Beiträge vom Juli, 2010

Mediation in und mit Gruppen

Montag, 26. Juli 2010 10:15

Eine Mediatorin bzw. eine Mediator kann sich auf die Mediation in und mit Gruppen spezialisieren. MediationsausbilderInnen haben es natürlich mit Gruppen in der Ausbildung zur Mediation zu tun.

Es gibt die vielfältigsten Formen von Gruppen: ein Team, ein Verein, eine Familie, eine Schulgruppe, oder auch eine betriebliche oder religiöse Gruppen. Nach der heute gängigen Kleingruppenforschung besitzen Gruppen zwischen 3 bis ca. 20 Mitgliedern (ab 20 Personen spricht man dann von einer Großgruppe), eine gemeinsame Aufgabe bzw. ein gemeinsames Ziel, die Möglichkeit zur direkten face-to-face-Kommunikation sowie eine gewisse Dauer an Gemeinsamkeit, die von 3 Stunden bis zu mehreren Jahren laufen kann. Gruppen entwickeln mit der Zeit ein Wir-Gefühl der Gruppenzugehörigkeit, ein System gemeinsamer Normen und Werte als Grundlage der Kommunikations- und Interaktionsprozesse sowie ein Geflecht aufeinander bezogener Rollen, die auf das Gruppenziel bezogen sind.

Seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden in Wissenschaft und Praxis vielfältige Ideen zum sozialen Ort Gruppe. Eine besondere Rolle spielte dabei Kurt Lewin (1890 – 1947), der Demokratisierungsprozesse ins Zentrum seiner Forschungen stellte und die verschiedenen Gruppen des sozialen Lebens als Orte sah, an denen diese alltagspraktisch umgesetzt werden sollten. Lewin und seine Mitarbeiter entwickelten eine Verhaltenstheorie der Führung; sie unterschieden zwischen einem autokratischen Führungsstil (auf Befehlen, Lob und Tadel beruhend), einem demokratischen Führungsstil (auf Aushandeln und Überzeugen basierend) und einem „Laissez-faire“-Stil (der die Geführten weitgehend sich selber überlässt). Die Gruppendynamik wurde in einem der Forschungsprojekte Lewins am MIT (Massachusetts Institute of Technology) als praktisches Verfahren „entdeckt“.

Das vom Carl-Auer Verlag herausgegebene und von Oliver König und Karl Schattenhofer verfasste Buch “Einführung in die Gruppendynamik” gibt einen aktuellen, knappen und dennoch prägnanten Überblick zur Theorie der Gruppendynamik für MediatorInnen, MediationsausbilderInnen und andere Professionen.

Für MediatorInnen ist beispielsweise der horizontale Schnitt durch einen Gruppenprozess spannend, also das im Buch auf Gruppen angewandte Eisbergbild. Wenn man sich die Arbeit mit einer Gruppe als Eisberg symbolisiert vorstellt, so gibt es innerhalb der Gruppe Themen, die direkt sichtbar sind und einiges, das sich im Verborgenen, also unter Wasser versteckt hält. Sichtbar ist natürlich die Sachebene, also das Thema und das Arbeitsziel der Gruppe, das erkennt auch jeder Außenstehende meist innerhalb kürzester Zeit. Unterhalb der Wasseroberfläche gibt es jedoch verschiedenen Schichten. Da befindet sich zunächst direkt unter der Wasseroberfläche die Beziehungsebene sowie die Sozio- und Gruppendynamik, darunter die Psychodynamische Ebene sowie die Beziehungsbedeutungsebene mit den Psychologischen Prozessen der Übertragung und Gegenübertragung, und darunter der Kernkonflikt der Gruppe. Von oben nach unten nimmt in Gruppenprozessen sowohl die Kommunizierbarkeit als auch die Bewusstheit ab und so wird ein von Außen hereinkommender Gast in einer Gruppe wohl kaum innerhalb der ersten Zeit die gewachsenen Strukturen und Beziehungen untereinander deuten bzw. ablesen können. Dazu bedarf es genauerer Kenntnis der Gruppe oder einer guten Fragetechnik und einem guten „Gespür“, um die Prozesse aufdecken und „ordnen“ zu können.

Nicht umsonst ist also die Mediation in Gruppen (und mit Gruppen) ein wichtiger extra zu behandelnder Punkt in der Mediationsausbildung bzw. eine Spezialisierung in der Mediationsarbeit. Eine Mediatiorin wird über dem Eisberg arbeiten, aber auch in ihrer Arbeit mit einer Gruppe unter den Eisberg gehen müssen, um die Mediation erfolgreich abschließen zu können. Genauso wie beim Konflikt, so liegt auch bei der Arbeit mit einer Gruppe einer der wichtigen Schlüssel zum Erfolg „unter dem Eisberg“.

Für MediationsausbilderInnen ist unter anderem das fünfphasige Modell der Gruppenentwicklung äußerst interessant. Die fünf Phasen werden im Buch betitelt mit: 1. Orientierung, 2. Positions- und Rollenklärung, 3. Vertrautheit und Konsolidierung, 4. Differenzierung und 5. Abschluss. In diesen fünf Phasen hat sowohl die Gruppe als Ganzes, als auch der Einzelne und natürlich die Gruppenleitung verschiedene Situation zu meistern und verschiedene Aufgaben zu bewältigen. In der ersten Phase wird beispielsweise jedes Gruppenmitglied vor die Aufgabe gestellt, den Kontakt zu den anderen Gruppenmitgliedern herzustellen, sich selber vorzustellen, den anderen Gruppenmitgliedern Raum zu lassen und den Anfang mit zu gestalten. In der zweiten Gruppenphase müssen die Gruppenmitglieder Position beziehen (können). Dazu gehört es, seine Meinung vertreten zu können, auch wenn diese nicht auf positive Resonanz stößt. Und dazu gehört es auch seine Interessen, Wünsche und Befürchtungen transparent zu machen und Spannungen in der Gruppe auszuhalten. In der dritten Gruppenphase muss jedes Gruppenmitglied Nähe aushalten können. Es ist wichtig, Prozesse mit zu gestalten ohne Angst, die eigene Individualität zu verlieren. Die vierte Gruppenphase bietet die Anforderung an den Einzelnen durchzuhalten, weiterzumachen, die Experimentierfreudigkeit nicht zu verlieren, neue Aufgaben auszuprobieren und auch die kollegiale Führung übernehmen zu können. Die letzte und fünfte Gruppenphase muss Abschied und Trennung gestalten. Jeder aus der Gruppe hat nun die Aufgabe sich trennen zu können und sich neu zu orientieren, Offenes muss noch angesprochen werden, aber nicht alles Versäumte kann nachgeholt werden.

Für jeden, der mit Gruppen arbeitet, ist dieses Wissen wichtig. Eine Lehrerin hat Klassen, mit denen sie über ein Schuljahr oder länger zusammen lernt. Teamleiter arbeiten mit Teams, die ein Projekt über einen bestimmten Zeitraum hindurch bearbeiten und meist unter Erfolgsdruck stehen. Eine MediationsausbilderIn kann mit diesem Wissen die Gruppendynamik ihrer Ausbildungsgruppe nachvollziehen und bewusst gestalten. Wird transparent mit der Gruppendynamik gearbeitet, so können die Gruppenteilnehmer gleichzeitig einen Grundstock an Wissen über Gruppenprozesse erfahren und mitnehmen.

Mediationen mit Gruppen im Gemeinwesen oder im öffentlichen Raum fallen übrigens unter den Begriff der Gemeinwesenmediation. Derzeit läuft in Berlin eine der größten öffentlich beachteten Gemeinwesenmediationen der letzten Jahre mit verschiedenen Großgruppen. Die Admiralbrücke in Kreuzberg ist zugleich Grund und Standort dieser Mediation, erste Ergebnisse der Mediation sind bereits ablesbar.

Christa D. Schäfer

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BM-Kongress mit starkem Programm in Berlin

Mittwoch, 21. Juli 2010 10:09

Ich möchte Sie heute noch einmal auf den Kongress zum Thema Streitkultur hinweisen, der in Berlin vom 16.-18.9.2010 stattfindet.

Der Kongress bietet zu Beginn einen Rückblick darauf, aus was sich Mediation entwickelt hat und zeigt dann am zweiten Tag einen Überblick über die Vielfalt der praktischen Ansätze der Gegenwart. Am dritten Tag wird thematisiert, welche Konflikte die Zukunft mit sich bringt und welchen Herausforderungen sich Konfliktmanager und Mediatoren gegenüber sehen.

Alles im Hotel Berlin, Berlin und sicher sehr informativ!
Näheres unter BM-Kongress.de

Und das derzeit aktuelle Programm ganz exklusiv hier im Mediationsblog.

Ich hoffe, wir sehen uns …
Christa D. Schäfer

Thema: BM Mediationskongress 2010, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Konflikte und Schlägereien im Sommerbad

Montag, 19. Juli 2010 8:07

Sommer 2009

Der größte Polizeieinsatz 2009 in einem Berliner Sommerbad fand am Columbiadamm statt, 50 Störer arabischer und türkischer Herkunft wurden dort von Polizisten vom Gelände geführt.

Juni 2010

Der erste größere Konflikt des Jahres 2010 findet im Sommerbad Pankow statt, im Bad an der Wolfshagener Straße. Ein 13jähriges Mädchen wird dort von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen.

10. Juli 2010

In Berlin Neukölln musste ein Sommerbad geräumt werden, weil sich zwei „konkurrierende Familienclans mit Migrationshintergrund“ dort im Freibad eine Schlägerei geliefert haben. Gegen 17 Uhr gingen zunächst einige Jugendliche aufeinander los. Ein Wachmann wollte schlichten und geriet zwischen dazwischen, er wurde verletzt. Daraufhin ließen die Berliner Bäderbetriebe das Bad vorsorglich räumen, weil eine Eskalation der Situation drohte, ca. 7.000 Besucher müssen das Bad verlassen. Als die Polizei kam, waren die meisten Menschen schon gegangen, wahrscheinlich auch die Jugendlichen, die die Schlägerei begonnen hatten, denn die waren nun nicht mehr auszumachen. Deshalb gab es auch keine größeren Verletzungen.

In der Folge dieses Vorfalls diskutiert Berlin heftig. Die Junge Union fordert eine Schließung des Neuköllner Sommerbads für eine Woche, damit ein „Lerneffekt“ eintreten kann. Die Neuköllner Partei Die Grünen fordert hingegen längere Öffnungszeiten, damit sich die Jugendlichen und deren Gemüter mehr abkühlen könnten. Das Sicherheitspersonal im Schwimmbad wurde jedenfalls erhöht. „Wir wollen nichts schönreden“, sagt M. Oloew (Sprecher der Berliner Bäderbetriebe), „bei der Hitze kommt es in vollen Bädern tatsächlich zu Aggressionen. Aber man soll auch nicht so tun, als befänden sich unsere Gäste mitten in Schützengräben.“

Die Aggressivität in Berliner Freibädern ist hoch: Pöbeleien, Drängeln, Provozieren, das ist keine Seltenheit. Oft, oder soll ich sagen meist, sind es Jugendliche arabischer oder türkischer Herkunft, die in den Streit verwickelt sind.

16. Juli 2010

Dieses Mal findet die Eskalation im Prinzenbad statt: Es gibt eine Schlägerei auf einer Liegewiese des Sommerbades Kreuzberg, das Wachpersonal versucht die Kontrahenten auseinander zu halten, ein vierjähriges Mädchen gerät zwischen die Fronten und erhält einen Schlag in den Bauch, die Sicherheitsbeamten sind im Anmarsch, die Kontrahenten fliehen, erneut muss ein Berliner Sommerbad gegen 19 Uhr geräumt werden, ca. 5.000 Besucher verlassen das Bad, die Tatbeteiligten sind weg.

Derzeit haben übrigens ca. 300 Berliner Hausverbot bei den Berliner Bäderbetrieben.

Interesse am Bericht eines Berliner Bademeisters, der sich vorzüglich mit Konflikten und „klaren Ansagen“ auskennt?

Mein Rat, auch wenn das Wetter derzeit wirklich drückend ist in Berlin … Erstens: Keep cool in der jeweiligen Situation und zweitens: Mehr Möglichkeiten für Schüler in Berliner Schulen auch alternative Möglichkeiten der Konfliktbearbeitung zu lernen.

Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte, Konfliktlösung | Kommentare (0) | Autor:

Die neun Eskalationsstufen im Blick

Montag, 12. Juli 2010 8:56

  1. Acht Männer im Anzug sitzen zu einer Besprechung um einen Tisch herum.
  2. Vier Männer links, vier rechts, die Finger zunächst zögerlich auf die jeweilige andere Gruppe gerichtet.
  3. Die vier Männer links stellen sich auf ihre Stühle, so sind sie größer. Die vier Männer rechts strecken energisch ihre Zeigefinger und deuten auf die Gruppe Männer gegenüber. Gleichzeitig wird der Lautstärkepegel lauter und lauter.
  4. Die vier Männer links verschränken ihre Arme, sie wirken stur. Die vier Männer rechts wollen so langsam auch nichts mehr gemeinsam, einer hat die Hände in den Hosentaschen, er wird von einem anderen gestützt, die Nase ist hoch oben.
  5. Zeigefinger aus beiden Gruppen tippen an die Stirn, Arme sind zum Spott ausgestreckt, lächerlich machen ist angesagt.
  6. Jetzt steigen zwei Männer, aus jeder Gruppe einer, auf den Tisch. Die anderen bilden eine Front und stehen direkt dahinter. Die Gesichter sind rot, die Luft knistert.
  7. Der Herr aus der linken Gruppe tritt dem Herrn aus der rechten Gruppe auf den Fuß. Der Herr aus der rechten Gruppe hebt die Hand zum Schlag. Oder war’s genau umgekehrt und der Herr aus der rechten Gruppe hebt die Hand und der Herr aus der linken Gruppe folgt mit seinem Fuß? Das Geschirr, das bis jetzt auf dem Tisch stand, zerbricht, Regenschirme werden zur Drohung im Kampf gezückt.
  8. Jetzt ist ein Gewirr von mehreren Menschen auf dem Tisch, Regenschirme sind erhoben, Stühle sind zum Schlag erhoben, es fliegen die Fetzen.
  9. Die ersten Männer und Frauen haben ein blaues Auge, es wird am eigenen Tisch gesägt, Äxte zerschlagen die Tischbeine, bald werden wohl alle gemeinsam alles zerstört haben.

Das ist Eskalation und ganz deutlich sind die neun Eskalationsstufen nach Friedrich Glasl zu erkennen. Für Mediatorinnen und Mediatoren gehört das Wissen um die neun Eskalationsstufen eines Konflikts zum Grundhandwerkszeug. Jetzt gibt es genau neun Bildkarten zum Thema „Eskalationsstufen“, die das Thema fantastisch darstellen. Obige Beschreibung habe ich nach diesen Bildkarten erstellt und es ist daran leicht zu erkennen, was für Möglichkeiten in diesem Bildmaterial liegen.

Die Karten entstammen übrigens der Praxisbox „Streitkultur“ von Günther Gugel, herausgegeben vom Institut für Friedenspädagogik in Tübingen, gefördert von der Berghof Foundation for Conflict Studies. Neben den angesprochenen Bildkarten gibt es auch noch zwei Bildersets zu den Themen „Konfliktbearbeitung“ und „Versöhnung“; ein zugehöriges Booklet bietet Material zu den Themen und Anregungen zum Umgang mit dem Material.

Allein mit den Bildkarten zum Thema „Eskalationsstufen“ können vielfältige Übungen gemacht werden. Die obige Bilderfolge kann man beispielsweise psychodramatisch nachstellen, man kann eine Person aus der Bilderfolge suchen und sich empathisch in diese Person hineinversetzen, es kann Sprache zum Bild gesucht werden, die Bilderfolge kann in Reihenfolge gebracht und analysiert werden, Konflikte können in ihrer Ähnlichkeit zur Bildfolge interpretiert werden, die Eskalationsstufen können auf andere Konflikte bei gleicher Bildlichkeit zum Original angewandt werden, usw. usw. Für einen weiteren Höhepunkt in der Arbeit mit dem Thema Konflikteskalation ist im Booklet sogar eine Video-DVD enthalten, das u.a. ein Interview mit Friedrich Glasl enthält.

In der nächsten von mir geleiteten Mediationsausbildung werde ich die Bildkarten zur Konflikteskalation mit Sicherheit einsetzen und auch für die Arbeit mit Schülern bieten sich die Karten wunderbar an. Für alle, die die neun Eskalationsstufen noch nicht kennen, hier ein kurzer Einblick:

1. Verhärtung
Standpunkte verhärten sich, prallen aufeinander.

2. Debatte
Es gibt eine Polarisation im Denken, Fühlen und Wollen, ein Schwarz-Weiß-Denken kommt auf, die Sichtweise ist von den Begriffen Über- und Unterlegenheit geprägt.

3. Stufe Aktionen
Die Empathie mit dem Streitpartner geht verloren, die Gefahr von Fehlinterpretationen wächst, und es herrscht die Meinung, dass Reden nun nicht mehr viel hilft.

4. Stufe Images/Koalitionen
Es werden Klischess und Stereotypen aufgebaut, gegenseitig werden sich negative Rollen zugeschoben, und es werden Unterstützer und Anhänger für die eigene Meinung geworben.

5. Gesichtsverlust
Öffentliche und direkte Angriffe sollen zum Gesichtsverlust beim Konfliktgegner führen.

6. Drohstrategien
Es wird gedroht und die Gegendrohungen folgen direkt.

7. Begrenzte Vernichtungsschläge
Drohen reicht nicht mehr, Schädigungen müssen her, beim Gegner möglichst große Schäden, in den eigenen Reihen werden dafür auch kleinere Schäden in Kauf genommen.

8. Zersplitterung
Jetzt soll das feindliche System zerstört werden, koste es was es wolle.

9. Gemeinsam in den Abgrund
Auf keinen Fall darf der andere gewinnen, da nimmt man doch eher die Selbstvernichtung mit in Kauf, es gibt keinen Werg mehr zurück.

Wer meine Artikel zum Thema „Rockerkrieg“ verfolgt hat, kann übrigens auch hieran gut die verschiedenen Stufen einer Konflikteskalation nachvollziehen. Und falls Sie mögen, so können Sie natürlich auch einen ihrer Konflikte in die oben genannten Eskalationsstufen einordnen. Solange die Eskalationsstufe noch eine niedrige ist, können Sie mit geeigneter Kommunikation den Konflikt gut alleine angehen. Irgendwann dann ist jedoch eine Unterstützung durch eine neutrale dritte Person, also einen Mediator oder eine Mediatorin eine gute Wahl …

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konflikte, Literaturempfehlungen | Kommentare deaktiviert | Autor:

Fragen, Fragen, Fragen

Montag, 5. Juli 2010 6:02

Es gibt Konflikte, die bekommt man alleine leicht in den Griff, weil sie sich noch auf einer geringen Eskalationsstufe bewegen. Dann gibt es Konflikt, da ist es ziemlich heikel, sie zu lösen. Ja, und dann gibt es Konflikte, da wird es ganz ganz schwierig. Laut Friedrich Glasl gibt es 9 Eskalationsstufen im Konflikt: 1. Verhärtung, 2. Debatte, Polemik, 3. Taten statt Worte, 4. Images und Koalitionen, 5. Gesichtsverlust, 6. Drohstrategien, 7. Begrenzte Vernichtungsschläge, 8. Zersplitterung, 9. Gemeinsam in den Abgrund.

Wenn sich soziale Konflikte auf einer der ersten drei Eskalationsstufen befinden, so kann dies nach Glasl leicht durch Selbsthilfe, Nachbarschaftshilfe oder auch externe professionelle Prozessbegleitung geregelt werden. Ab Stufe drei bis einschließlich Stufe acht setzen laut Glasl dann Methoden der externen professionellen Prozessbegleitung sowie die Methode der Mediation an. (Friedrich Glasl: Selbsthilfe in Konflikten. S. 130). Egal ob ein Konflikt in Selbsthilfe oder durch professionelle Konfliktmoderation bzw. Mediation bearbeitet wird, wichtig ist es Fragen zu stellen und Antworten herauszufordern.

„Wenn wir andere Fragen stellen, werden wir andere Antworten finden.“
(Werner Heisenberg, deutscher Physiker)

„Wenn es trifft, reicht ein Satz.“
(Wolfram Jokisch, Erfinder der Sinn-ier Karten)

Fragen regen zum Nachdenken an, bieten Perspektivwechsel und neue Anreize. Fragen berühren, inspirieren und animieren, sich mit sich selbst, seinen Lebenszielen, seinem Umfeld und all den damit verbundenen wesentlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Fragen sind mal mehr, mal weniger einfach, manchmal frech, ungewohnt und überraschend. Fragen sollten stets wohlwollend und konstruktiv sein. Aber dennoch dreht sich das Denken auch trotz Fragen manchmal im Kreis und schicken in ein bekanntes Muster hinein.

Ich habe jetzt wunderbare Fragen entdeckt. Diese Fragen sind in Form der Sinn-ier Karten in Etuis zu verschiedenen Themen wie Entscheiden, Leben, Beruf, Herz, Beziehung, Genius usw. erhältlich. Sie können für private Zwecke, für Trainings/Coachings/Beratungen – sowie natürlich auch in der Arbeit mit Konflikten und im Mediationsbereich genutzt werden.

In meiner „Kostprobe“, einem Set mit 6 verschiedenen Etuis, gibt es beispielsweise Fragen zum Thema „Entscheiden“. Gerne möchte ich Sie an dieser Stelle mit Hilfe einiger dieser Fragen in einen Konflikt und dessen mögliche Lösung hineinführen, versuchen wir es.

Suchen Sie sich bitte zunächst einen Konflikt (oder eine Entscheidungssituation), für den bzw. die Sie gerne einen Impuls oder eine gute Lösung hätten. Lägen Ihnen die Karten vor, würden Sie aus dem Kartendeck „Entscheiden“ jetzt mehrere Fragen auswählen und mit Hilfe dieser Fragen beleuchten, was für Anregungen diese zum Konflikt geben, was durch die Karten in Gang kommt und wie das alles auf Sie wirkt. Da Ihnen die Karten (wahrscheinlich) nicht vorliegen, gebe ich Ihnen fünf Fragen vor, die Sie auf Ihren Konflikt anwenden können:

Bin ich Teil der Lösung oder des Problems?
Was fehlt, dass es gut wird?
Was hat dieses Problem mit mir zu tun?
Inwiefern habe ich die Lösung schon in mir?
Welche Entscheidung ist die zukunftsträchtigste?

Bitte setzen Sie sich in Ruhe mit einer Tasse Tee oder einem Kaffee und einem Blatt Papier oder einem Gesprächspartner und überdenken Sie die Fragen. Sie werden wahrscheinlich überrascht sein, was dadurch ausgelöst wird. Ich wünsche Ihnen übrigens alles Gute für Ihr Vorhaben, und falls Sie eine Supervisorin benötigen oder eine Mediatorin für Ihren Konflikt suchen, Sie wissen ja, wo Sie mich finden …

Die Sinn-ier Fragen und Impulse gibt es übrigens auch auf Postern. Fantastisch geeignet für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bietet sich das Sinn-ier Poster Genius an, das sich der Erforschung von Lebensmotiven und Zukunftsfragen widmet.

“Gut gefragt, ist halb gewonnen“
meint Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Konfliktberatung, Konfliktlösung, Literaturempfehlungen | Kommentare (1) | Autor: