Beitrags-Archiv für die Kategory 'Familienmediation'

Kommunikation in der Familie

Montag, 19. September 2011 22:44

„Lilly, zwei Jahre alt, will, was Lilly will. Also viel und auf jeden Fall immer das andere. Das Wurstbrot ohne Brot. Die linke Birne, nicht den rechten Apfel. Keine Spange, eine Spange. Dienstagmorgen kam ich in den Genuss einer zweistündigen Sinnlos-Diskussion über eine Strumpfhose, die sie nicht anhaben wollte, ich aber fand, sie sollte sehr wohl. Über ein Schlafanzugoberteil, das ich ihr über den Kopf zog. Und sie wieder runter. Über eine Socke, die sich sich vom Fuß zupfte, so bald ich versuchte, auch Nr. 2 an die Frau zu bringen. Hallo???!!!
Ich bin einundvierzig, und dieser Zellhaufen ist zwei!“

„Natürlich zählt die textile Wartung und Pflege eines zweijährigen sich sträubenden Schmutzfinks zu den Standardanforderungen des Mutterhandwerks. Aber ich bin Mama 2011. Mein Kind soll niemals weinen, es soll immer nur lachen. Es soll später allen erzählen, was für ein Riesenglück es war, vom Klapperstorch über unserem Haus abgeworfen zu werden. Und nicht bei der blöden Tante aus dem Haus gegenüber. Ich will, dass es voller Liebe ruft: „Ich habe mein Fehlverhalten eingesehen und kooperiere gerne!“ Und ich glaube, unsere Lilly ist da schon auf dem besten Weg. Sie kann sich halt nur noch nicht so gut ausdrücken, die kleine Maus: „Mama, böse!!!““

„Für XY-Chromosomenträger sind Problemgespräche purer Stress. Will sagen: Mit Schatzi kannst du über alles reden. Hauptsache, es geht nicht um Probleme. Als Mann hasst er Probleme. Insbesondere solche, die ihm seine eigene Frau erzählt. Und noch insbesonderer solche, die er nicht mit „ja“ oder „nein“ beantworten kann. Natürlich hat er auch diese klassischen tief verwurzelten Männerängste. Niemals zum Beispiel würde er irgendein Problem einfach so an sich reißen und zu seinem erklären. Nachher hänge ich noch dran, wer weiß?
Als Frau warte ich beim Telefonieren auch immer vergeblich auf ein Grunzen oder Schnarchen am anderen Ende der Leitung. Also irgendein Geräusch, das mir das Gefühl gibt, mein mit mir verheirateter Gesprächspartner ist noch am Leben. Stattdessen gewinne ich schnell den Eindruck: Muddi ist der akustische Spam hier, immer dicht am Mülleimer. Und Schatzi die wachere, unüberwindbare, ein Meter dreiundachtzig hohe Firewall – erschaffen, das Paradies vor dem Untergang durch Probleminvasion zu bewahren.
Dabei stehen die ganze Zeit zwei Fragen im Raum – natürlich breitbeinig, wie sich das gehört, und mit viel hosentaschentechnischem Kleingeldgeklöter: Ist Schatzi vielleicht ein schlechter Zuhörer?
Ach nein! Iwo!
Zuhören und Antworten sind einfach nur zwei im Männerhirn völlig voneinander abgekoppelte Prozesse.“

Das zum Thema „Kommunikation in der Familie“ …
Gelungene Kommunikation?
Kommunikation, die bekannt anmutet?

Auf jeden Fall jedoch Kommunikation, die amüsiert und zum Denken anregt -
und ein Text, der zum Schmökern da ist.

Gerne stelle ich Ihnen mit obigen Zitaten das neue Buch “Der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren“ von Katja Kessler vor.

Dr. Katja Kessler ist promovierte Zahnärztin, die vier Jahre lang als Gesellschaftkolumnistin bei der BILD-Zeitung war, dann zwei erfolgreiche Dieter-Bohlen-Biografien schrieb, mit ihrem ersten Roman „Herztöne“ auf der Spiegel-Bestsellerliste landete, deren Schwangerschaftsratgeber „Das Mami-Buch“ in acht Sprachen übersetzt wurde, und die jetzt bereits das zweite Buch über „Schatzi“ und ihre Familie geschrieben hat. Katja Kessler hat vier Kinder, wohnt in Potsdam und ist mit dem Bild-Chefredakteur Kai Diekmann verheiratet.

Das Buch ist sehr kurzweilig, es ist rasant zu lesen und kommunikationstheoretisch höchst interessant. Gerne würde ich in dieser Familie die Kommunikation mal einen Tag live verfolgen, und sicherlich wäre es interessant zu wissen wie dort Konflikte gelöst werden, welche Lieblingsthemen es zwischen Kindern und Erwachsenen gibt, usw. usw.

Nicht so lustig, aber dafür sehr lehrreich ist übrigens folgendes Buch zum Thema:
„Kommunikations- und Konfliktmangement für Eltern

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Wenn Kinder den Kontakt abbrechen …

Montag, 6. Juni 2011 8:18

Gibt es das?

Angelika Kindt hat ein Buch darüber geschrieben. Sie wurde von ihrer Tochter ohne Vorwarnung verlassen – warum, weiß sie bis heute nicht. Auf der Suche nach Antworten und Hilfe stellte sie fest, dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein ist. Das Phänomen „verlassene Eltern“ zieht sich durch alle sozialen Schichten, wird von der Gesellschaft jedoch tabuisiert. – so heißt es auf der Rückseite dieses spannenden Buches.

Das Phänomen „Verlassene Eltern“ ist in zweierlei Hinsicht interessant für mich und diesen blog.

Zum einen ist natürlich die Systemische Sicht auf dieses Phänomen höchst faszinierend. Was passiert oder auch was muss bereits passiert sein, wenn eine 30jährige Tochter ihrer Mutter den Kontakt aufkündigt, sich nicht mehr meldet und keine Verbindung mehr existiert?! Obwohl – eine Verbindung existiert ja schon, von beiden Seiten aus, und zumindest für die Mutter ist diese Situation sehr schmerzhaft. Ob sie das auch für die Tochter ist, kann man in dem Buch nur erahnen, denn zur Tochter gibt es ja keinen Kontakt mehr. Wahrscheinlich aber litt die Tochter schon viel früher und hat deshalb diesen radikalen Schritt zum Kontaktabbruch gewählt? Vermutungen über Vermutungen.

Die Autorin Angelika Kindt begibt sich mit diesem Buch auf Spurensuche. Sie hatte stets versucht eine gute Mutter zu sein und natürlich immer so gehandelt, wie sie es am besten in den jeweiligen Situationen zu den jeweiligen Zeiten konnte und wusste. Nach der „Trennung“ plagten sie Selbstvorwürfe und Zweifel. Andere Menschen belegten sie mit Vorurteilen und Stigmatisierung.

„Kinder distanzieren sich nicht von den Eltern, weil diese ihnen fremd geworden sind, sondern eher, weil sie ihnen zu nahe sind. … Auch ich schämte mich, wie viele andere verlassene Eltern, dass mir so etwas als Mutter ‘passieren’ konnte. Inzwischen habe ich begriffen, dass immer zwei Seiten an so einem Bruch beteiligt sind. Ich wünsche mir sehr, dass die Kinder, die von ihren Eltern nichts mehr hören wollen, das auch verstehen und sich bewusst machen.“ (Buch, S. 85)

Wenn Kinder erwachsen werden, dann lassen sich beide Seiten – Eltern und Kinder – los. Dies sollte ein positives Loslassen sein, das schließlich wieder zu einer Verbindung führt. Eltern und Kinder (oder Mutter und Tochter) führen beide „ihr Leben“, lassen Raum zwischen sich und sollten spüren und wissen, dass sie jederzeit wieder eine angemessene Nähe suchen können. In gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Fairness gibt es ein gesundes Einpendeln zwischen Loslassen und Wiederfinden.

Dieser gegenseitige Respekt und die darin wohnende Fairness scheinen in manchen Eltern-Kind-Beziehungen schwierig bis unmöglich zu sein. Kontaktabbruch ist Flucht, ist Wegrennen vor der Aufgabe einen fast nicht aushaltbaren Konflikt lösen zu müssen. Jeder der beiden Konfliktpartner (Mutter und Tochter) haben gewisse Vorstellungen von ihren Rollen bzw. der Rolle der jeweiligen anderen. Was geschieht, wenn diese Rollenbilder nicht deckungsgleich sind, sondern differieren? Dann tut es emotional weh und ist hart.

Die Verweigerung des Kontaktes ist in diesem Fall natürlich auch eine Form der Kommunikation, denn wenn wir an Paul Watzlawick denken, so heißt es in dessen erstem Axiom: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Im Falle des Kontaktabbruchs ist es so, dass man lediglich Vermutungen über die Ursache anstellen kann, aber keine Rückmeldung zu dieser Sichtweise bekommt. Damit fühlt man sich ohnmächstig und empfindet den Kontaktabbruch als solches als aggressive Verhaltensweise.

Je nach Konflikttyp könnten Mutter und Tochter auch an dieser Thematik der verschiedenen Rollenerwartungen arbeiten, die Kommunikation miteinander suchen oder auch eine Mediatorin, einen Mediator als „Vermittler zwischen den beiden Welten“ einsetzen. – Und hier ist natürlich der zweite Anknüpfungspunkt zu diesem blog. Bisher habe ich einen solchen Fall noch nicht bearbeitet, aber ich bin sicher, dass Mediation unterstützen kann – wenn beide Parteien dazu bereit sind und sich darauf einlassen. Dann wäre Mediation wahrscheinlich sogar die bessere Wahl als eine Familientherapie – denn diese ist dichter und intensiver und wird oft gar nicht gewünscht.

In dem Buch “Wenn Kinder den Kontakt abbrechen“ von Angelika Kindt gibt es viele weitere fachlich interessante Passagen wie beispielsweise diejenige zu den Stichworten „Trauerarbeit“ und den „vier Phasen eines Verlusts“. Mit anderen Worten: Sowohl aus Systemischer Sicht als auch aus MediatorInnensicht ist dies ein super interessantes Buch, das sich lohnt zu lesen!

Christa D. Schäfer

Übrigens: Kommunikation ist …

Thema: Familienmediation, Literaturempfehlungen, Systemischer Ansatz | Kommentare (25) | Autor:

Konfliktmanagement in der Familie: nur noch wenige Seminarplätze frei

Mittwoch, 28. April 2010 20:45

In der Familie miteinander sprechen?
Das kann und macht doch wirklich jede(r)!

Ob allerdings die Gespräche in guter Atmosphäre stattfinden und Eltern und Kinder, oder Großeltern, Stiefmütter, Stiefväter, Halbgeschwister und andere Familienmitglieder dann zufrieden aus den Gespräche rausgehen, das ist eine andere Sache.

Und damit dies öfters passiert, bietet das MediationsZentrum Berlin unter der Leitung von Christa D. Schäfer und Jutta Richter jetzt erneut einen Kurs an zum Thema “Familiengespräche gut führen“. Der Kurs wird durch die Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin gefördert und ist für die Teilnehmer kostenfrei.

In dem Kurs wird verstärkt Wert auf den Prozess des Problem- bzw. Konfliktlösens in der Familie gelegt. Neben dem Aktiven Zuhören und den Ich-Botschaften werden die Förderung der emotionalen Intelligenz sowie Methoden zur Regelsetzung betrachtet, um zu einem guten Familiengespräch zu kommen.

Haben Sie viele Probleme und Konflikte in der Familie?
Knallt es öfters bei Ihnen im Familienkontext?
Oder interessiert Sie, wie gute Familiengespräche laufen können?

Falls Sie all dies interessiert, und Sie zusätzlich in Berlin wohnen und ein Mal monatlich einen langen Vormittag investieren können, so melden Sie sich bei uns an (tel 23 00 32 39). Am 18. Mai geht’s los, es sind noch einige wenige Plätze frei!

Falls Sie nicht in Berlin wohnen und sich dennoch für dieses Konzept interessieren, so schauen Sie in das Buch zum Thema “Kommunikations- und Konfliktmanagement für Eltern“ oder mein neuestes Buch zum Thema “Kommunikation in der Familie: Vom Schimpfen und Schreien zum Runden Tisch“.

Übrigens kommt eine Unzufriedenheit in der Familienkommunikation mitunter auch daher, dass die berühmten „Kommunikationsblocker“ in der Kommunikation genutzt werden. Diese Blocker gibt es natürlich nicht nur im Familienumfeld, aber da sind sie meiner Meinung nach besonders häufig vertreten …

Gerne weise ich an dieser Stelle auch darauf hin, dass Sie mich für Vorträge bzw. Kurzworkshops oder Weiterbildungen für Erzieher bzw. Eltern im Kita- und Schulbereich anfragen können.

Die Theorie der Kommunikationsblocker stammen von Thomas Gordon, der auch Kommunikationssperren oder „Die typischen Zwölf“ oder „Das dreckige Dutzend“ dazu sagt. Gordon versteht darunter folgende Verhaltensweisen von Eltern ihren Kindern gegenüber:

  1. Befehl, Anweisung, Forderung
  2. Warnung, Drohung
  3. Moralisieren, Predigen
  4. Rat geben, Lösungen anbieten
  5. Unterweisen, Belehren, Fakten anbieten
  6. Beurteilen, Beschuldigen, Kritisieren
  7. Schmeicheln, Loben
  8. Beschimpfen, lächerlich machen
  9. Interpretieren, analysieren
  10. Besänftigen, mitfühlen
  11. in Frage stellen, verhören
  12. Rückzug, ablenken, Themenwechsel

Natürlich sind diese Verhaltensweisen nicht ganz und gar „schlecht“, und sie können auch durchaus in der ein oder anderen Situation gut angebracht sein. Wenn jemand jedoch ein Problem oder einen Konflikt hat, so sind diese Umgangsformen äußerst unangebracht …

Manche dieser 12 Kommunikationsblocker sind auch unter Erwachsenen sehr beliebt. Wenn Sie mögen, so nehmen Sie sich bitte einen Moment Zeit, gehen Sie die 12 Punkte durch und formulieren Sie für jede dieser Verhaltensweisen einen typischen Satz. Schauen Sie, ob Sie eine dieser Verhaltensweisen gerne nutzen. Vielleicht gibt es auch eine Verhaltensweise, die Sie nur einer bestimmten Person gegenüber gerne nutzen? Und vielleicht haben Sie in der letzten Zeit festgestellt, dass Ihre Kommunikation mit einer bestimmten Person oft stockt – dann schauen Sie bitte besonders gut hin, ob ein Kommunikationsblocker mit im Spiel ist.

Und übrigens: Es gibt Kommunikationsexperten, die sagen, auch Ratschläge sind Schläge! Denken Sie daran: Wer das Problem hat, der hat auch die Lösung. Es gilt sie nur zu finden …

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Margaret, das Ausgleichskind

Montag, 15. März 2010 6:48

„Ich merkte, wie sich alles in mir zusammenzog und wie eine Wut in mir wuchs, von der ich genau wusste, dass ich sie jetzt nicht herauslassen würde. Schließlich sollte heute gefeiert werden.
Auf einmal fand ich, dass es Mama ganz recht geschah, wenn ich kein Geschenk für sie hatte. Da saß sie und hatte noch keine Ahnung, dass ich es vergessen hatte, und trotzdem kam sie mir mit keinem Blick entgegen. Die ganze Mühe, unsere Familienstimmung wieder in Ordnung zu bringen, lastete auf mir. Mama dachte überhaupt nicht daran, mitzuhelfen.
Dann nicht, liebe Dame, bitte schön, dachte ich. Kannst du haben.
„Herzlichen Glückwunsch“, sagte ich unfreundlich und setzte mich auf meinen Stuhl.
Papa sah mit flehendem Blick zu mir rüber, aber Mama stand nur geräuschvoll auf und fing an, den Frühstückstisch um meinen Platz herum abzuräumen.
„Kann man heute Nachmittag mit dir rechnen?“, fragte sie über die Schulter. „Ich frage nur, weil ich wissen will, wie viele Gedecke ich auftun soll.“
„Jaja“, sagte ich. „Nur keine Sorge.“
Da drehte Mama sich um und starrte mir nun doch direkt ins Gesicht.
„Oh, ich sorge mich schon lange nicht mehr!“, sagte sie laut. Die ganze Zeit zerknüllte sie ein Küchenhandtuch. In dieser Familie habe ich schon längst damit aufgehört.“
„Nun denkt doch mal daran, dass Geburtstag ist“, sagte Papa bittend.
Aber Mama hatte sich schon wieder zur Spüle gedreht. „Außer dir denkt da in dieser Familie sowieso keiner dran“, und sie fing an zu spülen, obwohl längst jemand vom technischen Dienst dagewesen war und unsere Spülmaschine repariert hatte.“

Das ist einer der Familienstreitigkeiten, über die Kirsten Boie in ihrem Buch “Das Ausgleichskind“ (S. 168 f.) geschrieben hat. Ein anderer ist der Streit zwischen der großen Tochter Marthe und der Mutter, der so weit geführt wurde, bis Marthe auszog. Auch da fühlte sich die jüngere Margaret schuldig; wie überhaupt an so Vielem in dieser Familie.

Ist aber auch klar, dass sie sich schuldig fühlt, denn sie ist – wie ihr Freund Akki das immer so schön sagt – das Ausgleichskind:

„Du bist ihr Trost in schweren Tagen, ihre Sonne bei Kummer und Regen, und dass du so genial bist, hilft ihnen über einiges hinweg. … Die Familie … ist ein System. Jedes Mitglied hat seine Rolle zu spielen. Verändert sich die Situation des einen, muss sich notwendigerweise auch die aller anderen verändern …“ (Das Ausgleichskind, S. 8 f.)

Und so haben wir in diesem Buch für Kinder ab 12 Jahren das Thema Familienstreit direkt neben den Gedankengängen zur Thematik „Die Familie als System“.

„Die Familie ist ein Schauplatz, wo die in den verschiedenen Generationen aktualisierten emotionalen Strömungen von Depression, Angst, defensivem Beharrungswillen und Protest aufeinanderstoßen.“ – so Horst-Eberhard Richter in seinem Buch: Patient Familie. Entstehung, Struktur und Therapie von Konflikten in Ehe und Familie, S. 29.

Margaret muss das perfekte Kind spielen und die Familienatmosphäre ausgleichen. Da die ältere Tochter gegangen ist, muss Margaret nun die gesamte Wucht des Familiengleichgewichts halten und den Ausgleich herstellen. Der Vater ist eher zurückhaltend, fast hilflos. Die Mutter konzentriert sich auf ihre jüngste Tochter und den Haushalt. In tradierten Rollenbildern verhaftet macht sie Margaret mit ihrer fast krankhaften Ehrgeizigkeit das Leben schwer. Glücklicherweise ergibt sich am Buchende ein Hoffnungsschimmer, der Ideen mitgibt, wie dieser Teufelskreis innerhalb von Familien durchbrochen werden kann. Und natürlich wäre in diesem Fall auch eine Familienmediation sehr hilfreich gewesen … !!

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Familienmediation, Konflikte, Literaturempfehlungen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

„Raus aus der Streitfalle in der Familie“ – Fachvortrag und Improtheater Die Gorillas

Donnerstag, 12. November 2009 16:18

Das Berliner FEZ bietet Elternakademien an. Das Thema am 14.11.2009, also am nächsten Samstag lautet “Raus aus der Streitfalle“. Nach einem halbstündigen Fachvortrag von Christa D. Schäfer wird der Moderator Stefan Rupp und der Erziehungsberater Christian Schoenfelder die zuschauenden und zuhörenden Eltern mit in das Thema einbinden. Freuen dürfen sich alle ebenfalls auf das Improtheater “Die Gorillas“, das typische Streit- und Konfliktlösungssituationen aus dem Familienalltag darstellt.

Wann sieht und hört man das schon mal?
Ein Improtheater, das sich mit Streit in der Familie beschäftigt!
Eine spannende Veranstaltung, die ich Ihnen gerne ans Herz legen möchte:
Samstag, den 14.11.2009 von 16 bis 19 Uhr im FEZ-Berlin

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Konfliktberatung, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Knut und Gianna

Freitag, 2. Oktober 2009 9:15

Vier Artikel gibt es bereits über unseren Berliner Eisbären Knut in diesem Blog. Alle beschäftigen sich bisher mit der Möglichkeit einer Mediation um Knut, der ja eigentlich dem Zoo in Neumünster gehörte, aber in Berlin wohnt. Nach einem gerichtlichen Vergleich zwischen den beiden Tierparks im Juli diesen Jahres gehört Knut jetzt fest nach Berlin.

Seit einiger Zeit hat er eine Weggefährtin, die ihm Gesellschaft leisten soll. Giovanna, so heißt die Eisbärendame. Nachdem Gianna, so ihr Rufname, zunächst das Gehege neben Knut bewohnt hat, können sich beide seit drei Tagen jetzt gegenseitig besuchen. Nachts wird noch die Türe zwischen den beiden Gehegen herunter gelassen, doch tagsüber können sich beide “beschnuppern”.

Die erste Begegnung endete damit, dass am Dienstag vormittag Gianna dem Knut erst einmal eine „gewischt“ hat. Und nach dem zweiten Frühstück, als Knut in der Nähe des Wassergrabenfelsens stand und Gianna sich anschickte, auf ihn zuzukommen, da flüchtete Knut schnell und suchte „das Weite“. Bärenkurator Klös sagt dazu: „Das war uns schon klar, wer von den beiden die Hosen an hat. Aber die Tiere sind jung, sie werden sich aneinander gewöhnen, Knut lernt dazu.“ Ja, von Gianna wird gesagt, sie sei sehr temperamentvoll und Knut ist ja in Berlin für seinen sanften Charakter bekannt.

Der erste Satz in einem Artikel vom Tagesspiegel über Knut und Gianna lautet demnach auch: „Knut geht es nicht wirklich gut.“ Na, die beiden werden sich hoffentlich schon „z’sammenraufen“ …, einen Bärenmediator haben wir jedenfalls noch nicht in Be(ä)rlin.

In der Zwischenzeit kann man das Wichtigste über Knut sogar bei wikipedia nachlesen. Wenn man bei youtube das Stichwort Knut eingibt, so findet man Dutzende von Knut-Videos. Und mehr als 5 Lieder sind bereits über Knut komponiert worden.

Mal sehen, wie es weiter geht …
Christa D. Schäfer

Möchten Sie die bisherigen Artikel über Knut aus diesem Mediationsblog nachlesen?

Thema: Familienmediation, Konflikte, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Konflikte und Probleme in der Familie gut lösen: Kostenfreie Kurzworkshops in Berliner Kitas und Grundschulen

Montag, 24. August 2009 6:37

In jeder Familie gibt es Probleme und Konflikte, die gelöst werden wollen.
Jeder von uns kennt sicherlich Beispiele über Beispiele …

Da streiten sich die Kinder ständig, brüllen sich an, nehmen sich die Playmobil-Figuren gegenseitig weg und gehen damit der Mutter gewaltig auf die Nerven. Da kommt der Vater abends von der Arbeit nach Hause und anstatt erst einmal alle zu begrüßen motzt er gleich los, warum es so unordentlich ist. Da kommt die Großmutter zu Besuch und das Wohnzimmer sieht noch aus wie eine Rümpelkammer, aber keiner aus der Familie fühlt sich verantwortlich, dort aufzuräumen. Der 7jährige Sohn des Hauses kommt vom Spielplatz und hat sich mit seinem Freund gestritten, seine schlechte Laune lässt er nun an allen in der Familie aus, besonders an seiner 3jährigen Schwester. All das sind Konflikte, die sich massiv auf den Familienfrieden auswirken …

Aber auch Probleme schleichen sich ins Familienleben ein: Die Tochter möchte gerne einen Ballettkurs mitmachen, aber das Geld fließt derzeit nicht so richtig. Die Mutter fängt wieder an zu arbeiten, aber wie wird das demnächst mit dem Haushalt geregelt? Auch solche Probleme sind belastend für nahezu alle Familienmitglieder …

In den letzten Jahren habe ich in vielen Kursen mit Müttern, Kindern, Großeltern und Vätern eine Methode entwickelt, wie Konflikte und Probleme gut gelöst werden können. Dabei ist die Methode des Runden Tisches in der Familie entstanden. Sie lehnt sich fachlich an die Familienkonferenz von Thomas Gordon sowie den Familienrat von Rudolf Dreikurs an. Sowohl mediative Verfahrensweisen wie auch der Problemlöseprozess hatten ihren Einfluss auf diese Methode. Seit Frühjahr 2009 gibt es das Buch zur Methode Zum Runden Tisch in der Familie, gut verständlich und zum Schmökern genauso gut geeignet wie als workbook.

Natürlich können Sie das Buch gerne direkt beim Verlag oder bei amazon erwerben.

Und damit möglichst viele Familien von dieser fantastischen Methode profitieren können, gibt es für Berliner Kitas und Grundschulen von September bis Dezember 2009 sogar die Möglichkeit, eine kostenfreie Veranstaltung zum Thema in Anspruch zu nehmen. Bei Interesse melden Sie sich bitte bei mir.

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Konfliktberatung, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Das Kinder- und Jugendtelefon hilft bei Problemen und Konflikten

Montag, 13. Juli 2009 7:28

Vor den Sommerferien gibt es Zeugnisse, und bei einigen Schülerinnen und Schülern rufen diese ein starkes Unwohlsein oder sogar ein Krise hervor. Manche Kinder und Jugendlichen können mit ihren Eltern oder mit Freundinnen und Freunden, ihrem Bruder oder der Schwester, ihren Lehrern oder anderen Personen darüber sprechen. Andere trauen sich nicht und “fressen den Ärger in sich hinein”.

Es gibt auch andere Probleme und Konflikte, da mag ein Kind oder eine Jugendliche bzw. ein Jugendlicher eigentlich zu niemandem gehen, um dies zu besprechen. Vielleicht ist das Problem mit Angst besetzt, vielleicht ist es zu peinlich oder es gibt niemanden, zu dem man genügend Zutrauen hat, oder die Eltern sind gerade die Konfliktpartner …

Dann können Kinder und Jugendliche anrufen bei der
Nummer gegen Kummer: 0800-1110333.

Kinder und Jugendliche können sich kostenlos und anonym an dieses Kinder- und Jugendtelefon wenden. 2006 haben dort 225.864 Kinder und Jugendliche angerufen, die Beratung gesucht haben. Der Anteil an längeren Gesprächen hat zugenommen, das spricht dafür, dass die Probleme und Konflikte komplizierter geworden sind oder Kinder und Jugendliche sich intensiver damit auseinander setzen. Je älter die Anrufer sind, um so länger dauert ein Beratungsgespräch. Das Alter der Anrufer liegt zwischen 8 und 25 Jahren, 73 % der Anrufer sind zwischen 12 und 16 Jahren. Daran ist zu merken, dass die Pubertät ein wichtiges Thema für Jugendliche ist und bleibt und oft kein Ansprechpartner da ist, mit dem Fragen diesbezüglich geklärt werden können. Mädchen und Frauen nutzen das Beratungsangebot häufiger als Jungen, 2/3 aller Anrufe sind weiblich.

Mehr als 3.500 Beraterinnen und Berater arbeiten ehrenamtlich für die Nummer gegen Kummer. In den meisten Fällen ist der Anlass für den Anruf die eigene, persönliche Entwicklung des Anrufers, an zweiter Stelle folgen Probleme mit Gleichaltrigen, also anderen Kindern und Jugendlichen und erst an dritter Stelle folgt das Thema Auseinandersetzung mit Eltern oder der Familie. 75 % der geführten Gespräche werden zu einer Problemklärung geführt bzw. zu einer Anregung zur selbständigen Bewältigung, zur Selbsthilfe.

Ergänzend zur Nummer gegen Kummer gibt es die Internetberatung für Kinder- und Jugendliche, bei denen die Nutzer die Möglichkeit haben, ihre Probleme per mail den Beraterinnen und Beratern zu schildern.

Das Elterntelefon unter der Nummer 0800-1110550 bietet Eltern oder anderen Personen Hilfe, die Fragen zur Erziehung haben oder Tipps und Hinweise zu speziellen Problem im Umgang mit Kindern und Jugendlichen suchen. Hilflosigkeit und Überforderung ist das meist besprochene Thema am Elterntelefon, gefolgt von allgemeinen Erziehungsfragen sowie Problemen mit dem (Ex-)partner, einer Unsicherheit in der Beziehung sowie dem Umgang mit Bestrafen und Strafen.

Die Nummer gegen Kummer gibt es seit 1980, sie ist in der Zwischenzeit ein unverzichtbares Beratungsangebot in Deutschland geworden. Mein Wunsch ist es, dass viele Kinder und Jugendliche ihre Probleme und Konflikte selber lösen können bzw. lösen lernen. Falls sie jedoch Hilfe benötigen und suchen und nicht in ihrem Umfeld bekommen, die Nummer gegen Kummer ist glücklicherweise da.

Informationen über Probleme und Konflikte von Kindern- und Jugendlichen in Berlin auf diesem blog.

Christa Schäfer

Thema: Familienmediation, Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Schulmediation, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Aus Hühner-Bruno wird Super-Bruno

Montag, 8. Juni 2009 8:34

Hühner-Bruno ist kein Huhn, sondern eine Landtaube, eine ziemlich dicke Landtaube sogar. Brunos Taubenvater ist gestorben und seine Taubenmutter muss sehen, dass sie seinen kleinen Bruder groß bekommt.

Was hat denn diese Beschreibung in diesem Blog zum Thema „Mediation und Konfliktberatung in Berlin“ zu suchen? Nun, ganz einfach. Die Geschichte von Bruno Taubendödel, so wie er auch am Anfang des Buches genannt wird, hat viel mit sozialem Lernen zu tun. Ein Dödel ist ein Tollpatsch, und das ist auch Bruno. Er ist dick, bewegt sich kaum, hat Probleme mit dem Fliegen, mag sich weder waschen noch pflegen und wird von den anderen Tauben ausgelacht und gemobbt. Dann ist er auch noch Schuld am Unfall seiner einzigen Freundin Tilly, die sich dabei den Flügel bricht. Da Tilly die Nächte in Altdorf mit einem gebrochenen Flügel nicht überstehen würde, verlassen Tilly und Bruno das Dorf und begeben sich auf Wanderschaft. Dabei erleben beide weitere Abenteuer und Bruno fängt an sich so zu verändern, dass er schließlich als Super-Bruno wieder nach Altdorf zurückkehren kann.

Das Buch “Bruno Taubendödel“ von Alexandra Flemming ist hervorragend zur Förderung der sozialen Handlungkompetenz von kleinen Kindern (Kindergarten und erste Schuljahre) geeignet; es ist eine fantastische Vorlage zum Modellernen.

Durch das Lernen am Modell (auch Beobachtungslernen oder Nachahmungslernen genannt) können kleine Kinder Brunos Situation reflektieren und seine Erfahrungen auch auf ihre Lebenswirklichkeit anzuwenden versuchen. Das bedeutet, dass Kinder durch das Vorlesen oder selber Lesen der Geschichte das Verhalten und die Verwandlung von Bruno wahrnehmen und auf ihr eigenes Verhalten projizieren und anwenden. Dabei können sie neue Verhaltensweisen aufbauen, und zwar Verhaltensweisen, die sie bisher nicht in ihrem Repertoire hatten. Voraussetzung dafür ist, dass verschiedene Prozesse ablaufen: Das Kind muss der Geschichte positive Aufmerksamkeit schenken, die Geschichte im Gedächtnis ablegen und sie später erinnern und gemäß des dadurch angeregten Lernprozesses agieren können.

Eine weitere gut zum Modellernen geeignete Geschichte für Grundschulkinder trägt den Namen „Und wenn ich zurückhaue“. Erste Informationen dazu auch hier im Blog.

Und denken Sie daran: Kinder brauchen viele Geschichten, denn aus jeder guten Geschichte können sie etwas “mitnehmen” für ihr Leben!

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Literaturempfehlungen, Schulmediation, Soziales Lernen | Kommentare (1) | Autor:

Jugendliche denken über Konflikte in der Familie nach

Montag, 18. Mai 2009 7:16

„Ich in meiner Familie – Zwischen Wunsch und Wirklichkeit“, darüber haben sich 150 SchülerInnen zwei Tage lang im Rahmen eines open space im Berliner Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung Gedanken gemacht.

Dabei ging es auch ganz viel um Konflikte in der Familie, nämlich um: Taschengeld, Haushalt, Offenheit in der Familie, ethnische Konflikte, alleinstehende Elternteile, Vernachlässigung in Familien, Integrationsprobleme, Wunschkinder, der Hilflosigkeit gegen Gewalt in Familien, die Rolle von Strafen in der Familie, das betreute Wohnen als letzten Ausweg, und vieles mehr. In manchen Arbeitsgruppen war es eher beschaulicher und nachdenklicher – in anderen Arbeitsgruppen war es richtig voll und es wurde intensiv diskutiert und debattiert. Die Jugendlichen waren froh, endlich einmal über diese Themen sprechen zu können und wünschten sich weitere derartige Veranstaltungen.

Auch ich habe gerne an dem open space teilgenommen und viele Gedankenanregungen von den Jugendlichen mitnehmen können. Besonders ist mir in Erinnerung geblieben, wie ernsthaft die Mädchen und Jungen über die Themen nachgedacht haben, Erfahrungen ausgetauscht haben, Lösungen gesucht haben und Anregungen für die Politik formuliert haben.

Auch das Thema „Rechte von Kindern und Jugendlichen“ hat Wellen geschlagen: Wie lange darf ich denn draußen bleiben? Was für Rechte habe ich? Warum habe ich in der Schule noch nichts über Rechte gehört? Den wenigsten Anwesenden waren die Antworten auf diese Fragen bekannt. Bleibt zu hoffen, dass darauf reagiert wird …

Die Landeskommission Berlin gegen Gewalt hat gut daran getan, dieses Thema auf diesem open space anzubieten. Allen LehrerInnen und SchülerInnen seien sowohl die Methode des open space als auch das Thema empfohlen.

Die Landeskommission Berlin gegen Gewalt führt übrigens immer wieder hochwertige Vorträge und Tagungen zu den verschiedensten Themen durch, demnächst am 16.06.09 beispielsweise zu den Ergebnissen der jüngsten bundesweiten Repräsentativbefragung von 45.000 Jugendlichen durch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen e.V.

Eine Anleitung, um Konflikte in der Familie gut lösen zu können, bietet übrigens mein Buch “Kommunikation in der Familie: Vom Schimpfen und Schreien zum Runden Tisch in der Familie.”

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Kommunikation, Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktlösung | Kommentare (0) | Autor: