Beiträge vom Juni, 2010

Buddy-Kinderkonferenz in Lichtenberg

Montag, 28. Juni 2010 5:09

Was sind denn Buddys?
Das sind Schülerinnen und Schüler, die anderen SchülerInnen helfen, mit ihnen zusammen lernen, sie anleiten, beraten oder bei Konflikten vermitteln.

Buddy-Projekte werden auf der Grundlage von vier Qualitätsleitzielen augebaut: der Peergroup-Education, der Lebensweltorientierung, Partizipation und Selbstwirksamkeitsstärkung. In Trainings für Lehrer und Sozialpädagogen wird das dazu notwendige Wissen vermittelt. Die PädagogInnen gehen dann an ihre Schulen zurück und bauen Buddy-Praxisprojekte auf.

In Berlin können seit dem Schuljahr 2006/07 alle Grundschulen am Buddy-Projekt teilnehmen. Damals haben von fast allen Berliner Grundschulen zwei Lehrkräfte im Lehrertraining teilgenommen und auch jetzt noch treffen sich die Buddy-Lehrer (auch Buddy-Coaches genannt) über das Netzwerk der Berliner Suchtprophylaxe zu Weiterbildungs- und Austauschrunden. Seit der Zeit gibt es in Berliner Schulen Pausenbuddys, Lesebuddys, Spielebuddys, Klassenräte, Konfliktbuddys, Fachhelfer und vieles mehr.

In Berlin Lichtenberg ist Buddy schnell durchgestartet. Dort gibt es einen Förderpreis zum Sozialen Lernen, der jetzt bereits zum dritten Mal in Folge vom Kontaktlehrerzentrum Lichtenberg zusammen mit dem Bezirksamt (Abt. Familie, Jugend und Gesundheit) ausgelobt wurde. Dieser Förderpreis ist im Rahmen der Schirmherrschaft über die Buddy-Grundschulkonferenz von der Bezirksbürgermeisterin Christina Emmerich gemeinsam mit dem Leiter des Kontaktlehrerzentrums der Sen BWF, Rainer Bäth, im Jahre 2008 entwickelt worden. Seit der Zeit wird er jedes Jahr in den drei Kategorien: Lernen, Schulkultur und Konfliktmanagement vergeben.

Aus Anlass der Verleihung der Förderpreise haben sich rund 150 Buddys aus allen Lichtenberger Grundschulen am 18.06.2010 zur ersten Lichtenberger Kinderkonferenz zusammengesetzt und ausgetauscht. Das Ergebnis war eindeutig, alle haben den Austausch genossen und gehen gestärkt an ihre Schulen zurück.

 

Dieses Jahr ging der Förderpreis in der Kategorie „Lernen“ an die Schule Am Faulen See, dort gibt es Pausenbuddys und Lernbuddys. SchülerInnen der 5ten Klassen lesen und lernen zusammen mit SchülerInnen der 3ten Klassen. In dem Film, der bei der Preisverleihung zum Projekt gezeigt wurde, konnte man sehen, dass sogar Mathe richtig viel Spaß macht, wenn so gelernt werden kann. Den betreuenden Buddy-Lehrerinnen Monika Wolff und Jutta Beuge sowie allen Buddys der Schule natürlich herzlichen Glückwunsch.

Der Förderpreis in der Kategorie „Konfliktmanagement“ ging an die Karlshorster Grundschule für ihre Projekte Pausenbuddys und Konfliktlotsen. Das Buddy-Schulteam, bestehend aus Karla Walzer und Elke Wessel und ihren Buddys, haben sogar ein Buddy-Lied komponiert und mit allen Buddys zusammen eingeübt. Super!

Ja, und der dritte Förderpreis in der Kategorie „Schulkultur“ wurde an die Brodowin-Schule vergeben, die mit aktuell 6 Buddy-Projekten wirklich gut ausgestattet ist. Die verschiedenen Projekte werden durch das Buddy-Schulteam koordiniert, betreut und unterstützt. Neben Aufsichtshelfern (Pausenbuddys), Konfliktlotsen und Spielebuddys gibt es in der Brodowin-Schule auch Lesebuddys und sogar Einzelfall-Helfer. Evelyn Schindler und Evelin Fritzsche, den beiden Buddy-Lehrerinnen der Schule ein großes Kompliment für die Arbeit.

Übrigens werden am 15. November diesen Jahres 300 Lichtenberger Buddys im Bundestag sein. Sie sind von Dr. Gesine Lötsch, Mitglied des Deutschen Bundestages, eingeladen worden. Frau Lötsch möchte sich damit bei diesen Buddys (stellvertretend für alle anderen Berliner Buddys) für ihr bisheriges Engagement an den Schulen bedanken und sie weiterhin für gesellschaftliches Mit-Gestalten begeistern. Auch davon werde ich an dieser Stelle natürlich berichten.

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktprävention, Schule in Berlin, Soziales Lernen, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

KFN-Studie kommt zum Ergebnis: „Allah macht hart“

Montag, 14. Juni 2010 6:59

- so betitelt es der Berliner Tagesspiegel am 6.6.2010 und bezieht sich dabei auf eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) unter der Leitung des Kriminologen Christian Pfeiffer.

2007/08 hatte dieses Institut im Auftrag des Bundesinnenministeriums 45.000 SchülerInnen aus neunten Jahrgangsstufen (darunter 10.000 MigrantInnen) und 8.000 aus vierten Klassen im gesamten Bundesgebiet zum Thema „Jugendliche als Opfer und Täter von Gewalt“ befragt. Es ging um abweichendes Verhalten, um Jugenddelinquenz, Drogenkonsum, Schuleschwänzen, Ausländerfeindlichkeit, Rechtsextremismus, familiäre Gewalt und Männlichkeitsnormen.

Seit 2009 liegt ein erster Forschungsbericht zur Untersuchung vor, der insgesamt neun Thesen vorstellt, u.a.: Für mehr als ¾ aller Jugendlichen gehörte Gewalt in den 12 Monaten vor der Befragung nicht zu ihrem persönlichen Erfahrungsbereich. Sowohl aus Opfer- als auch aus Tätersicht zeigen die Daten zur selbstberichtenden Jugendgewalt, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger Gewalttaten begehen als deutsche Jugendliche. Der stärkste Einfluss auf Jugendgewalt geht von der Zahl der delinquenten Freunde aus, mit denen die Jugendlichen in ihrem sozialen Netzwerk verbunden sind. Der Bericht ist online einsehbar.

Ein zweiter Forschungsbericht soll folgen, bereits jetzt gibt es einen Auszug aus den Ergebnissen, der sowohl online als auch in den Printmedien in der letzten Woche für großen Wirbel gesorgt hat. Allen voran die Aussage mit zugehörigen Schlussfolgerungen, dass von jungen Migranten mit mehr als 5 Gewalttaten im zurückliegenden Jahr 7,7 % als „etwas religiös“ bezeichnet werden können, 9,2 % als „religiös“ und 10,2 % als „sehr religiös“.

Grob gefolgert hieße das, je religiöser muslimische Jugendliche in Deutschland sind, desto öfter schlagen sie zu. Bei jungen Christen hat die Untersuchung übrigens ergeben, dass mit zunehmender Religiosität weniger Gewalttaten begangen werden.

„Die muslimische Religiosität födert die Akzeptanz der Machokultur“, so Pfeiffer. Und weiter, so die Studie, ist es der konservativ-autoritäre Erziehungsstil der islamischen Religionslehrer, der die Jugendlichen stark beeinflusse. Nicht der Islam, sondern die Art und Weise seiner Vermittlung sei das Problem. Rauf Ceylan, Professor für Religionswissenschaft an der Universität Osnabrück, bezeichnet die Imame als „Schlüsselfiguren der Integration“ und wird in der Studie als Experte herangezogen.

Die Religions- Pädagogische Internetplattform der Evangelischen Kirche in Deutschland (rpi virtuell) hat die Reaktionen zum Thema zusammengefasst. So forderte beispielsweise laut ZEITonline der Zentralrat der Muslime nach der Veröffentlichung der Studie, die Ursachen der Gewalt genauer zu analysieren. Und auch Hermann Barth, Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) warnt vor verkürzten Schlussfolgerungen und wirbt für eine differenzierte Bewertung der Befunde.

Ich freue mich bereits jetzt auf den vollständigen zweiten Forschungsbericht,
um alles genau nachlesen zu können.
Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Rocker schließen Frieden?!

Mittwoch, 9. Juni 2010 21:50

Nach meinen Berichten Teil 1, 2 und 3 heute die Neuigkeiten um den Rockerkrieg zwischen den Hells Angels und den Bandidos. „Rocker schließen Frieden“, so war vorigen Monat in den Nachrichten zu hören und in den Zeitungen zu lesen. Genau am 26. Mai 2010 haben sich nach etlichen Kämpfen in den letzten Jahren die Anführer der beiden Rockerclubs in einer Hannover Anwaltskanzlei getroffen, um Frieden zu schließen.

Vielleicht war es ein Versuch, die Diskussion um ein drohendes Verbot der beiden Clubs zu beeinflussen? Mit Sicherheit war der Versuch zur Friedensschließung jedoch auch ernst gemeint.

Die Präsidenten der beiden Rockergruppen erklärten, „dass nach mehr als zwei Monaten Vorbereitungszeit ein Weg zu einer künftigen Koexistenz gefunden wurde und der Konflikt zwischen beiden Clubs mit sofortiger Wirkung offiziell beendet ist.“ Wenn die beiden Präsidenten solch einen Schritt unternehmen, so hat das ein großes Gewicht. Ob dies allerdings reicht, und das Friedensversprechen auch an der Basis befolgt wird, bleibt abzuwarten.

Das Abkommen wurde mit allen relevanten Männern besprochen, und schließlich hat ein solches Abkommen in Skandinavien 1996 auch zum gewünschten Erfolg geführt. Nachdem dort sogar mit Kriegswaffen gekämpft wurde, vereinbarten Hells Angels und Bandidos ein Friedensabkommen, danach war Ruhe.

Bleiben wir also auch für Berlin optimistisch …
Christa Schäfer

Thema: Konflikte, Konfliktlösung | Kommentare (1) | Autor:

PeaceJam

Montag, 7. Juni 2010 6:40

Schon mal was von PeaceJam gehört?

PeaceJam will ermöglichen, dass sich eine neue Generation von jungen Menschen für einen Wandel in ihnen selbst, in ihren Gemeinschaften und in der Welt einsetzt. Inspiriert werden soll bzw. wird dieser Wandel von Friedensnobelpreisträgern.

13 Friedensnobelpreisträger haben sich bisher für dieses Projekt engagiert: Desmond Tutu, Jody Williams, Der Dalai Lama, Shirin Ebadi, Adolfo Pérez Esquivel, Rigoberta Menchú Tum, Oscar Arias, Máiread Corrigan Maguire, José Ramos-Horta, Aung San Suu Kyi, Betty Williams, Wangari Maathai und Sir Joseph Rotblat (2005 verstorben).

Jetzt ist das 2006 erschienene Buch zum Projekt „We Speak as One“ endlich als deutschsprachiges Buch im Concadora Verlag erschienen. Das zum Projekt PeaceJam verfasste Buch stammt von von Arthur Zajonc (amerikanischer Physikprofessor und Spezialist für Quantenoptik) und hat den wunderbaren Titel „Frieden ist machbar!“

13 FriedensnobelpreisträgerInnen werden im Buch mit ihrem Anliegen vorgestellt. Unter harten Bedingungen und Opfern haben sie sich für die Vision einer friedfertigen Welt und für Freiheit, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Solidarität eingesetzt. In einem knappen und dennoch berührenden Text erfährt man das Wesentlichste über jeden dieser „Friedenskämpfer“.

Stellvertretend für alle anderen Friedensnobelpreisträger möchte ich Aung San Suu Kyi vorstellen. Sie ist die Tochter des Revolutionsführers und Generals Aung San, der die Unabhängigkeit seines Landes Burma von Großbritannien erkämpfte, bevor er von den Militärs ermordet wurde. Suu fühlte bereits früh, dass ihr Land sie brauchte und sie schrieb bereits vor der Heirat an ihren zukünftigen Mann Michael Aris: „Alles, was ich verlange, ist, dass du mir hilfst, meine Pflicht zu erfüllen, wenn meine Landsleute mich rufen.“ Und tatsächlich errang 1990 bei demokratischen Wahlen in Burma die Nationale Liga für Demokratie (NLD) einen Erdrutschsieg. Aung San Suu Kyi war Vorsitzende der NLD. Die burmesische Militär-Junta erkannte jedoch den Sieg nicht an und inhaftierte die äußerlich zart wirkende Frau über zehn Jahre lang in ihrem eigenen Haus. Sie war eigentlich die neue Ministerpräsidentin Burmas. Dennoch wurde sie von der Außenwelt abgeschnitten und von ihren beiden Söhnen Alexander und Kim sowie ihrem Mann Michael Aris ferngehalten. 1999 starb ihr Mann in England an Krebs, während Aung San Suu Kyi in ihrem Haus in Burma festsaß. Daw Suu (Lady Suu), so wurde sie zu damaliger Zeit in Burma genannt, und „Eiserner Schmetterling“, so war ihr Spitzname. Aber auch wenn sie physisch abgetreten war von der politischen Bühne, so blieb sie in den Köpfen und Herzen ihrer Landleute stets präsent. Stets verband sie die politischen und materiellen Dimensionen revolutionärer Bewegungen mit einer spirituellen Dimension, buddhistisches Studium und Meditation wurden zu einem festen Bestandteil ihres Tagesablaufes während der Gefangenschaft. Im Interview mit PeaceJam wagte sie 1995 eine Erklärung für den schlechten Umgang der Menschen miteinander:

„Es mag daran liegen, dass sich die Menschen ihrer Moral nicht bewusst sind. Es gibt da eine bedeutende Stelle in dem berühmten altindischen Epos Mahabharata, die besagt, es sei doch erstaunlich, dass die meisten Menschen so handeln, als müssten sie niemals sterben – wo wir doch immer und überall vom Tod umgeben sind. Die meisten Menschen benehmen sich gerade so, als ob sie tun und lassen könnten, was sie wollten. Sie glauben, sie kämen mit allem ungeschoren davon und denken nicht an die Konsequenzen ihres Handelns. Da ist durchaus etwas Wahres dran.“ (S. 73 f.)

Die Geschichte von PeaceJam startete im Sommer 1994: Ivan Suvanjieff, amerikanischer Künstler und Musiker, hatte in dem Sommer Kontakt mit Mitgliedern einer Latino-Gang in Denver. Ihn faszinierte ungemein, dass diese jungen Menschen aus ärmlichen Verhältnissen, die harte Gewalt gewöhnt waren, ganz genau über Erzbischof Desmond Tutu Bescheid wussten und dessen Bemühungen um eine gewaltfreie Gesellschaft gut kannten. Suvanjieff entwickelte die Idee, Nobelpreisträger für die Arbeit mit Jugendlichen zu gewinnen, um diesen ein Gefühl für ein sinnorientiertes Leben und für Integrität in der Welt zu geben. Suvanjieff gewann Dawn Engle (Politikerin und Mitbegründerin der Colorado Friends of Tibet) als Partnerin für das Projekt und beide starteten im März 1996 mit dem ersten PeaceJam-Treffen.

Seit der Zeit haben über 150 PeaceJam-Treffen mit über 600.000 jugendlichen Teilnehmern stattgefunden, in Colorado, Costa Rica, Südafrika, Mexiko, Indien, Guatemala, Argentinien, Kenia und England.

Das Buch „Frieden ist machbar!“ sowie der zugehörige Film eignen sich hervorragend für die Arbeit in Schulen (z. B. den Ethikunterricht) und Universitäten (z.B. den Pädagogikfachbereich), und natürlich passt es auch wunderbar in Trainings zum Konfliktmanagement und zur Mediation! Aung San Suu Kyi hat in ihrem Land unglaubliche Zivilcourage bewiesen und sie gab den Jugendlichen bei den von ihr mitgestalteten PeaceJam-Treffen folgenden Rat:

„Stellt euch vor, ihr seid alt. Wie würdet ihr dann sein? Wenn ihr dann versucht, euer Leben aus Sicht eines alten Menschen rückwärts zu denken, dann werdet ihr eure heutigen Möglichkeiten besser zu schätzen wissen. Ihr werdet auch toleranter gegenüber alten Menschen sein, die euch jetzt engstirnig und beschränkt vorkommen mögen. Also denkt euer Leben rückwärts! Stellt euch euer eigenes Alter vor und versucht rückwärts zu leben, vom Alter bis zur Kindheit – wie der Zauberer Merlin es tun hätte sollen.“ (S. 74)

Bisher gab es noch keine PeaceJam-Veranstaltungen in Deutschland!
Berlin würde sich anbieten!
Wer hat Interesse und Energie, dieses Projekt nach Berlin zu holen?

fragt
Christa D. Schäfer

Frieden ist machbar!
Für jeden und überall!

Thema: Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen | Kommentare (12) | Autor:

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