Eltern sind Leitwölfe

Kindererziehung – lieber mehr Freiheit und Selbstbestimmung für die Kinder? Oder mehr Ansagen der Eltern? Nun doch wieder etwas autoritärer – oder doch lieber antiautoritär? Oder doch etwas dazwischen? Aber wie kann das aussehen?

Wenn Sie verwirrt und überfordert sind, so sind Sie damit keineswegs allein – viele Eltern und Erziehungsberechtigte, Betreuungspersonen von Kindern sowie PägagogInnen sind ratlos bei der Fülle an sich widersprechenden Fachthesen, Erziehungstipps und Ratgeberbüchern. Eines, das aus dieser Literatur positiv hervorsticht, stelle ich Ihnen heute vor. Es heißt “Leitwölfe sein. Liebevolle Führung in der Familie”, erschien 2016 im Beltz Verlag und stammt von dem auch in Deutschland sehr bekannten Familientherapeuten und Autor Jesper Juul.

Der Autor plädiert dafür, dass die Eltern die Führungsrolle in der Beziehung mit ihren Kindern und der Familie übernehmen, dabei aber liebevoll sind. Juul ist der Ansicht, dass es Kindern schade, wenn die Eltern (welcher Familienkonstellation auch immer) nicht das Ruder in die Hand nähmen, und dass “Führung” und Autorität neu erfunden werden müsse – nicht zurück zum alten Stil, sondern in moderner Art und Weise. In seinem Buch vergleicht er die menschliche Kernfamilie mit einem Wolfsrudel; diese Metapher zieht sich durch das gesamte Buch. Es werden die unterschiedlichsten Themen und Aspekte beleuchtet (Werte bzgl. des Anführens, Macht vs. Führung, Fallgruben, Teenagerzeit …).

Jesper Juul berichtet, dass die Generation seiner Eltern noch lernte, Kinder seien unkooperativ, primitiv, unfähig zu Empathie und asozial; sie müssten an der kurzen Leine gehalten werden, um Qualitäten und soziale Kompetenzen zu erwerben. Heutiges Wissen umfasst dagegen ganz andere Einsichten:

Sie können Ihrem Kind vertrauen
” Die […] Erkenntnis ist, dass Kinder den Verhaltensmustern ihrer Eltern entsprechend kooperieren, sich anpassen und ihr Verhalten angleichen. Das tun sie, ohne darüber nachzudenken oder zu planen, und in diesem Sinne ist es richtig, wenn man sagt, dass Kinder ganz unschuldig zu ihrem Verhalten kommen – ob dieses nun von den Eltern erwünscht oder nicht erwünscht ist.
[…] die Reaktionen von Kindern [sind] immer sinnvoll. Sie sind nie zufällig, sie sind nicht hysterisch und es steckt keine gute oder schlechte Absicht hinter ihnen. Sie sind einfach ein fundiertes Feedback für die Erwachsenen, die im Leben des Kindes die wichtigsten Bezugspersonen sind. Ähnlich wie bei Neugeborenen ist dieses Feedback manchmal schwer oder sogar unmöglich zu entschlüsseln, aber es steht immer für Kooperationsbereitschaft und für den Versuch des Kindes, für seine Familie von Wert zu sein.”   (Juul, Jesper: Leitwölfe sein. Liebevolle Führung in der Familie, S. 42)

Jedes Kind will kooperieren
„[Es geht] auch um die Erkenntnis, dass sich der Wille des Kindes, zu kooperieren oder einfach das Verhalten der Eltern (sowohl innerlich als auch äußerlich) nachzuahmen, auf zwei Arten äußern kann – manchmal kommt dabei eine direkte Kopie heraus (Papa schlägt Mama, also trage ich das nach außen und schlage meine Freunde) und manchmal eine spiegelverkehrte Kopie (Papa schlägt Mama, also verlagere ich das nach innen und werde selbstzerstörerisch.).
Den Begriff “kooperieren” zu verwenden, ist in gewissem Sinne paradox, denn das Verhalten des Kindes ist zwar ein wertvoller und oft herausfordernder Beitrag zur Beziehung zwischen Eltern und Kind, aber es ist nicht immer das, was sich die Eltern gewünscht hätten. Nicht immer gefällt das Verhalten der Welpen den Leitwölfen. (…)”   (ebenda, S. 43)

Kinder sind widerstandsfähig
“Versuchen Sie, sich einen Moment lang vorzustellen, Sie würden mit zwei Menschen zusammenleben, die Sie lieben, denen Sie vertrauen und von denen Ihr Überleben und Ihre geistige Gesundheit vollständig abhängen. Und dann stellen Sie sich vor, dass diese Leute niemals Ihren guten Absichten vertrauen und dass sie Ihr Verhalten ständig negativ interpretieren. In einer nahen Beziehung zu leben, die so aussieht, würde die meisten gesunden Erwachsenen wahnsinnig und/oder gewalttätig machen. Kinder sind widerstandsfähiger – sie verlieren nur ihr Selbstwertgefühl und das Gefühl, eine Bereicherung für das Leben ihrer Eltern zu sein.”   (ebenda, S. 46-47)

“Leitwölfe sein” ist ein Buch sowohl für Eltern wie auch für Pädagoginnen und Pädagogen. Viele praktische Beispiele machen die Thesen Juuls weniger theoretisch, sondern geben ihnen Alltags- und Praxisnähe. Darüber hinaus bietet das Buch viele Anregungen und Tipps. Und außerdem zeigt es, wie Erziehung heutzutage gut gelingt, und wie Verhaltensauffälligkeiten von Kindern vermieden werden können, und wie Familien gut zusammenwachsen können und wie sich Kinder im Familienrahmen gut entfalten können und wie Eltern entspannt in die Erziehung gehen können, und vieles mehr.

Wie sehen Sie den State of the Art in der Erziehung?
Kinder lernen nicht durch Erziehung, sondern durch Beziehung.
Eltern sollten für Kinder zwar wie ein Leuchtturm sein, aber nicht perfekt und fehlerfrei.
In diesem Sinne: Alles Gute für Sie und Ihre Familie
wünscht Ihnen Christa Schäfer

Übrigens: Gelingende Beziehungen halten die Welt zusammen …

Kinder können sich nach der Trennung ihrer Eltern nicht zweiteilen – und das sollen sie auch nicht

“Das doppelte Lottchen” von Erich Kästner erschien 1949 und war eines der ersten, welches Scheidung thematisierte und die Perspektive von Kindern darauf in den Mittelpunkt rückte. In einer Szene des Buches sagt Lottes Lehrerin zu Frau Körner (Luises und Lottes Mutter), dass verheiratete Frauen ihre Männer zu wichtig nähmen. Dabei sei nur eines wesentlich: das Glück der Kinder! Worauf Frau Körner antwortet: “Glauben Sie, dass meine Kinder in einer langen, unglücklichen Ehe glücklicher geworden wären?”

Fast siebzig Jahre später ist ebendiese Frage noch immer brandaktuell. Nicht nur in Online-Foren gibt es hitzige Diskussionen darüber, was gut für Kinder ist, wie schmerzhaft eine Trennung ihrer Eltern, ob Scheidungskinder anders durch das Leben gehen und Beziehungen führen als Menschen, deren Eltern zusammenbleiben, und natürlich – wie sich Eltern nach der Trennung verhalten sollten, wer die “Schuld” trägt am Nicht-Kontakt zwischen einem Elternteil und den Kindern usw.

Ich möchte für diesen Zusammenhang ein Buch vorstellen, das sich an Väter richtet und dafür plädiert, dass diese Verantwortung für ihre Kinder übernehmen – auch nach der Trennung. Das Buch heißt “Stark und verantwortlich – Ein Ratgeber für Väter nach Trennungen”, ist von den Autoren Eberhard Schäfer und Marc Schulte geschrieben und erschien als 3. Auflage 2015 im Pinguin Druck.

Dies Buch bedient keine maskulinistischen Väterrechtsnarrativen. Die Autoren machen immer wieder klar, dass es um Wege der Verständigung und Kooperation mit der Mutter der Kinder geht und nicht um einen Krieg um die Kinder – es ist also kein Ratgeber gegen Mütter! Sehr gut fand ich, dass die Interessen von Kindern immer wieder in den Mittelpunkt gestellt werden und es nicht in erster Linie um die Kränkung des Vaters in seiner Beziehung geht, sondern darum, wie ganz praktisch der Kontakt zwischen den Eltern aussehen sollte und was sich Kinder von ihren getrennten Eltern wünschen.

Die Autoren stellen zunächst verschiedene Modelle vor, die Familien leben können nach einer Trennung: das Residenzmodell, das Doppelresidenzmodell/Wechselmodell, das Nestmodell oder die Familien-WG. Das Residenzmodell bezeichnet, dass das Kind/die Kinder hauptsächlich bei einem Elternteil (i.d.R. der Mutter) leben und jedes zweite Wochenende beim anderen; Feiertage werden aufgeteilt. Das Doppelresidenzmodell/Wechselmodell dagegen sieht vor, dass das Kind/die Kinder z.B. eine Woche beim einen, die andere Woche beim anderen Elternteil leben. Beim Nestmodell wohnen die Kinder an einem festen Lebensort (dem “Nest”), und die getrennten Eltern nutzen dieses abwechselnd mit den Kindern. Zuletzt wird eine Familien-WG vorgestellt, in der die Eltern mit den Kindern zusammen wohnen, aber getrennt sind, das Ganze funktioniert wie in einer WG. Das Buch macht auch Vätern Mut, die in anderen Städten als ihre Kinder wohnen, und es wird gezeigt, dass viele Kinder mit Bahn, Bus oder Flugzeug reisen, um das eine Elternteil zu sehen, und dass Kontakt auch über räumliche Distanz gehalten werden kann.

Wie erwähnt, stehen die Kinder in diesem Ratgeber im Mittelpunkt. Dazu folgenden Ausschnitt:

“Das Kind im Blick: Was mildert die Zerissenheit des Kindes?
Trennungen gehen an Kindern nicht spurlos vorüber. 70 Prozent aller Kinder zeigen psychische Reaktionen auf die Trennung ihrer Eltern. Hier einige Zahlen zu den kurz- und mittelfristigen Auswirkungen von Trennungen auf Kinder:
37 Prozent reagieren mit depressivem Verhalten, Ängsten und schlechteren Schulleistungen,
20 Prozent reagieren mit psychosomatischen Beschwerden wie Kopfschmerzen, chronischen Magen-und Darmstörungen oder Hautausschlag,
13 Prozent reagieren mit aggressivem Verhalten, Wutanfällen und Lügen,
30 Prozent aller Kinder zeigen keine sicht- oder messbaren Reaktionen auf die Trennung der Eltern.

Wenn es den Eltern nach der Trennung gelingt, ein gutes Elternteam zu bleiben bzw. zu bilden und sich gemeinsam um ihre Kinder zu bemühen, verschwinden diese Folgen meist innerhalb eines Jahres. Kinder können sich relativ rasch auf die neue Situation einstellen, vorausgesetzt, den Eltern gelingt es, ein neues Miteinander zu finden. Das Drama vieler Kinder ist nicht, dass Mama und Papa sich als Paar trennen, sondern, wenn in Folge der Trennung ein Elternteil sich von den Kindern zurückzieht oder vom anderen Elternteil herausgedrängt wird – und wenn die Eltern im Streit verharren.

Für ihr Kind wirkt es entlastend, wenn es erlebt, dass seine Eltern sich nicht seinetwegen streiten, dass sie respektvoll miteinander umgehen und sich darum bemühen, dass es dem Kind gut geht.”   (Schäfer, Eberhard & Schulte, Marc: Ein Ratgeber für Väter nach Trennungen, S. 61)

Ganz besonders berührend fand ich die “Zwanzig Bitten von Kindern an ihre getrennten Eltern”. Einige davon möchte ich hier mit Ihnen teilen:

1. Vergesst nie: Ich bin das Kind von euch beiden. Ich habe zwar jetzt einen Elternteil, mit dem ich vielleicht öfter zusammen bin und und der die meiste Zeit für mich sorgt. Aber ich brauche den anderen genauso.
2. Fragt mich nicht, wen von euch beiden ich lieber mag. Ich habe euch beide gleich lieb. Macht den anderen also nicht schlecht vor mir. Denn das tut mir weh.
4. Redet miteinander wie erwachsene Menschen. Aber redet. Und benutzt mich nicht als Boten zwischen euch – besonders nicht für Botschaften, die den anderen wütend oder traurig machen.
5. Seid nicht traurig, wenn ich zum anderen gehe. Der, von dem ich weggehe, soll auch nicht denken, dass ich es in den nächsten Tagen schlecht habe. Am liebsten würde ich ja immer bei euch beiden sein. Aber ich kann mich nicht in zwei Stücke reißen – nur weil ihr unsere Familie auseinandergerissen habt.
8. Gebt mich nicht wie ein Paket vor der Haustür des andern ab. Bittet den anderen für einen kurzen Moment rein und redet darüber, wie ihr mein schwieriges Leben einfacher machen könnt. Wenn ich abgeholt oder gebracht werde, gibt es kurze Momente, in denen ich euch beide habe. Zerstört das nicht dadurch, indem ihr euch anödet oder zankt.
13. Einigt euch fair übers Geld. Ich möchte nicht, dass einer von euch viel Geld hat – und der andere ganz wenig. Es soll euch beiden so gut gehen, dass ich es bei euch beiden gemütlich habe.   (ebenda, S. 61 f.)

Um noch einmal auf Erich Kästner zurückzukommen, in seiner Autobiographie „Als ich ein kleiner Junge war” beschreibt er, wie er als Kind vor der Bescherung an Weihnachten Angst hatte. Seine Eltern waren zwar nicht getrennt, aber in ihrer Liebe zu ihm waren sie aufeinander eifersüchtig, und sie versuchten sich in den Geschenken für ihn gegenseitig zu überbieten. Er musste immer bedacht sein, beide Elternteile gleich glücklich anzulächeln, obwohl ihm eher zum Weinen war. Kästner schreibt, wie er als Kind im ewigen Pendelverkehr zwischen seinen Eltern stand, sich zur rechten und linken Tischhälfte hin gleich freuen musste, nirgends zu lange, nirgends zu flüchtig.

Nun spielten sich die beschriebenen Szenen zwar im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ab. Aber als ich den “Ratgeber für Väter nach Trennungen” las – insbesondere die 20 Bitten an Eltern – , da dachte ich, dass sich manches eben doch nicht so schnell ändert wie es erforderlich wäre. Das heißt – geändert hat sich bei vielen getrennten Familien schon einiges. Aber das geht eben nicht automatisch! Dafür müssen Eltern zunächst erkennen, dass ihr Verhalten gegen ihre/n (Ex-)PartnerIn auch ihre Kinder verletzt, anschließend folgt die Einsicht der Änderung und die Änderung selbst. Nicht einfach, aber es lohnt sich. Ihre Kinder werden es Ihnen danken. Helfen kann Eltern dabei dieses Buch, und gerade die Interviews mit Vätern machen z.B. die unterschiedlichen Wohnmodelle und ihre Vor-und Nachteile greifbarer und weniger theoretisch.

Ungewöhnlich und schön ist, dass das Buch allen Beteiligten wertschätzend begegnet und verschiedene Positionen in den Blick nimmt, also auch keine Stimmung gegen Mütter/Ex-Partnerinnen macht. Das Buch kann also auch Müttern empfohlen werden. Es lässt sich schnell und gut lesen, ist übersichtlich, gut verständlich und strukturiert geschrieben und zeichnet sich vor allem durch seine Praxisnähe aus.

Viel Erkenntnisgewinn und alles Gute auf Ihrem Weg wünscht Ihnen
Christa Schäfer

Lesen Sie mehr zu Trennungs- und Scheidungskindern …

Selbstsicherheit und Kommunikation

Bisher habe ich in diesem Blog das Thema Selbstbewusstsein noch wenig gestreift. Dabei hängen die Themen Selbstbewusstsein und Kommunikation durchaus zusammen.

Selbstbewusstsein ist es ein essentielles Thema sowohl im menschlichen Sein als auch im alltäglichen Leben. Selbstvertrauen ist ein wichtiger Schlüssel zu einem glücklichen Leben und zur gelingenden Kommunikation. Meist kommunizieren selbstsichere Menschen wertschätzend und zielorientiert zugleich. Sie beziehen ihre eigenen Bedürfnisse und die ihrer Kommunikationspartner in die Unterhaltung mit ein, sind empathisch und kommen sympathisch rüber …
Menschen, die wir als arrogant und hochmütig erleben, besitzen oft eine große Portion Selbstunsicherheit und verstecken ihr „Minderwertigkeitsgefühl hinter einer Fassade an Überheblichkeit. Arrogante Menschen beziehen ihr eigenes Selbstwertgefühl darüber, dass sie andere kleiner machen und werten sich auf, indem sie andere abwerten. Es gibt natürlich auch einen zugehörigen„arroganten Kommunikationsstil“ …

Ich habe mich auf die Suche begeben nach Bücher zum Thema Selbstsicherheit. Es gibt viele davon. Unter diesen zahlreichen Büchern sticht eines für mich hervor, das mir besonders gut gefallen hat, und das ich Ihnen in diesem Blogartikel gerne vorstellen möchte: “Schluss mit meiner Wenigkeit. Selbstvertrauen erlangen und selbstsicher handeln” von Laura Seebauer und Gitta Jacob, erschienen 2015 im Beltz Verlag.

Selbstsicherheit

Selbstsicherheit kann laut Seebauer und Jacob unterteilt werden in das „Selbstvertrauen von innen“ und das „Selbstvertrauen von außen“.

Das Selbstvertrauen von innen umschließt „(…) einen Zustand innerer Gelassenheit, Souveränität, Kraft und Stärke. Ein selbstsicherer Mensch kennt seine Stärken und Schwächen und hat diese als einen Teil seines Selbst akzeptiert. Entscheidend ist auch ein guter Zugang zu den eigenen Bedürfnissen. (…) Das beinhaltet Vertrauen und Zuversicht darauf, dass man seine Ziele erreichen wird und mit aufkommenden Hindernissen gut umgehen kann. (…) Ein selbstsicherer Mensch misst sich selbst einen Wert zu, der auch unabhängig von Erfolgen und Misserfolgen bestehen bleibt.“ (Seebauer; Jacob: Schluss mit meiner Wenigkeit. S. 9)

Selbstsicherheit von außen bezeichnet dagegen “die Fähigkeit, gegenüber anderen Menschen durchsetzungsstark aufzutreten und für die Erfüllung eigener Bedürfnisse kompetent einzutreten – ohne dabei allerdings übermäßig aggressiv zu werden. Ein selbstsicheres Auftreten erkennt man zum Beispiel an einer klaren und sicheren Sprache. Ein selbstsicherer Mensch ist meistens gelassen und in seiner Haltung relativ unabhängig von der Meinung anderer.” (ebenda, S. 10)

Kennen Sie die vier Ebenen der Selbstsicherheit?
Gedanken, Gefühle, Körperempfinden und Verhalten.
Im Buch heißt es dazu: “Diese vier Bereiche stehen in enger Verbindung miteinander. Wenn Sie auf einer Ebene etwas ändern möchten, z.B. Ihr unsicheres Verhalten, dann sollten Sie auch die Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen mit einbeziehen., die diesem Verhalten vorangehen.” (ebenda, S.15)

Die Selbstsicherheit ist eng verwoben mit der Selbstunsicherheit. Diese äußert sich unter anderem in negativen Gedanken und Überzeugungen, beispielsweise in Typen von negativen automatischen Gedanken:

  • Katastrophisieren (das Schlimmste wird eintreffen): „Alle werden mir sofort ansehen, dass ich alleine auf der Party bin.“
  • Positives ausschließen/abwerten: „Okay, diese Aufgabe habe ich gut gemeistert, aber ich hatte ja auch viel Glück/ viel Hilfe/ das hätte ja jeder gekonnt …“
  • Gefühl als Beweis nehmen: „Ich fühle mich unsicher, also bin ich es auch!“
  • Gedankenlesen: „Der denkt bestimmt, dass ich langweilig bin.“
    (ebenda, S. 45)

Als Intervention gegen Selbstunsicherheit unterstützten positive und hilfreiche Alternativgedanken:

  • Meine Meinung ist wichtig und ich bin es auch!
  • Ich habe viele Dinge erreicht und muss mich nicht verstecken oder rechtfertigen!
  • Ich habe das Recht, mein Leben entsprechend meinen Bedürfnissen zu gestalten!
  • Die Meinung anderer Menschen entscheidet nicht darüber, wer oder wie ich bin!
    (ebenda, S. 49)

Und was steht im Buch zur selbstsicheren Kommunikation?

  • Nutzen Sie klare und konkrete Formulierungen: Sagen Sie ganz konkret, was Sie möchten. Wenn Sie nur Andeutungen machen und darauf hoffen, dass Ihr Gegenüber zwischen den Zeilen liest, riskieren Sie eine Abfuhr.
  • Halten Sie sich kurz: Begründen Sie Ihr Anliegen nicht länger als nötig. Durch ewiges Weiterreden verlieren Ihre Argumente an Gewicht.
  • Entschuldigen Sie etwas nur, wenn nötig: Entschuldigen Sie sich nicht, wenn Sie berechtigte Forderungen stellen oder sich nichts zu Schulden haben kommen lassen. Entschuldigungen erwecken sonst den Eindruck, dass Sie ein schlechtes Gewissen haben und lassen Sie unsicherer wirken.
  • Benutzen Sie keine Füllwörter: Am besten streichen Sie Wörter wie irgendwie, eigentlich, vielleicht, möglicherweise und wahrscheinlich ganz aus Ihrem Wortschatz. Sie dienen nur dazu, ihre Botschaft abzuschwächen oder zu entwerten.
    (ebenda, S. 94 f)

Selbstbewusstsein aufzubauen dauert Zeit. So schade wie es ist, ein Buch mit Übungen reicht dafür nicht aus, kann aber der ersten Schritte sein. Selbstvertrauen nach innen und außen ist wie so vieles im Leben ein lebenslanger Prozess, der nicht immer einfach ist. Seien Sie geduldig mit sich, verlangen Sie nicht auf einmal und seinen Sie in erster Linie freundlich und wertschätzend sich selbst gegenüber. “Schluss mit meiner Wenigkeit” kann Ihnen ein verständnisvoller Ratgeber mit vielen nützlichen Tipps und Anregungen sein. Das Buch liest sich schnell und einfach, ist übersichtlich, gut verständlich und entbehrt darüber hinaus nicht an Tiefe.

Wenn Sie Ihre Kommunikation in Bezug auf die Selbstsicherheit betrachten wollen, so beobachten Sie mal, wie Ihre Worte in Situationen sind, in denen Sie sich „sicher“ fühlen und in Situationen, in denen Sie sich „unsicher“ fühlen. Da fällt Ihnen sicherlich auf, …. (aber jetzt sind Sie dran …)

Alles Gute auf Ihrem Weg wünscht Ihnen
Christa Schäfer

Gedanken zur Selbstachtung
Tipps für mehr Selbstbewusstsein