Beiträge vom Februar, 2011

Piktogramme zu den fünf Phasen der Mediation

Montag, 28. Februar 2011 6:32

Eine Mediation läuft in fünf Phasen ab:

  1. Das Gespräch einleiten
  2. Sichtweisen nacheinander klären: Wie sieht die Sache aus der Sicht der jeweiligen Konfliktpartner aus?
  3. Konflikterhellung: Die persönliche Bedeutung des Konflikts verstehen
  4. Gemeinsam nach Lösungen suchen: Wer bietet was an?
  5. Einigung und Abschluss

Der Mediator Udo Pracht hat in seinem Blog Menschen und IT dazu Piktogramme veröffentlicht. Diese zeigen bildhaft und klar, was sich in den verschiedenen Phasen abspielt. Sie stehen zur freien Nutzung zur Verfügung!

Besten Dank dafür
sagt Christa D. Schäfer

Mehr zur Definition von Mediation …

Thema: Mediationsverfahren | Kommentare (0) | Autor:

Unterrichtsstörungen 2010

Montag, 14. Februar 2011 5:13

Wenn man über Unterrichtsstörungen bloggt, muss man natürlich das Buch „Föhn mich nicht zu. Aus den Niederungen deutscher Klassenzimmer“ gelesen haben. Stephan Serin beschreibt in diesem Buch intelligent und witzig seine Zeit als Referendar in einem Berliner Gymnasium. Hier eine der beschriebenen Begebenheiten zum Thema Unterrichtsstörungen:

Lehrkraft und Disziplinator = Persönlichkeit

Die Referendare aus meiner Seminargruppe wollten von unserem Hauptseminarleiter vor allem eins wissen: Was können wir gegen die permanenten Störungen und Disziplinprobleme im Unterricht tun? Leider bot Herr Schubert dazu nur eine Veranstaltung an, bei der vielen von uns schnell klar wurde, dass seine unterrichtspraktischen Erfahrungen einige Jahre zurücklagen. Ich gehörte nicht zu diesen Referendaren.

Da ich nach kompetenten Autoritäten suchte, von deren Kenntnis ich profitieren konnte, glaubte ich damals an Herrn Schubert und war gewillt, seine Handlungsempfehlung in meinen eigenen Klassen umzusetzen. Sie lautete: „Stellen Sie sich vor, Sie halten einen Lehrervortrag und ein Schüler provoziert Sie wiederholt durch provokante Zwischenrufe wie ‘Sie Trottel! Sie Troll! Herr Pfeiffer ist ein Troll! …’“ Dieses Beleidigungsbeispiel hätte mir eigentlich augenblicklich verdeutlichen müssen, dass Herr Schubert seinen Erfahrungsschatz aus einer Zeit bezog, als die Film Die Feuerzangenbowle noch ein wirklichkeitsgetreues Soziogramm des Kosmos Schule zeichnete.

Herr Schubert fuhr fort: ‘Wichtig ist hier die Diagnose. Durch den verbalen Einwand will der Schüler die Aufmerksamkeit der Mitschüler und des Lehrers auf sich ziehen. Ferner versucht er, den Lehrer persönlich anzugreifen, um möglicherweise einen Machtkampf zu provozieren. Geben Sie in solch einer Situation Acht. Wenn Sie verbal auf den Störer reagieren und ihm somit Aufmerksamkeit schenken, erheben Sie ihn automatisch zum Anführer der Klasse. Sie geben freiwillig und willenlos die Aufmerksamkeit der Klasse an einen Störer ab. Öffentliches Disziplinieren brüskiert und diffamiert den Schüler, wirkt sich auf die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler sehr negativ aus und führt oft zur Verstärkung des Fehlverhaltens. Es besteht die Gefahr, dass Sie die Klasse mit in den Konflikt reinziehen. Teilen Sie darum Ihre Persönlichkeit in Lehrkraft und Disziplinator. Setzen Sie beide zur gleichen Zeit ein. Führen Sie als Lehrer den Unterricht ungeachtet der Provokation fort, reagieren Sie weder verbal noch mit Ihren Augen auf die Störung, sondern bleiben Sie mit Ihren Blicken und der Stimme bei der Klasse. So halten Sie die Aufmerksamkeit bei Ihnen. Als Disziplinator bewegen Sie sich parallel dazu mit Ihrem Körper in Richtung Störung. Dort angekommen, heben Sie Ihre Hand in Richtung Plakat mit den Verhaltensregeln für den Klassenraum, schauen dem Störer kurz, höchstens zwei Sekunden, in die Augen, weisen dann auf das Verhaltensschild und schauen ihm noch mal zwei Sekunden in die Augen. So geben Sie dem Störer ein nonverbales Signal, dass er gegen eine Regel verstößt. Dies hat den Vorteil, dass die Aufmerksamkeit der Klasse weiterhin auf den Unterricht gerichtet ist, weiterhin an Ihre Person gebunden ist, dass dem Störer die gewünschte Reaktion, im Mittelpunkt zu stehen, verwehrt wird und andere Schüler, die sich möglicherweise verbal eingeklinkt hätten, ruhig bleiben.“

Als mich am darauffolgenden Tag in der neunten Klasse Rami während meines Lehrervortrags über die Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871 zum zweiten Mal als Bastard bezeichnete, ließ ich mich nicht wie üblich auf eine verbale Auseinandersetzung ein, sondern fuhr in meiner Persönlichkeit als Lehrkraft unbeirrt mit meinen Ausführungen fort: (…) Gleichzeitig bewegte sich meine Persönlichkeit als Disziplinator langsam, aber unaufhörlich in Richtung Störer. (…) Bei Rami angekommen, hob ich meine Hand in Richtung der Stelle, wo in der Vorwoche noch das Plakat mit den Verhaltensregeln für den Klassenraum gehangen, das man aber in der Zwischenzeit mangels Erfolg wieder entfernt hatte. (…) Für zwei Sekunden schaute ich Rami tief in die Augen – was mir ein Der ist wohl schwul, oder was? sowie lautes Gelächter seiner Mitschüler einbrachte …“

Ja, ob dieser Trick des Disziplinators gewirkt hat und wie bzw. warum, das können Sie natürlich in Stephan Serins Buch auf S. 55 f. nachlesen. Und natürlich gibt es in dem Buch auch noch weitere interessante Geschichten aus der Berliner Schule von heute, es lohnt sich …

Interessieren Sie sich für eine 2005 veröffentlichte Geschichte, in der eine Unterrichtsstörung durch ein Pausenbrot hervorgerufen wurde?

Oder für Fachliteratur zum Thema Unterrichtsstörungen?

Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Schule in Berlin, Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

Nicht nur Aphorismen und Sprüche, auch Geschichten …

Donnerstag, 10. Februar 2011 14:24

Im letzten Blogartikel stand das Thema Aphorismen und Sprüche im Zentrum, heute möchte ich Ihnen eine wunderbare Geschichte an Herz legen. Sie trägt den Titel „Der Prophet und die langen Löffel“.

Ein Rechtgläubiger kam zum Propheten Elias. Ihn bewegte die Frage nach Hölle und Himmel, wollte er doch seinen Lebensweg danach gestalten.

»Wo ist die Hölle ‑ wo ist der Himmel?« Mit diesen Worten näherte er sich dem Propheten, doch Elias antwortete nicht. Er nahm den Fragesteller an der Hand und führte ihn durch dunkle Gassen in einen Palast. Durch ein Eisenportal betraten sie einen großen Saal. Dort drängten sich viele Menschen, arme und reiche, in Lumpen gehüllte, mit Edelsteinen geschmückte. In der Mitte des Saales stand auf offenem Feuer ein großer Topf von brodelnder Suppe, die im Orient Asch heißt. Der Eintopf verbreitete angenehmen Duft im Raum. Um den Topf herum drängten sich hohlwangige und tiefäugige Menschen, von denen jeder versuchte, sich seinen Teil Suppe zu sichern. Der Begleiter des Propheten Elias staunte, denn die Löffel, von denen jeder dieser Menschen einen trug, waren so groß wie sie selbst. Nur ganz hinten hatte der Stiel des Löffels einen hölzernen Griff. Der übrige Löffel, dessen Inhalt einen Menschen hätte sättigen können, war aus Eisen und durch die Suppe glühend heiß. Gierig stocherten die Hungrigen im Eintopf herum. Jeder wollte seinen Teil, doch keiner bekam ihn. Mit Mühe hoben sie ihren schweren Löffel aus der Suppe, da dieser aber zu lang war, bekam ihn auch der Stärkste nicht in den Mund. Gar zu Vorwitzige verbrannten sich Arme und Gesicht oder schütteten in ihrem gierigen Eifer die Suppe ihren Nachbarn über die Schultern. Schimpfend gingen sie aufeinander los und schlugen sich mit denselben Löffeln, mit deren Hilfe sie ihren Hunger hätten stillen können.

Der Prophet Elias fasste seinen Begleiter am Arm und sagte: »Das ist die Hölle!«

Sie verließen den Saal und hörten das höllische Geschrei bald nicht mehr. Nach langer Wanderung durch finstere Gänge traten sie in einen weiteren Saal ein. Auch hier saßen viele Menschen. In der Mitte des Raumes brodelte wieder ein Kessel mit Suppe. Jeder der Anwesenden hatte einen jener riesigen Löffel in der Hand, die Elias und sein Begleiter schon in der Hölle gesehen hatten. Aber die Menschen waren hier wohlgenährt und man hörte in dem Saal nur ein leises, zufriedenes Summen und das Geräusch der eintauchenden Löffel. Jeweils zwei Menschen hatten sich zusammengetan. Einer tauchte den Löffel ein und fütterte den anderen. Wurde einem der Löffel zu schwer, halfen zwei andere mit ihrem Esswerkzeug, so dass jeder doch in Ruhe essen konnte. War der eine gesättigt, kam der nächste an die Reihe.

Der Prophet Elias sagte zu seinem Begleiter »Das ist der Himmel!«

(Quelle: Peseschkian, Nossrat: Der Kaufmann und der Papagei. Fischer 1979)

“Nossrat Peseschkian“ (1933 – 2010) war Facharzt, Psychiater, Psychotherapeut und Begründer der „Positiven Psychotherapie“. Die Verwendung von Geschichten und Lebensweisheiten in der Psychotherapie war einer seiner Arbeitsschwerpunkte.

Peseschkian verwendete Geschichten als Lehrstücke und Gleichnisse zur Lebenshilfe, die jeder seinen eigenen Bedürfnissen anpassen kann. In diesem Sinne sind die Geschichten natürlich auch für die Schule zum Thema „Soziales Lernen“ ein unvergleichlicher Schatz !!!

Sicherlich haben Sie gleich verschiedene Ideen, wie und wo die Geschichte von den „langen Löffeln“ eingesetzt werden kann …

Alles Gute dafür wünscht Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor: