Beitrags-Archiv für die Kategory 'Konfliktberatung'

Konflikte schrittweise bearbeiten …

Freitag, 19. April 2013 21:26

Beppo, der Straßenkehrer spricht zu Momo:

“Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich.
Man denkt, die ist so schrecklich lang;
das kann man niemals schaffen, denkt man …
Und dann fängt man an, sich zu eilen.
Und man eilt sich immer mehr.
Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man,
dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt.
Und man strengt sich noch mehr an,
man kriegt es mit der Angst,
und am Schluss ist man ganz außer Puste
und kann nicht mehr.
Und die Straße liegt immer noch vor einem.
So darf man es nicht machen.

Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken,
verstehst du?
Man muss nur an den nächsten Schritt denken,
an den nächsten Atemzug,
an den nächsten Besenstrich.
Und immer wieder nur an den nächsten …
Dann macht es Freude; das ist wichtig,
dann macht man seine Sache gut.
Und so soll es sein …
Auf einmal merkt man,
dass man Schritt für Schritt die ganze Straße gemacht hat.
Man hat gar nicht gemerkt, wie,
und man ist nicht außer Puste …
Das ist wichtig.”

aus Michael Ende: Momo

Ist’s nicht auch so im Umgang und in der Bearbeitung von Konflikten?!
Christa D. Schäfer

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Die Arbeit mit Metaphern in der Mediation

Montag, 8. April 2013 6:46

So langsam geht alles den Bach runter …
Stufe für Stufe gehen wir der Lösung entgegen …

Mediatoren sollten in ihrer Arbeit sprachsensibel vorgehen. Der Grad der Sprachsensibilität wird vom Aufmerksamkeits- und Sprachvermögen eines Mediators bestimmt und kann zudem von Mediation zu Mediation ganz unterschiedlich sein.

Metaphern fördern die Aktivierung der rechten Gehirnhälfte. Die rechte Gehirnhälfte steuert die Intuition, Kreativität, Symbole und Gefühle. Beim Hören einer Metaphern können eigene, dazu passende Bilder, Symbole, Melodien oder Gerüche entstehen. Das Rohmaterial der Gedanken, die aufblitzenden Ideen, die Bilder, alle Sinneseindrücke werden rechts bearbeitet. Die Hauptziele der Verwendung von Metaphern im therapeutischen Kontext sind es, Veränderung zu fördern, neue Perspektiven zu gewinnen und neue Möglichkeiten der Interpretation einer Situation zu ermöglichen.

Das Verfahren der Mediation richtet sich an den Verstand der Medianden. Eine Metapher zielt auf unbewusstes Verstehen ab. Metaphern können nicht schnell und vollständig intellektuell analysiert und verstanden werden. Sie besitzen im Sinne des Psychotherapeuten Milton H. Erickson stets etwas Vages, Ungewisses und eine versteckte Bedeutung. Damit beeinflusst eine Metapher innere Prozesse, die sich dann in äußeren Veränderungen widerspiegeln können. Dies führt dazu, dass durch eine Metapher einerseits das bewusste Denken beschäftigt wird und andererseits unbewusste Suchprozesse nach neuen Bedeutungen und Lösungen angeregt werden. Metaphern berühren unser Herz und die Kreativität des Unbewussten. Sind sie gleichzeitig abstrakt und entfernt genug vom eigentlichen Problem, werden überkritische Anteile des bewussten Denkens den kreativen Prozess des Unbewussten nicht durch Widerstände, Zweifel oder intellektuelle Vorurteile stören.

Im NLP-Sprachgebrauch lösen Metaphern beim Zuhörer einen Prozeß der transderivationalen Suche, auch Ableitungssuche genannt, aus. Der Hörer einer Metapher hört die gesprochenen Wort auf einer Oberflächenstruktur (1), er versteht die Bedeutung der Metapher auf einer Tiefenstruktur (2), und er entwickelt eine parallele Deutung auf einer zusätzliche Tiefenstruktur (3), die in das Welt-Modell der Person passt, die einen inneren Zustand der Person aktiviert, oder die für ihr Leben bedeutungsvoll ist. Somit passiert durch eine Metapher ein Suchprozess nach einer spezifischen, den Prozess betreffenden Tiefenstruktur. Zudem bewirken Metaphern eine Dissoziierung von einem Problem, wenn das Problem (Bereich A) in einen anderen (weniger belastenden) Kontext (Bereich B) gestellt wird.

Ich persönlich arbeite in meinen Mediationskontexten sehr gerne mit der Methode der Metaphern. Sowohl in der Mediation mit Familien und Paaren als auch in der Gruppenmediation lässt sich diese Methode wunderbar einsetzen. Für das Buch „Konflikte lösen in Teams und großen Gruppen“ (Hrsg. Peter Knapp) habe ich kürzlich einen Fachartikel zur Arbeit mit der Metaphernmethode beigesteuert. Wer ein Mal mit Metaphern in der Mediation gearbeitet hat, der wird von der Wirkung dieser Methode begeistert sein und daran festhalten …

Jetzt habe ich ein Buch in die Hände bekommen, das diese Methode ausführlich behandelt. Ich war ernsthaft begeistert, das von Brigitte und Ernst Spangenberg geschriebene Buch „Sprachbilder und Metaphern in der Mediation“ in den Händen zu halten. Das Buch startet mit einer Beschreibung der Arbeit mit metaphorischen Ausdrücken. Es folgen Kapitel, in denen die Spangenbergs die Grundsätze in der Mediation in Form von Metaphern erklären, den Phasen der Mediation Metaphern zuweisen, über Konfliktmetaphern, Lösungsmetaphern und Schlüsselbilder berichten sowie die Anwendung von Metaphern in schwierigen Fallkonstellationen darstellen.

Das Buch ist das erste Werk, das sich dem Thema „Metaphern in der Mediation“ verschrieben hat. Es ist ein absolutes Muss und ein Highlight für all diejenigen MediatorInnen, die von dem Thema Sprache in der Mediation fasziniert sind und die auch auf unbewusster Ebene über das Thema Sprache in Mediationen arbeiten möchten.

Einige Zitate aus dem Buch mögen Ihnen Lust machen, sich intensiver mit dem Buch zu beschäftigen:

„Jeder Mediand hat zwei Seelen in seiner Brust, von denen die eine sich nach Frieden sehnt, während die andere den Konflikt provoziert. Medianden benötigen oft nur einen Vitaminstoß, um ihren Konflikt eigenverantwortlich lösen zu können. Die Mediation ist ein Impuls, der bei den Medianden eine Kugel ins Rollen bringt. Jede Mediation ist ein Abenteuer, bei dem es immer wieder erstaunliche Eigenschaften des Menschen zu entdecken gilt.“ (Brigitte und Ernst Spangenberg: Sprachbilder und Metaphern in der Mediation. Frankfurt: Metzner Verlag 2013. S. 31)

Christa D. Schäfer

Hier geht’s zum Artikel Geschichten in der Mediation nutzen …

Thema: Kommunikation, Konfliktberatung, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0) | Autor:

Vorsätze zum Jahresanfang

Montag, 31. Dezember 2012 6:21

Zum Jahresende wird meist über das gerade vergangene Jahr nachgedacht.
Zum Jahresanfang kommen dann die guten Vorsätze für das noch frische neue Jahr.

Zum Jahresende 2012 hatte ich einen Artikel hier im blog über die Feedbackwürfel, zum Jahresanfang 2013 möchte ich Ihnen gerne die kreativen Aufhänger für entscheidende und entschiedene Freiräume vorstellen.

Zielsetzung_mit_Anhaengern.phpDiese Tür- oder Stuhlanhänger sind selber gestaltbar und öffnen damit Türe zu neuen Wegen, also genau das Richtige zum Jahresanfang. Die Anhänger stammen ebenfalls wie die Feedbackwürfel aus den Trainings-Tools von Peter Köstel. Sie können mit Stiften und Farben aller Art bemalt, mit Zeitungs- und Zeitschriftenschnipseln beklebt oder mit edlen bzw. auch weniger edlen Stiften beschrieben werden.

 

Damit sind die Anhänger vielseitig einsetzbar.

Privat:
Viele Menschen nehmen sich für das Neue Jahr etwas vor: Aufhören zu rauchen, mehr Sport zu treiben, besser Englisch zu lernen, weniger zu arbeiten (oder auch mehr zu arbeiten) usw. Wenn dies nicht visualisiert wird und man nicht „dran bleibt“, ist der Vorsatz schnell weg. Schreibt man hingegen sein großes Ziel auf die Vorderseite der Aufhänger und bildet Unterziele, die man auf der Rückseite notiert, so ist die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung viel höher …

Im Coaching oder in der Supervision:
Hier kann man die Anhänger professionell nutzen. Auf dem Anhänger gibt es eine gestaltbare Vorderseite und eine Rückseite mit acht Feldern, die nacheinander abgeschnitten werden können. Damit ist ein Oberziel in acht Unterziele unterteilbar, oder es kann über acht Aspekte zu einem Thema nachgedacht werden, oder es können acht Argumente für eine Entscheidung gesucht werden oder oder. Meiner Erfahrung nach freuen sich Coachees und Supervisanden auch über kreative Elemente im Coaching …

Im Seminar:
Hier kann man die Aufhänger auch als Willkommensgruß verwenden, beispielsweise auf die Vorderseite das Seminarthema schreiben oder kleben und auf die Rückseite dann die Hausaufgaben bzw. die unterschiedlichen Seminarthemen notieren. Dadurch tritt man gleich zum Seminarstart ganz individuell mit jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer in Kontakt …

In der Schule:
Gestalten Sie mit Ihren SchülerInnen einen Anhänger zu einem bestimmten Thema, das kann ein fachliches Thema aus dem Englisch- oder Geschichtsunterricht sein, das kann aber auch ein Thema zum sozialen Lernen sein. Sie könnten fragen: Was sind die wichtigsten acht Fakten, die du über Karl den Großen wissen musst? Oder: Was brauchst Du, um dich in unserer Klasse wohl zu fühlen? Die Anhänger können alleine oder auch in Gruppen zusammen gestaltet werden. Anschließend werden sie auf eine Leine im Klassenraum aufgehängt. Bisher gibt es in den meisten Klassen Wandzeitungen, auf denen die Schüler Ihre Ergebnisse festhalten, ab jetzt könnten es auch Türanhänger sein. Und wenn diese dann wieder abgehangen werden, dann können sich die Schüler die wichtigsten Fakten aus dem Mittelalter sogar zu Hause an die Kleiderschranktüre hängen, damit nichts „verloren“ geht …

Zur Projektplanung:
Natürlich können auch Projekte mit dem Anhänger gestaltet werden. Manche tun dies auf einem großen Flip-Chart, manche haben viele kleine Zettel, andere wieder ein Computerprogramm. Jetzt können kleinere Projekte auch mit diesem Anhänger gesteuert werden …

An dieser Stelle hätte ich noch viele Ideen zur Nutzung des Kreativanhängers.
Jetzt werde ich allerdings erst einmal meinen Anhänger gestalten.

Ihnen alles Gute für 2013 und für Ihre Vorsätze
wünscht Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Konfliktberatung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Schule in Berlin, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Zeitmanagement und Selbstorganisation für MediatorInnen

Montag, 4. Juni 2012 8:49

Wir haben nicht zu wenig Zeit,
aber wir verschwenden zu viel davon.
Auch zur Vollbringung der größten Dinge
ist das Leben lang genug,
wenn es nur gut angewendet wird.
(Seneca: Von der Kürze des Lebens)

Wenn man als junge MediatorIn (man könnte auch sagen SupervisorIn oder BeraterIn oder …) im Beruf anfängt, so hat man meist noch viel Zeit um Prozesse und Strukturen zu durchdenken. Wenn man etwas länger dabei ist, wird die Zeit schon knapper. Einerseits ist es wunderbar, viele Aufträge zu haben, andererseits muss man stets schauen wie man in einer fest bemessenen Zeit die Aufträge abarbeiten kann.

Dann wird Zeitmanagement und Selbstorganisation ein großes Thema. Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle über das Buch “Wie managen MediatorInnen sich selbst? Im Spannungsfeld innerer und äußerer Konflikte“ berichtet. Heute möchte ich ein Buch aus dem Umfeld von Wissenschaft empfehlen, das viele Methoden des Projekt-, Zeit- und Selbstmanagements, der Stressprävention und Motivationssteigerung, Lebensplanung und Selbstentwicklung vorstellt. Diese Bandbreite im Buch ist wirklich unglaublich, und so weiß ich, dass auch MediatorInnen viel aus diesem Buch mitnehmen können. Das Buch ist übrigens von Andrea Tschirf und Markus Riedenauer, es heißt „Zeitmanagement und Selbstorganisation in der Wissenschaft“ und stammt aus dem facultas Verlag. Eine Leseprobe online finden Sie hier …

MediatorInnen haben eine Menge zu organisieren, mehr als sich frisch ausgebildete Mediatorinnen und Mediatoren vorstellen können. Viele MediatorInnen arbeiten in der Anfangszeit ihrer Tätigkeit in ihrem Ursprungsberuf weiter und beginnen stundenweise oder halbzeit mit ihrer Arbeit als MediatorIn. Die meisten MediatorInnen sind freiberuflich tätig, nur sehr sehr wenige kommen in einem Konzern oder einer Wohnungsbaugesellschaft unter. Bei der Vorbereitung einer Freiberuflichkeit ist es notwendig, sich zunächst Ziele zu setzen und zu überlegen, „wie man sich aufstellt“, also welche Angebote man anbieten kann. Dann ist zu überdenken, welches Design man für seine PR wählt, in welchem Rahmen man seine Dienste anbietet usw. Bald kommen die ersten Fälle. Ist das alles gut gelungen, ist der erste große Schritt zur Freiberuflichkeit getan.

In dem oben genannten Buch kann man übrigens nachschauen, wie Ziele gut formuliert werden. Vielleicht kennt der ein oder die andere bereits die SMART-Formel für die Zielformulierung? S = spezifisch, M = messbar, A = aktiv, R = realistisch, T = terminiert.

Spezifisch setzt voraus, dass das Ziel konkrete Kriterien enthält, die seine Erreichung beschreiben. … Messbar betrifft das Kriterium, an dem Sie erkennen werden, ob Sie Ihr Ziel erreicht haben. … Aktiv betrifft alles Tun, das in Ihrem Einflussbereich steht, um das Ziel zu erreichen. … Realistisch meint Orientierung an der (Lebens-)Situation und den Fakten, wie sie eben sind. … Terminiert meint, dass Ziele ein exaktes Datum für Beginn, Teiletappen und Ende brauchen.“ (Riedenauer, Tschirf, S. 115f)

Ein Ziel für junge Mediatoren könnte beispielsweise lauten: „Ich möchte in 2013 mindestens zehn Paarmediationen in meinen eigenen Mediationsräumen durchführen. Nach Beendigung jeder Mediation werde ich eine vollständige Protokollführung vornehmen und die wichtigsten Interventionen sowie deren Auswirkungen auf je 2 DIN A4-Seiten dokumentieren.“

Natürlich ist diese Formel auch für Supervisions- und Coachingsitzungen nützlich, denn auch dortige Ziele sollten unbedingt der SMART-Formel genügen. Und schließlich kann die SMART-Formel auch für Mediationsabschlüsse nützlich sein, gerade in Teammediationen ist die Lösungsformulierung per SMART-Formel eine gute Sache …

Was ist Ihr derzeitiges Ziel in Bezug auf das Thema Mediation?

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0) | Autor:

Das Systembrett in Mediation, Supervision und Coaching

Montag, 26. März 2012 7:43

Eine Abteilungsleiterin kommt in meine Praxis und klagt über schlechte Disziplin und forderndes Auftreten ihrer Mitarbeiter. Nachdem sie die Missstände in der Abteilung ausführlich geschildert hat, bitte ich sie, Ihr Ziel zu formulieren, so, als ob es schon erreicht sei. Sie denkt eine Weile nach. „Ich möchte sagen können: Meine Mitarbeiter arbeiten selbstständig, eigenverantwortlich und motiviert im Sinne der Firma, ohne dass ich sie dauernd kontrollieren muss“.

Ich schlage ihr vor, ihre Situation auf dem Systembrett aufzustellen. Sie willigt ein. Ich zeige ihr das Brett und ein Kästchen mit kleinen Gegenständen, bunten Steinen, Klötzchen, Holzfiguren, die sie als Stellvertreter für die Beteiligten wählen kann. Sie blickt in den Korb, schaut sich dann im Raum um und nimmt eine dicke Mandarine von einem Fruchtkorb. Die platziert genau ins Zentrum des Bretts. „Die Kollegin X, die ist das eigentliche Problem, die ist schrill und macht sich breit und will immer im Mittelpunkt stehen.“

Jetzt nimmt sie ein kleines Figürchen aus dem Korb und stellt es als Stellvertreter für sich gegenüber der X auf.

Dann, sehr rasch, wählt sie aus dem Kästchen Stellvertreter für die anderen Kollegen und baut sie rundherum auf. „Genau so ist es, alle stehen um mich herum, und alle schauen mich an. Jeder will etwas von mir. Ich habe das Gefühl, alle machen mir Arbeit mit ihren Forderungen, anstatt selber etwas zu tun. Von allen Seiten nichts als Forderungen. „Wo ist jetzt für Sie der Mittelpunkt?“ frage ich. Sie schaut auf ihren Aufbau. „Da bin ja ich selbst im Zentrum!“ ruft sie überrascht.

In schwierigen Situationen ist es oft hilfreich, innezuhalten, zurückzutreten und sich Übersicht zu verschaffen über das Arbeitsumfeld, über die Familie, die Partnerschaft, über innere Widersprüche, kurz, über ein System, als dessen Teil man sich begreift, und in dem man sich hilflos, ausgeliefert oder orientierungslos fühlt.

Das Systembrett bietet in der systemischen Beratung – ob Mediation, Supervision oder Coaching – eine hilfreiche Methode in der Arbeit mit Einzelnen, Paaren oder Gruppen, sich Überblick zu verschaffen über das, was ist. Und es bietet zugleich die Gelegenheit, schöpferisch tätig zu werden, nämlich das, was sein soll, neu zu komponieren.

Das Systembrett kann als die „kleine Schwester“ der Aufstellung beschrieben werden; es ist eine Art Miniaturbühne und ähnelt einem Brettspiel. Auf der quadratischen Brettoberfläche befindet sich ca. 5 cm vom Brettrand eine innere Rahmung in Form einer eingebrannten oder aufgezeichneten Linie, welche die Fläche des Bretts in einen Innen- und einen Außenraum gliedert. Das gibt dem Klienten die Möglichkeit zu visualisieren, wer oder was zum Problemsystem dazugehört bzw. außerhalb steht. Die Konfliktbeteiligten werden durch kleine Figuren oder Objekte repräsentiert. Je nach Bedarf kann man neutrale Figuren oder Objekte mit Symbolgehalt wählen – dabei ist die Wahl sowohl vom Kontext als auch von der individuellen Arbeitsweise und Neigung des Beraters abhängig, und der Phantasie der Benutzer sind letzten Endes keine Grenzen gesetzt

Unter Zuhilfenahme von Figuren erschaffen die Klienten ein Abbild ihres thematisierten Beziehungsgefüges und verändern es (einzeln oder gemeinsam, je nach Setting) durch Umgruppierung. Sie sind aktiv und schöpferisch von Anfang an; indem sie die Umstände ihrer Situation aus ihrer Sicht formulieren und bestimmte Beziehungen, Aspekte, Anschauungen, Überzeugungen aus der inneren Vorstellung nach außen holen und konkret sichtbar machen, bewegen sie sich aus Passivität, Duldung und Opferhaltung heraus. Jeder einzelne exploriert und erweitert seine Handlungskompetenz, indem er sich zum Beispiel mit den Repräsentanten der Konfliktpartner assoziiert und deren Perspektive exploriert. Es kann auch Adler- oder Ameisenperspektive eingenommen werden. Dabei eröffnen sich jedem Individuum andere und neue Blickwinkel; eigene, vergessene Ressourcen werden neu entdeckt, Zielkonstellationen ge- und ver-setzt und im gegebenen Rahmen erprobt. Ist die Wunschkomposition gefunden, können die Klienten konkrete Schritte formulieren, die für sie im Alltag zielführend sind: „Was bedeutet diese Umstellung für Ihre konkrete Situation in der Familie?“

Das Systembrett ist für mich ein faszinierendes Werkzeug für jedermann, um innere Bilder nach außen zu transportieren, sie zu manifestieren, zu deuten und umzugestalten, um Perspektiven zu wechseln, Ressourcen zu entdecken, Handlungsspielräume zu erweitern und Optionen zu erproben. Es bietet die Möglichkeit, die Gestaltung des eigenen Systems im Wortsinn „in die Hand zu nehmen“, indem ich die Stellvertreterfiguren wähle, setze und ver-setze. Das Systembrett – ernst genommen – ist eine lebendige Werkstatt für persönliche Weltentwürfe. Dabei ist sein Einsatz unaufwändig und raumsparend.

Gerade auch für Klienten, deren verbale Ausdrucksmöglichkeiten begrenzt sind, bietet das Systembrett einen Raum, in dem sie ihre Welt, ihr System ganz konkret aufbauen, von allen Seiten betrachten und verändern können. Und dabei braucht es möglicherweise nicht viele Worte.

Literatur:
Eine empfehlenswerte Einführung in die Arbeit mit dem Systembrett ist im Ökotopia-Verlag erschienen: „Aufstellungen mit dem Systembrett“ von Wolfgang Polt und Markus Rimser (Münster 2006)

Autorin dieses Artikels:
Dr. Heidrun Kaletsch, Trainerin, Coach und Supervisorin mit dem Schwerpunkt Gesundheitswesen. Sie arbeite häufig in Arztpraxen als Beraterin. Da geht es um Verbesserung der Kommunikation, Klärung von Konflikten, Team- und Leitungssupervision. Gern nutzt sie dabei das Systembrett, um Situationen sichtbar zu machen und auf ihre Veränderbarkeit hin zu untersuchen. Und immer wieder ist sie erstaunt über die unerwarteten Erkenntnisse und kreativen Lösungsperspektiven, die ihre Klienten bei der Arbeit mit dem Systembrett gewinnen. www.praxiskommunikation-berlin.de

Thema: Konfliktberatung, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Ein Stuhl ist (kein) Stuhl – und mehr …

Montag, 9. Januar 2012 6:43

Vor einiger Zeit habe ich über Antworten zur Frage „Wann ist eine Frage eine gute Frage?““ berichtet. Heute möchte ich darüber schreiben, dass ein Stuhl nicht nur ein Stuhl ist …

Vielleicht haben Sie von der Methode mit dem leeren Stuhl gehört, oder kennen diese Technik bereits? Die Methode kommt ursprünglich aus der Gestalttherapie. Dort kann ein leerer Stuhl stellvertretend für verschiedenen Rollen stehen. Ein Stuhl kann einen Teil des Ichs repräsentieren und wird in der Gestalttherapie dadurch zur Lösung innerpsychischer Probleme genutzt. Ein leerer Stuhl kann allerdings auch einen Gesprächspartner oder eine Wunschperson symbolisieren. In der Vorstellung nimmt eine andere Person auf diesem Stuhl Platz. Perspektivwechsel und imaginäre Unterhaltungen sind möglich. Zirkuläre Fragen bekommen mehr Prägnanz. Und manchmal bekommt der Klient auch den Auftrag, sich mit diesem anderen zu identifizieren, in diesem Fall tauscht er mit der vorgestellten Person den Platz und setzt sich selbst auf den leeren Stuhl, damit er sich besser in die abwesende Person hineinversetzen kann, um zu erfahren, wie der andere eine Situation erlebt.

Sowohl in der systemischen Beratung und Therapie, als auch natürlich im Konfliktcoaching und in der Mediation – die ja per se systemisch ist – kann die Methode des leeren Stuhls eingesetzt und genutzt werden.

Im Konfliktcoaching kann der leere Stuhl beispielsweise als „So-tun-als-ob-Stuhl“ genutzt werden. Hat jemand die Wahl zwischen verschiedenen Optionen und Reaktionsmöglichkeit im Konfliktfall, so können diese Wahloptionen als Stühle gestellt werden. Der sich im Konfliktcoaching befindende Coachee kann sich dann abwechselnd auf die Stühle setzen, Vor- und Nachteile der jeweiligen Wahl kognitiv abwägen und die Wahlmöglichkeit über das eigene Erleben auf den Stühlen „erfühlen“. „Mal angenommen, Sie hätten sich für diesen Weg entschieden, wie geht es Ihnen damit? Wie fühlt es sich an?“ – so würde man einen Coachee fragen, der einen der Stühle gewählt hat.

Auch das zirkuläre Fragen im Konfliktcoaching kann mit einem dazu gestellten leeren Stuhl verstärkt werden. „Wenn jetzt auf diesem Stuhl hier neben Ihnen Herr xy sitzen würde, was würde er dann wohl dazu sagen?“ Es gibt Situationen, da meint man fast, diesen imaginären Herrn xy im Coaching „spüren“ zu können.

In der Mediation kann die Methode des leeren Stuhls natürlich auch genutzt werden, wenn eine Konfliktpartei nicht mit dabei sein kann. In einer Mediation mit einer Gruppe oder einem Team kann es schon mal passieren, dass ein Mitglied nicht anwesend sein kann. Dann ist zu überlegen, ob die Mediation abgesagt wird oder ob es eine Möglichkeit ist, durch die Methode mit dem leeren Stuhl weiter zu arbeiten. In diesem Fall wird dann der leere Stuhl stellvertretend für das fehlende Team- oder Gruppenmitglied gestellt. Dadurch kann dieses Team- oder Gruppenmitglied mit in die Mediation, in die Darstellung der Sichtweisen und in die Diskussion um die Lösungsfindung eingebunden werden. Natürlich ist die Anwesenheit aller Konfliktparteien immer oberstes Ziel in einer Mediation und die Wahl der Methode mit dem leeren Stuhl stets die zweite Wahl.

In dem zweiten Teil des Buches “Die Psychotherapeutische Schatzkiste“ von Andrea und Filip Caby aus dem Borgmann Verlag werden verschiedene Anwendungsmöglichkeiten für die Methode des leeren Stuhls in systemischen Settings genauer beschrieben. Die Cabys haben die Methode des leeren Stuhls in verschiedensten Situationen mit Klienten und ihren Systemen erfolgreich eingesetzt: Einsatz von Stühlen beim zirkulären Fragen, in der Time-Line-Technik, bei Familienskulpturen sowie beim Rollentausch. Sie nutzen Stühle oder andere Gegenstände zur bildlichen Darstellung eines Problems (oder einer Lösung) und schätzen einen leeren Stuhl bei ungewohnten Interventionen.

Neben dieser Methode wird in der Psychotherapeutischen Schatzkiste ein großes Repertoire an systemisch-lösungsorientierten Interventionen für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Familien vorgestellt. Praxisgeleitete Ausführungen gibt es zu Frageformen, Metaphern, Gesprächsgestaltung, Ressourcenarbeit und vielem mehr. Damit eignet sich das Buch als Lektüre für alle diejenigen, die systemisch arbeiten oder arbeiten möchten – sei es im beraterischen oder therapeutischen Bereich oder in der Mediation.

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (1) | Autor:

Die Schule der Tiere

Montag, 1. August 2011 7:20

 
Es war einmal eine Zeit, da hatten die Tiere eine eigene Schule. Der Unterricht bestand aus Rennen, Klettern, Fliegen und Schwimmen, und alle Tiere wurden in allen Fächern unterrichtet.

Die Ente war gut im Schwimmen, besser sogar als ihr Lehrer. Im Fliegen war sie durchschnittlich, aber im Rennen war sie ein ganz besonders hoffnungsloser Fall. Da sie in diesem Fach so schlechte Noten hatte, musste sie nachsitzen und den Schwimmunterricht ausfallen lassen, um das Rennen zu üben. Das tat sie lange, bis sie auch im Schwimmen nur noch durchschnittlich war. Durchschnittsnoten aber waren akzeptabel, darum machte sich niemand Gedanken darum – außer der Ente.

Der Adler wurde als schwieriger Schüler angesehen. Zwar schlug er in der Kletterstunde alle anderen darin, als Erster den Wipfel des Baumes zu erreichen. Jedoch wurde er unnachsichtig und streng gemaßregelt, da er darauf bestand, seine eigene Methode anzuwenden.

Das Kaninchen war anfänglich im Laufen an der Spitze der Klasse. Dann bekam es einen Nervenzusammenbruch und musste von der Schule abgehen wegen des vielen Nachhilfeunterrichts im Schwimmen.

Das Pferd gab sich beim Klettern besondere Mühe. Es war nämlich schon beim Flugunterricht unangenehm aufgefallen. Im Fliegen hätte es beinahe eine Fünf bekommen und sollte jetzt Nachhilfeunterricht nehmen.

Das Eichhörnchen war Klassenbester im Klettern, aber sein Fluglehrer ließ es seine Flugstunden am Boden beginnen, anstatt vom Baumwipfel herunter. Es bekam Muskelkater durch Überanstrengung bei den Startübungen und immer mehr „Dreier“ im Klettern und „Fünfer“ im Rennen.

Die Präriehunde waren der Meinung, dass man Buddeln auf jeden Fall in der Schule lernen müsse. Als die Schulbehörde es aber ablehnte, Buddeln zu einem neuen Unterrichtsfach zu machen, gaben sie ihre Jungen zum Dachs in die Lehre.

Am Ende des Schuljahres hielt ein anormaler Aal, der gut schwimmen konnte, etwas rennen, klettern und fliegen konnte, als bester Schüler die Abschlussrede.

Soweit zum Thema “Notwendigkeit von Individualisierung im Unterricht”. Diese Geschichte trägt den Namen “Die Schule der Tiere”. Sie wird mitsamt dem zugehörigen Bild immer wieder im deutschsprachigen Raum genutzt. Es war mir nicht möglich, die Ursprungsquelle herauszufinden. Vielleicht kann jemand helfen?!

Auch in meinem Buch “chicken soup for the soul“ ist sie zu finden – da natürlich in der englischen Version.

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Soziales Lernen, Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

„Good morning class!“

Montag, 18. Juli 2011 10:22

Der Englischlehrer betritt den Klassenraum der 9a. Bis auf einen Schüler erwidern alle die Begrüßung. Peter sitzt auf dem Lehrerstuhl mit einem Cappie auf dem Kopf und den Füßen auf dem Tisch. Die Aufforderung sich auf seinen Platz zu setzen, beantwortet er lustlos: „Vor 10 Minuten wollte ich anfangen, aber jetzt ist es zu spät. Geht´s mal los?“ Mit ruhigen Worten versucht der Lehrer Peter zu überreden die Mütze abzunehmen und den Platz zu wechseln. Doch Peter denkt gar nicht daran seine Position aufzugeben und provoziert immer weiter. Halb lustlos, halb provokant und latent aggressiv reagiert er auf die Bitten des Lehrers, der zunehmend – unter Beobachtung der ganzen Klasse – versagt.

Die Situation gerät außer Kontrolle. Der Lehrer ist ihr nicht gewachsen, gerät unter Stress, macht Fehler und eine Lösung will ihm schon erst Recht nicht einfallen.

In unserem Beispiel ist es nur ein Rollenspiel und unser Lehrer sagt einfach: „Stopp!“ und die Situation des Rollenspiels wird aufgelöst. Aber ähnliche Situationen gibt es jeden Tag in Berliner Klassenzimmern.

Werner Mattausch ist unser Peter und im wahren Leben ist er Experte im Bereich der Gewaltprävention, Anti-Gewalt-Trainer und Polizeibeamter vom „LKA Prä 4“, das im Rahmen der Prävention verschiedene Informationsveranstaltungen und Seminare zum Thema anbietet. Anhand solcher Rollenspiele erklärt er, wie – speziell in der Schule – Aggressionen begegnet werden kann.

Schwierig manchmal, schließlich kann man als Lehrer/-in in der Schule, dem Konflikt nicht einfach aus dem Weg gehen, wie es auf der Straße häufig angeraten wäre. Im Gegenteil wird man durch die Garantenstellung eventuell sogar zum Mittäter, wenn man zum Beispiel bei einer Prügelei nicht reagiert. Aber was macht man denn in als Lehrer in unserem Beispiel und was, wenn ein Schüler sagt, er hätte bei einem anderen eine Waffe gesehen?

Grundsätzlich gilt bei Konflikten mit Aggressionspotenzial:

Seinen eigenen Gefühlen vertrauen
80% der Opfer sagen nachher aus, dass sie vorher das Gefühl hatten, das etwas passieren wird.

Früh handeln
Je länger eine Situation, desto mehr gerät man in eine Spirale aus der man so schnell nicht wieder herauskommt.

Agieren statt reagieren
Täter haben einen „Tatplan“. Diesen gilt es zu durchbrechen, z.b. indem man etwas Unerwartetes tut oder sich Hilfe von außen holt.

Abstand halten / Stopp setzen
Es gibt einen definierten Bereich, die Distanzblase wie Herr Matausch sagt, den jeder zu schützen versucht. Sich diesen Bereich zu erhalten und auch in den Bereich des Anderen nicht ohne Erlaubnis einzudringen, ist einer der wichtigsten Punkte. Deshalb sollte frühzeitig ein „Stopp“ gesetzt werden.

Das alles gilt auch für unsere Situation mit Peter. Eine Lösung könnte sein, ihn sofort in den Fokus zu rücken und ihm das unterrichten zu überlassen; den Spieß umdrehen; sich selbst rausnehmen und den Schüler vor eine Wahl zu stellen. Mattausch sagt, das klappt fast immer. Er sagt aber auch, dass jede Situation anders ist und dass es nicht nur eine Lösung gibt. Jeder Konflikt ist abhängig von den beiden Streitpartnern und ihrer Art und Weise mit dem Konflikt in der speziellen Situation umzugehen. Was für den einen passt, lässt sich von einem zweiten vielleicht gar nicht ausführen. Deshalb sollten solche Situation geübt werden. Eine Möglichkeit sind die Präventionsseminare der „LKA Prä 4“.

Die zukünftigen Kunst- und Musiklehrer, die gerade ihre Ausbildung an der UdK absolvieren, haben jedenfalls durch das Seminar viele Anregungen und gute Verhaltensweisen zum Thema Gewalt für ihre zukünftige Arbeit an den Berliner Schulen mitgenommen.

Letzte Woche gab es in diesem Blog die Vorankündigung zu dieser Veranstaltung, diese Woche den vorliegenden Bericht. Eine schöne Ferienzeit sowie ein ruhiges nächstes Schuljahr ohne viel Gewalt in und um Schule
wünscht Ihnen Dominik Mühe

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Gewaltprävention – Umgang mit Aggression und Gewalt im Schulbereich

Freitag, 8. Juli 2011 19:43

D.: Du studierst in Berlin und möchtest Lehrerin werden. Inwiefern verfolgst du Berichte über Gewalt in Schulen in den Medien?

F.: Also man kommt ja nicht dran vorbei, aber ich achte schon auch speziell darauf und beobachte ja auch in meiner lebensnahen Umgebung die Bereitschaft von Jugendlichen zu Gewalt. Ich bin teilweise leider nicht mehr so erschüttert, sondern halte das manchmal schon fast für Klischeeentsprechung, aber ich denke, es gibt in jeder Situation eigentlich einen anderen Weg dem zu begegnen oder damit umzugehen, als der, der da so beschritten wird. Einfach sofort so überzureagieren sowohl in Wortwahl und Tonfall. Da geht’s sofort um Respekt und Ehre und Rangfolge und wer da mit wem was machen darf. Das find ich dann schon grenzwertig und da müssen sich nicht erst zwei heftig verprügeln bis man von Gewalt spricht.

D: Kannst du dir vorstellen als Lehrerin Angst zu haben?

F.: Ich denke es gibt Grenzmomente zwischen „das könnt ihr so einfach nicht machen“ und „da fühl ich mich nicht mehr zuständig“, also Fälle in denen man mit zwischenmenschlichen und sozialen Fähigkeiten nicht mehr weiter kommt und vielleicht auch die Polizei holen muss. Ich setz nicht mein Leben aufs Spiel und ich kann sicher nicht zwei 18jährige ohne eigenen Schaden davon abhalten sich zu prügeln.

D.: Wirst du in deinem Studium auf solche Grenzsituationen vorbereitet?

F.: Es wird schon zunehmend thematisiert, besonders die Studierenden stellen häufig die Frage, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollen. Wobei meistens die Fragen zu Motivationsproblemen beantwortet werden. Aber was man jetzt in Situationen macht, in denen jemand aggressiv wird, darauf werden wir nicht explizit vorbereitet, würde ich sagen. Allerdings gibt es ein Seminar zum Thema „Unterrichtsstörungen“, das geht ja in die Richtung, aber wenn ich dann vor der Klasse steh, ist sicher alles wieder neu und darauf kann mich vielleicht auch kein Seminar vorbereiten.

Im Sommersemester 2011 fand an der Universität der Künste ein Seminar zum Thema “Gewalt und Gewaltprävention in Schule” statt. Das Seminar beschäftigte sich eingangs mit Definitionen und Erklärungsmodellen für Aggressionen und Gewalt, um dann vertiefend auf verbale Gewalt, Mobbing und der in letzter Zeit viel diskutierten neuen Form des Cyber-Mobbings einzugehen. Am Ende des Semesters standen nun noch die Themen „School-shooting“ und „Gewalt an Schulen“ und Möglichkeiten der Prävention.

Als Ergänzung nimmt das Seminar ein Angebot des Landeskriminalamts Berlin (LKA Präv 4 / Anti-Gewalt-Projekt) wahr. Dieses bietet im Rahmen der Prävention verschiedene Informationsveranstaltungen und Seminare zum Thema an, die für die Teilnehmer kostenlos sind. Ziel dieser Seminare ist es, Strategien zum deeskalierenden und gewaltfreien Verhalten in Konflikt- und Bedrohungssituationen zu vermitteln bzw. gemeinsam mit den Teilnehmern zu erarbeiten. Damit soll die Handlungskompetenz und das subjektive Sicherheitsgefühl der an der Veranstaltung Teilnehmenden verbessert werden.

Ein spezielles Seminar für Lehrer und Lehrerinnen und solche die es werden wollen, soll diesen helfen Gefahren in der schulischen Umgebung richtig einzuschätzen und sich in gewissen Situationen richtig zu verhalten, dabei ist die nonverbale Kommunikation genauso wichtig, wie ein „dazwischen gehen“. Mittels verschiedener Rollenspiele sollen Aufschaukelungsprozesse und das eigene Verhalten verdeutlicht werden. Ebenso wird auf rechtliche Fragen geantwortet: Welche Verpflichtungen habe ich als Lehrer? Wann muss ich eingreifen? Was tun bei Bedrohung, Mobbing oder bei einem Waffenfund?

Für die Studierenden eine wichtige Sache, schließlich kann man sich im 1. Semester manchmal nicht vorstellen irgendwann 30 Kinder gleichzeitig zu unterrichten, geschweige denn prügelnde Kinder auseinander zu halten oder gar mit einem Waffenfund zurecht zu kommen.

Wir freuen uns auf diese Möglichkeit der Fortbildung, und wenn Sie mögen, dann besuchen Sie doch ebenfalls ein Seminar! Das nächste Basisseminar zum Umgang mit Aggression und Gewalt im öffentlichen Raum findet übrigens am 24. August 2011 statt. Einen kurzen Bericht zu einer solchen Veranstaltung finden Sie übrigens auch auf diesem Blog …

Dominik Mühe

Thema: Konfliktberatung, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Konfliktcoaching

Montag, 20. Juni 2011 9:22

Aus aktuellem Anlass habe ich in der letzten Zeit nach einem Buch gesucht, in dem die Methode des Konfliktcoachings gut beschrieben und erläutert wird. Jetzt habe ich es gefunden, ein Buch von Sonja Radatz zum Thema „Einführung in das systemische Coaching“ in der Reihe Carl-Auer compact.

Sonja Radatz schreibt, dass im klassischen Coaching an Problemen gearbeitet wird, die aus oder mit Situationen entstanden sind. Im Konfliktcoaching stehen hingegen „Probleme mit Menschen“ – also Konflikte – im Vordergrund. Das von ihr beschriebene Instrument des Konfliktcoachings baut auf der Grundlage des systemischen Coachings auf und ist einfach und leicht anwendbar.

Dieses Instrument funktioniert natürlich nur, wenn nicht der Coach, sondern der Coachee ein Interesse daran hat, dass der Konflikt gelöst wird. Nur in diesem Fall kann der Coach dieses Einzelgespräch quasi mit dem Coachee als einer Konfliktpartei führen. Aus systemischer Sicht gibt es dann für die Lösung dieses Konfliktes keine „richtige“ oder „falsche“ Lösung. Es gibt lediglich solche, die sich zu einem gegebenen Zeitpunkt für ein spezifisches System (Team, Unternehmen, Führungsbeziehung, Projektgruppe) als viabel (gangbar, passend) herausstellt oder eben nicht.

Wenn an einer möglichen Lösung eines Konfliktes gearbeitet wird, so hat man natürlich nie einen 100%igen Einfluss auf eine Situation, denn wir können natürlich nie die andere Konfliktpartei ändern und auch nicht ein bestimmtes Verhalten von ihr erzwingen, sondern nur unser eigenes Verhalten ändern. Sonja Radatz sagt, dass damit ein Konfliktcoaching zu einer „verhaltensoptimierenden Arbeit“ wird:

„Wir arbeiten daran, wie wir mit den anderen anders umgehen können – und nicht daran, wie wir sie verändern können. Wir begleiten Menschen im Konfliktcoaching, indem wir ihnen die passenden Fragen stellen und sie damit zum Denken anregen. Damit ermöglichen wir ihnen, innerhalb ihres Denkrahmens andere, aus ihrer Sicht passendere Handlungsalternativen zu entwickeln. Jede Frage, die wir stellen, hat dabei enorme Kraft – und daher sollten die Fragen jeweils sorgfältig ausgewählt und geprüft sein, bevor sie dem Coachee gestellt werden.“ (Buch, S. 96)

Die Methode des Konfliktcoachings vereint also Bausteine aus dem Bereich der Mediation und aus dem Bereich des Coachings. Die oben zitierte Textpassage gefällt mir als Mediatorin sehr gut, und ich möchte gerne das von Sonja Radatz vorgeschlagene Modell zum Konfliktcoaching hier folgend vorstellen. Es ist für MediatorInnen interessant, aber natürlich auch für alle diejenigen, die sich im Spannungsfeld zwischen Coaching und Mediation bewegen. Im Gegensatz zur Medation wird in diesem Modell bewusst sehr kurz an der Problemschilderung gearbeitet, da die Erfahrung gezeigt hat, dass eine lange Auseinandersetzung mit einem als problematisch erlebten Verhalten weniger Fortschritt bringt als die Fokussierung in Richtung einer Lösung.

  • Konflikt schildern (3 Min.)
    Worum geht’s?
    Wer tut was im Konflikt?
  • Skalenfrage (5 Min.)
    Aus einer Skala von 0 bis 10, wenn 0 den schlimmsten bisher in diesem Konflikt von Ihnen erlebten Zustand beschreibt und 10 Ihren Zielzustand – was machen Sie genau bei 10?
  • Derzeitige Einschätzung auf der Skala (1 Min.)
    Und wo stehen Sie gerade jetzt auf dieser gleichen Skala?
  • Angestreben Wert auf der Skala festlegen (10 Min.)
    Welchen Punkt auf der Skala wollen Sie denn heute erreichen?
    Und was tun Sie genau anders, wenn Sie diesen Wert erreicht haben?
    Und wenn sie das tun, was tut dann Ihr Konfliktpartner anders?
  • Verhaltensunterschiede bilden (5 Min.)
    Was – das Sie jetzt noch nicht tun – tun Sie, wenn Sie um einen Punkt höher stehen?
    Und wenn Sie das tun, wie anders verhält sich dann der andere?
    Und wenn der andere sich anders verhält, wo stehen Sie dann auf der Skala?
    Etc.
  • Entscheidung (10 Min.)
    für einen Wert unter Einbeziehung des dafür zu bezahlenden Preises
  • Maßnahmen (5 Min.)
    Was tun Sie (ab) morgen konkret (anders)? 

    (Buch S. 95)

Natürlich bildet das Konfliktcoaching nur ein kleines Unterkapitel in dem Buch „Einführung in das systemische Coaching“. Neben grundlegenden Aussagen zum Coaching gibt es dort weitere Kapitel zu Frageformen im Coaching, zum Ablauf des systemischen Coachings, zum Umgang mit unterschiedlichen situativen Verhaltensweisen des Coachees, zu Coachinginstrumenten in der Praxis, zu speziellen Coachingabläufen für spezielle Situationen, zur Verwendung von Coachingpartikeln im Alltagsgespräch sowie zu hilfreichen Selbstcoachingkonzepten. Und das alles kurz, knapp, kompetent und sehr lesbar in handlicher Form. Wer also aus der Mediation kommt und sich für das Coaching interessiert, dem sei dieses Buch als Einstieg ins Thema unbedingt zu empfehlen.

Christa D. Schäfer

Konfliktcoachings können Sie übrigens auch mit anderen Methoden und in anderen Settings gestalten, zum Beispiel mit den sechs Denkhüten von De Bono.

Thema: Konfliktberatung, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor: