten. Eine Foto-Story lädt zum Schreiben von Texten ein, ein Comic zum Zeichnen und eine Melodie zum Schreiben eines Raps. Nebenher gibt es „Spiele“, die in der Klasse zum Thema behandelt werden können und ein Quiz zum Abschluss, in dem getestet wird, was die Schüler in der Unterrichtseinheit gelernt haben.

Wem diese Art Unterricht mit Arbeitsheften gefällt, der kann auch auf das Heft “Voll korrekt! Benimm-Tipps für Schülerinnen und Schüler” zurückgreifen, das der Bearbeitung von Verhaltensregeln für Schule, Zuhause, Restaurant und Chat dient und eine Sensibilisierung zum Umgang mit anderen Menschen in fremden Ländern bietet.

Ach, und wer von Ihnen zur Förderung der emotionalen Intelligenz in der Familie Informationen sucht, die finden übrigens einige fantastische Hinweise dazu in meinem Buch “Kommunikation in der Familie. Vom Schimpfen und Schreien zum Runden Tisch”.

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Schulmediation, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Ebenfalls vormerken: Mediationskongress BM 2010 in Berlin

Donnerstag, 26. November 2009 12:14

Vom 16. bis 18.09.2010 findet die Jahrestagung des Bundesverbandes Mediation in Berlin statt. Im Hotel Berlin, Berlin – also mitten in der Stadt – werden sich Mediatorinnen und Mediatoren zu wichtigen Themen rund um die Mediation informieren können, es wird spannende Vorträge geben und fesselnde workshops.

Weitere Informationen von Zeit zu Zeit hier im Blog …

Christa D. Schäfer

Thema: BM Mediationskongress 2010, Konfliktmanagement, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Zum Vormerken: 15. Deutscher Präventionstag 2010 in Berlin

Mittwoch, 25. November 2009 11:41

Am 10. und 11. Mai 2010 findet der 15. Deutsche Präventionstag unter der Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit im ICC Berlin (Internationales Congress Centrum) statt.

Schwerpunktmäßig wird neben aktuellen Themen aus dem gesamten Feld der (Kriminal)Prävention dieses Mal der Themenkomplex „Bildung – Prävention – Zukunft“ bearbeitet. Mehrere Tausend Entscheidungsträger und Gäste werden erwartet, ca. 300 ReferentInnen gestalten ein interessantes Programm.

Seit 1995 gibt es den Deutschen Präventionstag, der jährlich in einer anderen deutschen Stadt stattfindet. Die Veranstaltung wendet sich an Verantwortungsträger der Prävention (Kommunen, Polizei, Gesundheitswesen, Jugendhilfe, Justiz, Kirchen, Schulen, Vereinen und Verbänden sowie Politiker und Wissenschaftler). Neben der Kriminalprävention werden auch die Suchtprävention, Verkehrsprävention sowie Präventionsbereiche im Gesundheitswesen in den Mittelpunkt des Interesses gerückt.

Seit 10 Jahren gibt es auch den Berliner Präventionstag, der zuletzt am 10. November diesen Jahres stattgefunden hat und der von der Landeskommission Berlin gegen Gewalt durchgeführt wird.

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Keynote zum School Shooting beim Workshop Aggression

Montag, 23. November 2009 5:05

Vom 6. bis 8. November hat in Berlin die Veranstaltung des „Workshop Aggression“ stattgefunden. Unter der Leitung von Professor Herbert Scheithauer (Freie Universität Berlin) und Professorin Angela Ittel (Technische Universität Berlin) wurde ein hochkarätiges Programm zum Thema Aggression geboten. Nationale und Internationale Experten stellten neueste wissenschaftliche Ergebnisse zur Thematik vor.

Behandelte Themen der Tagungen waren u.a.: Cyberbullying, Geschlecht und Aggression, Frühprävention und Aggression, Intervention und Prävention von Aggression, Aggression und Medien sowie der Zusammenhang zwischen Aggression und Empathie.

Besonders gut hat mir persönlich die keynote von Prof. Dr. Dewey Cornell von der University of Virgina zum Thema „Prevention of School Shootings in the United States“ gefallen. Prof. Cornell gab hierbei Hinweise auf zu vermeidende Fehler, die in den USA in der Nachfolge von School Shootings gemacht wurden und die Europa besser vermeiden sollte. Er benannte drei derartige Fehler: Erstens die „Null Toleranz-Strategie“ (vielleicht erinnert sich mancher hier an den Vorfall, bei dem einem kleinen Jungen sein Plastiktaschenmesser abgenommen wurde), zweitens das Aufbauschen einer Vielzahl von Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und Krisenbewältigung (Metalldetektoren am Schuleingang, verstärktes Wachpersonal, Alarmsysteme, schussfeste Rucksäcke u.a.) sowie das Aufstellen von Täterprofilen in Bezug auf Amokläufe in Schulen.

Gewaltprävention kann nicht so lange warten, bis der Amokläufer vor der Türe steht, so die Aussage von Prof. Cornell. Jede Schule sollte rechtzeitig und früh genug Maßnahmen zur Gewaltprävention ergreifen!

Auf der Grundlage seiner Forschungen hat Prof. Cornell Leitlinien vorgelegt und erforscht für gute und sinnvolle Reaktionen nach der Gewaltdrohung eines oder mehrerer Schüler. Wer sich dafür interessiert oder sogar den gesamten Vortrag nachvollziehen möchte, der schaue in die Folien des Vortrages zum Thema School Shooting auf der Seite der University of Virginia.

Auch in Berlin wird derzeit an der FU zum Thema School Shooting geforscht. Im Rahmen der Sicherheitsforschung der Bundesregierung wurden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung Forschungsgelder zum Thema bewilligt. Dabei wird auch an der FU vom School Shooting und nicht von Amokläufen gesprochen. Bei School Shootings ist im Gegensatz zu Amokläufen die Handlung und der Ablauf geplant und die Opfer nicht zufällig. Jugendliche deuten oder kündigen ihre Taten im Vorfeld an (im Internet, in Briefen oder Gespräche). Diese Zeichen, Fantasien und Pläne im Vorfeld werden mit dem Stichwort „Leaking“ bezeichnet. Beim Vorfall selber werden nicht unbedingt Schusswaffen eingesetzt, sondern mitunter wird eine andere Form von schwerer zielgerichteter Gewalt für die Tat genutzt.

Im Forschungsprojekt School Shooting an der FU sollen Netzwerke von Helfersystemen in den Blick gerückt werden; es werden u.a. unterschiedliche Herangehensweisen in der Schulung von Lehrern im Umgang mit Drohungen, Tatfantasien und tatsächlicher Gewalt untersucht.

Keine wissenschaftlicher Text, aber dennoch ein fantastischer Roman zum Thema Amoklauf bzw. School Shooting für Jugendliche und LehrerInnen ist das Buch „Mitschuldig“ von Harald Tondern. Einen ersten Einblick in das Buch hier im Blog …

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktprävention | Kommentare (0) | Autor:

Berliner Schulen nehmen Waffen entgegen

Freitag, 20. November 2009 17:57

Am 1. Dezember werden zwischen 8 und 16 Uhr in Berliner Schulen kostenlos Waffen und verbotene Gegenstände von der Polizei abgeholt. Das ist der Hinweis von Bildungsstaatssekretärin C. Zinke. Die Polizei will damit die Amnestie für illegalen Waffenbesitz unterstützen, die noch bis 31. Dezember gelte. Diese Amnestie war nach dem Amoklauf von Winnenden ausgesprochen worden, um die Zahl illegaler Waffen in den Haushalten zu reduzieren.

Wie bitte sehr, ist das Vorgehen gedacht? Sollen Lehrer ihre Schüler jetzt nach illegalen Waffen fragen, die diese abgeben könnten?!

Christa Schäfer

Thema: Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Schulmediation | Kommentare (1) | Autor:

“Worin liegen Ihrer Einschätzung nach die Ursachen für Gewalt an Schulen?”

Montag, 16. November 2009 5:02

„Es gibt eine Vielzahl von Gründen für Gewalt. Experten wie Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Institut Hannover haben immer wieder darauf hingewiesen, dass es Familienerfahrungen gibt, die zur Gewalt führen: Geprügelte Kinder werden prügelnde Kinder. Das ist ziemlich bekannt und wohl auch eine der wichtigsten Ursachen für eine Gewaltneigung bei Jugendlichen.
Doch es gibt weitere Ursachen und Zusammenhänge. Dazu gehören Desintegration und Verwahrlosung (…)
Ich glaube freilich, dass Gewalt in Schulen nicht zuletzt eine Reaktion auf die Schule selbst ist. Das bedeutet nicht, dass man die Schulen stets ursächlich für den Ausbruch von Gewalt verantwortlich machen kann, meist sind die kontextuellen Bedingungen verantwortlich: weil die Lehrpersonen weg geschaut haben, weil die Schulen keine Verfahren der Aushandlung, der Kommunikation kultivieren, weil sie keine Konfliktschlichter ausgebildet haben, weil Mediation im Schulprogramm keine Rolle spielt, weil die Schüler an der Hauptschule nicht das Gefühl haben, an dieser Schule sinnerfüllt tätig sein zu können, und keine Lebensperspektive entwickeln können. Das macht viele, vor allem solche Jugendlichen, die mit Schwächen von zu Hause in die Schule kommen, kompensatorisch gewalttätig. Dabei gewinnen sie Selbstwirksamkeitserfahrungen, vor allem in der sozial destruktiven Gestalt, der Erfahrung der Herrschaft über andere. So wie sie sonst selber geknechtet werden – so wie geprügelte Kinder zu prügelnden Kindern werden -, so sind geknechtete Kinder rebellisch und gewalttätig.“

„Was können Schulen, was können Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler, wirksam gegen Gewalt tun?“

„Es muss darum gehen, dass ein Schulklima, eine Kultur der Schule geschaffen wird, in der Kooperation, Partizipation, Achtung und eine ernst zu nehmende Beachtung der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt werden, damit sie sich wertgeschätzt fühlen. Solche Ziele müssen im Zentrum der Kooperation von Lehrern und im Zentrum von Überlegungen der Schulleitungen stehen. Wir brauchen einfach andere Konzepte von Schule, andere Konzepte von Bildung und Erziehung.“

Die Fragen in diesem Interview hat Reiner Engelmann gestellt, der seit 1993 Autor und Herausgeber zahlreicher Anthologien zu gesellschaftlichen Brennpunktthemen ist. Die Antworten kamen von Prof. Dr. Wolfgang Edelstein, Direktor emeritus am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Veröffentlicht wurde das Interview in dem von Reiner Engelmann im cbt-Verlag herausgegebenen Buch “Keiner hat was gesehen! Texte über Gewalt an der Schule“. Neben dem bereits erwähnten Interview mit Prof. Edelstein findet sich dort auch ein kurzer Text über „Eine Schule der Civil-Courage“ von Otto Herz und es sind viele viele Kurzgeschichten über das Thema „Gewalt in der Schule“ abgedruckt. Das macht dieses Buch auch so spannend für den Einsatz in der Schule selber. Die Geschichten geben einen guten Einstieg in eine Vertretungsstunde oder in eine thematische Einheit und es kann anschließend wunderbar am Thema weiter gearbeitet werden. Es ist nicht einfach, diese Geschichten „auszuhalten“ beim Vorlesen oder selber lesen, aber sie berichten von einer Gewalt, der viele Kinder täglich in der Schule ausgesetzt sind.

Die ersten beiden Geschichten können auf der Verlagsseite eingesehen und gelesen werden. Darunter (welch Wunder) eine Geschichte zu Kevin, der zunächst im Unterricht schläft und dann durch Gewalt gegen seine Lehrerin auffällt. Wie es dazu kam, lesen sie am besten selber …

Ja, und welche Rückschlüsse sind aus obigen Interviewabschnitten zu ziehen? Na, neben der absolut gewaltfreien Erziehung im Elternhaus ist es für die Schule dringend notwendig, ein auf Kooperation, Partizipation und Achtsamkeit bauendes Schulklima zu schaffen, in der Methoden der Konfliktbearbeitung eine wichtige Rolle spielen. Wie dies funktioniert? Dazu finden Sie Hinweise in diesem Blog. Und falls Sie dazu eine Beratung benötigen, einen Studientag, eine SchiLF oder eine Weiterbildung, so wenden Sie sich bitte persönlich an mich …

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Schulmediation | Kommentare (0) | Autor:

Berliner Präventionstag 2009

Freitag, 13. November 2009 16:55

Am 10. November hat der 10te Berliner Präventionstag stattgefunden. Der Präventionstag wird jährlich von der Landeskommission Berlin gegen Gewalt durchgeführt. Die Landeskommission lobt zum Anlass des Tages auch Preise für beispielhafte Projekte in Berlin aus, dieses Jahr zum Thema „Evaluation und Qualitätsentwicklung in der Gewalt- und Kriminalitätsprävention“.

„Mit dem Berliner Präventionspreis der Landeskommission Berlin gegen Gewalt würdigen wir vorbildliche Projekte im Bereich der Gewalt- und Kriminalitätsprävention. Er ist ein wichtiges Instrument zur Weiterentwicklung der Prävention in unserer Stadt und zur Unterstützung von Projekten. Ohne das Engagement für ein friedliches und gewaltfreies Zusammenleben der Projekte, der Träger, der Institutionen und Netzwerke im Bereich der Gewalt- und Kriminalitätsprävention sowie unserer Sponsoren wäre Berlin weniger lebenswert. Unsere Botschaft lautet deshalb: Prävention ist eine Investition in die Zukunft. Prävention lohnt sich. Alle können sich engagieren. Es geht um unsere Stadt.”

so der Vorsitzende der Landeskommission, Staatssekretär Thomas Härtel.

Dieses Jahr ging der erste Preis an die Paul-Braune-Schule für ihr Projekt “Förderung des sozialen Miteinanders als präventive Maßnahme von Gewalt“. Den von der Initiative Schutz vor Kriminalität gestifteten Sonderpreis erhielt das Projekt “Denkzeit-Training für aggressiv-auffällige Schüler“ der Denkzeit-Gesellschaft e.V.

Herzlichen Glückwunsch
sagt Christa Schäfer

Thema: Allgemein, Konflikte, Konfliktprävention, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

„Raus aus der Streitfalle in der Familie“ – Fachvortrag und Improtheater Die Gorillas

Donnerstag, 12. November 2009 16:18

Das Berliner FEZ bietet Elternakademien an. Das Thema am 14.11.2009, also am nächsten Samstag lautet “Raus aus der Streitfalle“. Nach einem halbstündigen Fachvortrag von Christa D. Schäfer wird der Moderator Stefan Rupp und der Erziehungsberater Christian Schoenfelder die zuschauenden und zuhörenden Eltern mit in das Thema einbinden. Freuen dürfen sich alle ebenfalls auf das Improtheater “Die Gorillas“, das typische Streit- und Konfliktlösungssituationen aus dem Familienalltag darstellt.

Wann sieht und hört man das schon mal?
Ein Improtheater, das sich mit Streit in der Familie beschäftigt!
Eine spannende Veranstaltung, die ich Ihnen gerne ans Herz legen möchte:
Samstag, den 14.11.2009 von 16 bis 19 Uhr im FEZ-Berlin

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Konfliktberatung, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Ein Jugendroman über die Geschichte eines Amoklaufs?

Montag, 9. November 2009 5:14

Ja, das gibt es tatsächlich. “Mitschuldig?“, so heißt der Jugendroman, den ich am Wochenende gelesen habe und der mich seines realistischen Plots und seiner realistischen Beschreibungen wegen sofort nach den ersten Seiten gefesselt hat. Der Roman ist von Harald Tondern, der bereits eine große Bandbreite von Jugendromane zu brandaktuellen Themen geschrieben hat. Für den vorliegenden Roman hat er u.a. in Erfurt recherchiert.

Jonas und Tim sind die Hauptfiguren des Buches. Tim hat reiche Eltern, die viel arbeiten. Er besitzt selber drei Laptops, mehrere Waffen, wurde kurz vor dem Abi von der Schule verwiesen und hat keine Freunde. Der 13jährige Jonas lebt bisher in einer fast heilen Welt mit seinen Eltern zusammen. Aber irgendwann nimmt Tim, der im Nachbarhaus wohnt, Kontakt zu ihm auf – zugegeben, eine ungewöhnliche Kontaktaufnahme, denn Tim beschießt Jonas mit Munition aus seiner Soft Air Waffe. Dabei war Jonas gerade dabei, sein Protokoll zum Vogelprojekt in seinen alten Computer zu tippen.

Irgendwann dann spielen beide Gotcha-Games im Wald mit den Soft Air Waffen von Tim, und irgendwann hat Tim eine echte Beretta in der Hand, mit der er zunächst auf ein Bild von Frau Steiner schießt und dann später „in Echt“ auf seine Schulleiterin. Jonas fühlt sich „mitschuldig“ und verändert sich in seiner Persönlichkeit. Zum Glück hat er eine Klasse, die ihn unterstützt und schließlich auch eine Therapeutin, die ihn aus seinem Trauma hervorholt.

„Wir haben über dich geredet“, sagt Jonas’ Klassenkameradin. „Die ganze Klasse. Wir glauben, dass das mit Tim einfach zu viel für dich war. Irgendwas in dir ist abgestürzt. Deshalb kannst du nicht mehr reden. Und auch nicht mehr schreiben.“ (Buch, S. 73)

Das Buch ist für den Einsatz in der Klasse super geeignet. Neben einem günstigen Preis gibt es sogar ein kostenfreies Lehrerheft zum Buch. Für die Klassen 6 bis 11 gedacht, gibt dieses vielfältige Anregungen für alle diese Klassenstufen, für ältere Schüler findet sich beispielsweise folgendes Zitat zur Thematik „… dann müssten die Alarmglocken läuten“:

„Unser Verhalten zeigt im Prinzip etwas von einer Traumastruktur. Dazu gehört auch, keine gute Wahrnehmung für sich und den anderen zu haben. Und wenn ich keine gute Wahrnehmung für mich und den anderen habe und mich vielleicht auch selber nicht besonders mag, also die depressive Verarbeitungsstruktur wirksam ist, dann habe ich kein tolles Selbstbild. Und wenn ich mich dann aufwerten will, passiert es ganz schnell, dass ich andere Menschen runtermache und demütige. Ich behaupte: Unsere Lehrer haben dafür in der Regel nie ein Gefühl entwickelt, weil über viele, viele Generationen Beschämung und Demütigung für Lehrer nicht als unprofessionell galten wie in anderen Ländern, sondern durchaus üblich waren. Lehrer werden nicht trainiert, sensibel für ihre Schüler zu sein und andere Wege als Demütigung und Beschämung zu finden. Die meisten werden es vielleicht nicht mal so wahrnehmen. Dennoch tragen sie Verantwortung für entsprechende Entwicklungen in unseren Schulen. Unter anderem für die Entstehung von Hass und Gewalt. Wenn ich einen Schüler habe, der mir entweder besonders auffällt oder der mir überhaupt nicht auffällt, dann müssten die Alarmglocken läuten!“ Quelle: Gabriele Kluwe-Schleberger, Traumatherapeutin, in Jens Becker: Kurzschluss, Der Amoklauf von Erfurt und die Zeit danach. Schwartzkopff Buchwerke, Hamburg Berlin 2005, S. 174-175.

Die Schüler lassen sich schnell von der Spannung und der Sprache des Romans einfangen. Die von Dr. Ingrid Röbbelen und Jutta Kosjek geschriebene Lehrerbroschüre zum Buch ist äußerst hilfreich zur Unterrichtsvorbereitung. Nun fehlt, dass mehr LehrerInnen den Mut aufbringen, um dieses schwere Thema „Amok“ im Unterricht (Deutsch) zu behandeln. Eine Sensibilisierung für das Thema, ein Einblick in die Persönlichkeitsstruktur des Täters, Empathie für einen „Helfer“ des Geschehens sowie ein allgemeiner Einblick in die Entwicklung eines solchen Vorfalls sind der Gewinn aus der Lektüre. Täter sind letztlich auch Opfer – auch wenn dies nichts entschuldigt.

In Winnenden hat die Lautsprecherdurchsage des Schulrektors: „Frau Koma kommt!“ dazu geführt, dass LehrerInnen ihre Klassentüren abgeschlossen haben, denn Koma heißt rückwärts Amok und war das entscheidende Stichwort zur Warnung bei einem derartigen Vorfall. In Berlin ist die Zahl der Amokdrohungen seit dem Amoklauf in Winnenden drastisch gestiegen. Während es im Jahre 2006 acht Amokdrohungen in Schulen gab, waren es in den Monaten Januar bis Mai 2009 insgesamt 60 solcher Drohungen im Schulbereich (neun davon an Grundschulen, die anderen an weiterführenden und Berufsschulen). Bei allen schulischen Neu- und Umbauten sollen in Berlin demnächst Lautsprecheranlagen eingebaut werden, beim Fehlen einer solchen Anlage soll auf einen Dauerton zurückgegriffen werden können, der auf die spezielle Gefahrenlage hinweist. Ebenfalls wird die Polizei demnächst auf ein Erhebungsregister mit Bau- und Fluchtpläne von allen Berliner Schulen zugreifen können, und alle Schulleiter werden auf den Gefahrenfall vorbereitet (Information aus dem Tagesspiegel vom 21.08.09, S. 7).

Hoffen wir, dass nichts passiert!
Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Die sechs Denkhüte zum Problemlösen

Montag, 2. November 2009 9:48

Haben Sie schon einmal die Situation erlebt, vor einem nahezu unlösbar erscheinenden Problem oder einem heftigen Konflikt zu stehen und eine Entscheidung treffen zu müssen? Aber wie?

Die Methode der six thinking hats / sechs Denkhüte von Eduard de Bono bietet fernab der Mediation in einem derartigen Fall eine fantastische Entscheidungshilfe. Jeder der sechs Denkhüte hat dabei eine andere Farbe und bezeichnet einen anderen Denkstil. Bei schwierigen Teamentscheidungen können Hüte in den verschiedenen Farben real verteilt werden. Der Träger des jeweiligen Hutes hat dann die Aufgabe, sich in die Gedankengänge des Hutes hinein zu finden und argumentiert schließlich mit den Trägern der anderen Hüte über eine Entscheidung für das Problem oder eine „Lösung“ für den Konflikt.

Der weiße Hut steht dabei für Objektivität, für analytisches Denken sowie eine Konzentration auf die Tatsachen und Fakten. Der rote Hut bringt das Subjektive hervor, das emotionale Denken sowie die Konzentration auf Gefühle und Meinungen. Schwarz bezeichnet das Kritische Denken, betrachtet Risiken, Probleme und Kritikpunkte. Gelb zeigt das optimistische Denken; grün das kreative, assoziative Denken, das zu neuen Ideen und Kreativität anregt. Und der blaue Hut schließlich steht für das ordnende, moderierte Denken, den Überblick über die Prozesse, also das Big Picture.

Diese Methode kann sowohl in Teams, als auch in Gruppen oder sogar alleine angewandt werden. Eine Entscheidung wird dabei aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und die Methode zwingt dazu, sich außerhalb seiner gewohnten Denkstruktur zu bewegen und alle Ansätze in Betracht zu ziehen. Das fördert einerseits Toleranz und andererseits die Kreativität im Denken.

Eduard de Bono gilt als einer der führenden Köpfe des kreativen Denkens. Die Denkhüte stehen für die Methode des Parallelen Denkens und sind nur eine der von ihm entwickelten kreativen Methoden. Beim Parallelen Denken wird die Fähigkeit des Denkens gefordert, in Bezug auf ein beliebiges Thema systematisch verschiedene Denk- und Wahrnehmungsperspektiven einzunehmen, wobei alle Beteiligten zu einem gegebenen Zeitpunkt in die gleiche Richtung, also “parallel” denken.

Eine weitere von de Bono entwickelte kreative Denkmethode ist das Laterale Denken, auch nicht-lineares oder Querdenken oder „Um-die-Ecke-Denken“ genannt. Zum Lateralen Denken gibt es verschiedene Grundsätze: Details werden nicht analytisch sondern intuitiv erfasst, vorliegende Informationen werden subjektiv bewertet und selektiv verwendet, gedankliche Sprünge und Assoziationen werden zugelassen, nicht jedes Zwischenergebnis muss richtig sein, Ja-/Nein-Entscheidungen werden vermieden, auch nicht durchführbare Lösungen können einen Schritt zum besseren Verständnis des Problems sein, konventionelle Denkmuster werden in Frage gestellt, Ausgangssituationen und Rahmenbedingungen werden nicht als unveränderbar hingenommen.

Die Rätselart des Laterals übt laterales Denken in hervorragender Weise. Vielleicht kennen Sie die “black stories“ von Holger Bösch aus dem moses.Verlag. Oder Sie mögen gleich hier und jetzt über ihr erstes Lateral nachdenken:

Erwin und Olga liegen tot auf dem Boden vor einem geöffneten Fenster.
Glassplitter liegen auf dem nassen Boden.
Was ist passiert?

Sie dürften mir jetzt Fragen stellen, die ich nur mit „ja“ oder „nein“ beantworten dürfte. So könnten Sie sich langsam an die Lösung heran tasten. Da dies hier aber nicht geht, gebe ich Ihnen gleich die Lösung: Erwin und Olga sind Goldfische. Durch das geöffnete Fenster kam ein heftiger Windstoß, der das Goldfischglas zu Boden gefegt hat. Dadurch zerbrach das Glas und Erwin und Olga erstickten. Na, wären Sie darauf gekommen?

Übrigens schreibt de Bono auf seiner Webseite eine wöchentliche Message, frei nach dem Motto „You can analyse the past, but you have to design the future“. Und falls Sie ein englischsprachiges Märchen suchen, in dem die sechs Denkhüte von de Bono vorkommen, so finden Sie auch dies auf seiner Webseite.

Jetzt gibt es ganz aktuell ein neues, noch nicht ins Deutsche übersetzte Buch von Eduard de Bono: „Think! Before it’s too late.“ De Bono sieht in diesem Zusammenhang das größte Problem der Menschheit, darin, dass das Denken der meisten Menschen unserer neuen Zeit nicht angemessen ist und er schreibt: „To deal with the economic crisis we must adopt new tools for creative thinking.“ Wir haben nach de Bono ein hervorragendes Denken um Wahrheiten herauszufinden, es gründet auf Urteil und Beurteilung und hilft uns in den Wissenschaften weiter. Wir haben aber bisher keine geeigneten Denkstrukturen für den Wert der Kreativität entwickelt …

Los geht’s, bringen wir auch mehr Kreativität in die Methode des Konfliktcoachings und der Mediation. Verschiedene Sichtweisen (wenn auch ohne „Hüte“) haben wir ja bereits in jeder Mediation dabei !

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Konfliktberatung, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Mediationsverfahren, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor: