Beitrags-Archiv für die Kategory 'Konfliktberatung'

Thema Burnout

Montag, 24. März 2014 10:46

Vor Selbstausbeutung schützen
10 Tipps zum Nein-Sagen

Das sind zwei Kapitel, die ich neulich in einem Buch gelesen habe, und die mich seitdem sehr beschäftigt haben.

Der Titel des Buches, aus dem diese Kapitel stammen, lautet: “Bin ich hier der Depp? Wie Sie dem Arbeitswahn nicht länger zur Verfügung stehen“. Es stammt von Martin Wehrle, einem deutschlandweit bekannten Karriere- und Gehaltscoach. In dem Buch schildert Wehrle diffizile und heftige Geschichten aus Firmen und Institutionen, die Arbeitnehmer in einen Strudel von Ausbeutung und Burnout bringen (können). In diesem Zusammenhang haben mich insbesondere die im Buch geäußerten handfeste Tipps interessiert, die Wehrle zum Schutz vor Selbstausbeutung und zum Nein-Sagen-Lernen gibt. Deshalb möchte ich diese Tipps auch meinen Blogleserinnen und Bloglesern nicht vorenthalten.

Selbstausbeutung

beginnt oft mit Glaubenssätzen, die man an sich selber richtig, beispielsweise: Ich muss fehlerfrei arbeiten. Ich muss schnell sein in der Erledigung meiner Arbeiten. Ich muss perfekt sein.

Wehrle zeigt einen Weg, aus diesen Glaubenssätzen herauszukommen. Kann ich diese Glaubensssätze loslassen, so kann ich auch fürsorglicher mit mir selber umgehen und lebe gesünder.

10 Tipps zum Nein-Sagen

Es gibt Menschen, die können nicht Nein sagen und ersticken in einem Arbeitsberg. Gut zu wissen, dass Nein-Sagen-Können im beruflichen Umfeld vor Burnout schützt. Wie aber kann ich gut Nein sagen? Da gibt es sicherlich ganz verschiedene Wege. Martin Wehrle schlägt folgende Möglichkeiten vor:

  1. Seien Sie klar, mental und verbal
  2. Nehmen Sie sich Zeit, ehe Sie antworten
  3. Berufen Sie sich auf Prinzipien
  4. Decken Sie Manipulationsversuche mit Humor auf
  5. Hören Sie das Interesse, nicht die Position
  6. Zeigen Sie auf, warum Ihr Nein dem anderen nützt
  7. Berufen Sie sich auf gemeinsame Maßstäbe
  8. Spielen Sie eine gesprungene Schallplatte
  9. Erzeugen Sie nützlichen Nebel
  10. Definieren Sie den Preis für ihr „Ja“

Natürlich ist die Arbeit an beiden Themen nicht so einfach, wie es klingt …

Allerdings: Wenn man am Rande einer Überforderung oder einer Überlastung steht, so sollte man sich auf den Weg begeben. Ob alleine, mit Coach oder in Therapie, glücklicherweise gibt es heutzutage verschiedene gut wirkende Wege, die den Weg aus einem (drohenden) Burnout unterstützen.

Ich empfehle das Buch „Bin ich hier der Depp“ all denjenigen, die auf heitere Art und Weise ein Arbeitsleben in der Überlastung überdenken möchten. Gut „Nein“ sagen kann man natürlich auch mit der Methode der Mediativen Kommunikation. Und natürlich drücke ich Ihnen als meinen Leserinnen und Lesern die Daumen für ein „gesundes Arbeitsleben“ …

Yoga für ManagerInnen und MediatorInnen ?!
Hinweise zur Selbsttfürsorge hier …

Ganz klar gibt es Verbindungslinien zwischen burnout und Konfliktbearbeitung,
aber dazu bei Gelegenheit mal einen extra Artikel hier im blog …

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Das 1×1 des fairen Streitens in der Familie

Montag, 24. Februar 2014 11:03

Freitag 17 Uhr, es ist Februar und bereits dunkel. Ich gehe durch die Straßen, weil ich noch ein Geburtstagsgeschenk einkaufen will und auch noch Lebensmittel für’s Wochenende brauche. Vor mir geht eine Mutter mit ihrem ca. 5jährigen Sohn. Der Sohn zetert und mault. Die Mutter fängt an immer lauter zu sprechen. Der Junge fängt an zu jammern, er will etwas, ich kann die Situation nicht vollständig erfassen. Die Mutter ist anscheinend genervt, sie spricht immer lauter und heftiger. Der Sohn jammert. Dann der Ausspruch der Mutter: „Du bist so was von ungezogen. Wenn du jetzt nicht sofort aufhörst, dann setzt’s was.“ Der Sohn hört nicht auf.

Ich gehe weiter und begegne einer Familie, die ebenfalls zwei Kinder hat. Die Eltern sind mit ihrem Sohn, ca. 5 Jahre alt, und ihrer Tochter, ca. 3 ½ Jahre alt, unterwegs. Vater und Mutter schieben jeweils einen Buggy. Das Mädchen sitzt drin, der Junge läuft neben seinem Buggy her. Anscheinend ist auch noch der Großvater dabei, er läuft gemächlich nebenher. Auch hier hat der Sohn anscheinend ein „Problem“. Auch er jammert und ist weinerlich, die Sitution ist angespannt. Und was sagt hier die Mutter? Sie sagt: „Ich verstehe dich, das würde mich auch ärgern.“ Und der Großvater ergänzt: „Ja finde ich auch. Aber das kriegen wir schon hin.“ Der Junge beruhigt sich.

Zwei Situation mit ähnlicher Ausgangslage, die für die jeweiligen Jungen jeweils total unterschiedlich ausgehen. Was die beiden Jungen wohl für ihr weiteres Leben „lernen“?

Kommunikation ist der Schlüssel zu jeder guten Beziehung. Das gilt besonders für die Beziehungen innerhalb der Familie. Es lohnt sich daher, einmal einen prüfenden Blick auf das eigene Kommunikationsverhalten zu werfen: Drücke ich mich meinem Kind gegenüber klar und verständlich aus? Kann ich zuhören, wenn mein Kind mir etwas sagen will? Verhalte ich mich in Konfliktsituationen fair und respektvoll gegenüber meinem Kind?
Quelle: Steininger, Rita. Das 1×1 des fairen Streitens. Wie Sie Konfikte mit Ihren Kindern konstruktiv lösen. Ostfildern: Patmos 2014. S. 15

Interessieren auch Sie sich dafür, die Kommunikation mit Ihrem Kind zu verbessern? Dann kann ich Ihnen gerne ein Buch empfehlen, das derzeit beste deutsche Buch zu Thema „Kommunikation mit Kindern“. Rita Steininger hat sich mit dem Thema des fairen Streitens innerhalb der Familie beschäfigt. Sie schreibt im ersten Teil ihres Buches über das Hören im Konflikt, das Sprechen im Konflikt, Gefühle im Konflikt, Grenzsetzung, Regelerstellung, Mediation und den Familienrat. Der zweite Teil ihres Buches widmet sich speziellen Streitigkeiten im Familienrahmen, dem Selbständig werden, dem Thema Verantwortung übernehmen, dem Umgang mit Emotionen, dem Geschwisterstreit, Lernstress, der Pubertät und vielem mehr.

Das Buch stellt die derzeit aktuelle Theorie und Diskussion zu den Themen vor, es lebt von den vielen Beispielen, die die jeweiligen Themen illustrieren, und es gibt handfeste Expertentipps, auf die Eltern im Alltag zurückgreifen können.

Ich freue mich, dass meine Bücher „Kommunikation und Konfliktmanagement in der Familie“ sowie „Vom Schimpfen und Schreien zum Runden Tisch“ als Fachliteratur Eingang in dieses Buch gefunden haben. Und ich gratuliere Ihnen, sehr geehrte Frau Steininger, sehr herzlich zu diesem gelungenen Buch !!! Ich drücke die Daumen, dass so viele Eltern wie möglich dieses Buch in die Hände bekommen. Es ist ein „must have“ im Kommunikationsbereich der Familie …

Und passend zu den Situationen, die ich am heutigen Nachmittag erlebt habe, möchte ich hier gerne noch einen Absatz aus dem Buch „Das 1×1 des fairen Streitens“ zitieren:

Wichtig: Kinder wollen sich zugehörig fühlen
Eines ist für die Eltern-Kind-Kommunikation besonders wichtig zu wissen: Auch Kinder hören bevorzugt auf dem Beziehungsohr! Das heißt, dass bestimmte ( vor allem kritisierende) Äußerungen der Eltern bei ihnen sehr schnell zu Zweifeln und Ängsten führen können: Ist Papa böse auf mich? – Hat mich Mama noch lieb?
Wenn Sie bei Ihrem Nachwuchs Anlass zur Kritik sehen, sollten Sie deshalb immer sorgsam darauf achten, dass Sie nur das (Fehl-)Verhalten Ihres Kindes beanstanden, niemals aber seine Persönlichkeit infrage stellen. Kinder brauchen mehr als alles andere die Bestätigung: „Meine Eltern lieben mich, so wie ich bin – auch wenn ich Fehler ache.“ Das Gefühl der Zugehörigkeit ist für ihre Entwiclung enorm wichtig. Vermeiden Sie deshalb herabsetzende Du-Botschaften wie diese: „Du bist so was von ungezogen!“ Oder: „Du bringst mich zur Verzweiflung!“
Quelle: Steininger, Rita. Das 1×1 des fairen Streitens. Wie Sie Konfikte mit Ihren Kindern konstruktiv lösen. Ostfildern: Patmos 2014. S. 28.

GUTE KOMMUNIKATION FÄNGT IN DER FAMILIE AN !!!
Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Familienmediation, Kommunikation, Konfliktberatung, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Mein Wunsch für die Kinder in Deutschland

Donnerstag, 9. Januar 2014 22:39

Astrid Lindgren:
„Wenn ich auch nur eine Kinderseele glücklich gemacht habe,
dann bin ich zufrieden.“

Das ist ein Satz, den ich sofort unterschreiben würde.
Und wenn es mehr als ein Kind ist, um so besser …

Das bringt mich zur Frage, wie es eigentlich um das kindliche Wohlbefinden in Deutschland aussieht …

Zu diesem Thema hat Hans Bertram den UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2013 im Beltz Verlag unter dem Titel “Reiche, kluge, glückliche Kinder?“ herausgegeben. Seit über 60 Jahren ist UNICEF als Anwalt des Kindes tätig. Zunächst bedeutete dies, Geld zu sammeln für die Kinder in den Ländern, in denen nicht einmal die materielle Sicherheit der Kinder sicher gestellt war. Heute versteht sich UNICEF natürlich auch als Anwalt der Kinder in den reichen Industriestaaten. Hier wachsen Kinder meist ohne existenzielle materielle Ängste auf, doch sind die Kinderrechte hier auch bei weitem nicht in allen Familien und Staaten gewährleistet.

In den meisten Debatten über Kinder heute spielt das Glück der Kinder selten bis keine Rolle. Es dominiert vielmehr der Blick auf die Leistungen der nachwachsenden Generation, es gibt sprachliche Tests, mathematische Tests und vieles mehr. PISA lässt grüßen. Der UNICEF-Bericht stellt einer solch reduzierten Perspektive die Frage nach dem ganzheitlichen kindlichen Wohlbefinden in zentralen Dimensionen des Lebens gegenüber.

In dem Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2013 stellen namhafte Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse vor. Im Buch gibt es aussagekräftige Statistiken, spannende Erkenntnisse und bedeutende Rückschlüsse aus Themen zum Materiellen Wohlbefinden von Eltern und Kindern, zu Bildung und Ausbildung, zu Gesundheit und Sicherheit, Risikoverhalten, Beziehungen zu Eltern und Freunden sowie subjektivem Wohlbefinden. Diese fünf Dimensionen machen jeweils einen Teil des allgemeinen Wohlbefindens von Kindern aus. Dr. Hans Bertram, der Herausgeber des Berichts schreibt hierzu:

„Diese Ergebnisse (aus dem Buch, ergänzt Ch.Schäfer) sollten daran erinnern, dass Bindungen, Liebe und Zuneigung, stabile Beziehungen und das Gefühl, von anderen auch akzeptiert zu werden, die zentralen Voraussetzungen für die gelingende kindliche Entwicklung sind. Dass subjektive Faktoren in der deutschen Diskussion um Kinder kaum eine Rolle spielen, hängt möglicherweise auch damit zusammen, dass wir in der Politik wie auch in den entsprechenden Institutionen immer schon dann zufrieden sind, wenn die objektiven Bedingungen in sich stimmig sind; dann übersehen wir möglicherweise zu prüfen, inwieweit die Sicht der Kinder mit dieser objektiven Einschätzung tatsächlich übereinstimmen.“

Gerne würde ich hier an dieser Stelle viele viele Erkenntnisse aus den Studien zitieren, ich möchte Interessierte jedoch auf die Lektüre des Buches verweisen und lediglich einige ganz wenige ausgewählte Aspekte in Bezug auf die Jugendgewalt vorstellen:

Jugendliche sind – wie in fast allen Ländern – im Vergleich zu anderen Altersgruppen höher kriminalitätsbelastet. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sie Grenzen austesten und überschreiten. Entscheidende Faktoren, die Gewaltverhalten bei Jugendlichen hervorbringen, sind:

Schlagende Eltern sind Vorbilder, deren Verhalten nachgeahmt wird. Gewaltmedienkonsum kann ebenfalls zum Abbau von Empathie gegenüber möglichen Opfern führen. Gewalt legitimierende Männlichkeitsnormen können zu erhöhter Gewaltbereitschaft beitragen. Ein wichtiger Einflussfaktor ist auch die schulische Situatione. Auch Schuleschwänzen steht immer wieder im Zusammenhang mit Gewalt. Den stärksten Einfluss auf die Gewaltbereitschaft übt jedoch die Bekanntschaft mit delinquenten Freunden aus.

Kürzestzusammenfassung aus dem Artikel von Baier, Dirk; Pfeiffer, Christian: Jugendgewalt. Entwicklung und Ursachen. In: Bertram, Hans (Hrsg.): Reiche, kluge, glückliche Kinder? Der UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland. Weinheim und Basel: Juventa 2013.

Die UNICEF appelliert an die neue Bundesregierung und die Abgeordneten des neuen Bundestages, die Umsetzung der Kinderrechte und des Kindeswohls zu einer Kernaufgabe der Politik zu machen. Sie fordert:

  • Die Politik muss entschieden gegen Kinderarmut vorgehen.
  • Bildung in Deutschland sollte frühzeitig und gezielte Förderung für benachteiligte Kinder umfassen.
  • Alle Kinder in Deutschland haben das Recht auf umfassenden Schutz vor Gewalt.
  • Die UN-Kinderrechtskonvention muss in Deutschland vollständig umgesetzt werden.
  • Die neue Bundesregierung sollte Kommunen dabei unterstützen, kinderfreundlicher zu werden.

Ich persönlich werde auch 2014 wieder – über meine pädagogische und mediative Arbeit im Coaching, Training und in der Mediation – vielen Kindern und Erwachsenen zu Wertschätzung, Erkenntnis, ihren Rechten sowie einem kleinen Stückchen Glück verhelfen.

Sie auch ?!

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Konfliktberatung, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Täglich 6 Minuten Selbstcoaching

Montag, 22. Juli 2013 13:37

Es gibt viele Fälle, in denen eine Streitpartei eine Mediatorin oder einen Mediator kontaktiert und um Mediation bittet – die zweite Streitpartei aber nicht zu einer Mediation bereit ist. Die Mediatorin bzw. der Mediator kann dann unterschiedlich reagieren. Entweder er sagt: „Ok, dann kommt keine Mediation zustande und ich kann leider nichts für Sie tun.“ oder er sagt: „Leider ist die zweite Streitpartei nicht zu einer Mediation bereit. Ich kann Ihnen ein Konfliktcoaching anbieten.“

In letzter Zeit habe ich mich oft mit der Thematik des Konfliktcoaching, auch Konfliktberatung oder Unterstützung im Konfliktfall genannt, beschäftigt.

Ich persönlich arbeite gerne im Konfliktcoaching, unterstütze also eine Streitpartei dabei einen guten Weg zu finden, einen Konflikt eigenständig lösen zu können oder zumindest sich so zu verhalten, dass der Konflikt nicht weiter eskaliert.

In diesem Rahmen bin ich auf ein Buch gestoßen, das eher dem Bereich Selfcoaching in Bezug auf die eigene Lebensgeschichte zuzurechnen ist. Das Buch heißt „Der 6 Minuten Coach“ und stammt von Pierre Franckh. Gerne möchte ich Sie hier an einer Passage aus dem Buch zur Macht der positiven Gedanken teil haben lassen, es folgt ein längeres Zitat:

 

“Psychologen haben festgestellt, dass wir etwa 60.000 Gedanken am Tag denken. Die meisten von ihnen laufen völlig unbewusst ab. Die moderne Psychologie hat nun herausgefunden, dass, wenn wir unseren Gedanken keine ganz klar zielorientierte Richtung geben, diese eher negativer Natur sind.

Wir bemerken diese negative Tendenz nicht einmal mehr. Wir haben uns viel zu sehr an sie gewöhnt, als dass es uns noch sonderlich auffallen würde. Wie wir durch sie wütend werden, uns ohnmächtig fühlen oder klein und hilflos, manchmal auch ausgeliefert.

Vor allem aber verhindert diese Negativität, dass wir neue Dinge wagen oder uns auf andere Menschen einlassen.

Negative Gedanken verhindern, dass wir uns auf uns selbst und auf andere einlassen und uns und anderen neuen Dinge zutrauen.

Positive Gedanken dagegen führen und leiten uns in eine positive Richtung. Wir trauen uns wesentlich mehr zu, fühlen uns wohl, sind ausgeglichener und selbstbewuster. Sie helfen uns, bewusster am Leben teilzunehmen und mehr wahrzunehmen.
Sie erweitern unseren Wahrnehmungsfilter. Wir haben in der Tat weit mehr konstruktve Möglichkeiten zur Verfügung, als uns bewusst ist. Eine positive Grundeinstellung ist eines der wesentlichsten Dinge für einen Neuanfang.

Alle Meinungen und Sätze über uns oder andere sind Abschlussbefehle für unser Gehirn. Unser Gehirn richtet seine Wahrnehmung genau auf diese Gedanken aus, um unsere Erwartungen zu erfüllen. Wir denken uns regelrecht in eine Welt unserer Erwartungen hinein.

Alle Meinungen und Sätze über uns oder andere sind Abschlussbefehle für unser Gehirn. Unser Gehirn richtet seine Wahrnehmung genau auf diese Gedanken aus, um unsere Erwartungen zu erfüllen. Wir denken uns regelrecht in eine Welt unserer Erwartungen hinein.

Das Gehirn arbeitet wie ein Computer
Unser Gehirn arbeitet alle Befehle ab, die man ihm gibt.
Geedanken sind für unser Gehirn sehr klare Befehle. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir sie bewusst oder unbewusst denken, ob sie automatisch ablaufen oder einfach nur eine Gewohnheit geworden sind, ob sie positive oder negativen Charakter haben.

(…) Interessanterweise unterscheidet das Gehirn sehr klar zwischen negativen und positiven Gedanken und speichert sie in getrennten Arealen ab:

Alle negativen Gedanken werden im rechten Frontallappen gespeichert. Er liegt oberhalb des Auges auf Höhe der Schläfen.

Alle positiven Gedanken werden genau gegenüber im linken Frontallappen gespeichert. Er liegt ebenfalls oberhalb des Auges auf der Höhe der Schläfen.

Und da unser Gehirn an der Stelle, die von uns stark benutzt wird, physisch wächst, also größer wird, kann man dies mittels Magnetresonanztomografie sehr gut sichtbar machen. Man kann also sehen, was wir vorrangig denken. Genauer gesagt, was wir bisher gedacht haben, denn so ist das jeweilige Areal größer oder kleiner geworden.”

Quelle: Pierre Franckh: Der 6 Minuten Coach. Erfinde dich neu! München: Arkana 2013. S. 29ff.

Das Buch Der 6 Minuten Coach. Erfinde dich neu! ist sehr zu empfehlen für Coaches und MediatorInnen, für andere Professionen und für Jederfrau / Jedermann. Nach Pierre Franckh kann man mit täglich 6 Minuten ernsthafter Reflektionsarbeit seinem Leben eine andere Wendung geben und „wachsen“. Liebevoll gestaltet bietet das Buch kurze Inputs und Übungsanleitungen zu den täglichen 6 Minuten Reflexionszeit. Es gibt sogar einen weiteren Band der 6-Minuten-Übungen zum Stichwort „Finde die wahre Liebe“.

Und nun eine Reflektionsaufgabe zur Selbstreflektion:

Was glauben Sie, welcher Bereich bei Ihnen größer ist, der rechte oder linke?

Wenn ein Konflikt auf Sie zukommt:
Wie denken Sie, eher negativ oder eher positiv?
Wenn Sie negativ denken (die meisten Menschen denken bezüglich eines Konflikte negativ),
wie negativ denken Sie (auf einer Skala von 1 bis 10)?
Wovon hängt es ab, ob sie eher zweifeln oder eher hoffnungsvoll sind?
Denken Sie bei manchen Konfliktpartnern eher negativ, bei anderen eher positiv?
Wie kam / kommt es dazu?
Bei welchem Konfliktpartner wollen (müssen?) sie in ein positives Denken kommen?
Wie könnte das gehen?

Und noch eine Reflektionsaufgabe:

MediatorInnen sehen Konflikte als Chance,
als Chance zur Veränderung
als Chance zum Wachstum
als Chance zur Klärung eines Sachverhalts
als Chance zur Verbesserung einer Beziehung

Was glauben Sie, wie viel Prozent aller MediatorInnen bei fremden Konflikten eher positiv oder eher negativ denken? Was Was glauben Sie, wie viel Prozent aller MediatorInnen bei eigenen Konflikten eher positiv oder eher negativ denken?

Ich bin gespannt auf Ihre Schätzungen …
Christa D. Schäfer

Wollen Sie wissen, was im Gehirn passiert, wenn wir streiten?

Thema: Konfliktberatung, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Konflikte schrittweise bearbeiten …

Freitag, 19. April 2013 21:26

Beppo, der Straßenkehrer spricht zu Momo:

“Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich.
Man denkt, die ist so schrecklich lang;
das kann man niemals schaffen, denkt man …
Und dann fängt man an, sich zu eilen.
Und man eilt sich immer mehr.
Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man,
dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.
Und man strengt sich noch mehr an,
man kriegt es mit der Angst,
und am Schluss ist man ganz außer Puste
und kann nicht mehr.
Und die Straße liegt immer noch vor einem.
So darf man es nicht machen.

Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken,
verstehst du?
Man muss nur an den nächsten Schritt denken,
an den nächsten Atemzug,
an den nächsten Besenstrich.
Und immer wieder nur an den nächsten …
Dann macht es Freude; das ist wichtig,
dann macht man seine Sache gut.
Und so soll es sein …
Auf einmal merkt man,
dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat.
Man hat gar nicht gemerkt, wie,
und man ist nicht außer Puste …
Das ist wichtig.”

aus Michael Ende: Momo

Ist’s nicht auch so im Umgang und in der Bearbeitung von Konflikten?!
Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung | Kommentare (0) | Autor:

Die Arbeit mit Metaphern in der Mediation

Montag, 8. April 2013 6:46

So langsam geht alles den Bach runter …
Stufe für Stufe gehen wir der Lösung entgegen …

Mediatoren sollten in ihrer Arbeit sprachsensibel vorgehen. Der Grad der Sprachsensibilität wird vom Aufmerksamkeits- und Sprachvermögen eines Mediators bestimmt und kann zudem von Mediation zu Mediation ganz unterschiedlich sein.

Metaphern fördern die Aktivierung der rechten Gehirnhälfte. Die rechte Gehirnhälfte steuert die Intuition, Kreativität, Symbole und Gefühle. Beim Hören einer Metaphern können eigene, dazu passende Bilder, Symbole, Melodien oder Gerüche entstehen. Das Rohmaterial der Gedanken, die aufblitzenden Ideen, die Bilder, alle Sinneseindrücke werden rechts bearbeitet. Die Hauptziele der Verwendung von Metaphern im therapeutischen Kontext sind es, Veränderung zu fördern, neue Perspektiven zu gewinnen und neue Möglichkeiten der Interpretation einer Situation zu ermöglichen.

Das Verfahren der Mediation richtet sich an den Verstand der Medianden. Eine Metapher zielt auf unbewusstes Verstehen ab. Metaphern können nicht schnell und vollständig intellektuell analysiert und verstanden werden. Sie besitzen im Sinne des Psychotherapeuten Milton H. Erickson stets etwas Vages, Ungewisses und eine versteckte Bedeutung. Damit beeinflusst eine Metapher innere Prozesse, die sich dann in äußeren Veränderungen widerspiegeln können. Dies führt dazu, dass durch eine Metapher einerseits das bewusste Denken beschäftigt wird und andererseits unbewusste Suchprozesse nach neuen Bedeutungen und Lösungen angeregt werden. Metaphern berühren unser Herz und die Kreativität des Unbewussten. Sind sie gleichzeitig abstrakt und entfernt genug vom eigentlichen Problem, werden überkritische Anteile des bewussten Denkens den kreativen Prozess des Unbewussten nicht durch Widerstände, Zweifel oder intellektuelle Vorurteile stören.

Im NLP-Sprachgebrauch lösen Metaphern beim Zuhörer einen Prozeß der transderivationalen Suche, auch Ableitungssuche genannt, aus. Der Hörer einer Metapher hört die gesprochenen Wort auf einer Oberflächenstruktur (1), er versteht die Bedeutung der Metapher auf einer Tiefenstruktur (2), und er entwickelt eine parallele Deutung auf einer zusätzliche Tiefenstruktur (3), die in das Welt-Modell der Person passt, die einen inneren Zustand der Person aktiviert, oder die für ihr Leben bedeutungsvoll ist. Somit passiert durch eine Metapher ein Suchprozess nach einer spezifischen, den Prozess betreffenden Tiefenstruktur. Zudem bewirken Metaphern eine Dissoziierung von einem Problem, wenn das Problem (Bereich A) in einen anderen (weniger belastenden) Kontext (Bereich B) gestellt wird.

Ich persönlich arbeite in meinen Mediationskontexten sehr gerne mit der Methode der Metaphern. Sowohl in der Mediation mit Familien und Paaren als auch in der Gruppenmediation lässt sich diese Methode wunderbar einsetzen. Für das Buch „Konflikte lösen in Teams und großen Gruppen“ (Hrsg. Peter Knapp) habe ich kürzlich einen Fachartikel zur Arbeit mit der Metaphernmethode beigesteuert. Wer ein Mal mit Metaphern in der Mediation gearbeitet hat, der wird von der Wirkung dieser Methode begeistert sein und daran festhalten …

Jetzt habe ich ein Buch in die Hände bekommen, das diese Methode ausführlich behandelt. Ich war ernsthaft begeistert, das von Brigitte und Ernst Spangenberg geschriebene Buch „Sprachbilder und Metaphern in der Mediation“ in den Händen zu halten. Das Buch startet mit einer Beschreibung der Arbeit mit metaphorischen Ausdrücken. Es folgen Kapitel, in denen die Spangenbergs die Grundsätze in der Mediation in Form von Metaphern erklären, den Phasen der Mediation Metaphern zuweisen, über Konfliktmetaphern, Lösungsmetaphern und Schlüsselbilder berichten sowie die Anwendung von Metaphern in schwierigen Fallkonstellationen darstellen.

Das Buch ist das erste Werk, das sich dem Thema „Metaphern in der Mediation“ verschrieben hat. Es ist ein absolutes Muss und ein Highlight für all diejenigen MediatorInnen, die von dem Thema Sprache in der Mediation fasziniert sind und die auch auf unbewusster Ebene über das Thema Sprache in Mediationen arbeiten möchten.

Einige Zitate aus dem Buch mögen Ihnen Lust machen, sich intensiver mit dem Buch zu beschäftigen:

„Jeder Mediand hat zwei Seelen in seiner Brust, von denen die eine sich nach Frieden sehnt, während die andere den Konflikt provoziert. Medianden benötigen oft nur einen Vitaminstoß, um ihren Konflikt eigenverantwortlich lösen zu können. Die Mediation ist ein Impuls, der bei den Medianden eine Kugel ins Rollen bringt. Jede Mediation ist ein Abenteuer, bei dem es immer wieder erstaunliche Eigenschaften des Menschen zu entdecken gilt.“ (Brigitte und Ernst Spangenberg: Sprachbilder und Metaphern in der Mediation. Frankfurt: Metzner Verlag 2013. S. 31)

Christa D. Schäfer

Hier geht’s zum Artikel Geschichten in der Mediation nutzen …

Thema: Kommunikation, Konfliktberatung, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0) | Autor:

Vorsätze zum Jahresanfang

Montag, 31. Dezember 2012 6:21

Zum Jahresende wird meist über das gerade vergangene Jahr nachgedacht.
Zum Jahresanfang kommen dann die guten Vorsätze für das noch frische neue Jahr.

Zum Jahresende 2012 hatte ich einen Artikel hier im blog über die Feedbackwürfel, zum Jahresanfang 2013 möchte ich Ihnen gerne die kreativen Aufhänger für entscheidende und entschiedene Freiräume vorstellen.

Zielsetzung_mit_Anhaengern.phpDiese Tür- oder Stuhlanhänger sind selber gestaltbar und öffnen damit Türe zu neuen Wegen, also genau das Richtige zum Jahresanfang. Die Anhänger stammen ebenfalls wie die Feedbackwürfel aus den Trainings-Tools von Peter Köstel. Sie können mit Stiften und Farben aller Art bemalt, mit Zeitungs- und Zeitschriftenschnipseln beklebt oder mit edlen bzw. auch weniger edlen Stiften beschrieben werden.

 

Damit sind die Anhänger vielseitig einsetzbar.

Privat:
Viele Menschen nehmen sich für das Neue Jahr etwas vor: Aufhören zu rauchen, mehr Sport zu treiben, besser Englisch zu lernen, weniger zu arbeiten (oder auch mehr zu arbeiten) usw. Wenn dies nicht visualisiert wird und man nicht „dran bleibt“, ist der Vorsatz schnell weg. Schreibt man hingegen sein großes Ziel auf die Vorderseite der Aufhänger und bildet Unterziele, die man auf der Rückseite notiert, so ist die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung viel höher …

Im Coaching oder in der Supervision:
Hier kann man die Anhänger professionell nutzen. Auf dem Anhänger gibt es eine gestaltbare Vorderseite und eine Rückseite mit acht Feldern, die nacheinander abgeschnitten werden können. Damit ist ein Oberziel in acht Unterziele unterteilbar, oder es kann über acht Aspekte zu einem Thema nachgedacht werden, oder es können acht Argumente für eine Entscheidung gesucht werden oder oder. Meiner Erfahrung nach freuen sich Coachees und Supervisanden auch über kreative Elemente im Coaching …

Im Seminar:
Hier kann man die Aufhänger auch als Willkommensgruß verwenden, beispielsweise auf die Vorderseite das Seminarthema schreiben oder kleben und auf die Rückseite dann die Hausaufgaben bzw. die unterschiedlichen Seminarthemen notieren. Dadurch tritt man gleich zum Seminarstart ganz individuell mit jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer in Kontakt …

In der Schule:
Gestalten Sie mit Ihren SchülerInnen einen Anhänger zu einem bestimmten Thema, das kann ein fachliches Thema aus dem Englisch- oder Geschichtsunterricht sein, das kann aber auch ein Thema zum sozialen Lernen sein. Sie könnten fragen: Was sind die wichtigsten acht Fakten, die du über Karl den Großen wissen musst? Oder: Was brauchst Du, um dich in unserer Klasse wohl zu fühlen? Die Anhänger können alleine oder auch in Gruppen zusammen gestaltet werden. Anschließend werden sie auf eine Leine im Klassenraum aufgehängt. Bisher gibt es in den meisten Klassen Wandzeitungen, auf denen die Schüler Ihre Ergebnisse festhalten, ab jetzt könnten es auch Türanhänger sein. Und wenn diese dann wieder abgehangen werden, dann können sich die Schüler die wichtigsten Fakten aus dem Mittelalter sogar zu Hause an die Kleiderschranktüre hängen, damit nichts „verloren“ geht …

Zur Projektplanung:
Natürlich können auch Projekte mit dem Anhänger gestaltet werden. Manche tun dies auf einem großen Flip-Chart, manche haben viele kleine Zettel, andere wieder ein Computerprogramm. Jetzt können kleinere Projekte auch mit diesem Anhänger gesteuert werden …

An dieser Stelle hätte ich noch viele Ideen zur Nutzung des Kreativanhängers.
Jetzt werde ich allerdings erst einmal meinen Anhänger gestalten.

Ihnen alles Gute für 2013 und für Ihre Vorsätze
wünscht Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Konfliktberatung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Schule in Berlin, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Zeitmanagement und Selbstorganisation für MediatorInnen

Montag, 4. Juni 2012 8:49

Wir haben nicht zu wenig Zeit,
aber wir verschwenden zu viel davon.
Auch zur Vollbringung der größten Dinge
ist das Leben lang genug,
wenn es nur gut angewendet wird.
(Seneca: Von der Kürze des Lebens)

Wenn man als junge MediatorIn (man könnte auch sagen SupervisorIn oder BeraterIn oder …) im Beruf anfängt, so hat man meist noch viel Zeit um Prozesse und Strukturen zu durchdenken. Wenn man etwas länger dabei ist, wird die Zeit schon knapper. Einerseits ist es wunderbar, viele Aufträge zu haben, andererseits muss man stets schauen wie man in einer fest bemessenen Zeit die Aufträge abarbeiten kann.

Dann wird Zeitmanagement und Selbstorganisation ein großes Thema. Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle über das Buch “Wie managen MediatorInnen sich selbst? Im Spannungsfeld innerer und äußerer Konflikte“ berichtet. Heute möchte ich ein Buch aus dem Umfeld von Wissenschaft empfehlen, das viele Methoden des Projekt-, Zeit- und Selbstmanagements, der Stressprävention und Motivationssteigerung, Lebensplanung und Selbstentwicklung vorstellt. Diese Bandbreite im Buch ist wirklich unglaublich, und so weiß ich, dass auch MediatorInnen viel aus diesem Buch mitnehmen können. Das Buch ist übrigens von Andrea Tschirf und Markus Riedenauer, es heißt „Zeitmanagement und Selbstorganisation in der Wissenschaft“ und stammt aus dem facultas Verlag. Eine Leseprobe online finden Sie hier …

MediatorInnen haben eine Menge zu organisieren, mehr als sich frisch ausgebildete Mediatorinnen und Mediatoren vorstellen können. Viele MediatorInnen arbeiten in der Anfangszeit ihrer Tätigkeit in ihrem Ursprungsberuf weiter und beginnen stundenweise oder halbzeit mit ihrer Arbeit als MediatorIn. Die meisten MediatorInnen sind freiberuflich tätig, nur sehr sehr wenige kommen in einem Konzern oder einer Wohnungsbaugesellschaft unter. Bei der Vorbereitung einer Freiberuflichkeit ist es notwendig, sich zunächst Ziele zu setzen und zu überlegen, „wie man sich aufstellt“, also welche Angebote man anbieten kann. Dann ist zu überdenken, welches Design man für seine PR wählt, in welchem Rahmen man seine Dienste anbietet usw. Bald kommen die ersten Fälle. Ist das alles gut gelungen, ist der erste große Schritt zur Freiberuflichkeit getan.

In dem oben genannten Buch kann man übrigens nachschauen, wie Ziele gut formuliert werden. Vielleicht kennt der ein oder die andere bereits die SMART-Formel für die Zielformulierung? S = spezifisch, M = messbar, A = aktiv, R = realistisch, T = terminiert.

Spezifisch setzt voraus, dass das Ziel konkrete Kriterien enthält, die seine Erreichung beschreiben. … Messbar betrifft das Kriterium, an dem Sie erkennen werden, ob Sie Ihr Ziel erreicht haben. … Aktiv betrifft alles Tun, das in Ihrem Einflussbereich steht, um das Ziel zu erreichen. … Realistisch meint Orientierung an der (Lebens-)Situation und den Fakten, wie sie eben sind. … Terminiert meint, dass Ziele ein exaktes Datum für Beginn, Teiletappen und Ende brauchen.“ (Riedenauer, Tschirf, S. 115f)

Ein Ziel für junge Mediatoren könnte beispielsweise lauten: „Ich möchte in 2013 mindestens zehn Paarmediationen in meinen eigenen Mediationsräumen durchführen. Nach Beendigung jeder Mediation werde ich eine vollständige Protokollführung vornehmen und die wichtigsten Interventionen sowie deren Auswirkungen auf je 2 DIN A4-Seiten dokumentieren.“

Natürlich ist diese Formel auch für Supervisions- und Coachingsitzungen nützlich, denn auch dortige Ziele sollten unbedingt der SMART-Formel genügen. Und schließlich kann die SMART-Formel auch für Mediationsabschlüsse nützlich sein, gerade in Teammediationen ist die Lösungsformulierung per SMART-Formel eine gute Sache …

Was ist Ihr derzeitiges Ziel in Bezug auf das Thema Mediation?

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (4) | Autor:

Das Systembrett in Mediation, Supervision und Coaching

Montag, 26. März 2012 7:43

Eine Abteilungsleiterin kommt in meine Praxis und klagt über schlechte Disziplin und forderndes Auftreten ihrer Mitarbeiter. Nachdem sie die Missstände in der Abteilung ausführlich geschildert hat, bitte ich sie, Ihr Ziel zu formulieren, so, als ob es schon erreicht sei. Sie denkt eine Weile nach. „Ich möchte sagen können: Meine Mitarbeiter arbeiten selbstständig, eigenverantwortlich und motiviert im Sinne der Firma, ohne dass ich sie dauernd kontrollieren muss“.

Ich schlage ihr vor, ihre Situation auf dem Systembrett aufzustellen. Sie willigt ein. Ich zeige ihr das Brett und ein Kästchen mit kleinen Gegenständen, bunten Steinen, Klötzchen, Holzfiguren, die sie als Stellvertreter für die Beteiligten wählen kann. Sie blickt in den Korb, schaut sich dann im Raum um und nimmt eine dicke Mandarine von einem Fruchtkorb. Die platziert genau ins Zentrum des Bretts. „Die Kollegin X, die ist das eigentliche Problem, die ist schrill und macht sich breit und will immer im Mittelpunkt stehen.“

Jetzt nimmt sie ein kleines Figürchen aus dem Korb und stellt es als Stellvertreter für sich gegenüber der X auf.

Dann, sehr rasch, wählt sie aus dem Kästchen Stellvertreter für die anderen Kollegen und baut sie rundherum auf. „Genau so ist es, alle stehen um mich herum, und alle schauen mich an. Jeder will etwas von mir. Ich habe das Gefühl, alle machen mir Arbeit mit ihren Forderungen, anstatt selber etwas zu tun. Von allen Seiten nichts als Forderungen. „Wo ist jetzt für Sie der Mittelpunkt?“ frage ich. Sie schaut auf ihren Aufbau. „Da bin ja ich selbst im Zentrum!“ ruft sie überrascht.

In schwierigen Situationen ist es oft hilfreich, innezuhalten, zurückzutreten und sich Übersicht zu verschaffen über das Arbeitsumfeld, über die Familie, die Partnerschaft, über innere Widersprüche, kurz, über ein System, als dessen Teil man sich begreift, und in dem man sich hilflos, ausgeliefert oder orientierungslos fühlt.

Das Systembrett bietet in der systemischen Beratung – ob Mediation, Supervision oder Coaching – eine hilfreiche Methode in der Arbeit mit Einzelnen, Paaren oder Gruppen, sich Überblick zu verschaffen über das, was ist. Und es bietet zugleich die Gelegenheit, schöpferisch tätig zu werden, nämlich das, was sein soll, neu zu komponieren.

Das Systembrett kann als die „kleine Schwester“ der Aufstellung beschrieben werden; es ist eine Art Miniaturbühne und ähnelt einem Brettspiel. Auf der quadratischen Brettoberfläche befindet sich ca. 5 cm vom Brettrand eine innere Rahmung in Form einer eingebrannten oder aufgezeichneten Linie, welche die Fläche des Bretts in einen Innen- und einen Außenraum gliedert. Das gibt dem Klienten die Möglichkeit zu visualisieren, wer oder was zum Problemsystem dazugehört bzw. außerhalb steht. Die Konfliktbeteiligten werden durch kleine Figuren oder Objekte repräsentiert. Je nach Bedarf kann man neutrale Figuren oder Objekte mit Symbolgehalt wählen – dabei ist die Wahl sowohl vom Kontext als auch von der individuellen Arbeitsweise und Neigung des Beraters abhängig, und der Phantasie der Benutzer sind letzten Endes keine Grenzen gesetzt

Unter Zuhilfenahme von Figuren erschaffen die Klienten ein Abbild ihres thematisierten Beziehungsgefüges und verändern es (einzeln oder gemeinsam, je nach Setting) durch Umgruppierung. Sie sind aktiv und schöpferisch von Anfang an; indem sie die Umstände ihrer Situation aus ihrer Sicht formulieren und bestimmte Beziehungen, Aspekte, Anschauungen, Überzeugungen aus der inneren Vorstellung nach außen holen und konkret sichtbar machen, bewegen sie sich aus Passivität, Duldung und Opferhaltung heraus. Jeder einzelne exploriert und erweitert seine Handlungskompetenz, indem er sich zum Beispiel mit den Repräsentanten der Konfliktpartner assoziiert und deren Perspektive exploriert. Es kann auch Adler- oder Ameisenperspektive eingenommen werden. Dabei eröffnen sich jedem Individuum andere und neue Blickwinkel; eigene, vergessene Ressourcen werden neu entdeckt, Zielkonstellationen ge- und ver-setzt und im gegebenen Rahmen erprobt. Ist die Wunschkomposition gefunden, können die Klienten konkrete Schritte formulieren, die für sie im Alltag zielführend sind: „Was bedeutet diese Umstellung für Ihre konkrete Situation in der Familie?“

Das Systembrett ist für mich ein faszinierendes Werkzeug für jedermann, um innere Bilder nach außen zu transportieren, sie zu manifestieren, zu deuten und umzugestalten, um Perspektiven zu wechseln, Ressourcen zu entdecken, Handlungsspielräume zu erweitern und Optionen zu erproben. Es bietet die Möglichkeit, die Gestaltung des eigenen Systems im Wortsinn „in die Hand zu nehmen“, indem ich die Stellvertreterfiguren wähle, setze und ver-setze. Das Systembrett – ernst genommen – ist eine lebendige Werkstatt für persönliche Weltentwürfe. Dabei ist sein Einsatz unaufwändig und raumsparend.

Gerade auch für Klienten, deren verbale Ausdrucksmöglichkeiten begrenzt sind, bietet das Systembrett einen Raum, in dem sie ihre Welt, ihr System ganz konkret aufbauen, von allen Seiten betrachten und verändern können. Und dabei braucht es möglicherweise nicht viele Worte.

Literatur:
Eine empfehlenswerte Einführung in die Arbeit mit dem Systembrett ist im Ökotopia-Verlag erschienen: „Aufstellungen mit dem Systembrett“ von Wolfgang Polt und Markus Rimser (Münster 2006)

Autorin dieses Artikels:
Dr. Heidrun Kaletsch, Trainerin, Coach und Supervisorin mit dem Schwerpunkt Gesundheitswesen. Sie arbeite häufig in Arztpraxen als Beraterin. Da geht es um Verbesserung der Kommunikation, Klärung von Konflikten, Team- und Leitungssupervision. Gern nutzt sie dabei das Systembrett, um Situationen sichtbar zu machen und auf ihre Veränderbarkeit hin zu untersuchen. Und immer wieder ist sie erstaunt über die unerwarteten Erkenntnisse und kreativen Lösungsperspektiven, die ihre Klienten bei der Arbeit mit dem Systembrett gewinnen. www.praxiskommunikation-berlin.de

Thema: Konfliktberatung, Literaturempfehlungen | Kommentare (3) | Autor:

Ein Stuhl ist (kein) Stuhl – und mehr …

Montag, 9. Januar 2012 6:43

Vor einiger Zeit habe ich über Antworten zur Frage „Wann ist eine Frage eine gute Frage?““ berichtet. Heute möchte ich darüber schreiben, dass ein Stuhl nicht nur ein Stuhl ist …

Vielleicht haben Sie von der Methode mit dem leeren Stuhl gehört, oder kennen diese Technik bereits? Die Methode kommt ursprünglich aus der Gestalttherapie. Dort kann ein leerer Stuhl stellvertretend für verschiedenen Rollen stehen. Ein Stuhl kann einen Teil des Ichs repräsentieren und wird in der Gestalttherapie dadurch zur Lösung innerpsychischer Probleme genutzt. Ein leerer Stuhl kann allerdings auch einen Gesprächspartner oder eine Wunschperson symbolisieren. In der Vorstellung nimmt eine andere Person auf diesem Stuhl Platz. Perspektivwechsel und imaginäre Unterhaltungen sind möglich. Zirkuläre Fragen bekommen mehr Prägnanz. Und manchmal bekommt der Klient auch den Auftrag, sich mit diesem anderen zu identifizieren, in diesem Fall tauscht er mit der vorgestellten Person den Platz und setzt sich selbst auf den leeren Stuhl, damit er sich besser in die abwesende Person hineinversetzen kann, um zu erfahren, wie der andere eine Situation erlebt.

Sowohl in der systemischen Beratung und Therapie, als auch natürlich im Konfliktcoaching und in der Mediation – die ja per se systemisch ist – kann die Methode des leeren Stuhls eingesetzt und genutzt werden.

Im Konfliktcoaching kann der leere Stuhl beispielsweise als „So-tun-als-ob-Stuhl“ genutzt werden. Hat jemand die Wahl zwischen verschiedenen Optionen und Reaktionsmöglichkeit im Konfliktfall, so können diese Wahloptionen als Stühle gestellt werden. Der sich im Konfliktcoaching befindende Coachee kann sich dann abwechselnd auf die Stühle setzen, Vor- und Nachteile der jeweiligen Wahl kognitiv abwägen und die Wahlmöglichkeit über das eigene Erleben auf den Stühlen „erfühlen“. „Mal angenommen, Sie hätten sich für diesen Weg entschieden, wie geht es Ihnen damit? Wie fühlt es sich an?“ – so würde man einen Coachee fragen, der einen der Stühle gewählt hat.

Auch das zirkuläre Fragen im Konfliktcoaching kann mit einem dazu gestellten leeren Stuhl verstärkt werden. „Wenn jetzt auf diesem Stuhl hier neben Ihnen Herr xy sitzen würde, was würde er dann wohl dazu sagen?“ Es gibt Situationen, da meint man fast, diesen imaginären Herrn xy im Coaching „spüren“ zu können.

In der Mediation kann die Methode des leeren Stuhls natürlich auch genutzt werden, wenn eine Konfliktpartei nicht mit dabei sein kann. In einer Mediation mit einer Gruppe oder einem Team kann es schon mal passieren, dass ein Mitglied nicht anwesend sein kann. Dann ist zu überlegen, ob die Mediation abgesagt wird oder ob es eine Möglichkeit ist, durch die Methode mit dem leeren Stuhl weiter zu arbeiten. In diesem Fall wird dann der leere Stuhl stellvertretend für das fehlende Team- oder Gruppenmitglied gestellt. Dadurch kann dieses Team- oder Gruppenmitglied mit in die Mediation, in die Darstellung der Sichtweisen und in die Diskussion um die Lösungsfindung eingebunden werden. Natürlich ist die Anwesenheit aller Konfliktparteien immer oberstes Ziel in einer Mediation und die Wahl der Methode mit dem leeren Stuhl stets die zweite Wahl.

In dem zweiten Teil des Buches “Die Psychotherapeutische Schatzkiste“ von Andrea und Filip Caby aus dem Borgmann Verlag werden verschiedene Anwendungsmöglichkeiten für die Methode des leeren Stuhls in systemischen Settings genauer beschrieben. Die Cabys haben die Methode des leeren Stuhls in verschiedensten Situationen mit Klienten und ihren Systemen erfolgreich eingesetzt: Einsatz von Stühlen beim zirkulären Fragen, in der Time-Line-Technik, bei Familienskulpturen sowie beim Rollentausch. Sie nutzen Stühle oder andere Gegenstände zur bildlichen Darstellung eines Problems (oder einer Lösung) und schätzen einen leeren Stuhl bei ungewohnten Interventionen.

Neben dieser Methode wird in der Psychotherapeutischen Schatzkiste ein großes Repertoire an systemisch-lösungsorientierten Interventionen für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Familien vorgestellt. Praxisgeleitete Ausführungen gibt es zu Frageformen, Metaphern, Gesprächsgestaltung, Ressourcenarbeit und vielem mehr. Damit eignet sich das Buch als Lektüre für alle diejenigen, die systemisch arbeiten oder arbeiten möchten – sei es im beraterischen oder therapeutischen Bereich oder in der Mediation.

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (1) | Autor: