Familienmediation
Montag, 5. März 2012 6:22
Die Zeiten sind glücklicherweise vorbei, in denen mit Familienmediation lediglich Trennungs- und Scheidungsmediation verbunden wurde. Heute spricht man eher von Mediation in Familie und Partnerschaft. Die Fachgruppe im Bundesverband Mediation, die sich mit dieser Form der Mediation beschäftigt, beschreibt, dass es bei dieser Form der Mediation um Konflikte im sozialen Nahraum geht und Menschen beteiligt sind, die verwandtschaftlich oder verwandtschaftsähnlich miteinander verbunden sind.
Mediation unterstützt bei Konflikten
- zwischen Paaren im Zusammenleben und bei Trennung und Scheidung
- zwischen Eltern bei Trennung und Scheidung
- bei schwierigen Verhältnissen in Patchwork-Familien
- zwischen leiblichen Eltern und Adoptiv- oder Pflegefamilien
- zwischen verschiedenen Generationen wie z.B. Schwiegersohn und Schwiegermutter, Kindern/ Jugendlichen und ihren Eltern
- beim Erben und Vererben
- bei Ehen und Familien aus verschiedenen Kulturen
- zwischen Geschwistern
- wenn alte Eltern oder kranke Familienangehörige betreut werden müssen
- in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und bei deren Auflösung
- in Wohn- und Lebensgemeinschaften
so heißt es auf der Webseite des BM. In der Tat ist dieses Feld der Mediation durch die Bandbreite der Mediationen äußerst spannend. Ich durfte beispielsweise bereits einige Mediation mit Eltern und Kindern durchführen. Durch die intensiven Gefühle während diesen Mediationen ist die Arbeit stets eine Herausforderung. Mal ging es um “kleinere Streitigkeiten” wie Regeleinhaltung und Regelübertretungen; da wurden beispielsweise vereinbarte Zeiten nicht eingehalten oder das gemeinsame Kümmern um den Haushalt funktionierte nicht. Dann ging es um das Verhalten eines Jugendlichen, das den Eltern größte Sorge machte, sie es ihm aber nicht gut sagen konnten bzw. er es nicht gut hören konnte. Dann ging es in einer anderen Mediation um Streitigkeiten zwischen erwachsenen Kindern und Eltern, um Erbschaft, alte Verletzungen und Geschwisterstreitigkeiten … ein faszinierendes Thema in der Mediation …
Meist steckt hinter diesen Streitigkeiten, dass kein Verständnis für „die andere Seite“ aufgebracht werden kann. Eltern wollen über Kinder bestimmen oder haben ihre Vorannahmen und wissen alles besser. Jugendliche oder junge Erwachsene hören schon gar nicht mehr hin bzw. zu, was Eltern sagen. Geschwister leben nach dem Tod der Eltern aneinander vorbei und reden über die wichtigen Dinge bzw. den vorhandenen Konflikt nicht miteinander. Eltern wollen sich trennen oder scheiden lassen oder suchen einen Weg, um wieder zueinander zu finden. Neue Personen ergänzen die Familie (neue Freunde der Kinder, Schwiegersöhne, Schwiegertöchter), und alle Beziehungen müssen neu „sortiert“ werden. Ich könnte viele weitere Schwierigkeiten in Familien benennen, die mitunter nicht selber „gelöst“ werden können. Da ist die Mediation ein prima Verfahren, um in solchen Fällen zu unterstützen, – und ganz eindeutig ist sie natürlich von der Familienberatung bzw. der Familientherapie abzugrenzen.
Da ich als Mediatorin den Konfliktparteien Vertraulichkeit zusichere, kann ich hier natürlich nicht ins Detail verschiedener Fälle gehen. Deshalb war ich ganz erstaunt und auch erfreut ein Buch mit 22 „Geschichten“ zur Familienmediation zu finden. MediatorInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben auf Bitten des Mediators Siegfried Rapp außergewöhnliche und besondere Mediationsgeschichten zur Familienmediation aufgeschrieben, die dann unter dem Titel „Lesebuch Familienmediation“ erschienen sind.
Das hat ein Repertoire ergeben, das von Luigis Seitensprüngen über binationale Kindschaftskonflikte, dem Vater auf Freiersfüßen, Erbschaftsstreitigkeiten und Nachfolge in Familienbetrieben bis zu Wegen für Partnerschaften und Trennungen reicht. Wer sich für Mediation in Partnerschaft und Familie interessiert, dem sei dieses Buch sehr ans Herz gelegt. Man erhält in jeder der geschilderten Geschichten einen kurzen Einblick in den Konflikt und kann auch grob den Weg nachvollziehen, mit dem die bearbeitenden MediatorInnen die Mediation gestalten. Damit ist das Buch auch für Nicht-Fachleute interessant und lehrreich, und für MediatorInnen sowieso.
Eine meiner Ideen ist es, in Familien mit „verlassenden Kinder“ bzw. „verlassenen Eltern“ zu mediieren. Ich habe in der Zwischenzeit die Möglichkeit gehabt mit vielen unterschiedlichen Familienmitgliedern aus solchen Familienkonstellationen persönliche Gespräche zu führen. Leider ist es stets bei diesen Einzelgesprächen geblieben, da entweder der Kontakt zur anderen Streitpartei nicht hergestellt werden konnte oder eine der Parteien noch nicht für eine Mediation bereit war. Ich bleibe dran …
Christa D. Schäfer
Thema: Familienmediation, Konflikte, Literaturempfehlungen | Kommentare (4) | Autor: Christa Schäfer


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