Ist das nicht der mit den 4 Schnäbeln und den 4 Ohren?

Nein, 4 Schnäbel und 4 Ohren hat er nicht.

Ja, er hat das Kommunikationsmodell mit den 4 Schnäbeln und den 4 Ohren konzipiert und bekannt gemacht.

Am 23.10.2009 hat Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun seine Abschiedsvorlesung an der Hamburger Universität zum Thema „Was ich noch zu sagen hätte“ gehalten.

Er berichtet in dieser Abschiedsvorlesung über den Weg, wie er zur Psychologie gekommen ist (Stichwort: Vom Schach zur Psychologie). Er erzählt von seiner ersten Untersuchung, bei der seine Probanden Witze in eine Reihenfolge von verschiedenen Stufen an Witzigkeit bringen sollten. Weiter kommen Schlüsselsituationen aus seinem Studium zur Sprache und Schulz von Thuns Lernprozess der Vermittlung von psychologischen Erkenntnissen. Es ist einfach wunderbar, hier zuzuhören. Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und schauen/hören Sie mal rein!

Das Schulz von Thunsche Kommunikationsquadrat ist in der Zwischenzeit so etwas wie Allgemeinbildung geworden. Es wir sogar in der Schule schon gelehrt und in Mediationsausbildungen ja sowieso. Und selbst wenn ich in einer kleinen Gruppe von Menschen bin, die nicht viel mit dem Mediationsbereich zu tun hat, so gibt es immer einige, die das Kommunikationsquadrat kennen oder den Satz: „Du, da vorne ist grün“. 1981 ist der erste Band mit dem Titel „Miteinander reden“ erschienen und in der Zwischenzeit gibt es bereits die 46igsten Auflage.

Vielleicht kennen Sie ja auch den Begriff des Inneren Teams, den Schulz von Thun geprägt hat. Ich erinnere mich an einen Mediationstag in Berlin vor einigen Jahren, als Schulz von Thun ca. 180 Teilnehmer in Gruppenarbeit zu je drei Personen eine Übung zum Inneren Team durchführen ließ: Beeindruckend! Oft muss ich an dieses Modell denken. Vor einiger Zeit sprach ich beispielsweise mit Mohamed, der mir erzählte, dass auf jeder seiner Schultern ein Männchen sitzt. Immer, wenn sich eine Schlägerei anbahnt, dann fangen die beiden Männchen an zu streiten. Auf der rechten Schulter sitzt ein „Engelchen“, das sagt dann: „Hör auf, das bringt dir doch nur Ärger ein, wenn du dich jetzt wieder schlägst.“ Und auf der linken Seite sitzt ein Teufelchen, das dann sagt: „Mensch, jetzt aber los, hau drauf, das lässt du dir doch wohl nicht gefallen.“ Ja, und er, Mohamed, hat die Entscheidung zu treffen …

Mohamed hat quasi zwei seiner inneren Stimmen auf die imaginären kleinen Figuren auf seinen Schultern projiziert und das Modell des Inneren Teams wunderbar für sich selbst erkannt. Das ist schon einmal der erste Schritt in einem Selbstfindungs- und Veränderungsprozess, der nächste ist dann der Schritt der Entscheidung, denn die hat jeder, und so auch Mohamed …

Wir Erwachsenen haben da ganz andere Stimmen. Wir haben beispielsweise den Faulpelz in uns, der morgens beim Weckerklingeln gerne weiter schlafen möchte. Wir haben aber auch den Fleißigen in uns, der uns aufstehen lässt und die ganzen Dinge des Tages erledigen lässt. Ich hoffe, dass diese Woche eine gute Woche für Sie wird und sowohl der Fleißige, als auch der Faulpelz ein kleines Wörtchen bei Ihren Entscheidungen mitsprechen darf!

Ja, und so ist es bei Mediationen auch oft. Jeder der Medianten hat verschiedene Stimmen in seinem Inneren Team. Während des Konflikts wird eine dieser Stimmen die Fäden in der Hand behalten, während der Mediation kommen dann vorsichtig die anderen Stimmen auch wieder hervor …

Der nächste Berliner Mediationstag findet übrigens am 12.03.2010 mit Prof. Dr. Johan Galtung statt, er ist allerdings schon „ausgebucht“. Ich werde berichten.

Christa D. Schäfer