„Aus psychologischer Sicht erscheinen Mediation und Psychologie geradezu untrennbar miteinander verbunden – bieten doch alle Phasen des Verfahrens Anknüpfungspunkte für psychologische Kompetenzen unterschiedlicher Art bzw. erfordern diese sogar …“ (Ittner, Heidi: Grundfragen der Mediation aus psychologischer Sicht. In: Althammer, Eisele, Ittner, Löhnig: Grundfragen und Grenzen der Mediation. Frankfurt a.M.: Wolfgang Metzner Verlag 2012. S. 50)

Dem kann ich nur zustimmen. Einerseits ist die Psychologie als theoretischer Input, andererseits ist psychologisches Know How von absolutem Vorteil für die Mediation!! Ittner veranschaulicht ihre Aussage anhand drei zentraler Elemente in der Mediation: des Konfliktes an sich, der Person des Mediators / der Mediatorin und der Interaktion zwischen MediatorIn und Medianden.

Zu jedem dieser drei Punkte könnte man ganze Bücher schreiben. Da ich derzeit stark in der Ausbildung von MediatorInnen tätig bin, interessiert mich persönlich gerade besonders die Person des Mediators bzw. der Mediatorin. Ein Mediator / eine Mediatorin benötigt verschiedene Kompetenzbereiche. Zu den eher allgemein zu fassenden Kompetenzbereichen gehört nach Ittner die emotionale Intelligenz sowie die emotionale Stabilität, ein hoher Reflexionsgrad und ein sicheres Auftreten bei gleichzeitig authentisch wertschätzender Haltung. Neben Fertigkeiten, die einen flexiblen Umgang mit verschiedenen Techniken und Wissensbeständen während einer Mediation ermöglichen, sind weitere grundlegende Kompetenzbereiche nach Ittner für einen „guten Mediator bzw. eine gute Mediatorin“ wichtig:

„Vertrauen aufbauen: Prinzipien der Verfahrensgerechtigkeit, Offenheit, Echtheit und Wertschätzung, Empathie, sicheres und gleichzeitig umsichtiges Auftreten

Probleme bewältigen: Konflikte strukturieren und verständlich herausarbeiten, effiziente, wertschätzende Führung, vernetztes und systemisches Denken, Fachwissen

Lösungen finden: Denken in Alternativen, Kreativität, Motivation der Medianden

Ergebnis evaluieren: methodisches Wissen, strukturiertes Vorgehen über den gesamten Verlauf hinweg“
(ebenda, S. 52)

Leider gibt es bisher noch viel zu wenig Forschungarbeiten zum Thema „Mediation und Psychologie“ oder soll ich sagen zum Thema „Psychologie und Mediation“ ?!! Und dennoch, so wie das Fachgebiet der Mediation und der Mediationsforschung sich derzeit entwickelt, so wird auch dies nicht lange auf sich warten lassen. Von drei heißen Eisen spricht Heidi Ittner, mit denen MediatorInnen auf psychologischer Ebene in Mediationen konfrontiert werden, mit Machtungleichgewichten, intensiven Emotionen und erlebten (Un)Gerechtigkeiten. Aber lesen Sie selbst …

Grundfragen und Grenzen der Mediation ist ein Buch, das seinen Titel ernst nimmt und das Thema aus juristischer und psychologischer Sicht beleuchtet. Und für Berliner MediatorInnen ist natürlich auch das letzte Kapitel von Martin Löhnig sehr interessant, das über den Neuköllner Friedensrichter und über Bayrische Schülergerichte (Modellversuch) informiert. Ein spannendes Buch: Klein aber „oho“.

Christa D. Schäfer

Übrigens: 48 Konfliktlösungs-Tools finden Sie hier …