Beitrags-Archiv für die Kategory 'Kommunikation'

Circle

Montag, 27. April 2015 8:45

Die Kraft des Kreises

Der Klassenrat in der Schule findet im Stuhlkreis statt. Was passiert dort, und kann man dieses „Redeprinzip“ auf den Wirtschaftsbereich ausweiten? Kann man Business-Meetings und Business-Sitzungen im Stuhlkreis stattfinden lassen?

Was ist der Vorteil von Circles?
Welche Rollen gibt es?
Wie funktionieren Meetings und Gespräche in Circles?
Gibt es auch Circles in Paarbeziehungen und in der Familie?

Wow, ich habe diesen Artikel mit ganz vielen Frage begonnen, Fragen, die mir durch den Kopf gingen, als ich das Buch „Circles: Die Kraft des Kreises“ in die Hand bekam. Die beiden Autorinnen Christina Baldwin und Ann Linnea haben sich in diesem Buch, herausgegeben im Beltz Verlag, ausführlich mit dem Peer Spirit Circle Process – kurz Circle – auseinander gesetzt. Ein Prinzip, das viel mehr enthält als nur eine bestimmte Anordnung von Stühlen.

Peer Spirit Circle Process

Circle_Baldwin_Linnea

Christina Baldwin und Ann Linnea hatten die intuitive Überzeugung, dass der Kreis sowohl uralt als auch universell ist. Naturvölker nutzten den Kreis, um Entscheidungen für den ganzen Stamm zu treffen. Nordamerikanische Stammesälteste nutzten den Kreis und schätzten ihn auf sozialer und geistiger Ebene. Der Kreis war für manche Kulturen Organisationsprinzip, schien als Sprache der Naturvölker jedoch nicht zur vorherrschenden westlichen Kultur zu passen.

Baldwin und Linnea schauten, wie Circles in unserer modernen Welt funktionieren können. 1996 erschien die erste Version ihres Werkes „Calling the Circle. The First and Future Culture“. Damit war der erste Schritt getan, den Kreis in die moderne Kultur zurückzurufen und zur erneuten Anwendung zu bringen:

Das war zu jener Zeit, in der auch das World-Café, das Open Space und die Methode der Zukunftskonferenz entwickelt wurde. In jeder dieser „Methoden“ sitzen Menschen zusammen, sprechen miteinander und erachten ihre gegenseitigen Stimmen als wertvoll. Jede dieser Methoden geht von Respekt und Wertschätzung aus. Jedes Ereignis hat einen Anfang, eine Mitte und ein Ende. Der Archetyp des Kreises ist im Raum präsent. In einem Kreis können große Ideen von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern kommen, alle Beiträge werden gleichwertig aufgenommen. Im Jahr 2000 kam die Arbeit von Baldwin und Linnea nach Europa und fing auch an hier zu wirken. Vier Mal waren beide bereits in Deutschland, mehrmals auch in anderen europäischen Ländern.

„Nach mehr als 20 Jahren Erfahrung haben wir den weitreichenden Nutzen dieser Arbeit gesehen und sind nun überzeugt, dass die Wiedereingliederung des Kreises den Prototyp für eine neue Kultur liefert: eine Kultur der Kreativität, der Zusammenarbeit und des Gesprächs.“ (Baldwin/Linnea: Circle, S. 14)

Vom Ursprung des Kreises

„Der Mann ist nass bis auf die Haut und zittert vor Kälte. Mit einem erlegten Kaninchen über der Schulter läuft er eilig durch die Abenddämmerung. Die Frau neben ihm bleibt trotz des schwindenden Lichts immer wieder kurz stehen, um einige Blätter zu sammeln oder eine Wurzel mit dem Fuß frei zu scharren und in einen Lederbeutel zu stecken, den sie um die Taille gehängt hat. So folgen sie dem Pfad, der sie hoffentlich an einen Ort führt, an dem sie freundliche Aufnahme, Wärme und Gesellschaft für die Nacht finden. …“ Beide finden ein Feuer, an dem bereits andere Männer und Frauen sitzen, erzählen, sich wärmen und zusammen essen. Das Feuer ist die Mitte, gibt Sicherheit, Wärme und Nahrung. (ebenda, S. 30)

Hat sich Sprache als soziales Instrument parallel zur Nutzung von Feuer und zur Ausdifferenzierung von Handwerkszeugen entwickelt?

Der Kreis als Archetyp des Gruppenprozesses

„Der Weg des Kreises ist eine praxisorientierte Methode, soziale Partnerschaften neu zu etablieren und eine Welt zu schaffen, in der wahrhaftige Kooperation zu optimaler kompetenter hierarchischer Führung anregt. Ein Anführer braucht ein Ratsgremium, das ihm die Dorfmeinungen zu Gehör bringt. Ein Präsident braucht ein Kabinett, ein Trainer ein Team, ein Lehrer Schüler. Die Älteren brauchen junge Leute. Und Meetings brauchen dringende Veränderung.“ (ebenda, S. 39)

Gespräche und Sitzungen im Kreis etablieren eine neue Gesprächskultur. Allein durch Sprechen und Zuhören können dringend notwendige Veränderungen bewirkt werden. Die Gesprächskultur im Kreis stellt einen sozialen Paradigmenwechsel dar, der überall, jederzeit und in jeder beliebigen Gruppe stattfinden kann. Er funktioniert über eine Intelligenz, die Herz und Verstand in Einklang bringt, setzt auf das Gemeinschaftsprinzip und sucht nach Möglichkeiten, wie sich jede und jeder einbringen kann.

Der Kreis hat eine feste Struktur:
Auftakt und Einladung
Die Kreismitte einrichten
Vereinbarungen
Check-in
Intention
Drei Prinzipien
Drei Praktiken
Rollen
Check-out

Der Kreis hat drei Prinzipien:
Führung im Wechsel
Gemeinsame Verantwortung
Vertrauen in die Ganzheit

Der Kreis hat drei Praktiken:
Aufmerksam zuhören
Absichtvolles Reden
Auf das Wohlergehen der Gruppe achten

Es gibt verschiedene Rollen:
Der Gastgeber mit temporärer Führungsrolle
Der Achtgeber
Der Schreiber

Die Arbeit im Kreis hat drei Grundformen:
Die Redeobjekt-Runde
Die Gesprächsrunde
Schweigen

Die Entscheidungsfindung funktioniert über:
Konsens und Abstimmung

Circle können sowohl im privaten als auch im beruflichen Kontext abgehalten werden.

Sie interessieren sich für ein Beispiel zu einem Circle?
Hier das Beispiel eines Circles im Rahmen eines konfliktgeladenen Gespräches.

„Die Geschäftsleitung lud alle Franchisenehmer zu einer Konferenz von Freitagmittag bis Sonntagnachmittag ein. So etwas hatte es noch nie gegeben. 140 von ihnen sagten ihre Teilnahme zu. Der schwierigste Teil war ein Dialog mit der gesamten Gruppe am Samstagnachmittag über den Konflikt der in Bezug auf die neuen Statuten entstanden war. Wenn ein Kreisprozess in großen Gruppen stattfindet, muss der Gastgeber äußerst kreativ vorgehen. Der Unterschied ist etwa so groß wie zwischen der Organisation einer Dinnerparty und einem professionellen Catering: Bedeutend mehr Planung ist erforderlich, um sicherzustellen, dass die Qualität des Engagements von Dauer ist. Doch wenn jede Stimme persönlich zu Wort kommen soll – und in diesem Fall war dies eine conditio sine qua non -, dann kann der Kreis auch für die Diskussion in einer großen Gruppe erweitert werden.
Matthias und Jutta entwarfen eine Kreismitte, die für die Gruppe besonders relevant war. Sie bestand aus einer etwa 90 Zentimeter hohen Pyramide aus 16 roten Boxen. Die oberste Box symbolisierte den Zweck des Unternehmens (einschließlich des Franchisesystems). Die vier Boxen in der Mitte repräsentierten seine Werte und die neun an der Basis symbolisierten die Firmenziele. Die Gruppe hatte im Laufe der Konferenz schon mit Zweck, Werten und Zielen gearbeitet und kannte deshalb die Bedeutung der Boxen. Dann arrangierten Matthias und Jutta 140 Stühle in vier konzentrischen Kreisen wie Jahresringe an einem Baumstamm darum herum.“ (ebenda, S.

Wenn ich Sie mit meiner Begeisterung für die Circles „angesteckt“ habe, dann finden Sie in dem 281 Seiten starken Buch „Circle: Die Kraft des Kreises. Gespräche und Meetings inspirierend, schöpferisch und effektiv gestalten“ von Christina Baldwin und Ann Linnea aus dem Beltz Verlag viele weitere Beispiele und natürlich Beschreibungen, wie Circles zum Laufen gebracht werden können. Sehr empfehlenswert !! Wer weiß, vielleicht – oder besser hoffentlich – gibt es in ein paar Jahren auch in Deutschland viele Circles in privaten und geschäftlichen Kontexten.

Ach ja, Sie kennen meine Praxisbroschüre zum Klassenrat?

Dr. Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Kommunikation in der Kita

Montag, 13. April 2015 7:23

In den letzten Jahren habe ich mich verstärkt um Kommunikation und Konfliktmanagement in verschiedenen Bereichen der Pädagogik gekümmert. Da war natürlich auch der Bereich der Kita (Kindertagesstätten) bzw. der Kindergärten ein ganz wichtiger. Neben Mediationen, Supervisionen und Leitungscoaching habe ich 2014 in München, Köln und Berlin Vorträge zur „Kommunikation und zum Konfliktmanagement in einer Inklusiven Kita“ im Rahmen des Deutschen Inklusionsforums für die Kita gehalten. 2015 gibt es im Oktober und November wieder die Möglichkeit diese interaktiven Vorträgen zu hören.

Bei Trainings zu Elterngesprächen in Kita empfehle ich gerne das Buch „Klare Worte finden“ von Ulrike Lindner, das aus dem Verlag an der Ruhr stammt und auf hervorragende Art und Weise das Thema Elterngespräche aufgreift.

Jetzt möchte ich hier sehr gerne „Das Kommunikationsbuch für Erzieherinnen“ (und Erzieher) empfehlen. Das Buch bringt daas Thema mal in ganz anderer Art und Weise auf den Punkt. Die Autorin Ursula Friederikje Rücker betrachtet verschiedene Wahrnehmungstypen und deren bevorzugte Kommunikationsstile, sehr interessant !! Bisher hatte ich mir erst am Rande dazu Gedanken gemacht, dass jeder Wahrnehmungstyp einen unterschiedlichen Kommunikationsstil pflegt, und das Wissen um diese Typen auch in Kitas den Alltag miteinander vereinfachen könnte.

Kommunikationsbuch für Erzieherinnen

Die Autorin des Kommunikationsbuches für Erzieherinnen gibt Hinweise zum visuellen, auditiven und kinästhetischen Wahrnehmungstyp. Jeder Typ wird mit seinen Merkmalen vorgestellt, es wird geschaut, wie die Begegnung und das Gespräch mit einem Elternteil dieses Wahrnehmungstyps vonstatten gehen kann, wie die so geprägte Fachkraft gut kommuniziert und wie man Kinder in diesen Wahrnehmungs- und Kommunikationsmustern gut abholen kann. Der weitere Teil des Buches beschäftigt sich mit den Stichworten Anerkennung und Wertschätzung als Grundlage für Beziehung und Kommunikation und schließt einigen gut einsetzbaren Übungen zu den Kommunikationsstilen in Kita.

Wahrnehmung gestaltet Kommunikation
Ich glaube, das größte Geschenk das ich von jemandem bekommen kann, ist, dass er mich sieht, mir zuhört, mich versteht und mich berührt. Das größte Geschenk, das ich einem andern Menschen machen kann, ist, ihn zu sehen, ihm zuzuhören, ihn zu verstehen und ihn zu berühren. Wenn das gelingt, habe ich das Gefühl, dass wir uns wirklich begegnet sind. (Virginia Satir)

Zum visuellen Wahrnehmungstyp und seinem Kommunikationsstil
Die Buchautorin Ursula Friederikje Rücker beschreibt, dass Menschen mit einer ausgeprägten visuellen Wahrnehmung meist sehr auf ihr eigenes persönliches Aussehen achten. Sie beziehen sich in Gesprächen auf ihre visuellen Eindrücke und nutzen gerne ihre Körpersprache um etwas zu verdeutlichen. Im wahrsten Sinne des Wortes machen sich diese Menschen ein „Bild“ von der Welt. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Visuelle Menschen werden ärgerlich, wenn sie das Gefühl haben, übersehen zu werden.

Wortfamilien und Redewendungen zum visuellen Wahrnehmungstyp:
großartig, kleinkariert, sehen, zeigen, schleierhaft, düster, strahlend, einleuchtend, veranschaulichen, Überblick, Ansicht, Vision, Perspektive …

„Ich sehe das so“, „mir scheint“, „eine Vision haben“, „anderer Ansicht sein“, „das sieht gut aus“, „ich finde“, „der blinde Fleck“, „etwas einsehen“, „rosa Brille“ …

Begrüßung und Verabschiedung:
„Wie schön, Sie zu sehen“
„Auf Wiedersehen“
„Wir sehen uns“

Offene Fragen, die im Gesprächsverlauf hilfreich sein können:
„Konnten Sie ein Bild von .. machen?“
„Das sieht doch ganz gut aus, was meinen Sie?“
„Welcher Ansicht sind Sie?“

Visuell geprägte Eltern
In der Begegnung und im Gespräch mit einem visuellen Elternteil sollten sich Erzieherinnen darüber im Klaren sein, dass diese Menschen scharfe Beobachter sind, sie schauen genau auf Kleidung, Körpersprache und vieles mehr. Es ist gut, visuell geprägten Eltern zu zeigen, dass ihr Kind sich in der Kita wohlfühlt. Man kann einen Rundgang machen, das Elternteil einladen, auf Sehenswertes hinweisen und vieles mehr. Für Konfliktsituationen ist es gut, Dokumente und wichtige Papiere parat zu haben, damit das Elternteil diese einsehen kann.

Visuelle pädagogische Fachkräfte
Sind pädagogische Fachkräfte visuell geprägt, so werden diese besonders Wert legen auf die Gestaltung der Kita und des Gruppenraumes. Sie nutzen Symbole als Orientierung, achten auf Ordnung und zeigen den ihnen anvertrauten Kindern die Welt.

Das aktuell visuelle Kind
Das Seelenleben eines visuellen Kindes kann am ehesten verstanden werden, wenn Sie sich in seiner Welt aufmerksam umsehen. Die Welt des visuellen Kindes ist die Welt der Farben, Formen, Schatten und Bilder. Kreativität ist ein wichtiges Stichwort. Visuelle Kinder setzen sich gerne in Szene, machen Rollenspiele, Pantomime, malen und gestalten gerne. Häufig haben visuell geprägte Kinder ganz genau im Kopf, was sie morgens anziehen möchten und was nicht. Visuell geprägte Kinder versuchten Aufmerksamkeit durch Auffälligkeit zu erregen. Da geht es durchaus manchmal darum eine „Show abzuziehen“. Visuelle Kinder stehen ferner gerne im Mittelpunkt. Sie fühlen sich zurückgesetzt, wenn sie übersehen werden. Genau wie visuell starke Kinder durch visuelle Reize erreicht werden, so lassen sie sich durch visuelle Impulse ablenken.
Unser Schulsystem ist stark visuell ausgerichtet. Dadurch sind visuell geprägte Kinder oft im Vorteil. Dennoch ist es wichtig, auch ihre anderen Sinne zu fördern.

Das soll als kurzer Einblick in diesen Wahrnehmungs- und Kommunikationstyp genügen. Im Buch gibt es natürlich ausführliche weitere Hinweise zu diesem und den anderen Typen.

Und abschließend meine Ideen für drei kleine Reflexionen / Übungen

  1. Welcher Kommunikationstyp sind Sie selber?
  2. Beobachten Sie heute, morgen oder bei Gelegenheit Ihre Arbeitskolleginnen, Kinder oder Eltern aus Ihrer Gruppe. Versuchen Sie herauszufinden, welcher Kommunikationstyp sie sind.
  3. Versuchen Sie bei Gelegenheit einmal, mit jemandem in einem rein visuell geprägten Kommunikationsstil zu reden. Das macht richtig Spaß und kann sogar komisch werden.

Ach ja, und vom Don Bosco Verlag gibt es übrigens auch wunderbare Gefühlskarten für die Förderung der Emotionalen Kompetenz in Kitas, lassen Sie sich inspirieren …

Dr. Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Gedanken zur Selbstachtung

Montag, 16. März 2015 6:50

Ein junger Indianer streifte allein durch die Wälder. Dabei fand er das Ei eines Adlers. Weil er es aber für ein Präriehuhnei hielt, legte er es ins Nest eines Präriehuhn-Pärchens.
Als der junge Adler schlüpfte, war er von Präriehühnern umgeben. Er lernte laufen wie ein Präriehuhn, gackern wie ein Präriehuhn, fressen wie ein Präriehuhn.
Eines schönen Frühlingstages aber erblickte er etwas ganz Wunderbares: Er sah, wie ein Vogel sich weit in die Lüfte erhob und majestätisch mit dem Wind dahinsegelte. „Was für ein Tier ist das denn?“, fragte der junge Adler, der zwischen Präriehühnern aufgewachsenen war. „Das ist ein Adler, der prächtigste aller Vögel!“ „Es muss wunderbar sein, so anmutig durch die Lüfte gleiten zu können“, träumte der kleine Adler. Aber er war ja kein solch prachtvolles Tier, und so vergaß der kleine Adler seine Träumereien schnell wieder.
Solange er lebte, glaubte er, ein Präriehuhn zu sein.
(Indianermärchen aus Amerika)

Was ziehen Sie aus diesem Märchen für Schlüsse?

Alle Menschen verfügen über ein außerordentlich großes Potential an Fähigkeiten. Manche Menschen sind unglücklich, wissen oder können ihre Potentiale nicht nutzen. Coaching kann helfen, Potentiale zu heben, Selbstachtung aufzubauen und das Leben zu verändern. Mediation kann unterstützen, kurzfristig verloren gegangenes Selbstwertgefühl wieder zu finden.

Definition Coaching (Wortlaut des dvct – Deutscher Verband für Coaching und Training):

„Professionelles Coaching setzt ganz auf die Entwicklung individueller Lösungskompetenz beim Klienten.
Der Klient bestimmt das Ziel des Coachings. Der Coach verantwortet den Prozess, bei dem der Klient neue Erkenntnisse gewinnt und Handlungsalternativen entwickelt. Dabei wird dem Klienten die Wechselwirkung seines Handelns in und mit seinem Umfeld deutlich.
Coaching ist als strukturierter Dialog zeitlich begrenzt und auf die Ziele und Bedürfnisse des Klienten zugeschnitten.
Der Erfolg von Coaching ist messbar und überprüfbar, da zu Beginn des Prozesses gemeinsam die Kriterien der Zielerreichung festgelegt werden.“

Gelesen habe ich das Indianermärchen in dem von Rosette Poletti und Barbara Dobbs geschriebenen Buch „Selbstachtung. Leben in Frieden mit sich selbst“ aus dem Scorpio Verlag. Das Märchen wird im Eingang zum Buch so interpretiert, dass viele Kinder Botschaften erhalten und verinnerlichen haben, die sie daran hindern, sich selbst zu lieben und ihren Stärken zu vertrauen. Das Buch zeigt, wie sich Selbstachtung entwickelt und was Eltern und andere Bezugspersonen eines Kindes tun können, damit dieses ein gutes Selbstwertgefühl entwickeln kann.

Die Wikipedia Definition zum Begriff Selbstwert lautet:
“Unter Selbstwert (auch: Selbstwertgefühl, Selbstwertschätzung, Selbstachtung, Selbstvertrauen, oder unpräziser: Selbstbewusstsein, Eigenwert, umgangssprachlich auch Ego) versteht die Psychologie die Bewertung, die man von sich selbst hat. Das kann sich auf die Persönlichkeit und die Fähigkeiten des Individuums, die Erinnerungen an die Vergangenheit und das Ich-Empfinden oder auf das Selbstempfinden beziehen.”

Wird einem Kind Anerkennung und Wertschätzung entgegen gebracht, so kann ein Kind „wachsen“, eine eigene Identität entwickeln, kreativ und konstruktiv bleiben sowie Angst- und Schuldgefühle außen vor lassen. Kann ein Kind in die Selbstwertschätzung gehen, so kann es eigene Stärken und auch Schwächen sehen und daran reifen. Auch Erwachsene können Ursachen für Schwierigkeiten erkennen und beschließen, die Verantwortung für ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben, so Ben Furmann.

Nicht nur Eltern in der Verantwortung für das Selbstwertgefühl, auch Kita-Erzieherinnen und -Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, Pädagoginnen und Pädagogen sind in der Verantwortung für gute und gelingende Beziehungen.

Das Buch „Selbstachtung“, das mir Anlass für meine Gedanken gab, ist übrigens ein liebevoll gestaltetes kleines Büchlein zum Thema. Es gibt viele und vielfältige Gedankenanregungen, wie Erwachsene Selbstachtung entwickeln können, welche „Werkzeuge“ dazu gut nutzbar sind, und wie die Selbstachtung bei Kindern gefördert werden kann. Von der Arbeit mit Affirmationen über das Auflösen von „schädlichen“ Verhaltensmustern geht die Reise bis zu kreativem Visualisieren und den positiven Botschaften für eine positive Entwicklung. Prima auch als Geschenkbüchlein nutzbar.

Natürlich haben auch sprachliche Elemente einen großen Raum beim Aufbau von Selbstachtung, und da wären wir wieder bei den Mini-Max Interventionen von Manfred Prior …

Und sehr interessant auch die 10 praktischen Tipps für mehr Selbstbewusstsein von Moritz Bauer …

Einen stets wertschätzenden Umgang miteinander wünscht Ihnen und mir
Christa Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Lehrer-Eltern-Konflikte

Dienstag, 3. März 2015 21:27

In Schule gibt es viele und vielfältige Konflikte. In Berliner Schulen werden Konfliktlotsinnen und Konfliktlotsen, Streitschlichter und Streitschlichterinnen ausgebildet, also Schüler_innen, die den Streit zwischen anderen Schüler_innen schlichten.

Über die Konfliktbearbeitung zwischen Lehrkräften und Eltern wird selten in den Schulen nachgedacht. Von Lehrerseite aus sind es immer die Eltern, die nerven und mangelndes Interesse an einer konstruktiven Zusammenarbeit zeigen. Von Elternseite aus sind es immer die Lehrkräfte, die falsche Entscheidungen treffen, ungerecht sind und entmutigend handeln. Was tun?

Der erste Schritt ist, über Eltern-Lehrer-Konflikte nachzudenken. Das Buch “Lehrer-Eltern-Konflikte systemisch lösen” tut genau dies. Das von Inge Maria Mandac geschriebene Buch aus dem Carl-Auer Verlag zeigt im ersten Teil, wie Lehrkräfte klar und gelassen Konfliktgespräche führen können, und im zweiten Teil, wie Konflikten präventiv vorgebeugt werden kann.

Das Buch baut auf der Grundlage der Gewaltfreien Kommunikation auf, gibt viele Hinweise und Tipps zu Kommunikation und Konfliktbearbeitung für Lehrkräfte in Lehrer-Eltern-Konflikten und bindet interessante Beispiele aus dem Schulalltag ein. Besonders interessant sind die Vorschläge für Elternabende zur Thematik Kommunikation / Konfliktmanagement im zweiten Teil des Buches.

Nach dem Elternabend „Sich kennenlernen“ könnte es in einem zweiten Elternabend um das Thema „Grundsätze zum Zusammenwirken definieren“ gehen. Dieser für 90 Minuten geplante Elternabend beschäftigt sich mit Orientierung gebenden Grundsätzen in der „Zusammenarbeit“. Nach den Prinzipien des Kooperativen Lernens (think, pair, share) werden den Eltern zunächst Reflexionsaufgaben zur Einzelarbeit gegeben, anschließend gibt es eine Gruppenarbeit zum Austausch über die einzelnen Meinungen und abschließend die Präsentation der Gruppenergebnisse im Plenum.

In einer Reflexionsaufgabe werden die Eltern beispielsweise nach ihrem Schulerleben als Schülerin und Schüler gefragt: Welches Verhalten von Lehrkräften wurde in der Schulzeit als wohltuend und förderlich erlebt? Welche Übereinstimmung zu drei wohltuenden Verhaltensweisen finden die Eltern in der Gruppenarbeit? Welches Schulerleben haben die Eltern in ihrer Rolle als Eltern: Welches Verhalten von Lehrkräften empfinden sie als wohltuend und förderlich? Welche Übereinstimmung finden sie in der Gruppenphase?

Oder eine andere Reflexionsaufgabe: Wie sehen Eltern ihre Mitwirkungsmöglichkeiten in der Schule? Welche Rollen wollen sie in Schule ausfüllen? Wollen sie Blitzableiter, Beichtvater, Richter, Trainer, Feuerwehrmann, Entwicklungshelfer, Briefträger, Begleiter, Zauberer, Therapeut, Fachmann, Dirigent, Rechtsanwalt, Besserwisser, Krankenpfleger, Gärtner oder was sonst noch sein? In der Einzelarbeitsphase suchen sich die Elternteile drei Berufe aus und formulieren Sätze wie: Ich will … sein, weil … In der Partnerarbeit tauschen sich die Eltern zu ihren Sätzen aus., formulieren ein Fazit und suchen ein Symbol für dieses Fazit. In der Gruppenarbeitsphase stellen sich die Eltern innerhalb der Gruppe ihre Symbole vor, sammeln Gemeinsamkeiten und notieren ein Fazit auf einem Papier. Sie überlegen ferner, welche Rolle sie sich von der Lehrkraft wünschen und wie sie die Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern sehen.

All das sind wunderbare Ideen für Elternabende !!

Immer noch sind Elternabende im Schulalltag eher Abende, in denen Lehrkräfte über Neuigkeiten aus der Klassen berichten. Wenige Elternabende bieten eine Interaktion zwischen den anwesenden Personen. Mit den Übungen aus dem hier vorgestellten Buch wird sich das ändern. LehrerInnen und Eltern können ins Gespräch miteinander kommen und eine gemeinsame Basis finden. Es kann eine längst überfällige Partnerschaft zwischen Schule und Elternhaus entstehen.

Ich wünsche dem Buch darum viele LeserInnen und vor allem einen häufigen Einsatz in Schulen, nur Mut.

Das online-Material zu Lehrer-Eltern-Konflikte systemisch lösen ist übrigens auf der Seite des Carl-Auer Verlages einsehbar.

Eine neue Art der Beziehung zwischen Schule und Eltern wünscht sich
Dr. Christa Schäfer

Infos zum Buch „Der systemische Lehrer“, ebenfalls aus der Reihe „Spickzettel für Lehrer“

Und hier geht’s zu meinem neuen Buch zur partizipativen Schule …

Thema: Allgemein, Kommunikation, Literaturempfehlungen, Schulmediation | Kommentare (0) | Autor:

In der Mediation komplimentieren …

Montag, 2. Februar 2015 7:29

Darüber kann man sicherlich geteilter Meinung sein.

Mitunter bekomme ich als Mediatorin nach einer Mediation „Komplimente“ und Lob für meine gute Arbeit, aber davon soll heute hier nicht die Rede sein. Ich frage mich eher, ob es angebracht ist Medianden für Ihre harte Arbeit in einer Mediation „Komplimente“ zu machen.

Angeregt ist diese Fragestellung dadurch, dass ich seit langer Zeit mal wieder in einem systemischen Klassiker gelesen habe, in dem Buch „Lösungen (er-)finden. Das Werkstattbuch der lösungsorientierten Kurztherapie“. 594 Seiten haben Peter De Jong und Insoo Kim Berg zusammengetragen, jetzt gibt es die deutschsprachige Ausgabe in der 7. Auflage beim Verlag modernes lernen. Das Buch zeigt die ungeheure Reflektiertheit in der Sprache der beiden Systemiker, und besonders die grundlegenden Fertigkeiten des Interviewens haben mich vor Jahren beeindruckt, als ich das Buch zum ersten Mal las.

Da ist die Rede vom Hören, von Fragearten, vom Achten auf Schlüsselworten, der Technik Worte der KlientInnen mit in die eigenen Aussagen einzubeziehen, dem Paraphrasieren, dem Zusammenfassen, dem Schwiegen, dem non-verbalen Verhalten, dem Komplimentieren, der natürlichen Empathie, dem Normalisieren, den Beziehungs-Fragen, der Lösungs-Sprache und vielem mehr …

Deshalb möchte ich das Buch „Lösungen (er-)finden“ gerne allen MediatorInnen ans Herz legen. Viele der dort vorgestellten Fertigkeiten des Interviewens lassen sich auf die Mediation übertragen. Es gibt viel Input zur Wunder-Frage, die ein wesentliches Element in der Arbeit von De Jong und Berg darstellt, und die ja auch in der Mediation als Methode genutzt werden kann. Beeindruckend und für MediatorInnen interessant sind ebenfalls die Buchkapitel, die zeigen wie Stärken und Erfolge von KlientInnen aufgebaut werden können, was es mit Skalierungsfragen auf sich hat, wie KlientInnen (also in unserem Fall MediandInnen) Rückmeldung gegeben werden kann und vieles mehr.

Herausgreifen möchte ich heute einige Buchpassagen über das Komplimentieren, weil ich mich gefragt habe, ob dies eine Methode ist, die auch in der Mediationspraxis angewandt wird bzw. angewandt werden kann. Dazu einige Zitate aus dem dem Buch von Peter De Jong und Insoo Kim Berg:

„Das Komplimentieren sollte nicht der Motivation entspringen, freundlich oder ‘nett’ zu den KlientInnen zu sein. Es sollte vielmehr auf der Realität gründen (…)

Als das Komplimentieren erstmals am Brief Family Therapy Center in Milwaukee eingeführt wurde, wurden Komplimente vorwiegend am Ende des Gesprächs eingesetzt, um die Aufmerksamkeit der KlientIn auf Stärken und Erfolge in der Vergangenheit zu lenken, die beim Erreichen ihrer Ziele hilfreich sein könnten. Die PraktikerInnen sind aber nach und nach dazu übergegangen, Komplimente im ganzen Gespräch einzusetzen, weil KlientInnen aus diesem Vorgehen Hoffnung und Zuversicht zu schöpfen scheinen. (…) Es gibt verschiedene Arten von Komplimenten …“

Quelle: De Jong, P.; Berg, I.K.: Lösungen (er-)finden). S. 80f

Wenn ich von Komplimenten spreche, so meine ich natürlich keine „platten Komplimente“ wie etwa: „Heute haben Sie aber ein schönes Kleid an.“ Ich meine vielmehr ehrliche, auf die gemeinsame Arbeit bezogene Komplimente.

Ein direktes Kompliment ist eine positive Würdigung oder Reaktion der PraktikerIn auf das, was die KlientIn gesagt oder getan hat.

In Bezug auf die Mediation bedeutet dies beispielsweise, den Medianden Dank und Würdigung auszusprechen für in der Mediation Geleistetes:

  • „Sie haben heute hart an Ihrem Konflikt gearbeitet …“
  • „Wunderbar, dann sind wir heute einen großen Schritt weiter gekommen in der Bearbeitung des Sachverhaltes x.“
  • „Besten Dank für die vielen kreativen Idee, die wir gleich zu Anfang der nächsten Sitzung wieder aufgreifen und weitergehend besprechen werden.“

Ein indirektes Kompliment ist eine Frage, die etwas Positives über die KlientIn impliziert. Eine Möglichkeit, indirekt zu komplimentieren, besteht darin, mehr Informationen über ein gewünschtes Ergebnis zu erfragen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, systemische Fragen zu etwas Positivem in einer Beziehung zu stellen. Eine dritte Möglichkeit besteht darin zu implizieren, dass die KlienIn weiß, was am besten ist. Indirektes Komplimentieren ist im Systemischen Therapiekontext der direkten Komplimentierung vorzuziehen.

In Bezug auf die Mediation meint dies beispielsweise folgende Fragen:

  • „Wie haben Sie es geschafft, dass es in den vergangenen zwei Wochen nicht zu erneutem beiderseitigen Anschreien in der Kommunikation gekommen ist?“
  • „Wenn ich ihre ArbeitskollegInnen fragen würde, auf welche Art und Weise Sie beide es geschafft haben die Arbeitsatmosphäre wieder zu festigen, was würden die sagen?“

Mein Tipp: Achten Sie doch bei zukünftigen Mediationen oder Mediationsrollenspielen auf den Effekt des Komplimentierens.

Zugegeben, in meiner Mediationspraxis gibt es diese Art der Komplimente für meine Medianden, denn es ist wirklich nicht einfach einen heftigen Konflikt anzugehen, hart daran zu arbeiten und die Zuversicht zur Klärung nicht zu verlieren. Und solange die Würdigung ernst gemeint ist, ist dies eine meiner Meinung nach durchaus legitime Methode. Eigentlich sollte ich nicht Methode sagen, denn es ist Teil (m)einer Haltung …

Wie sehen andere MediatorInnen dies?

fragt sich Dr. Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0) | Autor:

Farbenergie zu Weihnachten

Mittwoch, 24. Dezember 2014 13:15

Geht es Ihnen auch so, dass Sie im Dezember das Licht der Weihnachtsmärkte und der vielen Kerzen hinter den Fenstern der Häuser lieben? Manchmal gibt es sogar kleine Tannenbäume, die auf Kränen balancieren und dort ihr Licht verströmen. Oder einen beleuchteten Weihnachtsmann, der eine Fassade hochklettert. Licht bringt Energie und Kraft. Natürlich sind die Lichter im Dezember einerseits kitschig, aber andererseits auch wunderschön.

Auch Farben sind Energiebringer. Und so habe ich letztes Jahr zu Weihnachten ein Farbenergie-Kartenset geschenkt bekommen. Damit kann Farbe bekannt werden, Farbe in die Welt gebracht werden, Wichtiges auf Farbe festgehalten werden und vieles mehr. Dieses Jahr habe ich besonders im Coaching mit den Farbkarten gearbeitet und möchte sie Ihnen deshalb zu Weihnachten gerne vorstellen.

Die Farbenergie-Karten sind DIN A lang-Karten in kräftigen Farben: Gelb, Orange, Blau, Grün und natürlich auch in meiner Lieblingsfarbe Rot. Es gibt sie als Blanco-Karten, die man als solche wirken lassen oder mit eigenen Botschaften und einem speziellen Stift beschriftet kann. Es gibt sie als Karten, auf denen Werte wie Frieden, Lebensfreude, Glückseligkeit, Vertrauen und vieles mehr geschrieben sind. Und es gibt sie als Set mit Sprüchen. Mein Lieblingsspruch auf der roten Karte (wie könnte es anders sein): „Glück ist der schönste Aussichtspunkt, er steht uns immer zu.“

Besonders im Coaching nutze ich dieses Set sehr gerne. Ein Bild (und eine Farbe) sagen mehr als tausend Wort – Da ist was dran, denken Sie nicht auch?!

Übrigens, das Set der Farbenenergie kann man bei marketing:pur kaufen. Es wurde von Peter Köstel entwickelt und ist ein Beispiel aus seiner großen Palette von Kommunikations- und Training-Tools. Weihnachten 2014 ist nun zwar fast vorüber, aber nach Weihnachten ist auch vor Weihnachten und außerdem ist es eine gute Idee, sich dieses Set zum Jahresbeginn selber zu schenken. Perfekt können darauf die Jahresziele oder die Vorsätze zum Neuen Jahr festgehalten werden …

Mit den grünen Karten aus dem Kartenset möchte ich Ihnen ein schönes Weihnachtsfest wünschen.

Liebe ist ein heilendes Wunder, Foto von Christa Schäfer

Ein friedliches Weihnachstfest wünscht Christa Schäfer

Dr. Christa Schäfer

Können eigentlich Emotionen den Farben zugeordnet werden?

Thema: Emotionale Intelligenz, Kommunikation | Kommentare (0) | Autor:

Die Kraft der Mitfühlende Kommunikation

Montag, 15. Dezember 2014 6:28

Die Gewaltfreie Kommunikation ist in der Zwischenzeit in Deutschland gut bekannt.

Die Mitfühlende Kommunikation (Compassionate Communication) ist bisher wenig bekannt, hat aber durchaus das Potential, in die gängige und bekannte Kommunikationstheorie aufgenommen zu werden.

Die beiden Hirnforscher Andrew Newberg und Mark Robert Waldman haben die Mitfühlende Kommunikation als hochwirksames Instrument entwickelt, mit dessen Hilfe zwei Gehirne wie eins zusammenwirken können. Sie haben sich in die Neurologie von Mitgefühl, Kooperation und Vertrauen eingearbeitet und eine neue Art des Gesprächs entwickelt.

Zur „alten Art von Gesprächen“ sagen sie:

„Wir werden zwar mit der Gabe der Sprache geboren, aber Forschungen zeigen, dass wir überraschend ungeschickt in der Verständigung untereinander sind. Oft wählen wir unsere Worte gedankenlos und bedenken die Folgen der emotionalen Wirkung auf andere Menschen nicht. Wir reden mehr, als wir müssen, hören nicht zu und merken es nicht einmal, und häufig entgehen uns die subtilen Signale von Gesichtsausdruck, Körpersprache und Tonfall – Kommunikationssignale, die oft wichtiger sind als die eigentliche Äußerung.
Schuld an dieser mangelnden Kommunikationsfähigkeit ist nicht etwa fehlende Bildung, sondern eher ein unterentwickeltes Gehirn, denn die Hirnareale für soziales Bewusstsein, Empathie und die damit zusammenhängenden sprachlichen Fähigkeiten sind erst im Alter von etwa dreißig Jahren voll ausgebildet. Forschungen haben allerdings ergeben, dass junge wie ältere Menschen die Sprach- und Sozialzentren des Gehirns so einüben können, dass die Kommunikationsfähigkeit effektiv gestärkt wird.“ (Zitat aus Newberg, A.; Waldman, M.R.: Die Kraft der Mitfühlenden Kommunikation. S. 12)

Newberg und Waldman haben zwölf Strategien identifiziert und dokumentiert, mit denen sich die Dynamik jedes Gespräches steigern lässt. Durch die Nutzung der zwölf Strategien können negative Denkmuster unterbrochen und tiefe Empathie und Vertrauen im Hirn des Zuhörers stimuliert werden.

Die zwölf Strategien der Mitfühlenden Kommunikation:

  1. Entspannen Sie sich.
  2. Seien Sie im gegenwärtigen Moment präsent.
  3. Erzeugen Sie innere Stille.
  4. Steigern Sie Ihre Positivität.
  5. Denken Sie an Ihre tiefsten Werte.
  6. Denken Sie an etwas Schönes.
  7. Achten Sie auf nonverbale Signale.
  8. Drücken Sie Ihre Anerkennung aus.
  9. Sprechen Sie in herzlichem Ton.
  10. Sprechen Sie langsam.
  11. Fassen Sie sich kurz.
  12. Hören Sie konzentriert zu.

Gehirnscan-Studien haben gezeigt, dass eine Kombination dieser Strategien Stress, Angstgefühle und Reizbarkeit abbaut und gleichzeitig Gedächtnis sowie kognitive Fähigkeiten verbessert. Es passiert sogar etwas vollkommen Überraschendes: Die Gehirne von zwei Kommunikationspartnern gehen in eine neuronale Resonanz und fangen an, sich aufeinander abzustimmen.

Die Mitfühlende Kommunikation legt ebenso viel Wert auf das Zuhören wie auf das Sprechen. Bewusstes Zuhören unterbricht den eigenen inneren Dialog und setzt Konzentration voraus. Es entsteht eine neue Art von Stille, wodurch die Konzentration auf das Gegenüber steigt und auch subtile Signale des Gegenübers aufgenommen werden können. Das ist nicht einfach, denn das Gehirn will seinen „alten Weg“ nur ungern verlassen.

Um so wichtiger ist es, dass Newberg und Waldman die zwölf Strategien ausführlich vorstellen. Forschungsergebnisse bilden den wissenschaftlichen Hintergrund zur Methode. Viele Übungsvorschläge regen die Leserinnen und Leser des Buches zur Nachahmung und zum Erlernen der Mitfühlenden Kommunikation an. Wer also fernab der allseits bekannten Kommunikationstheorie eine aktuelle und faszinierende Kommunikationstheorie kennen lernen möchte, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Ich habe das Buch derzeit jedenfalls ganz vorne in meinem Bücherschrank stehen …

Gerne möchte ich hier beispielhaft eine Textpassage aus dem Buch mit Ihnen teilen.

„Wie Gedanken Wirklichkeit werden

Im Zentrum des Gehirns sitzt eine walnussförmige Struktur namens Thalamus. Diese überträgt Sinneseindrücke aus der Außenwelt in die übrigen Teile des Gehirns. Wenn wir uns etwas vorstellen, wird auch diese Information an den Thalamus geleitet. Unsere Forschungen lassen vermuten, dass der Thalamus diese Gedanken und Fantasien genauso verarbeitet wie Klänge, Gerüche, Geschmacksempfindungen, Bilder und Tastempfindungen. Wenn Sie sich also sicher fühlen, dann nimmt der Rest Ihres Gehirns an, Sie seien auch sicher. Wenn Sie aber über imaginäre Befürchtungen oder Selbstzweifel nachgrübeln, dann nimmt ihr Gehirn an, es bestehe womöglich eine wirkliche Bedrohung aus der Außenwelt. Unsere sprachbasierten Gedanken formen unser Bewusstsein, und das Bewusstsein formt die Realität, die wir wahrnehmen. Wählen Sie also Ihre Worte mit Bedacht, denn sie werden so wirklich wie der Boden, auf dem Sie stehen.“ (ebenda, S. 71)

In diesem Sinne: Steigern Sie Ihre positiven Gedanken und wählen Sie Ihre Worte mit Bedacht. Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Werte

Montag, 15. September 2014 8:00

Achtsamkeit o Achtung o Anteilnahme o Dankbarkeit o Ehrlichkeit o Einfühlungsgabe o Einzigartigkeit o Ermutigung o Familie o Freiheit o Freundlichkeit o Freundschaft o Geborgenheit o Gemeinschaft o Gerechtigkeit o Glauben o Herzlichkeit o Hilfsbereitschaft o Humor o Kindheit o Kreativität o Neugierde o Spielen o Staunen o Toleranz o Verlässlichkeit o Vertrauen o Wertschätzung o Zeit o Zumutung

30 Werte, dargestellt durch hochwertigen A4-große Bilddrucke, auf der Rückseite versehen mit einem Zitat und einem kurzen Text, der zu weiterführenden Gesprächen, Diskussionen und Reflexionen anregt. Wow, dieses Material werde ich fortan gerne in meinen Seminaren empfehlen und in meinen eigenen Coaching- und Supervisionssitzungen sowie in meinen Trainings nutzen.

Die von Margit Franz herausgegebenen Bildkarten zum Thema Werte aus dem Don Bosco Verlag lassen sich im Kollegium in Kita, Grundschule usw. gut einsetzen, sie sind für die Elternarbeit als Gesprächsanlass von unschätzbarem Wert und können natürlich auch ReferentInnen, Lehrkräften und anderem pädagogischem Fachpersonal Unterstützung für vielfältige Gesprächssituationen bieten. Sicherlich haben Sie auch gleich selbst eine Idee zum Einsatz dieser Karten.

Gerne möchte ich Ihnen hier eine Bildkarte ausführlich vorstellen, einen Wert, der sowohl in der Pädagogik als auch in der Konflktbearbeitung äußerst wichtig ist, das VERTRAUEN.

Vertrauen_1   Vertrauen_2

 

Wenn Sie auf das Bild klicken, so wird das Bild größer und Sie können die Schrift auf der Wertekarte gut lesen.

  • Wo ist Ihnen der Wert des Vertrauens in der Pädagogik zuletzt aufgefallen und deutlich geworden?
  • Was verbinden Sie mit dem Wert des Vertrauens in Bezug auf das Verfahren der Mediation?

Vertrauen ist ein Wert, der nicht nur in der Pädagogik eine große Rolle spielt. Er ist auch in der Mediation unabdingbar: Das Vertrauen der Medianden in den Mediator, dass er den Prozess schon gut leiten wird. Das Vertrauen des Mediators oder der Mediatorin in die Medianden, dass sie ihr Bestes für die Mediationsgespräche geben. Das Vertrauen der Medianden untereinander, das sicherlich am Anfang des Mediationsgespräches noch nicht da ist, aber mit zunehmender Zeit in der Mediation aufgebaut werden soll / aufgebaut wird. Und schließlich das Vertrauen aller in den Prozess der Mediation als eine gute Möglichkeit Konflike zu klären.

Kürzlich habe ich übrigens in diesem Blog postkartengroße Bildkarten zum Thema Biografiearbeit vorgestellt, die ebenfalls für verschiedene Gesprächsanlässe nützlich sein können.

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Kommunikation, Literaturempfehlungen, Schulmediation | Kommentare (0) | Autor:

Der neue Schulz von Thun kommt noch diese Woche …

Dienstag, 9. September 2014 10:49

Damit meine ich das Buch, das Bernhard Pörksen und Friedemann Schulz von Thun zusammen im Dialog verfasst haben. Es heißt „Kommunikation als Lebenskunst. Philosophie und Praxis des Miteinander-Redens“ und erscheint am 12.09.2014 im Carl-Auer Verlag. Hier im Blog die Buchvorstellung bereits vorab ganz exklusiv für meine Leserinnen und Leser …

Die großen Fragen
Die konkreten Fragen
Die letzten Fragen
- so heißen die drei großen Kapitel

Das Kommunikationsquadrat
Maximen der Verständlichkeit
Teufelskreis und Beziehungsdynamik
Das Ideal der Stimmigkeit
Kommunikation mit dem inneren Menschen
Wertequadrat und Menschenbild
- so lauten die Unterkapitel des ersten großen Kapitels

Wer jetzt denkt, das kenne ich doch schon alles, der hat sich geirrt.

Friedemann Schulz von Thun steht in der Tradition der humanistischen Psychologie, in der Tradition von Paul Watzlawick, Carl Rogers, Reinhard Tausch, Ruth Cohn und vielen anderen. Das Buch „Kommunikation als Lebenskunst“ ist in Dialogform geschrieben. Der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen spricht mit dem Psychologen Friedemann Schulz von Thun. Mal geht es humorvoll zu, mal ganz ernst. Die Lust an der Debatte ist stets zu spüren. Zunächst werden die zentralen Methoden der Kommunikationstheorie vorgestellt, dann geht es um konkrete Fragen in der Anwendung und abschließend wird das Buch mit Gedanken über das Glück und den Tod beendet.

Das Kommunikationsquadrat bzw.
die vier Ohren und die vier Schnäbel

Das Modell, das von den sechs Schulz von Thuns Modellen das Bekannteste ist, ist eindeutig das Kommunikationsquadrat. Vielleicht haben Sie sich schon immer gefragt, wie Schulz von Thun auf die vier Ohren und vier Schnäbel gekommen ist. Das und vieles mehr ist in dem Buch zu lesen. Hier im folgenden ein kleiner Buchauszug.

vier_ohren_vier_schnaebel

PÖRKSEN fragt beispielsweise: Aber suggeriert nicht auch ihr eigenes Modell die Durchschaubarkeit und Steuerbarkeit von Kommunikation? Ist diese Suggestion nicht auch ein Erfolgsgrund? Frei nach dem Motto: Hier haben wir eine Äußerung: nun zerlegen wir diese Äußerung in vier Elemente und ordnen sie der richtigen Ebene zu. Und wenn wir sie erfolgreich zerlegen und analytisch zerbröselt haben, wissen wir, was eigentlich los ist und können das Undeutliche, Rätselhafte, Diffuse einer zwischenmenschlichen Begegnung erfolgreich zurückdrängen, einordnen, domestizieren. Ihr eigenes, verborgenes Axiom der Kommunikation hieße dann, dass derjenige, der Kommunikation analysiert und alle in ihr enthaltenen Botschaften expliziert, glücklich wird. Kurz und knapp: Klarheit und Wahrheit sind der Weg zum Glück.

SCHULZ VON THUN: Um Himmels Willen, nein! Es besteht wohl die Gefahr, dass mein Kommunikationsquadrat als eine Aufforderung missverstanden wird, möglichst alle vier Botschaften stets explizit zu formulieren, das Implizite jederzeit und möglichst umfassend deutlich zu machen. Das kann in manchen Momenten eines verqueren oder schwierigen Gesprächsverlaufs eine heilsame Option sein – gut, wer es dann kann! Aber als gültige Norm würde das Gebot zur vierdimensionalen Explizitheit das menschliche Miteinander zumindest sehr umständlich machen, wenn nicht sogar plump und grell um alle Feinheiten berauben. Zur wahren Meisterschaft gehört auch die Kunst der indirekten Kommunikation, die es ermöglicht, das eigentlich Gemeinte zwischen den Zeilen so anklingen zu lassen, dass der andere dies an sich heranlassen kann, ohne gleich reagieren zu müssen.

PÖRKSEN: Aber wozu dient das Kommunikationsquadrat, wenn nicht zur Aufhellung und Einordnung dessen, was passiert?

SCHULZ VON THUN: Ich habe einmal geschrieben, dieses Modell soll helfen, kommunikativ musikalisch zu werden, aber nicht als Richtschnur für die richtigen, korrekten Töne dienen. Wenn ich die Harmonielehre studiert habe, wenn ich weiß, welche Prinzipien da wirksam sind, dann kann ich besser komponieren und improvisieren. Das ist ein ganz zentraler Punkt: Das Kommunikationsquadrat hat den Zweck, die eigene Sensibilität zu steigern und im Bedarfs- und Konfliktfall die Analyse zu ermöglichen und das gerade Mitschwingende in Worte zu fassen – aber ich schlage kein ideales Kommunikationsschema vor. (Pörksen, Schulz v. Thun: Kommunikation als Lebenskunst. Heidelberg: Carl Auer 2014, S. 32f.)

„Kommunikation als Lebenskunst“ regt zum Nachlesen und/oder Nachdenken an. Das Buch ist ein absoluter Lesespaß sowohl für diejenigen, die sich erstmalig mit der Kommunikationspsychologie befassen, als auch für diejenigen, die sich bereits gut damit auskennen. Die einen erhalten durch das Buch einen ersten Einblick, die anderen steigen in die Tiefe der Kommunikationstheorie ein.

Abschlussvorlesung Schulz von Thun in Hamburg 2009

Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Mediation mit Living Puppets

Montag, 1. September 2014 19:59

Vor einiger Zeit lernte ich Nicole Buch kennen, eine junge Mediatorin, die mit Living Puppets in der Mediation arbeitet und viel Erfolg damit hat. Ich fragte Nicole Buch, ob sie in diesem Blog über ihre Arbeit berichten würde. Sie hat zugesagt und gibt uns im Folgenden einen Einblick in Ihre Arbeit. Besten Dank, liebe Nicole, sagt Christa

Nicole_Buch_mit_Living_Puppets

Die meisten Lehrer und Schüler finden Konflikte in der Schule ermüdend und fühlen sich überfordert. Mediation kann helfen und Spaß machen. Wie soll das gehen?

In meiner Position als ehemalige Stufenleiterin einer Realschule wurde ich oftmals während eines Konflikts zwischen Schülern um eine einvernehmliche Lösung bemüht. Die Lösung des Konflikts in der Schule wird heute durch den Einsatz von pädagogischen Maßnahmen/Ordnungsmaßnahmen beispielsweise entsprechend der „Verordnung zum Hessischen Schulgesetz“ in der „Verordnung über das Verfahren bei Ordnungsmaßnahmen“ geregelt.

Hier setzt meine Inspiration an. Ich wollte nicht mehr nur auf der Basis von Maßnahmenkatalog und Regeln entscheiden, denn hier bleiben die Gefühle, Bedürfnisse und Ängste der Schüler im Abseits. Der Auslöser des Konflikts bleibt ungeachtet im Raum stehen. Konflikte verstärken sich. Schüler und Lehrer fühlen sich oftmals überfordert. Verhaltensmuster wie Ausbruch von Aggression, Unruhe, Unsicherheit oder Rückzug sind oftmals die Folge.

Mediation – die Kunst Konflikte zu lösen. Kommunizieren – Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche zu äußern, das alles noch mit einer Lehrerin, die nicht nur Fachlehrerin, sondern auch noch Stufenleitung ist und alles dem „Direx“ erzählt, das geht gar nicht. Die beiden Schüler formulierten das so: „Frau Buch, das ist alles neu, wir können Ihnen nicht alles erzählen, sie sind hier der Chef.“ Ich musste also nach einer anderen Form der Mediation suchen, aber was war schülergerecht, einsetzbar für Jungs zwischen zwölf und vierzehn Jahren, pubertär, alles kritisch sehend, außer sich selbst, keine leichte Aufgabe.

Die Recherche nach schülergerechten Methoden blieb für mich erfolglos, erst einmal. Doch im Anblick meiner Stofftiere kam mir die Idee mit den Living Puppets, die bespielbaren Puppen einzusetzen. Puppen, die bereits in der Psychotherapie und der Heilpädagogik , wie auch bei der Behandlung von Demenzkranken eingesetzt wurden, also warum nicht in der Mediation? Ein Experiment – für mich ein neuer Weg – mit Puppen und zwei neugierigen Schülern, die so gemeinsam den Konflikt bearbeiten wollten. Für mich eine neue Methode – für die Schüler eine Chance.

Die Mediation mit den Puppen verlief nach einem „normalen Mediationsmuster“, mit einem gemeinsamen formulierten Memorandum. Wir bespielten die Puppen, waren eins mit den Puppen, einzig die Puppen waren aktiv – eine andere Welt war geschaffen, eine „Traumwelt“, eine „Erzählwelt“, eine „Mediationswelt“. Die Mediation verlief in einer ruhigen, entspannten Atmosphäre. Nach Aussage der Schüler vereinfachte der Einsatz der Living Puppets den Konflikt zu bearbeiten, Gefühle und Bedürfnisse zu formulieren, denn dort saßen nicht „Frau Buch“ und „nicht der Mitschüler“, sondern dort saßen die Puppen „Lene“, „Hanna“ und „Erik“.

Meine These:
Durch den Einsatz der Living Puppets erhalten die Schüler die Möglichkeit Gefühle und Gedanken auf eine andere Person (hier die Puppe) zu übertragen. Den Schülern gibt es die Gelegenheit ihre eigenen Gedanken mitzuteilen, die sie bedrücken und beschäftigen. Die Puppe gibt Ihnen die Chance ihre eigenen Gedanken mitzuteilen ohne die Konfliktpartei direkt ansprechen zu müssen. Die Puppe gestattet im Puppenspiel die Erarbeitung von Konflikten und seelischen Belastungen, die mit dem Konflikt in Verbindung stehen.

Meine Erkenntnis aus dem Experiment Living Puppets in der Mediation:
Durch den Einsatz der Living Puppets erhalten die Schüler die Möglichkeit Gefühle und Gedanken auf eine andere Person (hier die Puppe) zu übertragen. Den Schülern gibt es die Handhabe ihre eigenen Gedanken mitzuteilen, die sie bedrücken und beschäftigen. Die Puppe gibt den Schülern die Chance ihre eigenen Gedanken mitzuteilen ohne die Konfliktpartei direkt ansprechen zu müssen. Die Puppe gestattet im Puppenspiel die Erarbeitung von Konflikten und seelischen Belastungen, die mit dem Konflikt in Verbindung stehen. Puppen haben eine beseelende, bezaubernde Wirkung. In ihren unterschiedlichen Erscheinungsbildern öffnen sie den Schülern verschlossenen Welten, regen die Fantasie und den Spieltrieb an. Gudrun Gauda vermutet, dass „das… in erster Linie an dem Abbild des Menschen liegt, da viel hineingelegt werden kann an Persönlichkeit, an Charakter und Verhaltensweisen. Puppen sind wie Menschen eben auch so, wie wir Menschen uns (gerade jetzt) selbst“ gern hätten (Quelle: Gudrun Gauda: „Theorie und Praxis des therapeutischen Puppenspiels“, 2007, S.7).

Puppen können in dem Mediationsprozess ganz unterschiedliche Funktionen übernehmen, sie können bei der Aufarbeitung folgende Problematik helfen:

  • projizieren von Problemen auf die Puppe
  • Identifikation mit der Puppe
  • Aggressionsbewältigung durch die Puppe.

Puppen arrangieren in der Mediation einen besonderen Begegnungsraum in den verschiedenen Mediationsphasen. Sie helfen Konfliktparteien Zugang zur Mediation und zu den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen zu finden, sich frei zu äußern ohne Angst vor Konsequenzen. Sie fördern letztendlich die Vertrauensbildung.

Der Schüler kann alle seine Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse in die Puppe projizieren, die er selbst nicht auszudrücken vermag, die er sich wünscht oder die ihm fehlen. Er darf lachen, weinen, aggressiv sein, leise oder laut sein… . In diesem Moment übernimmt die Puppe eine beschützende Rolle, wenn die Puppe dabei ist, fühlt sich der Schüler sicher und geborgen. In dieser Mediation spiegelt der Schüler sein inneres Erlebtes auf die Puppe. Die Puppe übernimmt eine Stellvertreterfunktion.

Die Mediation mit Puppen – nicht nur eine Methode für Schüler – auch für Erwachsene, schüchterne zurückgezogene Persönlichkeiten. Die Living Puppets sind für mich zu einem elementaren Kommunikationsgegenstand und ein wesentlicher Bestandteil, in der Mediation einsetzbar.

Dieser Artikel richtet sich an alle MediatorInnen die experimentell, innovativ und offen für Neues sind.

Living Puppets bauen Brücken und helfen persönliche Täler zu überwinden.
* “vertrauliche Geschäftsgrundlage in der Entwicklung” *

Thema: Kommunikation, Mediationsverfahren | Kommentare (0) | Autor: