Autorenarchiv

Paul und Anton: Konflikteskalation in der Gruppenarbeit

Donnerstag, 2. Februar 2012 7:35

Paul und Anton gehen beide in die siebte Klasse des Lietzenburger Gymnasiums. Schon bei ihrer ersten Begegnung haben die beiden festgestellt, dass sie nicht sonderlich gut miteinander auskommen: Beide haben starke Persönlichkeiten und sind gerne das Alpha-Tierchen der Klasse. Bisher konnten sie sich gut aus dem Weg gehen, aber für heute hat der Lehrer Gruppenarbeit vorgesehen und hat die beiden – ob absichtlich oder unabsichtlich, ist nicht klar – in eine Gruppe mit noch zwei anderen Jungen, die beide eher ruhig und schwach wirken, gesteckt. Gruppenarbeit war noch nie ein leichtes Thema, ein jeder von uns kennt sie aus der Schule und weiß sehr gut, dass der Idealfall – ein Gespräch, bei dem jeder seine Meinung und sein Wissen kundtun kann, an dem alle etwa gleich beteiligt sind und gleich viel bestimmen – so gut wie nie eintritt oder eintreffen wird. In unserer Situation ist klar: Am vorlautesten sind Anton und Paul. Es dauert nicht lange, und wie es schon beinahe abzusehen war, sind sich die beiden nicht einig, wer im eigentlichen Referat, das Ergebnis der Gruppenarbeit sein soll, die Gliederung vorstellen darf. Die anderen beiden ruhigen Jungen werden schon gar nicht mehr gefragt. Hier ist ganz klar: Das ist ein Kampf der Leithammel und hier soll ein für alle Mal festgestellt werden, WER jetzt hier sein Territorium abstecken wird. Nachdem klar ist, dass beide Jungen die Einführung in das Referat halten wollen, fangen sie heftig an zu debattieren. Anton ruft: “Du kannst doch nichtmal besonders gut formulieren. ICH bin derjenige, dessen Redegewandtheit hier gefragt ist!” und Paul antwortet ebenso laut und aufbrausen: “Das ist gar nicht wahr! Außerdem habe ICH die Gliederung entworfen, ich möchte sie also auch vorstellen. DU hast dabei nichts zu suchen!” Schon bald schaukeln sich die Gefühle der Jungen hoch. Jeder ist überzeugt davon, dass er der eigentlich besser Geeignete für diesen Job ist und greift den anderen an um dies noch deutlicher zu machen. Dazu wird alles verwendet, was den beiden Jungen einfällt, und sie laufen in große Gefahr, etwas wirklich Gemeines zu sagen, das aus dem Spiel Ernst macht. Paul weiß zum Beispiel, dass Anton oft dieselben Kleider trägt, und benutzt diese Information, um Anton zu verletzen. Er ruft: “Ich kann das Referat viel besser einleiten als du. Und außerdem, ich seh’ auch noch besser aus dabei! In einem frisch gebügelten Hemd steh’ ich dann da vorne, und DU, du hättest bestimmt dieselben Klamotten an wie immer, hast du denn etwa keine anderen?” Anton trifft es hart, was Paul gerade gesagt hat. Aber er ist stark, nein, er wird jetzt nicht vor der ganzen Klasse, die inzwischen zuschaut, das Gesicht verlieren! Er beißt die Zähne zusammen und schluckt alle Gedanken an seine Familie, die leider nicht so viel Geld hat, herunter, und konzentriert sich auf seinen Streit mit Paul. Dem wird er es zeigen. Die Gedanken rasen in seinem Kopf, und er ruft: “Dir werd ich es schon zeigen! Wenn du noch einmal so etwas sagst, dann…” – “Dann was!? HÄH?!” Paul ist auch nicht schlecht im Kontern. “Leere Drohungen sind das, was du da sagst…” Die beiden haben längst den tatsächlichen Bezug zu ihrem ursprünglichen Streitsubjekt verloren. Im Vordergrund steht jetzt nur noch, dieses Wortgefecht nicht zu verlieren. Der Lehrer, der eher zaghaft als erfolgreich in die Situation einzugreifen versucht (“eeehh, Kinder, jetzt werdet doch mal wieder ruhig…. hallo…. könnt ihr mir mal zuhören…. eeehh…”), hat schon längst keine Chance mehr gegen das Inferno, das die beiden Siebtklässler inzwischen entfesselt haben. Die ganze Klasse beginnt Partei zu übernehmen, feuert die beiden Streithähne an und liefert neue Ideen für immer härtere Inhalte, die die Beiden sich an den Kopf werfen. Die Situation wird erst unterbrochen, als der Direktor mit roten Kopf in die Klasse platzt. Ihm fallen beinahe die Augen aus dem Kopf – wie kann eine Klasse nur DERART außer Rand und Band geraten? Er donnert mit lauter Stimme über den Lärm hinweg: “RUUUUHEEE!!!!”. Schlagartig tritt Stille ein und alle Köpfe wenden sich zur Tür um. Nur der Lehrer schüttelt immer noch den Kopf über seine undisziplinierte Klasse.

Die beiden Streithähne werden schnell als Verantwortliche für den Tumult identifiziert und zum Direktor gebeten. Als sie zu zweit auf dem stillen Gang vor der schwarzen, bedrohlich hohen Tür darauf warten, hereingebeten zu werden, beruhigen sie sich langsam. Beklemmung macht sich breit. Alle beide wissen, dass sie gemein zueinander waren, und vor allem Paul erkennt jetzt, dass er mit seinem Kommentar über Antons alte Klamotten einen Nerv getroffen hat. Im Streit war das natürlich ein Volltreffer, aber jetzt schämt er sich, so etwas aufgeworfen zu haben. Eigentlich weiß er doch, dass Antons Familie nicht besonders reich ist. Die Kleider, die Anton trägt, haben bestimmt schon seine drei älteren Brüder getragen. Vorsichtig guckt Paul hoch. Anton starrt die gegenüberliegende Wand an. Vielleicht will er gerade nicht denken, oder gar reden. Trotzdem versucht Paul es einfach.
“Du, Anton? … Schon gut, ich will nichts Böses mehr sagen.”
“Ich auch nicht.”
“Jetzt sitzen wir wohl ganz schön in der Klemme, oder?”
“Ja, richtig. Beim Direktor war ich noch nie! Aber irgendwie sind wir wohl auch selbst schuld, hm?”
“Vermutlich. Aber das mit dem Referat war mir echt wichtig! Ich wollte mal meine Note verbessern.”
“Das verstehe ich. Dann will ich auch offen zu dir sein! Nicht meine Redegewandtheit war der Grund, dass ich die Gliederung vorstellen wollte. Ich bin nur bei Referaten immer so aufgeregt und hätte deswegen gern den leichten Einstieg gegeben. Bei einer Gliederung kann ich nicht so viel falsch machen, weißt du, Paul?”
“Ja, das kann ich auch gut verstehen. Außerdem….. wollte ich sagen, dass es gemein von mir war, das mit deinen Klamotten zu sagen. Das war nicht so gemeint.”
“Ist schon okay. Du bist nicht der erste, der das sagt!” So langsam fängt Anton schon fast wieder zu lächeln an. Es tut gut, dass Paul sich entschuldigt hat. “Wenn du möchtest, können wir uns ja ab jetzt bei dem Referat unter die Arme greifen. Ich kann gut formulieren, und du weißt besser über die Inhalte Bescheid.”
“Au ja!” – auch Paul findet es gut, dass sich die beiden nun nicht mehr bekriegen. “Ich glaube, wir wären ein gutes Team.”

“Hhhmm-hhhhmm!” Auf einmal erklingt ein Räuspern hinter den beiden. Erschrocken drehen sie sich um, und sehen Direktor Lange im Türrahmen stehen. Er guckt immer noch sehr streng. Er mustert die beiden Jungen von oben bis unten, die jetzt wieder ganz verschüchtert den Kopf zwischen ihre Schultern schieben und ganz schuldbewusst gucken. “Nun gut. Ich bin mit eurer Lösung einverstanden. Unter einer Bedingung.” Prüfend schaut Direktor Lange beiden Jungen in die Gesichter, die jetzt schon etwas fröhlicher dreinschauen. “Ihr werdet auch die beiden anderen Jungen aus eurer Gruppe akzeptieren und an dem Referat mitarbeiten lassen. Auch sie können eure Gruppe stark machen. Und ihr werdet vor der Klasse erklären, dass euer Verhalten falsch war. Den armen Herrn Grümpel habt ihr wirklich erschreckt.” Ist da etwa ein kleines Lächeln unter dem Rauschebart vom Direktor erkennbar? Die Jungen finden ihn jetzt gar nicht mehr so furchterregend. “Das machen wir!” entscheiden sie.

Nachdem der Direktor sie entlassen hat, gehen die beiden Jungen schweigend nebeneinander zur Klasse zurück. Als Anton die Klinke runterdrücken will, sagt Paul: “Warte!! Wer von uns beiden macht denn jetzt eigentlich die Gliederung?” – “Achja! … Ich glaube, das kann jemand anderes aus unserer Gruppe machen, findest du nicht?” – “Klasse Idee!” Und zufrieden lächelnd betreten die beiden das Klassenzimmer.

Text:
Irina Günther, UdK Berlin

 

Die Geschichte von Paul und Anton ist wahrlich ein Lehrstück zur Konflikteskalation und auch zur Konfliktdeeskalation. Ich habe mit Absicht den Text zur Eskalation in einen einzigen Absatz gesetzt, so kann jede und jeder selber versuchen herauszufinden, wo die nächste der neun Eskalationsstufen beginnt.

Die neun Stufen der Konflikteskalation von Friedrich Glasl:

  1. Verhärtung
    Die Standpunkte verhärten sich und prallen aufeinander. Das Bewusstsein bevorstehender Spannungen führt zu Verkrampfungen. Trotzdem besteht noch die Überzeugung, dass die Spannungen durch Gespräche lösbar sind. Noch keine starren Parteien oder Lager.
  2. Debatte
    Es findet eine Polarisation im Denken, Fühlen und Wollen statt. Es entsteht ein Schwarz-Weiß-Denken und eine Sichtweise von Überlegenheit und Unterlegenheit.
  3. Aktionen
    Die Überzeugung, dass „Reden nichts mehr hilft“, gewinnt an Bedeutung und man verfolgt eine Strategie der vollendeten Tatsachen. Die Empathie mit dem „Anderen“ geht verloren, die Gefahr von Fehlinterpretationen wächst.
  4. Koalitionen
    Die „Gerüchte-Küche“ kocht, Stereotypen und Klischees werden aufgebaut. Die Parteien manövrieren sich gegenseitig in negative Rollen und bekämpfen sich. Es findet eine Werbung um Anhänger statt.
  5. Gesichtsverlust
    Es kommt zu öffentlichen und direkten (verbotenen) Angriffen, die auf den Gesichtsverlust des Gegners abzielen.
  6. Drohstrategien
    Drohungen und Gegendrohungen nehmen zu. Durch das Aufstellen von Ultimaten wird die Konflikteskalation beschleunigt.
  7. Begrenzte Vernichtungsschläge
    Der Gegener wird nicht mehr als Mensch gesehen. Begrenzte Vernichtungsschläge werden als „passende“ Antwort durchgeführt. Umkehrung der Werte: ein relativ kleiner eigener Schaden wird bereits als Gewinn bewertet.
  8. Zersplitterung
    Die Zerstörung und Auflösung des feindlichen Systems wird als Ziel intensiv verfolgt.
  9. Gemeinsam in den Abgrund
    Es kommt zur totalen Konfrontation ohne einen Weg zurück. Die Vernichtung des Gegners zum Preis der Selbstvernichtung wird in Kauf genommen.

zitiert aus: Gugel, Günther: Praxisbox Streitkultur. Tübingen: Institut für Friedenspädagogik 2010. Vgl. dazu ausführlich: Glasl, Friedrich: Konfliktmanagement: Ein Handbuch zur Diagnose und Behandlung von Konflikten für Organisationen und ihre Berater. Bern u.a. 8. Aufl. 2004, S. 218 f.

 
Mein Vorschlag für die Bearbeitung des Themas Konflikteskalation / Konfliktdeeskalation in der Ausbildung von Streitschlichtern bzw. Konfliktlotsen in Schule: Kopieren Sie die Geschichte. Kopieren Sie Stufen der Konflikteskalation. Lassen Sie die SchülerInnen die Stufen der Konflikteskalation den verschiedenen Textpassagen zuordnen. Auf welcher Eskalationsstufe nimmt der Konflikt den Weg zur Deeskalation und warum? Falls Zeit ist, können anschließend Bilder zu den einzelnen Stufen gemalt werden.

Und ähnlich kann man natürlich auch mit der Konfliktdeeskalation im Text umgehen: Fragen Sie Ihre SchülerInnen, was zur Deeskalation in diesem Komflikt beigetragen hat und lassen Sie dies auf ein großes Plakat schreiben, das sie anschließend an die Wand hängen.

Zur Deeskalation finden Sie in diesem Blog bereits eine andere Geschichte, in der beschrieben wird, wie die Schülerin Sabine in einem Konflikt mit ihrem Lehrer deeskalierend kommuniziert …

Herzlichen Dank an Irina Günther zur Abdruckgenehmigung für diesen Text.
Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Konflikte | Kommentare (0) | Autor:

Unterrichtsstörung – Physik siebte Stunde

Mittwoch, 1. Februar 2012 10:12

Es ist an einem ganz normalen Donnerstag. Siebte Stunde Physik, 14.00 Uhr.

Die Schüler tummeln sich unruhig wartend auf dem Gang, stecken ihre Augen noch einmal schnell in die krakeligen Physikformeln und warten. Peng, die Tür springt auf. Der Physiklehrer steht am Anfang des Gangs zum Physiktrakt. „ACHTUNG ER IST DAAA, ER KOMMMT!“, ruft ein Schüler. Es wird mucksmäuschenstill. Geladen wie eine rollende Dampfwalze und mit hochrotem Kopf erreicht der dicke Alte schnaufend den Raum und schließt die Tür auf. Die Schüler stürmen herein, die hölzernen Stühle zerhacken den Boden, die Fenster werden geöffnet und von wütenden Mädchen, die immer frieren, wieder zugeknallt. Der Lehrer kneift seine Augen zusammen. Er denkt sich im Inneren „Na toll, die sehen aber wieder motiviert aus. Und diese drei kleinen blonden frechen Jungs lachen mich doch permanent aus. Ja, die machen sich über mich lustig. Da – da haben wir’s. Schon wieder lachen sie. Und diese Sabine. Wie sie schon wieder gelangweilt und träge da sitzt. Jede Stunde dieses fahle Gesicht. Für nichts zu begeistern. Die hat doch was gegen mich. Die guckt mich jede Stunde so an, als hätte sie was gegen mich. Die guckt mich angewidert an! Das ist kein Spaß. Ich seh’s doch genau, bin doch kein Blinder. Na woll’n wir doch mal sehn, der werd ich’s schon zeigen. Dann woll’n wir mal sehn, wer hier am längeren Hebel sitzt. (Insgeheim grinste Herr Schniedler in sich hinein.) Ohne eine Begrüßung geht der Unterricht auch schon los. „SO“, schreit er und führt mit gereizter und angespannter Stimme fort: „es gibt ja IMMER noch Leute unter euch, DIE MIR JETZT GERNE IHRE HAUSAUFGABEN VORTAGEN, SABINE, AN DIE TAFEL!“

Sabine hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Sie hat es versucht, aber nach zwei Sekunden aufgegeben. Sie hat einfach nichts verstanden. Sie ist ein schüchternes Pferdemädchen. Sie hat es nicht hinbekommen. Sie hat wahllos irgendwelche Formeln aufgeschrieben, um wenigstens etwas im Heft stehen zu haben. Aber, sie hat es wenigstens versucht.

„AUF WAS WARTEST DU, WIR WOLLEN ALLE AUCH IRGENDWANN NOCHMAL NACH HAUSE“. „Ääähm…. Herr.. Herr Schniedler… ich … hab’ das noch nicht so ganz verstanden …“ „WAS GIBT ES DENN DA NICHT ZU VERSTEHN?“, schallt es ungedulig aus ihm heraus, als hätte er durch ein viel zu lautes Mikrophon gesprochen. „Ehm naja …“

„FRECHHEIT, VERSUCH ES DOCH WENIGSTENS, AUF, MACH JETZT. AN DIE TAFEL. MENSCHENSKINDER, HERRGOTTNOCHMAL“ Seine Stimme wirkt mächtig wie ein Donnergrollen. Alle sind ernst, keiner wagt sich mehr zu lachen oder dem Lehrer in die Augen zu sehen. Denn: Anscheinend hatte niemand die Hausaufgaben so richtig verstanden. Und jeder wusste, ein falsches Wort und der Vulkan bricht aus! „ES KANN DOCH NICHT ANGEHN BEI SO EINER LEICHTEN AUFGABE EINFACH NICHTS ZU SAGEN ZU HABEN. MÄDCHEN“ Herr Schniedler stampft wütend mit seinem Bein auf den Boden und es tat einen Schlag! Jeder im Raum erschreckt sich. Die Schülerin, die Sabine, die fängt an zitternd, zu weinen. „DAS IST DOCH JETZT KEIN GRUND ZU WEINEN“, schrie er erboßt, „DU HAST ES EINFACH NICHT GEMACHT, JETZT SIEH ZU, DASS DU DEINEN MUND AUFMACHST“. Ein Schüler ist ergriffen vom Zorn und schreit wutentbrannt: „DAS KANN DOCH NICHT SEIN, DASS EIN LEHRER EINE SCHÜLERIN SO ANSCHREIT, WEIL SIE ETWAS NICHT VERSTANDEN HAT.“ Danach war der Schüler heiser und die Stunde, die Stunde war dahin. Dann meldete sich ein freiwilliger Streber, ein Physik-Ass und löste die Aufgabe.

Einen Tag später geht Sabine, nachdem sie sich mit einer Vertrauenslehrerin beraten hat, in Herrn Schniedlers Sprechstunde.

„Herr Schniedler, mir ist die gestrige Physikstunde nicht mehr aus dem Kopf gegangen, ich weiß nicht wie es Ihnen geht. Auf jeden Fall wollte ich mich entschuldigen, dass ich die Hausaufgaben nicht gemacht habe. Ich habe es ja versucht, aber habe keinen kompletten Lösungsweg gefunden.“

„Sabine, verstehe mich nicht falsch, aber du bist mir schon öfters aufgefallen, dass du Hausaufgaben offensichtlich nicht gemacht hast. Aber wenn du schon Lösungsansätze hast, warum hast du diese denn nicht einfach vorgeschlagen? Das ist doch schon mal ein gutes Zeichen wenn wenigstens jemand ein bisschen was hat.“

„Ganz ehrlich Herr Schniedler, ich hatte den Eindruck, dass sie so extrem gereizt gewesen waren, … da habe ich mich einfach nicht mehr getraut.“

„Jaa, da könntest du recht haben. Weißt du, ich bin immer ganz unterzuckert, weil es die 7. Stunde ist und ich wurde in der großen Pause davor gerade noch zu einem Pausenaufsichtsdienst verdonnert. Und ja, ich hätte nicht so rumbrüllen brauchen. Dafür möchte ich mich entschuldigen.“

„Dann machen wir doch ein Abkommen. Sie sorgen dafür, dass Sie nicht völlig ausgehungert zur Stunde erscheinen und wir versuchen die Hausaufgaben besser zu lösen, unter der Voraussetzung, dass Sie sich Mühe geben und nicht gleich an die Decke gehen, wenn jemand etwas nicht weiß.“

„Ja Sabine, so machen wir es. Ich danke dir, dass du das Thema angesprochen hast. Das zeigt mir, dass dir das Fach nicht ganz egal ist.“

Text:
Melanie Schaum, UdK Berlin

 

Dieser Text ist in meinem Seminar an der UdK zum Thema „Konflikte in und um Schule“ entstanden. Vollkommen realistisch wird im Text die Situation einer Unterrichtsstörung geschildert. Herr Brummig würde sagen: Sabine hat den Unterricht gestört. Die Schüler der siebten Klasse würden sagen: Herr Brummig ist mal wieder total mies drauf und macht scheiß Unterricht.

Der Vertrauenslehrerin aber kommt ein großer Verdienst in dieser Geschichte zu. Sie hat es geschafft, Sabine so aufzubauen, dass diese sich traut zu Herrn Brummig zu gehen und den entstandenen Konflikt gut zu lösen.

Dabei nutzt sie viele Möglichkeiten, die im Konfliktfall deeskalierend wirken:
Sie sucht den Kontakt und das Gespräch mit Herrn Brummig.
Sie verzichtet im Gespräch auf eine anklagende Haltung.
Sie macht ihr eigenes Verhalten transparent.
Sie zeigt Verantwortung für ihr Verhalten.
Sie interessiert sich für die Sichtweise von Herrn Brummig.
Sie nimmt die Interessen von Herrn Brummig ernst.
Sie schlägt eine Lösung vor, die sowohl ihr als auch Herrn Brummig entgegen kommt.

Ob Herr Brummig in der Realität allerdings so zugänglich wäre, wenn Sabine zu ihm kommt, das weiß man nicht. Dennoch könnten sich verschiedene real existierende Lehrer Brummig an Sabines deeskalierender Kommunikation und ihrem konstruktivem Konfliktlöseverhalten ein Beispiel nehmen …

Besten Dank an Melanie Schaum für dieses wunderbar Beispiel
sagt Christa Schäfer

 

Weitere Geschichten zum Thema Unterrichtsstörungen …

Und ein ganzes Buch über Unterrichtsstörungen …

Thema: Kommunikation, Konflikte, Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

Mal wieder Unterrichtsstörungen aus einer deutschen Großstadt

Montag, 30. Januar 2012 8:38

Kennen Sie schon Frau Freitag, eine unerschrockene Lehrerin, die in einer überdrehten und recht leistungsschwachen 9. Klasse einer deutschen Großstadt unterrichtet? Ich kenne sie leider nicht – oder halt, ich kenne viele Frau Freitags, denn das Synonym Frau Freitag könn(t)e für viele Lehrerinnen stehen.

Und diese Frau Freitag, von der ich spreche, die hat ein Buch geschrieben über ihren Alltag in der Schule: „Chill mal, Frau Freitag“, so heißt das Buch. Zwischen Rap und Ramadan battelt sich Frau Freitag durch den Schulalltag ihrer Brennpunktschule. Rat holt sie sich von ihrer Freundin, Frau Dienstag, die ebenfalls Lehrerin ist, oder von Fräulein Krise. Eine Realsatire ist es geworden, in der man Zeuge unfreiwillig komischer Situationen wird – Situationen, die dennoch beispielsweise täglich in Sekundarschulen Berlins zu erleben sind.

Schon öfters habe ich in diesem Blog Literaturauszüge veröffentlicht, in denen es um Unterrichtsstörungen ging, so beispielsweise aus:

Jugend ohne Gott (Ödön von Horváth)
Unterrichtsstörung durch ein Pausenbrot (Frank McCourt)
Föhn mich nicht zu (Stephan Serin)

Und natürlich habe ich auch beim Lesen des Buches von Frau Freitag nach Beschreibungen für Unterrichtsstörungen gesucht. Wie bereits erwähnt, ist das gesamte Buch damit gespickt, und so habe ich mich für eine Passage entschieden, in der es gerade nicht um störende SchülerInnen geht:

Vielleicht sollte man sich einfach mehr mit den unproblematischen Schülern beschäftigen. Die gibt es nämlich auch. Wenn wir über unseren Berufsalltag reden, dann erzählen wir doch immer von den Schwierigen, von den Nervtötern, von den Nixtuern, den Alles-kaputt-Machern. Von den Schülern, mit denen man am meisten Arbeit hat und die einem den Unterricht, den Tag und den Spaß am Beruf zerstören.
Konzentrieren wir uns deshalb einmal auf die netten Schülerinnen und Schüler. Die, deren Namen wir leider am Schuljahresende noch immer nicht kennen oder die wir ständig verwechseln – gerade weil sie nicht stören. Deren Eltern wir nicht kennen, weil wir sie nie anrufen oder zum Gespräch einladen müssen. Überhaupt reden wir nur selten mit den lieben, netten Schülern, weil sie ja immer da sind und alles tun, was man von ihnen verlangt. Sie machen ihre Hausaufgaben, lernen, schreiben gute Arbeiten – was sollte es also zu besprechen geben? Probleme scheinen die nicht zu haben, denn sie tanzen nie aus der Reihe Wenn sie mal eine Stunde oder in einer Miniphase des Unterrichts unkonzentriert sind, dann spreche ich sie schon mal an: „Das bin ich von dir aber nicht gewohnt. Mach nicht so, das ist doch gar nicht deine Art von dir erwarte ich aber mehr.“ Diese Schüler dürfen nicht negativ auffallen, denn sie bilden das wacklige Gerüst, auf dem ich so tue, als fände bei mir geregelter Unterricht statt. Sie müssen immer die perfekten Schüler sein. Sie dürfen sich nicht verändern, dürfen nicht in die Pubertät kommen, schlecht gelaunt sein oder faul oder unverschämt werden.
In meiner Klasse gibt es davon vielleicht sechs oder sieben. Sechs oder sieben Schülerinnen und Schüler, die einfach so funktionieren und um die ich mich so gut wie gar nicht kümmere. Wenn sie einmal mit irgendeinem Problem zu mir kommen, dann fordere ich von ihnen, es auf schnellstem Wege alleine zu lösen. Ich habe keine Zeit, keinen Nerv und keine Lust, mich auch noch intensiv um die lieben, netten Schüler zu kümmern.
Quelle: Frau Freitag: Chill mal, Frau Freitag. Berlin: Ullstein 2011. S. 100 f.

Da kommt man doch glatt wieder ins Reflektieren zur Theorie über Unterrichtsstörungen heute. Aber jetzt haben wir in Berlin ja erst einmal eine Woche Winterferien …
Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Schule in Berlin, Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

Die Mediation in Gruppen und Teams …

Montag, 23. Januar 2012 4:09

… stellt die Mediatorin bzw. den Mediator bzw. meist das MediatorInnenteam vor besondere Herausforderungen. Da sind es nämlich „nicht nur“ zwei Konfliktparteien, sondern gleich mehrere Personen, die an der Mediation teilnehmen, und das erfordert natürlich spezielles Wissen und spezielle Methoden, um die Mediation gut gelingen zu lassen.

Ein Team meint dabei einen Zusammenschluss von mehreren Personen zur Lösung einer bestimmten Aufgabe oder zur Erreichung eines bestimmten Zieles. In einem Unternehmen meint ein Team eine für einen bestimmten Zweck aus Mitarbeitern zusammengesetzte Arbeitsgruppe.

Eine Gruppe kann definiert werden als Ansammlung von Individuen, die sich selber als Mitglieder derselben sozialen Kategorie wahrnehmen, die ein gewisses Maß an emotionaler Bindung an diese Kategorie aufweisen und die einen gewissen sozialen Konsens über die Beurteilung und ihre Mitgliedschaft in dieser Gruppe aufweisen.

2011 erschien im Junfermann Verlag das Buch “Praxis der Gruppen- und Teammediation“, das Methoden und Visualisierungsvorschläge zur Team- und Gruppenmediation praxisnah vorstellt. In diesem Buch von Al Weckert, Christian Bähner, Monika Oboth und Jörg Schmidt werden die dargestellten Methode zunächst ausführlich beschrieben, dann folgt die Beantwortung der FAQs (Frequent Answered Questions), also der häufigsten Teilnehmerfragen aus Mediationsausbildungen zu dieser Methode, und es schließt sich eine Visualisierung durch ein abgebildetes Flip-Chart-Blatt an, das die wichtigsten Kernmerkmale der Methode zeigt. Die dem Buch beiliegende DVD veranschaulicht die Methoden am Beispiel von drei gespielten Mediationsfällen. Damit wird das Buch für all diejenigen, die sich in dem Bereich der Gruppen- und Teammediation spezialisieren wollen, ein unbedingtes Muss …

Weckert, Bähner, Oboth und Schmidt zeigen Besonderheiten auf, die die Mediationsarbeit mit Teams und Gruppen ausmachen, da heißt es beispielsweise:

„Gruppen und Teams brauchen Struktur, um Sicherheit und Orientierung in der Konfliktklärung zu erleben. Diskussionen mit vielen Beteiligten erfordern eine hohe Konzentrationsleistung. Lässt die Konzentration nach oder ist viel Pfeffer in der Debatte, nehmen automatisch die Seitengespräche zu. Der Schallpegel erhöht sich durch Papiergeraschel, Hüsteln und Getränkegeklapper. Was um 9.15 Uhr noch kein Problem darstellt, wird um 16.15 Uhr leicht zum Auslöser von Kopfschmerzen. Das Mediationsteam achtet deshalb darauf, durch regelmäßige Methodenwechsel Körper und Geist arbeitsfähig zu halten. …“ (Buch S. 19)

Sowohl in der Wirtschaftsmediation als auch in der Umwelt- und Gemeinwesenmediation warten Team- und Gruppenmediationen. Wer in diesen Mediationsbereichen tätig ist, wird also sein Mediationswissen und sein Methodenrepertoire vergrößern müssen. Ich denke da beispielsweise an das Phasenmodell der Mediation.

Kennt man in den meisten Bereichen der Mediation das klassische Fünf-Phasen-Modell der Mediation:

  1. Den sicheren Rahmen schaffen
  2. Die Themen erheben
  3. Sichtweisen erhellen
  4. Lösungen entwickeln
  5. Vereinbarungen treffen

so muss dieses in der Arbeit mit Gruppen und Teams auf ein Sieben-Phasen-Modell erweitert werden:

  1. Den sicheren Rahmen schaffen
  2. Die Themen erheben
  3. Die Themen priorisieren
  4. Die Sichtweisen darstellen
  5. Die Sichtweisen erhellen
  6. Lösungen entwickeln
  7. Vereinbarungen treffen

Natürlich ist es im Zusammenhang zur Arbeit mit Gruppen und Teams auch hochinteressant und wichtig, Grundkenntnisse zu den Gruppenphasen und Einblick in die Gruppendynamik zu besitzen – aber dazu gibt es bereits einen anderen Artikel in diesem Mediationsblog …

Gutes Gelingen für Ihre nächsten Mediationen
wünscht Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0) | Autor:

Mediation am Landwehrkanal

Montag, 16. Januar 2012 7:02

Ende 2007 hat sie begonnen, die Mediation um den Berliner Landwehrkanal. Zuvor, im April 2007 ist eine gemauerte Kanalwand am Maybachufer abgesackt. Taucher stellten bei einer Begutachtung der Unglücksstelle fest, dass die gesamte Uferbefestigung des Kanals auf einer Länge von 11 Kilometern marode war. Das Wasser- und Schiffahrtsamt veranlasste daraufhin, 200 Bäume am Landwehrkanal zu fällen – das Gewicht der Bäume trage zum Absacken des Ufers bei. Proteste, Bürgerinitiativen und eine Baumpatrouille regten sich und wollte Bäume und Landwehrkanal schützen. 37 Bäume wurden dennoch im Juli 2007 gefällt, teilweise unter Polizeischutz.

Mittlerweile ist wissenschaftlich nachgewiesen, „dass das Wurzelwerk der Bäume eher gut ist für eine Stabilisierung des Ufers.“ – so der Tagesspiegel vom 15.01.2011 unter dem Titel „Wasserstraße ins Ungewisse“.

Die 2007 beginnende Mediation ist eine der längsten bisher in Berlin abgehaltenen. Zahlreiche Arbeitskreise und -gruppen tagen regelmäßig, das Forum hält im Februar seine 34. Sitzung ab. Verzögerungen im sich lange hinziehende Mediationsverfahren werden von der Verwaltung den Bürgern, und von den Bürgern der Verwaltung angelastet. Derzeit werden „Realisierungsvarianten“, danach „Zielvarianten“ entwickelt. Wir werden sehen, wie es weiter geht …

Fachlich gesehen ist diese Mediation eine Umweltmediation bzw. eine Mediation im öffentlichen Bereich.

Definitionen

Umweltmediation
wird hauptsächlich mit „Umwelt(schutz)mediation“ assoziiert

Mediation im öffentlichen Bereich
entwickelte sich geschichtlich gesehen aus dem Begriff der Umweltmediation, indem der Begriff der „Umwelt“ im Sinne von gesellschaftlichem Umfeld oder Lebensfeld konkretisiert wurde.

Eine erste Definition hierzu entstand im Umfeld von Horst Zillessen, einem der ersten Umweltmediatoren im deutschsprachigen Raum: „Gegenstand dieser Verfahren sind Konflikte im öffentlichen Raum, also im politisch-administrativen gestaltbaren gesellschaftlichen Bereich. Damit ist sowohl der physische Raum (bei konkreten baulichen Projekten und Vorhaben) als auch der soziale Raum (bei der Vorbereitung oder der Erstellung von Programmen und politischen/rechtlichen Normvorstellungen) gemeint. Weiter identifiziert sie in Abgrenzung zu anderen Mediationsfeldern als Haupterkennungsmerkmal die Beteiligung von Vertretern aus Politik und Verwaltung.“
Quelle: MEDIATOR – Zentrum für Konfliktmanagement und -forschung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg: Mediation im öffentlichen Bereich. Oldenburg 2004. Nach: Schulz, Olaf: Gemeinwesenmediation als Methode partizipativer Gemeinwesenarbeit. GRIN Verlag 2004.

Die Konfliktaustragung findet im öffentlichen Raum statt – im Gegensatz zur Sphäre des Privaten oder der Arbeitswelt in anderen Bereichen der Mediation. „Die einer Mediation im öffentlichen Bereich zugrunde liegenden Konflikte werden in der Öffentlichkeit diskutiert, im gesamten Bereich der politischen Willensbildung: in Parteien genauso wie in Verwaltungen, betroffenen Unternehmen oder Bürgerinitiativen.“
Quelle: Rüssel, Ulrike: Grundlagen der Mediation im öffentlichen Bereich, in: Niedostadek, André: Praxishandbuch Mediation. Stuttgart, München u.a.: Boorberg 2010. S. 54.

Fachtag November 2011 zur „Mediation im öffentlichen Bereich“ in München

Am 18. November 2011 hat in München eine Fachtagung zum Thema „Mediation im öffentlichen Raum“ stattgefunden. Gut 150 MediatorInnen haben diesen spannenden und vielfältigen Fachtag der Stelle für Gemeinwesenmediation der Stadt München (SteG) besucht. SteG wird von Frau Dr. Eva Jüsten geleitet. Die zu SteG gehörigen MediatorInnen vermitteln bei Konflikten im gesamten Stadtgebiet, und natürlich auch bei Streitigkeiten im öffentlichen Raum. Wer den von mir auf dieser Tagung gehaltenen Eröffnungsvortrag zum Zusammenhang zwischen Mediation im öffentlichen Raum und Gemeinwesenmediation gerne nachlesen möchte, der kann sich das handout hier herunterladen

Infos zur Gemeinwesenmediation

Und wer Informationen zur Gemeinwesenmediation in Deutschland sucht, dem sei weiterhin das erste deutschsprachige Buch zum Thema Gemeinwesenmediation natürlich wärmstens empfohlen:

Christa D. Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Konflikte, Umweltmediation | Kommentare (0) | Autor:

Ein Stuhl ist (kein) Stuhl – und mehr …

Montag, 9. Januar 2012 6:43

Vor einiger Zeit habe ich über Antworten zur Frage „Wann ist eine Frage eine gute Frage?““ berichtet. Heute möchte ich darüber schreiben, dass ein Stuhl nicht nur ein Stuhl ist …

Vielleicht haben Sie von der Methode mit dem leeren Stuhl gehört, oder kennen diese Technik bereits? Die Methode kommt ursprünglich aus der Gestalttherapie. Dort kann ein leerer Stuhl stellvertretend für verschiedenen Rollen stehen. Ein Stuhl kann einen Teil des Ichs repräsentieren und wird in der Gestalttherapie dadurch zur Lösung innerpsychischer Probleme genutzt. Ein leerer Stuhl kann allerdings auch einen Gesprächspartner oder eine Wunschperson symbolisieren. In der Vorstellung nimmt eine andere Person auf diesem Stuhl Platz. Perspektivwechsel und imaginäre Unterhaltungen sind möglich. Zirkuläre Fragen bekommen mehr Prägnanz. Und manchmal bekommt der Klient auch den Auftrag, sich mit diesem anderen zu identifizieren, in diesem Fall tauscht er mit der vorgestellten Person den Platz und setzt sich selbst auf den leeren Stuhl, damit er sich besser in die abwesende Person hineinversetzen kann, um zu erfahren, wie der andere eine Situation erlebt.

Sowohl in der systemischen Beratung und Therapie, als auch natürlich im Konfliktcoaching und in der Mediation – die ja per se systemisch ist – kann die Methode des leeren Stuhls eingesetzt und genutzt werden.

Im Konfliktcoaching kann der leere Stuhl beispielsweise als „So-tun-als-ob-Stuhl“ genutzt werden. Hat jemand die Wahl zwischen verschiedenen Optionen und Reaktionsmöglichkeit im Konfliktfall, so können diese Wahloptionen als Stühle gestellt werden. Der sich im Konfliktcoaching befindende Coachee kann sich dann abwechselnd auf die Stühle setzen, Vor- und Nachteile der jeweiligen Wahl kognitiv abwägen und die Wahlmöglichkeit über das eigene Erleben auf den Stühlen „erfühlen“. „Mal angenommen, Sie hätten sich für diesen Weg entschieden, wie geht es Ihnen damit? Wie fühlt es sich an?“ – so würde man einen Coachee fragen, der einen der Stühle gewählt hat.

Auch das zirkuläre Fragen im Konfliktcoaching kann mit einem dazu gestellten leeren Stuhl verstärkt werden. „Wenn jetzt auf diesem Stuhl hier neben Ihnen Herr xy sitzen würde, was würde er dann wohl dazu sagen?“ Es gibt Situationen, da meint man fast, diesen imaginären Herrn xy im Coaching „spüren“ zu können.

In der Mediation kann die Methode des leeren Stuhls natürlich auch genutzt werden, wenn eine Konfliktpartei nicht mit dabei sein kann. In einer Mediation mit einer Gruppe oder einem Team kann es schon mal passieren, dass ein Mitglied nicht anwesend sein kann. Dann ist zu überlegen, ob die Mediation abgesagt wird oder ob es eine Möglichkeit ist, durch die Methode mit dem leeren Stuhl weiter zu arbeiten. In diesem Fall wird dann der leere Stuhl stellvertretend für das fehlende Team- oder Gruppenmitglied gestellt. Dadurch kann dieses Team- oder Gruppenmitglied mit in die Mediation, in die Darstellung der Sichtweisen und in die Diskussion um die Lösungsfindung eingebunden werden. Natürlich ist die Anwesenheit aller Konfliktparteien immer oberstes Ziel in einer Mediation und die Wahl der Methode mit dem leeren Stuhl stets die zweite Wahl.

In dem zweiten Teil des Buches “Die Psychotherapeutische Schatzkiste“ von Andrea und Filip Caby aus dem Borgmann Verlag werden verschiedene Anwendungsmöglichkeiten für die Methode des leeren Stuhls in systemischen Settings genauer beschrieben. Die Cabys haben die Methode des leeren Stuhls in verschiedensten Situationen mit Klienten und ihren Systemen erfolgreich eingesetzt: Einsatz von Stühlen beim zirkulären Fragen, in der Time-Line-Technik, bei Familienskulpturen sowie beim Rollentausch. Sie nutzen Stühle oder andere Gegenstände zur bildlichen Darstellung eines Problems (oder einer Lösung) und schätzen einen leeren Stuhl bei ungewohnten Interventionen.

Neben dieser Methode wird in der Psychotherapeutischen Schatzkiste ein großes Repertoire an systemisch-lösungsorientierten Interventionen für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Familien vorgestellt. Praxisgeleitete Ausführungen gibt es zu Frageformen, Metaphern, Gesprächsgestaltung, Ressourcenarbeit und vielem mehr. Damit eignet sich das Buch als Lektüre für alle diejenigen, die systemisch arbeiten oder arbeiten möchten – sei es im beraterischen oder therapeutischen Bereich oder in der Mediation.

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (1) | Autor:

Gemischte Gefühle?

Montag, 2. Januar 2012 15:59

Ja, gemischte Gefühle kann man schon haben am Anfang eines neuen Jahres … Man wünscht sich so Einiges, das im neuen Jahr in Erfüllung gehen soll. Man hat aber auch Befürchtungen, was da so alles auf einen zukommen könnte im frisch gebackenen Jahr. Gemischte Gefühle hat man jedoch nicht nur Anfang des Jahres, sondern sie sind ein Begleiter durch das ganze Jahr. Und mir werden dieses Jahr die Befos mit ihren gemischten Gefühlen Begleiter sein.

Befos?

Die Befos, die sind gleichzeitig fremd und vertraut, schräg, manchmal schüchtern und verlegen oder motzig und frech. Sie sind tiefgründig und albern und oft wundern sie sich, wie alles so ist. Das sagt jedenfalls die „Mutter der Befos“ Bettina Follenius zu den von ihr kreierten Gefühlskerlen.

Die Befos zeigen Gefühle, gemischte Gefühle. Es gibt 42 postkartengroße Gefühlskarten, die wunderbar in vielen Bereichen einsetzbar werden können, in Schule, Jugendarbeit, Mediation, Supervision, Seminaren, Trainings, Teambesprechungen, Beratungen, Coachings und vielem mehr.

Was sagen die Befos wohl, wenn ich Ihnen mitteilen, dass das neue Jahr gestartet hat?


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist bekannt, dass der Umgang mit eigenen und fremden Gefühlen Voraussetzung ist für den Aufbau von positiven und zufriedenstellenden Beziehungen, deshalb ist auch der adäquate Umgang mit Emotionen ein wichtiger Baustein im Sozialen Lernen. In der Schule kann beispielsweise über die Gefühle der Befos gesprochen werden, die Karten können Anlass für Geschichten sein oder als Signalkarten im Sozialen Lernen genutzt werden.

Auch in Mediations-, Supervisions- oder Coachingsitzungen ist der Umgang mit Gefühlen ein ganz wichtiger. Da bringt manchmal eine Befo-Karte die Situation klar und deutlich auf den Punkt. In Seminaren können sie gut in Eingangs- oder Abschlussrunden eingesetzt werden.

Ich freue mich sehr, dass Frau Follenius, die Erfinderin der Befos, mir einige Fragen zu den Befos beantwortet hat:

Frau Follenius, wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Befos zu erfinden?

In meinen Bildern habe ich schon länger an dem Spiel zwischen Gesichts/Gefühlsausdruck und Text gearbeitet. Mich interessiert dabei immer das nicht eindeutige, vielleicht auch überraschende, das die Betrachter zu eigenen Interpretationen einlädt. Gemischte Gefühle eben. Die Idee ein Kartendeck zu gestalten kam mir im Gespräch mit Kunden auf dem Kunstmarkt, die meine Bilder in ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verwenden wollten. Und wie wesentlich es ist, Gefühle wahrzunehmen und damit umzugehen ist mir aus meiner langjährigen Arbeit als Lehrerin, Therapeutin und Coach sehr vertraut. Dabei hilft ein Medium wie die Karten sich dem Thema Gefühle zu nähern, am besten mit einem Augenzwinkern.

Wie alt sind die Befos schon?

Nach 6 Monaten Entwicklungszeit haben sie in dieser Form im September 2011 das Licht der Welt erblickt.

Was ist ihr Lieblingserlebnis mit den Befos?

Am Verkaufstand während der Tagung „Selbstwert und Persönlichkeit“ im November in Göttingen. Eine Gruppe von vier jungen Frauen, eine zieht eine verdeckte Karte und liest laut vor: „Igitt“, eine andere zieht eine andere Karte und antwortet: „Auch das noch“, und so geht es weiter mit witzigen und zum Teil absurden Dialogen. Einer fällt ein: “das wäre etwas für…“, „genau, das ist doch wie…“, einer anderen: „das würde ich Frau… gerne mal sagen“. Spontanes Theater, die Umstehenden amüsieren sich. Später erzählen mir die jungen Frauen, dass sie in der Ausbildung zur Erzieherin sind und sich die Karten z.B. für Reflexionsrunden wünschen, die Teil ihrer Ausbildung sind. Das war spontan und besonders lebendig. Aber ich habe schon so viele, ganz unterschiedliche schöne, witzige und anrührende Situationen mit den „Gemischten Gefühlen“ erlebt, dass ich darüber ein ganzes Buch schreiben könnte.

Liebe Frau Follenius,
besten Dank für das Gespräch.

Grob gesehen gibt es vier Grundgefühle: Freude, Wut, Trauer und Angst. Der PS-Psychologe Paul Ekman definiert Wut, Ekel, Angst, Freude, Traurigkeit und Überraschung als Basisemotionen und hat durch seine Forschungen Anfang der 1970er Jahre auf Papua-Neuguinea nachgewiesen, dass die dortigen Ureinwohner diese Emotionen mit ähnlicher Mimik ausdrücken wie Europäer oder Amerikaner. Andere Wissenschaftler zählen neben den bereits genannten auch die Neugier zu den Basisemotionen.

Den Gemischen Gefühlen hat die Süddeutsche Zeitung 2011 eine Serie gewidmet. Da geht es um Gemischte Gefühle als Triebkräfte unseres Lebens, um Gefühle wie Verachtung, Verwirrung, Eifersucht, Schadenfreude, Ekel, Nostalgie, Einsamkeit, Rache, Geborgenheit, Vertrauen und noch viel mehr …

Ich empfinde Gefühle, Emotionen, Stimmungen, Empfindungen als ein spannendes Feld. Allen, die gut mit ihren gemischten Gefühlen ins neue Jahr starten möchten, empfehle ich die Befos, zu bestellen unter … (einfach auf den roten Text klicken)

Christa D. Schäfer

Haben Sie schon einmal Gefühle aus Sand gesehen?

Thema: Emotionale Intelligenz, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Viel Freude und Glück für 2012

Montag, 2. Januar 2012 0:47

möchte ich Ihnen mit folgendem Gedicht wünschen,
das von Rainer Maria Rilke (1875-1926) stammt:

Freude ist unsäglich mehr als Glück,
Glück bricht über die Menschen herein,
Glück ist Schicksal -
Freude bringen sie in sich zum Blühen,
Freude ist einfach eine gute Jahreszeit über dem Herzen;
Freude ist das Äußerste, was die Menschen in ihrer Macht haben.

Herzlichst, Ihre
Christa D. Schäfer

 

Auch in diesem Jahr wird es natürlich wieder interessante Artikel zu Themen im Umfeld von Kommunikation und Konfliktmanagement im Spannungsfeld von Pädagogik und Mediation geben – schauen Sie also wieder rein …

Thema: Emotionale Intelligenz | Kommentare (0) | Autor:

Gemeinwesenmediation im Bundesstaat Maryland / USA

Montag, 26. September 2011 9:39

Die USA hat 50 Bundesstaaten. Maryland ist einer der Bundesstaaten, der in der Nähe von Washington D.C. und Baltimore liegt. In Maryland gibt es 24 Countys (Bezirke). Einer davon ist Montgomery County mit 971.777 Einwohnern (2010).

Da Maryland der Mediation gegenüber sehr aufgeschlossen, gibt es in 18 dieser Countys ein Community Mediation Center, also ein Zentrum für Gemeinwesenmediation. Diese MediationsZentren werden von den Gerichten Marylands unterstützt, sie erhalten monitäre Förderung und bearbeiten dafür Fälle, die vom Gericht für eine Mediation benannt wurden.

Das Conflict Resolution Center of Montgomery County (CRCMC) befindet sich in Wheaton. „Strengthening our communities peace by peace“ – das ist der Slogan dieses MediationsZentrums. Es verhilft Personen im Konflikt:

to improve understanding
to open communication
to rebuild relationships
to create win-win solutions
to save time and money

Genau ist festgelegt, in welchen Fällen mediiert wird, nämlich zwischen Nachbarn, zwischen Hauseigentümer und Mieter, zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zwischen Betrieb und Kunde, zwischen Familienangehörigen, in Freundschaftsverhältnissen, zwischen Grundstückeigentümer und Mietern, bei geringfügiger Schadenshöhe, zwischen Eltern und deren jugendlichen Kindern sowie zwischen Senioren und deren Familien.

Jährlich gibt es eine Ausbildungsgruppe mit ca. 20 neuen MediatorInnen, die eine 50stündige Ausbildung genießen dürfen. Dafür stellen sie dem MediationsCenter im ersten Jahr 100 Arbeitsstunden zur Verfügung. Diese Arbeitsstunden können auf verschiedene Art und Weise „abgeleistet“ werden. Unter den TeilnehmerInnen der Ausbildung befinden sich auch immer wieder Richter oder Rechtsanwälte, die sich für diese Art der Konfliktbewältigung interessieren – die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass es diese Berufsgruppen nicht so einfach haben, Mediation zu erlernen und später im Mediationsprozess neutral zu bleiben.

Die neuen MediatorInnen werden von der Organisation „Community Mediation Maryland“ trainiert. Diese Organisation ist so etwas wie das „Dach“ der Community Mediation Zentren in Maryland, sie unterstützen die MediationsZentren Marylands durch verschiedene Serviceangebote und bieten jedem der in Maryland ansässigen MediationsZentren ein kostenfreies Training jährlich an.

Community Mediation Maryland hat Richtlinien für die Community Mediation herausgegeben, sie benennen 10 Punkte für die Gemeinwesenmediation:

1. Provide mediation services at no cost or on a sliding scale
2. Hold mediations in neighborhoods where disputes occur
3. Schedule mediations at a time and place convenient to the participants
4. Encourage early use of mediation to prevent violence or to reduce the need for court intervention, as well as provide mediation at any stage in a dispute
5. Mediate community-based disputes that come from referral sources including self-referrals, police, courts, community organizations, civic groups, religious institutions, government agencies and others
6. Educate community members about conflict resolution and mediation
7. Maintain high quality mediators by providing intensive, skills-based training, apprenticeships, continuing education and ongoing evaluation of volunteer mediators
8. Work with the community in governing community mediation programs in a manner that is based on collaborative problem solving among staff, volunteers and community members
9. Provide mediation, education, and potentially other conflict resolution processes to community members who reflect the community’s diversity with regard to age, race, gender, ethnicity, income, education, and geographic location

Aber zurück zum Conflict Resolution Center of Montgomery County (CRCMC): Derzeit stehen hier 76 MediatorInnen auf der Mediatorenliste, davon sind 25 sehr aktiv und 26 kaum aktiv. Zur Zeit wird ein volunteer mediation Standard ausgearbeitet. Danach sollen die MediatorInnen nur die Chance haben weiter zu mediieren, wenn sie mindestens 6 Mediationen pro Jahr mediiert haben und jährlich mindestens 35 Stunden für das MediationsCenter ehrenamtlich arbeiten. Sie unterstützen das Projekt durch ihre Mediationen, ihre Beratungen, ihre Fallorganisationen, als commitee members und vieles mehr. Neben Englisch wird auch in Spanisch mediiert.

Für die Annahme der Fälle sind die ehrenamtlich arbeitenden MediatorInnen selber zuständig. Montags bis Freitag zwischen 9 und 16 Uhr sitzen stets ein oder zwei MediatorInnen am Telefon, um die Fälle anzunehmen, um abzuklären ob sich ein Fall zur Mediation eignet oder um Wichtiges zu organisieren. Die meisten der eintreffenden Fälle können mit Mediation bearbeitet werden, in über 60 % der Fälle kann eine Einigung erzielt werden. Im MediationsZentrum arbeiten weiterhin neun Hauptamtliche, die verschiedene Aufgaben und Tätigkeitsbereiche haben.

Das Conflict Resolution Center of Montgomery County bearbeitete im letzten Jahr insgesamt 500 Fälle. Davon wurden 250 Fälle über das Gericht des Countys vermittelt, diese Mediationen wurden sogar im Gerichtsgebäude durchgeführt. Weitere 250 Fälle sind Fälle, die im Bereich der Community Mediation angefallen sind, vielfältige Konfliktthemen wurden bearbeitet.

Insgesamt hat das Conflict Resolution Center of Montgormery County viele Kooperationspartner, die mediationsgeeignete Fälle an das MeditionsZentrum „überweisen“. Mit manchen der Kooperationspartner wurde sogar vereinbart, dass eine Mediatorin / ein Mediator an einem festen Tag in der Woche in den Räumlichkeiten der „überweisenden Institution“ die Mediationen durchführt.

Wie beispielsweise auch das MediationsZentrum Berlin, so muss auch das Conflict Resolution Center of Montgomery County immer noch viele Aktionen starten, um Mediation bekannt zu machen. Die Vorgehensweisen sind ähnlich: Auf Festen und Festivals präsent sein, Präsentationen für andere Institutionen anbieten und durchführen, kleine zwei- oder sechsstündige Trainingseinheiten für Jedermann initiieren, den Kontakt zu den „überweisenden Institutionen“ ausbauen und halten, die im Gebiet ansässigen Schulen ansprechen und mit diesen zusammenarbeiten, Kirchen und religiöse Orte informieren und um Zusammenarbeit bitten, Broschüren und Flyer auslegen, Zettel im Supermarkt am schwarzen Brett ankleben, die Bücherei als Treff- und Informationsort nutzen, Werbung in öffentlichen Verkehrsmitteln schalten, usw. Auch in Maryland ist es noch so, dass manche Personen erst sechs bis sieben Mal das Wort Mediation gehört haben müssen, bis sie etwas damit verbinden und dann auch noch im Konfliktfall ein Zentrum für Gemeinwesenmediation aufsuchen.

Das CRCMC bietet folgendes an:

  • Mediation (stets kostenfrei)
  • Konfliktmoderation für Konflikte in und mit großen Gruppen (um eine Spende wird gebeten)
  • Community Conferencing und Dialogue Circles für Schulen (always free)
  • Konfliktkurse mit einer geringen Stundenanzahl (auf Spendenbasis von privat oder der jeweiligen Institution)

Viele Aspekte dieses Angebots sind sehr interessant und bemerkenswert. Es gibt beispielsweise ein extra Programm zur Mediation mit ehemaligen Häftlingen, genannt Re-Entry Mediation. Kurz vor und nach der Entlassung können die ehemaligen Häftlinge zusammen mit ihren Familien, Freuden, ehemaligen Freunden usw. Mediationen in Anspruch nehmen. Ein weiteres Programm nennt sich Senior-Mediation. Es soll Senioren und deren Familien helfen, die Zukunft zu planen. Sowohl die älteren Menschen als auch deren Familien besprechen gemeinsam Fragen nach der Pflege, einer Heimunterbringung und vielem anderen mehr. Die Parent-teen Mediationen sind speziell für Eltern und deren jugendliche Kinder gedacht. Die Pubertät der Kinder ist in viele Familien ein heftiger Einschnitt und die daraus erwachsenden Probleme fast nicht mehr in den Griff zu bekommen – hier wird mit Mediation eine Lösung geschaffen. Gerichte schicken beispielsweise auch bereits geschiedene Ehepaare zum CRCMC um Parenting plans zu machen, also Vereinbarungen zu treffen, wo das Kind bzw. die Kinder wann nach der Scheidung wohnen soll(en).

Die oben bereits angesprochenen Konfliktkurse laufen in Wheaton sehr erfolgreich, es sind meist sechsstündigen Konfliktkurse (drei Termine á zwei Stunden), die dort angeboten werden. Für Kooperationspartner und andere Interessierte aus der Community geht es dabei um folgende Inhalte: 1. Termin: Was ist ein Konflikt? Wie gehe ich mit einem Konflikt um? 2. Termin: Gefühle, Bedürfnisse, Grundlagen der Kommunikation 3. Termin: Creative problem solving. Zwischen 10 und 80 Personen nehmen je Kurs an diesen Terminen teil; ca. 80 derartiger Trainings gab es 2010.

Falls Sie sich nach diesem Ausflug in die Gemeinwesenmediation von Montgomery County nur für die Gemeinwesenmediation in Deutschland interessieren, empfehle ich Ihnen gerne folgendes Buch: “Mediation im Gemeinwesen“, das viele wertvolle Informationen enthält.

Ja, und über die Meeting Facilitations in Schools sowie die Dialogue Circles und die Methode des Community Conferencing gibt es demnächst in diesem blog einen eigenen Artikel, denn auch diese drei Themen sind natürlich höchst spannend !!

But now: I want to say Thank you to the three ladys from the Conflict Resolution Center of Montgomery county, who talked to me and explained all the facts I wanted to know about the Center. Thanks a lot !!

Christa D. Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Konfliktmanagement, Konfliktprävention | Kommentare (1) | Autor:

Kommunikation in der Familie

Montag, 19. September 2011 22:44

„Lilly, zwei Jahre alt, will, was Lilly will. Also viel und auf jeden Fall immer das andere. Das Wurstbrot ohne Brot. Die linke Birne, nicht den rechten Apfel. Keine Spange, eine Spange. Dienstagmorgen kam ich in den Genuss einer zweistündigen Sinnlos-Diskussion über eine Strumpfhose, die sie nicht anhaben wollte, ich aber fand, sie sollte sehr wohl. Über ein Schlafanzugoberteil, das ich ihr über den Kopf zog. Und sie wieder runter. Über eine Socke, die sich sich vom Fuß zupfte, so bald ich versuchte, auch Nr. 2 an die Frau zu bringen. Hallo???!!!
Ich bin einundvierzig, und dieser Zellhaufen ist zwei!“

„Natürlich zählt die textile Wartung und Pflege eines zweijährigen sich sträubenden Schmutzfinks zu den Standardanforderungen des Mutterhandwerks. Aber ich bin Mama 2011. Mein Kind soll niemals weinen, es soll immer nur lachen. Es soll später allen erzählen, was für ein Riesenglück es war, vom Klapperstorch über unserem Haus abgeworfen zu werden. Und nicht bei der blöden Tante aus dem Haus gegenüber. Ich will, dass es voller Liebe ruft: „Ich habe mein Fehlverhalten eingesehen und kooperiere gerne!“ Und ich glaube, unsere Lilly ist da schon auf dem besten Weg. Sie kann sich halt nur noch nicht so gut ausdrücken, die kleine Maus: „Mama, böse!!!““

„Für XY-Chromosomenträger sind Problemgespräche purer Stress. Will sagen: Mit Schatzi kannst du über alles reden. Hauptsache, es geht nicht um Probleme. Als Mann hasst er Probleme. Insbesondere solche, die ihm seine eigene Frau erzählt. Und noch insbesonderer solche, die er nicht mit „ja“ oder „nein“ beantworten kann. Natürlich hat er auch diese klassischen tief verwurzelten Männerängste. Niemals zum Beispiel würde er irgendein Problem einfach so an sich reißen und zu seinem erklären. Nachher hänge ich noch dran, wer weiß?
Als Frau warte ich beim Telefonieren auch immer vergeblich auf ein Grunzen oder Schnarchen am anderen Ende der Leitung. Also irgendein Geräusch, das mir das Gefühl gibt, mein mit mir verheirateter Gesprächspartner ist noch am Leben. Stattdessen gewinne ich schnell den Eindruck: Muddi ist der akustische Spam hier, immer dicht am Mülleimer. Und Schatzi die wachere, unüberwindbare, ein Meter dreiundachtzig hohe Firewall – erschaffen, das Paradies vor dem Untergang durch Probleminvasion zu bewahren.
Dabei stehen die ganze Zeit zwei Fragen im Raum – natürlich breitbeinig, wie sich das gehört, und mit viel hosentaschentechnischem Kleingeldgeklöter: Ist Schatzi vielleicht ein schlechter Zuhörer?
Ach nein! Iwo!
Zuhören und Antworten sind einfach nur zwei im Männerhirn völlig voneinander abgekoppelte Prozesse.“

Das zum Thema „Kommunikation in der Familie“ …
Gelungene Kommunikation?
Kommunikation, die bekannt anmutet?

Auf jeden Fall jedoch Kommunikation, die amüsiert und zum Denken anregt -
und ein Text, der zum Schmökern da ist.

Gerne stelle ich Ihnen mit obigen Zitaten das neue Buch “Der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren“ von Katja Kessler vor.

Dr. Katja Kessler ist promovierte Zahnärztin, die vier Jahre lang als Gesellschaftkolumnistin bei der BILD-Zeitung war, dann zwei erfolgreiche Dieter-Bohlen-Biografien schrieb, mit ihrem ersten Roman „Herztöne“ auf der Spiegel-Bestsellerliste landete, deren Schwangerschaftsratgeber „Das Mami-Buch“ in acht Sprachen übersetzt wurde, und die jetzt bereits das zweite Buch über „Schatzi“ und ihre Familie geschrieben hat. Katja Kessler hat vier Kinder, wohnt in Potsdam und ist mit dem Bild-Chefredakteur Kai Diekmann verheiratet.

Das Buch ist sehr kurzweilig, es ist rasant zu lesen und kommunikationstheoretisch höchst interessant. Gerne würde ich in dieser Familie die Kommunikation mal einen Tag live verfolgen, und sicherlich wäre es interessant zu wissen wie dort Konflikte gelöst werden, welche Lieblingsthemen es zwischen Kindern und Erwachsenen gibt, usw. usw.

Nicht so lustig, aber dafür sehr lehrreich ist übrigens folgendes Buch zum Thema:
„Kommunikations- und Konfliktmangement für Eltern

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor: