Beitrags-Archiv für die Kategory 'Literaturempfehlungen'

Mal wieder Unterrichtsstörungen aus einer deutschen Großstadt

Montag, 30. Januar 2012 8:38

Kennen Sie schon Frau Freitag, eine unerschrockene Lehrerin, die in einer überdrehten und recht leistungsschwachen 9. Klasse einer deutschen Großstadt unterrichtet? Ich kenne sie leider nicht – oder halt, ich kenne viele Frau Freitags, denn das Synonym Frau Freitag könn(t)e für viele Lehrerinnen stehen.

Und diese Frau Freitag, von der ich spreche, die hat ein Buch geschrieben über ihren Alltag in der Schule: „Chill mal, Frau Freitag“, so heißt das Buch. Zwischen Rap und Ramadan battelt sich Frau Freitag durch den Schulalltag ihrer Brennpunktschule. Rat holt sie sich von ihrer Freundin, Frau Dienstag, die ebenfalls Lehrerin ist, oder von Fräulein Krise. Eine Realsatire ist es geworden, in der man Zeuge unfreiwillig komischer Situationen wird – Situationen, die dennoch beispielsweise täglich in Sekundarschulen Berlins zu erleben sind.

Schon öfters habe ich in diesem Blog Literaturauszüge veröffentlicht, in denen es um Unterrichtsstörungen ging, so beispielsweise aus:

Jugend ohne Gott (Ödön von Horváth)
Unterrichtsstörung durch ein Pausenbrot (Frank McCourt)
Föhn mich nicht zu (Stephan Serin)

Und natürlich habe ich auch beim Lesen des Buches von Frau Freitag nach Beschreibungen für Unterrichtsstörungen gesucht. Wie bereits erwähnt, ist das gesamte Buch damit gespickt, und so habe ich mich für eine Passage entschieden, in der es gerade nicht um störende SchülerInnen geht:

Vielleicht sollte man sich einfach mehr mit den unproblematischen Schülern beschäftigen. Die gibt es nämlich auch. Wenn wir über unseren Berufsalltag reden, dann erzählen wir doch immer von den Schwierigen, von den Nervtötern, von den Nixtuern, den Alles-kaputt-Machern. Von den Schülern, mit denen man am meisten Arbeit hat und die einem den Unterricht, den Tag und den Spaß am Beruf zerstören.
Konzentrieren wir uns deshalb einmal auf die netten Schülerinnen und Schüler. Die, deren Namen wir leider am Schuljahresende noch immer nicht kennen oder die wir ständig verwechseln – gerade weil sie nicht stören. Deren Eltern wir nicht kennen, weil wir sie nie anrufen oder zum Gespräch einladen müssen. Überhaupt reden wir nur selten mit den lieben, netten Schülern, weil sie ja immer da sind und alles tun, was man von ihnen verlangt. Sie machen ihre Hausaufgaben, lernen, schreiben gute Arbeiten – was sollte es also zu besprechen geben? Probleme scheinen die nicht zu haben, denn sie tanzen nie aus der Reihe Wenn sie mal eine Stunde oder in einer Miniphase des Unterrichts unkonzentriert sind, dann spreche ich sie schon mal an: „Das bin ich von dir aber nicht gewohnt. Mach nicht so, das ist doch gar nicht deine Art von dir erwarte ich aber mehr.“ Diese Schüler dürfen nicht negativ auffallen, denn sie bilden das wacklige Gerüst, auf dem ich so tue, als fände bei mir geregelter Unterricht statt. Sie müssen immer die perfekten Schüler sein. Sie dürfen sich nicht verändern, dürfen nicht in die Pubertät kommen, schlecht gelaunt sein oder faul oder unverschämt werden.
In meiner Klasse gibt es davon vielleicht sechs oder sieben. Sechs oder sieben Schülerinnen und Schüler, die einfach so funktionieren und um die ich mich so gut wie gar nicht kümmere. Wenn sie einmal mit irgendeinem Problem zu mir kommen, dann fordere ich von ihnen, es auf schnellstem Wege alleine zu lösen. Ich habe keine Zeit, keinen Nerv und keine Lust, mich auch noch intensiv um die lieben, netten Schüler zu kümmern.
Quelle: Frau Freitag: Chill mal, Frau Freitag. Berlin: Ullstein 2011. S. 100 f.

Da kommt man doch glatt wieder ins Reflektieren zur Theorie über Unterrichtsstörungen heute. Aber jetzt haben wir in Berlin ja erst einmal eine Woche Winterferien …
Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Schule in Berlin, Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

Die Mediation in Gruppen und Teams …

Montag, 23. Januar 2012 4:09

… stellt die Mediatorin bzw. den Mediator bzw. meist das MediatorInnenteam vor besondere Herausforderungen. Da sind es nämlich „nicht nur“ zwei Konfliktparteien, sondern gleich mehrere Personen, die an der Mediation teilnehmen, und das erfordert natürlich spezielles Wissen und spezielle Methoden, um die Mediation gut gelingen zu lassen.

Ein Team meint dabei einen Zusammenschluss von mehreren Personen zur Lösung einer bestimmten Aufgabe oder zur Erreichung eines bestimmten Zieles. In einem Unternehmen meint ein Team eine für einen bestimmten Zweck aus Mitarbeitern zusammengesetzte Arbeitsgruppe.

Eine Gruppe kann definiert werden als Ansammlung von Individuen, die sich selber als Mitglieder derselben sozialen Kategorie wahrnehmen, die ein gewisses Maß an emotionaler Bindung an diese Kategorie aufweisen und die einen gewissen sozialen Konsens über die Beurteilung und ihre Mitgliedschaft in dieser Gruppe aufweisen.

2011 erschien im Junfermann Verlag das Buch “Praxis der Gruppen- und Teammediation“, das Methoden und Visualisierungsvorschläge zur Team- und Gruppenmediation praxisnah vorstellt. In diesem Buch von Al Weckert, Christian Bähner, Monika Oboth und Jörg Schmidt werden die dargestellten Methode zunächst ausführlich beschrieben, dann folgt die Beantwortung der FAQs (Frequent Answered Questions), also der häufigsten Teilnehmerfragen aus Mediationsausbildungen zu dieser Methode, und es schließt sich eine Visualisierung durch ein abgebildetes Flip-Chart-Blatt an, das die wichtigsten Kernmerkmale der Methode zeigt. Die dem Buch beiliegende DVD veranschaulicht die Methoden am Beispiel von drei gespielten Mediationsfällen. Damit wird das Buch für all diejenigen, die sich in dem Bereich der Gruppen- und Teammediation spezialisieren wollen, ein unbedingtes Muss …

Weckert, Bähner, Oboth und Schmidt zeigen Besonderheiten auf, die die Mediationsarbeit mit Teams und Gruppen ausmachen, da heißt es beispielsweise:

„Gruppen und Teams brauchen Struktur, um Sicherheit und Orientierung in der Konfliktklärung zu erleben. Diskussionen mit vielen Beteiligten erfordern eine hohe Konzentrationsleistung. Lässt die Konzentration nach oder ist viel Pfeffer in der Debatte, nehmen automatisch die Seitengespräche zu. Der Schallpegel erhöht sich durch Papiergeraschel, Hüsteln und Getränkegeklapper. Was um 9.15 Uhr noch kein Problem darstellt, wird um 16.15 Uhr leicht zum Auslöser von Kopfschmerzen. Das Mediationsteam achtet deshalb darauf, durch regelmäßige Methodenwechsel Körper und Geist arbeitsfähig zu halten. …“ (Buch S. 19)

Sowohl in der Wirtschaftsmediation als auch in der Umwelt- und Gemeinwesenmediation warten Team- und Gruppenmediationen. Wer in diesen Mediationsbereichen tätig ist, wird also sein Mediationswissen und sein Methodenrepertoire vergrößern müssen. Ich denke da beispielsweise an das Phasenmodell der Mediation.

Kennt man in den meisten Bereichen der Mediation das klassische Fünf-Phasen-Modell der Mediation:

  1. Den sicheren Rahmen schaffen
  2. Die Themen erheben
  3. Sichtweisen erhellen
  4. Lösungen entwickeln
  5. Vereinbarungen treffen

so muss dieses in der Arbeit mit Gruppen und Teams auf ein Sieben-Phasen-Modell erweitert werden:

  1. Den sicheren Rahmen schaffen
  2. Die Themen erheben
  3. Die Themen priorisieren
  4. Die Sichtweisen darstellen
  5. Die Sichtweisen erhellen
  6. Lösungen entwickeln
  7. Vereinbarungen treffen

Natürlich ist es im Zusammenhang zur Arbeit mit Gruppen und Teams auch hochinteressant und wichtig, Grundkenntnisse zu den Gruppenphasen und Einblick in die Gruppendynamik zu besitzen – aber dazu gibt es bereits einen anderen Artikel in diesem Mediationsblog …

Gutes Gelingen für Ihre nächsten Mediationen
wünscht Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0) | Autor:

Ein Stuhl ist (kein) Stuhl – und mehr …

Montag, 9. Januar 2012 6:43

Vor einiger Zeit habe ich über Antworten zur Frage „Wann ist eine Frage eine gute Frage?““ berichtet. Heute möchte ich darüber schreiben, dass ein Stuhl nicht nur ein Stuhl ist …

Vielleicht haben Sie von der Methode mit dem leeren Stuhl gehört, oder kennen diese Technik bereits? Die Methode kommt ursprünglich aus der Gestalttherapie. Dort kann ein leerer Stuhl stellvertretend für verschiedenen Rollen stehen. Ein Stuhl kann einen Teil des Ichs repräsentieren und wird in der Gestalttherapie dadurch zur Lösung innerpsychischer Probleme genutzt. Ein leerer Stuhl kann allerdings auch einen Gesprächspartner oder eine Wunschperson symbolisieren. In der Vorstellung nimmt eine andere Person auf diesem Stuhl Platz. Perspektivwechsel und imaginäre Unterhaltungen sind möglich. Zirkuläre Fragen bekommen mehr Prägnanz. Und manchmal bekommt der Klient auch den Auftrag, sich mit diesem anderen zu identifizieren, in diesem Fall tauscht er mit der vorgestellten Person den Platz und setzt sich selbst auf den leeren Stuhl, damit er sich besser in die abwesende Person hineinversetzen kann, um zu erfahren, wie der andere eine Situation erlebt.

Sowohl in der systemischen Beratung und Therapie, als auch natürlich im Konfliktcoaching und in der Mediation – die ja per se systemisch ist – kann die Methode des leeren Stuhls eingesetzt und genutzt werden.

Im Konfliktcoaching kann der leere Stuhl beispielsweise als „So-tun-als-ob-Stuhl“ genutzt werden. Hat jemand die Wahl zwischen verschiedenen Optionen und Reaktionsmöglichkeit im Konfliktfall, so können diese Wahloptionen als Stühle gestellt werden. Der sich im Konfliktcoaching befindende Coachee kann sich dann abwechselnd auf die Stühle setzen, Vor- und Nachteile der jeweiligen Wahl kognitiv abwägen und die Wahlmöglichkeit über das eigene Erleben auf den Stühlen „erfühlen“. „Mal angenommen, Sie hätten sich für diesen Weg entschieden, wie geht es Ihnen damit? Wie fühlt es sich an?“ – so würde man einen Coachee fragen, der einen der Stühle gewählt hat.

Auch das zirkuläre Fragen im Konfliktcoaching kann mit einem dazu gestellten leeren Stuhl verstärkt werden. „Wenn jetzt auf diesem Stuhl hier neben Ihnen Herr xy sitzen würde, was würde er dann wohl dazu sagen?“ Es gibt Situationen, da meint man fast, diesen imaginären Herrn xy im Coaching „spüren“ zu können.

In der Mediation kann die Methode des leeren Stuhls natürlich auch genutzt werden, wenn eine Konfliktpartei nicht mit dabei sein kann. In einer Mediation mit einer Gruppe oder einem Team kann es schon mal passieren, dass ein Mitglied nicht anwesend sein kann. Dann ist zu überlegen, ob die Mediation abgesagt wird oder ob es eine Möglichkeit ist, durch die Methode mit dem leeren Stuhl weiter zu arbeiten. In diesem Fall wird dann der leere Stuhl stellvertretend für das fehlende Team- oder Gruppenmitglied gestellt. Dadurch kann dieses Team- oder Gruppenmitglied mit in die Mediation, in die Darstellung der Sichtweisen und in die Diskussion um die Lösungsfindung eingebunden werden. Natürlich ist die Anwesenheit aller Konfliktparteien immer oberstes Ziel in einer Mediation und die Wahl der Methode mit dem leeren Stuhl stets die zweite Wahl.

In dem zweiten Teil des Buches “Die Psychotherapeutische Schatzkiste“ von Andrea und Filip Caby aus dem Borgmann Verlag werden verschiedene Anwendungsmöglichkeiten für die Methode des leeren Stuhls in systemischen Settings genauer beschrieben. Die Cabys haben die Methode des leeren Stuhls in verschiedensten Situationen mit Klienten und ihren Systemen erfolgreich eingesetzt: Einsatz von Stühlen beim zirkulären Fragen, in der Time-Line-Technik, bei Familienskulpturen sowie beim Rollentausch. Sie nutzen Stühle oder andere Gegenstände zur bildlichen Darstellung eines Problems (oder einer Lösung) und schätzen einen leeren Stuhl bei ungewohnten Interventionen.

Neben dieser Methode wird in der Psychotherapeutischen Schatzkiste ein großes Repertoire an systemisch-lösungsorientierten Interventionen für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Familien vorgestellt. Praxisgeleitete Ausführungen gibt es zu Frageformen, Metaphern, Gesprächsgestaltung, Ressourcenarbeit und vielem mehr. Damit eignet sich das Buch als Lektüre für alle diejenigen, die systemisch arbeiten oder arbeiten möchten – sei es im beraterischen oder therapeutischen Bereich oder in der Mediation.

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (1) | Autor:

Kommunikation in der Familie

Montag, 19. September 2011 22:44

„Lilly, zwei Jahre alt, will, was Lilly will. Also viel und auf jeden Fall immer das andere. Das Wurstbrot ohne Brot. Die linke Birne, nicht den rechten Apfel. Keine Spange, eine Spange. Dienstagmorgen kam ich in den Genuss einer zweistündigen Sinnlos-Diskussion über eine Strumpfhose, die sie nicht anhaben wollte, ich aber fand, sie sollte sehr wohl. Über ein Schlafanzugoberteil, das ich ihr über den Kopf zog. Und sie wieder runter. Über eine Socke, die sich sich vom Fuß zupfte, so bald ich versuchte, auch Nr. 2 an die Frau zu bringen. Hallo???!!!
Ich bin einundvierzig, und dieser Zellhaufen ist zwei!“

„Natürlich zählt die textile Wartung und Pflege eines zweijährigen sich sträubenden Schmutzfinks zu den Standardanforderungen des Mutterhandwerks. Aber ich bin Mama 2011. Mein Kind soll niemals weinen, es soll immer nur lachen. Es soll später allen erzählen, was für ein Riesenglück es war, vom Klapperstorch über unserem Haus abgeworfen zu werden. Und nicht bei der blöden Tante aus dem Haus gegenüber. Ich will, dass es voller Liebe ruft: „Ich habe mein Fehlverhalten eingesehen und kooperiere gerne!“ Und ich glaube, unsere Lilly ist da schon auf dem besten Weg. Sie kann sich halt nur noch nicht so gut ausdrücken, die kleine Maus: „Mama, böse!!!““

„Für XY-Chromosomenträger sind Problemgespräche purer Stress. Will sagen: Mit Schatzi kannst du über alles reden. Hauptsache, es geht nicht um Probleme. Als Mann hasst er Probleme. Insbesondere solche, die ihm seine eigene Frau erzählt. Und noch insbesonderer solche, die er nicht mit „ja“ oder „nein“ beantworten kann. Natürlich hat er auch diese klassischen tief verwurzelten Männerängste. Niemals zum Beispiel würde er irgendein Problem einfach so an sich reißen und zu seinem erklären. Nachher hänge ich noch dran, wer weiß?
Als Frau warte ich beim Telefonieren auch immer vergeblich auf ein Grunzen oder Schnarchen am anderen Ende der Leitung. Also irgendein Geräusch, das mir das Gefühl gibt, mein mit mir verheirateter Gesprächspartner ist noch am Leben. Stattdessen gewinne ich schnell den Eindruck: Muddi ist der akustische Spam hier, immer dicht am Mülleimer. Und Schatzi die wachere, unüberwindbare, ein Meter dreiundachtzig hohe Firewall – erschaffen, das Paradies vor dem Untergang durch Probleminvasion zu bewahren.
Dabei stehen die ganze Zeit zwei Fragen im Raum – natürlich breitbeinig, wie sich das gehört, und mit viel hosentaschentechnischem Kleingeldgeklöter: Ist Schatzi vielleicht ein schlechter Zuhörer?
Ach nein! Iwo!
Zuhören und Antworten sind einfach nur zwei im Männerhirn völlig voneinander abgekoppelte Prozesse.“

Das zum Thema „Kommunikation in der Familie“ …
Gelungene Kommunikation?
Kommunikation, die bekannt anmutet?

Auf jeden Fall jedoch Kommunikation, die amüsiert und zum Denken anregt -
und ein Text, der zum Schmökern da ist.

Gerne stelle ich Ihnen mit obigen Zitaten das neue Buch “Der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren“ von Katja Kessler vor.

Dr. Katja Kessler ist promovierte Zahnärztin, die vier Jahre lang als Gesellschaftkolumnistin bei der BILD-Zeitung war, dann zwei erfolgreiche Dieter-Bohlen-Biografien schrieb, mit ihrem ersten Roman „Herztöne“ auf der Spiegel-Bestsellerliste landete, deren Schwangerschaftsratgeber „Das Mami-Buch“ in acht Sprachen übersetzt wurde, und die jetzt bereits das zweite Buch über „Schatzi“ und ihre Familie geschrieben hat. Katja Kessler hat vier Kinder, wohnt in Potsdam und ist mit dem Bild-Chefredakteur Kai Diekmann verheiratet.

Das Buch ist sehr kurzweilig, es ist rasant zu lesen und kommunikationstheoretisch höchst interessant. Gerne würde ich in dieser Familie die Kommunikation mal einen Tag live verfolgen, und sicherlich wäre es interessant zu wissen wie dort Konflikte gelöst werden, welche Lieblingsthemen es zwischen Kindern und Erwachsenen gibt, usw. usw.

Nicht so lustig, aber dafür sehr lehrreich ist übrigens folgendes Buch zum Thema:
„Kommunikations- und Konfliktmangement für Eltern

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Ein kleines Stückchen Abstand …

Montag, 5. September 2011 6:57

Einige Leser dieses blogs haben bereits nachgefragt, warum in den letzten Wochen so wenig Neues hier zu lesen war. Das ist der Grund:

 

Diese Karte war mein Leitbild in den letzten Wochen. Sie stammt aus dem Kartenset „Sonnenstrahlen für Dein Herz“ von OUPS. 42 sonnige Gedanken sind in diesem Kartenset vereint. Karten, die wie immer bei Oups liebevoll gestaltet sind. Karten, die wie immer bei Oups in die Tiefe der Seele gehen und gut tun. Karten, die Herzensübungen mit Sozialem Lernen verbinden …

Auch für Sie alles Gute
wünscht Christa Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Gewalt und Mobbing an Schulen – Möglichkeiten der Prävention und Intervention

Montag, 15. August 2011 7:51

Die Schulmediation dient der Gewaltprävention, kann aber auch dann eingesetzt werden, wenn „leichte“ Gewalt bereits geschehen ist. Wilfried Schubarth hat ein sehr informatives Buch zum Thema „Gewalt und Mobbing an Schulen“ geschrieben, das ich an dieser Stelle gerne vorstellen möchte.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dieses im Grundgesetz verbriefte Grundrecht gilt auch für die Institution Schule und zwar für Schüler und Lehrer. Gleichwohl weiß jeder aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, diesem Recht Geltung zu verschaffen – auch und gerade in der Schule. Neben eigenen Erfahrungen stammt das meiste, was wir über die Schule zu wissen glauben, aus den Medien. Und diese sind beim Thema ‚Jugend und Gewalt‘ wahrlich nicht zimperlich, versprechen doch groß aufgemachte Berichte über extreme Gewaltvorfälle, z.B. Amokläufe, erhöhte Aufmerksamkeit und ökonomischen Gewinn. Sich über die Situation an Schulen selbst ein realistisches Bild zu machen, ist deshalb praktisch unmöglich. So bleiben die Fragen, die solche Medienberichte provozieren, weitgehend offen: Wie sicher sind unsere Schulen? Wie viel Gewalt, wie viel Mobbing gibt es an Schulen? Hat die Gewalt zugenommen? Haben wir bald amerikanische Verhältnisse? Was sind Ursachen für Gewalt und Mobbing? Und vor allem: Was kann gegen Gewalt und Mobbing getan werden? Welche Präventionsansätze gibt es und welche haben sich besonders bewährt?“ (Schubarth 2010, S. 7)

So eröffnet Wilfried Schubarth sein Vorwort zum Buch, und er geht schnell zu den quälenden Fragen über, die uns nach den bekannten Schlagzeilen der letzten Zeit immer wieder beschäftigen. Ich erinnere hier etwa an den Vorfall, als ein Schüler eines Berliner Gymnasiums am Bahnhof Friedrichstraße einen anderen Menschen brutal zusammenschlug oder an die Diskussion in den Medien über das immer verbreitetere Mobbing und Cybermobbing an Berliner Schulen.

Schubarth steht diesen Medienberichten kritisch gegenüber. Anhand einer Grafik zeigt er, wie schnell das öffentliche Interesse für das Thema durch die Medien ansteigt, wie auch die Politik oberflächlich reagiert und dann alles genauso schnell wieder im Sand verläuft. Er stellt auch kritisch dar, dass der Medienboom, der die Täter so sehr ins Rampenlicht stellt, Nachahmungstäter dazu animiert, ähnliche Verbrechen auszuführen. Fazit: Für Außenstehende sind die Fragen zu eventuellem Gewaltanstieg oder der aktuellen Situation nicht zu beurteilen.

In seinem Buch möchte Wilfried Schubarth dem ein wenig Abhilfe schaffen und beschreibt in der ersten Hälfte seines Buchs „Gewalt und Mobbing an Schulen“ die aktuellen Definitionen zu Aggression und Gewalt. Psychologische und soziologische Theorien und integrative Ansätze werden ausführlich zusammengefasst und schaffen ein Verständnis für die Vielschichtigkeit von Aggressionen, die in den allermeisten Fällen nicht nur einen Auslöser haben.

So beschreibt die Psychologie Aggression z.B. als Trieb oder als Reaktion auf Frustration, als erlerntes Verhalten oder als Persönlichkeitsstörung. Die Soziologie stellt Aggression mehr als abweichendes Verhalten dar, etwa als Folge von Anpassung an widersprüchliche kulturelle Ziel und sozialstrukturelle Verhältnisse oder als Anpassung an Anforderungen der Gesamt- oder Subkultur. Es entsteht auch aus zugeschriebenem Rollenverhalten oder mangelnder Selbstkontrolle und Verunsicherung. (Vgl. Schubarth 2010, S. 52f.)

Auf dieser Grundlage beschreibt Schubarth anhand von empirischen Forschungen ein Täter- und Opferprofil für den Schulbereich. Täter sind meist älter als ihre Opfer, sie sind dominant, meist selbstbewusst und eher beliebt bei ihren Mitschülern. Sie sind eher leistungsschwach, haben eine geringe Empathiefähigkeit und eingeschränkte Konfliktlösungskompetenzen. Dagegen sind typische passive Opfer im Gegenteil körperlich schwächer, unsicher, still. Sie wehren sich nicht, haben ein negatives Selbstbild, sind Außenseiter und haben mangelnde soziale Kompetenzen. Daneben gibt es auch noch die Gruppe der provozierenden Opfer, die sowohl Opfer wie Täter sind. Sie charakterisiert eine Kombination aus ängstlichem und aggressivem Verhalten. Sie sind leicht reizbar und in ihrer Altersgruppe eher unbeliebt. Während Täter und passive Opfer jeweils 5 % der Schüler ausmachen, sind etwa 2/3 der Opfer auch Täter und viele Täter sind auch schon Opfer gewesen. Dabei gelten die Zahlen sowohl für den Bereich der Aggression wie auch für Mobbing und Cybermobbing (vgl. Schubarth 2010, S. 67f. und 81f.).

Der zweite große Teil des Buches beschäftigt sich mit der Gewaltprävention und -intervention. Bereits bei der Definition von Aggression und Gewaltverständnis wurde im ersten Teil auf Folgen für die Prävention eingegangen. Nun fasst der zweite Teil ausführlich auf jeweils 2 bis 3 Seiten einzelne Programme zusammen aus dem Bereich der Gewaltprävention (z.B. „FAUSTLOS“) und –intervention (z.B. Coolness-Training), Programme gegen Mobbing (allen voran das Interventionsprogramm nach Dan Olweus), gewaltunspezifische Programme (z.B. das buddY-Programm) und weitere Konzepte, die das Zusammenleben in der Schule betreffen (z.B. Demokratie- und Menschenrechtserziehung). Jedes Projekt ist dabei übersichtlich gegliedert nach Zielen, Inhalt und Methoden, einer Gesamtbewertung und einer Zusammenfassung der Stärken und Schwächen des jeweiligen Programms.

Wilfried Schubarth hat mit seinem Buch eine Übersicht über den aktuellen Wissensstand im Bereich der Gewaltforschung geschaffen. Die Beschreibung der Präventionsprogramme ist knapp, aber mit ausreichend Literaturempfehlungen versehen, so dass ein vertiefendes Arbeiten damit ohne weiteres möglich ist. Das Buch eignet sich deshalb sehr gut als Grundlagenlektüre für Lehrer und Studierende und alle diejenigen, die mit Jugendlichen arbeiten, Gewalt und Aggression verstehen lernen und präventiv dagegen vorgehen wollen.

Ein gewaltfreies neues Schuljahr wünscht
Dominik Mühe

Thema: Gewalt, -prävention, -intervention, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Hühnersuppe für die Seele

Montag, 25. Juli 2011 10:27

A college professor had his sociology class go into the Baltimore slums to get case histories of 200 young boys. They were asked to write an evaluation of each boy’s futue. In every case the students wrote, „He hasn’t got a chance.“ Twenty-five years later another sociology professor came across the earlier study. He had his students follow up on the projekt to see what had happened to these boys. With the exception of 20 boys who had moved away or died, the students learned that 176 of the remaining 180 had achieved more than ordinary success as lawyers, doctors and businessmen.

The professor was astounded and decided to pursue the matter further. Fortunately, all the men were in the area and he was able to ask each one, „How do you account for your success?“ In each case the reply came with feeling, „There was a teacher.“

The teacher was still alive, so he sought her out and asked the old but still alert lady what magic formula she had used to pull these boys out of the slums into successful achievement.

The teacher’s eyes sparkled and her lips broke into a gentle smile. „It’s really very simple,“ she said. „I loved those boys.“

Eric Butterworth: Love, the one creative force. In: Canfield, Jack; Hansen, Mark Victor: Chicken Soup for the Soul. 101 Stories to open the heart and rekindle the spirit. Health Communications 1993. S. 2 f.

Dies ist eine Geschichte, die das Herz erwärmen soll. Sie ist aus dem Buch „Chicken Soup for the Soul. 101 Stories to open the heart and rekindle the spirit.“ Es gibt dutzende Bücher aus der Chicken Soup Serie und in den USA sind sie seit Jahren ein Verkaufsschlager.

„Hühnersuppe für die Seele“ ist auch im Goldmann Verlag auf Deutsch erschienen. Aus dem Vorwort des zweiten Bandes “Noch mehr Hühnersuppe für die Seele“:

„Die Geschichten, die Menschen erzählen, bewirken, daß man sich mit ihnen beschäftigt. Wenn Sie also Geschichten hören, gehen Sie sorgsam damit um. Und lernen Sie, sie dahin weiterzugeben, wo sie gebraucht werden. Manchmal hat ein Mensch eine Geschichte nötiger als Nahrung, um weiterzuleben. Das ist der Grund, weshalb wir diese Geschichten einander erzählen. Auf diese Weise befassen sich die Menschen mit sich selbst.“ Barry Lopez

Zur Geschichte vom Prophet und den langen Löffeln geht’s übrigens hier ….

Weiterhin eine schöne Ferienzeit
wünscht Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Konfliktcoaching

Montag, 20. Juni 2011 9:22

Aus aktuellem Anlass habe ich in der letzten Zeit nach einem Buch gesucht, in dem die Methode des Konfliktcoachings gut beschrieben und erläutert wird. Jetzt habe ich es gefunden, ein Buch von Sonja Radatz zum Thema „Einführung in das systemische Coaching“ in der Reihe Carl-Auer compact.

Sonja Radatz schreibt, dass im klassischen Coaching an Problemen gearbeitet wird, die aus oder mit Situationen entstanden sind. Im Konfliktcoaching stehen hingegen „Probleme mit Menschen“ – also Konflikte – im Vordergrund. Das von ihr beschriebene Instrument des Konfliktcoachings baut auf der Grundlage des systemischen Coachings auf und ist einfach und leicht anwendbar.

Dieses Instrument funktioniert natürlich nur, wenn nicht der Coach, sondern der Coachee ein Interesse daran hat, dass der Konflikt gelöst wird. Nur in diesem Fall kann der Coach dieses Einzelgespräch quasi mit dem Coachee als einer Konfliktpartei führen. Aus systemischer Sicht gibt es dann für die Lösung dieses Konfliktes keine „richtige“ oder „falsche“ Lösung. Es gibt lediglich solche, die sich zu einem gegebenen Zeitpunkt für ein spezifisches System (Team, Unternehmen, Führungsbeziehung, Projektgruppe) als viabel (gangbar, passend) herausstellt oder eben nicht.

Wenn an einer möglichen Lösung eines Konfliktes gearbeitet wird, so hat man natürlich nie einen 100%igen Einfluss auf eine Situation, denn wir können natürlich nie die andere Konfliktpartei ändern und auch nicht ein bestimmtes Verhalten von ihr erzwingen, sondern nur unser eigenes Verhalten ändern. Sonja Radatz sagt, dass damit ein Konfliktcoaching zu einer „verhaltensoptimierenden Arbeit“ wird:

„Wir arbeiten daran, wie wir mit den anderen anders umgehen können – und nicht daran, wie wir sie verändern können. Wir begleiten Menschen im Konfliktcoaching, indem wir ihnen die passenden Fragen stellen und sie damit zum Denken anregen. Damit ermöglichen wir ihnen, innerhalb ihres Denkrahmens andere, aus ihrer Sicht passendere Handlungsalternativen zu entwickeln. Jede Frage, die wir stellen, hat dabei enorme Kraft – und daher sollten die Fragen jeweils sorgfältig ausgewählt und geprüft sein, bevor sie dem Coachee gestellt werden.“ (Buch, S. 96)

Die Methode des Konfliktcoachings vereint also Bausteine aus dem Bereich der Mediation und aus dem Bereich des Coachings. Die oben zitierte Textpassage gefällt mir als Mediatorin sehr gut, und ich möchte gerne das von Sonja Radatz vorgeschlagene Modell zum Konfliktcoaching hier folgend vorstellen. Es ist für MediatorInnen interessant, aber natürlich auch für alle diejenigen, die sich im Spannungsfeld zwischen Coaching und Mediation bewegen. Im Gegensatz zur Medation wird in diesem Modell bewusst sehr kurz an der Problemschilderung gearbeitet, da die Erfahrung gezeigt hat, dass eine lange Auseinandersetzung mit einem als problematisch erlebten Verhalten weniger Fortschritt bringt als die Fokussierung in Richtung einer Lösung.

  • Konflikt schildern (3 Min.)
    Worum geht’s?
    Wer tut was im Konflikt?
  • Skalenfrage (5 Min.)
    Aus einer Skala von 0 bis 10, wenn 0 den schlimmsten bisher in diesem Konflikt von Ihnen erlebten Zustand beschreibt und 10 Ihren Zielzustand – was machen Sie genau bei 10?
  • Derzeitige Einschätzung auf der Skala (1 Min.)
    Und wo stehen Sie gerade jetzt auf dieser gleichen Skala?
  • Angestreben Wert auf der Skala festlegen (10 Min.)
    Welchen Punkt auf der Skala wollen Sie denn heute erreichen?
    Und was tun Sie genau anders, wenn Sie diesen Wert erreicht haben?
    Und wenn sie das tun, was tut dann Ihr Konfliktpartner anders?
  • Verhaltensunterschiede bilden (5 Min.)
    Was – das Sie jetzt noch nicht tun – tun Sie, wenn Sie um einen Punkt höher stehen?
    Und wenn Sie das tun, wie anders verhält sich dann der andere?
    Und wenn der andere sich anders verhält, wo stehen Sie dann auf der Skala?
    Etc.
  • Entscheidung (10 Min.)
    für einen Wert unter Einbeziehung des dafür zu bezahlenden Preises
  • Maßnahmen (5 Min.)
    Was tun Sie (ab) morgen konkret (anders)? 

    (Buch S. 95)

Natürlich bildet das Konfliktcoaching nur ein kleines Unterkapitel in dem Buch „Einführung in das systemische Coaching“. Neben grundlegenden Aussagen zum Coaching gibt es dort weitere Kapitel zu Frageformen im Coaching, zum Ablauf des systemischen Coachings, zum Umgang mit unterschiedlichen situativen Verhaltensweisen des Coachees, zu Coachinginstrumenten in der Praxis, zu speziellen Coachingabläufen für spezielle Situationen, zur Verwendung von Coachingpartikeln im Alltagsgespräch sowie zu hilfreichen Selbstcoachingkonzepten. Und das alles kurz, knapp, kompetent und sehr lesbar in handlicher Form. Wer also aus der Mediation kommt und sich für das Coaching interessiert, dem sei dieses Buch als Einstieg ins Thema unbedingt zu empfehlen.

Christa D. Schäfer

Konfliktcoachings können Sie übrigens auch mit anderen Methoden und in anderen Settings gestalten, zum Beispiel mit den sechs Denkhüten von De Bono.

Thema: Konfliktberatung, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Wenn Kinder den Kontakt abbrechen …

Montag, 6. Juni 2011 8:18

Gibt es das?

Angelika Kindt hat ein Buch darüber geschrieben. Sie wurde von ihrer Tochter ohne Vorwarnung verlassen – warum, weiß sie bis heute nicht. Auf der Suche nach Antworten und Hilfe stellte sie fest, dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein ist. Das Phänomen „verlassene Eltern“ zieht sich durch alle sozialen Schichten, wird von der Gesellschaft jedoch tabuisiert. – so heißt es auf der Rückseite dieses spannenden Buches.

Das Phänomen „Verlassene Eltern“ ist in zweierlei Hinsicht interessant für mich und diesen blog.

Zum einen ist natürlich die Systemische Sicht auf dieses Phänomen höchst faszinierend. Was passiert oder auch was muss bereits passiert sein, wenn eine 30jährige Tochter ihrer Mutter den Kontakt aufkündigt, sich nicht mehr meldet und keine Verbindung mehr existiert?! Obwohl – eine Verbindung existiert ja schon, von beiden Seiten aus, und zumindest für die Mutter ist diese Situation sehr schmerzhaft. Ob sie das auch für die Tochter ist, kann man in dem Buch nur erahnen, denn zur Tochter gibt es ja keinen Kontakt mehr. Wahrscheinlich aber litt die Tochter schon viel früher und hat deshalb diesen radikalen Schritt zum Kontaktabbruch gewählt? Vermutungen über Vermutungen.

Die Autorin Angelika Kindt begibt sich mit diesem Buch auf Spurensuche. Sie hatte stets versucht eine gute Mutter zu sein und natürlich immer so gehandelt, wie sie es am besten in den jeweiligen Situationen zu den jeweiligen Zeiten konnte und wusste. Nach der „Trennung“ plagten sie Selbstvorwürfe und Zweifel. Andere Menschen belegten sie mit Vorurteilen und Stigmatisierung.

„Kinder distanzieren sich nicht von den Eltern, weil diese ihnen fremd geworden sind, sondern eher, weil sie ihnen zu nahe sind. … Auch ich schämte mich, wie viele andere verlassene Eltern, dass mir so etwas als Mutter ‘passieren’ konnte. Inzwischen habe ich begriffen, dass immer zwei Seiten an so einem Bruch beteiligt sind. Ich wünsche mir sehr, dass die Kinder, die von ihren Eltern nichts mehr hören wollen, das auch verstehen und sich bewusst machen.“ (Buch, S. 85)

Wenn Kinder erwachsen werden, dann lassen sich beide Seiten – Eltern und Kinder – los. Dies sollte ein positives Loslassen sein, das schließlich wieder zu einer Verbindung führt. Eltern und Kinder (oder Mutter und Tochter) führen beide „ihr Leben“, lassen Raum zwischen sich und sollten spüren und wissen, dass sie jederzeit wieder eine angemessene Nähe suchen können. In gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Fairness gibt es ein gesundes Einpendeln zwischen Loslassen und Wiederfinden.

Dieser gegenseitige Respekt und die darin wohnende Fairness scheinen in manchen Eltern-Kind-Beziehungen schwierig bis unmöglich zu sein. Kontaktabbruch ist Flucht, ist Wegrennen vor der Aufgabe einen fast nicht aushaltbaren Konflikt lösen zu müssen. Jeder der beiden Konfliktpartner (Mutter und Tochter) haben gewisse Vorstellungen von ihren Rollen bzw. der Rolle der jeweiligen anderen. Was geschieht, wenn diese Rollenbilder nicht deckungsgleich sind, sondern differieren? Dann tut es emotional weh und ist hart.

Die Verweigerung des Kontaktes ist in diesem Fall natürlich auch eine Form der Kommunikation, denn wenn wir an Paul Watzlawick denken, so heißt es in dessen erstem Axiom: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Im Falle des Kontaktabbruchs ist es so, dass man lediglich Vermutungen über die Ursache anstellen kann, aber keine Rückmeldung zu dieser Sichtweise bekommt. Damit fühlt man sich ohnmächstig und empfindet den Kontaktabbruch als solches als aggressive Verhaltensweise.

Je nach Konflikttyp könnten Mutter und Tochter auch an dieser Thematik der verschiedenen Rollenerwartungen arbeiten, die Kommunikation miteinander suchen oder auch eine Mediatorin, einen Mediator als „Vermittler zwischen den beiden Welten“ einsetzen. – Und hier ist natürlich der zweite Anknüpfungspunkt zu diesem blog. Bisher habe ich einen solchen Fall noch nicht bearbeitet, aber ich bin sicher, dass Mediation unterstützen kann – wenn beide Parteien dazu bereit sind und sich darauf einlassen. Dann wäre Mediation wahrscheinlich sogar die bessere Wahl als eine Familientherapie – denn diese ist dichter und intensiver und wird oft gar nicht gewünscht.

In dem Buch “Wenn Kinder den Kontakt abbrechen“ von Angelika Kindt gibt es viele weitere fachlich interessante Passagen wie beispielsweise diejenige zu den Stichworten „Trauerarbeit“ und den „vier Phasen eines Verlusts“. Mit anderen Worten: Sowohl aus Systemischer Sicht als auch aus MediatorInnensicht ist dies ein super interessantes Buch, das sich lohnt zu lesen!

Christa D. Schäfer

Übrigens: Kommunikation ist …

Thema: Familienmediation, Literaturempfehlungen, Systemischer Ansatz | Kommentare (25) | Autor:

Vielfalt ist ergiebig …

Montag, 23. Mai 2011 10:50

Mediation

Die Streitparteien in der Mediation haben unterschiedliche Sichtweisen, sie stammen mitunter aus verschiedenen sozialen Schichten, sind unterschiedlichen Geschlechts, repräsentieren unterschiedliche Kulturen, Lebensstile, Generationen usw. Mediationsverfahren zeigen Erkenntnisse über Unterschiede und Gemeinsamkeiten, Werte und Verhaltensnormen sowie Kommunikationsmuster der Streitparteien. Die Aufgabe der MediatorInnen ist es, für ein gutes Gesprächsklima zu sorgen und dem Gespräch Struktur zu geben, damit sich die MediandInnen auf die Inhalte des Gesprächs sowie auf ihre Bedürfnisse und Emotionen konzentrieren können. Aus Vielfalt ergibt sich hier eine neue Chance.

Mediation in Organisationen hilft die persönliche Ebene zu bearbeiten, aber auch Zusammenhänge auf der Gruppen- und Organisationsebene zu beleuchten. Dadurch können strukturelle Veränderungen thematisiert und Ideen dafür generiert werden.

Diversity Management in Wirtschaftsbetrieben

„Vielfalt ist allgegenwärtig. Ziel eines modernen und zukunftsorientierten Diversity Managements ist es, diese Vielfalt nicht als Erschwernis zu verstehen, sondern die großen Chancen zu erkennen und zu nützen, die sie bieten.“ (Pauser; Wondrak, S. 9)

„Diversity Management ist das Management von Vielfalt. Es nutzt personelle Vielfalt zur Zielerreichung. Größtmögliche Vielfalt ist also nicht ein Ziel an sich, sondern hat den Zweck, die Zielerreichung von Unternehmungen zu unterstützen.“ (Pauser, Wondrak, S. 27)

Vielfalt in Schule – Inklusion

Die Vielfalt der Kinder und Jugendlichen in Schule ist in manchen Großstädten nahezu unübersehbar. Dennoch wird heutzutage immer noch von „Integration“ gesprochen, anstatt die Inklusion zu gestalten. Schulen in Berlin sollen jetzt umdenken und sind auf dem Weg …

Der Begriff der Inklusion entstand Anfang der 1990er Jahre. Eine Erklärung über die Inklusion als wichtigstes Ziel der internationalen Bildungspolitik und ein Rahmen für deren Umsetzung war das Hauptergebnis der UNESCO- Konferenz, die 1994 in Salamanca stattfand:

„Das Leitprinzip, das diesem Rahmen zugrunde liegt, besagt, dass Schulen alle Kinder, unabhängig von ihren physischen, intellektuellen, sozialen, emotionalen, sprachlichen oder anderen Fähigkeiten aufnehmen sollen. Das soll behinderte und begabte Kinder einschließen, Kinder von entlegenen oder nomadischen Völkern, von sprachlichen, kulturellen oder ethnischen Minoritäten sowie Kinder von anders benachteiligten Randgruppen oder -gebieten.“ Salamanca Erklärung

Die UNESCO-Erklärung führt aus, dass Regelschulen mit Inklusiver Pädagogik das beste Mittel sind, um diskriminierende Haltungen zu bekämpfen, um Gemeinschaften aufzubauen, die alle willkommen heißen, um eine integrierende Gesellschaft aufzubauen und um Bildung für alle zu erreichen.

Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung hat im Januar 2011 ein Konzept zur Umsetzung der UN-Konvention in der Berliner Schule vorgelegt. Marzahn-Hellersdorf hat sich mit INKA (Inklusion auf dem Weg) bereits bewegt.

Buch zum Thema

Über Diversity Managment gibt es jetzt ein absolut lesenswertes Buch aus dem Österreichischen Facultas Verlag. Obige Gedanken sind großteils diesem Buch entnommen. Von Norbert Pauser und Manfred Wondrak herausgegeben ist das „Praxisbuch Diversity Management“ optisch unglaublich ansprechend und inhaltlich äußerst reich und informativ. Wem die oben stehende Einblicke in das Thema „Management von Vielfalt“ nicht ausreichen, der tut gut daran, sich dieses Buch zu besorgen. Es wird nicht mehr lange dauern, da ist es auch in Deutschland absolut notwendig, ein gutes Diversity Management zu haben – in Schulen und anderswo …

Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Soziales Lernen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor: