Beiträge vom März, 2010

4. Berliner Mediationstag mit Friedensforscher Johan Galtung

Montag, 29. März 2010 7:18

Am 12.03.2010 hat der 4. Berliner Mediationstag mit 170 Teilnehmern im Harnackhaus stattgefunden. Referent war dieses Mal der norwegische Mathematiker, Soziologe, Politologe, Friedens- und Konfliktforscher Prof. Johan Galtung. Galtung ist in Mediationskreisen eine bekannte Persönlichkeit, 1987 wurde er mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet, 1993 mit dem Ghandhipreis. 1992 gründete er das international arbeitende TRANSCEND-Netzwerk für Frieden, Entwicklung und Umwelt, dem er als Direktor vorsteht.

Auf dem Berliner Mediationstag hat Galtung die TRANSCEND-Methode sowie seine praktische Arbeit mit dieser in mikro-, meso- und makropolitischen Konflikten vorgestellt. Auch Peter Knapp, einer der Veranstalter des Mediationstages hat über die Veranstaltung berichtet. Im Reader zum Tag ist zu lesen, dass die Methode mit drei Worttripeln gut beschrieben werden kann:

„Erstens besteht die Methode aus drei Phasen: den Konflikt erkennen und einordnen, legitimieren, Inkompatibilitäten überbrücken. Zweitens gibt es drei Aspekte in diesem Prozess: „One-on-one“, Dialog, Transzendenz. Drittens werden drei Eigenschaften vom Mediator verlangt: Empathie, Gewaltfreiheit, Kreativität.“

Die erste der drei Phasen sieht vor, den Konflikt zu analysieren, also zu schauen, wer die Akteure und Parteien sind, welches deren Ziele und Mittel sind und wo die Inkompatibilität zwischen Zielen und Mitteln liegt. Die zweite der drei Phasen meint eine Prüfung der Ziele und Mittel auf ihre Legitimität hin. Dies ist eine rechtlich-moralische Aufgabe, die dem (internationalen) Recht, den Menschenrechten und den menschlichen Grundbedürfnissen unterliegt. Die dritte der drei Phasen versucht eine Überbrückung der legitimen Ziele und Mittel. Dies ist eine intuitiv zu lösende Aufgabe und geschieht durch die Schaffung von Bedingungen, unter denen allen legitimen Zielsetzungen in vernünftiger Weise entsprochen werden kann.

Startend von einer gegenseitigen oder auch einseitigen Intoleranz verkürzt Galtung diese drei Schritte der Konfliktlösung in der TRANSCEND-Mediation auch mit folgenden Stichworte:

  • Toleranz
  • Dialog (Respekt und Neugier)
  • Gemeinsames Lernen

Am komplexen Beispiel eines möglichen Friedensprozessen in Afghanistan hat Galtung diese Methode in der Theorie mit den 170 Teilnehmern des Kongresses durchgespielt – eine großartige Leistung!

Die TRANSCEND-Mediation hat viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zur der Methode von Mediation, die üblicherweise in deutschen Mediationsausbildungen gelehrt wird. So führt Galtung mitunter lange ausführliche Einzelgespräche mit allen Konfliktbeteiligten, bis diese bereit sind, an einem gemeinsamen Gespräch teilzunehmen.

Desweiteren gibt er gegen Ende eines Prozesses, wenn es um die Überbrückung geht, den Konfliktparteien eine kreative Lösung an die Hand. Dabei kommen weder Lösungen in Frage, die mit einem „entweder-oder“ eine Partei in den Vordergrund stellen, noch Lösungen im Sinne von „weder-noch“. Die Lösung muss vielmehr einen gemeinsamen Lernprozess in Gang bringen und im Sinne eines „sowohl-als-auch“ gestaltet sein.

Bei Grenzstreitigkeiten zwischen zwei Staaten könnte beispielsweise die Einrichtung eines binationalen Gebietes, für das beide Staaten verantwortlich sind, eine Lösung im Konflikt bedeuten. In einem Schulkonflikt kann beispielsweise das gemeinsame Fußballspielen eine Art der Überbrückung sein, bei der beide ursprünglichen Konfliktpartner gemeinsam (den Umgang miteinander) lernen können …

Übrigens war Friedemann Schulz von Thun der Referent des ersten Berliner Mediationstages.

Christa D. Schäfer

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Ombudsstelle statt Beschwerdemanager

Mittwoch, 24. März 2010 12:02

Am 20.10.2008 habe ich hier im Blog berichtet, dass Berlins Schulsenator Jürgen Zöllner in seiner Verwaltung „Beschwerdemanager“ verankert hat. Der Landeselternausschuss (LEA) fordert dagegen seit Jahren eine Ombudsstelle.

Im Schuljahr 2008/09 ist die Anzahl der Gewaltmeldungen im Gegensatz zum davor liegenden Schuljahr um 16 % auf 1.817 Vorfälle erneut gestiegen. Zwei Drittel dieser Vorfälle betrafen körperliche Gewalt, ein Fünftel Bedrohungen. Die meisten Meldungen wurden in Grundschulen abgegeben, gefolgt von den Sonderschulen in Berlin.

Jetzt wird in der Konsequenz daraus und im Trubel um die Diskussion zum sexuellen Missbrauch an Schulen auch die Stimme nach einer unabhängigen Ombudsstelle wieder laut. Der LEA und die Grünen wollen diese als Anlauf- und Beschwerdestelle für Eltern, Schüler und Lehrer etablieren, die Hilfe bei Konflikten, Gewalt und Mobbing brauchen. Die Ombudsstelle soll als „Rettungsring“ fungieren, so der Wortlaut in einem Antrag der Grünen für das Abgeordnetenhaus.

Die Bildungsverwaltung hat hingegen die Entscheidung getroffen, dass künftig sogar leichtere Gewaltvorfälle, Sachbeschädigungen und Beleidigungen von Lehrern nicht mehr meldepflichtig sind. Der Neuköllner Bildungsstadtrat Wolfgang Schimmang und der Landeselternsprecher André Schindler kritisieren die Entscheidung, Schulleiter begrüßen diese Begrenzung als Abbau von Bürokratie und Paul Schuknecht vom GEW-Schulleiterverband sagt, wichtiger als jede Kleinigkeit zu melden, sei es, in wirklich schweren Fällen adäquat reagieren zu können. Er verwies dabei auf die Arbeit von Peer-Konfliktlotsen und Senior-Konfliktlotsen bei Gewalt in der Schule, die sich bewährt habe. Lediglich bei Fällen von sexuellem Missbrauch sei eine Ombudsstelle sinnvoll.

Das ist sicherlich nicht das letzte Mal, dass über diese bisher noch nicht existente Ombudsstelle hier berichtet wird …

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktmanagement, Schulmediation | Kommentare (0) | Autor:

StreitKultur 2010

Montag, 22. März 2010 22:16

… so lautet der Titel des Kongresses des Bundesverbandes Mediation, der vom 16. bis zum 18. September diesen Jahres in Berlin stattfindet.

Jetzt ist das Kongressprogramm online.

Übrigens hält der Medizinprofessor und Psychotherapeut Prof. Joachim Bauer den Eröffnungsvortrag zum Thema „Kooperation und Aggression aus neurobiologischer Sicht: Perspektiven für die Mediationsarbeit“. Über J. Bauer, sein Buch „Lob der SCHULE“ und die Hintergründe, was Soziale Akzeptanz mit Angst und Aggression zu tun hat, habe ich ja erst kürzlich in diesem Blog berichtet.

Christa D. Schäfer

Thema: BM Mediationskongress 2010, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Allparteilichkeit in Mediation und Supervision

Montag, 22. März 2010 6:13

Mediation ist … na, das wissen doch sicherlich alle Leser dieses Blogs ?!
Dennoch:

„Mediation ist vermitteltes Verhandeln bei Problemen und Konflikten und löst primär Probleme, sekundär Konflikte.“ (Joseph Duss-von Werdt: Einführung in Mediation, S. 43)

„Supervision ist ein Weiterbildungs-, Beratungs- und Reflexionsverfahren für berufliche Zusammenhänge, in dem sich SupervisorInnen (professionelle BeraterInnen) und SupervisandInnen (professionelle Ratsuchende) begegnen. Stichwörter sind also Weiterbildung, Beratung, Reflexion, hervorgehoben wird der berufliche Zusammenhang.“ (Andrea Ebbecke-Nohlen: Einführung in die systemische Supervision, S. 11)

Während die Mediation u.a. die Klärung eines Konfliktes zum Ziel hat und eine win-win-Lösung für alle beteiligten Konfliktparteien anstrebt, sind die Ziele von Supervision:

  • „Erweiterung oder Vertiefung persönlicher Erkenntnisse über eigene Möglichkeiten und Grenzen, über Einstellungen und Werthaltungen
  • Veränderungen des eigenen Verhaltens
  • Verbesserung des Wissens über soziale und institutionelle Rahmenbedingungen für das berufliche Handeln
  • Erweiterung oder Vertiefung der sozialen Handlungskompetenz und der praktischen Fertigkeiten
  • Verbesserung der Praxistätigkeit im jeweiligen Aufgabenfeld
  • Multiplikation des erlernten beruflichen Know-how“
    (ebenda, S. 13)

Sowohl Mediator, als auch systemischer Supervisor haben allparteilich zu sein. Das heißt, dass sowohl den MediandInnen als auch den SupervisandInnen vom Mediator bzw. Supervisor keine fertige Lösung angeboten werden darf. Vielmehr ist es ihnen durch Fragen zu ermöglichen, selbst passende Lösungen zu finden. Zum Thema Fragen gab es ja erst kürzlich einen wunderbaren und gern gelesenen Artikel in diesem Blog.

Der Begriff der Allparteilichkeit hat heutzutage den Begriff der Neutralität abgelöst, den ich noch in meiner Mediationsausbildung vor über 15 Jahren gelernt habe.

Allparteilichkeit kann sowohl Neutralität als auch Pluralität bedeuteten. Allparteilichkeit im Sinne einer neutralen Haltung heißt, dass ich als Mediatorin bzw. Supervisorin in einer Auseinandersetzung, die sich innerhalb einer Person oder zwischen zwei Personen abspielt, keine Partei ergreife. Allparteilichkeit im Sinne einer pluralen Haltung meint, dass ich mich gegenüber der einen Seite als auch der anderen Seite gegenüber offen zeige. Allparteilichkeit ist deshalb derzeit so etwas wie ein Überbegriff geworden, der die Begriffe Neutralität und Pluralität einschließt.

Ja, was schon so ein Begriff an Unterschieden für eine Verfahren ausmachen kann. Die Gedanken dazu habe ich übrigens dem von mir schon oben angesprochene Buch „Einführung in die systemische Supervision“ von Andrea Ebbecke-Nohlen entnommen. Dies Buch ist eine wunderbare Einführung in die Methodik der Supervision im Allgemeinen und in die Methodik der systemischen Supervision im Besonderen. Auf 126 Seiten findet der Leser viele nützliche Informationen in einfacher und klarer Form. Für Praktiker ist besonders das letzte Kapitel zu den Methoden systemischer Supervision interessant, das von der Hypothesenbildung über das Zirkuläre Fragen und die Allparteilichkeit hin auch Themen wie Metaphern und Skulpturen berührt.

Systemische Supervision ist wie die Mediation ausgesprochen vielfältig. Es gibt gemeinsame Methoden in beiden Verfahren und sogar eine direkte Kopplung beider Verfahren in dem Angebot der Supervision für MediatorInnen in der Ausbildung bzw. für spezielle Fälle. Ich bin gerade dabei, meine Angebote neu zu schnüren und neben der Supervision für Teams und Einzelpersonen wird dann auch insbesondere die Supervision für MediatorInnen im Paket mit enthalten sein.

Interesse an Supervision oder Supervisionsausbildung?
Dann „kontakten“ Sie mich!
Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

Die Friedenspfeife hat großen Anklang gefunden!

Mittwoch, 17. März 2010 20:29

Theater des Westens

Foto von Tobias Schlitt

Mit der Friedenspfeife ins Theater des Westens, so lautete ein Artikel, den ich 12. Februar 2010 hier in den Blog eingestellt habe. Darin habe ich berichtet, dass das Theater des Westens in Zusammenarbeit mit der Regionalgruppe des Bundesverbandes Mediation einen Wettbewerb für Konfliktlotsen der Berliner Schulen ausgeschrieben hatte. Zugelassen waren Wettbewerbsbeiträge aus den Bereichen Gesang / Tanz und Schauspiel. Wer eine gute kreative Idee zum Thema „Konflikte gewaltfrei lösen“ auf die Bühne bringen konnte, kann Freikarten gewinnen.

Nun ist der Anmeldetermin zum Wettbewerb schon eine Weile vorüber. Der Aufruf in den Berliner Schulen war überwältigend, es haben sich insgesamt 33 Konfliktlotsenprojekte, also insgesamt 417 SchülerInnen zum Wettbewerb gemeldet!! Aufgrund dieser hohen Teilnehmerzahl werden die Wettbewerbsmodalitäten geringfügig geändert. Die Beiträge werden von der Jury vorab per DVD oder Internetlink gesichtet, die besten acht Finalisten werden eingeladen und treten dann im Theater des Westens am 16. April an um die drei Gewinnerplätze.

Ach, übrigens findet man schon jetzt auf dem Totempfahl und dem Hinweisschild in der Prärie den Hinweis auf den Wettbewerb und den Bundesverband Mediation. Schauen Sie mal …

Ich freue mich, dass ich dabei sein kann und werde Ihnen berichten !!!
Christa D. Schäfer

Thema: Schule in Berlin, Schulmediation, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Veranstaltung zur Mediation in Organisationen

Mittwoch, 17. März 2010 9:44

Vor einiger Zeit berichtete ich über das Thema Interne Mediation in Berlin. Jetzt gibt es eine Veranstaltung dazu unter dem Namen „Mediation: Alter Wein in neuen Schläuchen!?“

Die Veranstaltung wird vom Berliner Forum durchgeführt, einer Kooperation von ÖPNV-Bildung der BVG (ÖPNV heißt der Öffentliche Personennahverkehr) mit der VDV-Akademie (VDV heißt der Verband deutscher Verkehrsunternehmen).

Auf übergeordneter Ebene will das ganztägige Symposium am 25. Mai Antworten auf die Frage geben, was Mediation eigentlich ist und wie ihr emotionaler und betriebswirtschaftlicher Nutzen eingeschätzt werden kann. Ebenfalls werden Spielräume betrieblicher Interessensvertretungen ausgelotet und der Einsatz von intern ausgebildeten Konfliktberatern beleuchtet.

Der Tag ist für Führungskräfte und Interessierte am Thema Interne Mediation gedacht, aber auch für Mitarbeiter und Mitarbeiterin des ÖPNV. Alle weiteren Informationen dazu hier im blog.

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktmanagement, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Margaret, das Ausgleichskind

Montag, 15. März 2010 6:48

„Ich merkte, wie sich alles in mir zusammenzog und wie eine Wut in mir wuchs, von der ich genau wusste, dass ich sie jetzt nicht herauslassen würde. Schließlich sollte heute gefeiert werden.
Auf einmal fand ich, dass es Mama ganz recht geschah, wenn ich kein Geschenk für sie hatte. Da saß sie und hatte noch keine Ahnung, dass ich es vergessen hatte, und trotzdem kam sie mir mit keinem Blick entgegen. Die ganze Mühe, unsere Familienstimmung wieder in Ordnung zu bringen, lastete auf mir. Mama dachte überhaupt nicht daran, mitzuhelfen.
Dann nicht, liebe Dame, bitte schön, dachte ich. Kannst du haben.
„Herzlichen Glückwunsch“, sagte ich unfreundlich und setzte mich auf meinen Stuhl.
Papa sah mit flehendem Blick zu mir rüber, aber Mama stand nur geräuschvoll auf und fing an, den Frühstückstisch um meinen Platz herum abzuräumen.
„Kann man heute Nachmittag mit dir rechnen?“, fragte sie über die Schulter. „Ich frage nur, weil ich wissen will, wie viele Gedecke ich auftun soll.“
„Jaja“, sagte ich. „Nur keine Sorge.“
Da drehte Mama sich um und starrte mir nun doch direkt ins Gesicht.
„Oh, ich sorge mich schon lange nicht mehr!“, sagte sie laut. Die ganze Zeit zerknüllte sie ein Küchenhandtuch. In dieser Familie habe ich schon längst damit aufgehört.“
„Nun denkt doch mal daran, dass Geburtstag ist“, sagte Papa bittend.
Aber Mama hatte sich schon wieder zur Spüle gedreht. „Außer dir denkt da in dieser Familie sowieso keiner dran“, und sie fing an zu spülen, obwohl längst jemand vom technischen Dienst dagewesen war und unsere Spülmaschine repariert hatte.“

Das ist einer der Familienstreitigkeiten, über die Kirsten Boie in ihrem Buch “Das Ausgleichskind“ (S. 168 f.) geschrieben hat. Ein anderer ist der Streit zwischen der großen Tochter Marthe und der Mutter, der so weit geführt wurde, bis Marthe auszog. Auch da fühlte sich die jüngere Margaret schuldig; wie überhaupt an so Vielem in dieser Familie.

Ist aber auch klar, dass sie sich schuldig fühlt, denn sie ist – wie ihr Freund Akki das immer so schön sagt – das Ausgleichskind:

„Du bist ihr Trost in schweren Tagen, ihre Sonne bei Kummer und Regen, und dass du so genial bist, hilft ihnen über einiges hinweg. … Die Familie … ist ein System. Jedes Mitglied hat seine Rolle zu spielen. Verändert sich die Situation des einen, muss sich notwendigerweise auch die aller anderen verändern …“ (Das Ausgleichskind, S. 8 f.)

Und so haben wir in diesem Buch für Kinder ab 12 Jahren das Thema Familienstreit direkt neben den Gedankengängen zur Thematik „Die Familie als System“.

„Die Familie ist ein Schauplatz, wo die in den verschiedenen Generationen aktualisierten emotionalen Strömungen von Depression, Angst, defensivem Beharrungswillen und Protest aufeinanderstoßen.“ – so Horst-Eberhard Richter in seinem Buch: Patient Familie. Entstehung, Struktur und Therapie von Konflikten in Ehe und Familie, S. 29.

Margaret muss das perfekte Kind spielen und die Familienatmosphäre ausgleichen. Da die ältere Tochter gegangen ist, muss Margaret nun die gesamte Wucht des Familiengleichgewichts halten und den Ausgleich herstellen. Der Vater ist eher zurückhaltend, fast hilflos. Die Mutter konzentriert sich auf ihre jüngste Tochter und den Haushalt. In tradierten Rollenbildern verhaftet macht sie Margaret mit ihrer fast krankhaften Ehrgeizigkeit das Leben schwer. Glücklicherweise ergibt sich am Buchende ein Hoffnungsschimmer, der Ideen mitgibt, wie dieser Teufelskreis innerhalb von Familien durchbrochen werden kann. Und natürlich wäre in diesem Fall auch eine Familienmediation sehr hilfreich gewesen … !!

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Familienmediation, Konflikte, Literaturempfehlungen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

Bandidos – Der Geschichte dritter Teil

Mittwoch, 10. März 2010 22:54

Meine ersten beiden Berichte um die Geschichte der „Bandidos“ und der „Hells Angels“ haben hohe Leserzahlen erreicht. Darum möchte ich Sie gerne über die Vorkommnisse in diesem Konflikt auf dem Laufenden halten.

Am 3. März 2010 marschierten 15 Mitglieder der Bandidos in ein Krankenhaus in Berlin Mitte. Unter ihnen war ein 22jähriger, der am Bein blutete. Seine Verletzung des Oberschenkels war durch einen Messerstich hervorgerufen worden.

Da den Klinikmitarbeiter mulmig zumute wurde ob der 15 einmarschierenden Rockern, holten sie sofort die Polizei. Diese durchsuchte die Männer und beschlagnahmten die im Rockermilieu üblichen Waffen: eine Machete, Messer, Quarzhandschuhe, Pfefferspray. Übrigens hatten ja auch die Pokerturnier-Räuber vom Sonntag eine Machete dabei – ist diese Waffe jetzt wieder modern geworden?

Der verletzte Bandidos schwieg zu den Fragen der Polizei, das ist ehernes Gesetz in der Szene. Ja, und so weiß die Polizei nicht, woher die Verletzung stammt und was dieser vorausgegangen ist.

Die Polizei in Berlin und Brandenburg setzt die Szene mit verstärkten Kontrollen unter Druck und bleibt präsent. Im Jahr 2009 wurden in Brandenburg 39 Straftaten verübt, die durch die Mitgliedschaft in einem Motorradclub motiviert waren, 2008 waren es nur 10 Straftaten.

Am 9. März rief eine Frau aus der Weddinger Provinzstraße die Polizei, weil sie bei zwei Rockern vor dem dortigen Rockerclub der Bandidos eine Waffe gesehen habe. Die Bandidos zeigten sich kooperativ und das anrückende Sondereinsatzkommando der Polizei durchsuchte die Vereinsräume. Sie fanden zunächst nur Hieb- und Stichwaffen, dann aber auch noch anderes. 11 Rocker wurden vorläufig wegen Verstößen gegen das Waffengesetz festgenommen.

Ich hoffe, dass kein Teil 4 mehr folgt,
bin da aber gar nicht sicher …
Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte | Kommentare (0) | Autor:

KiJuRa, was ist das ?!

Montag, 8. März 2010 6:23

KiJuRa ist die Abkürzung für Kinder- und Jugendrat.
Einen solchen wird es demnächst in Berlin Tiergarten geben.

Ein KiJuRa hat natürlich zunächst erst einmal nichts mit dem Thema Mediation zu tun. Er dient jedoch u.a. der Konfliktprävention im Bezirk, kann aber auch zur Konfliktbearbeitung unter Kindern und Jugendlichen im Kiez genutzt werden.

Organisatorisch gesehen besteht der KiJuRa sowohl aus Kids, die die Schulen und Einrichtungen im Kiez besuchen als auch aus Kids, die zwar im Gebiet wohnen, aber keine Bildungseinrichtung im Kiez mehr besuchen. Es soll mit der Akquise der KiJuRa-Mitglieder ebenfalls versucht werden, aus allen größeren Wohnblocks im Gebiet eine Vertreterin oder einen Vertreter dabei zu haben.

Die Mitglieder des künftigen KiJuRas werden sich ihren Kiez genau anschauen, Vorschläge für Projekte machen und auch Aktionen selber durchführen. Ähnlich wie im Klassenrat werden hier auch die anfallenden Konflikte im Kiez behandelt werden. Eine Praxisbroschüre zum Thema Klassenrat können Sie übrigens hier in diesem Blog kostenfrei herunterladen. Eine Anleitung, um einen KiJuRa aufzubauen, gibt es derzeit noch nicht.

Natürlich ist die Konfliktbearbeitung nicht die vordringlichste Aufgabe eines KiJuRas. Vielmehr werden die Kids dadurch auch an Entscheidungsprozessen im Quartier beteiligt und partizipieren an politischen Prozessen. Sie erleben Demokratieerziehung live und können Demokratiestrukturen selbst mit gestalten. Und natürlich erfahren sie die Peergroup-Education bewusst als wichtigen Baustein in ihrem Leben. Letztlich soll der KiJuRa zu einer höheren Zufriedenheit und damit einer geringeren Gewaltbereitschaft der Kinder und Jugendlichen im Quartier beitragen.

Aber bis dahin ist es natürlich noch ein langer Weg … Ach ja, und da ich die Projektleiterin des KiJuRas Tiergarten bin, werde ich natürlich auch hier im Blog wieder über den KiJuRa berichten.

Übrigens arbeitet auch die Bertelsmann-Stiftung daran, dass junge Menschen früh erfahren, wie bereichernd es ist, Verantwortung zu übernehmen. Dazu haben sie eine Broschüre herausgebracht mit Namen „Engagement! Kinder- und Jugendengagement wirksam fördern“.

„Insbesondere Jugendliche müssen sich verstärkt an der Entwicklung ihres Umfelds beteiligen, bestehende Initiativen mitgestalten und Probleme, die sie direkt betreffen, eigenständig lösen. Oft wird aktivierendes Engagement durch starre Beteiligungsstrukturen und Anleitungen von oben gehemmt. Als Motor gesellschaftlichen Wandels und damit auch ihrer eigenen Entwicklung benötigen Jugendliche lediglich den Zugang zu Netzwerken und Ressourcen, um ihre Probleme selbstbestimmt und unternehmerisch lösen zu können.“ (Zitat aus der Broschüre, S. 26)

„Kinder und Jugendliche engagieren sich, wenn wir sie nicht davon abhalten, wenn wir sie nicht ständig mit Einwänden und Vorwänden, mit Einschränkungen und Beschränkungen behelligen.“

so der Reform-Pädagoge und Schulreformer Otto Herz. Und genau das wollen wir hier in Berlin Tiergarten versuchen. Falls Sie an der Entwicklung eines bzw. natürlich speziell unseres KiJuRas interessiert sind, so verfolgen Sie doch dessen Entwicklung unter www.kijura.wordpress.com. Ach ja, und drücken Sie uns bitte die Daumen für gutes Gelingen!

Christa D. Schäfer

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Bundesverband der Gütestellen gegründet

Donnerstag, 4. März 2010 23:23

Bereits Ende 2009 wurde in Celle der Bundesverband der Gütestellen gegründet, heute soll darüber an dieser Stelle kurz berichtet werden.

Das Gütestellenverfahren ist in vielen Bereichen einsetzbar, für den Streit zwischen Nachbarn und Erbengemeinschaften ebenso wie bei Familiensachen und grenzüberschreitenden Streitigkeiten. Viele Gütestellen arbeiten auf der Grundlage der Mediation.

Der Bundesverband der Gütestellen hat es sich zum Ziel gesetzt, Rechtsstreitigkeiten von Gerichten an die Gütestellen zu verlagern. Viele Rechtsstreitigkeiten könnten auf diesem Weg schneller, effektiver und kostengünstiger gelöst werden als auf dem Weg durch die Instanzen. Der Bundesverband will ferner ein bundesweit gültiges Regelwerk erarbeiten. Ebenfalls will sich der Verband an der Entwicklung eines bundeseinheitlichen Gütestellengesetzes beteiligen und entsprechende Vorlagen machen. Um die Qualität der Gütestellen zu gewährleisten, soll ein bundeseinheitlicher Qualitätsstandard entwickelt werden.

Der derzeitige gewählte Präsident des Bundesverbands ist der Rechtsanwalt und Mediator Torsten Harms. Kontakt gibt es über folgende Adresse: Bundesverband der Gütestellen, Uetzer Weg 19, 29339 Wathlingen.

Übrigens gibt es im Buch zur “Mediation im Gemeinwesen“ auch ein Kapitel zum Thema Gütestelle.

Das MediationsZentrum Berlin hat bereits im September 2006 einen Antrag auf Anerkennung als Gütestelle bei der damaligen Justizsenatorin gestellt. Leider ist der Antrag abgelehnt worden, obwohl auch nach Auffassung der Senatsverwaltung für Justiz die Ausweitung moderner Streitkultur durch Mediationstechniken wünschenswert ist und eine sinnvolle Ergänzung zum Gerichtsprozess darstellt. Auch ein neuerlicher Vorstoß im Jahr 2009 hat keinen Erfolg gebracht. So ist und bleibt Berlin derzeit ohne Gütestellen. Man wird sehen, wie die Entwicklungen diesbezüglich voranschreiten …

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Mediationsverfahren | Kommentare (0) | Autor: