Beiträge vom Juli, 2011

Hühnersuppe für die Seele

Montag, 25. Juli 2011 10:27

A college professor had his sociology class go into the Baltimore slums to get case histories of 200 young boys. They were asked to write an evaluation of each boy’s future. In every case the students wrote, „He hasn’t got a chance.“ Twenty-five years later another sociology professor came across the earlier study. He had his students follow up on the projekt to see what had happened to these boys. With the exception of 20 boys who had moved away or died, the students learned that 176 of the remaining 180 had achieved more than ordinary success as lawyers, doctors and businessmen.

The professor was astounded and decided to pursue the matter further. Fortunately, all the men were in the area and he was able to ask each one, „How do you account for your success?“ In each case the reply came with feeling, „There was a teacher.“

The teacher was still alive, so he sought her out and asked the old but still alert lady what magic formula she had used to pull these boys out of the slums into successful achievement.

The teacher’s eyes sparkled and her lips broke into a gentle smile. „It’s really very simple,“ she said. „I loved those boys.“

Eric Butterworth: Love, the one creative force. In: Canfield, Jack; Hansen, Mark Victor: Chicken Soup for the Soul. 101 Stories to open the heart and rekindle the spirit. Health Communications 1993. S. 2 f.

Dies ist eine Geschichte, die das Herz erwärmt. Sie ist aus dem Buch „Chicken Soup for the Soul. 101 Stories to open the heart and rekindle the spirit.“ Es gibt dutzende Bücher aus der Chicken Soup Serie und in den USA sind sie seit Jahren ein Verkaufsschlager.

„Hühnersuppe für die Seele“ ist auch im Goldmann Verlag auf Deutsch erschienen. Aus dem Vorwort des zweiten Bandes “Noch mehr Hühnersuppe für die Seele“:

„Die Geschichten, die Menschen erzählen, bewirken, daß man sich mit ihnen beschäftigt. Wenn Sie also Geschichten hören, gehen Sie sorgsam damit um. Und lernen Sie, sie dahin weiterzugeben, wo sie gebraucht werden. Manchmal hat ein Mensch eine Geschichte nötiger als Nahrung, um weiterzuleben. Das ist der Grund, weshalb wir diese Geschichten einander erzählen. Auf diese Weise befassen sich die Menschen mit sich selbst.“ Barry Lopez

Zur Geschichte vom Prophet und den langen Löffeln geht’s übrigens hier ….

Weiterhin eine schöne Ferienzeit
wünscht Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

„Good morning class!“

Montag, 18. Juli 2011 10:22

Der Englischlehrer betritt den Klassenraum der 9a. Bis auf einen Schüler erwidern alle die Begrüßung. Peter sitzt auf dem Lehrerstuhl mit einem Cappie auf dem Kopf und den Füßen auf dem Tisch. Die Aufforderung sich auf seinen Platz zu setzen, beantwortet er lustlos: „Vor 10 Minuten wollte ich anfangen, aber jetzt ist es zu spät. Geht´s mal los?“ Mit ruhigen Worten versucht der Lehrer Peter zu überreden die Mütze abzunehmen und den Platz zu wechseln. Doch Peter denkt gar nicht daran seine Position aufzugeben und provoziert immer weiter. Halb lustlos, halb provokant und latent aggressiv reagiert er auf die Bitten des Lehrers, der zunehmend – unter Beobachtung der ganzen Klasse – versagt.

Die Situation gerät außer Kontrolle. Der Lehrer ist ihr nicht gewachsen, gerät unter Stress, macht Fehler und eine Lösung will ihm schon erst Recht nicht einfallen.

In unserem Beispiel ist es nur ein Rollenspiel und unser Lehrer sagt einfach: „Stopp!“ und die Situation des Rollenspiels wird aufgelöst. Aber ähnliche Situationen gibt es jeden Tag in Berliner Klassenzimmern.

Werner Mattausch ist unser Peter und im wahren Leben ist er Experte im Bereich der Gewaltprävention, Anti-Gewalt-Trainer und Polizeibeamter vom „LKA Prä 4“, das im Rahmen der Prävention verschiedene Informationsveranstaltungen und Seminare zum Thema anbietet. Anhand solcher Rollenspiele erklärt er, wie – speziell in der Schule – Aggressionen begegnet werden kann.

Schwierig manchmal, schließlich kann man als Lehrer/-in in der Schule, dem Konflikt nicht einfach aus dem Weg gehen, wie es auf der Straße häufig angeraten wäre. Im Gegenteil wird man durch die Garantenstellung eventuell sogar zum Mittäter, wenn man zum Beispiel bei einer Prügelei nicht reagiert. Aber was macht man denn in als Lehrer in unserem Beispiel und was, wenn ein Schüler sagt, er hätte bei einem anderen eine Waffe gesehen?

Grundsätzlich gilt bei Konflikten mit Aggressionspotenzial:

Seinen eigenen Gefühlen vertrauen
80% der Opfer sagen nachher aus, dass sie vorher das Gefühl hatten, das etwas passieren wird.

Früh handeln
Je länger eine Situation, desto mehr gerät man in eine Spirale aus der man so schnell nicht wieder herauskommt.

Agieren statt reagieren
Täter haben einen „Tatplan“. Diesen gilt es zu durchbrechen, z.b. indem man etwas Unerwartetes tut oder sich Hilfe von außen holt.

Abstand halten / Stopp setzen
Es gibt einen definierten Bereich, die Distanzblase wie Herr Matausch sagt, den jeder zu schützen versucht. Sich diesen Bereich zu erhalten und auch in den Bereich des Anderen nicht ohne Erlaubnis einzudringen, ist einer der wichtigsten Punkte. Deshalb sollte frühzeitig ein „Stopp“ gesetzt werden.

Das alles gilt auch für unsere Situation mit Peter. Eine Lösung könnte sein, ihn sofort in den Fokus zu rücken und ihm das unterrichten zu überlassen; den Spieß umdrehen; sich selbst rausnehmen und den Schüler vor eine Wahl zu stellen. Mattausch sagt, das klappt fast immer. Er sagt aber auch, dass jede Situation anders ist und dass es nicht nur eine Lösung gibt. Jeder Konflikt ist abhängig von den beiden Streitpartnern und ihrer Art und Weise mit dem Konflikt in der speziellen Situation umzugehen. Was für den einen passt, lässt sich von einem zweiten vielleicht gar nicht ausführen. Deshalb sollten solche Situation geübt werden. Eine Möglichkeit sind die Präventionsseminare der „LKA Prä 4“.

Die zukünftigen Kunst- und Musiklehrer, die gerade ihre Ausbildung an der UdK absolvieren, haben jedenfalls durch das Seminar viele Anregungen und gute Verhaltensweisen zum Thema Gewalt für ihre zukünftige Arbeit an den Berliner Schulen mitgenommen.

Letzte Woche gab es in diesem Blog die Vorankündigung zu dieser Veranstaltung, diese Woche den vorliegenden Bericht. Eine schöne Ferienzeit sowie ein ruhiges nächstes Schuljahr ohne viel Gewalt in und um Schule
wünscht Ihnen Dominik Mühe

Thema: Konfliktberatung, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Gewaltprävention – Umgang mit Aggression und Gewalt im Schulbereich

Freitag, 8. Juli 2011 19:43

D.: Du studierst in Berlin und möchtest Lehrerin werden. Inwiefern verfolgst du Berichte über Gewalt in Schulen in den Medien?

F.: Also man kommt ja nicht dran vorbei, aber ich achte schon auch speziell darauf und beobachte ja auch in meiner lebensnahen Umgebung die Bereitschaft von Jugendlichen zu Gewalt. Ich bin teilweise leider nicht mehr so erschüttert, sondern halte das manchmal schon fast für Klischeeentsprechung, aber ich denke, es gibt in jeder Situation eigentlich einen anderen Weg dem zu begegnen oder damit umzugehen, als der, der da so beschritten wird. Einfach sofort so überzureagieren sowohl in Wortwahl und Tonfall. Da geht’s sofort um Respekt und Ehre und Rangfolge und wer da mit wem was machen darf. Das find ich dann schon grenzwertig und da müssen sich nicht erst zwei heftig verprügeln bis man von Gewalt spricht.

D: Kannst du dir vorstellen als Lehrerin Angst zu haben?

F.: Ich denke es gibt Grenzmomente zwischen „das könnt ihr so einfach nicht machen“ und „da fühl ich mich nicht mehr zuständig“, also Fälle in denen man mit zwischenmenschlichen und sozialen Fähigkeiten nicht mehr weiter kommt und vielleicht auch die Polizei holen muss. Ich setz nicht mein Leben aufs Spiel und ich kann sicher nicht zwei 18jährige ohne eigenen Schaden davon abhalten sich zu prügeln.

D.: Wirst du in deinem Studium auf solche Grenzsituationen vorbereitet?

F.: Es wird schon zunehmend thematisiert, besonders die Studierenden stellen häufig die Frage, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollen. Wobei meistens die Fragen zu Motivationsproblemen beantwortet werden. Aber was man jetzt in Situationen macht, in denen jemand aggressiv wird, darauf werden wir nicht explizit vorbereitet, würde ich sagen. Allerdings gibt es ein Seminar zum Thema „Unterrichtsstörungen“, das geht ja in die Richtung, aber wenn ich dann vor der Klasse steh, ist sicher alles wieder neu und darauf kann mich vielleicht auch kein Seminar vorbereiten.

Im Sommersemester 2011 fand an der Universität der Künste ein Seminar zum Thema “Gewalt und Gewaltprävention in Schule” statt. Das Seminar beschäftigte sich eingangs mit Definitionen und Erklärungsmodellen für Aggressionen und Gewalt, um dann vertiefend auf verbale Gewalt, Mobbing und der in letzter Zeit viel diskutierten neuen Form des Cyber-Mobbings einzugehen. Am Ende des Semesters standen nun noch die Themen „School-shooting“ und „Gewalt an Schulen“ und Möglichkeiten der Prävention.

Als Ergänzung nimmt das Seminar ein Angebot des Landeskriminalamts Berlin (LKA Präv 4 / Anti-Gewalt-Projekt) wahr. Dieses bietet im Rahmen der Prävention verschiedene Informationsveranstaltungen und Seminare zum Thema an, die für die Teilnehmer kostenlos sind. Ziel dieser Seminare ist es, Strategien zum deeskalierenden und gewaltfreien Verhalten in Konflikt- und Bedrohungssituationen zu vermitteln bzw. gemeinsam mit den Teilnehmern zu erarbeiten. Damit soll die Handlungskompetenz und das subjektive Sicherheitsgefühl der an der Veranstaltung Teilnehmenden verbessert werden.

Ein spezielles Seminar für Lehrer und Lehrerinnen und solche die es werden wollen, soll diesen helfen Gefahren in der schulischen Umgebung richtig einzuschätzen und sich in gewissen Situationen richtig zu verhalten, dabei ist die nonverbale Kommunikation genauso wichtig, wie ein „dazwischen gehen“. Mittels verschiedener Rollenspiele sollen Aufschaukelungsprozesse und das eigene Verhalten verdeutlicht werden. Ebenso wird auf rechtliche Fragen geantwortet: Welche Verpflichtungen habe ich als Lehrer? Wann muss ich eingreifen? Was tun bei Bedrohung, Mobbing oder bei einem Waffenfund?

Für die Studierenden eine wichtige Sache, schließlich kann man sich im 1. Semester manchmal nicht vorstellen irgendwann 30 Kinder gleichzeitig zu unterrichten, geschweige denn prügelnde Kinder auseinander zu halten oder gar mit einem Waffenfund zurecht zu kommen.

Wir freuen uns auf diese Möglichkeit der Fortbildung, und wenn Sie mögen, dann besuchen Sie doch ebenfalls ein Seminar! Das nächste Basisseminar zum Umgang mit Aggression und Gewalt im öffentlichen Raum findet übrigens am 24. August 2011 statt. Einen kurzen Bericht zu einer solchen Veranstaltung finden Sie übrigens auch auf diesem Blog …

Dominik Mühe

Thema: Konfliktberatung, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor: