Systemische Aufstellungen in der Mediation

In den letzten Jahren wurden die Methoden, die in der Mediation und in der Konfliktbearbeitung eingesetzt werden, immer weiter ausdifferenziert. Erst letzten November schrieb ich hier im Blog über das Buch „Konfliktlösungstools“, das 50 Tools vorstellt und von Peter Knapp herausgegeben wurde.

Jetzt habe ich das erste Buch entdeckt, das sich speziell mit Systemischen Aufstellung in der Mediation beschäftigt. Der Concadora Verlag gibt in Kooperation mit dem Bundesverband Mediation die Buchreihe „Mediation in der Praxis“ heraus. In meinem Blog gab es bereits einen Rezensionsartikel zu einem Buch aus dieser Reihe: „Wie managen MediatorInnen sich selbst? Im Spannungsfeld innerer und äußerer Konflikte“. 2012 ist das Buch „Systemische Aufstellungen in der Mediation“ erschienen, über das ich heute berichten möchte.

Dieses Buch ist das erste, das diese Thematik betrachtet. Der Bogen spannt sich von Systemaufstellungen über das Psychodrama bis hin zum Lebensfluss-Modell und der Arbeit mit Bodenankern. Die im Buch benannten Beispiele umfassen Mediationen vom familiären Kontext über Team- und Gruppenkonflikte bis zur politischen Konfliktberatung. – Insgesamt wahrscheinlich eher kein Buch für Anfänger in der Systemik, aber ein Buch mit hohem Gewinn für MediatorInnen, die bereits einen ersten Einblick in die Systemische Arbeitsweise erhalten haben.

Der systemische Blick auf Konflikte:

„Man muss zu Konflikten auch noch etwas sagen. Konflikte haben ja einen hohen Ordnungsaspekt oder eine hohe Ordnungsfunktion oder sind Kristallisationspunkte für soziale Ordnungen. Es gibt ja bestimmte Konfliktkonstellationen (…) wenn der wegfällt, gibt es eine totale Irritation, denn man hat nicht mehr den bösen Feind auf der anderen Seite.“

Mathias Lauterbach im Gespräch mit Erwin Ruhnau und Rudi Ballreich. Artikel: Aufstellungen: Die transpersonale Sprache sprechen und verstehen lernen. In: Ruhnau, Erwin (Hrsg.): Systemische Aufstellungen in der Mediation. Beziehungen sichtbar machen. S. 141.

System- und Strukturaufstellungen sind lösungsfokussierte, ressourcenorientierte und allparteiliche Interventionssysteme. Oliver Martin berichtet im o.g. Buch über Grundannahmen der Systemischen Strukturaufstellungen (SySt) und schreibt:

„Durch das Aufstellen von RepräsentantInnen werden Anliegen/Themen durch räumliche Darstellung erlebbar. Die von den sogenannten RepräsentantInnen stellvertretend empfundenen Phänomene in der Aufstellung werden als repräsentierende Wahrnehmung verstanden. Diese repräsentierende Wahrnehmung wird als Sprache aufgefasst, die über die verbale wie auch non-verbale Sprache der einzelnen RepräsentantInnen hinausgeht und als transverbale Sprache verstanden wird. Das SySt-Verständnis geht nicht davon aus, dass DAS System aufgestellt wird, sondern dass die Struktur (Muster, Wirkkräfte) von Systemen aufgestellt wird. (…) Durch Umstellungen und andere Interventionen (Prozessarbeit) wird Schritt für Schritt ein Lösungsbild erarbeitet, das für alle RepräsentantInnen einen wesentlichen Ressourcenzuwachs erbringt.“

Martin, Oliver: Von kalten Konflikten zu Energie in der Zusammenarbeit. Systemische Strukturaufstellungen und intuitive Methoden in der Beratung eines Führungskreises. In: Ruhnau, Erwin (Hrsg.): Systemische Aufstellungen in der Mediation. Beziehungen sichtbar machen. S. 58f.

Ich habe vor Jahren eine Ausbildung als Systemische Beraterin absolviert und nutze deshalb gerne das Systembrett in meinen Supervisionen, und zunehmend mehr auch in den von mir durchgeführten Mediationen. Manchmal ist die Luft dann zum Zerreißen gespannt und man könnte eine Stecknadel fallen hören. Immer jedoch sind die Supervisanden oder Medianden berührt und sehr aufmerksam.

Haben Sie Erfahrung in und mit Systemischen Strukturaufstellungen ?!

Christa D. Schäfer

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Datum: Montag, 3. Juni 2013 18:27
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7 Kommentare

  1. 1

    Wie wahr, wie wahr: “… Konflikte haben ja einen hohen Ordnungsaspekt oder eine hohe Ordnungsfunktion oder sind Kristallisationspunkte für soziale Ordnungen. Es gibt ja bestimmte Konfliktkonstellationen (…) wenn der wegfällt, gibt es eine totale Irritation, denn man hat nicht mehr den bösen Feind auf der anderen Seite.“
    Tja, wer sich weigert, ein Feind zu sein hat’s bei so manchem Menschen schwer…

  2. 2

    ja, und da versteht man dann auch,
    warum manche konflikthafte Systeme so “hartnäckig” sind …

  3. 3

    Guten Abend zusammen.

    Wie immer – lese ich Ihre Beiträge und finde sie nach wie vor immer spannend zu lesen.
    Aber nein, ich habe keine Erfahrungen in Systemischen Strukturaufstellungen. Aber mir fiel etwas zu dem zitierten Satz von Frau Lorenz ein, das mich beschäftigte:
    Es ist doch eine Möglichkeit, dass die Seele durch die ständigen (gewollten) Konflikte etwas bekommt (vielleicht an innerer Zuwendung), dass sie nicht bekommt, wenn wir “vor uns hin leben”.
    Etwas, nachdem sie hungert und das man ihr nur zugesteht, wenn wir ein konfliktreiches Gegenüber haben.
    Und wie da rauskommen, wenns an dem ist?
    Vielleicht ist es eine Chance, mal zu schauen, wie man die Seele auch mit diesen wichtigen Bedürfnissen füttern kann, ohne dass wir in einen Konflikt gehen müssen.
    Absprachen treffen?….daran arbeiten, sich regelmäßig gut um sich zu sorgen?
    Dann lernen wir Menschen vielleicht besser, dass wir nicht Konflikte brauchen, irgendwie beachtet und versorgt zu werden.
    Wissen Sie, wie ich das meine? Oder schräg?

    Nachgedacht von
    Luisa

  4. 4

    Hallo Luisa,

    überhaupt nicht schräg !!

    Konflikte können ein System zusammenhalten.
    Besser ein Problem im System haben (ein Problem selber machen),
    als dass das System auseinander bricht …

    “Wenn ich Probleme mache, haben Mutti und Papi wenigstens etwas,
    über das sie sprechen können. Das hält sie hoffentlich zusammen.”

    Ja, und besser negative Aufmerksamkeit als gar keine.

    “Mist, keiner achtet auf mich.
    Wenn ich aber wieder in die Hosen pullere,
    dann müssen sie sich mit mir beschäftigen.”

    Ja, Eltern zu sein ist eine hochverantwortungsvolle Aufgabe.
    Ich wünschte alle Eltern würden dies ernst genug nehmen
    und dennoch mit Freude bei der Sache sein …
    Christa Schäfer

  5. 5

    Ja, das verstehe ich.
    Danke fürs Feedback.

    Ich wiederum habe natürlich nur an Erwachsene gedacht – die sich so oft Konflikte “selber” schaffen.

    Es gilt also für alle Bereiche.

    Viele Grüße und einen schönen sonnigen Sonntag.
    Luisa

  6. Berthild Lorenz
    Sonntag, 9. Juni 2013 11:52
    6

    Ja, ja, “Reibung erzeugt Wärme” lernt Mensch in Physik…
    Doooooch, das ganze Leben ist schräg – mit den Augen zwinkernd schreib ich das – falls wir nicht wegrennen sind wir doch immer und immer am Ausbalancieren miteinander…
    Ob ich das Verhalten eines anderen Menschen als problematisch bewerte liegt an meinem höchst persönlichen Blickwinkel. Es gibt auch die Möglichkeit einfach anzuerkennen, dass da ein Mitmensch einen ihm zuhörenden Mitmenschen sucht. Früher waren das alltägliche Freundschaftsdienste; heute erlebe ich, dass Mensch in vielen Situationen um einen zuhörenden Menschen zu treffen bei Therapeuten dafür bezahlen muss…
    Mutter werden zu können, ist DAS Geschenk im Leben und zwar auch dann, wenn Gewalt die Grundlage war, kann ich schreiben! Diesem Kind Geborgenheit und Wärme schenken zu können kann etwas unvorstellbar Heilsames im Leben der Mutter sein. Das Kind schenkt auch der Mutter Vertrauen und jedes Mal, wenn sie sich begegnen ein Lächeln, was sie vielleicht vorher nie erlebt hat, bekommt sie nun auf einmal einfach so geschenkt! Als ich selber Mutter war, begann mir meine Mutter unendlich Leid zu tun! Sie hat den ganzen Hass, den sie auf den Mann hatte durch den ich entstanden war, an mir ausgelassen. Sie konnte nicht dieses Wunder das einer Frau geschenkt wird, genießen. Wie armselig war ihr Leben und wie viel Glück hat mir Martin, der in mir herangewachsene Sohn, geschenkt!

  7. 7

    Hallo Frau Lorenz,
    was für bewegende Zeilen.
    Ihnen alles Gute und viel inneren Frieden
    wünscht Christa Schäfer

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