Beiträge vom November, 2010

Allparteilichkeit und Neutralität

Montag, 29. November 2010 2:48

Im Frühjahr diesen Jahres schrieb ich einen Artikel zum Thema Allparteilichkeit in Mediation und Supervision, in dem ich berichtete, dass der Begriff der Allparteilichkeit heutzutage den Begriff der Neutralität abgelöst habe. Jetzt ist mir in einem Buch zur Systemischen Therapie und Beratung der Begriff der Neutralität wieder in den Blick gekommen.

In meinem Artikel vom Frühjahr heißt es:

„Allparteilichkeit kann sowohl Neutralität als auch Pluralität bedeuteten. Allparteilichkeit im Sinne einer neutralen Haltung heißt, dass ich als Mediatorin bzw. Supervisorin in einer Auseinandersetzung, die sich innerhalb einer Person oder zwischen zwei Personen abspielt, keine Partei ergreife. Allparteilichkeit im Sinne einer pluralen Haltung meint, dass ich mich gegenüber der einen Seite als auch der anderen Seite gegenüber offen zeige. Allparteilichkeit ist deshalb derzeit so etwas wie ein Überbegriff geworden, der die Begriffe Neutralität und Pluralität einschließt.“

Das Buch Einführung in die Praxis der systemischen Therapie und Beratung von Rudolf Klein und Andreas Kannicht vereint wie viele Bücher der Reihe „Carl-Auer Compact“ Einblicke in Theorie und Praxis. Es ist informativ und regt sowohl zur Reflexion als auch zum Tun an. Ebenso wie systemische BeraterInnen oder TherapeutInnen müssen MediatorInnen parallel äußeren und inneren Dialogen folgen. Im äußeren Dialog sind sie damit beschäftigt, das Gespräch aufrecht zu erhalten und zu verstehen. Im Inneren Dialog müssen sie stets die Steuerung des Prozesses überdenken und Entscheidungen dazu treffen. Die Ausführungen zu den Techniken des Zuhörens, Fokussierens und Positionierens sind daher äußerst spannend auch für die Berufsgruppe der MediatorInnen.

Für die systemische Therapie und Beratung unterscheiden Rudolf Klein und Andreas Kannicht drei Ebenen der Neutralität. Die Konstruktneutralität meint, eine Parteinahme für oder gegen irgendwelche Sichtweisen der Klienten zu unterlassen. Die Beziehungs- oder soziale Neutralität bedeutet, dass der systemische Therapeut / Berater Koalitionsangebote vonseiten der Klienten für oder gegen andere Mitglieder der Familie oder sonstiger relevanter Personen nicht annehmen darf. Und unter Veränderungsneutralität wird verstanden, negative oder positive Bewertungen einer Symptombildung gegenüber genauso zu unterlassen wie Einladungen zum Kontrollieren bzw. Bekämpfen eines präsentierten Symptoms. (Klein; Kannicht S. 25).

Alle drei Neutralitäten sind auch für die Mediation zutreffen: Die Konstruktneutralität meint, nicht für eine Sichtweise der Konfliktparteien Partei zu ergreifen. Beziehungs- oder soziale Neutralität bedeutet, bezüglich der Medianden allparteilich zu bleiben. Und unter Veränderungsneutralität verstehen wir in der Mediation weder den mitgebrachten Konflikt noch die von den Medianden erarbeitete Konfliktlösung zu bewerten. Unter diesem Blickwinkel erscheint mir der Begriff der Neutralität dann doch wieder aufgrund seiner Variabilität adäquat auch für die Mediation.

Übrigens genieße ich es immer wieder, über die Mediation hinaus in die Nachbardisziplinen zu schauen. Und wie ich an dieser Stelle bereits mehrmals betont habe, so bin ich der Meinung, dass Mediation per se systemisch ist …

Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren, Systemischer Ansatz | Kommentare (1) | Autor:

Halbmondwahrheiten und Konflikte

Montag, 22. November 2010 9:58

Halbmondwahrheiten, das ist ein Begriff, den Kemal geprägt hat. Kemal ist einer der 12 Männer, mit denen die Journalistin Isabella Kroth Interviews geführt und deren Geschichten sie aufgeschrieben hat. Halbmondwahrheiten, so heißt auch das Buch, über das ich hier berichten möchte.

„Türkische Männer in Deutschland. Innenansichten einer geschlossenen Gesellschaft“, so lautet der Untertitel dieses Buches und es ist ein bewegender Bericht über türkische Männer, über Probleme und Konflikte im Spannungsfeld eines türkisch-deutschen Lebensbildes. Das Buch schildert auch die Geschichte Kazim Erdogans, der vor vier Jahren eine Männergruppe in Berlin Neukölln gegründet hat. Dort können türkische Männer von 25 – 70 Jahren über ihre Probleme sprechen, über Schwierigkeiten in ihrer Familie, mit ihren Kindern und ihren Frauen, über Arbeitslosigkeit und das Leben in einem fremden Land. Viele der Männer schaffen es kaum, den Widerspruch zwischen ihrer traditionellen Männerrolle und der sie umgebenden Gesellschaft auszuhalten.

Ehrenmord, Zwangsheirat, Gewalt, das sind Begriffe, die oft mit muslimischen Männern in Verbindung gebracht werden. Dass Männer auch ganz schnell Opfer ihrer Situation werden und sein können, das zeigt uns Isabella Kroth in ihrem Buch „Halbmondwahrheiten“. Die Geschichten sind eindrucksvoll, spannend, erschütternd. Sowohl für PädagogInnen als auch für MediatorInnen ist dieses Buch ein absolutes Muss.

Kemal beispielsweise verbrachte seine Kindheit bei seinen Großeltern in der Türkei, in Ayvalik an der türkischen Ägäisküste. Im Alter von sieben Jahren wird er von seinen damals in Deutschland lebenden Eltern quasi nach Deutschland entführt. Sein Leben bleibt von Entwurzelung und Neuanfängen geprägt, mal in Deutschland, mal in der Türkei. Seit der Trennung von seiner Frau sind auch seine beiden Kinder getrennt, der eine Sohn wohnt bei ihm in Berlin, der andere bei seiner Frau in der Türkei.

Was dieses Leben für Probleme und Konflikte hervorruft, kann man ansatzweise ahnen; in Isabella Kroths Buch Halbmondwahrheiten kann man es nachlesen. Interkulturelle Kompetenz setzt auch Wissen voraus, und ein Stück davon kann man sich in diesem Buch erlesen. Hoffentlich habe ich Ihnen dieses Buch ans Herz legen können, denn ich wünsche ihm viele viele Leser. Viele Leser auch gerade aus Berlin, denn es schildert Geschichten, die uns in Berlin nahe sind, die uns aber verschlossen sind und von denen wir aber nichts wissen.

Passend dazu gibt es übrigens derzeit im Kreuzberg Museum in der Adalbertstr. 95A in Berlin noch bis zum 6. Februar eine Ausstellung, in der Lebensgeschichten von Migrantinnen aufgezeigt werden. Migrantinnen, das sind hier türkische Gastarbeiterinnen, die nach Deutschland gekommen sind, und es sind auch deutsche Frauen, die in der Türkei, in Istanbul leben.

„Die Geschichte einer Migration beginnt mit dem Abschied vom Leben in der alten Heimat, zurück bleiben Freunde und Familie. Wer diesen Schritt wagt, steht vor der Mammutaufgabe, sich in einem anderen Land zurechtzufinden, eine fremde Sprache zu lernen und den Alltag in einer Welt zu meistern, die auf völlig anderen Bräuchen und Sitten fußt.“ so der Tagesspiegel zu dieser Ausstellung.

„Die Männer wagen einen Tabubruch, indem sie offen über Schwächen, Fehler und manchen religiös oder traditionell begründeten Irrglauben sprechen. Polygamie, die Gedanken an einen Ehrenmord, Drogenhandel, Scheinehe – sie erklären, wie es dazu kommen kann. Ich will in den Geschichten nicht be- oder verurteilen, sie sollen ein Versuch sein, zu erklären; deshalb sind sie so wertneutral wie möglich aufgeschrieben. Wer nicht zuhört, wer zu schnell urteilt, dem bleibt jede Gesellschaft verschlossen. Die Männer geben Einblick in eine Gesellschaft, die wie von unsichtbaren Mauern umgeben zu sein scheint. Diese Männer haben sie durchbrochen.“ so Isabella Kroth in dem Vorwort zu ihrem Buch „Halbwahrheiten“. (S. 15)

Die hier angesprochene Form der Interkulturellen Kompetenz sollte für viele Menschen Vorbild sein: Im Umgang mit Menschen aus fremden Kulturen deren spezifische Konzepte der Wahrnehmung, des Denkens, Fühlens und Handelns erfassen und begreifen; frühere Erfahrungen frei von Vorurteilen mit einbeziehen und erweiteren. Das ist der Weg, den wir in einer interkulturell geprägten Gesellschaft gehen sollten.

Nicht nur MediatorInnen, die Interkulturelle Mediationen durchführen, dürfen dafür Experten sein.

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Konflikte, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Selbstmanagement für MediatorInnen

Montag, 15. November 2010 6:54

Selbstmanagement ist ein in der Mediationsszene bisher wenig beachtetes, aber zunehmend wichtiges Thema.

„Der Begriff Selbstmanagement bezeichnet die Kompetenz, die eigene persönliche und berufliche Entwicklung weitgehend unabhängig von äußeren Einflüssen zu gestalten. Dazu gehören Teilkompetenzen wie zum Beispiel selbstständige Motivation, Zielsetzung, Planung, Organisation, Lernfähigkeit und Erfolgskontrolle durch Feedback.“

In der Mediation wird unter Selbstmanagement auch der Umgang mit den äußeren und inneren Spannungen bezeichnet, die zwangsläufig in diesem Beruf entstehen. Der Bundesverband Mediation (BM) gibt neuerdings in Zusammenarbeit mit dem Concadora Verlag die Buchreihe „Mediation in der Praxis“ heraus. Mit dem Selbstmanagement von MediatorInnen befasst sich der erste Band dieser Buchreihe.

Die Arbeit als Mediatiorin bzw. Mediator kann Druck und Stress erzeugen:

„Es gibt durchaus solche Situationen, dass man überfordert ist mit einer Mediations-Last. Dass man da ganz durch den Wind ist und irgendwie machtlos gegenüber der Verzweifelung der Parteien. Also gibt es durchaus so etwas wie Stress, in so einer schwierigen Situation schon.“ (Rudi Ballreich)

„Mediationen sind ja meist etwas sehr Anstrengendes. Die ‘Vibrations’ tun auf Dauer nicht gut, dieser geballte Aggressionsstau, der da manchmal auftauchen kann. Diese tiefen Verstrickungen zwischen den Konfliktparteien zu sehen, ist sehr belastend.“ (Lisa Waas)

„Ich muss sagen, ich kenne eigentlich keine Tätigkeit, die mich annähernd so viel Seins-Kraft oder Energie kostet wie eine Mediations-Sitzung. Und ich kenne dabei zwei Arten von Erschöpft-sein oder Angegriffen-sein nach einer schwierigen Sitzung. Das Eine ist ein Erschöpft-sein, welches dann auch wieder vergeht. (…) Aber dann gibt es auch ein Erschöpft-sein – von dem etwas hängen bleibt. Auch dann, wenn sich der Körper schon längst wieder erholt hat. Da passiert glaube ich mit uns etwas, was wir nur sehr begrenzt bewusst wahrnehmen und steuern können.“ (Stefan Wiesinger)

Kennen Sie als Mediatorin oder Mediator auch solche Gefühle und solchen Druck?

Das Buch „Wie managen MediatorInnen sich selbst? Im Spannungsfeld innerer und äußerer Konflikte“ bleibt jedoch nicht dabei stehen Fragen aufzuwerfen, vielmehr gibt es MediatorInnen auch Hinweise dazu, wie sie ihre innere Balance finden und dem Stress und den emotionalen Belastungen gut begegnen können. Exemplarisch möchte ich in aller Kürze einen körperorientierten meditativen Prozess der Selbsterforschung von Rudi Ballreich vorstellen, mit dem Verkrampfungen, durch Konflikte hervorgerufen, losgelassen werden können.

Als MediatorInnen haben wir die Aufgabe, die Konfliktparteien dazu anzuregen, dass sie ihre Verkrampfungen loslassen können und wieder in Kontakt kommen mit sich und mit einander. Dazu ist der Kontakt der Konfliktparteien zur Erde, zum Himmel, zu sich selbst und zum Anderen notwendig. An spirituelle Traditionen anknüpfend meint dieser Prozess jedoch auch für die MediatorInnen selbst, diese vier Kontakte stark zu knüpfen:

Kontakt zur Erde: Die Realitäten einer Situation sehen, den „Nebel der Emotionen“ sowie das eigene innere Getrieben-Sein im Willen überwinden. Kontakt zum Himmel: Einen freien Kopf haben, um Weitblick und gute Ideen zu finden. Kontakt zu sich selbst: Die eigene Sichtweise, Gefühle, Bedürfnisse spüren und verstehen. Kontakt zum Anderen: Empathie und Verstehen, um Versöhnungsprozesse zu ermöglichen und verschlossene Herzen füreinander zu öffnen.

Das Buch regt MediatorInnen einerseits zur Selbstreflektion an und bietet andererseits handfeste Unterstützung für den Bereich des Selbstmanagements dieses Berufsstandes. MediatorInnen werden im Sinne einer Psychohygiene fit für ihren Beruf und können stark und klärend in ihren Mediationen wirken. Hervorragend gelingt es damit diesem Buch, einen wichtigen Grundstein für den Berufsstand der Mediation zu legen.

Neben einer Selbstklärung und einem guten Selbstmanagement ist natürlich auch die Intervision oder Supervision für MediatorInnen ein wichtiger Baustein zur Psychohygiene und zum Berufserfolg. Interesse an Supervision?

Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0) | Autor:

Kiezväter

Montag, 8. November 2010 7:29

sind Wegweiser und Begleiter für Jungen.
sind Multiplikatoren und Vorbilder für andere Väter.
sind Vermittler zwischen ihrer Herkunftskultur und der deutschen Kultur.
sind Wegweiser für Unterstützungsmöglichkeiten durch das Schul-, Bildungs- und Sozialsystem.
sind Unterstützer bei der alltäglichen gesellschaftlichen Integration sowie bei unterschiedlichen Fragestellungen.

Und das Beste: Es gibt sie jetzt, die Kiezväter, in Berlin Neukölln.

Nachdem das Projekt der Stadtteil- und Kiezmütter in verschiedenen Bezirken Berlins sehr erfolgreich läuft, hatte Ilknur Gümüs die Idee zum Projekt „Kiezväter“. Gefördert vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wird dieses Projekt in Kooperation der beiden Vereine IBBC (Interkulturelles Beratungs- und Begegnungs-Centrum) und Aufbruch Neukölln durchgeführt.

Die zukünftigen Kiezväter stammen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, sie leben alle in Neukölln, kennen sich in ihrem Kiez aus und haben Freude daran, etwas in ihrer Nachbarschaft zu bewegen. Sie werden zur Zeit in verschiedenen Themenbereichen geschult und stehen danach für Gespräche anderen Vätern und Familien Neuköllns zur Verfügung.

Dieses Projekt dient der Gewaltprävention, denn die Kiezväter greifen Themen auf wie das Erziehungsverhalten von Eltern und die Gewalt in der Familie oder die Probleme von und mit Jugendlichen auf den Straßen von Neukölln. Sie beraten die Familien bei der Erziehung besonders von Jungs, und sie sind als Vermittler tätig zwischen Schule, Kindertagesstätte und Jugendamt. Ganz wunderbar finde ich, dass die Kiezväter im Bereich der Kommunikation sowie im Beratungs- und Konfliktmanagement geschult werden, denn damit sind sie dann gut ausgerüstet für die Praxis. Im folgenden ein Gespräch zwischen Christa Schäfer und Ilknur Gümüs.

Frau Gümüs, wie sind Sie auf die Idee gekommen, dieses Projekt „Kiezväter“ ins Leben zu rufen?

I.G.: Es gibt in Berlin viele Projekte, mit denen die Frauen, Mädchen und Mütter erreicht werden. Jedoch expilizit für Männer gibt es kaum Angebote. Auch sie brauchen Rat und Gesprächsmöglichkeiten. Auch sie haben Ängste und Fragen. Die Themen der Väter sind ja nicht immer identisch mit denen der Müttern und aufgrund von fehlenden oder abhandengekommenen Väter- bzw. Männerbild werden sie agressiv oder depressiv und haben keine Institution, die sie mit ihren Sorgen auffängt. In der deutschen Gesellschaft haben die türkischen und arabischen Väter leider ein sehr negatives Ansehen. Das Projekt wird die Erreichbarkeit der sogenannten bildungfernen Väter und deren Interesse an der Aufnahmegesellschaft und an ihren Familien unter Beweis stellen. Die Väter, die an dem Projekt teilnehmen, werden für ihre Communitis eine Vorbildfunktion übernehmen.

Wie wichtig finden Sie es, dass die zukünftigen Kiezväter ein solides Wissen in den Bereichen Kommunikation, Beratungs- und Konfliktmangement erhalten?

I.G.: Sehr wichtig, weil mit Kommunikation fällt und steht alles. Wir wissen, dass wir gerne Monologe durchführen und unserem Gegenüber oft nicht adäquat zuhören. Aber Kommunikation beginnt mit Zuhören und die zukünftigen Kiezväter lernen dies. Sie lernen auch zu überprüfen, ob das, was sie „gehört und verstanden“ haben, richtig ist. Dabei helfen natürlich die von Ihnen angebotenen Rollenspiele sehr.

Was sollen die Kiezväter in diesem Bereich später können?

I.G.: Sie sollen Gespräche gut und angenehm gestalten und führen können. Auch sollen sie zwischen den Zeilen lesen, und wenn Gefühle ausgesprochen werden, diese auch verstehen und den „Ratsuchenden“ das Gefühl geben können, verstanden zu werden. Hierdurch wird eine Vertrauensbasis hergestellt, die sehr wichtig für deren Arbeit ist. Ich gehe davon aus, dass die Kiezväter bei ihrer Tätigkeit mit „Familiengeheimnissen“ konfrontiert werden, und da wird die Vertrauensbasis als Grundlage für die Problemlösung besonders wichtig.

Was denken Sie, haben die Kiezväter später für Problem- und Konfliktfälle zu bearbeiten?

I.G.: Sie werden sehr viel mit Armut konfrontiert sein und Unwissenheit in der deutschen Gesellschaft. Insbesondere die Familien, die aufgrund eines Duldungsstatus sich in Berlin aufhalten bzw. als Kriegsflüchtlinge hier eingereist sind, sind in der Gesellschaft (ebenfalls aufgrund ihrer Status als Flüchtlinge) nicht integriert. Deren Kinder besuchen die Schule, jedoch ohne Perspektive. Denn diese Kinder mit Duldungsstatus dürfen keine Ausbildung absolvieren und keine Uni besuchen. Das entmutigt. Väter werden viel Mut machen müssen und für die „Ratsuchenden“ Möglichkeiten aufzeigen können. Auch die sogenannte 2. Generation der Gastarbeiter, d.h. die Gastarbeiterkinder, die keine oder geringe Qualifikation haben, leiden unter Perspektivlosigkeit. Aus dieser Mutlosigkeit bzw. Perspektivlosigkeit entsteht durchaus agressives Verhalten der Jungs bzw. der Väter. Ich stelle mir vor, diese Themen werden den Kiezvätern sehr oft begegnen.

Besten Dank Ihnen, sehr geehrte Frau Gümüs für das Interview. Ich freue mich, das Kommunikations- und Konflikttraining im Projekt durchführen zu dürfen und finde sowohl das Projekt als auch das Engagement der zukünftigen Kiezväter fantastisch. Mein Kompliment!

I.G.: Ich danke Ihnen ebenfalls, dass Sie sich der Aufgabe gestellt haben und keine Hemmungen haben, diese Gruppe zu schulen. Dabei bringen Sie eine hohe interkulturelle Kompetenz mit und Verständnis für die Belange der Gruppe.

Dem Projekt alles Gute wünscht
Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konfliktprävention | Kommentare (1) | Autor:

Was haben die Alexander-Puschkin-Schule,

Montag, 1. November 2010 6:33

die Mildred-Harnack-Schule, die Gutenberg-Oberschule, die Fritz-Reuter-Schule, die Oberschule am Rathaus und alle weiteren Sekundarschulen und Gymnasien aus Berlin Lichtenberg gemeinsam? Sie haben jetzt BuddYs …

Unter dem Motto „Aufeinander achten. Füreinander da sein. Miteinander lernen“ übernehmen Schülerinnen und Schüler jetzt in Projekten und im Unterricht Verantwortung für sich und andere. Solche buddY-Projekte gibt es bisher in den Oberschulen von Niedersachsen, Hessen, Thüringen, in OWL und einigen Schulen Hamburgs. In Berlin gibt es in vielen vielen Grundschulen ebenfalls buddY-Projekte. Die Randow-Grundschule in Berlin Lichtenberg ist im Oktober 2010 sogar buddY-Schule des Monats geworden. An dieser Schule gibt es ein wunderbares Pausenbuddy-Projekt, bei dem die STOPP-Regel eine wichtige Rolle spielt. Im Juni 2010 fand die erste Lichtenberger Kinderkonferenz statt, bei der sich BuddYs aus den Grundschulen zu wichtigen Fragestellungen ausgetauscht haben.

Jetzt wurde am 6. Oktober 2010 eine Projektvereinbarung zwischen der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, dem Bezirksamt Lichtenberg, der Regionalen Fortbildung Lichtenberg, dem Kontaktlehrerzentrum Lichtenberg, den teilnehmenden Projektschulen der Region und dem buddY e.V. geschlossen. Damit ist der Startschuss für die Lichtenberger Oberschulen gefallen. Da ich die Lichtenberger LehrerInnen und SozialpädagogInnen über ein Jahr lang vorbereitet, trainiert und gecoacht habe, weiß ich schon jetzt ein wenig über die gestarteten und zukünftigen buddy-Projekte.

Es werden viele Klassenräte an den Lichtenberger Oberschulen entstehen, ältere Schüler werden sich im Sinne von Patenschaften um jüngere Schüler kümmern, Pausenbuddys werden auf dem Schulhof für Ordnung sorgen … Am Ende der Feierstunde hat sich die Bezirksbürgermeisterin Christina Emmrich mit einigen Buddys unterhalten und in Erfahrung gebracht, was deren Aufgabe an den Schule bereits ist und zukünftig werden wird.

Rainer Bäth vom Kontaktlehrerzentrum Lichtenberg und Dr. Wolfgang Steininger von der Schulpsychologie Lichtenberg werden die Projekte weiter begleiten, und ich werde sicherlich die Gelegenheit haben, an dieser Stelle von einigen interessanten und spannenden Projekten berichten zu können.

Das Projekt der Randow-Grundschule soll bereits hier noch einmal genauer erläutert werden. 2009 nahm das ganze Kollegium der Grundschule an einer Fortbildung zum Thema „Stopp-Regel“ teil. Die Stopp-Regel zeigt dem Gegenüber, dass man nicht mehr möchte – sei es im Spaß oder im Ernst. Die Kinder der Schule haben danach den Umgang mit der Stopp-Regel gelernt.

Im täglichenUmgang miteinander entstehen nun Sätze wie: „Stopp, ich möchte nicht, dass du mich ärgerst.“ oder „Stopp, lass bitte meine Freundin in Ruhe.“ oder „Stopp, ich möchte, dass du aufhörst mich zu beleidigen.“ oder oder oder

Die Einführung der Stopp-Regel ist ein Mittel zur Gewaltprävention an der Schule. Nicht nur Grundschulen, sondern auch viele Hauptschulen haben deutschlandweit bisher die Stopp-Regel im Klassen- oder Schulkontext eingeführt. Die Idee der Einführung der Stopp-Regel geht auf das Buch „Bei STOPP ist Schluss. Regeln und Werte vermitteln“ (Thomas Grüner und Franz Hilt) aus dem AOL-Verlag zurück.

An der Randow-Grundschule gibt es zusätzlich zur Stopp-Regel die BuddYs, die auf dem Schulhof unterwegs sind und darauf achten, dass die Stopp-Regel eingehalten wird. Sie helfen den Kindern, die sich streiten, auch dabei, eigene Lösungen zu finden, um sich wieder zu vertragen.

Übrigens gibt es einen wunderbaren Film zur Stopp-Regel, der an der Anne-Frank-Grundschule in Berlin Mitte gedreht wurde.

Wäre nicht die Stopp-Regel auch was für Ihre Schule?
fragt Christa Schäfer

Thema: Allgemein, Schule in Berlin | Kommentare (0) | Autor: