Übungen für Mobbing-nahe bzw. Mobbing-gefährdete Klassen

In letzter Zeit war ich öfters in Klassen eingeladen, in denen es erste Anzeichen von Mobbing gab. Mit diesen Klassen habe ich dann einen Tag lang mehrere Anti-Mobbing-Übungen gemacht. Schade, dass derartige Übungen nicht besonders bekannt sind in Schulen. Um das zu ändern, möchte ich hier mit Ihnen eine meiner Standardübungen für die Klassenstufen 5 bis 8 teilen.

Die Übung heißt „In-Group“, und es ist eine Übung, die verdeutlicht, dass es in Gruppen oft einen bestimmten „Code“ gibt. Beim ersten Durchführen wissen die SchülerInnen oft nicht, worauf die Übung abzielt – die Wirkung und das Ergebnis ist mitsamt der Auswertung am intensivsten. Beim zweiten und dritten Mal macht die Übungen den SchülerInnen viel Spaß, regt jedoch die TeilnehmerInnen eher dazu an, Detektiv zu spielen um den Code herauszubekommen.

Zielsetzung:
SchülerInnen können erfahren, wie sich Mobbing anfühlt / SchülerInnen erkennen, dass es einen Code (ungeschriebene Regeln) in Gruppen gibt / SchülerInnen denken über Gruppen und deren Code nach
Sozialform: Kreisgespräch
Dauer: 20 bis 45 Minuten
Material: keines notwendig
Vorbereitung: kaum

Ablauf:
Es werden drei SchülerInnen gefragt, ob sie ein „Experiment“ mitmachen wollen; diese SchülerInnen werden dann gebeten, kurz vor die Türe zu gehen.

Die restliche Gruppe wird darüber informiert, dass es im Klassenraum jetzt um ein Gespräch über ein bestimmtes Thema geht und sie jetzt die „In-group“ sind. Zusammen mit dieser Gruppe wird ein Thema ausgewählt, z.B. stellen sich alle vor, eine gemeinsame Party am kommenden Samstag zu feiern. In dem folgenden Gespräch geht es dann um den Rahmen und die Vorbereitungen zur Party. Weiterhin wird ein Code vereinbart, den alle einhalten müssen, die mitsprechen wollen. Das Zeichen / der Code kann daraus bestehen, dass sich derjenige, der etwas sagen möchte, kurz in den Haaren wuschelt bevor er etwas sagt, oder sich kurz am Ohrläppchen zieht oder die Beine überschlägt oder den kommenden Satz mit „äh“ einleitet. Die In-group weiß, dass von den Dreien, die jetzt bald wieder reingeholt werden, nur diejenigen mitsprechen dürfen, die diesen Code kennen und befolgen.

Die Gruppe außen erhält ebenfalls kurz eine Einweisung in Ihre Rolle. Sie wissen, dass Sie jetzt anschließend in den Raum kommen und die Gruppe im Raum über ein bestimmtes Thema sprechen möchte. Sie wissen, dass sie nur mitreden dürfen, wenn Sie einen geheimen Code befolgen, den sich die Gruppe im Klassenraum gewählt hat. – Wichtig ist es, der Gruppe außerhalb des Raumes nicht zu viel zu verraten, aber die Aufgabenstellung dennoch gut deutlich zu machen.

Auswertung:
Im Auswertungsgespräch sollten Fragen diskutiert werden wie:
Wie geht es denjenigen, die mitreden wollten, aber nicht durften?
Wurde der „Code“ herausgefunden? Wie?
Hat jemand resigniert? Wie haben sich einzelne verhalten? Wie gefühlt?
Wie ist die Übung verlaufen? Was macht Spaß an der Übung?

Quelle:
jetzt Ch.Schäfer, ursprünglich?

Interessant ist, dass die Übung „Spaß“ macht und dass einige Schüler sich richtig „gemein“ und „daneben“ benehmen während der Übung. Interessant ist auch, dass einige SchülerInnen die Übung gar nicht aushalten können und am liebsten rausgehen würden aus Ihrer Rolle bzw. dass sie ganz still werden.

Und immer gut zu wissen für Lehrkräfte: Dies ist keine Übung, die man mal so eben nebenbei macht. Sie erfordert vielmehr bereits ein großes Gespür für die Klasse, für die SchülerInnen der Klasse und für das Klassengefüge. Ganz leicht kann mit dieser Übung nämlich auch „Schaden“ angerichtet werden.

Gut aber auch zu wissen, dass diese Übung in den Köpfen und Herzen der teilnehmenden SchülerInnen viel bewegt und darum wegweisend sein kann …

Kennen Sie schon den Berliner Anti-Mobbing-Koffer?

Interesse an weiteren Übungen zur Mobbingprävention?
Schon jetzt für Klassen buchbar und demnächst auch für LehrerInnen und SozialpädagogInnen …

Christa D. Schäfer

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Datum: Montag, 16. April 2012 7:14
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