Beitrags-Archiv für die Kategory 'Literaturempfehlungen'

Ein kleines Stückchen Abstand …

Montag, 5. September 2011 6:57

Einige Leser dieses blogs haben bereits nachgefragt, warum in den letzten Wochen so wenig Neues hier zu lesen war. Das ist der Grund:

 

Diese Karte war mein Leitbild in den letzten Wochen. Sie stammt aus dem Kartenset „Sonnenstrahlen für Dein Herz“ von OUPS. 42 sonnige Gedanken sind in diesem Kartenset vereint. Karten, die wie immer bei Oups liebevoll gestaltet sind. Karten, die wie immer bei Oups in die Tiefe der Seele gehen und gut tun. Karten, die Herzensübungen mit Sozialem Lernen verbinden …

Auch für Sie alles Gute
wünscht Christa Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Gewalt und Mobbing an Schulen – Möglichkeiten der Prävention und Intervention

Montag, 15. August 2011 7:51

Die Schulmediation dient der Gewaltprävention, kann aber auch dann eingesetzt werden, wenn „leichte“ Gewalt bereits geschehen ist. Wilfried Schubarth hat ein sehr informatives Buch zum Thema „Gewalt und Mobbing an Schulen“ geschrieben, das ich an dieser Stelle gerne vorstellen möchte.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dieses im Grundgesetz verbriefte Grundrecht gilt auch für die Institution Schule und zwar für Schüler und Lehrer. Gleichwohl weiß jeder aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, diesem Recht Geltung zu verschaffen – auch und gerade in der Schule. Neben eigenen Erfahrungen stammt das meiste, was wir über die Schule zu wissen glauben, aus den Medien. Und diese sind beim Thema ‚Jugend und Gewalt‘ wahrlich nicht zimperlich, versprechen doch groß aufgemachte Berichte über extreme Gewaltvorfälle, z.B. Amokläufe, erhöhte Aufmerksamkeit und ökonomischen Gewinn. Sich über die Situation an Schulen selbst ein realistisches Bild zu machen, ist deshalb praktisch unmöglich. So bleiben die Fragen, die solche Medienberichte provozieren, weitgehend offen: Wie sicher sind unsere Schulen? Wie viel Gewalt, wie viel Mobbing gibt es an Schulen? Hat die Gewalt zugenommen? Haben wir bald amerikanische Verhältnisse? Was sind Ursachen für Gewalt und Mobbing? Und vor allem: Was kann gegen Gewalt und Mobbing getan werden? Welche Präventionsansätze gibt es und welche haben sich besonders bewährt?“ (Schubarth 2010, S. 7)

So eröffnet Wilfried Schubarth sein Vorwort zum Buch, und er geht schnell zu den quälenden Fragen über, die uns nach den bekannten Schlagzeilen der letzten Zeit immer wieder beschäftigen. Ich erinnere hier etwa an den Vorfall, als ein Schüler eines Berliner Gymnasiums am Bahnhof Friedrichstraße einen anderen Menschen brutal zusammenschlug oder an die Diskussion in den Medien über das immer verbreitetere Mobbing und Cybermobbing an Berliner Schulen.

Schubarth steht diesen Medienberichten kritisch gegenüber. Anhand einer Grafik zeigt er, wie schnell das öffentliche Interesse für das Thema durch die Medien ansteigt, wie auch die Politik oberflächlich reagiert und dann alles genauso schnell wieder im Sand verläuft. Er stellt auch kritisch dar, dass der Medienboom, der die Täter so sehr ins Rampenlicht stellt, Nachahmungstäter dazu animiert, ähnliche Verbrechen auszuführen. Fazit: Für Außenstehende sind die Fragen zu eventuellem Gewaltanstieg oder der aktuellen Situation nicht zu beurteilen.

In seinem Buch möchte Wilfried Schubarth dem ein wenig Abhilfe schaffen und beschreibt in der ersten Hälfte seines Buchs „Gewalt und Mobbing an Schulen“ die aktuellen Definitionen zu Aggression und Gewalt. Psychologische und soziologische Theorien und integrative Ansätze werden ausführlich zusammengefasst und schaffen ein Verständnis für die Vielschichtigkeit von Aggressionen, die in den allermeisten Fällen nicht nur einen Auslöser haben.

So beschreibt die Psychologie Aggression z.B. als Trieb oder als Reaktion auf Frustration, als erlerntes Verhalten oder als Persönlichkeitsstörung. Die Soziologie stellt Aggression mehr als abweichendes Verhalten dar, etwa als Folge von Anpassung an widersprüchliche kulturelle Ziel und sozialstrukturelle Verhältnisse oder als Anpassung an Anforderungen der Gesamt- oder Subkultur. Es entsteht auch aus zugeschriebenem Rollenverhalten oder mangelnder Selbstkontrolle und Verunsicherung. (Vgl. Schubarth 2010, S. 52f.)

Auf dieser Grundlage beschreibt Schubarth anhand von empirischen Forschungen ein Täter- und Opferprofil für den Schulbereich. Täter sind meist älter als ihre Opfer, sie sind dominant, meist selbstbewusst und eher beliebt bei ihren Mitschülern. Sie sind eher leistungsschwach, haben eine geringe Empathiefähigkeit und eingeschränkte Konfliktlösungskompetenzen. Dagegen sind typische passive Opfer im Gegenteil körperlich schwächer, unsicher, still. Sie wehren sich nicht, haben ein negatives Selbstbild, sind Außenseiter und haben mangelnde soziale Kompetenzen. Daneben gibt es auch noch die Gruppe der provozierenden Opfer, die sowohl Opfer wie Täter sind. Sie charakterisiert eine Kombination aus ängstlichem und aggressivem Verhalten. Sie sind leicht reizbar und in ihrer Altersgruppe eher unbeliebt. Während Täter und passive Opfer jeweils 5 % der Schüler ausmachen, sind etwa 2/3 der Opfer auch Täter und viele Täter sind auch schon Opfer gewesen. Dabei gelten die Zahlen sowohl für den Bereich der Aggression wie auch für Mobbing und Cybermobbing (vgl. Schubarth 2010, S. 67f. und 81f.).

Der zweite große Teil des Buches beschäftigt sich mit der Gewaltprävention und -intervention. Bereits bei der Definition von Aggression und Gewaltverständnis wurde im ersten Teil auf Folgen für die Prävention eingegangen. Nun fasst der zweite Teil ausführlich auf jeweils 2 bis 3 Seiten einzelne Programme zusammen aus dem Bereich der Gewaltprävention (z.B. „FAUSTLOS“) und –intervention (z.B. Coolness-Training), Programme gegen Mobbing (allen voran das Interventionsprogramm nach Dan Olweus), gewaltunspezifische Programme (z.B. das buddY-Programm) und weitere Konzepte, die das Zusammenleben in der Schule betreffen (z.B. Demokratie- und Menschenrechtserziehung). Jedes Projekt ist dabei übersichtlich gegliedert nach Zielen, Inhalt und Methoden, einer Gesamtbewertung und einer Zusammenfassung der Stärken und Schwächen des jeweiligen Programms.

Wilfried Schubarth hat mit seinem Buch eine Übersicht über den aktuellen Wissensstand im Bereich der Gewaltforschung geschaffen. Die Beschreibung der Präventionsprogramme ist knapp, aber mit ausreichend Literaturempfehlungen versehen, so dass ein vertiefendes Arbeiten damit ohne weiteres möglich ist. Das Buch eignet sich deshalb sehr gut als Grundlagenlektüre für Lehrer und Studierende und alle diejenigen, die mit Jugendlichen arbeiten, Gewalt und Aggression verstehen lernen und präventiv dagegen vorgehen wollen.

Ein gewaltfreies neues Schuljahr wünscht
Dominik Mühe

Thema: Gewalt, -prävention, -intervention, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Hühnersuppe für die Seele

Montag, 25. Juli 2011 10:27

A college professor had his sociology class go into the Baltimore slums to get case histories of 200 young boys. They were asked to write an evaluation of each boy’s futue. In every case the students wrote, „He hasn’t got a chance.“ Twenty-five years later another sociology professor came across the earlier study. He had his students follow up on the projekt to see what had happened to these boys. With the exception of 20 boys who had moved away or died, the students learned that 176 of the remaining 180 had achieved more than ordinary success as lawyers, doctors and businessmen.

The professor was astounded and decided to pursue the matter further. Fortunately, all the men were in the area and he was able to ask each one, „How do you account for your success?“ In each case the reply came with feeling, „There was a teacher.“

The teacher was still alive, so he sought her out and asked the old but still alert lady what magic formula she had used to pull these boys out of the slums into successful achievement.

The teacher’s eyes sparkled and her lips broke into a gentle smile. „It’s really very simple,“ she said. „I loved those boys.“

Eric Butterworth: Love, the one creative force. In: Canfield, Jack; Hansen, Mark Victor: Chicken Soup for the Soul. 101 Stories to open the heart and rekindle the spirit. Health Communications 1993. S. 2 f.

Dies ist eine Geschichte, die das Herz erwärmen soll. Sie ist aus dem Buch „Chicken Soup for the Soul. 101 Stories to open the heart and rekindle the spirit.“ Es gibt dutzende Bücher aus der Chicken Soup Serie und in den USA sind sie seit Jahren ein Verkaufsschlager.

„Hühnersuppe für die Seele“ ist auch im Goldmann Verlag auf Deutsch erschienen. Aus dem Vorwort des zweiten Bandes “Noch mehr Hühnersuppe für die Seele“:

„Die Geschichten, die Menschen erzählen, bewirken, daß man sich mit ihnen beschäftigt. Wenn Sie also Geschichten hören, gehen Sie sorgsam damit um. Und lernen Sie, sie dahin weiterzugeben, wo sie gebraucht werden. Manchmal hat ein Mensch eine Geschichte nötiger als Nahrung, um weiterzuleben. Das ist der Grund, weshalb wir diese Geschichten einander erzählen. Auf diese Weise befassen sich die Menschen mit sich selbst.“ Barry Lopez

Zur Geschichte vom Prophet und den langen Löffeln geht’s übrigens hier ….

Weiterhin eine schöne Ferienzeit
wünscht Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Konfliktcoaching

Montag, 20. Juni 2011 9:22

Aus aktuellem Anlass habe ich in der letzten Zeit nach einem Buch gesucht, in dem die Methode des Konfliktcoachings gut beschrieben und erläutert wird. Jetzt habe ich es gefunden, ein Buch von Sonja Radatz zum Thema „Einführung in das systemische Coaching“ in der Reihe Carl-Auer compact.

Sonja Radatz schreibt, dass im klassischen Coaching an Problemen gearbeitet wird, die aus oder mit Situationen entstanden sind. Im Konfliktcoaching stehen hingegen „Probleme mit Menschen“ – also Konflikte – im Vordergrund. Das von ihr beschriebene Instrument des Konfliktcoachings baut auf der Grundlage des systemischen Coachings auf und ist einfach und leicht anwendbar.

Dieses Instrument funktioniert natürlich nur, wenn nicht der Coach, sondern der Coachee ein Interesse daran hat, dass der Konflikt gelöst wird. Nur in diesem Fall kann der Coach dieses Einzelgespräch quasi mit dem Coachee als einer Konfliktpartei führen. Aus systemischer Sicht gibt es dann für die Lösung dieses Konfliktes keine „richtige“ oder „falsche“ Lösung. Es gibt lediglich solche, die sich zu einem gegebenen Zeitpunkt für ein spezifisches System (Team, Unternehmen, Führungsbeziehung, Projektgruppe) als viabel (gangbar, passend) herausstellt oder eben nicht.

Wenn an einer möglichen Lösung eines Konfliktes gearbeitet wird, so hat man natürlich nie einen 100%igen Einfluss auf eine Situation, denn wir können natürlich nie die andere Konfliktpartei ändern und auch nicht ein bestimmtes Verhalten von ihr erzwingen, sondern nur unser eigenes Verhalten ändern. Sonja Radatz sagt, dass damit ein Konfliktcoaching zu einer „verhaltensoptimierenden Arbeit“ wird:

„Wir arbeiten daran, wie wir mit den anderen anders umgehen können – und nicht daran, wie wir sie verändern können. Wir begleiten Menschen im Konfliktcoaching, indem wir ihnen die passenden Fragen stellen und sie damit zum Denken anregen. Damit ermöglichen wir ihnen, innerhalb ihres Denkrahmens andere, aus ihrer Sicht passendere Handlungsalternativen zu entwickeln. Jede Frage, die wir stellen, hat dabei enorme Kraft – und daher sollten die Fragen jeweils sorgfältig ausgewählt und geprüft sein, bevor sie dem Coachee gestellt werden.“ (Buch, S. 96)

Die Methode des Konfliktcoachings vereint also Bausteine aus dem Bereich der Mediation und aus dem Bereich des Coachings. Die oben zitierte Textpassage gefällt mir als Mediatorin sehr gut, und ich möchte gerne das von Sonja Radatz vorgeschlagene Modell zum Konfliktcoaching hier folgend vorstellen. Es ist für MediatorInnen interessant, aber natürlich auch für alle diejenigen, die sich im Spannungsfeld zwischen Coaching und Mediation bewegen. Im Gegensatz zur Medation wird in diesem Modell bewusst sehr kurz an der Problemschilderung gearbeitet, da die Erfahrung gezeigt hat, dass eine lange Auseinandersetzung mit einem als problematisch erlebten Verhalten weniger Fortschritt bringt als die Fokussierung in Richtung einer Lösung.

  • Konflikt schildern (3 Min.)
    Worum geht’s?
    Wer tut was im Konflikt?
  • Skalenfrage (5 Min.)
    Aus einer Skala von 0 bis 10, wenn 0 den schlimmsten bisher in diesem Konflikt von Ihnen erlebten Zustand beschreibt und 10 Ihren Zielzustand – was machen Sie genau bei 10?
  • Derzeitige Einschätzung auf der Skala (1 Min.)
    Und wo stehen Sie gerade jetzt auf dieser gleichen Skala?
  • Angestreben Wert auf der Skala festlegen (10 Min.)
    Welchen Punkt auf der Skala wollen Sie denn heute erreichen?
    Und was tun Sie genau anders, wenn Sie diesen Wert erreicht haben?
    Und wenn sie das tun, was tut dann Ihr Konfliktpartner anders?
  • Verhaltensunterschiede bilden (5 Min.)
    Was – das Sie jetzt noch nicht tun – tun Sie, wenn Sie um einen Punkt höher stehen?
    Und wenn Sie das tun, wie anders verhält sich dann der andere?
    Und wenn der andere sich anders verhält, wo stehen Sie dann auf der Skala?
    Etc.
  • Entscheidung (10 Min.)
    für einen Wert unter Einbeziehung des dafür zu bezahlenden Preises
  • Maßnahmen (5 Min.)
    Was tun Sie (ab) morgen konkret (anders)? 

    (Buch S. 95)

Natürlich bildet das Konfliktcoaching nur ein kleines Unterkapitel in dem Buch „Einführung in das systemische Coaching“. Neben grundlegenden Aussagen zum Coaching gibt es dort weitere Kapitel zu Frageformen im Coaching, zum Ablauf des systemischen Coachings, zum Umgang mit unterschiedlichen situativen Verhaltensweisen des Coachees, zu Coachinginstrumenten in der Praxis, zu speziellen Coachingabläufen für spezielle Situationen, zur Verwendung von Coachingpartikeln im Alltagsgespräch sowie zu hilfreichen Selbstcoachingkonzepten. Und das alles kurz, knapp, kompetent und sehr lesbar in handlicher Form. Wer also aus der Mediation kommt und sich für das Coaching interessiert, dem sei dieses Buch als Einstieg ins Thema unbedingt zu empfehlen.

Christa D. Schäfer

Konfliktcoachings können Sie übrigens auch mit anderen Methoden und in anderen Settings gestalten, zum Beispiel mit den sechs Denkhüten von De Bono.

Thema: Konfliktberatung, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Wenn Kinder den Kontakt abbrechen …

Montag, 6. Juni 2011 8:18

Gibt es das?

Angelika Kindt hat ein Buch darüber geschrieben. Sie wurde von ihrer Tochter ohne Vorwarnung verlassen – warum, weiß sie bis heute nicht. Auf der Suche nach Antworten und Hilfe stellte sie fest, dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein ist. Das Phänomen „verlassene Eltern“ zieht sich durch alle sozialen Schichten, wird von der Gesellschaft jedoch tabuisiert. – so heißt es auf der Rückseite dieses spannenden Buches.

Das Phänomen „Verlassene Eltern“ ist in zweierlei Hinsicht interessant für mich und diesen blog.

Zum einen ist natürlich die Systemische Sicht auf dieses Phänomen höchst faszinierend. Was passiert oder auch was muss bereits passiert sein, wenn eine 30jährige Tochter ihrer Mutter den Kontakt aufkündigt, sich nicht mehr meldet und keine Verbindung mehr existiert?! Obwohl – eine Verbindung existiert ja schon, von beiden Seiten aus, und zumindest für die Mutter ist diese Situation sehr schmerzhaft. Ob sie das auch für die Tochter ist, kann man in dem Buch nur erahnen, denn zur Tochter gibt es ja keinen Kontakt mehr. Wahrscheinlich aber litt die Tochter schon viel früher und hat deshalb diesen radikalen Schritt zum Kontaktabbruch gewählt? Vermutungen über Vermutungen.

Die Autorin Angelika Kindt begibt sich mit diesem Buch auf Spurensuche. Sie hatte stets versucht eine gute Mutter zu sein und natürlich immer so gehandelt, wie sie es am besten in den jeweiligen Situationen zu den jeweiligen Zeiten konnte und wusste. Nach der „Trennung“ plagten sie Selbstvorwürfe und Zweifel. Andere Menschen belegten sie mit Vorurteilen und Stigmatisierung.

„Kinder distanzieren sich nicht von den Eltern, weil diese ihnen fremd geworden sind, sondern eher, weil sie ihnen zu nahe sind. … Auch ich schämte mich, wie viele andere verlassene Eltern, dass mir so etwas als Mutter ‘passieren’ konnte. Inzwischen habe ich begriffen, dass immer zwei Seiten an so einem Bruch beteiligt sind. Ich wünsche mir sehr, dass die Kinder, die von ihren Eltern nichts mehr hören wollen, das auch verstehen und sich bewusst machen.“ (Buch, S. 85)

Wenn Kinder erwachsen werden, dann lassen sich beide Seiten – Eltern und Kinder – los. Dies sollte ein positives Loslassen sein, das schließlich wieder zu einer Verbindung führt. Eltern und Kinder (oder Mutter und Tochter) führen beide „ihr Leben“, lassen Raum zwischen sich und sollten spüren und wissen, dass sie jederzeit wieder eine angemessene Nähe suchen können. In gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Fairness gibt es ein gesundes Einpendeln zwischen Loslassen und Wiederfinden.

Dieser gegenseitige Respekt und die darin wohnende Fairness scheinen in manchen Eltern-Kind-Beziehungen schwierig bis unmöglich zu sein. Kontaktabbruch ist Flucht, ist Wegrennen vor der Aufgabe einen fast nicht aushaltbaren Konflikt lösen zu müssen. Jeder der beiden Konfliktpartner (Mutter und Tochter) haben gewisse Vorstellungen von ihren Rollen bzw. der Rolle der jeweiligen anderen. Was geschieht, wenn diese Rollenbilder nicht deckungsgleich sind, sondern differieren? Dann tut es emotional weh und ist hart.

Die Verweigerung des Kontaktes ist in diesem Fall natürlich auch eine Form der Kommunikation, denn wenn wir an Paul Watzlawick denken, so heißt es in dessen erstem Axiom: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Im Falle des Kontaktabbruchs ist es so, dass man lediglich Vermutungen über die Ursache anstellen kann, aber keine Rückmeldung zu dieser Sichtweise bekommt. Damit fühlt man sich ohnmächstig und empfindet den Kontaktabbruch als solches als aggressive Verhaltensweise.

Je nach Konflikttyp könnten Mutter und Tochter auch an dieser Thematik der verschiedenen Rollenerwartungen arbeiten, die Kommunikation miteinander suchen oder auch eine Mediatorin, einen Mediator als „Vermittler zwischen den beiden Welten“ einsetzen. – Und hier ist natürlich der zweite Anknüpfungspunkt zu diesem blog. Bisher habe ich einen solchen Fall noch nicht bearbeitet, aber ich bin sicher, dass Mediation unterstützen kann – wenn beide Parteien dazu bereit sind und sich darauf einlassen. Dann wäre Mediation wahrscheinlich sogar die bessere Wahl als eine Familientherapie – denn diese ist dichter und intensiver und wird oft gar nicht gewünscht.

In dem Buch “Wenn Kinder den Kontakt abbrechen“ von Angelika Kindt gibt es viele weitere fachlich interessante Passagen wie beispielsweise diejenige zu den Stichworten „Trauerarbeit“ und den „vier Phasen eines Verlusts“. Mit anderen Worten: Sowohl aus Systemischer Sicht als auch aus MediatorInnensicht ist dies ein super interessantes Buch, das sich lohnt zu lesen!

Christa D. Schäfer

Übrigens: Kommunikation ist …

Thema: Familienmediation, Literaturempfehlungen, Systemischer Ansatz | Kommentare (30) | Autor:

Vielfalt ist ergiebig …

Montag, 23. Mai 2011 10:50

Mediation

Die Streitparteien in der Mediation haben unterschiedliche Sichtweisen, sie stammen mitunter aus verschiedenen sozialen Schichten, sind unterschiedlichen Geschlechts, repräsentieren unterschiedliche Kulturen, Lebensstile, Generationen usw. Mediationsverfahren zeigen Erkenntnisse über Unterschiede und Gemeinsamkeiten, Werte und Verhaltensnormen sowie Kommunikationsmuster der Streitparteien. Die Aufgabe der MediatorInnen ist es, für ein gutes Gesprächsklima zu sorgen und dem Gespräch Struktur zu geben, damit sich die MediandInnen auf die Inhalte des Gesprächs sowie auf ihre Bedürfnisse und Emotionen konzentrieren können. Aus Vielfalt ergibt sich hier eine neue Chance.

Mediation in Organisationen hilft die persönliche Ebene zu bearbeiten, aber auch Zusammenhänge auf der Gruppen- und Organisationsebene zu beleuchten. Dadurch können strukturelle Veränderungen thematisiert und Ideen dafür generiert werden.

Diversity Management in Wirtschaftsbetrieben

„Vielfalt ist allgegenwärtig. Ziel eines modernen und zukunftsorientierten Diversity Managements ist es, diese Vielfalt nicht als Erschwernis zu verstehen, sondern die großen Chancen zu erkennen und zu nützen, die sie bieten.“ (Pauser; Wondrak, S. 9)

„Diversity Management ist das Management von Vielfalt. Es nutzt personelle Vielfalt zur Zielerreichung. Größtmögliche Vielfalt ist also nicht ein Ziel an sich, sondern hat den Zweck, die Zielerreichung von Unternehmungen zu unterstützen.“ (Pauser, Wondrak, S. 27)

Vielfalt in Schule – Inklusion

Die Vielfalt der Kinder und Jugendlichen in Schule ist in manchen Großstädten nahezu unübersehbar. Dennoch wird heutzutage immer noch von „Integration“ gesprochen, anstatt die Inklusion zu gestalten. Schulen in Berlin sollen jetzt umdenken und sind auf dem Weg …

Der Begriff der Inklusion entstand Anfang der 1990er Jahre. Eine Erklärung über die Inklusion als wichtigstes Ziel der internationalen Bildungspolitik und ein Rahmen für deren Umsetzung war das Hauptergebnis der UNESCO- Konferenz, die 1994 in Salamanca stattfand:

„Das Leitprinzip, das diesem Rahmen zugrunde liegt, besagt, dass Schulen alle Kinder, unabhängig von ihren physischen, intellektuellen, sozialen, emotionalen, sprachlichen oder anderen Fähigkeiten aufnehmen sollen. Das soll behinderte und begabte Kinder einschließen, Kinder von entlegenen oder nomadischen Völkern, von sprachlichen, kulturellen oder ethnischen Minoritäten sowie Kinder von anders benachteiligten Randgruppen oder -gebieten.“ Salamanca Erklärung

Die UNESCO-Erklärung führt aus, dass Regelschulen mit Inklusiver Pädagogik das beste Mittel sind, um diskriminierende Haltungen zu bekämpfen, um Gemeinschaften aufzubauen, die alle willkommen heißen, um eine integrierende Gesellschaft aufzubauen und um Bildung für alle zu erreichen.

Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung hat im Januar 2011 ein Konzept zur Umsetzung der UN-Konvention in der Berliner Schule vorgelegt. Marzahn-Hellersdorf hat sich mit INKA (Inklusion auf dem Weg) bereits bewegt.

Buch zum Thema

Über Diversity Managment gibt es jetzt ein absolut lesenswertes Buch aus dem Österreichischen Facultas Verlag. Obige Gedanken sind großteils diesem Buch entnommen. Von Norbert Pauser und Manfred Wondrak herausgegeben ist das „Praxisbuch Diversity Management“ optisch unglaublich ansprechend und inhaltlich äußerst reich und informativ. Wem die oben stehende Einblicke in das Thema „Management von Vielfalt“ nicht ausreichen, der tut gut daran, sich dieses Buch zu besorgen. Es wird nicht mehr lange dauern, da ist es auch in Deutschland absolut notwendig, ein gutes Diversity Management zu haben – in Schulen und anderswo …

Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Soziales Lernen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

Nach dem Krach dort auf den Hügeln

Donnerstag, 19. Mai 2011 8:46

will ich mich mit Hugo prügeln.
Erst ein Stoß und dann ein Tritt!
Ich bin sauer, gitt-igitt!
Immer muss der Doofi petzen,
unsern Lehrer auf mich hetzen …

Das ist ein Gedicht zum Thema „Wut“. Wut, das ist neben der Trauer, der Angst und der Freude eines der absoluten menschlichen Grundgefühle. Nach Wikipedia ist die Wut eine sehr heftige Emotion und häufig eine impulsive und aggressive Reaktion, ausgelöst durch eine als unangenehm empfundene Situation oder Bemerkung. Gegenüber dem Ärgern besitzt die Wut ein höheres Erregungspotential. Im Gegensatz zum Zorn ist die Wut näher dran am eigenen Ich.

Die Entstehung von Wut wird psychologisch analog zur Entstehung von Aggression erklärt. Die Triebtheorie von Sigmund Freud geht vom angeborenen Aggressionstrieb aus. Die Frustrations-Aggressions-Theorie sieht Aggressionen als Reaktionen auf Frustration und dementsprechend die Wut als Abreaktion der Aggression. Die Lerntheorie nach Albert Bandura stellt Aggression als erlerntes Verhalten und als Verhaltensmuster dar, das durch bestimmte Erfahrungen und das Lernen von Vorbildern antrainiert werde.

Immer wieder und immer häufiger gibt es Kids, die in bestimmten Situationen sehr aggressiv reagieren. Meist haben sie nicht gelernt mit eigenen und fremden Gefühlen gut umgehen zu können. Mit anderen Worten: Diese Kinder haben absoluten Nachholbedarf im Bereich des Umgangs mit Emotionen. Bereits vor langer Zeit hat Daniel Goleman den Begriff der Emotionale Intelligenz geprägt und darüber ein Fachbuch geschrieben.

In diesem Buch unterscheidet er fünf Kompetenzen, die Bestandteile der Emotionalen Kompetenz sind: eigene Gefühle erkennen und akzeptieren, Gefühle so handhaben dass sie der Situation angemessen sind, Emotionen beeinflussen um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, Empathie empfinden können, Beziehungen befriedigend leben können.

Howard Gardner (Psychologe an der Harvard School of Ecudation) prägte die dazu wichtigen Begriffe „Interpersonale Intelligenz“ und „Intrapersonale Intelligenz“ (Gardner, Howard: Multiple Intelligences: The Theorie of Practice. New York: Basic Books 1993.): Interpersonale Intelligenz ist die Fähigkeit, andere Menschen zu verstehen: was sie motiviert, wie sie arbeiten, wie man kooperativ mit ihnen zusammenarbeiten kann. Intrapersonale Intelligenz ist die entsprechende, nach innen gerichtete Fähigkeit. Sie besteht darin, ein zutreffendes, wahrheitsgemäßes Modell von sich selbst zu bilden und mit Hilfe dieses Modells erfolgreich im Leben aufzutreten.

Es scheint heute eindeutig, dass Emotionales Lernen einen Teilbereich des Sozialen Lernens darstellt und ein guter Umgang mit Agression und Wut in früher Kindheit oder auch später „erlernt“ werden kann. Ein wunderbares Buch, um konstruktive Bewältigungsprozesse von Wut und Aggression in Gang zu setzen, bietet das Buch “Spiele zum Umgang mit Aggressionen“ von Rosemarie Portmann. Dieses Buch enthält 152 einfache, aber auch komplexere Übungen für Kinder und Jugendliche. Es soll die Fähigkeit trainiert werden, wütende und aggressive Impulse beherrschen zu lernen und befriedigende Beziehungen zu anderen aufzunehmen und aufrecht erhalten zu können. Auch die Fähigkeit und Bereitschaft, konstruktives und friedfertiges Konfliktlösungsverhalten zu praktizieren, soll durch die Übungen gefördert werden. Für jede Gelegenheit und jede Gruppe findet man in der Vielfalt der vorgeschlagenen Übungen eine geeignete und passende.

Das obige Gedicht ist übrigens der Übung „Gesammelte Wut“ (Buch S. 24) entnommen., und die Übung Nr. 37 „Ärgernisse“ möchte ich Ihnen im folgenden zur Nachahmung empfehlen:

Jedes Kind schreibt auf, was es in einer bestimmten Situation oder im Umgang mit bestimmten Personen am meisten ärgert. Anschließend zeichnet es auf ein Blatt Papier einen großen Kreis, in dem die „Ärgernisse“ nach ihrer Bedeutung als größere oder kleinere Segmente eingetragen werden.

Die Zeichnungen werden zunächst in Kleingruppen, zum Schluss in der Gesamtgruppe verglichen und diskutiert. Die Gruppe erfährt auf diese Weise vielleicht, wodurch sich einzelne geärgert fühlen – und aggressiv reagieren – und was alle ärgert und deshalb ganz dringend geändert werden muss. (Buch S. 43)

Natürlich können Sie diese Übung auch alleine oder im Team durchführen.
Alles Gute dafür wünscht Ihnen Christa D. Schäfer

Emotionen lösen Farben aus und Farben lösen Emotionen aus …..

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Ein Buch über die Mediation als systemisch orientierten Prozess …

Montag, 16. Mai 2011 6:48

Für systemisch orientierte Beratungsprozessen lässt sich u.a. folgender Sprachgebrauch finden:

Die Interventionsarchitektur eines Beratungsprozesses bestimmt den Rahmen und die Struktur des Prozesses. Sie beeinflusst, dass etwas geschieht und was passiert. Eine Mediation ist in diesem Sinne eine Interventionsarchitektur.

Mit dem Interventionsdesign wird entschieden, wie das architektonische Gebäude im Inneren ausgestattet ist: Wie ist der Zeitrahmen für die Mediation, wie die Räume, worum geht es …

Mit dem Begriff der Tools sind die vielfältigen Werkzeuge gemeint, die im jeweiligen Kontext des Designs und der Architektur eingesetzt werden. Je mehr Werkzeuge und Wissen über Werkzeuge für den Bereich der Mediation zur Verfügung stehen, desto flexibler können die Tools genutzt werden und desto besser können die Mediationssitzungen gelingen.

„Mediation als Wendepunkt in Beziehungen“, das ist ein Buch von Ernst Feistauer und Marcella Zauner-Grois, das sowohl für Mediationsanfänger interessant ist, als auch für erfahrene MediatorInnen selber viele spannende Aspekte bietet. Neben Hinweisen zur Mediations als Interventionsarchitektur sowie zum Design von Mediation stehen vorallem viele Interventionen und Tools selber im Zentrum dieses Buches aus dem Facultas Verlag. Da das Buch einem humanistischen Weltbild verpflichtet ist und die kybernetische Systemtheorie sowie die konstruktivisische Erkenntnistheorie als wichtig anerkennt, werden vorallem systemische Techniken mit ihrer Nutzung im Mediationsbereich beschrieben.

Neben der Sprache als Universalintervention für alle Phasen reichen die Themen dabei bis zur Methode der Musterunterbrechung und bis zu Kapiteln über Hindernisse, Fokussierung, Ressourcen und Optionen. Eine gelungene Intervention bildet nach Feistauer und Zauner-Grois die Brücke zwischen der Selbstorganisation von Menschen und der Unterstützung bzw. Hilfestellung von außen.

Mit einigen der vorgestellten Interventionen arbeite ich oft und gerne in der Mediation, mit einigen anderen bisher weniger. Von der Intervention: „Die besten aller Welten“ hatte ich bisher sogar noch nie etwas gehört. Sie ist an ein Modell von Johan Galtung angelehnt, und nach Galtung ist ein Kopromiss eine recht fantasielose Regelung für einen Konflikt, denn eine wirkliche Lösung sollte die Elemente Konsens und Versöhnung beinhalten – erst dann kann diese Lösung auch nachhaltig zu etwas Neuem führen.

So anregend die Beschreibungen der in der Mediation einsetzbaren systemischen Tools sind, so spannend ist auch das Ende des Buches, denn neben einigen Fallbeispielen wird im Ausklang auch die Frage beleuchtet, was eine „gelungene Mediation“ ist. Bislang habe ich ich eine Antwort auf diese Frage so klar und deutlich noch nirgendwo lesen können, deshalb möchte ich sie hier vollständig zitieren:

„Eine Mediation ist gelungen, wenn die Beteiligten einen Weg gefunden haben, ihre Beziehungsgestaltung neu zu ordnen oder neu zu definieren. Diese Veränderung findet auf allen Ebenen statt: im Denken, im Fühlen und im Handeln. Eine bisher schwierige Beziehung erfährt einen Wendepunkt dahingehend, dass sich die Beteiligten von bisher kämpferischen oder destruktiven Mustern verabschieden können und sich gemeinsam um eine Lösung bemühen, die möglichst den Bedürfnissen und Wünschen aller gerecht werden kann.“ (Buch S. 178)

In diesem Sinne wünsche ich allen MediatorInnen viele gelingende Mediationen …
Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

Traumatisierte Kinder,

Montag, 2. Mai 2011 7:43

das ist ein Thema, das auch in diesem Blog durchaus seinen Platz finden muss.

Berlin, April 2011

Zwei bislang unbekannte Halbwüchsige (Alter: ca. 11 bis 14 Jahre) rauben einem Elfjährigen auf einem Spielplatz am Halensee dessen Halskette. Anschließend sollen sie ihr Opfer mit einem Messer bedroht haben.

Ein Elfjähriger hat im Berliner Bezirk Wedding mit einer Soft-Air-Pistole auf andere Kinder geschossen, um Geld zu erpressen. Später steckt er dann sogar einem Jungen ein brennendes Streichholz in die Nase.

Im Berliner Bezirk Lichtenrade geht ein siebenjähriger Junge mit einem abgebrochenen Küchenmesser auf einen neunjährigen Jungen los und verletzt diesen im Gesicht. Die Wunde muss genäht werden.

Von 2005 bis 2009 stieg die Zahl der Gewalttaten, bei der unter 14-Jährige die Tatverdächtigen sind, von 1440 auf 1789 Fälle. Die meisten Fälle davon sind Körperverletzung aus, die sich von 1170 Taten auf 1480 erhöht haben. Laut Polizeistatistik 2010 ist die Gesamtzahl der von Kindern begangenen Straftaten im Vergleich zu 2009 gesunken. 2009 gab es 5730 tatverdächtige Kinder, 2010 waren es nur noch 5360, davon 273 unter acht Jahren.

Wie man sich leicht vorstellen kann, ist es gut möglich, dass Gewalt unter Kindern zu einer psychischen Traumatisierung führt.

„Eine traumatische Situation bedeutet für ein Kind eine extreme, existenzielle Bedrohung. Dabei kann das Kind entweder sich selbst sowie seine körperliche und seelische Einheit oder andere Menschen als bedroht erleben. Entscheidend ist, dass das Kind das Gefühl hat, ohnmächtig zu sein und nichts tun zu können, um sich oder den anderen aus der extremen Not herauszuhelfen.“ (Krüger, Andreas: Erste Hilfe für traumatisierte Kinder. Düsseldorf: Patmos Vlg., S. 19)

Das Buch “Erste Hilfe für traumatisierte Kinder”, dem ich diese Definition einer traumatischen Situation entnommen habe, bietet wichtige fachliche Grundlagen zum Thema, beleuchtet Auswirkungen von Traumatisierungen auf das soziale Umfeld und gibt Hinweise zum Umgang mit psychischen Traumatisierungen. Es ist als Einführungsliteratur für LehrerInnen und PädagogInnen absolut empfehlenswert.

In diesem Buch erfahren Sie alles Wissenswerte zum Thema „traumatisierte Kinder“. Sie erfahren, was in den ersten Momenten einer traumatisierenden Situation getan werden sollte und was in der unmittelbaren Folgezeit wichtig wird. Und natürlich können Sie auch über die Haltung lesen, mit der eine Erzieherin oder eine Lehrkraft einem schwer seelisch verletzten Kindern in oder kurz nach der Akutsituation begegnen sollte.

Ach ja, und dann möchte ich Ihnen noch vorstellen, wie einfühlsam und anschaulich Andreas Krüger Kindern den Begriff traumatische Situation erläutert:

„Stell dir mal ein Kaninchen vor, das gerade von einer Katze verfolgt wird. Das Kaninchen kann sich gerade noch in einen Winkel zwischen zwei Steinen retten. Die Katze kann nicht an das Kaninchen ran, aber die Tatze der Katze flitzt die ganze Zeit vor den Augen des Kaninchens hin und her. Das Kaninchen sitzt in einer Falle: Es kann weder weglaufen, noch kann es kämpfen und sich wehren. So eine Situation, die nennt man eine traumatische Situation – wenn ganz große Gefahr da ist ud man absolut gar nichts mehr machen kann und riesige Angst hat. Man könnte das auch „Nichts-geht-mehr Situation“ nennen. Menschen kann es auch so ergehen, wenn sie zuschauen müssen, wie anderen etwas Schlimmes passiert. Wir fühlen ja mit anderen mit, und da kann es Menschen manchmal genauso Angst machen, wenn sie mit zusehen müssen. Das wäre so, als müsste der Bruder von dem Kninchen vom Kaninchenbau aus zusehen und Angst um seinen Bruder haben, der gerade von der Katze gejagt wird. Da ist das kleine Herz vom Kaninchen und seinem Bruder wie schockgefroren: Nichts geht mehr, Wut und vor allem die Tränen sind dann wie eingefroren …“ (S. 120 f.)

Ich hoffe, dass Sie nicht in die Situation kommen, ein traumatisiertes Kind zu betreuen, aber ich hoffe, dass Sie, wenn Sie in diese Situation kommen, das Kind gut unterstützen können.
Christa D. Schäfer

Thema: Allgemein, Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Ostern, oder: Alles eine Frage der Sichtweise …

Sonntag, 24. April 2011 9:23

 

Oups ist ein kleines drolliges Wesen, das auf einem fernen Stern wohnt und manchmal uns Erdbewohner besucht. Hanna und Luca sind seine Freunde und so saß er mit ihnen im Frühling, irgendwann in den letzten Tagen, auf einer kleinen Holzbank und blickt faszinierend nach oben, um das Spiel der Wolken zu beobachten. Es verblüfft ihn, wie sich die Wolkenlandschaft mit jedem Augenblick veränderte und dabei die unterschiedlichsten Gebilde entstanden.

Oups ließ seinen Gedanken und seiner Fantasie freien Lauf, worauf ihm so manche Wolkengebilde bald als Gestalten, bald als Gegenstände oder Symbole erschienen – wie in einem Traum.

„Seht mal – ein Herz“, sagte er und zeigte auf eine kleine weiße Wolke. „Und da drüben – diese Wolke sieht aus wie ein Engel, der seine Flügel über uns ausbreitet. Das ist ein gutes Zeichen, was meint ihr?“

Hanna und Luca blickten nach oben. Zusamen mit Oups hatten sie sich auf der alten Holzbank niedergelassen, um sich mit einer kleinen Jause zu stärken und sich etwas vom anstrengenden Anstieg auszuruhen. Gemeinsam waren die drei auf einem Wanderpfad unterwegs, der sie bergauf und bergab über viele Hügel führte.

„Ja, sieht wirklich aus wie ein Herz“, stimmte Hanna zu und lies ihren Blick schweifen, um auch die „Engelwolke“ zu entdecken.

„Wo seht ihr ein Herz? Ich sehe da oben Wolken, die eher wie Monster aussehen. Die werden uns bald nass machen“, entgegnete Luca skeptisch und zeigte auf ein dunkles Wolkengebilde.

Oups schmunzelte. „Das ist eine Frage der Sichtweise.“

Und auch in der Mediation hat man die Frage der Sichtweise. Oft hat man zwei Streitparteien vor sich sitzen und denkt, dass die beiden unmöglich von ein und derselben Situation sprechen können. Doch es ist auch da so wie bei den Wolken; für die Einen ist eine Wolke bedrückend, weil sie so dunkel ist, und der Regen bald kommt – und für die Anderen ist dieselbe Wolke am Himmel wunderschön, weil sie sich bewegt, verändert und zum Träumen anregen. So ist der Blick auf eine zuvorderst „objektive Situation“ höchst subjektiv geprägt und welche Ansicht die Wirklichkeit der Wolke wiederspiegelt, das ist nun wirklich nicht zu klären …

Der Konstruktivismus geht von der Grundannahme aus, dass die Wirklichkeit ein Konstrukt des Gehirns ist. Die Kernaussage des Radikalen Konstruktivismus sagt, dass eine Wahrnehmung niemals ein Abbild der Realität liefert, sondern immer eine Konstruktion aus Sinnesreizen und Gedächtnisleistung eines Individuums ist. Deshalb ist Objektivität im Sinne einer Übereinstimmung von wahrgenommenem (konstruiertem) Bild und Realität unmöglich; ausnahmslos jede Wahrnehmung ist subjektiv. Darin besteht die Radikalität (Kompromisslosigkeit) des radikalen Konstruktivismus.

Natürlich kann man auch Kinder schon zu dieser „Weltsicht“ anregen, denn was ich in einer Wolke sehe ist nicht dasselbe, das du in einer Wolke siehst und nicht dasselbe, was Sie in einer Wolke sehen …

Mit obigem Zitat aus dem wunderbar klugen Buch „Das Leben ist schön“ wünsche ich Ihnen ein sonniges, wolkiges und schönes Osterfest 2011,
Ihre Christa Schäfer

Ach ja, in diesem Blog finden sie übrigens auch eine Oups-Herzensübung …
(einfach auf den roten Text klicken …)

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