Beiträge vom Januar, 2010

Mit „Ich schaffs!“ gibt es einen Weg von den Problemen zu den Fähigkeiten

Montag, 25. Januar 2010 6:01

„Ich schaffs“ hat viel mit der Thematik der Mediation gemeinsam.

Es ist ein Programm, das auf dem lösungsorientierten Ansatz beruht, dass Kinder eigentlich keine Probleme haben, sondern nur Fähigkeiten, die sie erlernen und verbessern können. Kinder und Jugendliche mit Problemen können anhand von 15 aufeinander folgenden Schritten lernen, Schwierigkeiten konstruktiv zu überwinden – seien es Verhaltensprobleme, Aufmerksamkeitsstörungen, Ängsten oder schlechte Angewohnheiten. Basierend auf Ben Furmans Konzept gibt es dazu zwei fantastische Bücher, mit denen dieser Ansatz zum einen für Kinder und zum anderen für Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren aufgearbeitet ist.

Ich schaffs basiert auf der Systemtheorie von Gregory Bateson, nach der Probleme in einem System aus dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren des Systems resultieren und nicht durch eine einzige Ursache entstehen. Daher können Lösungen auch nur unter Beachtung dieser Faktoren entwickelt werden. Auch die Mediation steht in der systemischen Tradition – manche Ausbildungsinstitute betonen dies, indem sie ihr Angebot systemische Mediation nennen.

Eine Gemeinsamkeit, die diesen Zweig der systemischen Pädagogik mit der Mediation und auch dem Buddy-Projekt eint, ist, dass eine weitere Person als „Helfer“ zu Hilfe geholt wird. Ist es in der Mediation der Mediator und im Buddy-Projekt ein anderer Schüler, so können das beim Ich schaffs durchaus mehrere Personen sein, die zu Helfern und Unterstützern werden. Schwierige Aufgaben, also Probleme und Konflikte, lassen sich am besten bewältigen, wenn uns andere helfen – so die Devise. Und Lösungen findet nur diejenige Person, die das Probleme bzw. den Konflikt besitzt – auch das ist bekannt.

LehrerInnen, SozialpädagogInnen, ErzieherInnen, HortnerInnen und Eltern finden mit dieser Methode einen Weg, Kinder und Jugendliche in ihren Potentialen zu stärken und den Weg von den vorhandenen Problemen zu den möglichen Fähigkeiten zu lenken. „Mein Sohn lässt immer seine Schultasche mitten im Flur stehen.“ „Mein Schüler ruft immer dazwischen.“ „Diese Schülerin schafft es nicht, ruhig auf ihrem Stuhl zu sitzen.“ „Ich will dieses und jenes Ziel erreichen …“

Probleme über Probleme. Ich schaffs bietet die Förderung sozialer Kompetenzen und die Förderung von Lerninhalten. Eine Kultur der Kooperation und der gegenseitigen Hilfe ist möglich. Auch eine Mediation bietet einen Weg der Veränderung von Konflikten zu kreativen und konstruktiven Lösungen.

Ach ja, und falls Sie jetzt die 15 Schritte im Veränderungsprozess wissen wollen, die sind folgende:
Das Leben als Zeitreise betrachten.
Sich Ziele setzen.
Nach dem Nutzen schauen.
Fähigkeiten erlernen.
Helferinnen und Helfer suchen.
Motto und Symbol finden.
Gründe für Optimismus suchen.
Zuversicht fördern.
Einen Stufenplan erstellen.
Los geht’s.
Ein Logbuch führen.
Sich auf Rückschläge vorbereiten.
Feier und Dank vorbereiten.
Neu erlernte Fähigkeiten weitergeben.
An die Zukunft denken.

Interessiert am Thema Konfliktbearbeitung und Soziales Lernen im Klassenzimmer?

Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte, Konfliktlösung, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

„Zivilcourage“

Sonntag, 24. Januar 2010 1:12

so heißt der Film, der am 27. Januar 2010 um 20:15 Uhr im ARD gezeigt wird. Er handelt von dem Antiquar Peter Jordan aus Berlin Neukölln, gespielt von Götz George. Der Antiquar würde gerne in Ruhe seinen Geschäften nachgehen, sieht sich aber plötzlich vor die Alternative gestellt, entweder wegzusehen oder einzugreifen. Er stellt sich schließlich der Gewalt einer Jugendgang entgegen und zeigt damit Zivilcourage.

In einem Interview zum Thema Zivilcourage mit Götz George aus dem Berliner Tagesspiegel heißt es:

„Herr George, sicher können Sie das Wort „Zivilcourage“ langsam nicht mehr hören.“

“Im Gegenteil. Es wurde viel zu lange viel zu wenig benutzt. Die meisten Menschen wollen davon nichts wissen – Menschen, die spontan und direkt Hilfe leisten, sind die große Ausnahme.“

„Es gäbe zu wenig Zivilcourage in Deutschland, haben Sie kürzlich gesagt. Ist das nicht eine etwas düstere Sicht?“

„Es geht nicht allein darum, einer alten Frau über die Straße zu helfen oder dazwischen zugehen, wenn Jugendliche sich prügeln. Zivilcourage bedeutet auch, und vor allem darum, zu widerstehen. …Zivilcourage heißt, sich der Konsequenzen bewusst zu sein und sie in Kauf zu nehmen. Jeder Mensch muss für sich entscheiden, ob er diesen Kampf aufnehmen will oder nicht. Es geht um Moral und um Ethik. Das ist ja nicht irgendetwas.“

„Lässt sich Zivilcourage lernen?“

„Man kann sie sich antrainieren. Und vergessen Sie eines nicht: Zivilcourage befriedigt. Wenn man sich selbst überwunden hat, dann bekommt man als Belohnung ein ganz anderes Selbstwertgefühl.“

Hoffen wir auf Zivilcourage von vielen Personen an der richtigen Stelle im Jahr 2010. Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Konfliktmanagement, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

„Kommunikation ist …

Montag, 18. Januar 2010 7:11

… der Stoff, aus dem soziale Systeme bestehen. Indem wir uns in die etablierten Kommunikationsweisen einfädeln, werden wir zu Mitgliedern eines Systems und nehmen an dessen kontinuierlichem Bemühen um Sinnklärung und Sinnfortschreibung teil.

Für Systemiker bedeutet dies, dass für sie die Kommunikation das ist, was es zu fördern und zu erhalten gilt, nicht das Rechthaben und Bescheidwissen in der Kommunikation selbst. Sie wissen um die Begrenztheit ihrer eigenen Deutungen und sind deshalb weniger darum bemüht, Ratschläge zu geben als vielmehr Selbstklärungsprozesse (‘Suchbewegungen’) zu initiieren.“

Autoren dieser Zeilen sind der Pädagoge und systemische Berater Prof. Dr. Rolf Arnold sowie die systemische Beraterin Beatrice Arnold-Haecky. Beide haben das hervorragende Buch „Der Eid des Sisyphos. Eine Einführung in die Systemische Pädagogik“ (obiges Zitat von S. 93) geschrieben. Neben anderen Kapiteln widmet dieses Buch auch ein Kapitel dem Thema „Kommunikation und Unterricht“ sowie dem „Konflikttraining in der Schule“.

Zu Störungen der Kommunikation in der Schule berichten Arnold und Arnold-Haecky u.a., dass wir uns bei einer Kommunikation immer ein Bild vom Empfänger einer Nachricht machen und unseren Kommunikationsstil diesem anpassen. Das Bild, das wir uns gestalten, ist dabei immer ein Produkt von dem, was „ist“, kombiniert mit dem, was wir darüber denken. Dabei treten drei Verfälschungs-Mechanismen auf:

Projektion:
Es wird am anderen vehement das bekämpft, was man an sich selber nicht mag. Bsp.: Ich falle gerne anderen ins Wort, um meine Meinung schnell kund zu tun. Bei meinen LehrerkollegInnen kann ich diese Verhaltensweise jedoch schon mal gar nicht leiden.

Übertragung:
Ein Gegenüber erinnert uns (meist unbewusst) an einen anderen Menschen und wir reagieren in einer „alten Weise“ darauf. Bsp.: Schon bei meinem Bruder konnte ich nicht leiden, dass er …, und jetzt macht dieser Schüler ganz genau dasselbe.

Unrepräsentativer Kontakt:
Es entsteht ein einseitiges Bild meines Gegenübers in der Kommunikation, da ich diesen ja nur in einer Situation kenne und wahrnehme. Bsp.: Ich kenne Max nur aus meinem Deutschunterricht, nicht aber in seinem Engagement für beispielsweise die evangelische Kirche oder für ältere Mitmenschen.

Bedenken sollte man bezüglich der Kommunikation im Schulkontext auch:

„Nichts existiert für uns, bis wir in Beziehungen eintreten!“
(Der Eid des Sisyphos, S. 102)

„Optimale Kommunikation ist nur dann möglich, wenn wir dem anderen vermitteln, dass wir ihn als Person annehmen.“
(ebenda)

Ja, und falls Sie noch kurz vor der Vergabe der Halbjahreszeugnisse mit einer oder einem Beteiligten am System Schule einen „Zwischenfall“ hatten, über den Sie sich arg geärgert haben, so bietet die folgende Übung aus dem hier besprochenen Buch einen guten Weg zur Reflexion der Situation und zu einer möglichen Veränderung der Kommunikationsmethodik in einer ähnlich gelagerten neuen Situation.

„Denken Sie an einen ‘Zwischenfall’ in Ihrem schulischen Kontext, bei dem Sie sich über Ihr Gegenüber geärgert haben, und beantworten Sie für sich folgende Fragen:
Was hat der andere gesagt oder getan?
Wie haben Sie dies interpretiert?
Welches Bild haben Sie von diesem Menschen?
Wie hat dieses Bild Ihre Interpretation des Geschehens beeinflusst?
War in Ihren Reaktionen eine negative Bewertung Ihres Gegenübers spürbar?
Haben Sie sich selbst durch Ihr Gegenüber negativ bewertet gefühlt?
Haben Sie ihm gezeigt, wie Sie seine Worte oder sein Handeln interpretieren und was diese Interpretation bei Ihnen auslöst, oder haben Sie sich hinter allgemeinen Aussagen, Vorwürfen oder Unnahbarkeit versteckt?“

“Der Eid des Sisyphos” von Arnold und Arnold-Haecky bietet vielfältige Gedankenanregungen und Übungen und es ließe sich noch etliches über dieses kluge Buch zur Einführung in die Systemische Pädagogik schreiben. Für Frühjahr habe ich einen Blog-Artikel geplant über die fünf Leitsätze des systemischen Denkens und Handelns, die im Buch interessant, schul-nah und für alle gut verständlich formuliert sind …

Rolf Arnold hat übrigens auch darüber geschrieben, wie die Systemische Pädagogik zur DISZIPLIN steht …
Viel Spaß beim Weiterlesen
wünscht Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

Nigel Williams „Der Klassen Feind“ in Berlin

Montag, 11. Januar 2010 6:35

Ein Mädchen aus der 10f (Zitat: “f wie Fotze”) knallt unabänderlich die Türe eines Stahlschrankes zu, das ist laut und nervt. Jeder Lehrer würde hier sofort eingreifen. Aber es ist kein Lehrer da …

Fünf Mädchen sind „der Klassen Feind“ und der Feind jedes Lehrers. Alle Lehrer, die bisher in der 10f waren, haben aufgegeben. So warten die Mädchen mal wieder auf einen neuen Lehrer, aber anscheinend traut sich nun keiner mehr in ihre Klasse. Also bleiben die Fünf alleine und es kommt schließlich eine von ihnen, Fetzer mit Namen, auf die Idee, dass sie sich gegenseitig unterrichten könnten. Das versuchen sie dann auch und es gibt Unterrichtslektionen über den Bau eines Blumenkastens, über die Zubereitung von Berliner Buletten und vor allem die eindrucksvolle Unterrichtseinheit von Fetzer selber, die voller Hass auf jeden ist und den anderen Selbstverteidigung beibringen möchte. Die Aggressivität steigt und nun kriegt auch Vollmond was ab, die bisher eigentlich immer noch einen Hoffnungsschimmer am Horizont gesehen hat.

Wunderbar ist an diesem Stück zu sehen, wie hinter den einfachsten Unterrichtsinhalten der fünf Mädchen ihre Geschichten, Hoffnungen, Wünsche und Ängste hervor schauen. Die Aggressivität ist zwar von Anfang an schon auf der Bühne, aber sie wächst beständig und schließlich fließt sogar Blut. Auch die Mädchen merken schließlich, dass man sie aufgegeben hat, aber das macht die Sache nicht einfacher!

Dieses Theaterstück ist nicht etwa brandneu, nein, das von dem britischen Schriftsteller Nigel Williams stammende Stück wurde bereits am 9. März 1978 in London uraufgeführt und war bereits am 23. April 1981 in Berlin in der Schaubühne am Halleschen Tor erstmals in deutscher Sprache zu sehen. Ursprünglich war das Stück für fünf Jungen gedacht, jetzt ist es umgeschrieben auf Berliner Verhältnisse und für fünf Mädchen. In Kooperation mit der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« wird es an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin aufgeführt.

Ich empfehle das Theaterstück als ein absolutes Muss für alle diejenigen, die sich mit dem Thema Unterrichtsstörungen oder auch dem Bereich der Aggressivität im Jugendalter beschäftigen. Die jungen Schauspielerinnen, die die Figuren von Betty Fetzer, Luna, Bombe, Angel und Gülcan verkörpern, spielen ihre Rollen hervorragend. Jede Figur hat ihre eigene Geschichte und ihre eigene „psychologische Wahrheit“. Und wann kann man schon einmal das Thema “Unterrichtsstörungen“ so eindringlich im Theater betrachten?! Am 28., 29. und 30. Januar haben Sie dazu bei den nächsten Aufführungen noch die Gelegenheit.

Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte, Unterrichtsstörungen, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Kooperative Gesprächsmethoden und eine Mediative Kommunikation

Montag, 4. Januar 2010 7:35

Gleich zu Jahresbeginn möchte ich an dieser Stelle ein Buch vorstellen, das ich Mediationsanfänger und -fortgeschrittenen gleichermaßen empfehlen möchte. Es ist das Buch „Mediative Kommunikation“ von Doris Klappenbach (Kriseninterventionsberaterin, Mediatorin und Ausbilderin BM, FU Berlin).

Ihr 2006 im Junfermann erschienenes Buch zeigt neben der Methode der Mediation, wie aus der Mediation stammende Methoden und Elemente zur Steigerung der Konflikt- und Handlungsfähigkeit in Beruf und Privatleben genutzt werden können. Dabei wird mit dem Einsatz dieser Methoden nicht erst gewartet, bis ein Konflikt eskaliert ist; die Mediative Kommunikation setzt bereits frühzeitig ein, um Konflikte deeskalierend zu behandeln. Klappenbach bezeichnet dies als „die Entgrenzung der Mediation“. Damit spricht mir Doris Klappenbach aus dem Herzen, denn meine Bücher zur Kommunikation in der Familie sowie zum Kommunikations- und Konfliktmanagement für Eltern verfolgen ebenfalls diese Gedankengänge und greifen mediative Kommunikationselemente speziell für den Familienbereich auf. Die Gewaltfreie Kommunikation spielt in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle im gegenseitigen Miteinander, aber auch Gedankengänge der Themenzentrierten Interaktion (TZI), des Neurolinguisitischen Programmierens (NLP) und der Transaktionsanalyse (TA) sind wichtig.

Bei der Öffnung des Methodenkoffers zur Mediativen Kommunikation kommen beispielsweise kooperative Gesprächstechniken zum Vorschein.

Kooperative Gesprächstechniken eröffnen im Gegensatz zu Gesprächskillern oder Gesprächssperren einen Raum zum Reden und Zuhören. Verschiedene Fragetechniken stehen im Dienst eines guten (Konflikt-)Klärungsgespräches.

Natürlich sind Ich-Botschaften das grundlegendste und wichtigste Handwerkszeug in diesem Bereich. Wenn die Mutter am Donnerstag Abend zu ihrer Familie sagt: „Ich fühle mich überfordert, wenn ich den Einkauf jetzt noch erledigen soll, weil ich den ganzen Tag gearbeitet habe und jetzt sehr müde bin. Ich möchte, dass der Einkauf heute von jemandem anderen übernommen wird.“, so hört sich das ganz anders an als wenn sie sagt: „Mir stinkt’s, ich kauf heute gar nichts mehr ein.“ Bei dem zweiten hier vorgeschlagenen Satz ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass jemand aus der Familie den Einkauf übernimmt. Vielmehr werden alle die Mutter in Ruhe lassen und denken: Die hat ja schon wieder schlecht Laune …

Aber auch die Methode des positiven Umformulierens ist mächtig. Die Großmutter kann zum Enkel sagen: „Du störst mich gar nicht.“, das impliziert evtl. den Gedanken „Glück gehabt“ beim Enkel. Die Großmutter kann jedoch auch sagen: „Ich freue mich, dass Du da bist.“ und der Enkel erfährt hierdurch eine Würdigung. Die Kernaussage der Großmutter ist jeweils dieselbe, die Wirkung der Aussage ist extrem unterschiedlich …

Offene Fragen haben gegenüber geschlossenen Fragen den Vorteil, den Gesprächs- und Handlungsraum in der Antwort zu vergrößern. Während geschlossene Frage nur mit „ja“ oder „nein“ beantwortet werden können (oder einer Zahl, einem Straßennamen oder ähnlich kurzen Antworten), kann der Antwortende bei offenen Fragen weiter ausholen, mehr erzählen und „in die Tiefe“ gehen. Geschlossene Fragen dienen hingegen oft der Zusammenfassung oder bringen Klarheit in einen Sachverhalt.

Offene Fragen sind beispielsweise „W-Fragen“. Hiermit kann man Situationen klären, also fragen: „Wer?“, „Was?“, „Wie?“, „Wofür“. Wenn es nicht ohne den Blick auf eine Begründung geht, kann auch das Fragewort „Warum?“ genutzt werden. Ganz vorsichtig sollte man mit der Frage „Warum?“ sein, denn dies fordert eine Rechtfertigung und wird nicht als unterstützend gesehen. Man sollte auch bedenken, dass „Vergangenheitsfragen“ oft das Gespräch blockieren und es nicht voran bringen …

Fragen, die den Prozess in der Mediativen Kommunikation unterstützen sollen, müssen stets von Seiten des Fragestellenden wertfrei formuliert und gemeint sein. Den Prozess unterstützende Fragen können Informationsfragen sein (nach Fakten oder Meinungen fragen), Klärungsfragen („Können Sie mir ein Beispiel dafür nennen?“), Beurteilungsfragen („Was ist für Sie interessant daran?“) oder teilnehmende Fragen, mit denen sich Einstellungen und Wünsche erfahren lassen („Was macht Ihnen bei dieser Entwicklung ein gutes Gefühl?“).

Kontextfragen helfen, eine Situation genauer zu verstehen: „Wie ist das Verhältnis zu Ihren Freundinnen insgesamt?“. Metaphorische Fragen ermöglichen einen neuen eher bildlich angelegten Verstehensprozess: „Wenn Sie ihren Konflikt zeichnen würden, was würde zu sehen sein?“. Skalierungs- oder Rangfragen lassen die Bedeutsamkeit eines Konfliktes erkennen: „Wenn Sie den Konflikt auf einer Skala von 1 bis 10 einordnen sollen, welchen Rang würde er dann belegen?“

Auch konkretisierende Fragen helfen in der Mediativen Kommunikation. Dies sind beispielsweise Fragen zu Verhaltensmustern wie etwa: „Woran erkennen Sie, dass ihr Freund sie ablehnt?“, „Woran merken Sie, dass Paul ihnen nie zuhört?“. Zirkuläre oder triadische Fragen ergänzen bereits Erfahrenes durch eine neue Perspektive: „Was glauben Sie, dass ihre Mutter über ihren Streit mit ihrer Kollegin denkt?“.

Ressourcenorientierte Lösungsfragen runden Problem- oder Konfliktlösungsgespräche ab und unterstützen die Lösungsfindung. Zukunftsfragen, Wunderfragen oder auch Als-ob-Frage bieten sich in diesem Zusammenhang an: „Woran wird sich ihre Reaktion zukünftig festmachen?“ „Stellen Sie sich vor, Sie könnten Wunder bewirken, was würde geschehen und welche Auswirkungen hätte dies?“ „Stellen Sie sich vor, das Problem wäre gelöst, was wäre dann anders als jetzt?“

Paradoxe Fragen sind eine in der Konfliktbearbeitung eher vorsichtig anzuwendende Frageart. „Was müssten Sie tun, damit der Konflikt in drei Tagen doppelt so heftig ist wie jetzt?“, das wäre eine paradoxe Frage, die Distanzierung hervorruft, andererseits aber auch Bewegung in eine Konfliktlösung hineinbringen kann.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Fragen im nächsten Konfliktklärungsgespräch!
Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Konfliktberatung, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0) | Autor:

Ein Text und ein Wunsch zum neuen Jahr

Freitag, 1. Januar 2010 9:41

Seelenvogel Tief, tief in uns wohnt die Seele.
Noch niemand hat sie gesehen,
aber jeder weiß, dass es sie gibt.
Und jeder weiß auch, was in ihr ist.

In der Seele, in ihrer Mitte,
steht ein Vogel
auf einem Bein.
Der Seelenvogel.
Und er fühlt alles,
was wir fühlen.

Wenn uns jemand verletzt,
tobt der Seelenvogel in uns herum;
hin und her, nach allen Seiten,
und alles tut ihm weh.

Wenn uns jemand lieb hat,
macht der Seelenvogel fröhliche Sprünge,
kleine, lustige, vorwärts und rückwärts,
hin und her.

Manche Leute hören den Seelenvogel oft,
manche hören ihn selten.
Und manche hören ihn
nur einmal in ihrem Leben.
Deshalb ist es gut, wenn wir
auf den Seelenvogel horchen,
der tief, tief in uns ist.
Vielleicht spät abends,
wenn es still ist.

Dieser Text ist dem Buch “Der Seelenvogel“ von Michal Snunit aus dem Carlsen Verlag entnommen. Es ist eines der wunderbarsten Bücher zum Thema „Emotionale Intelligenz“, das ich kenne. Der Text ist ursprünglich in hebräischer Sprache erschienen. Die Bilder des Seelenvogels stammen von Na’ama Golomb.

Mit dem Text möchte ich Ihnen alles Gute zum Neuen Jahr wünschen!

Ich hoffe, dass Sie den Seelenvogel oft hören,
und dass er viele kleine oder große fröhliche Sprünge macht!

Christa D. Schäfer

Wollen Sie wissen, wovor sich Kinder fürchten und was für Sie das Tollste ist, das ihnen je passiert ist?

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor: