Beitrags-Archiv für die Kategory 'Konfliktberatung'

Fragen, Fragen, Fragen

Montag, 5. Juli 2010 6:02

Es gibt Konflikte, die bekommt man alleine leicht in den Griff, weil sie sich noch auf einer geringen Eskalationsstufe bewegen. Dann gibt es Konflikt, da ist es ziemlich heikel, sie zu lösen. Ja, und dann gibt es Konflikte, da wird es ganz ganz schwierig. Laut Friedrich Glasl gibt es 9 Eskalationsstufen im Konflikt: 1. Verhärtung, 2. Debatte, Polemik, 3. Taten statt Worte, 4. Images und Koalitionen, 5. Gesichtsverlust, 6. Drohstrategien, 7. Begrenzte Vernichtungsschläge, 8. Zersplitterung, 9. Gemeinsam in den Abgrund.

Wenn sich soziale Konflikte auf einer der ersten drei Eskalationsstufen befinden, so kann dies nach Glasl leicht durch Selbsthilfe, Nachbarschaftshilfe oder auch externe professionelle Prozessbegleitung geregelt werden. Ab Stufe drei bis einschließlich Stufe acht setzen laut Glasl dann Methoden der externen professionellen Prozessbegleitung sowie die Methode der Mediation an. (Friedrich Glasl: Selbsthilfe in Konflikten. S. 130). Egal ob ein Konflikt in Selbsthilfe oder durch professionelle Konfliktmoderation bzw. Mediation bearbeitet wird, wichtig ist es Fragen zu stellen und Antworten herauszufordern.

„Wenn wir andere Fragen stellen, werden wir andere Antworten finden.“
(Werner Heisenberg, deutscher Physiker)

„Wenn es trifft, reicht ein Satz.“
(Wolfram Jokisch, Erfinder der Sinn-ier Karten)

Fragen regen zum Nachdenken an, bieten Perspektivwechsel und neue Anreize. Fragen berühren, inspirieren und animieren, sich mit sich selbst, seinen Lebenszielen, seinem Umfeld und all den damit verbundenen wesentlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Fragen sind mal mehr, mal weniger einfach, manchmal frech, ungewohnt und überraschend. Fragen sollten stets wohlwollend und konstruktiv sein. Aber dennoch dreht sich das Denken auch trotz Fragen manchmal im Kreis und schicken in ein bekanntes Muster hinein.

Ich habe jetzt wunderbare Fragen entdeckt. Diese Fragen sind in Form der Sinn-ier Karten in Etuis zu verschiedenen Themen wie Entscheiden, Leben, Beruf, Herz, Beziehung, Genius usw. erhältlich. Sie können für private Zwecke, für Trainings/Coachings/Beratungen – sowie natürlich auch in der Arbeit mit Konflikten und im Mediationsbereich genutzt werden.

In meiner „Kostprobe“, einem Set mit 6 verschiedenen Etuis, gibt es beispielsweise Fragen zum Thema „Entscheiden“. Gerne möchte ich Sie an dieser Stelle mit Hilfe einiger dieser Fragen in einen Konflikt und dessen mögliche Lösung hineinführen, versuchen wir es.

Suchen Sie sich bitte zunächst einen Konflikt (oder eine Entscheidungssituation), für den bzw. die Sie gerne einen Impuls oder eine gute Lösung hätten. Lägen Ihnen die Karten vor, würden Sie aus dem Kartendeck „Entscheiden“ jetzt mehrere Fragen auswählen und mit Hilfe dieser Fragen beleuchten, was für Anregungen diese zum Konflikt geben, was durch die Karten in Gang kommt und wie das alles auf Sie wirkt. Da Ihnen die Karten (wahrscheinlich) nicht vorliegen, gebe ich Ihnen fünf Fragen vor, die Sie auf Ihren Konflikt anwenden können:

Bin ich Teil der Lösung oder des Problems?
Was fehlt, dass es gut wird?
Was hat dieses Problem mit mir zu tun?
Inwiefern habe ich die Lösung schon in mir?
Welche Entscheidung ist die zukunftsträchtigste?

Bitte setzen Sie sich in Ruhe mit einer Tasse Tee oder einem Kaffee und einem Blatt Papier oder einem Gesprächspartner und überdenken Sie die Fragen. Sie werden wahrscheinlich überrascht sein, was dadurch ausgelöst wird. Ich wünsche Ihnen übrigens alles Gute für Ihr Vorhaben, und falls Sie eine Supervisorin benötigen oder eine Mediatorin für Ihren Konflikt suchen, Sie wissen ja, wo Sie mich finden …

Die Sinn-ier Fragen und Impulse gibt es übrigens auch auf Postern. Fantastisch geeignet für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bietet sich das Sinn-ier Poster Genius an, das sich der Erforschung von Lebensmotiven und Zukunftsfragen widmet.

“Gut gefragt, ist halb gewonnen“
meint Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Konfliktberatung, Konfliktlösung, Literaturempfehlungen | Kommentare (1) | Autor:

Kooperative Gesprächsmethoden und eine Mediative Kommunikation

Montag, 4. Januar 2010 7:35

Gleich zu Jahresbeginn möchte ich an dieser Stelle ein Buch vorstellen, das ich Mediationsanfänger und -fortgeschrittenen gleichermaßen empfehlen möchte. Es ist das Buch „Mediative Kommunikation“ von Doris Klappenbach (Kriseninterventionsberaterin, Mediatorin und Ausbilderin BM, FU Berlin).

Ihr 2006 im Junfermann erschienenes Buch zeigt neben der Methode der Mediation, wie aus der Mediation stammende Methoden und Elemente zur Steigerung der Konflikt- und Handlungsfähigkeit in Beruf und Privatleben genutzt werden können. Dabei wird mit dem Einsatz dieser Methoden nicht erst gewartet, bis ein Konflikt eskaliert ist; die Mediative Kommunikation setzt bereits frühzeitig ein, um Konflikte deeskalierend zu behandeln. Klappenbach bezeichnet dies als „die Entgrenzung der Mediation“. Damit spricht mir Doris Klappenbach aus dem Herzen, denn meine Bücher zur Kommunikation in der Familie sowie zum Kommunikations- und Konfliktmanagement für Eltern verfolgen ebenfalls diese Gedankengänge und greifen mediative Kommunikationselemente speziell für den Familienbereich auf. Die Gewaltfreie Kommunikation spielt in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle im gegenseitigen Miteinander, aber auch Gedankengänge der Themenzentrierten Interaktion (TZI), des Neurolinguisitischen Programmierens (NLP) und der Transaktionsanalyse (TA) sind wichtig.

Bei der Öffnung des Methodenkoffers zur Mediativen Kommunikation kommen beispielsweise kooperative Gesprächstechniken zum Vorschein.

Kooperative Gesprächstechniken eröffnen im Gegensatz zu Gesprächskillern oder Gesprächssperren einen Raum zum Reden und Zuhören. Verschiedene Fragetechniken stehen im Dienst eines guten (Konflikt-)Klärungsgespräches.

Natürlich sind Ich-Botschaften das grundlegendste und wichtigste Handwerkszeug in diesem Bereich. Wenn die Mutter am Donnerstag Abend zu ihrer Familie sagt: „Ich fühle mich überfordert, wenn ich den Einkauf jetzt noch erledigen soll, weil ich den ganzen Tag gearbeitet habe und jetzt sehr müde bin. Ich möchte, dass der Einkauf heute von jemandem anderen übernommen wird.“, so hört sich das ganz anders an als wenn sie sagt: „Mir stinkt’s, ich kauf heute gar nichts mehr ein.“ Bei dem zweiten hier vorgeschlagenen Satz ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass jemand aus der Familie den Einkauf übernimmt. Vielmehr werden alle die Mutter in Ruhe lassen und denken: Die hat ja schon wieder schlecht Laune …

Aber auch die Methode des positiven Umformulierens ist mächtig. Die Großmutter kann zum Enkel sagen: „Du störst mich gar nicht.“, das impliziert evtl. den Gedanken „Glück gehabt“ beim Enkel. Die Großmutter kann jedoch auch sagen: „Ich freue mich, dass Du da bist.“ und der Enkel erfährt hierdurch eine Würdigung. Die Kernaussage der Großmutter ist jeweils dieselbe, die Wirkung der Aussage ist extrem unterschiedlich …

Offene Fragen haben gegenüber geschlossenen Fragen den Vorteil, den Gesprächs- und Handlungsraum in der Antwort zu vergrößern. Während geschlossene Frage nur mit „ja“ oder „nein“ beantwortet werden können (oder einer Zahl, einem Straßennamen oder ähnlich kurzen Antworten), kann der Antwortende bei offenen Fragen weiter ausholen, mehr erzählen und „in die Tiefe“ gehen. Geschlossene Fragen dienen hingegen oft der Zusammenfassung oder bringen Klarheit in einen Sachverhalt.

Offene Fragen sind beispielsweise „W-Fragen“. Hiermit kann man Situationen klären, also fragen: „Wer?“, „Was?“, „Wie?“, „Wofür“. Wenn es nicht ohne den Blick auf eine Begründung geht, kann auch das Fragewort „Warum?“ genutzt werden. Ganz vorsichtig sollte man mit der Frage „Warum?“ sein, denn dies fordert eine Rechtfertigung und wird nicht als unterstützend gesehen. Man sollte auch bedenken, dass „Vergangenheitsfragen“ oft das Gespräch blockieren und es nicht voran bringen …

Fragen, die den Prozess in der Mediativen Kommunikation unterstützen sollen, müssen stets von Seiten des Fragestellenden wertfrei formuliert und gemeint sein. Den Prozess unterstützende Fragen können Informationsfragen sein (nach Fakten oder Meinungen fragen), Klärungsfragen („Können Sie mir ein Beispiel dafür nennen?“), Beurteilungsfragen („Was ist für Sie interessant daran?“) oder teilnehmende Fragen, mit denen sich Einstellungen und Wünsche erfahren lassen („Was macht Ihnen bei dieser Entwicklung ein gutes Gefühl?“).

Kontextfragen helfen, eine Situation genauer zu verstehen: „Wie ist das Verhältnis zu Ihren Freundinnen insgesamt?“. Metaphorische Fragen ermöglichen einen neuen eher bildlich angelegten Verstehensprozess: „Wenn Sie ihren Konflikt zeichnen würden, was würde zu sehen sein?“. Skalierungs- oder Rangfragen lassen die Bedeutsamkeit eines Konfliktes erkennen: „Wenn Sie den Konflikt auf einer Skala von 1 bis 10 einordnen sollen, welchen Rang würde er dann belegen?“

Auch konkretisierende Fragen helfen in der Mediativen Kommunikation. Dies sind beispielsweise Fragen zu Verhaltensmustern wie etwa: „Woran erkennen Sie, dass ihr Freund sie ablehnt?“, „Woran merken Sie, dass Paul ihnen nie zuhört?“. Zirkuläre oder triadische Fragen ergänzen bereits Erfahrenes durch eine neue Perspektive: „Was glauben Sie, dass ihre Mutter über ihren Streit mit ihrer Kollegin denkt?“.

Ressourcenorientierte Lösungsfragen runden Problem- oder Konfliktlösungsgespräche ab und unterstützen die Lösungsfindung. Zukunftsfragen, Wunderfragen oder auch Als-ob-Frage bieten sich in diesem Zusammenhang an: „Woran wird sich ihre Reaktion zukünftig festmachen?“ „Stellen Sie sich vor, Sie könnten Wunder bewirken, was würde geschehen und welche Auswirkungen hätte dies?“ „Stellen Sie sich vor, das Problem wäre gelöst, was wäre dann anders als jetzt?“

Paradoxe Fragen sind eine in der Konfliktbearbeitung eher vorsichtig anzuwendende Frageart. „Was müssten Sie tun, damit der Konflikt in drei Tagen doppelt so heftig ist wie jetzt?“, das wäre eine paradoxe Frage, die Distanzierung hervorruft, andererseits aber auch Bewegung in eine Konfliktlösung hineinbringen kann.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Fragen im nächsten Konfliktklärungsgespräch!
Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Konfliktberatung, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren | Kommentare (0) | Autor:

Freude

Mittwoch, 23. Dezember 2009 11:44

Wer lächelt, statt zu toben,
ist der Stärkere.
(Japanisches Sprichwort)

Dem Gefühl der Freude kann das Lachen zugeordnet werden. Wir alle lachen sehr individuell in Bezug auf Melodie, Frequenzverteilung und den Atemrhythmus des Lachens, sogar eineiige Zwillinge unterscheiden sich in ihrem Lachen. Das Lachen muss nicht erlernt werden, sondern ist ein angeborenes Verhaltensmuster, also ein Ausdrucksverhalten, über das wir von Geburt an verfügen. Wie das Weinen auch, so ist das Lachen als biologisches Erbgut in den Genen gespeichert. Meist ist ein Lachen fröhlich, doch die Ausdrucksbreite reicht vom vergnügten und ansteckenden Verhalten bis zum sarkastischen und hinterhältigen Lachen. Mitunter gibt es sogar Tränen vor Lachen und es gibt das Sprichwort „Lachen macht gesund“.

Das unbeschwerte Lachen ist ansteckend. Die moderne Neurophysiologie hat den Sitz des Lachens im Gehirn aufgespürt, in der frontalen Hirnrinde, im Großhirn am linken vorderen Stirnlappen nahe des Sprachzentrums. Wird diese Stelle durch einen kurzen Stromimpuls gereizt, so lachen wir geradeheraus los und je stärker die Stromstöße sind, um so lauter lachen wir. Und ist erst einmal kräftig gelacht worden, so werden auch sogleich Glückshormone ausgeschüttet, die für Hochgefühl sorgen, stimmungsaufhellend, luststeigernd und schmerzlindernd sind.

Das Lachen hat eine große soziale Bedeutung, denn im menschlichen Miteinander wird es als Ausdruck für Sympathie und gegenseitiges Einverständis gewertet. Dadurch entfaltet es eine besänftigende, konfliktbegrenzende Wirkung, die dem Zusammenleben in Gruppen förderlich ist.

Wer sich für das Lachen in der Erziehung interessiert, dem sei das Buch von Charmaine Liebertz mit dem Titel „Das Schatzbuch des Lachens“ empfohlen. Dieses Buch stellt Grundlagen, Methoden und Spiele für eine Erziehung mit Herz und Humor vor. Neben der Wissenschafts- und Kulturgeschichte des Lachens stellt Liebertz die Vielfalt des Lachens zwischen echtem, unechtem, gutem und bösem Lachen vor; sie gibt Informationen über das Lachen der Geschlechter und berichtet über den Homor, den Witz und den Optimismus als Verwandte des Lachens. Das für mich spannendste Kapitel des Buches berichtetet über die Entwicklung des kindlichen Lachens und ein weiteres stellt Spiele, Rätsel, Geschichten und Lachtipps für gemeinsame Lachmöglichkeiten vor.

Übrigens vermag man bereits aus 90 Metern Distanz erkennen, ob eine Person lacht. Keine andere emotionale Äußerung als das Lachen ist aus so großer Entfernung zu erkennen.

Nun hoffe ich, dass Sie über die Weihnachtsfeiertage ganz viele Möglichkeiten zum Lachen haben werden und die Freude der Feiertage ausgiebig genießen können.

Lachen und Lächeln sind Tore und Pforten,
durch die viel Gutes in den Menschen hineinhuschen kann.
(Christian Morgenstern)

weihnachten
In diesem Sinne ein schönes Weihnachtsfest
und ruhige, freudige Tage
wünscht Christa Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Konfliktberatung, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (2) | Autor:

Disziplin, Ermutigung, Erziehung und Unterrichtsstörungen

Montag, 7. Dezember 2009 17:23

„Man kann Disziplin als den Dreh- und Angelpunkt der schulischen Erziehung betrachten. Ohne sie verschwindet das Gleichgewicht zwischen Lehrern und Schülern und es wird sehr wenig gelernt. Die heutigen Disziplinprobleme können beigelegt werden, wenn wir die überholte autoritäre Methode aufgeben, die eine Unterwerfung der Schüler forderte, und eine neue Ordnung akzeptieren, die auf den Prinzipien von Freiheit und Eigenverantwortung beruht. Lehrer sollten weder permissiv noch autoritär sein. Als Lehrer oder Lehrerin müssen Sie lernen, Ihren Schülern gewachsen zu sein, ihre Denkweise verstehen und in der Lage sein, sie zu leiten, ohne sie verwahrlosen zu lassen oder, das andere Extrem, zu unterdrücken.“ (S. 36)

Dieses Zitat entstammt dem Buch “Disziplin ohne Tränen“ von Rudolf Dreikurs, Pearl Cassel und Eva Dreikurs Ferguson. Auch wenn die drei Autoren das Wort „Disziplin“ verwenden, so meinen Sie damit nicht ein ständiges Anweisen und Herumkommandieren der Schüler, und auch kein Genörgel, Predigen, Disziplinierungen oder Kritisieren. Sie wollen vielmehr eine auf gegenseitigem Respekt und Verständnis beruhende Disziplin in die Schulklassen bringen. Schüler sollen im Unterricht die Prinzipien einer partnerschaftlichen, gleichberechtigten Gesellschaftsordnung anwenden (Aufmerksamkeit für ihre Arbeit, besseres Zuhören, die Unterstützung anderer Schüler) und so mit Freude lernen können, Selbstsicherheit entwickeln und ihre eigenen Leistungen verbessern.

Rudolf Dreikurs, Psychiater in der Tradition der von Alfred Adler begründeten Individualpsychologie, war insbesondere auch in der Erziehungsberatung tätig. Er berichtet von den vier Zielen kindlichen Fehlverhaltens: Aufmerksamkeit bekommen, Macht haben, Rache üben und den Eindruck der Unfähigkeit vermitteln und setzt die Ermutigung im Umgang miteinander und die Disziplin durch intrinsische Motivation dagegen.

„Ein Kind braucht Ermutigung, wie die Pflanze Sonne und Wasser braucht. Unglücklicherweise erhalten diejenigen, die die Ermutigung am dringendsten bräuchten, am wenigsten davon, weil sie sich auf eine Art und Weise verhalten, dass unsere Reaktionen sie immer weiter in Mutlosigkeit und Rebellion drängt.
Ziel der Ermutigung ist es, das Selbstvertrauen des Kindes zu stärken und ihm die Gewissheit zu geben, dass es gut genug ist, so wie es ist – und nicht sowie es sein könnte. Nur wenn Eltern und Kinder Ermutigung liefern, kann das Kind Mut entwickeln. Ermutigung schafft Mut und die unschlagbarste Form des Mutes ist der, unvollkommen zu sein.“ (Buch S. 97)

Wie wahr … !

Disziplin, Verantwortung und demokratisches Verhalten lassen sich nach Dreikurs et al. durch die Methode der Gruppendiskussion im Klassenverband etablieren. Da eine Gruppendiskussion dem Klassenrat in unserem heutigem Sprachgebrauch gleichzusetzen ist, kann Dreikurs als einer der „Väter“ des Klassenrates angesehen werden. Wer sich für die Einführung des Klassenrats in der Schule interessiert, dem sei meine Praxisbroschüre Klassenrat empfohlen, die kostenfrei auf diesem Blog heruntergeladen werden kann.

Übrigens ist der Name Rudolf Dreikurs auch mit der Methode des „Familienrats“ verbunden als eine Methode in der Erziehung, um Problemen in der Familie vorzubeugen und sie zu lösen. In meinem Buch Kommunikation in der Familie. Vom Schimpfen und Schreien zum Runden Tisch finden Sie dazu weitere Ausführungen.

Ja, und wer sich für Tipps zum Thema Unterrichtsstörungen interessiert, auch der findet bei Dreikurs Hinweise zur Vermeidung bzw. zum Umgang damit. Geben Sie klare verständliche Anweisungen für das Verhalten, das Sie von einem Kind erwarten und warten Sie damit, bis Sie die Aufmerksamkeit der ganzen Klasse haben. Richten Sie Ihr Augenmerk auf das künftige Verhalten eines Kindes und nicht auf das, was es in der Vergangenheit getan hat. Gehen Sie immer vom Positiven aus, jedes Kind hat viele guten Eigenschaften. Versuchen Sie zu jedem Kind eine gute Beziehung aufzubauen, die von Respekt und gegenseitigem Vertrauen geprägt ist. Setzen Sie statt herkömmlicher Strafen besser auf natürliche und logische Konsequenzen. Besprechen Sie Ziele und Probleme mit den SchülerInnen zusammen. Denken Sie daran, Konsequenzen mit Freundlichkeit zu paaren. Akzeptieren Sie ein Kind, auch wenn es etwas Inakzeptables getan hat. Sorgen Sie dafür, dass Schüler selber Verantwortung für ihr Verhalten und ihre Lernerfolge übernehmen können.

Das Buch von Dreikurs et al. ist also für alle, die sich mit dem Begriff der Disziplin in der Erziehung beschäftigen, ein absolutes Muss … Es berücksichtigt moderne Entwicklungen der Erziehung und zeigt einen wunderbaren Weg zur Begleitung und Förderungen von Kindern und Jugendlichen. Zudem ist das Buch so geschrieben, dass Eltern, Erzieher, Sozialpädagogen und andere Pädagogen die Inhalte gut verstehen und einfach übertragen können, was will man mehr.

Vielleicht erinnern Sie sich in diesem Zusammenhang auch an meinen Blogartikel zum Thema “Disziplin und Soziales Lernen“, in dem ich über das Buch „Aberglaube Disziplin“ von Rolf Arnold berichtet habe. Arnold spricht von dem Begriff Disziplin als einem traditionsbelasteten Begriff, der heute zum „Erleichterungsbegriff“ geworden ist, da er Erziehenden das heimliche Versprechen gibt, endlich Ruhe und Gehorsam zu bekommen.

Auch wenn ich die Ausführungen von Dreikurs sehr schätze, so bleibe ich persönlich statt von Disziplin zu sprechen lieber bei dem Begriff der Unterrichtsstörung. Welchen Begriff bevorzugen Sie und warum?

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen, Unterrichtsstörungen | Kommentare (1) | Autor:

Bundesregierung ernennt „Kreditmediator“

Mittwoch, 2. Dezember 2009 22:34

Die Bundesregierung hat den Rheinland-Pfälzer Banker Hans-Joachim Metternich zum neuen Kreditmediator ernannt. Ab März 2010 soll er mit einigen Mitarbeitern zusammen in Frankfurt am Main verhindern helfen, dass es im Gefolge der Finanzkrise zu einer flächendeckenden Kreditklemme in der deutschen Wirtschaft kommt. Zunächst ist diese Arbeit bis Ende 2011 geplant, sie kann bei Bedarf aber auch verlängert werden.

Wenn Unternehmen einen Kredit benötigen und bei ihren Banken keinen Erfolg haben, dann können sie sich an den Kreditmediator wenden. Der prüft die Sache, spricht seinerseits Banken an oder stellt Kontakt zu Förderbanken her.

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement | Kommentare (3) | Autor:

Keynote zum School Shooting beim Workshop Aggression

Montag, 23. November 2009 5:05

Vom 6. bis 8. November hat in Berlin die Veranstaltung des „Workshop Aggression“ stattgefunden. Unter der Leitung von Professor Herbert Scheithauer (Freie Universität Berlin) und Professorin Angela Ittel (Technische Universität Berlin) wurde ein hochkarätiges Programm zum Thema Aggression geboten. Nationale und Internationale Experten stellten neueste wissenschaftliche Ergebnisse zur Thematik vor.

Behandelte Themen der Tagungen waren u.a.: Cyberbullying, Geschlecht und Aggression, Frühprävention und Aggression, Intervention und Prävention von Aggression, Aggression und Medien sowie der Zusammenhang zwischen Aggression und Empathie.

Besonders gut hat mir persönlich die keynote von Prof. Dr. Dewey Cornell von der University of Virgina zum Thema „Prevention of School Shootings in the United States“ gefallen. Prof. Cornell gab hierbei Hinweise auf zu vermeidende Fehler, die in den USA in der Nachfolge von School Shootings gemacht wurden und die Europa besser vermeiden sollte. Er benannte drei derartige Fehler: Erstens die „Null Toleranz-Strategie“ (vielleicht erinnert sich mancher hier an den Vorfall, bei dem einem kleinen Jungen sein Plastiktaschenmesser abgenommen wurde), zweitens das Aufbauschen einer Vielzahl von Maßnahmen zur Gefahrenabwehr und Krisenbewältigung (Metalldetektoren am Schuleingang, verstärktes Wachpersonal, Alarmsysteme, schussfeste Rucksäcke u.a.) sowie das Aufstellen von Täterprofilen in Bezug auf Amokläufe in Schulen.

Gewaltprävention kann nicht so lange warten, bis der Amokläufer vor der Türe steht, so die Aussage von Prof. Cornell. Jede Schule sollte rechtzeitig und früh genug Maßnahmen zur Gewaltprävention ergreifen!

Auf der Grundlage seiner Forschungen hat Prof. Cornell Leitlinien vorgelegt und erforscht für gute und sinnvolle Reaktionen nach der Gewaltdrohung eines oder mehrerer Schüler. Wer sich dafür interessiert oder sogar den gesamten Vortrag nachvollziehen möchte, der schaue in die Folien des Vortrages zum Thema School Shooting auf der Seite der University of Virginia.

Auch in Berlin wird derzeit an der FU zum Thema School Shooting geforscht. Im Rahmen der Sicherheitsforschung der Bundesregierung wurden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung Forschungsgelder zum Thema bewilligt. Dabei wird auch an der FU vom School Shooting und nicht von Amokläufen gesprochen. Bei School Shootings ist im Gegensatz zu Amokläufen die Handlung und der Ablauf geplant und die Opfer nicht zufällig. Jugendliche deuten oder kündigen ihre Taten im Vorfeld an (im Internet, in Briefen oder Gespräche). Diese Zeichen, Fantasien und Pläne im Vorfeld werden mit dem Stichwort „Leaking“ bezeichnet. Beim Vorfall selber werden nicht unbedingt Schusswaffen eingesetzt, sondern mitunter wird eine andere Form von schwerer zielgerichteter Gewalt für die Tat genutzt.

Im Forschungsprojekt School Shooting an der FU sollen Netzwerke von Helfersystemen in den Blick gerückt werden; es werden u.a. unterschiedliche Herangehensweisen in der Schulung von Lehrern im Umgang mit Drohungen, Tatfantasien und tatsächlicher Gewalt untersucht.

Keine wissenschaftlicher Text, aber dennoch ein fantastischer Roman zum Thema Amoklauf bzw. School Shooting für Jugendliche und LehrerInnen ist das Buch „Mitschuldig“ von Harald Tondern. Einen ersten Einblick in das Buch hier im Blog …

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktprävention | Kommentare (0) | Autor:

“Worin liegen Ihrer Einschätzung nach die Ursachen für Gewalt an Schulen?”

Montag, 16. November 2009 5:02

„Es gibt eine Vielzahl von Gründen für Gewalt. Experten wie Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Institut Hannover haben immer wieder darauf hingewiesen, dass es Familienerfahrungen gibt, die zur Gewalt führen: Geprügelte Kinder werden prügelnde Kinder. Das ist ziemlich bekannt und wohl auch eine der wichtigsten Ursachen für eine Gewaltneigung bei Jugendlichen.
Doch es gibt weitere Ursachen und Zusammenhänge. Dazu gehören Desintegration und Verwahrlosung (…)
Ich glaube freilich, dass Gewalt in Schulen nicht zuletzt eine Reaktion auf die Schule selbst ist. Das bedeutet nicht, dass man die Schulen stets ursächlich für den Ausbruch von Gewalt verantwortlich machen kann, meist sind die kontextuellen Bedingungen verantwortlich: weil die Lehrpersonen weg geschaut haben, weil die Schulen keine Verfahren der Aushandlung, der Kommunikation kultivieren, weil sie keine Konfliktschlichter ausgebildet haben, weil Mediation im Schulprogramm keine Rolle spielt, weil die Schüler an der Hauptschule nicht das Gefühl haben, an dieser Schule sinnerfüllt tätig sein zu können, und keine Lebensperspektive entwickeln können. Das macht viele, vor allem solche Jugendlichen, die mit Schwächen von zu Hause in die Schule kommen, kompensatorisch gewalttätig. Dabei gewinnen sie Selbstwirksamkeitserfahrungen, vor allem in der sozial destruktiven Gestalt, der Erfahrung der Herrschaft über andere. So wie sie sonst selber geknechtet werden – so wie geprügelte Kinder zu prügelnden Kindern werden -, so sind geknechtete Kinder rebellisch und gewalttätig.“

„Was können Schulen, was können Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler, wirksam gegen Gewalt tun?“

„Es muss darum gehen, dass ein Schulklima, eine Kultur der Schule geschaffen wird, in der Kooperation, Partizipation, Achtung und eine ernst zu nehmende Beachtung der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt werden, damit sie sich wertgeschätzt fühlen. Solche Ziele müssen im Zentrum der Kooperation von Lehrern und im Zentrum von Überlegungen der Schulleitungen stehen. Wir brauchen einfach andere Konzepte von Schule, andere Konzepte von Bildung und Erziehung.“

Die Fragen in diesem Interview hat Reiner Engelmann gestellt, der seit 1993 Autor und Herausgeber zahlreicher Anthologien zu gesellschaftlichen Brennpunktthemen ist. Die Antworten kamen von Prof. Dr. Wolfgang Edelstein, Direktor emeritus am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Veröffentlicht wurde das Interview in dem von Reiner Engelmann im cbt-Verlag herausgegebenen Buch “Keiner hat was gesehen! Texte über Gewalt an der Schule“. Neben dem bereits erwähnten Interview mit Prof. Edelstein findet sich dort auch ein kurzer Text über „Eine Schule der Civil-Courage“ von Otto Herz und es sind viele viele Kurzgeschichten über das Thema „Gewalt in der Schule“ abgedruckt. Das macht dieses Buch auch so spannend für den Einsatz in der Schule selber. Die Geschichten geben einen guten Einstieg in eine Vertretungsstunde oder in eine thematische Einheit und es kann anschließend wunderbar am Thema weiter gearbeitet werden. Es ist nicht einfach, diese Geschichten „auszuhalten“ beim Vorlesen oder selber lesen, aber sie berichten von einer Gewalt, der viele Kinder täglich in der Schule ausgesetzt sind.

Die ersten beiden Geschichten können auf der Verlagsseite eingesehen und gelesen werden. Darunter (welch Wunder) eine Geschichte zu Kevin, der zunächst im Unterricht schläft und dann durch Gewalt gegen seine Lehrerin auffällt. Wie es dazu kam, lesen sie am besten selber …

Ja, und welche Rückschlüsse sind aus obigen Interviewabschnitten zu ziehen? Na, neben der absolut gewaltfreien Erziehung im Elternhaus ist es für die Schule dringend notwendig, ein auf Kooperation, Partizipation und Achtsamkeit bauendes Schulklima zu schaffen, in der Methoden der Konfliktbearbeitung eine wichtige Rolle spielen. Wie dies funktioniert? Dazu finden Sie Hinweise in diesem Blog. Und falls Sie dazu eine Beratung benötigen, einen Studientag, eine SchiLF oder eine Weiterbildung, so wenden Sie sich bitte persönlich an mich …

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Schulmediation | Kommentare (0) | Autor:

„Raus aus der Streitfalle in der Familie“ – Fachvortrag und Improtheater Die Gorillas

Donnerstag, 12. November 2009 16:18

Das Berliner FEZ bietet Elternakademien an. Das Thema am 14.11.2009, also am nächsten Samstag lautet “Raus aus der Streitfalle“. Nach einem halbstündigen Fachvortrag von Christa D. Schäfer wird der Moderator Stefan Rupp und der Erziehungsberater Christian Schoenfelder die zuschauenden und zuhörenden Eltern mit in das Thema einbinden. Freuen dürfen sich alle ebenfalls auf das Improtheater “Die Gorillas“, das typische Streit- und Konfliktlösungssituationen aus dem Familienalltag darstellt.

Wann sieht und hört man das schon mal?
Ein Improtheater, das sich mit Streit in der Familie beschäftigt!
Eine spannende Veranstaltung, die ich Ihnen gerne ans Herz legen möchte:
Samstag, den 14.11.2009 von 16 bis 19 Uhr im FEZ-Berlin

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Konfliktberatung, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Ein Jugendroman über die Geschichte eines Amoklaufs?

Montag, 9. November 2009 5:14

Ja, das gibt es tatsächlich. “Mitschuldig?“, so heißt der Jugendroman, den ich am Wochenende gelesen habe und der mich seines realistischen Plots und seiner realistischen Beschreibungen wegen sofort nach den ersten Seiten gefesselt hat. Der Roman ist von Harald Tondern, der bereits eine große Bandbreite von Jugendromane zu brandaktuellen Themen geschrieben hat. Für den vorliegenden Roman hat er u.a. in Erfurt recherchiert.

Jonas und Tim sind die Hauptfiguren des Buches. Tim hat reiche Eltern, die viel arbeiten. Er besitzt selber drei Laptops, mehrere Waffen, wurde kurz vor dem Abi von der Schule verwiesen und hat keine Freunde. Der 13jährige Jonas lebt bisher in einer fast heilen Welt mit seinen Eltern zusammen. Aber irgendwann nimmt Tim, der im Nachbarhaus wohnt, Kontakt zu ihm auf – zugegeben, eine ungewöhnliche Kontaktaufnahme, denn Tim beschießt Jonas mit Munition aus seiner Soft Air Waffe. Dabei war Jonas gerade dabei, sein Protokoll zum Vogelprojekt in seinen alten Computer zu tippen.

Irgendwann dann spielen beide Gotcha-Games im Wald mit den Soft Air Waffen von Tim, und irgendwann hat Tim eine echte Beretta in der Hand, mit der er zunächst auf ein Bild von Frau Steiner schießt und dann später „in Echt“ auf seine Schulleiterin. Jonas fühlt sich „mitschuldig“ und verändert sich in seiner Persönlichkeit. Zum Glück hat er eine Klasse, die ihn unterstützt und schließlich auch eine Therapeutin, die ihn aus seinem Trauma hervorholt.

„Wir haben über dich geredet“, sagt Jonas’ Klassenkameradin. „Die ganze Klasse. Wir glauben, dass das mit Tim einfach zu viel für dich war. Irgendwas in dir ist abgestürzt. Deshalb kannst du nicht mehr reden. Und auch nicht mehr schreiben.“ (Buch, S. 73)

Das Buch ist für den Einsatz in der Klasse super geeignet. Neben einem günstigen Preis gibt es sogar ein kostenfreies Lehrerheft zum Buch. Für die Klassen 6 bis 11 gedacht, gibt dieses vielfältige Anregungen für alle diese Klassenstufen, für ältere Schüler findet sich beispielsweise folgendes Zitat zur Thematik „… dann müssten die Alarmglocken läuten“:

„Unser Verhalten zeigt im Prinzip etwas von einer Traumastruktur. Dazu gehört auch, keine gute Wahrnehmung für sich und den anderen zu haben. Und wenn ich keine gute Wahrnehmung für mich und den anderen habe und mich vielleicht auch selber nicht besonders mag, also die depressive Verarbeitungsstruktur wirksam ist, dann habe ich kein tolles Selbstbild. Und wenn ich mich dann aufwerten will, passiert es ganz schnell, dass ich andere Menschen runtermache und demütige. Ich behaupte: Unsere Lehrer haben dafür in der Regel nie ein Gefühl entwickelt, weil über viele, viele Generationen Beschämung und Demütigung für Lehrer nicht als unprofessionell galten wie in anderen Ländern, sondern durchaus üblich waren. Lehrer werden nicht trainiert, sensibel für ihre Schüler zu sein und andere Wege als Demütigung und Beschämung zu finden. Die meisten werden es vielleicht nicht mal so wahrnehmen. Dennoch tragen sie Verantwortung für entsprechende Entwicklungen in unseren Schulen. Unter anderem für die Entstehung von Hass und Gewalt. Wenn ich einen Schüler habe, der mir entweder besonders auffällt oder der mir überhaupt nicht auffällt, dann müssten die Alarmglocken läuten!“ Quelle: Gabriele Kluwe-Schleberger, Traumatherapeutin, in Jens Becker: Kurzschluss, Der Amoklauf von Erfurt und die Zeit danach. Schwartzkopff Buchwerke, Hamburg Berlin 2005, S. 174-175.

Die Schüler lassen sich schnell von der Spannung und der Sprache des Romans einfangen. Die von Dr. Ingrid Röbbelen und Jutta Kosjek geschriebene Lehrerbroschüre zum Buch ist äußerst hilfreich zur Unterrichtsvorbereitung. Nun fehlt, dass mehr LehrerInnen den Mut aufbringen, um dieses schwere Thema „Amok“ im Unterricht (Deutsch) zu behandeln. Eine Sensibilisierung für das Thema, ein Einblick in die Persönlichkeitsstruktur des Täters, Empathie für einen „Helfer“ des Geschehens sowie ein allgemeiner Einblick in die Entwicklung eines solchen Vorfalls sind der Gewinn aus der Lektüre. Täter sind letztlich auch Opfer – auch wenn dies nichts entschuldigt.

In Winnenden hat die Lautsprecherdurchsage des Schulrektors: „Frau Koma kommt!“ dazu geführt, dass LehrerInnen ihre Klassentüren abgeschlossen haben, denn Koma heißt rückwärts Amok und war das entscheidende Stichwort zur Warnung bei einem derartigen Vorfall. In Berlin ist die Zahl der Amokdrohungen seit dem Amoklauf in Winnenden drastisch gestiegen. Während es im Jahre 2006 acht Amokdrohungen in Schulen gab, waren es in den Monaten Januar bis Mai 2009 insgesamt 60 solcher Drohungen im Schulbereich (neun davon an Grundschulen, die anderen an weiterführenden und Berufsschulen). Bei allen schulischen Neu- und Umbauten sollen in Berlin demnächst Lautsprecheranlagen eingebaut werden, beim Fehlen einer solchen Anlage soll auf einen Dauerton zurückgegriffen werden können, der auf die spezielle Gefahrenlage hinweist. Ebenfalls wird die Polizei demnächst auf ein Erhebungsregister mit Bau- und Fluchtpläne von allen Berliner Schulen zugreifen können, und alle Schulleiter werden auf den Gefahrenfall vorbereitet (Information aus dem Tagesspiegel vom 21.08.09, S. 7).

Hoffen wir, dass nichts passiert!
Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen | Kommentare (0) | Autor:

Die sechs Denkhüte zum Problemlösen

Montag, 2. November 2009 9:48

Haben Sie schon einmal die Situation erlebt, vor einem nahezu unlösbar erscheinenden Problem oder einem heftigen Konflikt zu stehen und eine Entscheidung treffen zu müssen? Aber wie?

Die Methode der six thinking hats / sechs Denkhüte von Eduard de Bono bietet fernab der Mediation in einem derartigen Fall eine fantastische Entscheidungshilfe. Jeder der sechs Denkhüte hat dabei eine andere Farbe und bezeichnet einen anderen Denkstil. Bei schwierigen Teamentscheidungen können Hüte in den verschiedenen Farben real verteilt werden. Der Träger des jeweiligen Hutes hat dann die Aufgabe, sich in die Gedankengänge des Hutes hinein zu finden und argumentiert schließlich mit den Trägern der anderen Hüte über eine Entscheidung für das Problem oder eine „Lösung“ für den Konflikt.

Der weiße Hut steht dabei für Objektivität, für analytisches Denken sowie eine Konzentration auf die Tatsachen und Fakten. Der rote Hut bringt das Subjektive hervor, das emotionale Denken sowie die Konzentration auf Gefühle und Meinungen. Schwarz bezeichnet das Kritische Denken, betrachtet Risiken, Probleme und Kritikpunkte. Gelb zeigt das optimistische Denken; grün das kreative, assoziative Denken, das zu neuen Ideen und Kreativität anregt. Und der blaue Hut schließlich steht für das ordnende, moderierte Denken, den Überblick über die Prozesse, also das Big Picture.

Diese Methode kann sowohl in Teams, als auch in Gruppen oder sogar alleine angewandt werden. Eine Entscheidung wird dabei aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und die Methode zwingt dazu, sich außerhalb seiner gewohnten Denkstruktur zu bewegen und alle Ansätze in Betracht zu ziehen. Das fördert einerseits Toleranz und andererseits die Kreativität im Denken.

Eduard de Bono gilt als einer der führenden Köpfe des kreativen Denkens. Die Denkhüte stehen für die Methode des Parallelen Denkens und sind nur eine der von ihm entwickelten kreativen Methoden. Beim Parallelen Denken wird die Fähigkeit des Denkens gefordert, in Bezug auf ein beliebiges Thema systematisch verschiedene Denk- und Wahrnehmungsperspektiven einzunehmen, wobei alle Beteiligten zu einem gegebenen Zeitpunkt in die gleiche Richtung, also “parallel” denken.

Eine weitere von de Bono entwickelte kreative Denkmethode ist das Laterale Denken, auch nicht-lineares oder Querdenken oder „Um-die-Ecke-Denken“ genannt. Zum Lateralen Denken gibt es verschiedene Grundsätze: Details werden nicht analytisch sondern intuitiv erfasst, vorliegende Informationen werden subjektiv bewertet und selektiv verwendet, gedankliche Sprünge und Assoziationen werden zugelassen, nicht jedes Zwischenergebnis muss richtig sein, Ja-/Nein-Entscheidungen werden vermieden, auch nicht durchführbare Lösungen können einen Schritt zum besseren Verständnis des Problems sein, konventionelle Denkmuster werden in Frage gestellt, Ausgangssituationen und Rahmenbedingungen werden nicht als unveränderbar hingenommen.

Die Rätselart des Laterals übt laterales Denken in hervorragender Weise. Vielleicht kennen Sie die “black stories“ von Holger Bösch aus dem moses.Verlag. Oder Sie mögen gleich hier und jetzt über ihr erstes Lateral nachdenken:

Erwin und Olga liegen tot auf dem Boden vor einem geöffneten Fenster.
Glassplitter liegen auf dem nassen Boden.
Was ist passiert?

Sie dürften mir jetzt Fragen stellen, die ich nur mit „ja“ oder „nein“ beantworten dürfte. So könnten Sie sich langsam an die Lösung heran tasten. Da dies hier aber nicht geht, gebe ich Ihnen gleich die Lösung: Erwin und Olga sind Goldfische. Durch das geöffnete Fenster kam ein heftiger Windstoß, der das Goldfischglas zu Boden gefegt hat. Dadurch zerbrach das Glas und Erwin und Olga erstickten. Na, wären Sie darauf gekommen?

Übrigens schreibt de Bono auf seiner Webseite eine wöchentliche Message, frei nach dem Motto „You can analyse the past, but you have to design the future“. Und falls Sie ein englischsprachiges Märchen suchen, in dem die sechs Denkhüte von de Bono vorkommen, so finden Sie auch dies auf seiner Webseite.

Jetzt gibt es ganz aktuell ein neues, noch nicht ins Deutsche übersetzte Buch von Eduard de Bono: „Think! Before it’s too late.“ De Bono sieht in diesem Zusammenhang das größte Problem der Menschheit, darin, dass das Denken der meisten Menschen unserer neuen Zeit nicht angemessen ist und er schreibt: „To deal with the economic crisis we must adopt new tools for creative thinking.“ Wir haben nach de Bono ein hervorragendes Denken um Wahrheiten herauszufinden, es gründet auf Urteil und Beurteilung und hilft uns in den Wissenschaften weiter. Wir haben aber bisher keine geeigneten Denkstrukturen für den Wert der Kreativität entwickelt …

Los geht’s, bringen wir auch mehr Kreativität in die Methode des Konfliktcoachings und der Mediation. Verschiedene Sichtweisen (wenn auch ohne „Hüte“) haben wir ja bereits in jeder Mediation dabei !

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Konfliktberatung, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Mediationsverfahren, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor: