Beitrags-Archiv für die Kategory 'Gewalt, -prävention, -intervention'

Plakate zur Gewaltprävention

Donnerstag, 20. März 2014 23:09

Seit einigen Jahren bin ich an der KHSB (Katholischen Hochschule Berlin) als Lehrbeauftragte tätig. Im Rahmen des Seminars “Sozialpädagogisches Handeln im Gemeinwesen” haben meine Studierenden im letzte Semester Plakate entworfen, die der stadtteilbezogenen Gewaltprävention dienen sollen. Da viele Plakate super gut und aussagekräftig sind, möchte ich sie hier der Öffentlichkeit vorstellen. Gerne möchte ich die Vorstellung der Plakate auch mit dem Aufruf verbinden, in der Nachbarschaft und im Stadtteil aufeinander zu achten und Gewalt zu verhindern …

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Besten Dank an meine Studentinnen und Studenten aus dem letzten Semester für die wunderbaren Plakate und das interessante gemeinsame Seminar sagt Christa Schäfer

Gewaltprävention in Grundschulen durch Empathietraining mit Babys …

Thema: Gewalt, -prävention, -intervention | Kommentare (0) | Autor:

Tim hat Geburtstag oder: Tim kriegt Geburtstagsschläge

Montag, 12. November 2012 6:57

Es ist Montag Morgen 6:30 Uhr. Tim hat Geburtstag, er steht frohgemut auf, zieht sich an, hüpft in die Küche und freut sich, dort eine große Geburtstagstorte und viele Geschenke zu sehen. Er beschließt zu frühstücken, packt eines der Geschenke aus und muss dann schon lossausen zur Schule. Er geht in die 5te Klasse einer Grundschule gleich um die Ecke in Berlin Mitte. Schon auf dem Weg zur Schule wird ihm mulmig, denn er kennt die nun folgende Prozedur schon aus den letzten Jahren: Geburtstagsschläge.

Geburtstagsschläge?
Ja, das gibt es tatsächlich.

Vor einigen Jahren hörte ich das erste Mal davon, als meine eigenen Kinder noch in eine Berliner Grundschule gingen. Jetzt habe ich das erste Mal gelesen, dass dies anscheinend ein in einigen Berliner Bezirken und sogar ein bundesweit verbreitetes Phänomen ist. In Neukölln wurde vor zwei Wochen sogar ein Sekundarschüler von Mitschülern so mit „Geburtstagsschlägen“ traktiert, dass er anschließend ambulant behandelt werden musste. Zum entsprechenden Tagesspiegel-Artikel …

Um bei Tims Geschichte zu bleiben, dort funktionierte die Sache folgendermaßen: Eine Gruppe von sechs Jungs schnappt sich Tim, der 10 Jahre alt wurde. Jeder der Jungs durfte 10 Mal zuschlagen, denn Tim wurde schließlich 10 Jahre alt. Das machte dann 60 Schläge für Tim. Tim fand das nicht toll, aber was sollt er machen? Er bekam zwar später in der Klasse dann auch noch ein Geburtstagsständchen vorgesungen (die Gruppe der sechs Jungs sang natürlich mit), aber irgendwie war der Tag doch nicht mehr ganz so super.

Christian Pfeiffer, der Leiter des Kriminologischen Instituts Niedersachsen, ist dem Phänomen der Geburtstagsschläge auf den Grund gegangen. Er sieht Neid als eine Ursache des Phänomens. Laut Pfeiffer ist es in muslimischen Familien nicht Tradition, den Geburtstag so ausgiebig und mit vielen Geschenken zu feiern, wie das in Deutschland üblich sei. Aus dem hierdurch entstehenden Neid und Ärger entwickelt sich dann manchmal der Wunsch, den anderen, der Geburtstag hat, klein zu kriegen. Die Berliner Polizei hat mitunter sogar schon Anzeigen wegen Körperverletzungsgeburtstagsschlägen aufgenommen und bietet dazu auch Präventionsveranstaltungen in Schulen an.

Ist das alles nicht unglaublich?
Soweit also zum Thema „Gewaltprävention in Schulen“ …

Christa D. Schäfer

Thema: Gewalt, -prävention, -intervention, Schule in Berlin | Kommentare (0) | Autor:

Gewaltprävention an unserer Schule,

Montag, 5. November 2012 6:11

das ist ein Thema, das von Grundschulen, Sekundarschulen, Gymnasien, Haupt- und Realschulen öfters für einen Studientag bei mir angefragt wird.

Betrachtet man die Berliner Verhältnisse, so liest man in den einschlägigen Statistiken, dass jedes zweite Berliner Schulkind bereits einen Mobbingfall in der Schule erlebt hat, sei es als Täter oder als Opfer. Ein Viertel aller Berliner SchülerInnen zwischen 11 und 15 Jahren klagt über psychosomatische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder Einschlafstörungen. Jede Berliner Schulklasse hat durchschnittlich zwei bis drei psychisch auffällige SchülerInnen. Diese Zahlen gehen aus einer Untersuchung zum Gesundheitszustand der Berliner SchülerInnen hervor. Im Jahr 2006 waren für diese Untersuchung insgesamt 1.300 Mädchen und Jungen aus fünften, siebten und neunten Klassen befragt worden. Im Rahmen der KIGGS Studie und der Health Behaviour in School Aged Children (HBSC) gibt es demnächst wieder aktuelle Zahlen zum Thema. Ich werde berichten.

Aber nicht nur an diesen Statistiken sieht man, wie wichtig die Gewaltprävention in Berliner Schulen ist. Auch wenn man die Zeitung aufschlägt, so fliegt einem die Notwendigkeit zur Gewaltprävention zu. Und auch, wenn man mit SchülerInnen, LehrerInnen und Schulleitungen spricht, so erkennt man zweifelsfrei die Dringlichkeit dieses Themas.

In der Zwischenzeit gibt es eine Vielzahl von Programmen zur Gewaltprävention, aus denen die Schulen auswählen können. Betrachte ich einmal nur den Grundschulbereich, so sind dies:

buddY-Programm
Denkzeit-Programm
Faustlos
Die Friedensbrücke
Klassenrat / Demokratiepädagogik (hands for kids)
Kooperatives Lernen
Stopp-Regel
Streitschlichter- bzw. Konfliktlotsen
Das Trainingsraum-Konzept
Wolfs- und Giraffensprache (GfK)
Weitere Soziale Kompetenztrainings

Themen, die in den Programmen behandelt werden sind u.a.:
Emotionale Kompetenz
Gefühle und Bedürfnisse erkennen und ausdrücken
Perspektivübernahme üben
Empathiefähigkeit stärken
Impulskontrolle / Umgang mit Wut
Konfliktfähigkeit
Kooperationsfähigkeit
Nachdenken über Werte und Normen
Problemlösekompetenz
Reflexionsfähigkeit
Sprache geben / Gesprächsführung
Helfen / Begleiten / Beraten (Peer-Ansatz)

Letztlich steht auch immer die Förderung und Stabilisierung des Selbstwertgefühls im Zentrum der Programme. Jede Schule muss sehen, welches das für sie geeignete Programm ist. Verschiedene Schulen haben verschiedene Vorlieben, ein unterschiedliches Schülerklientel und natürlich auch verschiedene Voraussetzungen, die unterschiedliche Programme erfordern.

Schön, dass es jetzt ein Buch zum Thema „Gewaltprävention an Schulen“ aus dem Beltz Verlag gibt, das den Prozess der Planung, Umsetzung und Verankerung von Strategien zur Gewaltprävention und Gewaltintervention in den Mittelpunkt der Betrachtung rückt. Das Buch von Mustafa Jannan beschäftigt sich mit schulischer Intervention und Prävention:

Als Intervention verstehe ich die personenbezogene Reaktion auf einen Gewaltfall in der Schule, die zu einer zeitnahen Lösung des Problems führt. (Jannan: Gewaltprävention … S. 16)

Als Prävention verstehe ich Handlungskonzepte, die vorbeugend eingesetzt werden, um Gewalt langfristig zu minimieren. (ebenda, S. 22)

Als systemisch denkende Pädagogin und Mediatorin hat es mir die Grafik zur Mehrebenenprävention besonders angetan. Diese besagt, dass die Präventionsarbeit einer Schule nicht bei einzelnen SchülerInnen oder Klassen ansetzen, sondern das gesamte System Schule umfassen sollte. Wie dies gut funktionieren kann, dazu gibt Jannan vielfältige Hinweise und Übersichten, und natürlich werden im Buch auch ausgewählte Präventionsprogramme vorgestellt

 

Ich merke, dass sich immer mehr Schulen auf den intensiven Weg der Gewaltprävention machen, das freut mich sehr.

Kennen Sie übrigens schon die Initiative Schule im Aufbruch? Wenn irgendwann einmal alle Schulen so aufgestellt sind, dann brauchen wir höchstwahrscheinlich weniger Gewaltprävention, weil die Schulen per se schon gewaltpräventiv arbeiten …

Interessant auch ein Interview mit Mustafa Jannan zum Thema „Mobbing an Schulen“.

Ebenfalls ein super Buch zum Thema Gewalt und Mobbing an Schulen ist von Wilfried Schubarth …

Und interessant ist sicherlich auch für Sie ein Überblick über die Programme, die die Berliner Schulen zur Gewaltprävention nutzen.

Christa D. Schäfer

Thema: Gewalt, -prävention, -intervention, Literaturempfehlungen, Schule in Berlin, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

4 Jahre Mediationsblog

Samstag, 2. Juni 2012 20:46

Am 30. Mai 2008 erschien der erste Artikel in diesem Blog.
Seit der Zeit sind genau 232 Artikel entstanden.
Das will gefeiert werden !

Deshalb freuen Sie sich bitte mit mir auf das Buch zum Blog, das in Kürze erscheinen wird. Es fasst verschiedene Artikel dieses Buches zusammen und behandelt Themen von der Konfliktbearbeitung in Berlin über Emotionale Kompetenz, Gewaltprävention, Kommunikation, Mediation, Mobbingprävention, Soziales Lernen, Soziale Trainingsprogramme und Unterrichtsstörungen.

Demnächst können Sie Ihr Buchexemplar hier bestellen.

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Gewalt, -prävention, -intervention, Kommunikation, Konflikte, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen, Mobbingbearbeitung, Schulmediation, Soziales Lernen, Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

Kampfzone Straße

Montag, 14. Mai 2012 6:19

„Fast drei- bis vier Mal täglich werden im Neuköllner Kiez Kinder, Jugendliche und Heranwachsende Opfer von Raubtaten oder Körperverletzungen, in denen ein Messer als Tatmittel eingesetzt wird. Dabei wird mit dem Messer, je größer, umso besser, nicht nur gedroht, um die Opfer einzuschüchtern und sie so leichter zur Herausgabe der Beute zu veranlassen, nein, erschreckenderweise wird auch genauso schnell zugestochen. Dabei spielen, wie bei vielen Vernehmungen festgenommener Täter festgestellt, Motive eine Rolle, die zusätzlich betroffen machen. Da wird schon mal im „Rausch“ des Machtgefühls auf den sich wehrlos Ergebenden eingestochen, obwohl man bereits im Besitz der Beute ist. Das Erniedrigen des Opfers, einhergehend mit gruppendynamischen Prozessen, ist eine weitere abscheuliche Art, zusätzlich Gewalt im Übermaß anzuwenden. Meist will sich der Einzelnde in der Gruppe als Überlegener darstellen, um so eine Machtpositition zu erreichen oder zu festigen.“ (Kampfzone Straße, S. 18)

Das ist eine der vielen vielen Stellen aus dem Buch „Kampfzone Straße“ von Fadi Saad und Karlheinz Gaertner, die betroffen macht.

Im April diesen Jahres wurde in Neukölln ein 22jähriger junger Mann erschossen, der sich gerade mit seinen Freunden auf der Straße unterhielt. Vom Täter fehlt bis jetzt jede Spur.

Was ist los?

Bereits 2007 gab es die Idee an einigen Schulen in Neukölln einen Wachschutz zu beauftragten, der das Eingangstor und den Pausenhof der Schulen bewachen sollte. Privater Sicherheitsschutz wurde engagiert, um schulfremde Personen draußen zu halten und um Gewalt vorzubeugen. 16 Schulen aus Neukölln machten gute Erfahrungen mit diesem Programm. Ende letzen Jahres dann trauerten die Neuköllner Schulen um ihre Wachschützer, aber eine Weiterfinanzierung war nicht in Sicht. Der Bezirk Neukölln konnte sich die Finanzierung des Wachpersonals nicht mehr leisten.

Der Wachschutz wurde als Gewaltprävention angesehen. Die Leiterin der Röntgen-Realschule sah das damals so: „Es werden ja keine Schlägertypen aus der Türsteher-Szene engagiert“, betonte sie. Wichtig sei, dass die ausgewählten Sicherheitsfirmen über Personal verfügen, das in Deeskalation und kommunikativem Verhalten geschult ist. Die Wachleute müssten „höflich, aber bestimmt auftreten“.

Ist Wachschutz eine gute Methode zur Gewaltprävention?

Laut Statistik ist die Zahl der gemeldeten Gewaltvorfälle in Schulen im letzten Schuljahr erneut zurück gegangen. 38 % aller Berliner Schulen waren von Gewaltvorfällen betroffen. 1468 Vorfälle waren es im Schuljahr 2010/2011. Der Bezirk Mitte musste die meisten Gewaltvorfälle verzeichnen, gefolgt von Neukölln, Steglitz-Zehlendorf und Friedrichshain-Kreuzberg.

Mit dem Brandbrief der Rütli-Schule fing in Neukölln alles an. Jetzt ist die Rütli-Schule aufgrund der vielfältigen Maßnahmen wieder beliebt bei Eltern und SchülerInnen.

Gerade die Schulen sind ein guter Ort zur Gewaltprävention. Es gibt vielfältige Programme. Packen wir’s an!! Wilfried Schubarth gibt beispielsweise in seinem Buch Gewalt und Mobbing an Schulen einen guten Überblick über die Programme zur Gewaltprävention an Schulen.

Karlheinz Gaertner ist als Polizeihauptkommissar in Neuköllner Schulen und zur Bekämpfung der Straßenkriminalität unterwegs. Fadi Saad arbeitet als Quartiersmanager in Moabit-Ost, kennt aber Neukölln gut. Beide berichten in ihrem Buch „Kampfzone Straße“ von Kindern und Jugendlichen in Neukölln. Gerade für Lehrerinnen und Lehrer ist dieses Buch interessant, um einen Perspektivwechsel vorzunehmen und zu erfahren, was die Lebenswirklichkeit mancher Schüler in Neukölln ist. Interessant ist das Buch natürlich auch im Hinblick auf die von Gaertner und Saad durchgeführte Gewaltprävention … es müsste mehr solcher Menschen in allen Berliner Bezirken geben …

Haben sie übrigens schon mal vom Denkzeit-Programm gehört?
Dazu demnächst mehr …

Christa D. Schäfer

Thema: Gewalt, -prävention, -intervention | Kommentare (0) | Autor:

Kränkungen, Konflikten und Krisen vorbeugen – keine Katastrophen zulassen

Montag, 19. März 2012 6:23

Als Prävention (vom lateinischen praevenire für „zuvorkommen, verhüten“) bezeichnet man vorbeugende Maßnahmen, um ein unerwünschtes Ereignis oder eine unerwünschte Entwicklung zu vermeiden. Ganz allgemein kann der Begriff mit „vorausschauender Problemvermeidung“ übersetzt werden. (wikipedia)

Es gibt Gewaltprävention, Suchtprävention, Mobbingprävention, Kriminalprävention und viele viele weitere Arten von Prävention. Gewaltprävention ist der Oberbegriff für Initiativen und Maßnahmen, die Menschen bei der Vermeidung gewalttätiger Auseinandersetzungen helfen bzw. den richtigen Umgang mit Konflikten schulen soll. Sucht- bzw. Drogenprävention bezeichnet zum einen Maßnahmen zur Verhinderung des Konsums, zum anderen Maßnahmen, die Gesundheitsschäden durch den Konsum legaler (Alkohol, Nikotin, Koffein und einige Medikamente) und illegaler Drogen vorbeugen.

Die Sozialwissenschaften unterscheiden drei verschiedenen Stufen von Prävention, und da der Präventionsbegriff ursprünglich aus der Medizin kommt, ist bei den folgenden Definitionen auch stets von einer Störung (psychischen Störung) die Rede. Diese „Störung“ kann in Bezug auf die verschiedenen Arten von Prävention der erste Drogenkonsum, der erste Alkoholkonsum, der erste Gewaltvorfall oder anderes sein. Primäre Prävention bedeutet die Vorbeugung zur Verhinderung des (ersten) Auftretens einer Störung. Unter sekundärer Prävention werden alle Maßnahmen zur Therapie und Eindämmung der Störungen im Verlauf ihres Auftretens verstanden. Durch die tertiäre Prävention soll ein weiteres Fortschreiten einer ausgebrochenen Störung verhindert werden. Die tertiäre Prävention umfasst schließlich alle Bemühungen, die in der Folge einer Störung der Rehabilitation dienen und der Gefahr entgegenwirken sollen, dass die Störungen wieder auftreten oder chronisch werden könnte.

Schülerinnen und Schüler können heute in verschiedene „gefährliche Entwicklungen“ hineingeraten oder diese Entwicklungen bei anderen beobachten: innerpsychische Krisen, Mobbing, Cyber-Mobbing, Drogen, Aggression, Gewalt, aber auch Suizid oder ein School Shooting.

Christine Spies hat zu bedrohlichen Entwicklungen im Jugendalter ein Präventionskonzept erarbeitet und dieses in ihrem Buch „Wir können auch anders!“ im Beltz Verlag vorgestellt. Sie spricht davon, dass die drei K’s angenommen werden müssen: Kränkungen, Konflikte und Krisen – dass aber Katastrophen natürlich zu vermeiden sind.

„Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ (Max Frisch)

„Bemühe dich, deiner Krise zu begegnen, bevor sie dich überfällt.“ ( Pavel Kosorin)

Das Buch umfasst Erkenntnisse aus Erziehungswissenschaft, Sozialpsychologie, Schulpsychologie für Gewaltprävention und Krisenintervention, Kriminologie, Forensischer Psychologie, Jugendgewaltforschung, Suchtprophylaxe, Kinder- und Jugendpsychiatrie (Suizidforschung) sowie der Medienwirkungsforschung und deckt die primäre und sekundäre Präventionsebene ab. Es ist für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren gedacht, enthält 154 Arbeitsblätter und kann ohne große Vorarbeit direkt in Schule im Unterricht oder in Projekten eingesetzt werden.

Exemplarisch möchte ich Sie hier zum Denken darüber anregen, welcher Verarbeitungstyp in Reaktion auf eine Krise Sie sind. Es gibt acht von Christine Spies benannte Muster, mit denen Jugendliche auf eine Krise reagieren. Das gilt natürlich nicht nur für Jugendliche, sondern auch für Erwachsene. Nehmen Sie sich bitte 10 Minuten Ruhe, setzen Sie sich mit einer Tasse Kaffee oder Saft auf den Balkon in die Sonne und überlegen Sie, welcher Verarbeitungstyp Sie selber sind. Dazu ein Zitat von S. 161 des hier vorgestellten Buches:

Typ 1 – Verdränger
Probleme und unangenehme Gefühle schiebst du weg: „Ich zieh mir doch nicht jeden Mist rein!“ Lieber stürzt du dich in andere Beschäftigungen und lenkst dich ab. Vielleicht betäubst du dich auch mit Alkohol oder anderen Drogen. Manchmal verkriechst du dich auch im Bett und pennst endlos lange, oder du dröhnst dich stundenlang mit Fernsehen oder Computerspielen zu. Auf alle Fälle vermeidest du erst mal alles, was dich an das Unangenehme erinnern könnte …

Typ 2 – Dampfkessel
Du lässt Probleme und negative Gefühle gar nicht an dich rankommen. Nach außen hin wirkst du ruhig und beherrscht. Auf andere bist du nicht angewiesen, was sie von dir denken, interessiert dich nicht. Du gehst deinen eigenen Weg. Ab und zu fällt dir auf, dass du immer weniger Kontakt zu anderen hast und oft wie in einer eigenen Welt lebst. Du hast deine Hobbys, in denen du deine Fantasien ausleben kannst. Das hilft dir, wenn andere dich runtermachen, bloßstellen und ihre Macht ausspielen …

Typ 3 – Schluckspezialist
Du gehst Problemsituationen lieber aus dem Weg. Du möchtest nicht anecken und dich unbeliebt machen, deswegen schluckst du ungerechtes und unfaires Benehmen von anderen. Streit ist dir unangenehm, du magst es, wenn Beziehungen harmonisch sind. Dich zu wehren hältst du nicht für sinnvoll, denn es bringt ja doch nichts. Oft sagst du dann lieber gar nichts und ziehst dich zurück. Dann grübelst du lange darüber nach, was zwischen den Menschen falsch läuft …

Typ 4 – Showmaster
Du bist kontaktfreudig und stehst am liebsten im Mittelpunkt. Anerkennung und Bewunderung saugst du auf: du brauchst sie wie die Luft zum Atmen. Wehe, wenn du dich zurückgewiesen oder abgelehnt fühlst. Dann steigerst du dich so in die Sache hinein, bis jedem klar ist, dass du eine wahre Katastrophe erlebst. Deine Gefühle kannst du gar nicht für dich behalten …

Typ 5 – Lonesome Cowboy
Du warst schon immer eher ein Einzelgänger und teilst anderen selten mit, was in dir vorgeht. Wozu auch? Jeder muss doch versuchen, mit seinen Problemen alleine klar zu kommen – so siehst du das. Deshalb verlässt du dich lieber nur auf dich. Manchmal gelingt es dir, eine Person ins Vertrauen zu ziehen und dich zu öffenen, aber dafür kommen nur wenige infrage …

Typ 6 – Manager
Bei einem Problem versuchst du dir erst einmal darüber klar zu werden, was gerade abgeht. Du entspannst dich und überlegst. Wenn du nicht weiterkommst, sprichst du eine Vertrauensperson an. Freunde hat man doch, damit sie einem helfen, oder?

Typ 7 – Ausraster
Wer dich beleidigt, entwürdigt oder in deiner Ehre verletzt, muss damit rechnen, „eine zu fangen“. PP: Persönliches Pech! Weil du dich ständig von anderen provoziert fühlst, rastest du oft aus. Du brauchst das Gefühl von Macht und den Nervenkitzel: Alles ist besser als Langeweile und das Gefühl, unterlegen zu sein …

Typ 8 – Nullchecker
Probleme haben andere – du hast alles im Griff!

Welcher Typ sind Sie?
Was sind die Vor- und Nachteile, so zu sein?
Was müsste der Typ lernen, um Krisen besser bewältigen zu können?

Besten Dank an Christine Spies für diese interessante Übung und auch für das dicke wunderbare Buch mit den vielen Übungen, mit denen man gefährlichen Entwicklungen im Kindes- und Jugendalter vorbeugen kann. Christine Spies hat übrigens auch an der Anne-Frank-Grundschule das Projekt mit den Stopp-Regel-BuddYs ins Lebens aufgebaut.

Christa D. Schäfer

Thema: Gewalt, -prävention, -intervention, Soziales Lernen | Kommentare (1) | Autor:

Gewalt und Mobbing an Schulen – Möglichkeiten der Prävention und Intervention

Montag, 15. August 2011 7:51

Die Schulmediation dient der Gewaltprävention, kann aber auch dann eingesetzt werden, wenn „leichte“ Gewalt bereits geschehen ist. Wilfried Schubarth hat ein sehr informatives Buch zum Thema „Gewalt und Mobbing an Schulen“ geschrieben, das ich an dieser Stelle gerne vorstellen möchte.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dieses im Grundgesetz verbriefte Grundrecht gilt auch für die Institution Schule und zwar für Schüler und Lehrer. Gleichwohl weiß jeder aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, diesem Recht Geltung zu verschaffen – auch und gerade in der Schule. Neben eigenen Erfahrungen stammt das meiste, was wir über die Schule zu wissen glauben, aus den Medien. Und diese sind beim Thema ‚Jugend und Gewalt‘ wahrlich nicht zimperlich, versprechen doch groß aufgemachte Berichte über extreme Gewaltvorfälle, z.B. Amokläufe, erhöhte Aufmerksamkeit und ökonomischen Gewinn. Sich über die Situation an Schulen selbst ein realistisches Bild zu machen, ist deshalb praktisch unmöglich. So bleiben die Fragen, die solche Medienberichte provozieren, weitgehend offen: Wie sicher sind unsere Schulen? Wie viel Gewalt, wie viel Mobbing gibt es an Schulen? Hat die Gewalt zugenommen? Haben wir bald amerikanische Verhältnisse? Was sind Ursachen für Gewalt und Mobbing? Und vor allem: Was kann gegen Gewalt und Mobbing getan werden? Welche Präventionsansätze gibt es und welche haben sich besonders bewährt?“ (Schubarth 2010, S. 7)

So eröffnet Wilfried Schubarth sein Vorwort zum Buch, und er geht schnell zu den quälenden Fragen über, die uns nach den bekannten Schlagzeilen der letzten Zeit immer wieder beschäftigen. Ich erinnere hier etwa an den Vorfall, als ein Schüler eines Berliner Gymnasiums am Bahnhof Friedrichstraße einen anderen Menschen brutal zusammenschlug oder an die Diskussion in den Medien über das immer verbreitetere Mobbing und Cybermobbing an Berliner Schulen.

Schubarth steht diesen Medienberichten kritisch gegenüber. Anhand einer Grafik zeigt er, wie schnell das öffentliche Interesse für das Thema durch die Medien ansteigt, wie auch die Politik oberflächlich reagiert und dann alles genauso schnell wieder im Sand verläuft. Er stellt auch kritisch dar, dass der Medienboom, der die Täter so sehr ins Rampenlicht stellt, Nachahmungstäter dazu animiert, ähnliche Verbrechen auszuführen. Fazit: Für Außenstehende sind die Fragen zu eventuellem Gewaltanstieg oder der aktuellen Situation nicht zu beurteilen.

In seinem Buch möchte Wilfried Schubarth dem ein wenig Abhilfe schaffen und beschreibt in der ersten Hälfte seines Buchs „Gewalt und Mobbing an Schulen“ die aktuellen Definitionen zu Aggression und Gewalt. Psychologische und soziologische Theorien und integrative Ansätze werden ausführlich zusammengefasst und schaffen ein Verständnis für die Vielschichtigkeit von Aggressionen, die in den allermeisten Fällen nicht nur einen Auslöser haben.

So beschreibt die Psychologie Aggression z.B. als Trieb oder als Reaktion auf Frustration, als erlerntes Verhalten oder als Persönlichkeitsstörung. Die Soziologie stellt Aggression mehr als abweichendes Verhalten dar, etwa als Folge von Anpassung an widersprüchliche kulturelle Ziel und sozialstrukturelle Verhältnisse oder als Anpassung an Anforderungen der Gesamt- oder Subkultur. Es entsteht auch aus zugeschriebenem Rollenverhalten oder mangelnder Selbstkontrolle und Verunsicherung. (Vgl. Schubarth 2010, S. 52f.)

Auf dieser Grundlage beschreibt Schubarth anhand von empirischen Forschungen ein Täter- und Opferprofil für den Schulbereich. Täter sind meist älter als ihre Opfer, sie sind dominant, meist selbstbewusst und eher beliebt bei ihren Mitschülern. Sie sind eher leistungsschwach, haben eine geringe Empathiefähigkeit und eingeschränkte Konfliktlösungskompetenzen. Dagegen sind typische passive Opfer im Gegenteil körperlich schwächer, unsicher, still. Sie wehren sich nicht, haben ein negatives Selbstbild, sind Außenseiter und haben mangelnde soziale Kompetenzen. Daneben gibt es auch noch die Gruppe der provozierenden Opfer, die sowohl Opfer wie Täter sind. Sie charakterisiert eine Kombination aus ängstlichem und aggressivem Verhalten. Sie sind leicht reizbar und in ihrer Altersgruppe eher unbeliebt. Während Täter und passive Opfer jeweils 5 % der Schüler ausmachen, sind etwa 2/3 der Opfer auch Täter und viele Täter sind auch schon Opfer gewesen. Dabei gelten die Zahlen sowohl für den Bereich der Aggression wie auch für Mobbing und Cybermobbing (vgl. Schubarth 2010, S. 67f. und 81f.).

Der zweite große Teil des Buches beschäftigt sich mit der Gewaltprävention und -intervention. Bereits bei der Definition von Aggression und Gewaltverständnis wurde im ersten Teil auf Folgen für die Prävention eingegangen. Nun fasst der zweite Teil ausführlich auf jeweils 2 bis 3 Seiten einzelne Programme zusammen aus dem Bereich der Gewaltprävention (z.B. „FAUSTLOS“) und –intervention (z.B. Coolness-Training), Programme gegen Mobbing (allen voran das Interventionsprogramm nach Dan Olweus), gewaltunspezifische Programme (z.B. das buddY-Programm) und weitere Konzepte, die das Zusammenleben in der Schule betreffen (z.B. Demokratie- und Menschenrechtserziehung). Jedes Projekt ist dabei übersichtlich gegliedert nach Zielen, Inhalt und Methoden, einer Gesamtbewertung und einer Zusammenfassung der Stärken und Schwächen des jeweiligen Programms.

Wilfried Schubarth hat mit seinem Buch eine Übersicht über den aktuellen Wissensstand im Bereich der Gewaltforschung geschaffen. Die Beschreibung der Präventionsprogramme ist knapp, aber mit ausreichend Literaturempfehlungen versehen, so dass ein vertiefendes Arbeiten damit ohne weiteres möglich ist. Das Buch eignet sich deshalb sehr gut als Grundlagenlektüre für Lehrer und Studierende und alle diejenigen, die mit Jugendlichen arbeiten, Gewalt und Aggression verstehen lernen und präventiv dagegen vorgehen wollen.

Ein gewaltfreies neues Schuljahr wünscht
Dominik Mühe

Thema: Gewalt, -prävention, -intervention, Literaturempfehlungen | Kommentare (1) | Autor:

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