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Kinder können sich nach der Trennung ihrer Eltern nicht zweiteilen – und das sollen sie auch nicht

Montag, 21. März 2016 22:44

“Das doppelte Lottchen” von Erich Kästner erschien 1949 und war eines der ersten, welches Scheidung thematisierte und die Perspektive von Kindern darauf in den Mittelpunkt rückte. In einer Szene des Buches sagt Lottes Lehrerin zu Frau Körner (Luises und Lottes Mutter), dass verheiratete Frauen ihre Männer zu wichtig nähmen. Dabei sei nur eines wesentlich: das Glück der Kinder! Worauf Frau Körner antwortet: “Glauben Sie, dass meine Kinder in einer langen, unglücklichen Ehe glücklicher geworden wären?”

Fast siebzig Jahre später ist ebendiese Frage noch immer brandaktuell. Nicht nur in Online-Foren gibt es hitzige Diskussionen darüber, was gut für Kinder ist, wie schmerzhaft eine Trennung ihrer Eltern, ob Scheidungskinder anders durch das Leben gehen und Beziehungen führen als Menschen, deren Eltern zusammenbleiben, und natürlich – wie sich Eltern nach der Trennung verhalten sollten, wer die “Schuld” trägt am Nicht-Kontakt zwischen einem Elternteil und den Kindern usw.

Ich möchte für diesen Zusammenhang ein Buch vorstellen, das sich an Väter richtet und dafür plädiert, dass diese Verantwortung für ihre Kinder übernehmen – auch nach der Trennung. Das Buch heißt “Stark und verantwortlich – Ein Ratgeber für Väter nach Trennungen”, ist von den Autoren Eberhard Schäfer und Marc Schulte geschrieben und erschien als 3. Auflage 2015 im Pinguin Druck.

Dies Buch bedient keine maskulinistischen Väterrechtsnarrativen. Die Autoren machen immer wieder klar, dass es um Wege der Verständigung und Kooperation mit der Mutter der Kinder geht und nicht um einen Krieg um die Kinder – es ist also kein Ratgeber gegen Mütter! Sehr gut fand ich, dass die Interessen von Kindern immer wieder in den Mittelpunkt gestellt werden und es nicht in erster Linie um die Kränkung des Vaters in seiner Beziehung geht, sondern darum, wie ganz praktisch der Kontakt zwischen den Eltern aussehen sollte und was sich Kinder von ihren getrennten Eltern wünschen.

Die Autoren stellen zunächst verschiedene Modelle vor, die Familien leben können nach einer Trennung: das Residenzmodell, das Doppelresidenzmodell/Wechselmodell, das Nestmodell oder die Familien-WG. Das Residenzmodell bezeichnet, dass das Kind/die Kinder hauptsächlich bei einem Elternteil (i.d.R. der Mutter) leben und jedes zweite Wochenende beim anderen; Feiertage werden aufgeteilt. Das Doppelresidenzmodell/Wechselmodell dagegen sieht vor, dass das Kind/die Kinder z.B. eine Woche beim einen, die andere Woche beim anderen Elternteil leben. Beim Nestmodell wohnen die Kinder an einem festen Lebensort (dem “Nest”), und die getrennten Eltern nutzen dieses abwechselnd mit den Kindern. Zuletzt wird eine Familien-WG vorgestellt, in der die Eltern mit den Kindern zusammen wohnen, aber getrennt sind, das Ganze funktioniert wie in einer WG. Das Buch macht auch Vätern Mut, die in anderen Städten als ihre Kinder wohnen, und es wird gezeigt, dass viele Kinder mit Bahn, Bus oder Flugzeug reisen, um das eine Elternteil zu sehen, und dass Kontakt auch über räumliche Distanz gehalten werden kann.

Wie erwähnt, stehen die Kinder in diesem Ratgeber im Mittelpunkt. Dazu folgenden Ausschnitt:

“Das Kind im Blick: Was mildert die Zerissenheit des Kindes?
Trennungen gehen an Kindern nicht spurlos vorüber. 70 Prozent aller Kinder zeigen psychische Reaktionen auf die Trennung ihrer Eltern. Hier einige Zahlen zu den kurz- und mittelfristigen Auswirkungen von Trennungen auf Kinder:
37 Prozent reagieren mit depressivem Verhalten, Ängsten und schlechteren Schulleistungen,
20 Prozent reagieren mit psychosomatischen Beschwerden wie Kopfschmerzen, chronischen Magen-und Darmstörungen oder Hautausschlag,
13 Prozent reagieren mit aggressivem Verhalten, Wutanfällen und Lügen,
30 Prozent aller Kinder zeigen keine sicht- oder messbaren Reaktionen auf die Trennung der Eltern.

Wenn es den Eltern nach der Trennung gelingt, ein gutes Elternteam zu bleiben bzw. zu bilden und sich gemeinsam um ihre Kinder zu bemühen, verschwinden diese Folgen meist innerhalb eines Jahres. Kinder können sich relativ rasch auf die neue Situation einstellen, vorausgesetzt, den Eltern gelingt es, ein neues Miteinander zu finden. Das Drama vieler Kinder ist nicht, dass Mama und Papa sich als Paar trennen, sondern, wenn in Folge der Trennung ein Elternteil sich von den Kindern zurückzieht oder vom anderen Elternteil herausgedrängt wird – und wenn die Eltern im Streit verharren.

Für ihr Kind wirkt es entlastend, wenn es erlebt, dass seine Eltern sich nicht seinetwegen streiten, dass sie respektvoll miteinander umgehen und sich darum bemühen, dass es dem Kind gut geht.”   (Schäfer, Eberhard & Schulte, Marc: Ein Ratgeber für Väter nach Trennungen, S. 61)

Ganz besonders berührend fand ich die “Zwanzig Bitten von Kindern an ihre getrennten Eltern”. Einige davon möchte ich hier mit Ihnen teilen:

1. Vergesst nie: Ich bin das Kind von euch beiden. Ich habe zwar jetzt einen Elternteil, mit dem ich vielleicht öfter zusammen bin und und der die meiste Zeit für mich sorgt. Aber ich brauche den anderen genauso.
2. Fragt mich nicht, wen von euch beiden ich lieber mag. Ich habe euch beide gleich lieb. Macht den anderen also nicht schlecht vor mir. Denn das tut mir weh.
4. Redet miteinander wie erwachsene Menschen. Aber redet. Und benutzt mich nicht als Boten zwischen euch – besonders nicht für Botschaften, die den anderen wütend oder traurig machen.
5. Seid nicht traurig, wenn ich zum anderen gehe. Der, von dem ich weggehe, soll auch nicht denken, dass ich es in den nächsten Tagen schlecht habe. Am liebsten würde ich ja immer bei euch beiden sein. Aber ich kann mich nicht in zwei Stücke reißen – nur weil ihr unsere Familie auseinandergerissen habt.
8. Gebt mich nicht wie ein Paket vor der Haustür des andern ab. Bittet den anderen für einen kurzen Moment rein und redet darüber, wie ihr mein schwieriges Leben einfacher machen könnt. Wenn ich abgeholt oder gebracht werde, gibt es kurze Momente, in denen ich euch beide habe. Zerstört das nicht dadurch, indem ihr euch anödet oder zankt.
13. Einigt euch fair übers Geld. Ich möchte nicht, dass einer von euch viel Geld hat – und der andere ganz wenig. Es soll euch beiden so gut gehen, dass ich es bei euch beiden gemütlich habe.   (ebenda, S. 61 f.)

Um noch einmal auf Erich Kästner zurückzukommen, in seiner Autobiographie „Als ich ein kleiner Junge war” beschreibt er, wie er als Kind vor der Bescherung an Weihnachten Angst hatte. Seine Eltern waren zwar nicht getrennt, aber in ihrer Liebe zu ihm waren sie aufeinander eifersüchtig, und sie versuchten sich in den Geschenken für ihn gegenseitig zu überbieten. Er musste immer bedacht sein, beide Elternteile gleich glücklich anzulächeln, obwohl ihm eher zum Weinen war. Kästner schreibt, wie er als Kind im ewigen Pendelverkehr zwischen seinen Eltern stand, sich zur rechten und linken Tischhälfte hin gleich freuen musste, nirgends zu lange, nirgends zu flüchtig.

Nun spielten sich die beschriebenen Szenen zwar im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ab. Aber als ich den “Ratgeber für Väter nach Trennungen” las – insbesondere die 20 Bitten an Eltern – , da dachte ich, dass sich manches eben doch nicht so schnell ändert wie es erforderlich wäre. Das heißt – geändert hat sich bei vielen getrennten Familien schon einiges. Aber das geht eben nicht automatisch! Dafür müssen Eltern zunächst erkennen, dass ihr Verhalten gegen ihre/n (Ex-)PartnerIn auch ihre Kinder verletzt, anschließend folgt die Einsicht der Änderung und die Änderung selbst. Nicht einfach, aber es lohnt sich. Ihre Kinder werden es Ihnen danken. Helfen kann Eltern dabei dieses Buch, und gerade die Interviews mit Vätern machen z.B. die unterschiedlichen Wohnmodelle und ihre Vor-und Nachteile greifbarer und weniger theoretisch.

Ungewöhnlich und schön ist, dass das Buch allen Beteiligten wertschätzend begegnet und verschiedene Positionen in den Blick nimmt, also auch keine Stimmung gegen Mütter/Ex-Partnerinnen macht. Das Buch kann also auch Müttern empfohlen werden. Es lässt sich schnell und gut lesen, ist übersichtlich, gut verständlich und strukturiert geschrieben und zeichnet sich vor allem durch seine Praxisnähe aus.

Viel Erkenntnisgewinn und alles Gute auf Ihrem Weg wünscht Ihnen
Christa Schäfer

Lesen Sie mehr zu Trennungs- und Scheidungskindern …

Thema: Allgemein, Familienmediation, Kommunikation, Konfliktlösung, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Mediation im Planen und Bauen

Montag, 5. Oktober 2015 7:27

Jetzt gibt es das erste Buch zu diesem Mediationsbereich, das zugleich der Auftakt einer neuen Schriftenreihe ist. Gerne möchte an dieser Stelle über beides berichten.

Die Zeitschrift „Die Wirtschaftsmediation“ kennen Sie voraussichtlich, denn über dieses Fachblatt habe ich bereits letzte Woche berichtet. Jetzt gibt es eine Schriftenreihe zugehörig zu dieser Fachzeitschrift, die sich dem zunehmenden Bedarf an Methoden und Verfahren zum Konfliktmanagement von Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen widmet.

Mediation in Planen und Bauen, diese Fachgruppe des Bundesverbandes gibt es seit langem. Mediationsverfahren in diesem Bereich gibt es auch eine ganze Menge. Bauvorhaben wie „Stuttgart 21“ und andere haben Bürgerinnen und Bürger verstärkt zur Partizipation geworben und herausgefordert. Planungs- und Bauprozesse sind eng mit den Interessen von Nutzern und Betroffenen verflochten. Ganz klar ist, es gibt unterschiedliche Interessen und Vorstellungen. Aber wie kann Partizipation in solchen Prozessen gut gelingen? Wie kann eine gute Einigung in solchen Prozessen gefunden werden?


Das Buch „Einvernehmlich planen und bauen“ ist von Experten aus dem Bauwesen und der Mediationsbranche geschrieben und bietet einen praxisorientierten Zugang zur Thematik. Zugegeben, Mediation in diesem Bereich ist nicht mein Schwerpunkt, aber dennoch habe ich das Buch mit großem Interesse und viel Gewinn gelesen. Zu unterscheiden ist zwischen Projektvorbereitung mittels Mediation (im Sinne einer „öffentlichen Mediation“ mit Anwohnern, Initiativen, Behörden usw.) und der projektinternen Mediation nur für die jeweils unmittelbar am Konflikt Beteiligten.

„Große Planungs- und Bauvorhaben, insbesondere Infrastrukturprojekte, haben einen komplexen Projektaufbau mit vielen Beteiligten. Mediation kann als Werkzeug genutzt werden, um die Auswirkungen von Konflikten in solchen Projekten zu minimieren.“ (Holger Kummer in dem Artikel „Projektinterne Mediation bei Großprojekten“ im Buch „Einvernehmlich planen und bauen“, S. 131)

Bernhard Böhm beschreibt in seinem Buchartikel „Anforderungen der Mediation beim Planen und Bauen“, dass es heute eine Vielzahl von Möglichkeiten und Methoden gibt, Konflikte in diesem Bereich zu bearbeiten – man denke an die Stichworte: Bürgerbeteiligung, Dialogprozesse, Partizipation, moderierte Begleitung, Akzeptanzmanagement, Planungswerkstatt, und natürlich Mediation. „Environmental Mediation“ wurde bereits in den 1970er Jahren in den USA als Verfahren von „Umweltmediation“ genutzt und erlangte in den 1980er Jahren dann auch in Deutschland Bekanntheit. Spätestens seit dem Verfahren zum Ausbau des Frankfurter Flughafens Ende der 1990er Jahre wurde Mediation auch überregional wahrgenommen.

Waren die ersten Mediationsverfahren noch regional oder lokal angesiedelt, wurden wenig später auch großräumige Infrastrukturprojekte (Bau von Eisenbahnstrecken, Bundesfernstraßen, Stromtrassen, Flughäfen …) mit einem Mediationsverfahren begleitet. Ab da passte dann auch der Begriff „Umweltmediation“ eher weniger, weil er zu eng gefasst war. Die Dimensionen sind zudem vielschichtiger und komplexer. Der Begriff „Mediation im öffentlichen Bereich“ löste den Begriff der „Umweltmediation“ ab. – Ja, so haben auch die verschiedenen Mediationsbereiche je ihre eigene Geschichte …

Viele Baufachleute, Ingenieure, Gemeinen und Kommunen werden sich freuen, mit dem Buch „Einvernehmlich planen und bauen“ ein Praxisbuch in den Händen zu halten. Viele MediatorInnen werden das Buch gerne lesen, um zu erfahren, welche Besonderheiten dieser Mediationsbereich hat. Und ich persönlich freue mich auf weitere Bände der Schriftenreihe des Fachmagazins „Die Wirtschaftsmediation“ und werde Sie, sehr geehrte Leserinnen und Leser, natürlich auf dem Laufenden halten.

Interesse am Thema „Partizipation in der Schule“?
Dann kann ich Ihnen mein neues Buch empfehlen.

 

 

Und ein kleiner Tipp: Wenn Sie am Monatsende von mir informiert werden wollen, was für neue Blogartikel es gibt oder wenn Sie Interesse an Hinweisen und Berichten zu verschiedenen Veranstaltungen zur Mediation und Pädagogik erhalten wollen, dann abonnieren Sie doch meinen Newsletter (rechts oben Name und E-Mail Adresse eintragen, und der Rest geht automatisch …). Ich freue mich auf Sie …

Beste Grüße von
Christa Schäfer

Thema: Allgemein, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0) | Autor:

Lehrer-Eltern-Konflikte

Dienstag, 3. März 2015 21:27

In Schule gibt es viele und vielfältige Konflikte. In Berliner Schulen werden Konfliktlotsinnen und Konfliktlotsen, Streitschlichter und Streitschlichterinnen ausgebildet, also Schüler_innen, die den Streit zwischen anderen Schüler_innen schlichten.

Über die Konfliktbearbeitung zwischen Lehrkräften und Eltern wird selten in den Schulen nachgedacht. Von Lehrerseite aus sind es immer die Eltern, die nerven und mangelndes Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit zeigen. Von Elternseite aus sind es immer die Lehrkräfte, die falsche Entscheidungen treffen, ungerecht sind und entmutigend handeln. Was tun?

Der erste Schritt ist, über Eltern-Lehrer-Konflikte nachzudenken. Das Buch “Lehrer-Eltern-Konflikte systemisch lösen” tut genau dies. Das von Inge Maria Mandac geschriebene Buch aus dem Carl-Auer Verlag zeigt im ersten Teil, wie Lehrkräfte klar und gelassen Konfliktgespräche führen können, und im zweiten Teil, wie Konflikten präventiv vorgebeugt werden kann.

Das Buch baut auf der Grundlage der Gewaltfreien Kommunikation auf, gibt viele Hinweise und Tipps zu Kommunikation und Konfliktbearbeitung für Lehrkräfte in Lehrer-Eltern-Konflikten und bindet interessante Beispiele aus dem Schulalltag ein. Besonders interessant sind die Vorschläge für Elternabende zur Thematik Kommunikation / Konfliktmanagement im zweiten Teil des Buches.

Nach dem Elternabend „Sich kennenlernen“ könnte es in einem zweiten Elternabend um das Thema „Grundsätze zum Zusammenwirken definieren“ gehen. Dieser für 90 Minuten geplante Elternabend beschäftigt sich mit Orientierung gebenden Grundsätzen in der „Zusammenarbeit“. Nach den Prinzipien des Kooperativen Lernens (think, pair, share) werden den Eltern zunächst Reflexionsaufgaben zur Einzelarbeit gegeben, anschließend gibt es eine Gruppenarbeit zum Austausch über die einzelnen Meinungen und abschließend die Präsentation der Gruppenergebnisse im Plenum.

In einer Reflexionsaufgabe werden die Eltern beispielsweise nach ihrem Schulerleben als Schülerin und Schüler gefragt: Welches Verhalten von Lehrkräften wurde in der Schulzeit als wohltuend und förderlich erlebt? Welche Übereinstimmung zu drei wohltuenden Verhaltensweisen finden die Eltern in der Gruppenarbeit? Welches Schulerleben haben die Eltern in ihrer Rolle als Eltern: Welches Verhalten von Lehrkräften empfinden sie als wohltuend und förderlich? Welche Übereinstimmung finden sie in der Gruppenphase?

Oder eine andere Reflexionsaufgabe: Wie sehen Eltern ihre Mitwirkungsmöglichkeiten in der Schule? Welche Rollen wollen sie in Schule ausfüllen? Wollen sie Blitzableiter, Beichtvater, Richter, Trainer, Feuerwehrmann, Entwicklungshelfer, Briefträger, Begleiter, Zauberer, Therapeut, Fachmann, Dirigent, Rechtsanwalt, Besserwisser, Krankenpfleger, Gärtner oder was sonst noch sein? In der Einzelarbeitsphase suchen sich die Elternteile drei Berufe aus und formulieren Sätze wie: Ich will … sein, weil … In der Partnerarbeit tauschen sich die Eltern zu ihren Sätzen aus., formulieren ein Fazit und suchen ein Symbol für dieses Fazit. In der Gruppenarbeitsphase stellen sich die Eltern innerhalb der Gruppe ihre Symbole vor, sammeln Gemeinsamkeiten und notieren ein Fazit auf einem Papier. Sie überlegen ferner, welche Rolle sie sich von der Lehrkraft wünschen und wie sie die Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern sehen.

All das sind wunderbare Ideen für Elternabende !!

Immer noch sind Elternabende im Schulalltag eher Abende, in denen Lehrkräfte über Neuigkeiten aus der Klassen berichten. Wenige Elternabende bieten eine Interaktion zwischen den anwesenden Personen. Mit den Übungen aus dem hier vorgestellten Buch wird sich das ändern. LehrerInnen und Eltern können ins Gespräch miteinander kommen und eine gemeinsame Basis finden. Es kann eine längst überfällige Partnerschaft zwischen Schule und Elternhaus entstehen.

Ich wünsche dem Buch darum viele LeserInnen und vor allem einen häufigen Einsatz in Schulen, nur Mut.

Das online-Material zu Lehrer-Eltern-Konflikte systemisch lösen ist übrigens auf der Seite des Carl-Auer Verlages einsehbar.

Eine neue Art der Beziehung zwischen Schule und Eltern wünscht sich
Dr. Christa Schäfer

Infos zum Buch „Der systemische Lehrer“, ebenfalls aus der Reihe „Spickzettel für Lehrer“

Und hier geht’s zu meinem neuen Buch zur partizipativen Schule …

Thema: Allgemein, Kommunikation, Literaturempfehlungen, Schulmediation | Kommentare (0) | Autor:

Roma-Schulmediation

Montag, 30. Juni 2014 9:19

Gerne berichte ich von Zeit zu Zeit über Projekte aus dem Umfeld von Gewaltprävention und Mediation in Berlin. So habe ich kürzlich von dem Projekt “Roma-Schulmediation“ erfahren.

Dieses Projekt unterstützt die Zusammenarbeit von Schulen mit Roma-Familien. Ausgebildete Schulmediator_innen arbeiten mit Kindern und Jugendlichen zusammen, um diese in den Regelschulbetrieb einzubringen. Die Schüler_innen bekommen Unterstützung im Unterricht, Gesprächsbegleitung und auch in der Konfliktschlichtung spielen die Mediator_innen eine Rolle. Die Mediator_innen arbeiten nicht nur mit den betroffenen Schüler_innen und ihren Familien sondern auch eng mit den Lehrer_innen und Sozialarbeiter_innen zusammen und sollten als neutrale Vermittlungspersonen agieren. Die Schulmediator_innen sprechen deutsch und romanes und/oder eine der Sprachen der Länder, aus denen meist ein Großteil der Roma-Familien kommen (z.B. serbokroatisch, rumänisch, etc.).

Im Mai 2000 begann das Projekt und zeigt seitdem Erfolge: Mehr Kinder werden eingeschult und nehmen – soweit es weitere Umstände zulassen – regelmäßiger am Schulalltag teil. Auch gibt es eine konkretere und direktere Auseinandersetzung mit Diskriminierung gegenüber Roma-Familien. Das Projekt begann in zwei Grundschulen und konnte durch die Zusammenarbeit mit der Ausländerbeauftragten des Landes Berlin ausgearbeitet werden, konzentriert sich bis jetzt jedoch hauptsächlich auf den Bezirk Mitte. Seit 2005 gab es die ersten zertifizierten Schulmediator_innen in diesem Projekt. Momentan gibt es drei Grundschulen, eine Oberschule und ein Förderzentrum mit Schwerpunkt Lernen, die an diesem Modellprojekt mitarbeiten. Der auf diese Initiative gegründete Schulverbund Roma-Schulmediation bildet sich aus der RAA Berlin und der Regionalen Schulaufsicht Mitte.

Auf der Website der RAA ist eine Studie zur Evaluation der Roma-Schulmediation in Berlin von Prof. Hristo Kyuchukov aus dem Jahr 2011/12 zu finden.

Trotz der jahrelangen Arbeit gilt dieses Projekt immer noch als Pilotprojekt und hat somit keine feste Regelfinanzierung. Vorläufer gibt es Hamburg und Kiel, wo Roma und Sinti als Lehrerende und/oder Mediator_innen mitgewirkt haben. Vergleichbare Projekte gibt es unter anderem in Köln, Mannheim, München und Frankfurt/Main.

Gelingensbedingungen und Erfolgsfaktoren für Mediationsprojekte an Schulen …

Atossa Nazeri
und Christa D. Schäfer

Thema: Allgemein | Kommentare (0) | Autor:

2014

Dienstag, 7. Januar 2014 22:43

Christa_D_Schaefer

 

Am Jahresanfang 2014
möchte ich mich gerne für das in mich gesetzte Vertrauen bedanken bei:

meinen Blogleserinnen und Lesern
meinen Coachees
meinen Medianden
meinen Studentinnen und Studenten
meinen TrainingsteilnehmerInnen aus den vielen Seminaren und Trainings
den Autorinnen und Autoren, mit denen ich im intensiven Austausch war
den Buchverlagen, mit denen ich zusammenarbeiten konnte
meinen Kolleginnen und Kollegen

Christa D. Schäfer
Januar 2014

Thema: Allgemein, Konfliktlösung | Kommentare (0) | Autor:

Traumatisierte Kinder,

Montag, 2. Mai 2011 7:43

das ist ein Thema, das auch in diesem Blog durchaus seinen Platz finden muss.

Berlin, April 2011

Zwei bislang unbekannte Halbwüchsige (Alter: ca. 11 bis 14 Jahre) rauben einem Elfjährigen auf einem Spielplatz am Halensee dessen Halskette. Anschließend sollen sie ihr Opfer mit einem Messer bedroht haben.

Ein Elfjähriger hat im Berliner Bezirk Wedding mit einer Soft-Air-Pistole auf andere Kinder geschossen, um Geld zu erpressen. Später steckt er dann sogar einem Jungen ein brennendes Streichholz in die Nase.

Im Berliner Bezirk Lichtenrade geht ein siebenjähriger Junge mit einem abgebrochenen Küchenmesser auf einen neunjährigen Jungen los und verletzt diesen im Gesicht. Die Wunde muss genäht werden.

Von 2005 bis 2009 stieg die Zahl der Gewalttaten, bei der unter 14-Jährige die Tatverdächtigen sind, von 1440 auf 1789 Fälle. Die meisten Fälle davon sind Körperverletzung aus, die sich von 1170 Taten auf 1480 erhöht haben. Laut Polizeistatistik 2010 ist die Gesamtzahl der von Kindern begangenen Straftaten im Vergleich zu 2009 gesunken. 2009 gab es 5730 tatverdächtige Kinder, 2010 waren es nur noch 5360, davon 273 unter acht Jahren.

Wie man sich leicht vorstellen kann, ist es gut möglich, dass Gewalt unter Kindern zu einer psychischen Traumatisierung führt.

„Eine traumatische Situation bedeutet für ein Kind eine extreme, existenzielle Bedrohung. Dabei kann das Kind entweder sich selbst sowie seine körperliche und seelische Einheit oder andere Menschen als bedroht erleben. Entscheidend ist, dass das Kind das Gefühl hat, ohnmächtig zu sein und nichts tun zu können, um sich oder den anderen aus der extremen Not herauszuhelfen.“ (Krüger, Andreas: Erste Hilfe für traumatisierte Kinder. Düsseldorf: Patmos Vlg., S. 19)

Das Buch “Erste Hilfe für traumatisierte Kinder”, dem ich diese Definition einer traumatischen Situation entnommen habe, bietet wichtige fachliche Grundlagen zum Thema, beleuchtet Auswirkungen von Traumatisierungen auf das soziale Umfeld und gibt Hinweise zum Umgang mit psychischen Traumatisierungen. Es ist als Einführungsliteratur für LehrerInnen und PädagogInnen absolut empfehlenswert.

In diesem Buch erfahren Sie alles Wissenswerte zum Thema „traumatisierte Kinder“. Sie erfahren, was in den ersten Momenten einer traumatisierenden Situation getan werden sollte und was in der unmittelbaren Folgezeit wichtig wird. Und natürlich können Sie auch über die Haltung lesen, mit der eine Erzieherin oder eine Lehrkraft einem schwer seelisch verletzten Kindern in oder kurz nach der Akutsituation begegnen sollte.

Ach ja, und dann möchte ich Ihnen noch vorstellen, wie einfühlsam und anschaulich Andreas Krüger Kindern den Begriff traumatische Situation erläutert:

„Stell dir mal ein Kaninchen vor, das gerade von einer Katze verfolgt wird. Das Kaninchen kann sich gerade noch in einen Winkel zwischen zwei Steinen retten. Die Katze kann nicht an das Kaninchen ran, aber die Tatze der Katze flitzt die ganze Zeit vor den Augen des Kaninchens hin und her. Das Kaninchen sitzt in einer Falle: Es kann weder weglaufen, noch kann es kämpfen und sich wehren. So eine Situation, die nennt man eine traumatische Situation – wenn ganz große Gefahr da ist ud man absolut gar nichts mehr machen kann und riesige Angst hat. Man könnte das auch „Nichts-geht-mehr Situation“ nennen. Menschen kann es auch so ergehen, wenn sie zuschauen müssen, wie anderen etwas Schlimmes passiert. Wir fühlen ja mit anderen mit, und da kann es Menschen manchmal genauso Angst machen, wenn sie mit zusehen müssen. Das wäre so, als müsste der Bruder von dem Kninchen vom Kaninchenbau aus zusehen und Angst um seinen Bruder haben, der gerade von der Katze gejagt wird. Da ist das kleine Herz vom Kaninchen und seinem Bruder wie schockgefroren: Nichts geht mehr, Wut und vor allem die Tränen sind dann wie eingefroren …“ (S. 120 f.)

Ich hoffe, dass Sie nicht in die Situation kommen, ein traumatisiertes Kind zu betreuen, aber ich hoffe, dass Sie, wenn Sie in diese Situation kommen, das Kind gut unterstützen können.
Christa D. Schäfer

Thema: Allgemein, Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Gastbeiträge über Unterrichtsstörungen

Mittwoch, 9. März 2011 11:04

Ich freue mich mitteilen zu können, dass es demnächst in diesem Blog einige Gastbeiträge zum Thema “Unterrichtsstörungen” geben wird. Freuen Sie sich mit mir und schauen Sie wieder rein …

wünscht sich
Christa D. Schäfer

Thema: Allgemein, Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

Was haben die Alexander-Puschkin-Schule,

Montag, 1. November 2010 6:33

die Mildred-Harnack-Schule, die Gutenberg-Oberschule, die Fritz-Reuter-Schule, die Oberschule am Rathaus und alle weiteren Sekundarschulen und Gymnasien aus Berlin Lichtenberg gemeinsam? Sie haben jetzt BuddYs …

Unter dem Motto „Aufeinander achten. Füreinander da sein. Miteinander lernen“ übernehmen Schülerinnen und Schüler jetzt in Projekten und im Unterricht Verantwortung für sich und andere. Solche buddY-Projekte gibt es bisher in den Oberschulen von Niedersachsen, Hessen, Thüringen, in OWL und einigen Schulen Hamburgs. In Berlin gibt es in vielen vielen Grundschulen ebenfalls buddY-Projekte. Die Randow-Grundschule in Berlin Lichtenberg ist im Oktober 2010 sogar buddY-Schule des Monats geworden. An dieser Schule gibt es ein wunderbares Pausenbuddy-Projekt, bei dem die STOPP-Regel eine wichtige Rolle spielt. Im Juni 2010 fand die erste Lichtenberger Kinderkonferenz statt, bei der sich BuddYs aus den Grundschulen zu wichtigen Fragestellungen ausgetauscht haben.

Jetzt wurde am 6. Oktober 2010 eine Projektvereinbarung zwischen der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung, dem Bezirksamt Lichtenberg, der Regionalen Fortbildung Lichtenberg, dem Kontaktlehrerzentrum Lichtenberg, den teilnehmenden Projektschulen der Region und dem buddY e.V. geschlossen. Damit ist der Startschuss für die Lichtenberger Oberschulen gefallen. Da ich die Lichtenberger LehrerInnen und SozialpädagogInnen über ein Jahr lang vorbereitet, trainiert und gecoacht habe, weiß ich schon jetzt ein wenig über die gestarteten und zukünftigen buddy-Projekte.

Es werden viele Klassenräte an den Lichtenberger Oberschulen entstehen, ältere Schüler werden sich im Sinne von Patenschaften um jüngere Schüler kümmern, Pausenbuddys werden auf dem Schulhof für Ordnung sorgen … Am Ende der Feierstunde hat sich die Bezirksbürgermeisterin Christina Emmrich mit einigen Buddys unterhalten und in Erfahrung gebracht, was deren Aufgabe an den Schule bereits ist und zukünftig werden wird.

Rainer Bäth vom Kontaktlehrerzentrum Lichtenberg und Dr. Wolfgang Steininger von der Schulpsychologie Lichtenberg werden die Projekte weiter begleiten, und ich werde sicherlich die Gelegenheit haben, an dieser Stelle von einigen interessanten und spannenden Projekten berichten zu können.

Das Projekt der Randow-Grundschule soll bereits hier noch einmal genauer erläutert werden. 2009 nahm das ganze Kollegium der Grundschule an einer Fortbildung zum Thema „Stopp-Regel“ teil. Die Stopp-Regel zeigt dem Gegenüber, dass man nicht mehr möchte – sei es im Spaß oder im Ernst. Die Kinder der Schule haben danach den Umgang mit der Stopp-Regel gelernt.

Im täglichenUmgang miteinander entstehen nun Sätze wie: „Stopp, ich möchte nicht, dass du mich ärgerst.“ oder „Stopp, lass bitte meine Freundin in Ruhe.“ oder „Stopp, ich möchte, dass du aufhörst mich zu beleidigen.“ oder oder oder

Die Einführung der Stopp-Regel ist ein Mittel zur Gewaltprävention an der Schule. Nicht nur Grundschulen, sondern auch viele Hauptschulen haben deutschlandweit bisher die Stopp-Regel im Klassen- oder Schulkontext eingeführt. Die Idee der Einführung der Stopp-Regel geht auf das Buch „Bei STOPP ist Schluss. Regeln und Werte vermitteln“ (Thomas Grüner und Franz Hilt) aus dem AOL-Verlag zurück.

An der Randow-Grundschule gibt es zusätzlich zur Stopp-Regel die BuddYs, die auf dem Schulhof unterwegs sind und darauf achten, dass die Stopp-Regel eingehalten wird. Sie helfen den Kindern, die sich streiten, auch dabei, eigene Lösungen zu finden, um sich wieder zu vertragen.

Übrigens gibt es einen wunderbaren Film zur Stopp-Regel, der an der Anne-Frank-Grundschule in Berlin Mitte gedreht wurde.

Wäre nicht die Stopp-Regel auch was für Ihre Schule?
fragt Christa Schäfer

Thema: Allgemein, Schule in Berlin | Kommentare (0) | Autor:

Streitschlichter-Stückchen

Samstag, 26. Dezember 2009 11:57

Soll ich Ihnen verraten, was ich zu Weihnachten bekommen habe?
Leckere Streitschlichter-Stückchen!

Das ist ein gigantischer Schoko-Torrone-Riegel zum gerechten Teilen mit 20 Stückchen für einen oder mehrere Streitfälle. Man kann den Riegel als Talking Stick verwenden (nach indianischem Vorbild) und nach gelöstem Streit die Schokolade gerecht teilen.

Da hat die Firma Hussel eine super Idee mit den Streitschlichter-Stückchen gehabt. Und besten Dank auch an Kathrin Warneke für das Soul Food Sortiment und ihre Ideen für die Seelennahrung …

Christa D. Schäfer

Wollen Sie wissen, was Schokolade und Impulskontrolle mit interpersonaler Intelligenz und sozialer Kompetenz zu tun haben?

Thema: Allgemein, Konfliktlösung, Konfliktprävention | Kommentare (0) | Autor:

Berliner Präventionstag 2009

Freitag, 13. November 2009 16:55

Am 10. November hat der 10te Berliner Präventionstag stattgefunden. Der Präventionstag wird jährlich von der Landeskommission Berlin gegen Gewalt durchgeführt. Die Landeskommission lobt zum Anlass des Tages auch Preise für beispielhafte Projekte in Berlin aus, dieses Jahr zum Thema „Evaluation und Qualitätsentwicklung in der Gewalt- und Kriminalitätsprävention“.

„Mit dem Berliner Präventionspreis der Landeskommission Berlin gegen Gewalt würdigen wir vorbildliche Projekte im Bereich der Gewalt- und Kriminalitätsprävention. Er ist ein wichtiges Instrument zur Weiterentwicklung der Prävention in unserer Stadt und zur Unterstützung von Projekten. Ohne das Engagement für ein friedliches und gewaltfreies Zusammenleben der Projekte, der Träger, der Institutionen und Netzwerke im Bereich der Gewalt- und Kriminalitätsprävention sowie unserer Sponsoren wäre Berlin weniger lebenswert. Unsere Botschaft lautet deshalb: Prävention ist eine Investition in die Zukunft. Prävention lohnt sich. Alle können sich engagieren. Es geht um unsere Stadt.”

so der Vorsitzende der Landeskommission, Staatssekretär Thomas Härtel.

Dieses Jahr ging der erste Preis an die Paul-Braune-Schule für ihr Projekt “Förderung des sozialen Miteinanders als präventive Maßnahme von Gewalt“. Den von der Initiative Schutz vor Kriminalität gestifteten Sonderpreis erhielt das Projekt “Denkzeit-Training für aggressiv-auffällige Schüler“ der Denkzeit-Gesellschaft e.V.

Herzlichen Glückwunsch
sagt Christa Schäfer

Thema: Allgemein, Konflikte, Konfliktprävention, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor: