Vor Jahren habe ich eine Ausbildung als systemische Beraterin gemacht, seitdem führe ich stets einige systemische Beratungen pro Jahr durch. Von Zeit zu Zeit schreibe ich auch hier in diesem Blog über systemische Themen, zum Beispiel über

Über den systemischen Lehrer habe ich bisher noch nicht geschrieben. Das möchte ich heute gerne nachholen, und dazu passend das Buch Der systemische Lehrer von Jürgen Pfannmöller aus der Reihe „Spickzettel für Lehrer“ vom Carl-Auer Verlag vorstellen.

„Systemisch orientierte Pädagogen können sich ruhig und entspannt zurücklehnen, wohl wissend, dass sie selber ‘Fragende’ sind – Fragende bezüglich passender Antworten auf die sich stets wandelnden und neu entstehenden Konfliktfelder in der Organisation Schule, zwischen Schülern und Lehrern, zwischen Schule und Eltern und auch mit dem politischen Umfeld von Schule.“ (Vorwort der Reihenherausgeber „Spickzettel für Lehrer“ in: Pfannmöller: Der systemische Lehrer. S. 3 f)

Der Autor Pfannmöller schreibt über den systemischen Lehrer: „Der systemische Ansatz blickt darauf, in welchem Zusammenhang (System) ein Problem entsteht und wie es aufrechterhalten wird. Am Beispiel typischer Schulsituationen möchte ich Ihnen Anregungen geben, welche Haltungen und Methoden neue Handlungsmöglichkeiten im System Schule eröffnen.“ (ebenda, S. 10)

Tatsächlich können in dem postkartengroßen 96 Seiten starken „Spickzettel-Büchlein“ verschiedene Grundlagen des systemischen Denkens nachgelesen werden. In der Folge werden systemische ‘Methoden’ vorgestellt: die Musterunterbrechung, die Teilearbeit, die Arbeit mit Glaubenssätzen, paradoxe Interventionen, die Methode Rollenspiel mit Elementen der systemischen Aufstellung und vieles mehr. Lebensnahe Geschichten aus dem Schulalltag verdeutlichen die vorgestellten theoretischen Aspekte, schlagen die Verbindung zur Schule und verdeutlichen Vorgehensweisen eines „systemischen Lehrers“. Erstaunlich, wie viele Anregungen in solch einem kleinen Büchlein Platz haben !!

Besonders hat mich das Kapitel „Konflikte lösen“ interessiert, das sich u.a. mit den Mechanismen des Dramadreiecks und den daraus folgenden Verstrickungen beschäftigt.

Das Dramadreieck ist ein psychologisch-soziales Modell von Stephen Karpman. Beheimatet in der Transaktionsanalyse beschreibt es ein systemisches Beziehungsmuster zwischen mindestens zwei Personen, die darin drei Rollen einnehmen können: Täter, Opfer und Retter.

In vielen Konflikten kann man diese verschiedenen Rollen finden. In verschiedenen Beziehungen oder Situationen befindet man sich meist in verschiedenen, wechselnden Rollen. Dennoch fühlen sich manche Menschen in ihrem Leben auf eine dieser Rollen festgeschrieben und / oder suchen bzw. finden diese Rolle. Andere Menschen erleben, dass sich binnen Sekunden die Rollen in einem Konflikt ändern können und aus einem Opfer ein Täter wird oder aus einem Täter ein Opfer oder aus einem Retter ein Opfer oder auch ein Täter.

Auch in der Schule gibt es Beziehungskonstellationen, die der Ordnung des Dramadreiecks folgen. Schülerinnen und Schüler können nach Anregung des Autors Pfannmöller im Rollenspiel das Dramadreieck erleben. Gerne möchte ich hier eines der Rollenspiele vorstellen:

Der Partyflirt
Beziehungskonstellation nach dem Drama-Dreieck

Die Rollen: A Freund / B Freundin / C Partyflirt / D Zeuge/Petze

Die Geschichte: A und B sind ein Liebespaar. Auf einer Party verschwinden plötzlich B und C von der Tanzfläche sonst wohin. Nach geraumer Zeit betreten beide wieder das Geschehen und treffen auf A. Beide sehen ziemlich strubbelig und zerzaust aus. Der ansonsten immer akkurat aufgetragene Lippenstift ist verschmiert. A äußert den begründeten Verdacht, dass B ein „falsches Spiel“ spielt. Es mischt sich D ein, der sagt, alles gesehen zu haben. (ebenda, S. 57)

Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Rollenspiel in Schulklassen oder in Konfliktlotsenausbildungen gut ankommt und für viel Diskussion und Wirbel sorgt. Wenn Schülerinnen und Schüler das Dramadreieck theoretisch verstanden haben und sogar Erfahrungen damit im Rollenspiel gemacht haben, erkennen Sie leichter solche Muster im real life. Sie können dann sogar derartige Situationen überdenken und einfacher „lösen“. Was für ein Gewinn, nicht mehr im Dramadreieck gefangen zu sein …

Danke für die Anregung zu derartigen Rollenspielen im Schulbereich !!
sagt Christa Schäfer