Beitrags-Archiv für die Kategory 'Kommunikation'

Die Arbeit mit Metaphern in der Mediation

Montag, 8. April 2013 6:46

So langsam geht alles den Bach runter …
Stufe für Stufe gehen wir der Lösung entgegen …

Mediatoren sollten in ihrer Arbeit sprachsensibel vorgehen. Der Grad der Sprachsensibilität wird vom Aufmerksamkeits- und Sprachvermögen eines Mediators bestimmt und kann zudem von Mediation zu Mediation ganz unterschiedlich sein.

Metaphern fördern die Aktivierung der rechten Gehirnhälfte. Die rechte Gehirnhälfte steuert die Intuition, Kreativität, Symbole und Gefühle. Beim Hören einer Metaphern können eigene, dazu passende Bilder, Symbole, Melodien oder Gerüche entstehen. Das Rohmaterial der Gedanken, die aufblitzenden Ideen, die Bilder, alle Sinneseindrücke werden rechts bearbeitet. Die Hauptziele der Verwendung von Metaphern im therapeutischen Kontext sind es, Veränderung zu fördern, neue Perspektiven zu gewinnen und neue Möglichkeiten der Interpretation einer Situation zu ermöglichen.

Das Verfahren der Mediation richtet sich an den Verstand der Medianden. Eine Metapher zielt auf unbewusstes Verstehen ab. Metaphern können nicht schnell und vollständig intellektuell analysiert und verstanden werden. Sie besitzen im Sinne des Psychotherapeuten Milton H. Erickson stets etwas Vages, Ungewisses und eine versteckte Bedeutung. Damit beeinflusst eine Metapher innere Prozesse, die sich dann in äußeren Veränderungen widerspiegeln können. Dies führt dazu, dass durch eine Metapher einerseits das bewusste Denken beschäftigt wird und andererseits unbewusste Suchprozesse nach neuen Bedeutungen und Lösungen angeregt werden. Metaphern berühren unser Herz und die Kreativität des Unbewussten. Sind sie gleichzeitig abstrakt und entfernt genug vom eigentlichen Problem, werden überkritische Anteile des bewussten Denkens den kreativen Prozess des Unbewussten nicht durch Widerstände, Zweifel oder intellektuelle Vorurteile stören.

Im NLP-Sprachgebrauch lösen Metaphern beim Zuhörer einen Prozeß der transderivationalen Suche, auch Ableitungssuche genannt, aus. Der Hörer einer Metapher hört die gesprochenen Wort auf einer Oberflächenstruktur (1), er versteht die Bedeutung der Metapher auf einer Tiefenstruktur (2), und er entwickelt eine parallele Deutung auf einer zusätzliche Tiefenstruktur (3), die in das Welt-Modell der Person passt, die einen inneren Zustand der Person aktiviert, oder die für ihr Leben bedeutungsvoll ist. Somit passiert durch eine Metapher ein Suchprozess nach einer spezifischen, den Prozess betreffenden Tiefenstruktur. Zudem bewirken Metaphern eine Dissoziierung von einem Problem, wenn das Problem (Bereich A) in einen anderen (weniger belastenden) Kontext (Bereich B) gestellt wird.

Ich persönlich arbeite in meinen Mediationskontexten sehr gerne mit der Methode der Metaphern. Sowohl in der Mediation mit Familien und Paaren als auch in der Gruppenmediation lässt sich diese Methode wunderbar einsetzen. Für das Buch „Konflikte lösen in Teams und großen Gruppen“ (Hrsg. Peter Knapp) habe ich kürzlich einen Fachartikel zur Arbeit mit der Metaphernmethode beigesteuert. Wer ein Mal mit Metaphern in der Mediation gearbeitet hat, der wird von der Wirkung dieser Methode begeistert sein und daran festhalten …

Jetzt habe ich ein Buch in die Hände bekommen, das diese Methode ausführlich behandelt. Ich war ernsthaft begeistert, das von Brigitte und Ernst Spangenberg geschriebene Buch „Sprachbilder und Metaphern in der Mediation“ in den Händen zu halten. Das Buch startet mit einer Beschreibung der Arbeit mit metaphorischen Ausdrücken. Es folgen Kapitel, in denen die Spangenbergs die Grundsätze in der Mediation in Form von Metaphern erklären, den Phasen der Mediation Metaphern zuweisen, über Konfliktmetaphern, Lösungsmetaphern und Schlüsselbilder berichten sowie die Anwendung von Metaphern in schwierigen Fallkonstellationen darstellen.

Das Buch ist das erste Werk, das sich dem Thema „Metaphern in der Mediation“ verschrieben hat. Es ist ein absolutes Muss und ein Highlight für all diejenigen MediatorInnen, die von dem Thema Sprache in der Mediation fasziniert sind und die auch auf unbewusster Ebene über das Thema Sprache in Mediationen arbeiten möchten.

Einige Zitate aus dem Buch mögen Ihnen Lust machen, sich intensiver mit dem Buch zu beschäftigen:

„Jeder Mediand hat zwei Seelen in seiner Brust, von denen die eine sich nach Frieden sehnt, während die andere den Konflikt provoziert. Medianden benötigen oft nur einen Vitaminstoß, um ihren Konflikt eigenverantwortlich lösen zu können. Die Mediation ist ein Impuls, der bei den Medianden eine Kugel ins Rollen bringt. Jede Mediation ist ein Abenteuer, bei dem es immer wieder erstaunliche Eigenschaften des Menschen zu entdecken gilt.“ (Brigitte und Ernst Spangenberg: Sprachbilder und Metaphern in der Mediation. Frankfurt: Metzner Verlag 2013. S. 31)

Christa D. Schäfer

Hier geht’s zum Artikel Geschichten in der Mediation nutzen …

Thema: Kommunikation, Konfliktberatung, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0) | Autor:

GfK visuell

Montag, 25. März 2013 7:18

Schon das ein oder andere Mal habe ich in Grundschulen die Gewaltfreie Kommunikation eingeführt. Stets hatte ich zwei Bildkarten dabei, um die verschiedenen Sprachen nach Marshall Rosenberg zu visualisieren: eine Bildkarte mit einem Wolf und eine Bildkarte mit einer Giraffe.

Wie sicherlich bekannt, steht der Wolf in der GfK für die Wolfssprache. Nach Rosenberg ist dies eine „lebensentfremdende Sprache“, in der moralisches Urteilen über andere, das Beleidigen, Anbrüllen, das Leugnen von Verantwortung und vieles mehr Platz hat.

Die Giraffe steht für die Giraffensprache und die gewaltfreie Kommunikation. Sie ist das Landtier mit dem größten Herz und hat zudem durch ihren langen Hals einen guten Überblick. Die Giraffensprache ist in vier Bausteine gegliedert:

  1. Beobachten ohne zu bewerten
  2. Gefühle wahrnehmen und ausdrücken
  3. Bedürfnisse erkennen und ausdrücken
  4. Bitten formulieren

Zu jedem der Bausteine könnte und müsste eine ganze Menge erklärt und geschrieben werden. Ich möchte jedoch an dieser Stelle Bildkarten sprechen lassen. Die Bildkarten sind von Lina Natterer (UdK Berlin), die zu jeder der vier Bausteine eine Symbolkarte konzipiert hat. Schauen Sie selber:

von Lina Natterer

 

von Lina Natterer
von Lina Natterer

 

von Lina Natterer

 

Natürlich möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bei Lina Natterer bedanken, die mir die Erlaubnis zum Abdruck ihrer Bildkarten gegeben hat. Hoffentlich kommen die Karten demnächst in möglichst vielen Grundschulklassen zu Einsatz.

Kennen Sie schon die Comics zur GfK, auch die finden Sie hier im Blog …

Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation | Kommentare (0) | Autor:

GfK in der Schule

Montag, 7. Januar 2013 14:04

Viele Schulen nutzen die GfK, die Gewaltfreie Kommunikation, als Methode im Rahmen der Gewaltprävention. Meist passiert dies im Grundschulbereich, und oft ist das Heft “Achtsamkeit und Anerkennung“ von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung die Grundlage für das in der Schule zum Thema entwickelte Curriculum. An einigen Schulen wird die GfK „nur“ den StreitschlichterInnen vorgestellt, an anderen Schulen kommen alle dritten Klassen in den Genuss, die GfK kennen zu lernen, und wieder andere Schulen führen die GfK im Zusammenhang mit dem Klassenrat ein.

Es macht meiner Ansicht nach großen Sinn, die GfK bereits im Lehramtsstudium den zukünftigen Lehrerinnen und Lehrern nahe zu bringen. Und deshalb weise ich im Rahmen aller meiner Seminare auf die Gewaltfreie Kommunikation hin. Dann lesen wir einen Text von Rosenberg, diskutieren, üben, malen, schreiben Geschichten und wenden die GfK natürlich auch im Seminarkontext an.

Aus diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen gerne etwas ganz Besonderes vorstellen. Luisa Rund (UdK Berlin) hat die GfK in drei Comics gepackt. Im ersten Comic spricht die Lehrerin Frau Blume mit einem Schüler über dessen Mathematikleistungen, im zweiten geht es um einen Schüler-Schüler-Konflikt, und im dritten sprechen einige SchülerInnen mit Ihrer Lehrerin über die zukünftige Unterrichtsgestaltung. Freuen Sie sich mit mir über diese wunderbaren Comics.

Und besten Dank an Luisa Rund für die Erlaubnis, diese Comics hier abdrucken zu dürfen!!

Christa D. Schäfer

 

Comic GfK Lehrer – Schüler

Comic von Luisa Rund

 

Comic GfK Schüler – Schüler

Comic von Luisa Rund

 

Comic GfK Schüler – Lehrer

Comic von Luisa Rund

 

Thema: Kommunikation | Kommentare (7) | Autor:

Vorsätze zum Jahresanfang

Montag, 31. Dezember 2012 6:21

Zum Jahresende wird meist über das gerade vergangene Jahr nachgedacht.
Zum Jahresanfang kommen dann die guten Vorsätze für das noch frische neue Jahr.

Zum Jahresende 2012 hatte ich einen Artikel hier im blog über die Feedbackwürfel, zum Jahresanfang 2013 möchte ich Ihnen gerne die kreativen Aufhänger für entscheidende und entschiedene Freiräume vorstellen.

Zielsetzung_mit_Anhaengern.phpDiese Tür- oder Stuhlanhänger sind selber gestaltbar und öffnen damit Türe zu neuen Wegen, also genau das Richtige zum Jahresanfang. Die Anhänger stammen ebenfalls wie die Feedbackwürfel aus den Trainings-Tools von Peter Köstel. Sie können mit Stiften und Farben aller Art bemalt, mit Zeitungs- und Zeitschriftenschnipseln beklebt oder mit edlen bzw. auch weniger edlen Stiften beschrieben werden.

 

Damit sind die Anhänger vielseitig einsetzbar.

Privat:
Viele Menschen nehmen sich für das Neue Jahr etwas vor: Aufhören zu rauchen, mehr Sport zu treiben, besser Englisch zu lernen, weniger zu arbeiten (oder auch mehr zu arbeiten) usw. Wenn dies nicht visualisiert wird und man nicht „dran bleibt“, ist der Vorsatz schnell weg. Schreibt man hingegen sein großes Ziel auf die Vorderseite der Aufhänger und bildet Unterziele, die man auf der Rückseite notiert, so ist die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung viel höher …

Im Coaching oder in der Supervision:
Hier kann man die Anhänger professionell nutzen. Auf dem Anhänger gibt es eine gestaltbare Vorderseite und eine Rückseite mit acht Feldern, die nacheinander abgeschnitten werden können. Damit ist ein Oberziel in acht Unterziele unterteilbar, oder es kann über acht Aspekte zu einem Thema nachgedacht werden, oder es können acht Argumente für eine Entscheidung gesucht werden oder oder. Meiner Erfahrung nach freuen sich Coachees und Supervisanden auch über kreative Elemente im Coaching …

Im Seminar:
Hier kann man die Aufhänger auch als Willkommensgruß verwenden, beispielsweise auf die Vorderseite das Seminarthema schreiben oder kleben und auf die Rückseite dann die Hausaufgaben bzw. die unterschiedlichen Seminarthemen notieren. Dadurch tritt man gleich zum Seminarstart ganz individuell mit jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer in Kontakt …

In der Schule:
Gestalten Sie mit Ihren SchülerInnen einen Anhänger zu einem bestimmten Thema, das kann ein fachliches Thema aus dem Englisch- oder Geschichtsunterricht sein, das kann aber auch ein Thema zum sozialen Lernen sein. Sie könnten fragen: Was sind die wichtigsten acht Fakten, die du über Karl den Großen wissen musst? Oder: Was brauchst Du, um dich in unserer Klasse wohl zu fühlen? Die Anhänger können alleine oder auch in Gruppen zusammen gestaltet werden. Anschließend werden sie auf eine Leine im Klassenraum aufgehängt. Bisher gibt es in den meisten Klassen Wandzeitungen, auf denen die Schüler Ihre Ergebnisse festhalten, ab jetzt könnten es auch Türanhänger sein. Und wenn diese dann wieder abgehangen werden, dann können sich die Schüler die wichtigsten Fakten aus dem Mittelalter sogar zu Hause an die Kleiderschranktüre hängen, damit nichts „verloren“ geht …

Zur Projektplanung:
Natürlich können auch Projekte mit dem Anhänger gestaltet werden. Manche tun dies auf einem großen Flip-Chart, manche haben viele kleine Zettel, andere wieder ein Computerprogramm. Jetzt können kleinere Projekte auch mit diesem Anhänger gesteuert werden …

An dieser Stelle hätte ich noch viele Ideen zur Nutzung des Kreativanhängers.
Jetzt werde ich allerdings erst einmal meinen Anhänger gestalten.

Ihnen alles Gute für 2013 und für Ihre Vorsätze
wünscht Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Konfliktberatung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Schule in Berlin, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Beste Wünsche

Montag, 24. Dezember 2012 12:01

2012_WeihnachstleuchtenIch wünsche allen meinen Blogleserinnen und Bloglesern ein frohes Weihnachts- fest.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Neue Jahr 2013 möge Ihnen viel Wärme, Licht, Freude und Gesundheit bringen, sowie immer einen Schutzengel an Ihrer Seite …

Hat die Liebe eine Chance?
Pro
Contra

Schon bei der Fragestellung bekomme ich „gemischte Gefühle“.
Und deshalb lautet meine Antwort eindeutig: Ja.

Passen Sie gut auf sich auf !!
Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation | Kommentare (4) | Autor:

Feedback mit Feedbackwürfeln

Montag, 17. Dezember 2012 21:20

Davon haben Sie wahrscheinlich bisher noch nichts gehört.
Ich auch nicht, bis ich den Katalog „Kommunikations-Tools“ von Peter Köstel erhielt.

Wie Sie wissen – wenn Sie diesen Blog öfter lesen – stöbere ich gerne in frisch erschienenen Büchern und probiere besonders gerne innovative Neuigkeiten für den Bereich zwischen Pädagogik und Mediation aus. Alles was mich in meiner Arbeit als Systemischen Beraterin, Mediatorin oder Trainerin unterstützt, ist herzlich willkommen, und so habe ich auch die Feedbackwürfel entdeckt …

Alle Dozentinnen und Dozenten, Seminarleiterinnen und Seminarleiter, Trainerinnen und Trainer wissen um die Wichtigeit von Feedback. Sie kennen die Feedback-Grundsätze und wenden diese natürlich an (sollten sie jedenfalls) und / oder weisen Ihre Teilnehmer auf die Feedback-Regeln hin. Dabei gibt es unterschiedliche Möglichkeiten Feedback zu geben bzw. einzuholen.

Bei jedem Feedback handelt es sich um eine subjektive Wahrnehmung.
Meine Lieblingsfeedbackmethoden sind:

Sandwich-Feedback

Man sage zuerst etwas Postives, schließe dann den Hinweis auf Verbesserungswürdiges an und formuliere zum Schluss wieder etwas Gelungenes. So wie bei einem Sandwich werden die kritischen Punkte zwischen zwei positive Aussagen gepackt.

Bsp im Rahmen eines Mediationstrainings: „Es hat mir gut gefallen, wie du die erste und zweite Mediationsphase gestaltet hast. Die Formulierung der Fragen in der dritten Phase war noch etwas unsicher und bedarf sicherlich noch einiger Übung, wie ich gemerkt habe. Die Stelle, an der du du die Gefühle und Bedürfnisse herausgearbeitet hast, ist dir dann wieder hervorragend gelungen …“

3-Bitten-Feedback

Was soll beibehalten werden?
Was soll verstärkt werden?
Was soll verringert werden?

Bsp: „Die Gestaltung der ersten und zweiten Mediationsphase kannst du gerne so beibehalten, die fand ich sehr gelungen. Die Bandbreite der Fragen in der dritten Phase kann noch größer werden, und ebenfalls könnten noch mehr Methoden in der dritten Phase eingesetzt werden, da ist also noch einiges zu tun. Du hast auf mich ab dem Zeitpunkt dann auch sehr nervös gewirkt, das brauchst du gar nicht, denn dies ist doch eine Übungssituation, in der du Fehler machen darfst …“

Kreative Feedbackmethoden

In meinem bisherigen „Koffer“ an Feedbackmethoden waren bereits viele Möglichkeiten drin, das Feedback auch kreativ zu gestalten. Ich denke da beispielsweise an das „Feedback mit der Hand“ oder an das „SMS-Feedback“. Auch mit einem Würfel und sechs entsprechenden Fragen (zu jeder Punktzahl eine entsprechend vorformulierte Frage) habe ich manchmal in Trainings das Feedback angeregt.

Die Feedbackwürfel

Peter Köster, der „Erfinder des Feedbackwürfels, zum Thema Feedback: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, sagt eine deutsche Volksweisheit. Ich glaube, dass bildhafte und spielerische Erfahrungen ebenfalls mehr als tausend Worte sagen und zu wesentlich besseren Lernerfolgen führen. Einfach spielen heißt sehen, hören und fühlen – eben lebendig lernen. Das gilt auch für das begreifbare und bildhafte Feedback!

Feedback-WürfelPeter Köstel hat Produkt-Ideen für aktive Seminare, Trainings, Workshops und Coachings entwickelt und bietet seine Trainings-Tools ab jetzt allen Interessierten an. Sein Set mit den Feedback-Würfel besteht aus einem Wertewürfel und einem Impulswürfel. Die Piktogramme auf dem Impulswürfel verdeutlichen die Themen bzw. Fragen, über die Rückmeldung gegeben wird (werden soll). Der Würfel kann alleine oder auch zusammen mit dem Wertewürfel genutzt werden. Die Punkteanzahl auf dem Wertewürfel gibt den Gelingensgrad des vom Impulswürfel gezeigten Impulses an.

Eine Seiten des Impulswürfels zeigt z.B. zwei Füße (Synonym für das Vorankommen), eine weitere eine Hand (für Dinge, die bewegt wurden), ein Herz (ist klar, oder?), einen „smily“ …

Ich habe die Feedback-Würfel in den letzten Wochen mehrmals in verschiedenen Trainingssituationen ausprobiert und kann sagen: Die Würfel sind einfach zu erklären und finden bei den TeilnehmerInnen großen Anklang. Sie bieten eine spielerische Variante des Feedbacks und sind trotzdem für Trainer und Trainerinnen sehr aussagekräftig – mitunter sogar aussagekräftiger als eine „einfache Feedbackrunde“.

Die Würfel sind glücklicherweise so groß, dass die Aufdrucke auf den Würfeln gut zu sehen sind (auch aus einiger Entfernung). Sie sind stilvoll in einem Jutesäckchen verpackt, und ein Formular, auf dem ich als Trainerin die Ergebnisse notieren kann, ergänzt das Set. Weitere Hinweise zu den Würfeln sind im ebenfalls vorhandenen booklet zu finden, das den Würfeln beim Kauf beiliegt.

Suchen Sie noch ganz kurzfristig ein Weihnachtsgeschenk ??
Ich kann die Würfel sehr empfehlen !!

Demnächst werde ich auch vorsichtig beginnen, sie als Feedbackinstrument in der Mediation zu nutzen. Gerne kann ich über meine Erfahrungen berichten …

Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Mediationsverfahren | Kommentare (2) | Autor:

Lange überfällig,

Montag, 26. November 2012 6:33

dass hier in diesem Blog über das Thema „Methoden in der Mediation“ geschrieben wird. Und lange überfällig ist es auch, dass ich eines der wichtigsten Mediationsbücher diesen Jahres vorstelle. Es handelt sich … um das Buch „Konfliktlösungs-Tools“ aus dem managerSeminare Verlag. Der Herausgeber Peter Knapp hat fast 50 MediatorInnen aus dem deutschsprachigen Raum in diesem Buch versammelt.

Das Buch legt fünf Phasen in der Konfliktbearbeitung zugrunde:
1. Kontakt und Kontrakt
2. Themen festlegen, Sichtweisen der Konfliktparteien
3. Interessen, Gefühle, Bedürfnisse herausarbeiten
4. Handlungsoptionen und Lösungsmöglichkeiten
5. Vereinbarungen und Überprüfungstermin

Zu jeder dieser Phasen gibt es verschiedene Tools, die in der jeweiligen Phase genutzt werden können. Jede Mediatorin, jeder Mediator hat ein Konfliktlösungs-Tool vorgestellt, und da ist eine ganze Menge zusammen gekommen. Die Liste der Autoren umfasst das „Who’s who’ der deutschsprachigen Mediatoren-Szene.

In der ersten Phase erfährt man beispielsweise Wissenswertes über die „Konflikt-Partitur“ von Friedrich Glasl, in der zweiten Phase über den „Vorwurf als Chance“ von Carla von Kaldenkerken, in der dritten „Das Glaskugelmodell“ von Doris Klappenbach und Annegret Böhmer, in der vierten „Schenken und Bitten“ von Rudi Ballreich und in der fünften beispielsweise die „therapeutische Praline“ von Nadia Dörlinger-Khashman. Das sind exemplarische einige Titel aus einem Repertoire von sage und schreibe 50 Methoden.

Das Buch ist so aufgebaut, dass nach einer Kurzbeschreibung der entsprechenden Methode der zeitliche Rahmen, die Zielsetzung sowie der mögliche Anlass benannt wird, es folgt eine ausführliche Beschreibung der Methode, technische Hinweise, Quellen und ein Ausblick. Damit sind die Methoden jeweils kurz und knapp, aber ausführlich genug zum Nachahmen vorgestellt. Was will man mehr? 50 Methoden in einem Buch zur Nutzung in den verschiedenen Phasen der Mediation. Das macht das Buch zu einem Muss in der Mediationsszene, oder was sagen Sie?!

Ich habe in dem Buch übrigens über den Einsatz systemischer und zirkulärer Fragen in der Mediation geschrieben. Mit Fragen das Denken verändern, so lautet der Titel.

Fragen stellen, das kann doch jeder …
Aber nicht jede(r) kennt die Bandbreite der Fragearten, die in der Mediation möglich sind.

Lineare Fragen o Offene Fragen o Geschlossene Fragen o Systemische Fragen o Lösungsorientierte Fragen o Problemorientierte Fragen o Zirkuläre Fragen o Triadische Fragen o Klassifikationsfragen o Prozent- oder Skalenfragen o Übereinstimmungsfragen …

Was nutzen Sie gerne für Fragearten?

An der passenden Stelle in der Mediation dann auch noch eine treffende Frage zu stellen, die weiter bringt, auf das Problem zu geht oder von einem Sachverhalt weg geht, die etwas betont oder etwas auftut, die einen Sachverhalt anreißt oder einen vertieft, die eine Beziehung verdeutlicht, die ein Aufeinanderzugehen ermöglicht … Kurz gesagt, an der passenden Stelle eine passende Frage zu stellen, das ist mitunter schon fast eine „Kunst“ …

Wann eigentlich ist eine Frage eine gute Frage?

Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Ein Direktor, der die Gewaltfreie Kommunikation beherrscht

Montag, 1. Oktober 2012 6:16

Es ist Montag morgen. Für Herrn Krüger der Wochenbeginn nach einem anstrengenden Wochenende voller Korrekturarbeit an Klassenarbeiten, die mal wieder enttäuschend ausgefallen sind, schlecht, schlechter als erwartet, immer ist es ja so, wenn man nur wüsste woran es liegt… Und damit verbunden kommt immer der Kampf mit den Selbstzweifeln, habe ich den Stoff gut genug vorbereitet, habe ich die Aufgabenstellung zu schwer gewählt? Warum haben sie nicht in der Stunde vor der Klausur gefragt, wenn doch scheinbar noch einiges unklar war? Wirke ich unnahbar? Zu streng? Na, ich lasse mir eben nicht auf der Nase herumtanzen, alles ist besser, als das Opfer seiner Schüler zu sein, bloß das nicht!

Er betritt den Klassenraum der 8b, nimmt genervt die Aufregung der Schüler angesichts seiner Stofftasche mit den Heften, wahr, verweist sie auf ihre Plätze und begrüßt die Klasse, schon jetzt wieder fest entschlossen, es für die nächste Arbeit besser zu machen. Was eigentlich genau? Alles.

Wenn doch nur die Schüler seinen guten Willen zur Besserung übernehmen würden…Die Klassenarbeitshefte gibts jedenfalls erst am Ende einer konzentrierten Deutschstunde mit Heinrich Manns „Der Untertan“ zurück.

Nach 20 Minuten Unterricht, geht die Tür auf und Anton schlendert herein. Sofort verliert Herr Krügers guter Vorsatz seinen Halt: Allein der Anblick dieses verlotterten, frech grinsenden Schülers, er wirkt gerade so, als wäre er stolz auf die 5, die er aus reiner Faulheit, den behandelten Stoff zu Gryphius Sonetten zu lernen, mal wieder vorgelegt hat und damit Herrn Krügers Wochenende vermiest hat, was hat so einer überhaupt am Gymnasium zu suchen?! Na dem werd ichs austreiben!

„Ehem, guten Morgen Anton, wie schön, dass du auch mal wieder am Unterricht teilnimmst. Ich lobe mir deine Pünktlichkeit! Hat man im Hause Punkt noch nicht die Uhren umgestellt?“
„Doch…“
„Ich sag dir was, das war das letzte Mal, dass du mir hier zu spät kommst. Mit so einer Arbeitshaltung wird das nichts, und allzu große Hoffnungen auf eine 4 auf dem Zeugnis würde ich mir an deiner Stelle auch nicht machen. So wird das hier nichts, wir sind hier auf einem Gymnasium, da muss man für eine gute Note etwas mehr tun! So. Wo war ich jetzt? Achso … also wie erlebt Diederich in seiner Kindheit die Autorität und wie wirken diese Erlebnisse sich beim älteren Diederich aus?“…

Der Unterricht kommt nach dem Zwischenfall nur schleppend wieder in Gang, die schlechte Stimmung hängt in der Luft und die Angst der Schüler, falsch zu antworten, hindert sie daran sich zur Zufriedenheit zu beteiligen. Herr Krüger sieht darin eine weitere persönliche Niederlage…

Am Ende der Stunde gibt Herr Krüger die Klassenarbeiten zurück. Als er zu Anton kommt: „So, nächste Stunde will ich die Arbeit mit Berichtigung und Unterschrift deiner Eltern sehen, damit wir uns richtig verstehen, Freundchen. Die sollten vielleicht auch mal sehen, dass du hier im Prinzip die Leistung verweigerst.“

In der folgenden Deutschstunde sieht sich Herr Krüger die Berichtigungen durch. Er hat sich nach der letzten Stunde über seine gute Idee mit der Unterschrift gefreut, ist schließlich eine einfache Möglichkeit, sicherzugehen, dass die Eltern des Schülers Bescheid wissen. Dann werden sie demnächst strenger darauf Acht geben, dass dieser Kerl von Anton mal was für das Fach tut und ihren Bengel mal stärker in die Schranken weisen. Herr Krüger erinnert sich daran im Studium der Erziehungswissenschaften auch mal gehört zu haben, dass es wichtig sei, den Kontakt mit den Eltern zu suchen. Naja, eigentlich möchte man das ja eher vermeiden bei den Problemfällen, ist ja unangenehm, aber dem Anton tut das sicher ganz mal gut, also, gut gemacht, Herr Krüger, bist doch ein guter Pädagoge.

Dass Leute wie „der Kerl von Anton“ die Unterschrift zu fälschen wagen, das hätte man sich freilich denken können. Trotzdem fällt Krüger, der diesen Umstand entdeckt, mit hochrotem Kopf aus sämtlichen Wolken.

„Das gibts ja nicht, ich fass es nicht, Unverschämtheit, das ist gesetzlich verboten, sofort mit zum Direktor! Marsch!!“ Er nötigt wutentbrannt den inzwischen völlig verzweifelten, bleichen Jungen vor das Direktorium. Als der Direktor seine Besucher mustert und Herrn Krügers Anklage anhört, ahnt er sogleich, dass es hier um mehr, als eine gefälschte Unterschrift geht und schickt den Lehrer für einen Moment auf den Gang, um allein mit Anton zu sprechen. Durch die ruhige Art des Direktors ermutigt, wagt Anton es schließlich, ihm seine Sichtweise der ganzen Sache darzulegen.

Es hört sich wie ein Teufelskreis an, aus Erwartungen und Angst, diesen nicht genügen zu können…und Faulheit? Eher Mutlosigkeit. Wenn man einmal bei einem Lehrer unten durch ist, geht es gar nicht mehr darum, inhaltliche Leistung zu bringen, es ist nur noch ein jede Stunde erneutes Risikospiel des Durchkommens ohne die geforderte Leistung erbracht zu haben… Er würde es brauchen, dass man ihm noch eine Chance gibt, ihn neu anfangen lässt und an ihn glaubt, statt ihm zu misstrauen.

Der Direktor holt auch Herrn Krüger wieder herein, er ermahnt seinen Kollegen zur Gelassenheit und bittet ihn ebenfalls, seine Situation besonnen und ruhigen Tones vorzutragen. Krüger lässt sich darauf ein und erklärt: „Ich habe schon seit einiger Zeit bemerkt, dass du, Anton, häufig unentschuldigt zu spät zum Unterricht erscheinst und außerdem selten deine Hausaufgaben im Fach Deutsch machst. Das reizt mich, weil ich ungern im Unterricht gestört werde und es mir wichtig ist, dass die Klassenarbeit durch schriftliche Hausaufgaben gut von Allen vorbereitet wird. Ich bitte dich somit darum, dass du dir in dieser Hinsicht mehr Mühe gibst. Bei Schwierigkeiten kannst du mich ja immer gerne ansprechen!“

Sie einigen sich also auf einen unvoreingenommenen Neubeginn, der von da an hoffentlich einiges verändert hat. Jedenfalls verlassen beide das Direktorium ermutigt und haben an diesem Tag tatsächlich etwas fürs Leben gelernt.

Diese Geschichte ist keine rein fiktive Idee. Solche oder so ähnliche Situationen hat leider sicher jeder schon einmal erlebt: Dass zwei Menschen in eskalierende Konflikte miteinander geraten, lediglich, weil sie einander im wahrsten Sinne des Wortes „nicht verstehen“. Denn Antons müder und vorsichtshalber ausweichender Blick beim Betreten der Klasse, sein schuldbewusstes und beschämtes Lächeln, sieht in Krügers Augen aus wie das stolze, provozierende Grinsen eines ungepflegten Jungen, der es noch nicht einmal für nötig hält ihn anzuschauen. Aus der Gefühlebene entsteht dann der verbale Konflikt.

In der Erziehungswissenschaft spricht man auch von Gewalt in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Gemeint ist die rein sprachliche Ebene, aber hier finden wir im Alltag doch am häufigsten Gewalt. Und gerade in der Schule, zwischen zwei oder mehreren Schülern, aber auch zwischen Lehrer und Schüler hört man immer wieder die sogenannte „Wolfssprache“.

In diesem Beispiel wird der Konflikt von einer dritten Person „gelöst“. Der Direktor funktioniert hier als Vermittler, er fordert ehrliches Aussprechen der jeweils ganzen persönlichen Problematik, der Gedanken und Gefühle, die sich dahinter verbergen, des eigentlichen Wunsches oder Bedürfnisses der Person, um damit die Bitte an den Anderen zu erklären. Mit anderen Worten: Er leitet die beiden Streitparteien durch einen Prozess der Gewaltfreien Kommunikation und vermeidet damit möglicherweise weitere Eskalation. Denn diese Art der Kommunikation ist nicht nur ein theoretisches Konzept, sondern eine praxisorientierte Art respektvoll und friedlich miteinander umzugehen.

Rahel Rennert
(Studentin an der UdK Berlin)

 

Besten Dank an Rahel Rennert für die Abdruckgenehmigung für diesen Text. Dass die Lösung so schnell geht wie im obigen Beispiel ist natürlich eher ungewöhnlich. In einer realen Situation hätte der Direktor wahrscheinlich mehr Zeit investieren müssen. Dennoch ist zu merken, wie wichtig es ist, dass auch Direktoren eine gute mediative Kommunikation beherrschen! Und es ist eindeutig, wie wichtig ein gutes Konfliktmanagementsystem in der Schule ist! Abgesehen von der ungünstigen Kommunikation in diesem Beispiel hat Herr Krüger auch mit einem intrapsychischen Konflikt zu kämpfen – aber das ist eine zweite Geschichte …

Eine Information zur Gewaltfreien Kommunikation (GfK) Gewaltfreien Kommunikation (GfK) finden Sie übrigens, wenn Sie auf den roten Text klicken …

Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation | Kommentare (0) | Autor:

Idiolektische Gesprächsführung in der Mediation

Montag, 20. August 2012 11:31

Was ist denn das?

Ich bin durch Zufall auf diesen Ansatz der Gesprächsführung gekommen und bin begeistert, denn ich finde hier eine theoretische Fundierung für eine Art von Gesprächsführung, die ich in Mediationsgesprächen oder in Konfliktcoaching-gesprächen mitunter sehr gerne nutze.

Sprache und Gespräche prägen den Alltag und entscheiden über das Gelingen von Abläufen. Sie bilden eine wichtige Grundlage menschlicher Gesellschaften.

Mit Sprache wird nicht nur Information ausgetauscht, sondern auch Beziehung hergestellt und reguliert. Wenn wir sprechen bildet sich fortlaufend unserer individuelle Persönlichkeit ab. In der Eigensprache (=Idiolekt) kommt der einzelne Mensch in seiner Gesamtheit und in seiner Einzigartigkeit zum Ausdruck. Die Eigensprache ist wie ein Fingerabdruck, den ein Mensch seiner Kommunikation verleiht. Nach der Definition der Enzyklopädia Britannica umfasst der Idiolekt die Sprachmuster, die eine Person verwendet, inklusive all ihrer phonetischen, grammatikalischen und die Wortwahl betreffenden Vorlieben. Der eigensprachliche Anteil einer Mitteilung enthält die persönlichen Zusatzinformationen, die viel über den Sprecher selber aussagen.
(Zitat aus: Idiolektische Gesprächsführung)

In letzter Zeit habe ich in den von mir durchgeführten Mediationen ganz besonders auf das Phänomen der Sprache geachtet. Die Sprache der ersten Konfliktpartei, der zweiten Konfliktpartei und natürlich meine eigene Sprache, die zwischen den Konfliktparteien vermittelt. Es ist krimimäßig spannend, dass mit bestimmter Wortwahl der Konflikt wieder zu eskalieren droht und mit anderer Wortwahl beide Konfliktparteien entspannen. Schade, dass man bestimmte Situationen nicht wie im Film festhalten kann, um sie sich später noch einmal anzuschauen.

Mitunter passe ich mich in meinen Mediationen ganz stark der Sprache der Medianden an. Sind sich die Medianden ähnlich bzw. haben sie eine ähnliche Sprache, so fällt dies nicht schwer und lässt nicht an meiner Allparteilichkeit zweifeln. Sind die Medianden sprachlich sehr unterschiedlich so wechsele ich manchmal zwischen den Sprachen hin und her, die die beiden Medianden mitbringen. Das ist schon etwas schwieriger und hat dennoch eine interessante Wirkung. Bei einer Mutter-Tochter-Mediation, die ich kürzlich durchführte, hat es beispielsweise einen großen Wendepunkt in der Mediation gegeben, als ich den Sohn in seiner eher jugendhaften Sprache angesprochen habe und mich zudem gut in ihn und seine Lage hinein versetzten konnte. Er hat sich abgeholt gefühlt und war fortan bereit intensiv im Mediationsprozess mitzuarbeiten. Natürlich ist in solchen Situation absolute Vorsicht geboten, denn wenn ein Mediator in seiner Profession die Sprache eines Medianden aufgenimmt, so kann dies leicht lächerlich und überzogen werden. Absolutes „Fingerspitzen- und Sprachgefühl“ ist in solchen Situationen erforderlich.

Aber zurück zur Idiolektischen Gesprächsführung. Es gibt dazu ein Buch von Eckard Krüger, Tilman Rentel und Peter Winkler (Hrsg.) aus dem Carl-Auer Verlag: “Schlüsselworte. Idiolektische Gesprächsführung in Therapie, Beratung und Coaching“. Das Buch führt verständlich und ausführlich in die Grundlagen der Idiolektik ein. Besonders besticht die Darstellung der Beispiele zur Nutzung der Idiolektik in ausgewählten Anwendungsfeldern, von der Allgemeinmedizin und Psychosomatik über die Traumatherapie, die Kinder- und Jugendtherapie bis zu Seelsorge und Coaching. Ich möchte dafür plädieren, ideolektische Gesprächsführung auch in ausgewählten Mediationssitzungen zu nutzen. Das könnte dann im Gespräch zwischen dem Mediator und den Medianden A und B beispielsweise so aussehen:

A: „Das Ganze ist in letzter Zeit zu einem riesigen Knoten geworden. Ich glaube nicht, dass wir das hier gelöst kriegen.“
Mediator: „Ich möchte Ihr Bild gerne einmal aufnehmen. Sie sagten, der Konflikt ist ähnlich wie ein riesiger Knoten. Aus welchem Material besteht ihr Seil bzw. dieser Knoten?“
A: „Das ist schon mächtig dickes Tau, das da den Knoten ausmacht. Wissen Sie, so welches, wie die großen Segelschiffe verwenden.“
Mediator: „Herr B, was denken Sie über die Beschaffenheit des Knotens?“
B: „Ja, ich sehe das genauso. Aber ich sehe einen enormen Vorteil darin, dass der Knoten aus so dickem Tau besteht. Versuchen Sie mal einen Knoten zu entwirren, der mit so kleinen Fädchen gemacht ist, das schafft ja keiner. Allerdings mit so großem Tau, das stelle ich mir gar nicht mal so schwierig vor. Da hat man was, das man anfassen kann – wenn man weiß, wo der richtige Punkt zum Loslegen ist.“
Mediator: „Ja, wie ich bemerkt habe, sehen Sie wohl beide ihren Konflikt als einen Knoten, der aus einem dicken Tau gemacht ist. Dann lassen Sie uns mal schauen, wie wir diesen Knoten entwirren können und wo der Punkt zum Loslegen ist. Ist das auch in Ihrem Sinne, Herr A?!“

Natürlich gibt es auch andere Aspekte bei diesem Knotenbild, auf die der Mediator gut eingehen kann. Er kann je nach Situation fragen: Wie lange hat es gedauert, bis der Knoten so fest geworden ist? Wer hat alles dazu beigetragen, dass der Knoten so fest geworden ist? Was für Möglichkeiten gäbe es, ihn wieder zu entwirren? Wer würde Ihrer Meinung nach gerne daran mitwirken, dass der Knoten lockerer wird? Wie kann man verhindern, dass der Knoten noch fester wird? … Natürlich werden diese Fragen nicht alle hintereinander gestellt, sondern es werden stets nur ausgewählte Fragen genutzt. Durch die Metapher bzw. das Bild des Knotens kann bildlich und mitunter „locker“ am Streit gearbeitet werden.

Wie und warum diese Art der Gesprächsführung so gut wirkt, das können Sie in oben genanntem Buch gerne nachlesen. Und hier geht’s zu einem Blogartikel, in dem Sie mehr über verschiedene Möglichkeiten des Fragens in der Mediation erfahren können …

Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

GfK

Montag, 11. Juni 2012 6:42

Das ist die Abkürzung für Gewaltfreie Kommunikation. Ich habe viele Gruppen in der Gewaltfreien Kommunikation trainiert, bisher allerdings noch nicht in diesem Blog darüber geschrieben. Das wird sich mit diesem Artikel ändern …

Die Gewaltfreie Kommunikation ist für die Einen eine Lebenshaltung, für die Anderen ein Handwerkszeug zum Führen von Gesprächen. Jedenfalls wurde sie von Marshall Rosenberg auf der Grundlage der klientenzentrierten Gesprächstherapie Carl Rogers in den 1960er Jahren entwickelt. Heute ist die GfK im Rahmen vieler Mediationsausbildungen wichtig geworden. Zudem gibt es für den Schulbereich die Begrifflichkeiten der Wolfs- bzw. Giraffensprache. Während die Wolfssprache die Sprache meint, die durch Vorwürfe, moralische Urteile, Gemeinheiten und Lebensentfremdung steht, steht der Begriff der Giraffensprache für die Sprache, die dazu befähigt, Verantwortung für die eigenen Anliegen zu übernehmen.

Marshall Rosenberg hat mehrere Bücher zur Gewaltfreien Kommunikation verfasst, sie wurden bereits vor langer Zeit ins Deutsche übersetzt und sind im Junfermann Verlag erschienen. Ingrid Holler hat ein wunderbares Übungsbuch zur Gewaltfreien Kommunikation geschrieben und eine KonfliktKiste mit vielen praktischen Übungskarten verfasst.

Die Gewaltfreie Kommunikation kurz und knapp zu erklären ist nicht so einfach. Der Aufbau einer wertschätzenden Beziehung ist das oberste Ziel der GfK. Dabei ist nach Rosenberg die Empathie eine wichtige Voraussetzung. Empathie meint in diesem Zusammenhang einfühlendes Verstehen und ist auf Gefühle und Bedürfnisse gerichtet, die hinter Handlungen und Positionen stehen.

In dem Taschenguide zur Gewaltfreien Kommunikation von Andreas Basu aus dem Haufe Verlag steht kurz und knapp, was Sie mit der GfK lernen können:

Auf den Punkt zu kommen und an Fakten orientiert, leidenschaftlich, aber fair zu streiten. Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken, ohne andere zu beschuldigen, zu bewerten oder zu kritisieren. Bitten klar zu formulieren, ohne anderen zu drohen, sie zu manipulieren oder zu erpressen. Tragfähige Lösungen zu entwickeln, die die Anliegen aller Beteiligten erfüllen, anstatt faule Kompromisse zu schließen, die bald wieder in Frage gestellt werden. Auf integre Art und Weise Einfluss zu nehmen und in Hierarchien auf Augenhöhe Gespräche zu führen. Vorwürfe, Kritik un Forderungen nicht persönlich zu nehmen, sondern die unausgesprochenen Gefühle und Bedürfnisse, die hinter diesen Aussagen stehen, wahrzunehmen. Auf dem Weg zu einer Konfliktlösung weder das eigene Anliegen aufzugeben, noch die Beziehung zu den Mitmenschen aufs Spiel zu setzen.

Das Buch bietet im DIN A6-Format auf knappen 127 Seiten das Wichtigste zum Thema der Gewaltfreien Kommunikation. Wer wenig Zeit hat und sich dennoch einen ersten qualifizierten Überblick zum Thema verschaffen möchte, für den ist das Buch genau das Richtige.

Rosenberg hat die Gewaltfreie Kommunikation in vier Schritten angelegt.
1. Beobachtung statt Bewertung
2. Gefühle statt Gedanken
3. Bedürfnisse statt Strategien
4. Bitten statt Forderungen

Der folgende Satz ist mit Sicherheit kein GfK-Satz: „Du Idiot, jetzt reicht’s mir.“

Umformuliert kann er beispielsweise lauten: „Ich habe gerade gesehen, wie du das letzte Stück Schokolade aus der Packung gegessen hast. Das ärgert mich, denn ich hätte das gerne selber genommen. Kannst du mir morgen bitte eine neue Tafel mitbringen?“

Zugegeben, der Satz ist recht lang. Er zeigt, dass die Sprache der GfK nicht ganz einfach ist. Er klagt nicht an, er zeigt meinem Gegenüber woran mir gelegen ist und er bietet einen Anreiz, warum der Schokoladenesser das nächste Mal fragen sollte. Damit ist er der erste Schritt zu einer gelingenden Konfliktlösung. Schön wäre es, wenn noch mehr Personen als derzeit die Sprache der GfK beherrschen würden …

Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor: