Beiträge vom Oktober, 2010

Eine Schulmediation in 12 Minuten,

Montag, 25. Oktober 2010 6:43

das gibt es in der Realität, das gibt es jetzt aber auch als Film.

Lange habe ich nach einem passenden Film gesucht, der gut als Lehrfilm zur Thematik der Schulmediation geeignet ist, jetzt habe ich ihn gefunden. Der Film mit dem schlichten Namen „Schüler für Schüler“ wurde 2009 von Britta Sembach und Alexander Becker gedreht und herausgegeben.

Die Fünftklässlerin Mara beleidigt ihre Klassenkameradin Gerda auf dem Schulhof, indem sie sie fragt, ob ihre Anziehsachen von ihrer Oma sind oder doch aus dem Müllcontainer. Mara ist Einzelkind und eher schlecht in der Schule, Gerda hat fünf Geschwister und ist eine der Klassenbesten. Auf Empfehlung einer Schulkameradin beschließen beide, eine Mediation bei den Konfliktlotsen der Schule zu machen.

In diesem nachgespielten Mediationsgespräch sind die verschiedenen Phasen der Mediation klar zu erkennen. Damit ist der Film nicht nur ein Lehrfilm für das Thema Schulmediation in der Grundschule, er ist vielmehr auch als Illustration zur Methode der Mediation für Schulklassen verschiedener Jahrgangsstufen, in Konfliktlotsenausbildungen, Lehrerweiterbildungen oder für andere Zielgruppen nutzbar.

Der Film ist für 15 € zuzügl. Versandgebühr direkt bei Britta Sembach zu bestellen (brittasembach@aol.com). Gerne empfehle ich den Film in diesem blog.

Übrigens hat der Bundesverband für Mediation (BM) schon seit langem Standards zur Schulmediation herausgegeben. Die Standards enthalten verschiedene Texte zur Schul- bzw. Schülermediation, Einführung in Schulen, den erforderlichen Rahmenbedingungen im System Schule und dem der Mediation zugrundeliegenden Grundhaltung und dem ethischen Selbstverständnis. Es werden Ausbildungsrichtlinien für Schulmediation vorgestellt und Empfehlungen für die drei Zielgruppen SchülerInnen, LehrerInnen und TrainerInnen gegeben.

Diese Standards können auf der Webseite des BM heruntergeladen werden.

Ich leite derzeit eine Schulmediationsausbildung in einer Tiergartener Grundschule. Es macht mir viel Spaß zu sehen, wie Konflikte von Kindern durch Kinder so wunderbar gelöst werden. Informationen zu Gelingensbedingungen und Erfolgsfaktoren für Mediationsprojekte an Schulen finden Sie auch hier im Blog.

Christa D. Schäfer

Thema: Schulmediation | Kommentare (2) | Autor:

Frank McCourts Rat an eine junge Lehramtsanwärterin

Montag, 18. Oktober 2010 7:01

„Eine junge Lehramtsanwärterin saß neben mir in der Lehrerkantine. Sie sollte im September ihre reguläre Lehrtätigkeit aufnehmen und fragte mich, ob ich ihr einen Rat geben könne.

Finden Sie heraus, was Sie lieben, und tun Sie es. Darauf läuft es hinaus. Zugegeben, ich habe das Lehrersein nicht immer geliebt. Ich war in unbekannten Gewässern unterwegs. Man ist auf sich gestellt im Klassenzimmer, ein Mann oder eine Frau vor fünf Klassen täglich, fünf Klassen von Teenagern. Eine Energieeinheit gegen hundertfünfundziebzig Energieeinheiten, hundertfünfundsiebzig tickende Zeitbomben, und man muss Wege finden, seine Haut zu retten. Vielleicht mögen sie einen, vielleicht lieben sie einen sogar, aber sie sind jung, und es ist Sache der Jungen, die Alten vom Planeten zu schubsen. Ich weiß, ich übertreibe, aber es hat wirklich was von einem Boxer, der in den Ring steigt, oder einem Stierkämpfer, der in die Arena hinaustritt. Man kann k.o. geschlagen oder aufgespießt werden, und das ist dann das Ende einer Lehrerlaufbahn. Aber wenn man durchhält, lernt man mit der Zeit die Tricks. Es ist alles andere als leicht, aber Sie müssen sich im Klassenzimmer wohl fühlen können. Sie müssen egoistisch sein. Im Flugzeug sagt man Ihnen, falls die Sauerstoffzufuhr ausfällt, sollen Sie Ihre eigene Maske zuerst aufsetzen, obwohl Sie instinktiv zuerst an Ihr eigenes Kind denken würden.

Das Klassenzimmer ist ein Ort höchster Dramatik. Sie werden nie erfahren, was Sie den Hunderten, die da kommen und gehen, angetan oder was Sie für sie getan haben. Sie sehen sie hinausgehen: träumerisch, abwesend, spöttisch, bewundernd, lächelnd, ratlos. Nach ein paar Jahren wachsen Ihnen Antennen. Sie merken es, ob Sie sie erreichen oder abgeschreckt haben. Das ist Chemie. Psychologie. Instinkt. Sie sind mit den Kindern zusammen, und solange Sie Lehrerin bleiben wollen, gibt es kein Entrinnen. Hoffen Sie nicht auf Hilfe von Menschen, die dem Klassenzimmer entflohen sind, von den Höhergestellten. Die sind immer gerade beim Mittagessen oder denken an Höheres. Sie sind mit den Kindern allein. Ah, es klingelt. Tschüs. Finden Sie heraus, was Sie lieben, und tun Sie es.“

Das ist der Rat, den Frank McCourt einer jungen Lehramtsanwärterin gibt. McCourt hat 30 Jahre an New Yorker High Schools unterrichtet und seine Erfahrungen in dem wunderbares Buch „Tag und Nacht und auch im Sommer“ aufgeschrieben. In dem Buch erzählt er, was er von seinen insgesamt zwölftausend Schülern gelernt hat – als Lehrer, als Geschichtenerzähler, als Schriftsteller. Das Buch ist in der Zwischenzeit zu einem meiner Lieblingsbücher geworden …

Heutzutage ist Unterrichten auch in Berlin kein “gefährliches unbekanntes Gewässer”, vielmehr macht das Unterrichten, das Lehrer sein und Lehrer werden sogar viel Spaß. Übrigens unterrichte ich in diesem Semester an der UdK Berlin im Modul „Grundfragen von Erziehung, Bildung und Schule“ und an der FU Berlin im Hauptseminar zum Modul „Lernmotivation und Beratung“. Natürlich werden die Themen „Umgang mit schwierigen Klassen“, „Schulmediation“ und Unterrichtsstörungen einen wichtigen Platz einnehmen. Ich freue mich auf meine Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer …

Christa D. Schäfer

Übrigens finden Sie hier im Blog eine weitere Passage aus Frank McCourts Buch “Unterrichtsstörung durch ein Pausenbrot“.

Thema: Literaturempfehlungen, Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

Mobbing in der vierten Klasse

Montag, 11. Oktober 2010 7:04

9 Jahre und 8 Monate alt ist Henry. Er kauft Kaugummis für den Fall, dass er mal wieder von Claas und Torben überfallen wird und sich freikaufen muss. Stets hat er das Gefühl, dass niemand ihn so richtig mag, und tatsächlich muss er sich auch von seinen Klassenkameraden immer doofe Sprüche anhören. Dass sein Nachname Dackel lautet, sei hier nur am Rande erwähnt, denn auch das hat große Auswirkungen …

So denkt Henry also, er hat es nicht einfach, aber eines Tages kommt alles noch viel Schlimmer. In das Doppelhaushälfte neben Henry zieht nämlich Familie Freitag mit Mia ein. Mia ist genauso alt wie Henry, und irgendwie hat sie es auf ihn abgesehen, denn schon die erste Begegnung wird zu einer Katastrophe. Mia, das Monstermädchen, so nennt Henry sie daraufhin.

Zum Glück hat Henry Kontakt zu Harry Bo, den Superhelden, der ihn in fremde Traumwelten entführt, ihn unterstützt und mit ihm zusammen ganz viele Abenteuer besteht. Ja, doch leider lässt ihn Harry dann irgendwann alleine und Henry muss sehen, wie er aus dem ganzen Schlamassel rauskommt.

Die Geschichte klingt als könnte sie in Berlin oder in Kassel oder in Eckernförde passiert sein. Tatsächlich ist sie eine Erzählung von Antje Szillat, die sich als Kinder- und Jugendbuchautorin speziell mit Themen des sozialen Lernens auseinandersetzt. Mehrere beeindruckende und treffsichere Bücher hat sie für Kinder und Jugendliche zu den Themen Mobbing und mehr geschrieben. In oben angesprochener Erzählung beispielsweise wird Henry zum Opfer von Mia, die ihrerseits gerade schwierige Zeiten erlebt und sich, so aggressiv und frustriert wie sie ist, nach menschlicher Nähe sehnt …

An dieser Stelle könnte ich gut die Geschichte analysieren und die typischen Mechanismen von Mobbing aufzeigen. Lieber jedoch empfehle ich dieses Buch „Das Monstermädchen von nebenan“ als Klassenlektüre und überlasse die Interpretation der geschilderten Situation den Leserinnen und Lesern des Buches, den Kindern und ihren LehrerInnen.

In Berlin gibt es übrigens derzeit eine Debatte über deutschfeindliche Mobbingstrukturen durch Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. In Kreuzberg, Mitte und Schöneberg gibt es Schulklassen, die einen Migrantenanteil von 90 % haben. Da werden die „deutschen Kinder“ zu denjenigen, die integriert werden müssen und die die Außenseiter sind.

„Wie Migranten deutsche Kinder mobben. Ausgegrenzt, beschimpft, bestohlen: An einer Sekundarschule in Berlin-Kreuzberg wurde ein deutscher Junge monatelang Mobbing-Opfer seiner türkischen und arabischen Mitschüler. Der Erfahrungsbericht eines 13-Jährigen.“ so titelt die Berliner Morgenpost.

Und: „Schulexperten werfen dem Berliner Senat vor, bisher zu wenig gegen Mobbing von deutschen Schülern getan zu haben.“ so steht es im Berliner Tagesspiegel.

„Deutschenfeindlichkeit“, so heißt parallel zum Begriff “Fremdenfeindlichkeit” das neu kreierte Stichwort zum Thema. Eindeutig ist meiner Meinung nach zu erkennen, dass in Schule weitaus mehr als bisher zum Thema Soziales Lernen gearbeitet werden muss. Aber jetzt sind erst einmal zwei Wochen Herbstferien, zum Aufatmen …

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Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Schulmediation, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor: