Beiträge vom Februar, 2010

Was hat soziale Akzeptanz mit Angst und Aggression zu tun?

Montag, 22. Februar 2010 5:54

Die beiden Phänomene Angst und Aggression haben einen engen Zusammenhang. Wird ein Menschen bedroht, so ruft das spontan bei ihm entweder Angst oder Aggression hervor. Und wird zunächst Angst hervorgerufen, so führt ihn dies entweder zur Flucht (flight) oder in die Aggression (fight).

Mit Aggression ist hier die mit Wut verbundene destruktive Aggression gemeint. Allgemein gesagt, dient die Aggression im ursprünglichen biologischen Sinn der Bewahrung der Unversehrtheit des eigenen Körpers und der Abwehr von Schmerz. Aus neurobiologischer Sicht lässt sich nicht nachweisen, dass die destruktive Aggression ein „Trieb“ ist. Sowohl Angst als auch Aggression sind vielmehr psychische und neurobiologische Zustände, die unter bestimmten Bedingungen abgerufen werden. Sie sind aber auch beide biologische Signale, die einem Menschen Bedrohung anzeigen und zugleich sein Verhaltensprogramm aktivieren, das ihn vor Gefahren schützen soll.

Absichtlich herbeigeführter physischer Schmerz ist immer direkter Auslöser für Aggression. Und wie die amerikanische Neuropsychologin Naomi Eisenberger herausgefunden hat, bewertet das menschliche Gehirn zugefügten körperlichen Schmerz auf die gleiche Weise wie soziale Ausgrenzung oder Demütigung. Das hat auch zur Folge, dass beides – physischer wie psychischer Schmerz – mit Aggression beantwortet wird.

Körperliche Unversehrtheit heißt also, auch sozial akzeptiert zu werden. Ausschluss und Erniedrigung sind aus psychologischer und neurobiologischer Sicht ein potentieller Aggressionsauslöser.

Kinder, die keine oder keine hinreichenden Erfahrungen sozialer Akzeptanz machen konnten bzw. machen, beantworten diesen Mangel aus einem unbewusst ablaufenden Mechanismus heraus mit erhöhter Aggressionsbereitschaft. Untersuchung haben ergeben, dass die stärksten Prädikatoren (Vorhersagefaktoren) für Gewalttätigkeit bei Heranwachsenden die selbst erlebte Gewalt und fehlende persönliche Bindungen sind.

Alles, was Menschen in Beziehungen erleben, wird vom Gehirn in biologische Signale verwandelt, wirkt sich auf Biologie und Leistungsfähigkeit unseres Körpers aus und beeinflusst unser Verhalten, was dann wiederum Rückwirkungen auf unsere Beziehungen hat. Da kommt das Stichwort der Spiegelneuronen ins Spiel …

Quelle dieser eben dargelegten Gedanken ist das Buch „Lob der SCHULE“ von Joachim Bauer, Medizinprofessor und Psychotherapeut. Er hat sieben Perspektiven für alle an Schule Beteiligten formuliert und sieht sein Buch als Grundlage für eine Neurobiologie der Schule an. Bauer formuliert 10 Regeln für einen Schulvertrag, beruhigt Eltern, indem er ihnen sagt, dass Erziehung nie „perfekt“ und stets „fehlerbehaftet“ sein wird, und ruft Lehrern zu:

„Wenige Berufe erfordern eine derart vielseitige Kompetenz wie die des Lehrers. Zu ihr gehören fachliches Können, starke persönliche Präsenz und Ausstrahlung und flexible Reagieren auf sich ständig verändernde Situationen genauso wie intuitives Gespür, Verständnis für völlig unterschiedliche Schülerpersönlichkeiten, Widerstandskraft, Geschick bei atmosphärischem Gegenwind und – vor allem – Führung.“ (Bauer, S. 51)

Den Lehrerberuf sieht Joachim Bauer in einer Balance zwischen verstehender Zuwendung und Führung. Dabei bedeutet verstehende Zuwendung, den einzelnen Schüler sowohl unter dem Aspekt seines schulischen Könnens, als auch ihn vor allem als Person zu sehen. Führung bedeutet für ihn die Notwendigkeit, Werthaltungen zu vertreten, Ziele zu formulieren, Schüler zu fordern, Kritik zu üben, SchülerInnen Mut zu machen und sie zu unterstützen. Das “Lob der SCHULE“ ist wunderbar geschrieben und bietet viele Argumentationsketten, die das Feld der Schule mit den Bereichen der emotionalen und sozialen Kompetenz verbindet. Es ist hoch wissenschaftlich, bietet andererseits aber auch vollkommen praktische Anregungen für die Erziehung. Mit anderen Worten, dieses Buch ist derzeit fast so etwas wie ein „Muss“ unter Pädagogen …

Übrigens wirkt sich die soziale Akzeptanz von Kindern auch auf die spätere Gesundheit aus. Forscher einer Studie des Centre for Health Equity Studies in Stockholm verfolgten die Entwicklung von 14000 Kindern des Jahrgangs 1953 ab dem sechsten Schuljahr über 30 Jahre. Sie fanden heraus, dass Erwachsene, die in ihrer Kindheit ausgegrenzt waren, neunmal häufiger an Herzkrankheiten litten und viermal häufiger an Diabetes als ehemalige gut integrierte und gemochte Kinder. Verhaltensstörungen und psychische Erkrankungen traten bei ihnen doppelt so häufig auf. Kurz gesagt kann man also sagen, dass je beliebter ein Kind unter Gleichaltrigen ist, desto gesünder ist es in seinem späteren Leben. Die Apotheken Umschau 1/2010B berichtete kürzlich darüber.

Was nützt also die heutzutage fast mantrahafte Wiederholung des Begriffes Disziplin? Wir müssen vielmehr statt dem Disziplinbegriff der zunehmenden Beziehungs- und Bindungslosigkeit, in der Kinder und Jugendliche heute heranwachsen, massiv und wirksam entgegen treten, um das Gewaltproblem in der heutigen Gesellschaft und in den heutigen Schulen in den Griff zu bekommen!

Ja, und die Eingangsfrage, was soziale Akzeptanz mit Angst und Aggression zu tun hat, kann also eindeutig beantwortet werden:

Kinder ohne soziale Akzeptanz gehen in die Aggression.
Und umgekehrt: Aggression wird ebenso wie die Angst durch Bedrohung hervorgerufen.

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

Nochmals Bandidos gegen Hells Angels

Sonntag, 21. Februar 2010 11:52

Erinnern Sie sich an meinen Artikel „Konflikteskalation Bandidos gegen Hells Angels“? Die Eskalationsspirale ging natürlich weiter: Mitte Februar 2010 haben Bandidos ein Foto der “Überläufer” im Internet veröffentlicht. Der treu gebliebene Kassenwart wurde dabei geschwärzt, die Ex-Kameraden waren gut zu erkennen. Daraufhin machten sich etwa 30 Bandidos (Vereinslogo auf ihren Lederkutten) auf den Weg zum Clubhaus, in dem ihre übergelaufenen Ex-Kameraden derzeit residieren. Auch die übergelaufenen, jetzt bei den Hells Angels organisierten Rocker machten sich bereit für den Kampf. Wenig später verhinderten Polizisten diese Auseinandersetzung zwischen den Anhängern der beiden Rockerclubs.

Die Bandidos widersprechen derzeit der gängigen Presse, dass 70 Anhänger ihren Club verlassen haben; sie sprechen von nur 15 Personen, die gewechselt hätten.

Sowohl die Bandidos, als auch Rudolf Django T., der Mitbegründer der deutschen Hells Angels sagen: Wir wollen sicher keinen Streit!

Ob das stimmt?!

Interessant ist übrigens auch die Entstehungsgeschichte der beiden Motorradclubs (MC). Die Hells Angels wurden 1948 von ehemaligen US-Kampfpiloten gegründet. 1966 dann entstand der Club der Bandidos, ins Leben gerufen durch Veteranen des Vietnamkriegs. Schon gleich zu Anfang begann der Krieg zwischen den beiden Rockerbanden. Heute haben beide US-Clubs Ableger in ca. 100 Ländern. Und auch in Deutschland setzt sich der Kampf fort, wie man gerade wieder sieht.

Geht’s noch weiter?

Ja wahrscheinlich, und das auch außerhalb Berlins. Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein berichtete, dass es am Abend des 19.02.2010 in der Flensburger Innenstadt zu einem Angriff aus einer Gruppe von Bandidos auf einen 41jährigen Mann gab, der dem Umfeld der Hells Angels zugerechnet wird. Die Bandidos waren mit Äxten und Eisenstangen bewaffnet und griffen den 41jährigen an, der im Auto saß. Sie verletzten ihn so schwer, dass er ins Krankenhaus musste. Die Bandidos flüchteten mit ihren Autos, die Polizei konnte später die Fahrzeuge ausfindig machen und die Bandidos einer vorläufigen Festnahme zuführen.

Christa D. Schäfer

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Interne Mediation in Berlin …

Montag, 15. Februar 2010 7:01

die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hat sie, die Deutsche Bahn hat sie, die Evangelische Kirche hat sie. Die Interne Mediation ist ein Mediationsbereich, bei der im Unternehmen MediatorInnen zur Konfliktbearbeitung zur Verfügung stehen, die entweder intern ausgebildet wurden oder die bereits eine Mediationsausbildung besaßen und sich dann im Rahmen des Unternehmens zusammen geschlossen haben. Am 8. Februar 2010 hat eine Veranstaltung in den Räumen der DB stattgefunden, bei der die drei Mediationsverantwortlichen der oben genannten Betriebe in Zusammenarbeit mit der Regionalgruppe des Bundesverbandes Mediation e.V. (BM) über die Mediation in Ihren Betrieben berichtet haben.

Die BVG hat bereits 2006 eine erste Ausbildungsgruppe zu MediatorInnen ausgebildet, eine zweite Ausbildung folgte 2009. Damit stehen jetzt 31 MediatorInnen bereit, die Einzelberatungen, Mediationen zwischen zwei Konfliktparteien oder Konfliktmoderationen zwischen Teams durchführen. Die Mediatorin Birgit Rieleit-Schöttner hat wesentlich am Aufbau der Internen Mediation in der BVG mitgewirkt und ist Ansprechpartnerin für das Projekt.

Birgit Gantz-Rathmann, die Ombudsfrau der Deutschen Bahn, erläutert, dass es bereits an über 10 Standorten in Deutschland interne Mediation bei der DB gibt, obwohl bisher noch keine MediatorInnen im Unternehmen selber ausgebildet wurden. „Medition wird in der deutschen Wirtschaft zunehmend als zielführendes Konfliktlösungsinstrument eingesetzt – sowohl innerbetrieblich, als auch extern“, so ihre Worte.

Ja, und die Mediationsbeauftragte der Evangelische Schulen, Frau Dr. Dagmar Rohnstock, berichtet von SchülermediatorInnen in den evangelischen Schulen und den darüber hinaus 70 durch das Amt für kirchliche Dienste ausgebildeten MediatorInnen, die in Gemeinden bei Streitigkeiten zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen, in Kirchenkreisen bei der Reduktion von Baubestand, in Teams, zwischen Arbeitgebern und Mitarbeiten und vielen weiteren Beteiligten schlichten.

Im Rahmen eines World-Cafés wurden verschiedene Fragestellungen zur Betriebsinternen Mediation diskutiert. 250 Anmeldungen gab es für diesen vom BM veranstalteten Abend, nur gut 100 Personen konnten teilnehmen, teilweise waren sie aus anderen Städten extra für diesen Abend angereist. Ja, in Zukunft wird es sicherlich in noch mehr Berliner Betrieben Interne Mediation geben.

Einerseits hat die betriebsinterne Mediation viele Chancen, es gibt kurze Wege zur Konfliktschlichtung, die Hemmschwelle zur Verfahrenseinleitung ist nicht so groß, sie ist kostengünstiger als eine externe Alternative usw. Andererseits muss mit den in der Mediation innewohnenden Parametern Freiwilligkeit und Vertraulichkeit sehr vorsichtig umgegangen werden. Seit einiger Zeit gibt es von Elke Schwertfeger eine Masterarbeit zum Thema Interne Mediation, allerdings mit einen ernüchternden Fazit. Dort heißt es u.a.: “Interne MediatorInnen haben wenige Chancen in Unternehmen, die nicht über systematische Konfliktmanagementsysteme verfügen. Die internen MediatorInnen werden geduldet, aber ihr Angebot findet wenig Anklang und sie werden von Unternehmensseite kaum aktiv unterstützt.”

Das kennen wir von manchen Schulen in ähnlicher Weise …
Und ich drücke dennoch die Daumen für weitere Betriebe, die die Interne Mediation einführen wollen. Ach ja, interne Mediation wird natürlich auch auf dem BM-Kongress im September diesen Jahres eine wichtige Rolle spielen.

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktmanagement, Mediationsverfahren, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Mit der Friedenspfeife ins Theater des Westens

Freitag, 12. Februar 2010 15:36

Theater des Westens

Foto von Tobias Schlitt

Berliner KonfliktlotsInnen und SchulmediatorInnen aufgepasst: Das Theater des Westens richtet in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Mediation/Regionalgruppe Berlin den Wettbewerb „Friedenspfeife“ für Konfliktlotsinnen und Konfliktlotsen der Berliner Schulen aus!

 

Gesucht werden für den Wettbewerb kreative Ideen für die Bühne (gespielte Szenen, Songs o.ä.) zum Thema „Konflikte gewaltfrei lösen“. Zugelassen werden Wettbewerbsbeiträge in den Bereichen Gesang, Tanz und Schauspiel, die von den KonfliktlotsInnen der teilnehmenden Schulen präsentiert werden.

Die Jury besteht aus zwei Vertretern des Theaters, Sosan Azad (Bundesverband Mediation), Ortrud Hagedorn (Begründerin der Konfliktlotsenidee und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes), Raed Saleh (Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und Mitbegründer von „Stark ohne Gewalt“) sowie Nemanja Stojanovic (Konfliktlotse des Campus Rütli). Die Preisträger werden durch die Jury ausgewählt, die drei besten kreativen Ideen werden prämiert.

Alle teilnehmenden Schüler erhalten als Gewinn eine Freikarte für DER SCHUH DES MANITU und die drei Gewinnergruppen können u.a. ein Meet & Greet mit den Darstellern dieses Musicals gewinnen !!

Achtung: Anmeldung zum Wettbewerb bis 3. März 2010 möglich. Der Wettbewerb selber findet am 26. März statt. Weitere Projektinformationen sowie die Anmeldung zum Wettbewerb hier im Blog. Und von mir viel Spaß für die Vorbereitungen !

Christa D. Schäfer

Thema: Schule in Berlin, Schulmediation, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Konflikteskalation Bandidos gegen Hells Angels

Montag, 8. Februar 2010 5:16

In letzter Zeit gibt es in Berlin und Brandenburg einen Gruppenkonflikt, der die Polizei in Atem hält. An ihm kann man gut und äußerst aktuell das Thema Konflikteskalation betrachten, zur Konfliktlösung ist es bisher leider nicht gekommen.

Es gibt drei große Rockerbruderschaften in Berlin und Umgebung: die Bandidos, die Hells Angels und der Gremium MC. Zum harten Kern der drei Motorradclubs gehören je 50 Leute, ca. 100 weitere können flott mobilisiert werden. Bisher war das Verhältnis zwischen den Bandidos und den Hells Angels heftig angespannt. Sie kämpften um die Vorherrschaft im Geschäft mit Prostitution, Drogen- und Waffenhandel. Jetzt droht die Eskalation.

Am 2.2.2010 sind 70 als militant geltende Berliner Anhänger der Rockergruppe Bandidos zu den rivalisierenden Hells Angels übergetreten; der Mitbegründer der deutschen Hells Angels, Rudolf „Django“ T. hat dies bestätigt. Die 70 Personen stammen aus dem Chapter „El Centro“, der Bandidos-Dependance im Norden Berlins. Es scheint, dass das gesamte Chapter damit seine Position gewechselt hat. Grund für das Überlaufen zu den Hells Angels sind Streitigkeiten und blutige Auseinandersetzungen zwischen diesen Bandidos-Rockern aus dem Norden mit ihren Bandidos-Vereinskameraden „Southside“ aus dem Süden Berlins.

In Konsequenz darauf sind die 70 Rocker bei den Bandidos ausgetreten und haben sich mit sofortiger Wirkung am 4.2.2010 den Hells Angels, ihren bisherigen Erzfeinden, angeschlossen. Frank H., der Chef des deutschlandweit größten Club-Charters in Hannover hatte mit „Centro“-Chef Kadir P. den Übertritt des von Türken dominierten Chapters persönlich ausgehandelt. Die Centro-Rocker gelten als besonders gefährlich, ihr Chef als schwer kontrollierbar. Verstärkt wird die Kraft des Übertritts dadurch, dass er einen Tag vor dem 20igsten Geburtstag der Hells Angels vollzogen wurde, zudem haben die überlaufenden Männer symbolisch ihre als heilig geltenden Jacken zerschnitten. Die Polizei ergriff daraufhin sofort absichernde Maßnahmen. Allerdings blieb die Hauptversammlung der Hells Angels am 3.2. ruhig und auch von einer rauschenden Siegesfeier in diesem Milieu ist bislang nichts zu hören.

In Zukunft werden die übergelaufenen Männer Teil der „Hells Angels Türkei“ sein. Das hat wohl nichts damit zu tun, dass diese Männer nichtdeutscher Herkunft sind, sondern hat interne Gründe, über die es bisher keine Informationen gibt. Damit hat sich jetzt das Kräfteverhältnis im Rockermilieu zugunsten der Hells Angels verschoben und Experten sagen: „Man muss mit Reaktionen rechnen.“

Am 4.2.2010 haben in Folge dessen Spezialisten der Landeskriminalämter von Brandenburg und Berlin zu einer Krisensitzung zusammen gefunden. Gewalttaten scheinen jetzt an dieser Stelle der Eskalation aus dreierlei Gründen wahrscheinlich: Die zu den Hells Angels übergelaufenen Mitglieder von „El Centro“ müssen durch besonders mutige Taten ihre Loyalität zum neuen Club beweisen, die Hells Angels sind derzeit in Siegerlaune, weil sich das Kräfteverhältnis nun stark zu ihren Gunsten verschoben hat, und die Bandidos sind nach ihrem Ansehensverlust jetzt unberechenbar.

Am 5.2.2010 gab es eine Sitzung der Bandidos im Vereinssitz in der Weddinger Provinzstraße. Mehr als 100 Rocker aus Deutschland und dem europäischen Ausland trafen sich dort, um die aktuelle Lage zu besprechen. Die Polizei führte vor dem Vereinssitz umfangreiche Kontrollen durch, fotografierten die Teilnehmer und stellte deren Personalien fest. Rund 150 Polizeibeamte trafen dabei auf „kooperative“ Bandidos.

Die beiden verfeindeten Clubs haben jetzt einen „Krisengipfel“ angesetzt, bei dem „Leute aus den Europastrukturen“ der Clubs teilnehmen werden. Die Polizei zeigt im Rockermilieu immer wieder Präsenz durch Razzien und Kontrollen. Dennoch steigt die Nervosität bezüglich der Eskalationsspirale merklich. Dies natürlich auch vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren gemachten Erfahrungen mit dem Rockermilieu: Im August 2008 erregten die Bandidos mit einer Attacke in Berlin/Charlottenburg großes Aufsehen, denn mit einer Machete wurde der Vizepräsident der Hells Angels vor derem Clubhaus angegriffen.

2009 gab es bei bundesweiten Auseinandersetzungen unter Rockern 2 Tote und Dutzende Schwerverletzte. Es gibt Rocker und Rockergruppen, die im Drogen- und Waffenhandel aktiv sind. Bei anderen Streitigkeiten geht es um Schutzgelder, denn Rocker arbeiten auch als Einlasser und kämpfen um die Türen lukrativer Lokale, um mit bestimmen zu können, welche Geschäfte dahinter statt finden.

2009 wird im Sommer nahe Finowfurt (Barnim) einem Hells Angel mit einer Axt fast das Bein abgehackt, Centro-Mitglieder sollen hier die Täter gewesen sein. 2009 wird auch aus einem Auto heraus der 33jähriger Rocker Michael B. in Berlin/Hohenschönhausen erschossen. Gerüchten zufolge sei er kurz zuvor / oder wollte er von den Hells Angels zu den Bandidos überlaufen. Im Januar 2010 ist bei Eberswalde ein 23jähriger Anwärter der Hells Angels festgenommen worden, er habe auf einen Bandidos geschossen.

Gerade hat das Oberverwaltungsgericht auch eine Klage des Clubs „Chicanos MC Barnim“ aus Eberswalde abgewiesen, die gegen die offizielle Schließung ihres Vereinsheim vorgehen wollte.

Man wird nun abwarten müssen, ob und wie die Eskalation weiter geht …
Oder ob der Konflikt einer Lösung näher kommt …
Christa D. Schäfer

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Man sieht mit dem Herzen?

Montag, 1. Februar 2010 7:43

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“, so Antoine de Saint-Exupéry im „Kleinen Prinzen“.

 

Gefühle sind ein wesentlicher Bestandteil der menschlichen Existenz. Gefühle begleiten alles Erleben, Denken, Fühlen, Handeln und Erinnern. Wenn ich etwas „erlebe“, so bekomme ich Gefühle dazu. Gefühle sind also der „Körper des Erlebten“. Gefühle sind die Basis und die Kraft für die Motiviation etwas zu tun oder zu unterlassen. Gefühle sind eine Brücke, die Nähe schafft.

Ist es gut, Gefühlen immer Folge zu leisten?
Oder sollen wir vielmehr die Vernunft über die Gefühle siegen lassen?

Der Arzt, Psychotherapeut und Präsident der Internationalen Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse Alfried Längle beschäftigt sich in seinem Buch „Sinnvoll leben. Eine praktische Anleitung der Logotherapie“ ausführlich mit dem Sinnbegriff. Er berichtet in diesem Zusammenhang auch von Gefühlen als „Hinweisschildern“ und benennt zwei unterschiedliche Arten von Gefühlen: Die erste Gruppe steht in unmittelbarem Austausch mit einer gerade vorherrschenden Situation, sie will beispielsweise auf eine mögliche Verbesserung der situativen Bedingungen aufmerksam machen. „Ich fühle mich unwohl, mir ist heiß.“ Die zweite Gruppe von Gefühlen hat mit der unmittelbaren Situation nichts zu tun, sondern reagiert auf Bedingungen einer früheren Situation zugehörig. Auch diese Gefühle haben ihren Wert und ihren Sinn, doch die Bedingungen, auf die sich das Gefühl bezieht, liegen in der Person selber. Das Gefühl wird in verschiedenen Situationen wiederholt und das sollte uns zum Innehalten und zu einem sorgsamen Umgang damit anleiten.

Alfried Längle berichtet diesbezüglich von einer einfach anzuwendenden Methode, um sich von Gefühlen, die blockieren oder immer wieder kommen zu lösen. „Übersetzt“ in die Sprache der Kommunikationstheorie und in den Fachbereich der Mediation heißt dies, dass Längle darüber berichtet, wie man sich selber „aktiv zuhören“ kann. Dazu sind drei Fragestellungen notwendig:

  1. Ich beziehe eine Außenposition und schaue auf die Situation:
    Was hat sie mit dem Gefühl zu tun?
  2. Ich wende mich jetzt dem Gefühl zu und beziehe die Innenposition.
    Was für Konsequenzen hätte es, wenn das Gefühl stimmen würde? Könnte ich das aushalten?
    Was würde real passieren?
  3. Ich sichere meine eigene Position auf der sachlichen Ebene:
    Worum geht es mir jetzt?
    In diesem Schritt geht es darum, eine Position zum Positiven zu finden, eine Zuwendung zum Wertvollen und Sinnstiftenden.

Gefühle zu verstehen heißt, sich selber besser zu verstehen.
Bei wiederholt hochkommenden Gefühlen ist es allerdings nach Längle und der Logotherapie wichtig, sich auf „Distanz“ zu halten und nicht jedem Ärger, jeder Wut nachzugeben.

Eine weitere Gruppe von Gefühlen ist wichtig: Diese Gefühle sind da, wenn wir etwas tun oder aufmerksam verfolgen. Wir schauen in die Welt und erfühlen seine Hintergründe. Diese Offenheit führt uns dazu zu spüren, was gut und was schlecht ist, was wichtig für unser Leben und was weit davon entfernt …

Gefühle sind in diesem Sinne Fährten und wir merken durch sie, worauf es ankommt, was Sinn macht! Oft verlangt es Mut, sich auf sein Gespür zu verlassen. Doch wenn wir in Übereinstimmung mit ihm leben, so leben wir wirklich „unser Leben“.

Und übrigens:
„Der Mensch ist frei, sich zu entscheiden, und er kann sich dieser Freiheit nicht wirklich entziehen. Der Auftrag, der mit dem Freisein verbunden ist, besteht im Unterscheiden und im Entscheiden. Nur so kann sich der Mensch in der Auseinandersetzung mit jeder Situation den besten Weg erschließen. Dieser Weg wird als „Sinn“ bezeichnet. Sinn kann demnach definiert werden als eine gute Möglichkeit, die sich vor dem Hintergrund der Wirklichkeit auftut.“ (Längle: Sinnvoll leben, S. 46)

Wenn Sie mehr zum Thema Logotherapie erfahren möchten, so kann ich Ihnen das Buch von Alfried Längle sehr empfehlen. Wenn Sie mehr zum Thema Emotionale Intelligenz suchen, so werden Sie hier im Blog fündig …

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor: