Beiträge vom Mai, 2011

Motivationsförderung im Pubertätsalter

Montag, 30. Mai 2011 7:57

Motivationsförderung ist eine zentrales Thema der Pädagogik. Besonders im schulischen Bereich stehen Lehrerinnen und Lehrer oft vor der Herausforderung, ihre Schüler für den Lernstoff motivieren zu wollen. Es ist daher allgemein bekannt, dass Motivation für den Schulunterricht in der Phase der Pubertät vielen Jugendlichen schwer fällt.

Dennoch ist die in der Pubertät stattfindende Entwicklung von Bedeutung für den späteren persönlichen und beruflichen Lebensweg eines Jugendlichen. Daher ist es hier besonders wichtig, dass Jugendliche Bezugspersonen haben, die ihnen ihr Potenzial und ihre Entwicklungsperspektiven aufzeigen. Im Übrigen verbringen Jugendliche einen Großteil ihrer Zeit in der Schule. Ihre Lehrer sind also über viele Jahre hinweg Personen, die sie in ihrer Entwicklung begleiten und Bezugspersonen sein können.

Diese große Ressource an Beziehungspotenzial und Förderungsmöglichkeiten, insbesondere der Motivation, sind Thema meiner Seminararbeit, die Ihnen am Ende zum Download zur Verfügung steht. Aspekte der Arbeit sind der Unterschied zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation, allgemeine Kennzeichen der Pubertät, die Notwendigkeit der Motivationsförderung durch den Lehrer und beispielhafte Methoden zur Motivationsförderung.

In der psychologischen Motivationsforschung werden intrinsische und extrinsische Motivation unterschieden. Die dem Menschen angeborene und vor allem bei heranwachsenden Kindern zu beobachtende intrinsische Motivation beschreibt Ausubel in seinen Ausführungen über den kognitiven Trieb des Menschen als „Wunsch zu wissen und zu verstehen, Wissen zu beherrschen, Probleme zu lösen und zu formulieren“ (Ausubel 1974, S. 405). Leider wird die intrinsische Motivation eines Jugendlichen des Öfteren durch die geforderten Leistungsnachweise und Lernstoffvorgaben in der Schule gebremst. Hier wird der Unterschied zur extrinsischen Motivation deutlich: sie bezeichnet Motivationsformen, die durch zu erwartende Belohnung, Benotung und Anerkennung des Handels hervorgerufen werden.

Diese und viele weitere interessante Aspekte können Sie hier nachlesen …

Viel Vergnügen!
Anna Müller (Mai 2011)

Thema: Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

Vielfalt ist ergiebig …

Montag, 23. Mai 2011 10:50

Mediation

Die Streitparteien in der Mediation haben unterschiedliche Sichtweisen, sie stammen mitunter aus verschiedenen sozialen Schichten, sind unterschiedlichen Geschlechts, repräsentieren unterschiedliche Kulturen, Lebensstile, Generationen usw. Mediationsverfahren zeigen Erkenntnisse über Unterschiede und Gemeinsamkeiten, Werte und Verhaltensnormen sowie Kommunikationsmuster der Streitparteien. Die Aufgabe der MediatorInnen ist es, für ein gutes Gesprächsklima zu sorgen und dem Gespräch Struktur zu geben, damit sich die MediandInnen auf die Inhalte des Gesprächs sowie auf ihre Bedürfnisse und Emotionen konzentrieren können. Aus Vielfalt ergibt sich hier eine neue Chance.

Mediation in Organisationen hilft die persönliche Ebene zu bearbeiten, aber auch Zusammenhänge auf der Gruppen- und Organisationsebene zu beleuchten. Dadurch können strukturelle Veränderungen thematisiert und Ideen dafür generiert werden.

Diversity Management in Wirtschaftsbetrieben

„Vielfalt ist allgegenwärtig. Ziel eines modernen und zukunftsorientierten Diversity Managements ist es, diese Vielfalt nicht als Erschwernis zu verstehen, sondern die großen Chancen zu erkennen und zu nützen, die sie bieten.“ (Pauser; Wondrak, S. 9)

„Diversity Management ist das Management von Vielfalt. Es nutzt personelle Vielfalt zur Zielerreichung. Größtmögliche Vielfalt ist also nicht ein Ziel an sich, sondern hat den Zweck, die Zielerreichung von Unternehmungen zu unterstützen.“ (Pauser, Wondrak, S. 27)

Vielfalt in Schule – Inklusion

Die Vielfalt der Kinder und Jugendlichen in Schule ist in manchen Großstädten nahezu unübersehbar. Dennoch wird heutzutage immer noch von „Integration“ gesprochen, anstatt die Inklusion zu gestalten. Schulen in Berlin sollen jetzt umdenken und sind auf dem Weg …

Der Begriff der Inklusion entstand Anfang der 1990er Jahre. Eine Erklärung über die Inklusion als wichtigstes Ziel der internationalen Bildungspolitik und ein Rahmen für deren Umsetzung war das Hauptergebnis der UNESCO- Konferenz, die 1994 in Salamanca stattfand:

„Das Leitprinzip, das diesem Rahmen zugrunde liegt, besagt, dass Schulen alle Kinder, unabhängig von ihren physischen, intellektuellen, sozialen, emotionalen, sprachlichen oder anderen Fähigkeiten aufnehmen sollen. Das soll behinderte und begabte Kinder einschließen, Kinder von entlegenen oder nomadischen Völkern, von sprachlichen, kulturellen oder ethnischen Minoritäten sowie Kinder von anders benachteiligten Randgruppen oder -gebieten.“ Salamanca Erklärung

Die UNESCO-Erklärung führt aus, dass Regelschulen mit Inklusiver Pädagogik das beste Mittel sind, um diskriminierende Haltungen zu bekämpfen, um Gemeinschaften aufzubauen, die alle willkommen heißen, um eine integrierende Gesellschaft aufzubauen und um Bildung für alle zu erreichen.

Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung hat im Januar 2011 ein Konzept zur Umsetzung der UN-Konvention in der Berliner Schule vorgelegt. Marzahn-Hellersdorf hat sich mit INKA (Inklusion auf dem Weg) bereits bewegt.

Buch zum Thema

Über Diversity Managment gibt es jetzt ein absolut lesenswertes Buch aus dem Österreichischen Facultas Verlag. Obige Gedanken sind großteils diesem Buch entnommen. Von Norbert Pauser und Manfred Wondrak herausgegeben ist das „Praxisbuch Diversity Management“ optisch unglaublich ansprechend und inhaltlich äußerst reich und informativ. Wem die oben stehende Einblicke in das Thema „Management von Vielfalt“ nicht ausreichen, der tut gut daran, sich dieses Buch zu besorgen. Es wird nicht mehr lange dauern, da ist es auch in Deutschland absolut notwendig, ein gutes Diversity Management zu haben – in Schulen und anderswo …

Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Soziales Lernen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

Nach dem Krach dort auf den Hügeln

Donnerstag, 19. Mai 2011 8:46

will ich mich mit Hugo prügeln.
Erst ein Stoß und dann ein Tritt!
Ich bin sauer, gitt-igitt!
Immer muss der Doofi petzen,
unsern Lehrer auf mich hetzen …

Das ist ein Gedicht zum Thema „Wut“. Wut, das ist neben der Trauer, der Angst und der Freude eines der absoluten menschlichen Grundgefühle. Nach Wikipedia ist die Wut eine sehr heftige Emotion und häufig eine impulsive und aggressive Reaktion, ausgelöst durch eine als unangenehm empfundene Situation oder Bemerkung. Gegenüber dem Ärgern besitzt die Wut ein höheres Erregungspotential. Im Gegensatz zum Zorn ist die Wut näher dran am eigenen Ich.

Die Entstehung von Wut wird psychologisch analog zur Entstehung von Aggression erklärt. Die Triebtheorie von Sigmund Freud geht vom angeborenen Aggressionstrieb aus. Die Frustrations-Aggressions-Theorie sieht Aggressionen als Reaktionen auf Frustration und dementsprechend die Wut als Abreaktion der Aggression. Die Lerntheorie nach Albert Bandura stellt Aggression als erlerntes Verhalten und als Verhaltensmuster dar, das durch bestimmte Erfahrungen und das Lernen von Vorbildern antrainiert werde.

Immer wieder und immer häufiger gibt es Kids, die in bestimmten Situationen sehr aggressiv reagieren. Meist haben sie nicht gelernt mit eigenen und fremden Gefühlen gut umgehen zu können. Mit anderen Worten: Diese Kinder haben absoluten Nachholbedarf im Bereich des Umgangs mit Emotionen. Bereits vor langer Zeit hat Daniel Goleman den Begriff der Emotionale Intelligenz geprägt und darüber ein Fachbuch geschrieben.

In diesem Buch unterscheidet er fünf Kompetenzen, die Bestandteile der Emotionalen Kompetenz sind: eigene Gefühle erkennen und akzeptieren, Gefühle so handhaben dass sie der Situation angemessen sind, Emotionen beeinflussen um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, Empathie empfinden können, Beziehungen befriedigend leben können.

Howard Gardner (Psychologe an der Harvard School of Ecudation) prägte die dazu wichtigen Begriffe „Interpersonale Intelligenz“ und „Intrapersonale Intelligenz“ (Gardner, Howard: Multiple Intelligences: The Theorie of Practice. New York: Basic Books 1993.): Interpersonale Intelligenz ist die Fähigkeit, andere Menschen zu verstehen: was sie motiviert, wie sie arbeiten, wie man kooperativ mit ihnen zusammenarbeiten kann. Intrapersonale Intelligenz ist die entsprechende, nach innen gerichtete Fähigkeit. Sie besteht darin, ein zutreffendes, wahrheitsgemäßes Modell von sich selbst zu bilden und mit Hilfe dieses Modells erfolgreich im Leben aufzutreten.

Es scheint heute eindeutig, dass Emotionales Lernen einen Teilbereich des Sozialen Lernens darstellt und ein guter Umgang mit Agression und Wut in früher Kindheit oder auch später „erlernt“ werden kann. Ein wunderbares Buch, um konstruktive Bewältigungsprozesse von Wut und Aggression in Gang zu setzen, bietet das Buch “Spiele zum Umgang mit Aggressionen“ von Rosemarie Portmann. Dieses Buch enthält 152 einfache, aber auch komplexere Übungen für Kinder und Jugendliche. Es soll die Fähigkeit trainiert werden, wütende und aggressive Impulse beherrschen zu lernen und befriedigende Beziehungen zu anderen aufzunehmen und aufrecht erhalten zu können. Auch die Fähigkeit und Bereitschaft, konstruktives und friedfertiges Konfliktlösungsverhalten zu praktizieren, soll durch die Übungen gefördert werden. Für jede Gelegenheit und jede Gruppe findet man in der Vielfalt der vorgeschlagenen Übungen eine geeignete und passende.

Das obige Gedicht ist übrigens der Übung „Gesammelte Wut“ (Buch S. 24) entnommen., und die Übung Nr. 37 „Ärgernisse“ möchte ich Ihnen im folgenden zur Nachahmung empfehlen:

Jedes Kind schreibt auf, was es in einer bestimmten Situation oder im Umgang mit bestimmten Personen am meisten ärgert. Anschließend zeichnet es auf ein Blatt Papier einen großen Kreis, in dem die „Ärgernisse“ nach ihrer Bedeutung als größere oder kleinere Segmente eingetragen werden.

Die Zeichnungen werden zunächst in Kleingruppen, zum Schluss in der Gesamtgruppe verglichen und diskutiert. Die Gruppe erfährt auf diese Weise vielleicht, wodurch sich einzelne geärgert fühlen – und aggressiv reagieren – und was alle ärgert und deshalb ganz dringend geändert werden muss. (Buch S. 43)

Natürlich können Sie diese Übung auch alleine oder im Team durchführen.
Alles Gute dafür wünscht Ihnen Christa D. Schäfer

Emotionen lösen Farben aus und Farben lösen Emotionen aus …..

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Ein Buch über die Mediation als systemisch orientierten Prozess …

Montag, 16. Mai 2011 6:48

Für systemisch orientierte Beratungsprozessen lässt sich u.a. folgender Sprachgebrauch finden:

Die Interventionsarchitektur eines Beratungsprozesses bestimmt den Rahmen und die Struktur des Prozesses. Sie beeinflusst, dass etwas geschieht und was passiert. Eine Mediation ist in diesem Sinne eine Interventionsarchitektur.

Mit dem Interventionsdesign wird entschieden, wie das architektonische Gebäude im Inneren ausgestattet ist: Wie ist der Zeitrahmen für die Mediation, wie die Räume, worum geht es …

Mit dem Begriff der Tools sind die vielfältigen Werkzeuge gemeint, die im jeweiligen Kontext des Designs und der Architektur eingesetzt werden. Je mehr Werkzeuge und Wissen über Werkzeuge für den Bereich der Mediation zur Verfügung stehen, desto flexibler können die Tools genutzt werden und desto besser können die Mediationssitzungen gelingen.

„Mediation als Wendepunkt in Beziehungen“, das ist ein Buch von Ernst Feistauer und Marcella Zauner-Grois, das sowohl für Mediationsanfänger interessant ist, als auch für erfahrene MediatorInnen selber viele spannende Aspekte bietet. Neben Hinweisen zur Mediations als Interventionsarchitektur sowie zum Design von Mediation stehen vorallem viele Interventionen und Tools selber im Zentrum dieses Buches aus dem Facultas Verlag. Da das Buch einem humanistischen Weltbild verpflichtet ist und die kybernetische Systemtheorie sowie die konstruktivisische Erkenntnistheorie als wichtig anerkennt, werden vorallem systemische Techniken mit ihrer Nutzung im Mediationsbereich beschrieben.

Neben der Sprache als Universalintervention für alle Phasen reichen die Themen dabei bis zur Methode der Musterunterbrechung und bis zu Kapiteln über Hindernisse, Fokussierung, Ressourcen und Optionen. Eine gelungene Intervention bildet nach Feistauer und Zauner-Grois die Brücke zwischen der Selbstorganisation von Menschen und der Unterstützung bzw. Hilfestellung von außen.

Mit einigen der vorgestellten Interventionen arbeite ich oft und gerne in der Mediation, mit einigen anderen bisher weniger. Von der Intervention: „Die besten aller Welten“ hatte ich bisher sogar noch nie etwas gehört. Sie ist an ein Modell von Johan Galtung angelehnt, und nach Galtung ist ein Kopromiss eine recht fantasielose Regelung für einen Konflikt, denn eine wirkliche Lösung sollte die Elemente Konsens und Versöhnung beinhalten – erst dann kann diese Lösung auch nachhaltig zu etwas Neuem führen.

So anregend die Beschreibungen der in der Mediation einsetzbaren systemischen Tools sind, so spannend ist auch das Ende des Buches, denn neben einigen Fallbeispielen wird im Ausklang auch die Frage beleuchtet, was eine „gelungene Mediation“ ist. Bislang habe ich ich eine Antwort auf diese Frage so klar und deutlich noch nirgendwo lesen können, deshalb möchte ich sie hier vollständig zitieren:

„Eine Mediation ist gelungen, wenn die Beteiligten einen Weg gefunden haben, ihre Beziehungsgestaltung neu zu ordnen oder neu zu definieren. Diese Veränderung findet auf allen Ebenen statt: im Denken, im Fühlen und im Handeln. Eine bisher schwierige Beziehung erfährt einen Wendepunkt dahingehend, dass sich die Beteiligten von bisher kämpferischen oder destruktiven Mustern verabschieden können und sich gemeinsam um eine Lösung bemühen, die möglichst den Bedürfnissen und Wünschen aller gerecht werden kann.“ (Buch S. 178)

In diesem Sinne wünsche ich allen MediatorInnen viele gelingende Mediationen …
Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

Unterrichtsstörungen in der Montessori-basierten Freiarbeit

Montag, 9. Mai 2011 6:03

Gibt es in den Freiarbeitsphasen von Montessorischulen Unterrichtsstörungen?
Wie sehen diese Unterrichtsstörungen dort aus?
Wie kann man Ihnen begegnen?

Die angehende Kunstpädagogin Finja Kruse hat sich diesen Fragen gewidmet und eine interessante Arbeit darüber geschrieben.

Bei der Montessori-basierten Freiarbeit handelt es sich um eine materialzentrierte Form des offenen Unterricht. Ein Schüler bzw. eine Schülerin kann in dieser Unterrichtsform eigenverantwortlich ein Arbeitsmaterial aus der vorbereiteten Umgebung wählen und entscheiden, welches Thema er / sie mit welchem Unterthema wann, wie und in welcher Zeitspanne bearbeiten möchte.

Unterrichtsstörungen in Freiarbeitsphasen von Grundschulen, das ist ein Thema, über das bisher noch gar nicht geforscht wurde. Finja Kruse stellt in ihrer Arbeit zunächst die Montessoripädagogik im allgemeinen sowie die Freiarbeit insbesondere vor. Anschließend schafft ein Definitionsblock zum Begriff der Unterrichtsstörungen die zweite Grundlage für die Untersuchung zur Forschungsfrage. Das Interview mit der Montessori-Lehrerin Frau C. zeigt den Blickwinkel einer Lehrerin zum Thema.

Unterrichtsstörungen sieht Finja Kruse in Anlehnung an Rainer Winkel als „Störungen des Unterrichts, wenn dieser unterbrochen oder gar ganz abgebrochen wird und/oder das Lehren und Lernen, für eine oder mehrere der am Unterricht beteiligten Personen unerträglich bzw. nicht mehr möglich ist.“

Unterrichtsstörungen kommen in der von Frau C. durchgeführten Freiarbeit ganz selten vor. Einen Grund dafür sehe sie darin, dass die freie Wahl der eigenen Arbeit bei den Schülerinnen und Schülern zu großem Lerneifer und zur Zufriedenheit führen würde. Kommen doch Unterrichtsstörungen vor, so fragt Frau C. zunächst, was die entsprechenden Kinder arbeiten. Sie bietet ihnen andere Arbeitsmaterialien an und gibt ihnen einen „Entscheidungszeitraum“. Am Ende eines Schultages werden im Abschlusskreis meist die vorgekommenen Unterrichtsstörungen besprochen.

Danke für die Möglichkeit zum Abdrucken der Arbeit
sagt Christa D. Schäfer

Die vollständige Arbeit zum Thema können Sie hier lesen …
(auf den roten Text klicken)

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Lösung von Unterrichtsstörungen durch Gordons Lehrer-Schüler-Konferenz

Unterrichtsstörungen 2010

Thema: Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

Traumatisierte Kinder,

Montag, 2. Mai 2011 7:43

das ist ein Thema, das auch in diesem Blog durchaus seinen Platz finden muss.

Berlin, April 2011

Zwei bislang unbekannte Halbwüchsige (Alter: ca. 11 bis 14 Jahre) rauben einem Elfjährigen auf einem Spielplatz am Halensee dessen Halskette. Anschließend sollen sie ihr Opfer mit einem Messer bedroht haben.

Ein Elfjähriger hat im Berliner Bezirk Wedding mit einer Soft-Air-Pistole auf andere Kinder geschossen, um Geld zu erpressen. Später steckt er dann sogar einem Jungen ein brennendes Streichholz in die Nase.

Im Berliner Bezirk Lichtenrade geht ein siebenjähriger Junge mit einem abgebrochenen Küchenmesser auf einen neunjährigen Jungen los und verletzt diesen im Gesicht. Die Wunde muss genäht werden.

Von 2005 bis 2009 stieg die Zahl der Gewalttaten, bei der unter 14-Jährige die Tatverdächtigen sind, von 1440 auf 1789 Fälle. Die meisten Fälle davon sind Körperverletzung aus, die sich von 1170 Taten auf 1480 erhöht haben. Laut Polizeistatistik 2010 ist die Gesamtzahl der von Kindern begangenen Straftaten im Vergleich zu 2009 gesunken. 2009 gab es 5730 tatverdächtige Kinder, 2010 waren es nur noch 5360, davon 273 unter acht Jahren.

Wie man sich leicht vorstellen kann, ist es gut möglich, dass Gewalt unter Kindern zu einer psychischen Traumatisierung führt.

„Eine traumatische Situation bedeutet für ein Kind eine extreme, existenzielle Bedrohung. Dabei kann das Kind entweder sich selbst sowie seine körperliche und seelische Einheit oder andere Menschen als bedroht erleben. Entscheidend ist, dass das Kind das Gefühl hat, ohnmächtig zu sein und nichts tun zu können, um sich oder den anderen aus der extremen Not herauszuhelfen.“ (Krüger, Andreas: Erste Hilfe für traumatisierte Kinder. Düsseldorf: Patmos Vlg., S. 19)

Das Buch “Erste Hilfe für traumatisierte Kinder”, dem ich diese Definition einer traumatischen Situation entnommen habe, bietet wichtige fachliche Grundlagen zum Thema, beleuchtet Auswirkungen von Traumatisierungen auf das soziale Umfeld und gibt Hinweise zum Umgang mit psychischen Traumatisierungen. Es ist als Einführungsliteratur für LehrerInnen und PädagogInnen absolut empfehlenswert.

In diesem Buch erfahren Sie alles Wissenswerte zum Thema „traumatisierte Kinder“. Sie erfahren, was in den ersten Momenten einer traumatisierenden Situation getan werden sollte und was in der unmittelbaren Folgezeit wichtig wird. Und natürlich können Sie auch über die Haltung lesen, mit der eine Erzieherin oder eine Lehrkraft einem schwer seelisch verletzten Kindern in oder kurz nach der Akutsituation begegnen sollte.

Ach ja, und dann möchte ich Ihnen noch vorstellen, wie einfühlsam und anschaulich Andreas Krüger Kindern den Begriff traumatische Situation erläutert:

„Stell dir mal ein Kaninchen vor, das gerade von einer Katze verfolgt wird. Das Kaninchen kann sich gerade noch in einen Winkel zwischen zwei Steinen retten. Die Katze kann nicht an das Kaninchen ran, aber die Tatze der Katze flitzt die ganze Zeit vor den Augen des Kaninchens hin und her. Das Kaninchen sitzt in einer Falle: Es kann weder weglaufen, noch kann es kämpfen und sich wehren. So eine Situation, die nennt man eine traumatische Situation – wenn ganz große Gefahr da ist ud man absolut gar nichts mehr machen kann und riesige Angst hat. Man könnte das auch „Nichts-geht-mehr Situation“ nennen. Menschen kann es auch so ergehen, wenn sie zuschauen müssen, wie anderen etwas Schlimmes passiert. Wir fühlen ja mit anderen mit, und da kann es Menschen manchmal genauso Angst machen, wenn sie mit zusehen müssen. Das wäre so, als müsste der Bruder von dem Kninchen vom Kaninchenbau aus zusehen und Angst um seinen Bruder haben, der gerade von der Katze gejagt wird. Da ist das kleine Herz vom Kaninchen und seinem Bruder wie schockgefroren: Nichts geht mehr, Wut und vor allem die Tränen sind dann wie eingefroren …“ (S. 120 f.)

Ich hoffe, dass Sie nicht in die Situation kommen, ein traumatisiertes Kind zu betreuen, aber ich hoffe, dass Sie, wenn Sie in diese Situation kommen, das Kind gut unterstützen können.
Christa D. Schäfer

Thema: Allgemein, Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor: