Beitrags-Archiv für die Kategory 'Kommunikation'

Paul und Anton: Konflikteskalation in der Gruppenarbeit

Donnerstag, 2. Februar 2012 7:35

Paul und Anton gehen beide in die siebte Klasse des Lietzenburger Gymnasiums. Schon bei ihrer ersten Begegnung haben die beiden festgestellt, dass sie nicht sonderlich gut miteinander auskommen: Beide haben starke Persönlichkeiten und sind gerne das Alpha-Tierchen der Klasse. Bisher konnten sie sich gut aus dem Weg gehen, aber für heute hat der Lehrer Gruppenarbeit vorgesehen und hat die beiden – ob absichtlich oder unabsichtlich, ist nicht klar – in eine Gruppe mit noch zwei anderen Jungen, die beide eher ruhig und schwach wirken, gesteckt. Gruppenarbeit war noch nie ein leichtes Thema, ein jeder von uns kennt sie aus der Schule und weiß sehr gut, dass der Idealfall – ein Gespräch, bei dem jeder seine Meinung und sein Wissen kundtun kann, an dem alle etwa gleich beteiligt sind und gleich viel bestimmen – so gut wie nie eintritt oder eintreffen wird. In unserer Situation ist klar: Am vorlautesten sind Anton und Paul. Es dauert nicht lange, und wie es schon beinahe abzusehen war, sind sich die beiden nicht einig, wer im eigentlichen Referat, das Ergebnis der Gruppenarbeit sein soll, die Gliederung vorstellen darf. Die anderen beiden ruhigen Jungen werden schon gar nicht mehr gefragt. Hier ist ganz klar: Das ist ein Kampf der Leithammel und hier soll ein für alle Mal festgestellt werden, WER jetzt hier sein Territorium abstecken wird. Nachdem klar ist, dass beide Jungen die Einführung in das Referat halten wollen, fangen sie heftig an zu debattieren. Anton ruft: “Du kannst doch nichtmal besonders gut formulieren. ICH bin derjenige, dessen Redegewandtheit hier gefragt ist!” und Paul antwortet ebenso laut und aufbrausen: “Das ist gar nicht wahr! Außerdem habe ICH die Gliederung entworfen, ich möchte sie also auch vorstellen. DU hast dabei nichts zu suchen!” Schon bald schaukeln sich die Gefühle der Jungen hoch. Jeder ist überzeugt davon, dass er der eigentlich besser Geeignete für diesen Job ist und greift den anderen an um dies noch deutlicher zu machen. Dazu wird alles verwendet, was den beiden Jungen einfällt, und sie laufen in große Gefahr, etwas wirklich Gemeines zu sagen, das aus dem Spiel Ernst macht. Paul weiß zum Beispiel, dass Anton oft dieselben Kleider trägt, und benutzt diese Information, um Anton zu verletzen. Er ruft: “Ich kann das Referat viel besser einleiten als du. Und außerdem, ich seh’ auch noch besser aus dabei! In einem frisch gebügelten Hemd steh’ ich dann da vorne, und DU, du hättest bestimmt dieselben Klamotten an wie immer, hast du denn etwa keine anderen?” Anton trifft es hart, was Paul gerade gesagt hat. Aber er ist stark, nein, er wird jetzt nicht vor der ganzen Klasse, die inzwischen zuschaut, das Gesicht verlieren! Er beißt die Zähne zusammen und schluckt alle Gedanken an seine Familie, die leider nicht so viel Geld hat, herunter, und konzentriert sich auf seinen Streit mit Paul. Dem wird er es zeigen. Die Gedanken rasen in seinem Kopf, und er ruft: “Dir werd ich es schon zeigen! Wenn du noch einmal so etwas sagst, dann…” – “Dann was!? HÄH?!” Paul ist auch nicht schlecht im Kontern. “Leere Drohungen sind das, was du da sagst…” Die beiden haben längst den tatsächlichen Bezug zu ihrem ursprünglichen Streitsubjekt verloren. Im Vordergrund steht jetzt nur noch, dieses Wortgefecht nicht zu verlieren. Der Lehrer, der eher zaghaft als erfolgreich in die Situation einzugreifen versucht (“eeehh, Kinder, jetzt werdet doch mal wieder ruhig…. hallo…. könnt ihr mir mal zuhören…. eeehh…”), hat schon längst keine Chance mehr gegen das Inferno, das die beiden Siebtklässler inzwischen entfesselt haben. Die ganze Klasse beginnt Partei zu übernehmen, feuert die beiden Streithähne an und liefert neue Ideen für immer härtere Inhalte, die die Beiden sich an den Kopf werfen. Die Situation wird erst unterbrochen, als der Direktor mit roten Kopf in die Klasse platzt. Ihm fallen beinahe die Augen aus dem Kopf – wie kann eine Klasse nur DERART außer Rand und Band geraten? Er donnert mit lauter Stimme über den Lärm hinweg: “RUUUUHEEE!!!!”. Schlagartig tritt Stille ein und alle Köpfe wenden sich zur Tür um. Nur der Lehrer schüttelt immer noch den Kopf über seine undisziplinierte Klasse.

Die beiden Streithähne werden schnell als Verantwortliche für den Tumult identifiziert und zum Direktor gebeten. Als sie zu zweit auf dem stillen Gang vor der schwarzen, bedrohlich hohen Tür darauf warten, hereingebeten zu werden, beruhigen sie sich langsam. Beklemmung macht sich breit. Alle beide wissen, dass sie gemein zueinander waren, und vor allem Paul erkennt jetzt, dass er mit seinem Kommentar über Antons alte Klamotten einen Nerv getroffen hat. Im Streit war das natürlich ein Volltreffer, aber jetzt schämt er sich, so etwas aufgeworfen zu haben. Eigentlich weiß er doch, dass Antons Familie nicht besonders reich ist. Die Kleider, die Anton trägt, haben bestimmt schon seine drei älteren Brüder getragen. Vorsichtig guckt Paul hoch. Anton starrt die gegenüberliegende Wand an. Vielleicht will er gerade nicht denken, oder gar reden. Trotzdem versucht Paul es einfach.
“Du, Anton? … Schon gut, ich will nichts Böses mehr sagen.”
“Ich auch nicht.”
“Jetzt sitzen wir wohl ganz schön in der Klemme, oder?”
“Ja, richtig. Beim Direktor war ich noch nie! Aber irgendwie sind wir wohl auch selbst schuld, hm?”
“Vermutlich. Aber das mit dem Referat war mir echt wichtig! Ich wollte mal meine Note verbessern.”
“Das verstehe ich. Dann will ich auch offen zu dir sein! Nicht meine Redegewandtheit war der Grund, dass ich die Gliederung vorstellen wollte. Ich bin nur bei Referaten immer so aufgeregt und hätte deswegen gern den leichten Einstieg gegeben. Bei einer Gliederung kann ich nicht so viel falsch machen, weißt du, Paul?”
“Ja, das kann ich auch gut verstehen. Außerdem….. wollte ich sagen, dass es gemein von mir war, das mit deinen Klamotten zu sagen. Das war nicht so gemeint.”
“Ist schon okay. Du bist nicht der erste, der das sagt!” So langsam fängt Anton schon fast wieder zu lächeln an. Es tut gut, dass Paul sich entschuldigt hat. “Wenn du möchtest, können wir uns ja ab jetzt bei dem Referat unter die Arme greifen. Ich kann gut formulieren, und du weißt besser über die Inhalte Bescheid.”
“Au ja!” – auch Paul findet es gut, dass sich die beiden nun nicht mehr bekriegen. “Ich glaube, wir wären ein gutes Team.”

“Hhhmm-hhhhmm!” Auf einmal erklingt ein Räuspern hinter den beiden. Erschrocken drehen sie sich um, und sehen Direktor Lange im Türrahmen stehen. Er guckt immer noch sehr streng. Er mustert die beiden Jungen von oben bis unten, die jetzt wieder ganz verschüchtert den Kopf zwischen ihre Schultern schieben und ganz schuldbewusst gucken. “Nun gut. Ich bin mit eurer Lösung einverstanden. Unter einer Bedingung.” Prüfend schaut Direktor Lange beiden Jungen in die Gesichter, die jetzt schon etwas fröhlicher dreinschauen. “Ihr werdet auch die beiden anderen Jungen aus eurer Gruppe akzeptieren und an dem Referat mitarbeiten lassen. Auch sie können eure Gruppe stark machen. Und ihr werdet vor der Klasse erklären, dass euer Verhalten falsch war. Den armen Herrn Grümpel habt ihr wirklich erschreckt.” Ist da etwa ein kleines Lächeln unter dem Rauschebart vom Direktor erkennbar? Die Jungen finden ihn jetzt gar nicht mehr so furchterregend. “Das machen wir!” entscheiden sie.

Nachdem der Direktor sie entlassen hat, gehen die beiden Jungen schweigend nebeneinander zur Klasse zurück. Als Anton die Klinke runterdrücken will, sagt Paul: “Warte!! Wer von uns beiden macht denn jetzt eigentlich die Gliederung?” – “Achja! … Ich glaube, das kann jemand anderes aus unserer Gruppe machen, findest du nicht?” – “Klasse Idee!” Und zufrieden lächelnd betreten die beiden das Klassenzimmer.

Text:
Irina Günther, UdK Berlin

 

Die Geschichte von Paul und Anton ist wahrlich ein Lehrstück zur Konflikteskalation und auch zur Konfliktdeeskalation. Ich habe mit Absicht den Text zur Eskalation in einen einzigen Absatz gesetzt, so kann jede und jeder selber versuchen herauszufinden, wo die nächste der neun Eskalationsstufen beginnt.

Die neun Stufen der Konflikteskalation von Friedrich Glasl:

  1. Verhärtung
    Die Standpunkte verhärten sich und prallen aufeinander. Das Bewusstsein bevorstehender Spannungen führt zu Verkrampfungen. Trotzdem besteht noch die Überzeugung, dass die Spannungen durch Gespräche lösbar sind. Noch keine starren Parteien oder Lager.
  2. Debatte
    Es findet eine Polarisation im Denken, Fühlen und Wollen statt. Es entsteht ein Schwarz-Weiß-Denken und eine Sichtweise von Überlegenheit und Unterlegenheit.
  3. Aktionen
    Die Überzeugung, dass „Reden nichts mehr hilft“, gewinnt an Bedeutung und man verfolgt eine Strategie der vollendeten Tatsachen. Die Empathie mit dem „Anderen“ geht verloren, die Gefahr von Fehlinterpretationen wächst.
  4. Koalitionen
    Die „Gerüchte-Küche“ kocht, Stereotypen und Klischees werden aufgebaut. Die Parteien manövrieren sich gegenseitig in negative Rollen und bekämpfen sich. Es findet eine Werbung um Anhänger statt.
  5. Gesichtsverlust
    Es kommt zu öffentlichen und direkten (verbotenen) Angriffen, die auf den Gesichtsverlust des Gegners abzielen.
  6. Drohstrategien
    Drohungen und Gegendrohungen nehmen zu. Durch das Aufstellen von Ultimaten wird die Konflikteskalation beschleunigt.
  7. Begrenzte Vernichtungsschläge
    Der Gegener wird nicht mehr als Mensch gesehen. Begrenzte Vernichtungsschläge werden als „passende“ Antwort durchgeführt. Umkehrung der Werte: ein relativ kleiner eigener Schaden wird bereits als Gewinn bewertet.
  8. Zersplitterung
    Die Zerstörung und Auflösung des feindlichen Systems wird als Ziel intensiv verfolgt.
  9. Gemeinsam in den Abgrund
    Es kommt zur totalen Konfrontation ohne einen Weg zurück. Die Vernichtung des Gegners zum Preis der Selbstvernichtung wird in Kauf genommen.

zitiert aus: Gugel, Günther: Praxisbox Streitkultur. Tübingen: Institut für Friedenspädagogik 2010. Vgl. dazu ausführlich: Glasl, Friedrich: Konfliktmanagement: Ein Handbuch zur Diagnose und Behandlung von Konflikten für Organisationen und ihre Berater. Bern u.a. 8. Aufl. 2004, S. 218 f.

 
Mein Vorschlag für die Bearbeitung des Themas Konflikteskalation / Konfliktdeeskalation in der Ausbildung von Streitschlichtern bzw. Konfliktlotsen in Schule: Kopieren Sie die Geschichte. Kopieren Sie Stufen der Konflikteskalation. Lassen Sie die SchülerInnen die Stufen der Konflikteskalation den verschiedenen Textpassagen zuordnen. Auf welcher Eskalationsstufe nimmt der Konflikt den Weg zur Deeskalation und warum? Falls Zeit ist, können anschließend Bilder zu den einzelnen Stufen gemalt werden.

Und ähnlich kann man natürlich auch mit der Konfliktdeeskalation im Text umgehen: Fragen Sie Ihre SchülerInnen, was zur Deeskalation in diesem Komflikt beigetragen hat und lassen Sie dies auf ein großes Plakat schreiben, das sie anschließend an die Wand hängen.

Zur Deeskalation finden Sie in diesem Blog bereits eine andere Geschichte, in der beschrieben wird, wie die Schülerin Sabine in einem Konflikt mit ihrem Lehrer deeskalierend kommuniziert …

Herzlichen Dank an Irina Günther zur Abdruckgenehmigung für diesen Text.
Christa D. Schäfer

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Unterrichtsstörung – Physik siebte Stunde

Mittwoch, 1. Februar 2012 10:12

Es ist an einem ganz normalen Donnerstag. Siebte Stunde Physik, 14.00 Uhr.

Die Schüler tummeln sich unruhig wartend auf dem Gang, stecken ihre Augen noch einmal schnell in die krakeligen Physikformeln und warten. Peng, die Tür springt auf. Der Physiklehrer steht am Anfang des Gangs zum Physiktrakt. „ACHTUNG ER IST DAAA, ER KOMMMT!“, ruft ein Schüler. Es wird mucksmäuschenstill. Geladen wie eine rollende Dampfwalze und mit hochrotem Kopf erreicht der dicke Alte schnaufend den Raum und schließt die Tür auf. Die Schüler stürmen herein, die hölzernen Stühle zerhacken den Boden, die Fenster werden geöffnet und von wütenden Mädchen, die immer frieren, wieder zugeknallt. Der Lehrer kneift seine Augen zusammen. Er denkt sich im Inneren „Na toll, die sehen aber wieder motiviert aus. Und diese drei kleinen blonden frechen Jungs lachen mich doch permanent aus. Ja, die machen sich über mich lustig. Da – da haben wir’s. Schon wieder lachen sie. Und diese Sabine. Wie sie schon wieder gelangweilt und träge da sitzt. Jede Stunde dieses fahle Gesicht. Für nichts zu begeistern. Die hat doch was gegen mich. Die guckt mich jede Stunde so an, als hätte sie was gegen mich. Die guckt mich angewidert an! Das ist kein Spaß. Ich seh’s doch genau, bin doch kein Blinder. Na woll’n wir doch mal sehn, der werd ich’s schon zeigen. Dann woll’n wir mal sehn, wer hier am längeren Hebel sitzt. (Insgeheim grinste Herr Schniedler in sich hinein.) Ohne eine Begrüßung geht der Unterricht auch schon los. „SO“, schreit er und führt mit gereizter und angespannter Stimme fort: „es gibt ja IMMER noch Leute unter euch, DIE MIR JETZT GERNE IHRE HAUSAUFGABEN VORTAGEN, SABINE, AN DIE TAFEL!“

Sabine hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Sie hat es versucht, aber nach zwei Sekunden aufgegeben. Sie hat einfach nichts verstanden. Sie ist ein schüchternes Pferdemädchen. Sie hat es nicht hinbekommen. Sie hat wahllos irgendwelche Formeln aufgeschrieben, um wenigstens etwas im Heft stehen zu haben. Aber, sie hat es wenigstens versucht.

„AUF WAS WARTEST DU, WIR WOLLEN ALLE AUCH IRGENDWANN NOCHMAL NACH HAUSE“. „Ääähm…. Herr.. Herr Schniedler… ich … hab’ das noch nicht so ganz verstanden …“ „WAS GIBT ES DENN DA NICHT ZU VERSTEHN?“, schallt es ungedulig aus ihm heraus, als hätte er durch ein viel zu lautes Mikrophon gesprochen. „Ehm naja …“

„FRECHHEIT, VERSUCH ES DOCH WENIGSTENS, AUF, MACH JETZT. AN DIE TAFEL. MENSCHENSKINDER, HERRGOTTNOCHMAL“ Seine Stimme wirkt mächtig wie ein Donnergrollen. Alle sind ernst, keiner wagt sich mehr zu lachen oder dem Lehrer in die Augen zu sehen. Denn: Anscheinend hatte niemand die Hausaufgaben so richtig verstanden. Und jeder wusste, ein falsches Wort und der Vulkan bricht aus! „ES KANN DOCH NICHT ANGEHN BEI SO EINER LEICHTEN AUFGABE EINFACH NICHTS ZU SAGEN ZU HABEN. MÄDCHEN“ Herr Schniedler stampft wütend mit seinem Bein auf den Boden und es tat einen Schlag! Jeder im Raum erschreckt sich. Die Schülerin, die Sabine, die fängt an zitternd, zu weinen. „DAS IST DOCH JETZT KEIN GRUND ZU WEINEN“, schrie er erboßt, „DU HAST ES EINFACH NICHT GEMACHT, JETZT SIEH ZU, DASS DU DEINEN MUND AUFMACHST“. Ein Schüler ist ergriffen vom Zorn und schreit wutentbrannt: „DAS KANN DOCH NICHT SEIN, DASS EIN LEHRER EINE SCHÜLERIN SO ANSCHREIT, WEIL SIE ETWAS NICHT VERSTANDEN HAT.“ Danach war der Schüler heiser und die Stunde, die Stunde war dahin. Dann meldete sich ein freiwilliger Streber, ein Physik-Ass und löste die Aufgabe.

Einen Tag später geht Sabine, nachdem sie sich mit einer Vertrauenslehrerin beraten hat, in Herrn Schniedlers Sprechstunde.

„Herr Schniedler, mir ist die gestrige Physikstunde nicht mehr aus dem Kopf gegangen, ich weiß nicht wie es Ihnen geht. Auf jeden Fall wollte ich mich entschuldigen, dass ich die Hausaufgaben nicht gemacht habe. Ich habe es ja versucht, aber habe keinen kompletten Lösungsweg gefunden.“

„Sabine, verstehe mich nicht falsch, aber du bist mir schon öfters aufgefallen, dass du Hausaufgaben offensichtlich nicht gemacht hast. Aber wenn du schon Lösungsansätze hast, warum hast du diese denn nicht einfach vorgeschlagen? Das ist doch schon mal ein gutes Zeichen wenn wenigstens jemand ein bisschen was hat.“

„Ganz ehrlich Herr Schniedler, ich hatte den Eindruck, dass sie so extrem gereizt gewesen waren, … da habe ich mich einfach nicht mehr getraut.“

„Jaa, da könntest du recht haben. Weißt du, ich bin immer ganz unterzuckert, weil es die 7. Stunde ist und ich wurde in der großen Pause davor gerade noch zu einem Pausenaufsichtsdienst verdonnert. Und ja, ich hätte nicht so rumbrüllen brauchen. Dafür möchte ich mich entschuldigen.“

„Dann machen wir doch ein Abkommen. Sie sorgen dafür, dass Sie nicht völlig ausgehungert zur Stunde erscheinen und wir versuchen die Hausaufgaben besser zu lösen, unter der Voraussetzung, dass Sie sich Mühe geben und nicht gleich an die Decke gehen, wenn jemand etwas nicht weiß.“

„Ja Sabine, so machen wir es. Ich danke dir, dass du das Thema angesprochen hast. Das zeigt mir, dass dir das Fach nicht ganz egal ist.“

Text:
Melanie Schaum, UdK Berlin

 

Dieser Text ist in meinem Seminar an der UdK zum Thema „Konflikte in und um Schule“ entstanden. Vollkommen realistisch wird im Text die Situation einer Unterrichtsstörung geschildert. Herr Brummig würde sagen: Sabine hat den Unterricht gestört. Die Schüler der siebten Klasse würden sagen: Herr Brummig ist mal wieder total mies drauf und macht scheiß Unterricht.

Der Vertrauenslehrerin aber kommt ein großer Verdienst in dieser Geschichte zu. Sie hat es geschafft, Sabine so aufzubauen, dass diese sich traut zu Herrn Brummig zu gehen und den entstandenen Konflikt gut zu lösen.

Dabei nutzt sie viele Möglichkeiten, die im Konfliktfall deeskalierend wirken:
Sie sucht den Kontakt und das Gespräch mit Herrn Brummig.
Sie verzichtet im Gespräch auf eine anklagende Haltung.
Sie macht ihr eigenes Verhalten transparent.
Sie zeigt Verantwortung für ihr Verhalten.
Sie interessiert sich für die Sichtweise von Herrn Brummig.
Sie nimmt die Interessen von Herrn Brummig ernst.
Sie schlägt eine Lösung vor, die sowohl ihr als auch Herrn Brummig entgegen kommt.

Ob Herr Brummig in der Realität allerdings so zugänglich wäre, wenn Sabine zu ihm kommt, das weiß man nicht. Dennoch könnten sich verschiedene real existierende Lehrer Brummig an Sabines deeskalierender Kommunikation und ihrem konstruktivem Konfliktlöseverhalten ein Beispiel nehmen …

Besten Dank an Melanie Schaum für dieses wunderbar Beispiel
sagt Christa Schäfer

 

Weitere Geschichten zum Thema Unterrichtsstörungen …

Und ein ganzes Buch über Unterrichtsstörungen …

Thema: Kommunikation, Konflikte, Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

Kommunikation in der Familie

Montag, 19. September 2011 22:44

„Lilly, zwei Jahre alt, will, was Lilly will. Also viel und auf jeden Fall immer das andere. Das Wurstbrot ohne Brot. Die linke Birne, nicht den rechten Apfel. Keine Spange, eine Spange. Dienstagmorgen kam ich in den Genuss einer zweistündigen Sinnlos-Diskussion über eine Strumpfhose, die sie nicht anhaben wollte, ich aber fand, sie sollte sehr wohl. Über ein Schlafanzugoberteil, das ich ihr über den Kopf zog. Und sie wieder runter. Über eine Socke, die sich sich vom Fuß zupfte, so bald ich versuchte, auch Nr. 2 an die Frau zu bringen. Hallo???!!!
Ich bin einundvierzig, und dieser Zellhaufen ist zwei!“

„Natürlich zählt die textile Wartung und Pflege eines zweijährigen sich sträubenden Schmutzfinks zu den Standardanforderungen des Mutterhandwerks. Aber ich bin Mama 2011. Mein Kind soll niemals weinen, es soll immer nur lachen. Es soll später allen erzählen, was für ein Riesenglück es war, vom Klapperstorch über unserem Haus abgeworfen zu werden. Und nicht bei der blöden Tante aus dem Haus gegenüber. Ich will, dass es voller Liebe ruft: „Ich habe mein Fehlverhalten eingesehen und kooperiere gerne!“ Und ich glaube, unsere Lilly ist da schon auf dem besten Weg. Sie kann sich halt nur noch nicht so gut ausdrücken, die kleine Maus: „Mama, böse!!!““

„Für XY-Chromosomenträger sind Problemgespräche purer Stress. Will sagen: Mit Schatzi kannst du über alles reden. Hauptsache, es geht nicht um Probleme. Als Mann hasst er Probleme. Insbesondere solche, die ihm seine eigene Frau erzählt. Und noch insbesonderer solche, die er nicht mit „ja“ oder „nein“ beantworten kann. Natürlich hat er auch diese klassischen tief verwurzelten Männerängste. Niemals zum Beispiel würde er irgendein Problem einfach so an sich reißen und zu seinem erklären. Nachher hänge ich noch dran, wer weiß?
Als Frau warte ich beim Telefonieren auch immer vergeblich auf ein Grunzen oder Schnarchen am anderen Ende der Leitung. Also irgendein Geräusch, das mir das Gefühl gibt, mein mit mir verheirateter Gesprächspartner ist noch am Leben. Stattdessen gewinne ich schnell den Eindruck: Muddi ist der akustische Spam hier, immer dicht am Mülleimer. Und Schatzi die wachere, unüberwindbare, ein Meter dreiundachtzig hohe Firewall – erschaffen, das Paradies vor dem Untergang durch Probleminvasion zu bewahren.
Dabei stehen die ganze Zeit zwei Fragen im Raum – natürlich breitbeinig, wie sich das gehört, und mit viel hosentaschentechnischem Kleingeldgeklöter: Ist Schatzi vielleicht ein schlechter Zuhörer?
Ach nein! Iwo!
Zuhören und Antworten sind einfach nur zwei im Männerhirn völlig voneinander abgekoppelte Prozesse.“

Das zum Thema „Kommunikation in der Familie“ …
Gelungene Kommunikation?
Kommunikation, die bekannt anmutet?

Auf jeden Fall jedoch Kommunikation, die amüsiert und zum Denken anregt -
und ein Text, der zum Schmökern da ist.

Gerne stelle ich Ihnen mit obigen Zitaten das neue Buch “Der Tag, an dem ich beschloss, meinen Mann zu dressieren“ von Katja Kessler vor.

Dr. Katja Kessler ist promovierte Zahnärztin, die vier Jahre lang als Gesellschaftkolumnistin bei der BILD-Zeitung war, dann zwei erfolgreiche Dieter-Bohlen-Biografien schrieb, mit ihrem ersten Roman „Herztöne“ auf der Spiegel-Bestsellerliste landete, deren Schwangerschaftsratgeber „Das Mami-Buch“ in acht Sprachen übersetzt wurde, und die jetzt bereits das zweite Buch über „Schatzi“ und ihre Familie geschrieben hat. Katja Kessler hat vier Kinder, wohnt in Potsdam und ist mit dem Bild-Chefredakteur Kai Diekmann verheiratet.

Das Buch ist sehr kurzweilig, es ist rasant zu lesen und kommunikationstheoretisch höchst interessant. Gerne würde ich in dieser Familie die Kommunikation mal einen Tag live verfolgen, und sicherlich wäre es interessant zu wissen wie dort Konflikte gelöst werden, welche Lieblingsthemen es zwischen Kindern und Erwachsenen gibt, usw. usw.

Nicht so lustig, aber dafür sehr lehrreich ist übrigens folgendes Buch zum Thema:
„Kommunikations- und Konfliktmangement für Eltern

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

„Es kostet viel Zeit und Energie, mich zu beseitigen. Ich bin oft …

Montag, 18. April 2011 7:00

ein Problem für den Lehrer oder den Referendar. Durch mich kommen manche Lehrer ungern in die Klasse. Ich schaffe es, sie zur Weißglut zu bringen und ich kann sie im schlimmsten Fall sogar von der Schule vertreiben. In den Medien wird viel über mich berichtet. Oft bin ich kaum sichtbar und manchmal ist Unterrichten wegen mir kaum möglich.
Wer bin ich?
Ich bin die Unterrichtsstörung!“

Das ist der Anfang einer Arbeit von Muriel Most, einer angehenden Kunstpädagogin, die sich mit den Möglichkeiten der Lehrer-Schüler-Konferenz von Thomas Gordon zur Bewältigung von Unterrichtsstörungen beschäftigt hat.

Die Lehrer-Schüler-Konferenz von Thomas Gordon,
was ist denn das?
wer kennt die denn heute noch?
ist die heute überhaupt noch aktuell?
was kann man damit in der Schule anfangen?
wie kann man das Gordon-Lehrertraining heute in Schule nutzen?

Das sind nur einige der Fragen, die sich Muriel Most gestellt und beantwortet hat.

Thomas Gordon (1918-2002), ein Psychologe aus Chicago, hat bereits 1977 sein Buch „Die Lehrer-Schüler-Konferenz“ in der ersten deutschen Ausgabe vorgelegt. Basierend auf wissenschaftlichen Grundlagen und der humanistischen Psychologie Carl Rogers beschäftigt sich dieses Buch mit der großen Bedeutung der Kommunikation und der gewaltfreien Konfliktlösung für Lehrer-Schüler-Beziehungen. Die Begrifflichkeiten: Sprache der Annahme, aktives Zuhören, Ich-Botschaften und die Konfliktlösung mit der Methode III sind heute im Bereich der Kommunikationstheorie nicht mehr wegzudenken.

In der Arbeit von M. Most wird zunächst das Konzept von Thomas Gordon vorgestellt, indem seine Zielsetzung und seine Methoden geschildert werden. Im nächsten Schritt wird das Konzept bewertet und vor allem daraufhin untersucht, inwieweit es dazu beitragen kann, Unterrichtsstörungen im zeitgemäßen Unterricht zu minimieren, zu lösen oder im Idealfall gar nicht erst auftreten zu lassen. Anschließend werden Überlegungen dazu angestellt, wie der Lehrer bzw. die Lehrerin Schülern das Konzept von Gordon ganz oder teilweise nahe bringen kann. Hierzu hat Muriel Most Signalkarten und weiteres Anschauungsmaterial erarbeitet, das LehrerInnen und SchülerInnen helfen soll, das Konzept von Gordon zu verstehen. Mit diesem Material können insbesondere die an Schule beteiligten Akteure die Problem- und Konfliktbewältigungsmethode Thomas Gordons kennen lernen. Sie haben mit diesen Signalkarten die genauen Schritte bildlich vor Augen, die nach Gordon benötigt werden, um einen Konflikt erfolgreich zu lösen.

Gerne können sie hier die gesamte Arbeit zum Thema „Das Gordon-Lehrertraining heute – Vorschläge für den Einsatz im zeitgemäßen Unterricht“ lesen oder herunterladen (bitte dazu auf die rote Schrift klicken). Und natürlich möchte ich Ihnen auch die wunderbaren Signalkarten zum aktiven Zuhören sowie zu den sechs Stufen der Konfliktlösung nach Gordon nicht vorenthalten:

Aktives Zuhören und Ich-Botschaften betonen Ohr und Sprache als Voraussetzung einer gewaltfreien Konfliktlösung.

Gordon: Aktives Zuhören

Die Signalkarten 1 bis 6 verdeutlichen die sechs Stufen der niederlagelosen Methode der Konfliktlösung nach Thomas Gordon.

Gordon Gordon ...
Gordon ... Gordon

 

Besten Dank an Muriel Most für die Genehmigung zum Abdruck des Materials
sagt Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Konfliktberatung, Literaturempfehlungen, Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

Wann ist eine Frage eine gute Frage?

Montag, 4. April 2011 7:33

Eine Frage erfüllt immer zwei Funktionen und verbindet immer mindestens zwei Menschen miteinander. Derjenige, der fragt, ist neugierig, interessiert sich und will mehr wissen. Der Befragte hat etwas zu sagen, das interessant ist, bei dem anderen weitere Fragen auszulösen. Eine Frage ist im Sinne einer Lösungsorientierung eine gute Frage,

  • wenn sie nicht sofort beantwortet werden kann.
  • wenn sie Gedanken auslöst, die sich der Befragte bis dahin noch nicht gemacht hat.
  • wenn der Befragte Zeit braucht, um sich mit neuen Gedanken auseinanderzusetzen.
  • wenn die Frage neue Perspektiven eröffnet bzw. das Handlungsspektrum erweitert.
  • wenn die Frage ein Stück weit das System „verstört“, also eine Änderung hervorruft.
  • wenn die Frage eine neue Perspektive, neue Gedanken bzw. neue Lösungsmöglichkeiten herausfordert.

Fragen sind gut, wenn sie das Handlungs- und Denkspektrum des Befragten erweitern. „Die kleine Psychotherapeutische Schatzkiste“ von Andrea und Filip Caby stellt eine ganze Reihe von Fragetpyen und Interventionen für unterschiedliche Berufsbilder vor.

Was empfiehlt die Psychotherapeutische Schatzkiste …

… wenn ein Mediand mit dem Satz aufwartet:
„Sie sind unsere letzte Hoffnung“?

Dann wird dadurch einerseits deutlich, wie groß der Druck des Medianden ist, aber auch, wie groß der Druck für den Mediator sein kann. Druck im Prozess ist jedoch nicht gut, und mögliche Interventionen sind Sätze wie:

„Woran werden Sie merken, dass es gut war, Ihre letzte Hoffnung bei mir eingesetzt zu haben?“
„Wenn es stimmt, dass die Hoffnung zuletzt stirbt, muss ich mir dann jetzt Sorgen machen?“
„Wir sollten uns auf die „Vorletzte“ einigen!“
„Ich kann Sie beruhigen, nach mir gibt es auch noch jemanden.“

… wenn ein Mediand Ihnen als Mediator mitteilt:
„Wir haben schon alles probiert“?

„Alles ausprobiert“ heißt im Streitfall leider auch oft „zu früh aufgehört“. Deshalb lohnt es sich genauer hinzuschauen, zum Beispiel mit folgender Frage:

„Was von dem hat am besten funktioniert? Und was genau? Und was haben Sie da gerade anders gemacht?“

… einer Lehrkraft, die bei aggressivem Verhalten eines Schülers / einer Schülerin nicht weiterkommt und das Gespräch mit ihm / ihr sucht?

Sie empfiehlt für die gesamte Klasse die Nutzung von Ansätze wie Entspannungstechniken und den Aufbau sozialer Kompetenzen. Für das pädagogische Einzelgespräch mit dem aggressiven Schüler schlägt die Schatzkiste ein Repertoir aus fünf verschiedene Indikationen vor: Fragen nach Ausnahmen, Externalisieren, Zirkuläres Fragen, Beobachtungsaufgaben und So-tun-als-ob.

Beim Externalisieren kann gerade mit jüngeren Schülern gut im „Zwei-Instanzen-Modell“ gearbeitet werden. Eine Instanz des Schülers ist die des aggressiven Bösen, die zweite Instanz ist diejenige, die das Kind eigentlich sein möchte. „Ich habe den Eindruck, es gibt Zwei von Dir – der eine Part ist aggressiv, der andere ist nett.“ In meinen Arbeiten mit aggressiven SchülerInnen beschreiben viele der Schüler sogar selber diese Instanzen, indem sie darüber berichten, dass zwei kleine Männchen bzw. zwei Stimmen sie leiten. Während das eine Männchen sagt: „Schlag zu“, mahnt das andere Männchen „Sei ganz ruhig und besonnen.“ Manche Schüler bauen dieses Modell sogar so aus, dass sich die beiden Stimmen / die beiden Männchen unterhalten können und sie selber dadurch unterstützt werden, weniger aggressiv zu sein.

Es ist stets spannend, in diesem Bereich mit Schülerinnen und Schülern zu arbeiten !!

Die kleine Psychotherapeutische Schatzkiste ist übrigens ein sehr zu empfehlendes Buch von Andrea und Filip Caby aus dem Borgmann Media Verlag, das viele Tipps und Tricks für kleine und große Probleme vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter bereit hält. Es ist für Ärzte, Therapeuten, Behandelnde, Berater (LehrerInnen und MediatorInnen) geschrieben, die alle von den Hinweisen im Buch profitieren können. Das erste Kapitel des Buches enthält eine kurze theoretische Einführung zu Fragetechniken und zur Gesprächsführung. Wichtig zu wissen, dass die Gedanken im Buch einen systemischen Hintergrund haben. Der Klient / Patient / der zu Beratende wird nicht als isoliertes Individuum betrachtet, sondern mit alle dem herum, das man „System“ nennt. Es wird geschaut, wie aus einem Problemsystem ein Lösungssystem werden kann. Dazu werden in den nächsten Kapiteln ganz unterschiedliche und vielfältige Interventionen vorgeschlagen.

„Übrigens: Das Problem an sich ist auch schon eine versuchte Lösung!“ (Buch S. 19)

„Ein Symptom bekommt seine Bedeutung durch seinen Kontext.“ (Buch S. 21)

„Der Mensch kennt die Lösung seines Problems,
er weiß nur nicht, dass er sie kennt.“
(Milton Erickson)

Alles Gute für die Lösung Ihrer Probleme
wünscht Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

Teufelskreise im Schulalltag

Donnerstag, 10. März 2011 12:00

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“
(WATZLAWICK et al., 1990, S. 53)

1967 stellten Paul Watzlawick et al. diesen einfachen Satz als das erste ihrer Fünf Axiome der Kommunikation auf und beschritten damit neue Wege auf der Suche nach Lösungen von Kommunikationsproblemen. Die Erkenntnis, dass Kommunikation permanent also auch unbewusst und nonverbal stattfindet, verstehe ich als ersten Schritt mögliche Probleme überhaupt zu erkennen. Friedemann Schulz von Thun entwickelte daraufhin in den 70er Jahren das „Kommunikationsquadrat“, das besagt, dass jede Kommunikation – verbal oder nonverbal – vier Seiten hat: die Beziehungs-, die Sach-, die Appell- und die Selbstoffenbarungsebene.

Ein einfacher Satz, wie: „Du siehst aber gar nicht gut aus.“ enthält alle diese Ebenen. Zum einen, dass ich den Eindruck habe, dass mein Gegenüber nicht gut aussieht, dass ich mir Sorgen um sein Befinden mache und ich möchte ihn auffordern mir zu erzählen, was ihn bedrückt. Der Empfänger interpretiert die Aussage selbst und entscheidet danach, wie er darauf reagiert. Vielleicht hört er die Appellebene und vertraut sich mir an, er könnte aber auch empört sein über meine Einschätzung seines Aussehens und empfindlich beleidigt reagieren. Besonders wichtig ist dabei die Beziehung, die die beiden Kommunikatoren zueinander haben.

Für den Schulalltag wird schnell klar, dass eine sensible Umgangsweise mit Kommunikation hilfreich sein kann. Hunderte von Schülern und Lehrern treffen jeden Tag aufeinander. In der brisanten Situation, dass die Schüler der mehr oder weniger willkürlichen Bewertung der Lehrer ausgesetzt sind, entstehen ständig Konfliktpotentiale. Dazu kommen noch die Eltern, die meist hinter ihren Kindern stehen und ihre eigenen Vorstellungen von Erziehung und Entwicklung haben. Auch Konflikte zwischen Lehrerkollegen und zu ihren Vorgesetzten sind an der Tagesordnung. Konflikteskalationen werden dabei auch gerne mal in den Medien behandelt, so etwa Gewaltprobleme an der Rütlischule, die seitdem immer mehr zur Musterschule avanciert und die Frage nach der „richtigen Lehrmethode“, jüngst diskutiert in Berlin am Beispiel von Frau Sarrazin.

„Ja, dass du einfach zum Beispiel – Konflikte in der Weise austrägst, dass du dem aus dem Wege gehen möchtest, ne?!“ (Frank, Studienrat, 58)

Kommunikationsprobleme haben die Tendenz sich zu vertiefen und immer schwieriger lösen zu lassen. Dieses Phänomen wird auch alltagssprachlich als Teufelskreis bezeichnet, also als Situation, die scheinbar keinen Ausweg bietet. Das kommt daher, dass Sender und Empfänger den Ablauf ihrer Kommunikation unterschiedlich gliedern und ihr Verhalten meist als Reaktion auf den anderen verstehen. Watzlawick nannte dies die Interpunktion von Ereignisfolgen. (Vgl. WATZLAWICK et al., 1990, S. 61) Bei Schulz von Thun stellt sich das als Kreislauf von Innerungen und Äußerungen dar, den er Teufelskreis nennt. Eine Aktion der einen Partei wird aufgenommen und verarbeitet und erzeugt eine Reaktion, die wieder aufgenommen und verarbeitet wird und so weiter. Dabei lässt sich am Ende gar nicht mehr sagen, wer zuerst agiert oder reagiert hat. Die Parteien erleben sich selbst nur als Reagierende und sehen nicht, dass sie mit ihrer „Reaktion“ wieder eine Reaktion provozieren. (Vgl. SCHULZ VON THUN: Miteinander reden 2, 2006, S. 28–37)

Teufelskreise bezeichnen nach Wikipedia den Begriff des Teufelskreis, auch circulus vitiosus (lat.: „schädlicher Kreis“), als ein System, in dem mehrere Faktoren sich gegenseitig verstärken und so einen Zustand immer weiter verschlechtern.
(http://de.wikipedia.org/wiki/Teufelskreis, eingesehen am 14.02.2011)

Für mich stellte sich die Frage nach einer möglichen Anwendung des Teufelskreismodells von Schulz von Thun im Schulalltag und ich versuchte anhand zweier Interviews mit einem Studienrat mit 30-jähriger Erfahrung und einer Sonderschullehrerin herauszufinden, inwiefern Teufelskreise in der Schule auftreten und wahrgenommen werden. Dabei wurden die beiden von mir zuvor nicht über das bestehende Teufelskreismodell von Schulz von Thun informiert, sondern gaben ihre Antworten ausgehend von ihrer eigenen Definition von Teufelskreisen. Ich konnte festhalten, dass das Verständnis für Teufelskreise bei beiden da war, jedoch unterschiedlich bewusst wahrgenommen wurde. In beiden Gesprächen wurden Probleme mit Schülern und Eltern als weniger belastend und einfacher zu lösen geschildert. Es wurden jedoch auch aktuelle Probleme angesprochen, die vor allem im Verhältnis zu anderen Kollegen und Vorgesetzten bestanden. Während auf der einen Seite offensichtlich konstruktiv damit umgegangen wurde, steckte mein zweiter Interviewpartner schon sehr tief in einen Teufelskreisen fest und ist selbst nicht mehr in der Lage sich daraus zu befreien.

„Also ‚geht gar nicht‘ würd ich nicht sagen, das wäre zu negativ und dann glaub ich, dann is man wahrscheinlich auch irgendwo n Stück weit gescheitert.
Das will ich für mich selber auch nicht, also für mich muss es immer ein ‚Geht nicht, gibt’s nicht‘ sein.“
(Marie, Sozialschullehrerin, 37)

Ich denke, dass die Kommunikationsfähigkeit eine der Schlüsselfähigkeiten eines guten und gesunden Lehrers ist. In einem Beruf, wie dem des Lehrers, der durch Kommunikation stattfindet, kann die Empfehlung an dieser Stelle nur sein, sich der Vielschichtigkeit von Kommunikation bewusst zu sein und den Einfluss von unterdrückten Problemen auf die eigene Psyche nicht zu unterschätzen. Das Wissen um Teufelskreise schafft einen klaren Vorteil. Von einer Metaebene her Kommunikation zu betrachten und die streitenden Parteien, weg von den Äußerungen, auf die Innerungen des jeweils anderen aufmerksam zu machen oder im Umgang mit den Schülern selbst immer wieder darauf zu achten, wie man reagiert und warum, sollte die Möglichkeiten schaffen, vielen Konflikten von vornherein die Schärfe zu nehmen oder sie im gemeinsamen Gespräch zu beseitigen.

In ausweglosen Situationen sollte nicht darauf verzichtet werden, Hilfe von außen – Gespräche mit Kollegen, Freunden, Mediation, etc. – zu suchen und anzunehmen.

Dominik Mühe
(März 2011)

Literatur:

  • Schulz von Thun, Friedemann: Miteinander reden 2. Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung, Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, Sonderausgabe 2006
  • Watzlawick, Paul; Beavin, Janet B.; Jackson, Don D.: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien, Bern; Stuttgart: Verlag Hans Huber, 8. Aufl. 1990
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Teufelskreis, eingesehen am 14.02.2011

Mehr zum Thema “Das Teufelskreismodell Schulz von Thuns im Schulalltag”
gibt’s hier …

Thema: Kommunikation, Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte …

Montag, 31. Januar 2011 7:23

oder man könnte auch sagen:
Wenn zwei sich streiten, mediiert die Dritte …

Das Thema „Aphorismen und Sprüche in der Mediation“ ist ein Thema, das bisher keine große Rolle im Mediationsgeschehen spielt. Lediglich Ed Watzke verweist in seinem Buch „Wahrscheinlich hat diese Geschichte gar nichts mit ihnen zu tun …“ auf den interessanten Umgang mit diesen Methoden in der Mediation.

Das Thema Fragen in der Mediation war schon öfters Thema in diesem Blog, das Thema Aphorismen weniger. Dabei können Aphorismen wertvolle Denkanstöße geben und gezielt zum Weiterkommen in einem Prozess verwendet werden. Sie müssen stets so prägnant formuliert sein, dass sie im Gedächtnis bleiben und eine „Langzeitwirkung“ entfalten können.

Jetzt habe ich “Das Aha!-Handbuch“ entdeckt, das der Psychotherapeut Bernhard Trenkle für Therapie, Beratung und die Hängematte geschrieben hat. Viele der dort zusammengetragenen Aphorismen können in Mediationssitzungen als Gedankenanstoß dienen, aber auch einfach zur Entspannung und zum Reflektieren nach einem anstrengenden Mediationsalltag genutzt werden.

„Du kannst nicht in die Zukunft gehen und dabei mit dem Kopf nach hinten schauen.“ (Jeffrey Zeig)

„Bitter ist es, das heute tun zu müssen, was man gestern noch wollen konnte.“ (Karl Gutzkow)

„Wer heute den Kopf in den Sand steckt, knirscht morgen mit den Zähnen.“ (Iris Blaschzok)

„Wo wir heute stehen, wüssten wir, wenn wir gestern erkannt hätten, wo wir morgen fallen werden.” (Hans Kudszus)

„Alt ist man dann, wenn man an der Vergangenheit mehr Freude hat als an der Zukunft.“ (John Knittel)

„Die Vergangenheit kann uns nicht sagen, was wir tun, wohl aber, was wir lassen müssen.“ (José Ortega y Gasset)

„Kein Mensch ist reich genug, sich die eigene Vergangenheit zurück zu kaufen.“ (Oscar Wilde)

„Heute ist immer der Tag, an dem die Zukunft beginnt.“ (Hans Kudszus)

Viel Spaß beim Nachdenken
wünscht Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0) | Autor:

Fragen, Fragen, Fragen

Montag, 5. Juli 2010 6:02

Es gibt Konflikte, die bekommt man alleine leicht in den Griff, weil sie sich noch auf einer geringen Eskalationsstufe bewegen. Dann gibt es Konflikt, da ist es ziemlich heikel, sie zu lösen. Ja, und dann gibt es Konflikte, da wird es ganz ganz schwierig. Laut Friedrich Glasl gibt es 9 Eskalationsstufen im Konflikt: 1. Verhärtung, 2. Debatte, Polemik, 3. Taten statt Worte, 4. Images und Koalitionen, 5. Gesichtsverlust, 6. Drohstrategien, 7. Begrenzte Vernichtungsschläge, 8. Zersplitterung, 9. Gemeinsam in den Abgrund.

Wenn sich soziale Konflikte auf einer der ersten drei Eskalationsstufen befinden, so kann dies nach Glasl leicht durch Selbsthilfe, Nachbarschaftshilfe oder auch externe professionelle Prozessbegleitung geregelt werden. Ab Stufe drei bis einschließlich Stufe acht setzen laut Glasl dann Methoden der externen professionellen Prozessbegleitung sowie die Methode der Mediation an. (Friedrich Glasl: Selbsthilfe in Konflikten. S. 130). Egal ob ein Konflikt in Selbsthilfe oder durch professionelle Konfliktmoderation bzw. Mediation bearbeitet wird, wichtig ist es Fragen zu stellen und Antworten herauszufordern.

„Wenn wir andere Fragen stellen, werden wir andere Antworten finden.“
(Werner Heisenberg, deutscher Physiker)

„Wenn es trifft, reicht ein Satz.“
(Wolfram Jokisch, Erfinder der Sinn-ier Karten)

Fragen regen zum Nachdenken an, bieten Perspektivwechsel und neue Anreize. Fragen berühren, inspirieren und animieren, sich mit sich selbst, seinen Lebenszielen, seinem Umfeld und all den damit verbundenen wesentlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Fragen sind mal mehr, mal weniger einfach, manchmal frech, ungewohnt und überraschend. Fragen sollten stets wohlwollend und konstruktiv sein. Aber dennoch dreht sich das Denken auch trotz Fragen manchmal im Kreis und schicken in ein bekanntes Muster hinein.

Ich habe jetzt wunderbare Fragen entdeckt. Diese Fragen sind in Form der Sinn-ier Karten in Etuis zu verschiedenen Themen wie Entscheiden, Leben, Beruf, Herz, Beziehung, Genius usw. erhältlich. Sie können für private Zwecke, für Trainings/Coachings/Beratungen – sowie natürlich auch in der Arbeit mit Konflikten und im Mediationsbereich genutzt werden.

In meiner „Kostprobe“, einem Set mit 6 verschiedenen Etuis, gibt es beispielsweise Fragen zum Thema „Entscheiden“. Gerne möchte ich Sie an dieser Stelle mit Hilfe einiger dieser Fragen in einen Konflikt und dessen mögliche Lösung hineinführen, versuchen wir es.

Suchen Sie sich bitte zunächst einen Konflikt (oder eine Entscheidungssituation), für den bzw. die Sie gerne einen Impuls oder eine gute Lösung hätten. Lägen Ihnen die Karten vor, würden Sie aus dem Kartendeck „Entscheiden“ jetzt mehrere Fragen auswählen und mit Hilfe dieser Fragen beleuchten, was für Anregungen diese zum Konflikt geben, was durch die Karten in Gang kommt und wie das alles auf Sie wirkt. Da Ihnen die Karten (wahrscheinlich) nicht vorliegen, gebe ich Ihnen fünf Fragen vor, die Sie auf Ihren Konflikt anwenden können:

Bin ich Teil der Lösung oder des Problems?
Was fehlt, dass es gut wird?
Was hat dieses Problem mit mir zu tun?
Inwiefern habe ich die Lösung schon in mir?
Welche Entscheidung ist die zukunftsträchtigste?

Bitte setzen Sie sich in Ruhe mit einer Tasse Tee oder einem Kaffee und einem Blatt Papier oder einem Gesprächspartner und überdenken Sie die Fragen. Sie werden wahrscheinlich überrascht sein, was dadurch ausgelöst wird. Ich wünsche Ihnen übrigens alles Gute für Ihr Vorhaben, und falls Sie eine Supervisorin benötigen oder eine Mediatorin für Ihren Konflikt suchen, Sie wissen ja, wo Sie mich finden …

Die Sinn-ier Fragen und Impulse gibt es übrigens auch auf Postern. Fantastisch geeignet für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bietet sich das Sinn-ier Poster Genius an, das sich der Erforschung von Lebensmotiven und Zukunftsfragen widmet.

“Gut gefragt, ist halb gewonnen“
meint Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Konfliktberatung, Konfliktlösung, Literaturempfehlungen | Kommentare (1) | Autor:

Konfliktmanagement in der Familie: nur noch wenige Seminarplätze frei

Mittwoch, 28. April 2010 20:45

In der Familie miteinander sprechen?
Das kann und macht doch wirklich jede(r)!

Ob allerdings die Gespräche in guter Atmosphäre stattfinden und Eltern und Kinder, oder Großeltern, Stiefmütter, Stiefväter, Halbgeschwister und andere Familienmitglieder dann zufrieden aus den Gespräche rausgehen, das ist eine andere Sache.

Und damit dies öfters passiert, bietet das MediationsZentrum Berlin unter der Leitung von Christa D. Schäfer und Jutta Richter jetzt erneut einen Kurs an zum Thema “Familiengespräche gut führen“. Der Kurs wird durch die Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin gefördert und ist für die Teilnehmer kostenfrei.

In dem Kurs wird verstärkt Wert auf den Prozess des Problem- bzw. Konfliktlösens in der Familie gelegt. Neben dem Aktiven Zuhören und den Ich-Botschaften werden die Förderung der emotionalen Intelligenz sowie Methoden zur Regelsetzung betrachtet, um zu einem guten Familiengespräch zu kommen.

Haben Sie viele Probleme und Konflikte in der Familie?
Knallt es öfters bei Ihnen im Familienkontext?
Oder interessiert Sie, wie gute Familiengespräche laufen können?

Falls Sie all dies interessiert, und Sie zusätzlich in Berlin wohnen und ein Mal monatlich einen langen Vormittag investieren können, so melden Sie sich bei uns an (tel 23 00 32 39). Am 18. Mai geht’s los, es sind noch einige wenige Plätze frei!

Falls Sie nicht in Berlin wohnen und sich dennoch für dieses Konzept interessieren, so schauen Sie in das Buch zum Thema “Kommunikations- und Konfliktmanagement für Eltern“ oder mein neuestes Buch zum Thema “Kommunikation in der Familie: Vom Schimpfen und Schreien zum Runden Tisch“.

Übrigens kommt eine Unzufriedenheit in der Familienkommunikation mitunter auch daher, dass die berühmten „Kommunikationsblocker“ in der Kommunikation genutzt werden. Diese Blocker gibt es natürlich nicht nur im Familienumfeld, aber da sind sie meiner Meinung nach besonders häufig vertreten …

Gerne weise ich an dieser Stelle auch darauf hin, dass Sie mich für Vorträge bzw. Kurzworkshops oder Weiterbildungen für Erzieher bzw. Eltern im Kita- und Schulbereich anfragen können.

Die Theorie der Kommunikationsblocker stammen von Thomas Gordon, der auch Kommunikationssperren oder „Die typischen Zwölf“ oder „Das dreckige Dutzend“ dazu sagt. Gordon versteht darunter folgende Verhaltensweisen von Eltern ihren Kindern gegenüber:

  1. Befehl, Anweisung, Forderung
  2. Warnung, Drohung
  3. Moralisieren, Predigen
  4. Rat geben, Lösungen anbieten
  5. Unterweisen, Belehren, Fakten anbieten
  6. Beurteilen, Beschuldigen, Kritisieren
  7. Schmeicheln, Loben
  8. Beschimpfen, lächerlich machen
  9. Interpretieren, analysieren
  10. Besänftigen, mitfühlen
  11. in Frage stellen, verhören
  12. Rückzug, ablenken, Themenwechsel

Natürlich sind diese Verhaltensweisen nicht ganz und gar „schlecht“, und sie können auch durchaus in der ein oder anderen Situation gut angebracht sein. Wenn jemand jedoch ein Problem oder einen Konflikt hat, so sind diese Umgangsformen äußerst unangebracht …

Manche dieser 12 Kommunikationsblocker sind auch unter Erwachsenen sehr beliebt. Wenn Sie mögen, so nehmen Sie sich bitte einen Moment Zeit, gehen Sie die 12 Punkte durch und formulieren Sie für jede dieser Verhaltensweisen einen typischen Satz. Schauen Sie, ob Sie eine dieser Verhaltensweisen gerne nutzen. Vielleicht gibt es auch eine Verhaltensweise, die Sie nur einer bestimmten Person gegenüber gerne nutzen? Und vielleicht haben Sie in der letzten Zeit festgestellt, dass Ihre Kommunikation mit einer bestimmten Person oft stockt – dann schauen Sie bitte besonders gut hin, ob ein Kommunikationsblocker mit im Spiel ist.

Und übrigens: Es gibt Kommunikationsexperten, die sagen, auch Ratschläge sind Schläge! Denken Sie daran: Wer das Problem hat, der hat auch die Lösung. Es gilt sie nur zu finden …

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Kommunikation, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Schulz von Thun

Montag, 1. März 2010 9:12

Ist das nicht der mit den 4 Schnäbeln und den 4 Ohren?

Nein, 4 Schnäbel und 4 Ohren hat er nicht.

Ja, er hat das Kommunikationsmodell mit den 4 Schnäbeln und den 4 Ohren konzipiert und bekannt gemacht.

Am 23.10.2009 hat Prof. Dr. Friedemann Schulz von Thun seine Abschiedsvorlesung an der Hamburger Universität zum Thema „Was ich noch zu sagen hätte“ gehalten.

Er berichtet in dieser Abschiedsvorlesung über den Weg, wie er zur Psychologie gekommen ist (Stichwort: Vom Schach zur Psychologie). Er erzählt von seiner ersten Untersuchung, bei der seine Probanden Witze in eine Reihenfolge von verschiedenen Stufen an Witzigkeit bringen sollten. Weiter kommen Schlüsselsituationen aus seinem Studium zur Sprache und Schulz von Thuns Lernprozess der Vermittlung von psychologischen Erkenntnissen. Es ist einfach wunderbar, hier zuzuhören. Nehmen Sie sich ein wenig Zeit und schauen/hören Sie mal rein!

Das Schulz von Thunsche Kommunikationsquadrat ist in der Zwischenzeit so etwas wie Allgemeinbildung geworden. Es wir sogar in der Schule schon gelehrt und in Mediationsausbildungen ja sowieso. Und selbst wenn ich in einer kleinen Gruppe von Menschen bin, die nicht viel mit dem Mediationsbereich zu tun hat, so gibt es immer einige, die das Kommunikationsquadrat kennen oder den Satz: „Du, da vorne ist grün“. 1981 ist der erste Band mit dem Titel „Miteinander reden“ erschienen und in der Zwischenzeit gibt es bereits die 46igsten Auflage.

Vielleicht kennen Sie ja auch den Begriff des Inneren Teams, den Schulz von Thun geprägt hat. Ich erinnere mich an einen Mediationstag in Berlin vor einigen Jahren, als Schulz von Thun ca. 180 Teilnehmer in Gruppenarbeit zu je drei Personen eine Übung zum Inneren Team durchführen ließ: Beeindruckend! Oft muss ich an dieses Modell denken. Vor einiger Zeit sprach ich beispielsweise mit Mohamed, der mir erzählte, dass auf jeder seiner Schultern ein Männchen sitzt. Immer, wenn sich eine Schlägerei anbahnt, dann fangen die beiden Männchen an zu streiten. Auf der rechten Schulter sitzt ein „Engelchen“, das sagt dann: „Hör auf, das bringt dir doch nur Ärger ein, wenn du dich jetzt wieder schlägst.“ Und auf der linken Seite sitzt ein Teufelchen, das dann sagt: „Mensch, jetzt aber los, hau drauf, das lässt du dir doch wohl nicht gefallen.“ Ja, und er, Mohamed, hat die Entscheidung zu treffen …

Mohamed hat quasi zwei seiner inneren Stimmen auf die imaginären kleinen Figuren auf seinen Schultern projiziert und das Modell des Inneren Teams wunderbar für sich selbst erkannt. Das ist schon einmal der erste Schritt in einem Selbstfindungs- und Veränderungsprozess, der nächste ist dann der Schritt der Entscheidung, denn die hat jeder, und so auch Mohamed …

Wir Erwachsenen haben da ganz andere Stimmen. Wir haben beispielsweise den Faulpelz in uns, der morgens beim Weckerklingeln gerne weiter schlafen möchte. Wir haben aber auch den Fleißigen in uns, der uns aufstehen lässt und die ganzen Dinge des Tages erledigen lässt. Ich hoffe, dass diese Woche eine gute Woche für Sie wird und sowohl der Fleißige, als auch der Faulpelz ein kleines Wörtchen bei Ihren Entscheidungen mitsprechen darf!

Ja, und so ist es bei Mediationen auch oft. Jeder der Medianten hat verschiedene Stimmen in seinem Inneren Team. Während des Konflikts wird eine dieser Stimmen die Fäden in der Hand behalten, während der Mediation kommen dann vorsichtig die anderen Stimmen auch wieder hervor …

Der nächste Berliner Mediationstag findet übrigens am 12.03.2010 mit Prof. Dr. Johan Galtung statt, er ist allerdings schon „ausgebucht“. Ich werde berichten.

Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor: