Beitrags-Archiv für die Kategory 'Konflikte'

Konflikte und Schlägereien im Sommerbad

Montag, 19. Juli 2010 8:07

Sommer 2009

Der größte Polizeieinsatz 2009 in einem Berliner Sommerbad fand am Columbiadamm statt, 50 Störer arabischer und türkischer Herkunft wurden dort von Polizisten vom Gelände geführt.

Juni 2010

Der erste größere Konflikt des Jahres 2010 findet im Sommerbad Pankow statt, im Bad an der Wolfshagener Straße. Ein 13jähriges Mädchen wird dort von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen.

10. Juli 2010

In Berlin Neukölln musste ein Sommerbad geräumt werden, weil sich zwei „konkurrierende Familienclans mit Migrationshintergrund“ dort im Freibad eine Schlägerei geliefert haben. Gegen 17 Uhr gingen zunächst einige Jugendliche aufeinander los. Ein Wachmann wollte schlichten und geriet zwischen dazwischen, er wurde verletzt. Daraufhin ließen die Berliner Bäderbetriebe das Bad vorsorglich räumen, weil eine Eskalation der Situation drohte, ca. 7.000 Besucher müssen das Bad verlassen. Als die Polizei kam, waren die meisten Menschen schon gegangen, wahrscheinlich auch die Jugendlichen, die die Schlägerei begonnen hatten, denn die waren nun nicht mehr auszumachen. Deshalb gab es auch keine größeren Verletzungen.

In der Folge dieses Vorfalls diskutiert Berlin heftig. Die Junge Union fordert eine Schließung des Neuköllner Sommerbads für eine Woche, damit ein „Lerneffekt“ eintreten kann. Die Neuköllner Partei Die Grünen fordert hingegen längere Öffnungszeiten, damit sich die Jugendlichen und deren Gemüter mehr abkühlen könnten. Das Sicherheitspersonal im Schwimmbad wurde jedenfalls erhöht. „Wir wollen nichts schönreden“, sagt M. Oloew (Sprecher der Berliner Bäderbetriebe), „bei der Hitze kommt es in vollen Bädern tatsächlich zu Aggressionen. Aber man soll auch nicht so tun, als befänden sich unsere Gäste mitten in Schützengräben.“

Die Aggressivität in Berliner Freibädern ist hoch: Pöbeleien, Drängeln, Provozieren, das ist keine Seltenheit. Oft, oder soll ich sagen meist, sind es Jugendliche arabischer oder türkischer Herkunft, die in den Streit verwickelt sind.

16. Juli 2010

Dieses Mal findet die Eskalation im Prinzenbad statt: Es gibt eine Schlägerei auf einer Liegewiese des Sommerbades Kreuzberg, das Wachpersonal versucht die Kontrahenten auseinander zu halten, ein vierjähriges Mädchen gerät zwischen die Fronten und erhält einen Schlag in den Bauch, die Sicherheitsbeamten sind im Anmarsch, die Kontrahenten fliehen, erneut muss ein Berliner Sommerbad gegen 19 Uhr geräumt werden, ca. 5.000 Besucher verlassen das Bad, die Tatbeteiligten sind weg.

Derzeit haben übrigens ca. 300 Berliner Hausverbot bei den Berliner Bäderbetrieben.

Interesse am Bericht eines Berliner Bademeisters, der sich vorzüglich mit Konflikten und „klaren Ansagen“ auskennt?

Mein Rat, auch wenn das Wetter derzeit wirklich drückend ist in Berlin … Erstens: Keep cool in der jeweiligen Situation und zweitens: Mehr Möglichkeiten für Schüler in Berliner Schulen auch alternative Möglichkeiten der Konfliktbearbeitung zu lernen.

Christa D. Schäfer

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Die neun Eskalationsstufen im Blick

Montag, 12. Juli 2010 8:56

  1. Acht Männer im Anzug sitzen zu einer Besprechung um einen Tisch herum.
  2. Vier Männer links, vier rechts, die Finger zunächst zögerlich auf die jeweilige andere Gruppe gerichtet.
  3. Die vier Männer links stellen sich auf ihre Stühle, so sind sie größer. Die vier Männer rechts strecken energisch ihre Zeigefinger und deuten auf die Gruppe Männer gegenüber. Gleichzeitig wird der Lautstärkepegel lauter und lauter.
  4. Die vier Männer links verschränken ihre Arme, sie wirken stur. Die vier Männer rechts wollen so langsam auch nichts mehr gemeinsam, einer hat die Hände in den Hosentaschen, er wird von einem anderen gestützt, die Nase ist hoch oben.
  5. Zeigefinger aus beiden Gruppen tippen an die Stirn, Arme sind zum Spott ausgestreckt, lächerlich machen ist angesagt.
  6. Jetzt steigen zwei Männer, aus jeder Gruppe einer, auf den Tisch. Die anderen bilden eine Front und stehen direkt dahinter. Die Gesichter sind rot, die Luft knistert.
  7. Der Herr aus der linken Gruppe tritt dem Herrn aus der rechten Gruppe auf den Fuß. Der Herr aus der rechten Gruppe hebt die Hand zum Schlag. Oder war’s genau umgekehrt und der Herr aus der rechten Gruppe hebt die Hand und der Herr aus der linken Gruppe folgt mit seinem Fuß? Das Geschirr, das bis jetzt auf dem Tisch stand, zerbricht, Regenschirme werden zur Drohung im Kampf gezückt.
  8. Jetzt ist ein Gewirr von mehreren Menschen auf dem Tisch, Regenschirme sind erhoben, Stühle sind zum Schlag erhoben, es fliegen die Fetzen.
  9. Die ersten Männer und Frauen haben ein blaues Auge, es wird am eigenen Tisch gesägt, Äxte zerschlagen die Tischbeine, bald werden wohl alle gemeinsam alles zerstört haben.

Das ist Eskalation und ganz deutlich sind die neun Eskalationsstufen nach Friedrich Glasl zu erkennen. Für Mediatorinnen und Mediatoren gehört das Wissen um die neun Eskalationsstufen eines Konflikts zum Grundhandwerkszeug. Jetzt gibt es genau neun Bildkarten zum Thema „Eskalationsstufen“, die das Thema fantastisch darstellen. Obige Beschreibung habe ich nach diesen Bildkarten erstellt und es ist daran leicht zu erkennen, was für Möglichkeiten in diesem Bildmaterial liegen.

Die Karten entstammen übrigens der Praxisbox „Streitkultur“ von Günther Gugel, herausgegeben vom Institut für Friedenspädagogik in Tübingen, gefördert von der Berghof Foundation for Conflict Studies. Neben den angesprochenen Bildkarten gibt es auch noch zwei Bildersets zu den Themen „Konfliktbearbeitung“ und „Versöhnung“; ein zugehöriges Booklet bietet Material zu den Themen und Anregungen zum Umgang mit dem Material.

Allein mit den Bildkarten zum Thema „Eskalationsstufen“ können vielfältige Übungen gemacht werden. Die obige Bilderfolge kann man beispielsweise psychodramatisch nachstellen, man kann eine Person aus der Bilderfolge suchen und sich empathisch in diese Person hineinversetzen, es kann Sprache zum Bild gesucht werden, die Bilderfolge kann in Reihenfolge gebracht und analysiert werden, Konflikte können in ihrer Ähnlichkeit zur Bildfolge interpretiert werden, die Eskalationsstufen können auf andere Konflikte bei gleicher Bildlichkeit zum Original angewandt werden, usw. usw. Für einen weiteren Höhepunkt in der Arbeit mit dem Thema Konflikteskalation ist im Booklet sogar eine Video-DVD enthalten, das u.a. ein Interview mit Friedrich Glasl enthält.

In der nächsten von mir geleiteten Mediationsausbildung werde ich die Bildkarten zur Konflikteskalation mit Sicherheit einsetzen und auch für die Arbeit mit Schülern bieten sich die Karten wunderbar an. Für alle, die die neun Eskalationsstufen noch nicht kennen, hier ein kurzer Einblick:

1. Verhärtung
Standpunkte verhärten sich, prallen aufeinander.

2. Debatte
Es gibt eine Polarisation im Denken, Fühlen und Wollen, ein Schwarz-Weiß-Denken kommt auf, die Sichtweise ist von den Begriffen Über- und Unterlegenheit geprägt.

3. Stufe Aktionen
Die Empathie mit dem Streitpartner geht verloren, die Gefahr von Fehlinterpretationen wächst, und es herrscht die Meinung, dass Reden nun nicht mehr viel hilft.

4. Stufe Images/Koalitionen
Es werden Klischess und Stereotypen aufgebaut, gegenseitig werden sich negative Rollen zugeschoben, und es werden Unterstützer und Anhänger für die eigene Meinung geworben.

5. Gesichtsverlust
Öffentliche und direkte Angriffe sollen zum Gesichtsverlust beim Konfliktgegner führen.

6. Drohstrategien
Es wird gedroht und die Gegendrohungen folgen direkt.

7. Begrenzte Vernichtungsschläge
Drohen reicht nicht mehr, Schädigungen müssen her, beim Gegner möglichst große Schäden, in den eigenen Reihen werden dafür auch kleinere Schäden in Kauf genommen.

8. Zersplitterung
Jetzt soll das feindliche System zerstört werden, koste es was es wolle.

9. Gemeinsam in den Abgrund
Auf keinen Fall darf der andere gewinnen, da nimmt man doch eher die Selbstvernichtung mit in Kauf, es gibt keinen Werg mehr zurück.

Wer meine Artikel zum Thema „Rockerkrieg“ verfolgt hat, kann übrigens auch hieran gut die verschiedenen Stufen einer Konflikteskalation nachvollziehen. Und falls Sie mögen, so können Sie natürlich auch einen ihrer Konflikte in die oben genannten Eskalationsstufen einordnen. Solange die Eskalationsstufe noch eine niedrige ist, können Sie mit geeigneter Kommunikation den Konflikt gut alleine angehen. Irgendwann dann ist jedoch eine Unterstützung durch eine neutrale dritte Person, also einen Mediator oder eine Mediatorin eine gute Wahl …

Christa D. Schäfer

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KFN-Studie kommt zum Ergebnis: „Allah macht hart“

Montag, 14. Juni 2010 6:59

- so betitelt es der Berliner Tagesspiegel am 6.6.2010 und bezieht sich dabei auf eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) unter der Leitung des Kriminologen Christian Pfeiffer.

2007/08 hatte dieses Institut im Auftrag des Bundesinnenministeriums 45.000 SchülerInnen aus neunten Jahrgangsstufen (darunter 10.000 MigrantInnen) und 8.000 aus vierten Klassen im gesamten Bundesgebiet zum Thema „Jugendliche als Opfer und Täter von Gewalt“ befragt. Es ging um abweichendes Verhalten, um Jugenddelinquenz, Drogenkonsum, Schuleschwänzen, Ausländerfeindlichkeit, Rechtsextremismus, familiäre Gewalt und Männlichkeitsnormen.

Seit 2009 liegt ein erster Forschungsbericht zur Untersuchung vor, der insgesamt neun Thesen vorstellt, u.a.: Für mehr als ¾ aller Jugendlichen gehörte Gewalt in den 12 Monaten vor der Befragung nicht zu ihrem persönlichen Erfahrungsbereich. Sowohl aus Opfer- als auch aus Tätersicht zeigen die Daten zur selbstberichtenden Jugendgewalt, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund häufiger Gewalttaten begehen als deutsche Jugendliche. Der stärkste Einfluss auf Jugendgewalt geht von der Zahl der delinquenten Freunde aus, mit denen die Jugendlichen in ihrem sozialen Netzwerk verbunden sind. Der Bericht ist online einsehbar.

Ein zweiter Forschungsbericht soll folgen, bereits jetzt gibt es einen Auszug aus den Ergebnissen, der sowohl online als auch in den Printmedien in der letzten Woche für großen Wirbel gesorgt hat. Allen voran die Aussage mit zugehörigen Schlussfolgerungen, dass von jungen Migranten mit mehr als 5 Gewalttaten im zurückliegenden Jahr 7,7 % als „etwas religiös“ bezeichnet werden können, 9,2 % als „religiös“ und 10,2 % als „sehr religiös“.

Grob gefolgert hieße das, je religiöser muslimische Jugendliche in Deutschland sind, desto öfter schlagen sie zu. Bei jungen Christen hat die Untersuchung übrigens ergeben, dass mit zunehmender Religiosität weniger Gewalttaten begangen werden.

„Die muslimische Religiosität födert die Akzeptanz der Machokultur“, so Pfeiffer. Und weiter, so die Studie, ist es der konservativ-autoritäre Erziehungsstil der islamischen Religionslehrer, der die Jugendlichen stark beeinflusse. Nicht der Islam, sondern die Art und Weise seiner Vermittlung sei das Problem. Rauf Ceylan, Professor für Religionswissenschaft an der Universität Osnabrück, bezeichnet die Imame als „Schlüsselfiguren der Integration“ und wird in der Studie als Experte herangezogen.

Die Religions- Pädagogische Internetplattform der Evangelischen Kirche in Deutschland (rpi virtuell) hat die Reaktionen zum Thema zusammengefasst. So forderte beispielsweise laut ZEITonline der Zentralrat der Muslime nach der Veröffentlichung der Studie, die Ursachen der Gewalt genauer zu analysieren. Und auch Hermann Barth, Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) warnt vor verkürzten Schlussfolgerungen und wirbt für eine differenzierte Bewertung der Befunde.

Ich freue mich bereits jetzt auf den vollständigen zweiten Forschungsbericht,
um alles genau nachlesen zu können.
Christa D. Schäfer

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Rocker schließen Frieden?!

Mittwoch, 9. Juni 2010 21:50

Nach meinen Berichten Teil 1, 2 und 3 heute die Neuigkeiten um den Rockerkrieg zwischen den Hells Angels und den Bandidos. „Rocker schließen Frieden“, so war vorigen Monat in den Nachrichten zu hören und in den Zeitungen zu lesen. Genau am 26. Mai 2010 haben sich nach etlichen Kämpfen in den letzten Jahren die Anführer der beiden Rockerclubs in einer Hannover Anwaltskanzlei getroffen, um Frieden zu schließen.

Vielleicht war es ein Versuch, die Diskussion um ein drohendes Verbot der beiden Clubs zu beeinflussen? Mit Sicherheit war der Versuch zur Friedensschließung jedoch auch ernst gemeint.

Die Präsidenten der beiden Rockergruppen erklärten, „dass nach mehr als zwei Monaten Vorbereitungszeit ein Weg zu einer künftigen Koexistenz gefunden wurde und der Konflikt zwischen beiden Clubs mit sofortiger Wirkung offiziell beendet ist.“ Wenn die beiden Präsidenten solch einen Schritt unternehmen, so hat das ein großes Gewicht. Ob dies allerdings reicht, und das Friedensversprechen auch an der Basis befolgt wird, bleibt abzuwarten.

Das Abkommen wurde mit allen relevanten Männern besprochen, und schließlich hat ein solches Abkommen in Skandinavien 1996 auch zum gewünschten Erfolg geführt. Nachdem dort sogar mit Kriegswaffen gekämpft wurde, vereinbarten Hells Angels und Bandidos ein Friedensabkommen, danach war Ruhe.

Bleiben wir also auch für Berlin optimistisch …
Christa Schäfer

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PeaceJam

Montag, 7. Juni 2010 6:40

Schon mal was von PeaceJam gehört?

PeaceJam will ermöglichen, dass sich eine neue Generation von jungen Menschen für einen Wandel in ihnen selbst, in ihren Gemeinschaften und in der Welt einsetzt. Inspiriert werden soll bzw. wird dieser Wandel von Friedensnobelpreisträgern.

13 Friedensnobelpreisträger haben sich bisher für dieses Projekt engagiert: Desmond Tutu, Jody Williams, Der Dalai Lama, Shirin Ebadi, Adolfo Pérez Esquivel, Rigoberta Menchú Tum, Oscar Arias, Máiread Corrigan Maguire, José Ramos-Horta, Aung San Suu Kyi, Betty Williams, Wangari Maathai und Sir Joseph Rotblat (2005 verstorben).

Jetzt ist das 2006 erschienene Buch zum Projekt „We Speak as One“ endlich als deutschsprachiges Buch im Concadora Verlag erschienen. Das zum Projekt PeaceJam verfasste Buch stammt von von Arthur Zajonc (amerikanischer Physikprofessor und Spezialist für Quantenoptik) und hat den wunderbaren Titel „Frieden ist machbar!“

13 FriedensnobelpreisträgerInnen werden im Buch mit ihrem Anliegen vorgestellt. Unter harten Bedingungen und Opfern haben sie sich für die Vision einer friedfertigen Welt und für Freiheit, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit und Solidarität eingesetzt. In einem knappen und dennoch berührenden Text erfährt man das Wesentlichste über jeden dieser „Friedenskämpfer“.

Stellvertretend für alle anderen Friedensnobelpreisträger möchte ich Aung San Suu Kyi vorstellen. Sie ist die Tochter des Revolutionsführers und Generals Aung San, der die Unabhängigkeit seines Landes Burma von Großbritannien erkämpfte, bevor er von den Militärs ermordet wurde. Suu fühlte bereits früh, dass ihr Land sie brauchte und sie schrieb bereits vor der Heirat an ihren zukünftigen Mann Michael Aris: „Alles, was ich verlange, ist, dass du mir hilfst, meine Pflicht zu erfüllen, wenn meine Landsleute mich rufen.“ Und tatsächlich errang 1990 bei demokratischen Wahlen in Burma die Nationale Liga für Demokratie (NLD) einen Erdrutschsieg. Aung San Suu Kyi war Vorsitzende der NLD. Die burmesische Militär-Junta erkannte jedoch den Sieg nicht an und inhaftierte die äußerlich zart wirkende Frau über zehn Jahre lang in ihrem eigenen Haus. Sie war eigentlich die neue Ministerpräsidentin Burmas. Dennoch wurde sie von der Außenwelt abgeschnitten und von ihren beiden Söhnen Alexander und Kim sowie ihrem Mann Michael Aris ferngehalten. 1999 starb ihr Mann in England an Krebs, während Aung San Suu Kyi in ihrem Haus in Burma festsaß. Daw Suu (Lady Suu), so wurde sie zu damaliger Zeit in Burma genannt, und „Eiserner Schmetterling“, so war ihr Spitzname. Aber auch wenn sie physisch abgetreten war von der politischen Bühne, so blieb sie in den Köpfen und Herzen ihrer Landleute stets präsent. Stets verband sie die politischen und materiellen Dimensionen revolutionärer Bewegungen mit einer spirituellen Dimension, buddhistisches Studium und Meditation wurden zu einem festen Bestandteil ihres Tagesablaufes während der Gefangenschaft. Im Interview mit PeaceJam wagte sie 1995 eine Erklärung für den schlechten Umgang der Menschen miteinander:

„Es mag daran liegen, dass sich die Menschen ihrer Moral nicht bewusst sind. Es gibt da eine bedeutende Stelle in dem berühmten altindischen Epos Mahabharata, die besagt, es sei doch erstaunlich, dass die meisten Menschen so handeln, als müssten sie niemals sterben – wo wir doch immer und überall vom Tod umgeben sind. Die meisten Menschen benehmen sich gerade so, als ob sie tun und lassen könnten, was sie wollten. Sie glauben, sie kämen mit allem ungeschoren davon und denken nicht an die Konsequenzen ihres Handelns. Da ist durchaus etwas Wahres dran.“ (S. 73 f.)

Die Geschichte von PeaceJam startete im Sommer 1994: Ivan Suvanjieff, amerikanischer Künstler und Musiker, hatte in dem Sommer Kontakt mit Mitgliedern einer Latino-Gang in Denver. Ihn faszinierte ungemein, dass diese jungen Menschen aus ärmlichen Verhältnissen, die harte Gewalt gewöhnt waren, ganz genau über Erzbischof Desmond Tutu Bescheid wussten und dessen Bemühungen um eine gewaltfreie Gesellschaft gut kannten. Suvanjieff entwickelte die Idee, Nobelpreisträger für die Arbeit mit Jugendlichen zu gewinnen, um diesen ein Gefühl für ein sinnorientiertes Leben und für Integrität in der Welt zu geben. Suvanjieff gewann Dawn Engle (Politikerin und Mitbegründerin der Colorado Friends of Tibet) als Partnerin für das Projekt und beide starteten im März 1996 mit dem ersten PeaceJam-Treffen.

Seit der Zeit haben über 150 PeaceJam-Treffen mit über 600.000 jugendlichen Teilnehmern stattgefunden, in Colorado, Costa Rica, Südafrika, Mexiko, Indien, Guatemala, Argentinien, Kenia und England.

Das Buch „Frieden ist machbar!“ sowie der zugehörige Film eignen sich hervorragend für die Arbeit in Schulen (z. B. den Ethikunterricht) und Universitäten (z.B. den Pädagogikfachbereich), und natürlich passt es auch wunderbar in Trainings zum Konfliktmanagement und zur Mediation! Aung San Suu Kyi hat in ihrem Land unglaubliche Zivilcourage bewiesen und sie gab den Jugendlichen bei den von ihr mitgestalteten PeaceJam-Treffen folgenden Rat:

„Stellt euch vor, ihr seid alt. Wie würdet ihr dann sein? Wenn ihr dann versucht, euer Leben aus Sicht eines alten Menschen rückwärts zu denken, dann werdet ihr eure heutigen Möglichkeiten besser zu schätzen wissen. Ihr werdet auch toleranter gegenüber alten Menschen sein, die euch jetzt engstirnig und beschränkt vorkommen mögen. Also denkt euer Leben rückwärts! Stellt euch euer eigenes Alter vor und versucht rückwärts zu leben, vom Alter bis zur Kindheit – wie der Zauberer Merlin es tun hätte sollen.“ (S. 74)

Bisher gab es noch keine PeaceJam-Veranstaltungen in Deutschland!
Berlin würde sich anbieten!
Wer hat Interesse und Energie, dieses Projekt nach Berlin zu holen?

fragt
Christa D. Schäfer

Frieden ist machbar!
Für jeden und überall!

Thema: Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen | Kommentare (12) | Autor:

Der 15. Deutscher Präventionstag und die fünf Konflikttypen

Montag, 17. Mai 2010 6:13

Über 200 Informationsstände und ca. 300 ReferentInnen haben am 10. und 11. Mai im ICC zum Thema Prävention unter dem Schwerpunkt „Bildung – Prävention – Zukunft“ informiert. Wer sich einmal durch das dicke Programm mit Angaben zu den Infoständen sowie den Veranstaltungshinweisen zu den Plenen, Vorträgen, Ausstellungen und den Werkstattveranstaltungen „hindurch gewühlt“ hat, bekam jede Menge geboten. Auch für Kinder und Jugendliche war der Präventionstag interessant; an beiden Tagen wurde eine Schüleruni angeboten und speziell am zweiten Tag besuchten viele Schulklassen den Präventionstag, um dort an den Angeboten „Geheimsache Igel“ (Präventionstheater), „Mit Musik und Tanz für Toleranz“ oder „Konfliktfähigkeit in Bewegung trainieren“ teilnehmen zu können.

Der 1. Deutsche Präventionstag startete 1995 als nationaler jährlicher Kongress speziell für das Arbeitsfeld der Kriminalprävention. In der Zwischenzeit steht er auch Institutionen, Projekten, Methoden, Fragestellungen und Erkenntnissen aus anderer Arbeitsfeldern offen, von der Suchtprävention über die Gewaltprävention bis zur Verkehrsprävention und zu Präventionsbereichen im Gesundheitswesen.

Mediation ist Intervention, das ist klar. Aber ist Mediation auch Prävention, so fragten sich die MediatorInnen des MediationsZentrums Berlin im Vorfeld der Veranstaltung, und sie beantworteten diese Frage eindeutig mit “ja”. Mediation verhindert eine weiter gehende Eskalation von Konflikten und wirkt damit deeskalierend. Je früher Mediation im Konfliktfall ansetzt, um so einfacher ist ein Konflikt zu lösen und um so weniger „fährt er sich fest“. Und da das MediationsZentrum zudem in Projekten wie dem „Runden Tisch in der Familie“ oder im „KiJuRa“ eindeutig präventiv arbeitet, hat das MediationsZentrum an seinem Stand auf dem Präventionstag zum Thema „Mediation und mehr“ informiert.

Besonders gut ist bei den Standbesuchern das Thema der fünf verschiedenen Konflikttypen angekommen. Nach Kenneth W. Thomas und Ralph H. Kilmann und dem von ihnen entwickelten TKI (Thomas-Kilmann Conflict Mode Instrument) gibt es 5 verschiedene Konflikttypen. Durch das TKI wird das Verhalten einer Person in Konfliktsituationen gemessen. Dazu gibt es zwei grundlegende Dimensionen, wie das Verhalten einer Person beschrieben werden kann: Erstens der Grad des Durchsetzungsvermögens, mit dem eine Person sein Ziel zu verwirklichen sucht und zweitens das Ausmaß, in dem eine Person auch an die andere Konfliktpartei und die Beziehung zu dieser denkt. Auf den Punkt gebracht variiert das Verhalten einer Person im Konflikt also immer nach den beiden Koordinaten „Ziel“ und „Beziehung“. Diese beiden grundlegenden Dimensionen des Verhaltens definieren die fünf Modi/Konflikttypen für die Reaktion auf Konfliktsituationen.

Competing, accommodating, avoiding, collaborating und compromising, so lauten die 5 Konflikttypen bei Thomas und Kilmann. Zwang/Durchsetzung, Rückzug/Flucht, Beschwichtigung/Verzicht, Problemlösung/win-win und Kompromiss/50-50, so lauten die Konflikttypen in der deutschen Sprache.


„Ich habe Recht, und du musst das endlich einsehen“, so lautet der Standardsatz des Durchsetzungstyps, dem das Ziel ganz wichtig ist, der die Beziehung aber dabei vernachlässigen bzw. sich verschlechtern lässt.

„Ach ist doch egal, ich will damit nichts zu tun haben“, so der Kernsatz des Fluchttyps, der sowohl das Ziel als auch die Beziehung zur anderen Streitpartei am liebsten aufgibt.

„Was soll’s, dann hast du eben Recht“, so ein Lieblingssatz des Beschwichtigers, dem die Beziehung zum Konfliktpartner so wichtig ist, dass er das Ziel aus den Augen verliert.


„Du gibst nach, ich gebe nach, das wird schon“, so denkt der Mensch, der am liebsten Kompromisse eingeht und der damit so einigermaßen gut durch’s Leben kommt.

Und: „Wir tauschen Bedürfnisse, Interessen und Gefühle aus und finden eine gute Lösung“, das bietet eine win-win-Position, bei der sowohl Ziel als auch Beziehung gut berücksichtigt werden. Genau diese Position ist es, die in einer Mediation angeregt wird und die die Medianden nach einer gelungenen Mediation zufrieden gehen lässt.

Falls Sie nun wissen wollen, welcher Konflikttyp Sie sind, so können Sie gerne folgende Übung machen: Nehmen Sie sich bitte 5 Minuten Zeit bei absoluter Ruhe. Denken Sie an drei verschiedene Konflikte, die Sie in letzter Zeit erlebt haben. Schreiben Sie die drei Konflikte untereinander auf einen Zettel. Schreiben Sie dann bitte daneben, wie Sie in diesen drei Konfliktfällen reagiert haben. Vergleichen Sie jetzt bitte diese Konfliktlösungsstrategien mit den von mir oben vorgestellten Konflikttypen. Jetzt sollten Sie die Situation klarer sehen können, welcher Konflikttyp Sie sind … Und, was war das Ergebnis?

Falls Sie lieber mit einem Fragebogen Ihren Konflikttyp herausfinden möchten, so habe ich Ihnen hier einen kleinen Fragebogen hinterlegt, den Sie sich ausdrucken und ausfüllen können. Zur Auflösung schauen Sie dann bitte wieder hier im Blogartikel nach.

Die Standbesucher auf dem Präventionstag durften sich, nachdem Sie ihren Konflikttyp erkannten, eine Süßigkeit aus dem Glas mit der entsprechenden Kennung nehmen. Das kann ich hier virtuell natürlich nicht leisten. Aber falls Sie die fünf Konflikttypen in der Übersicht haben möchten, auch das hier im Blog hinterlegt …

Unsere Idee sei Ihnen natürlich zur Nachahmung und Anregung empfohlen. Und ich freue mich jederzeit über Rückmeldungen zu den von Ihnen gemachten Erfahrungen (als Kommentar hier im Blog) und/oder über Ihren Besuch. Jede Woche gibt es hier ein bis zwei Blogartikel zum Themenfeld zwischen Pädagogik und Mediation …

Bis bald
sagt Christa D. Schäfer

Ach ja, und hier noch die Auflösung zum Fragebogen:
Z Zwang/Durchstetzung, R Rückzug/Flucht, B Beschwichtigung/Verzicht, P Problemlösung/win-win, K Kompromiss/50-50

Thema: Konflikte, Veranstaltungen | Kommentare (2) | Autor:

Margaret, das Ausgleichskind

Montag, 15. März 2010 6:48

„Ich merkte, wie sich alles in mir zusammenzog und wie eine Wut in mir wuchs, von der ich genau wusste, dass ich sie jetzt nicht herauslassen würde. Schließlich sollte heute gefeiert werden.
Auf einmal fand ich, dass es Mama ganz recht geschah, wenn ich kein Geschenk für sie hatte. Da saß sie und hatte noch keine Ahnung, dass ich es vergessen hatte, und trotzdem kam sie mir mit keinem Blick entgegen. Die ganze Mühe, unsere Familienstimmung wieder in Ordnung zu bringen, lastete auf mir. Mama dachte überhaupt nicht daran, mitzuhelfen.
Dann nicht, liebe Dame, bitte schön, dachte ich. Kannst du haben.
„Herzlichen Glückwunsch“, sagte ich unfreundlich und setzte mich auf meinen Stuhl.
Papa sah mit flehendem Blick zu mir rüber, aber Mama stand nur geräuschvoll auf und fing an, den Frühstückstisch um meinen Platz herum abzuräumen.
„Kann man heute Nachmittag mit dir rechnen?“, fragte sie über die Schulter. „Ich frage nur, weil ich wissen will, wie viele Gedecke ich auftun soll.“
„Jaja“, sagte ich. „Nur keine Sorge.“
Da drehte Mama sich um und starrte mir nun doch direkt ins Gesicht.
„Oh, ich sorge mich schon lange nicht mehr!“, sagte sie laut. Die ganze Zeit zerknüllte sie ein Küchenhandtuch. In dieser Familie habe ich schon längst damit aufgehört.“
„Nun denkt doch mal daran, dass Geburtstag ist“, sagte Papa bittend.
Aber Mama hatte sich schon wieder zur Spüle gedreht. „Außer dir denkt da in dieser Familie sowieso keiner dran“, und sie fing an zu spülen, obwohl längst jemand vom technischen Dienst dagewesen war und unsere Spülmaschine repariert hatte.“

Das ist einer der Familienstreitigkeiten, über die Kirsten Boie in ihrem Buch “Das Ausgleichskind“ (S. 168 f.) geschrieben hat. Ein anderer ist der Streit zwischen der großen Tochter Marthe und der Mutter, der so weit geführt wurde, bis Marthe auszog. Auch da fühlte sich die jüngere Margaret schuldig; wie überhaupt an so Vielem in dieser Familie.

Ist aber auch klar, dass sie sich schuldig fühlt, denn sie ist – wie ihr Freund Akki das immer so schön sagt – das Ausgleichskind:

„Du bist ihr Trost in schweren Tagen, ihre Sonne bei Kummer und Regen, und dass du so genial bist, hilft ihnen über einiges hinweg. … Die Familie … ist ein System. Jedes Mitglied hat seine Rolle zu spielen. Verändert sich die Situation des einen, muss sich notwendigerweise auch die aller anderen verändern …“ (Das Ausgleichskind, S. 8 f.)

Und so haben wir in diesem Buch für Kinder ab 12 Jahren das Thema Familienstreit direkt neben den Gedankengängen zur Thematik „Die Familie als System“.

„Die Familie ist ein Schauplatz, wo die in den verschiedenen Generationen aktualisierten emotionalen Strömungen von Depression, Angst, defensivem Beharrungswillen und Protest aufeinanderstoßen.“ – so Horst-Eberhard Richter in seinem Buch: Patient Familie. Entstehung, Struktur und Therapie von Konflikten in Ehe und Familie, S. 29.

Margaret muss das perfekte Kind spielen und die Familienatmosphäre ausgleichen. Da die ältere Tochter gegangen ist, muss Margaret nun die gesamte Wucht des Familiengleichgewichts halten und den Ausgleich herstellen. Der Vater ist eher zurückhaltend, fast hilflos. Die Mutter konzentriert sich auf ihre jüngste Tochter und den Haushalt. In tradierten Rollenbildern verhaftet macht sie Margaret mit ihrer fast krankhaften Ehrgeizigkeit das Leben schwer. Glücklicherweise ergibt sich am Buchende ein Hoffnungsschimmer, der Ideen mitgibt, wie dieser Teufelskreis innerhalb von Familien durchbrochen werden kann. Und natürlich wäre in diesem Fall auch eine Familienmediation sehr hilfreich gewesen … !!

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Familienmediation, Konflikte, Literaturempfehlungen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

Bandidos – Der Geschichte dritter Teil

Mittwoch, 10. März 2010 22:54

Meine ersten beiden Berichte um die Geschichte der „Bandidos“ und der „Hells Angels“ haben hohe Leserzahlen erreicht. Darum möchte ich Sie gerne über die Vorkommnisse in diesem Konflikt auf dem Laufenden halten.

Am 3. März 2010 marschierten 15 Mitglieder der Bandidos in ein Krankenhaus in Berlin Mitte. Unter ihnen war ein 22jähriger, der am Bein blutete. Seine Verletzung des Oberschenkels war durch einen Messerstich hervorgerufen worden.

Da den Klinikmitarbeiter mulmig zumute wurde ob der 15 einmarschierenden Rockern, holten sie sofort die Polizei. Diese durchsuchte die Männer und beschlagnahmten die im Rockermilieu üblichen Waffen: eine Machete, Messer, Quarzhandschuhe, Pfefferspray. Übrigens hatten ja auch die Pokerturnier-Räuber vom Sonntag eine Machete dabei – ist diese Waffe jetzt wieder modern geworden?

Der verletzte Bandidos schwieg zu den Fragen der Polizei, das ist ehernes Gesetz in der Szene. Ja, und so weiß die Polizei nicht, woher die Verletzung stammt und was dieser vorausgegangen ist.

Die Polizei in Berlin und Brandenburg setzt die Szene mit verstärkten Kontrollen unter Druck und bleibt präsent. Im Jahr 2009 wurden in Brandenburg 39 Straftaten verübt, die durch die Mitgliedschaft in einem Motorradclub motiviert waren, 2008 waren es nur 10 Straftaten.

Am 9. März rief eine Frau aus der Weddinger Provinzstraße die Polizei, weil sie bei zwei Rockern vor dem dortigen Rockerclub der Bandidos eine Waffe gesehen habe. Die Bandidos zeigten sich kooperativ und das anrückende Sondereinsatzkommando der Polizei durchsuchte die Vereinsräume. Sie fanden zunächst nur Hieb- und Stichwaffen, dann aber auch noch anderes. 11 Rocker wurden vorläufig wegen Verstößen gegen das Waffengesetz festgenommen.

Ich hoffe, dass kein Teil 4 mehr folgt,
bin da aber gar nicht sicher …
Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte | Kommentare (0) | Autor:

Nochmals Bandidos gegen Hells Angels

Sonntag, 21. Februar 2010 11:52

Erinnern Sie sich an meinen Artikel „Konflikteskalation Bandidos gegen Hells Angels“? Die Eskalationsspirale ging natürlich weiter: Mitte Februar 2010 haben Bandidos ein Foto der “Überläufer” im Internet veröffentlicht. Der treu gebliebene Kassenwart wurde dabei geschwärzt, die Ex-Kameraden waren gut zu erkennen. Daraufhin machten sich etwa 30 Bandidos (Vereinslogo auf ihren Lederkutten) auf den Weg zum Clubhaus, in dem ihre übergelaufenen Ex-Kameraden derzeit residieren. Auch die übergelaufenen, jetzt bei den Hells Angels organisierten Rocker machten sich bereit für den Kampf. Wenig später verhinderten Polizisten diese Auseinandersetzung zwischen den Anhängern der beiden Rockerclubs.

Die Bandidos widersprechen derzeit der gängigen Presse, dass 70 Anhänger ihren Club verlassen haben; sie sprechen von nur 15 Personen, die gewechselt hätten.

Sowohl die Bandidos, als auch Rudolf Django T., der Mitbegründer der deutschen Hells Angels sagen: Wir wollen sicher keinen Streit!

Ob das stimmt?!

Interessant ist übrigens auch die Entstehungsgeschichte der beiden Motorradclubs (MC). Die Hells Angels wurden 1948 von ehemaligen US-Kampfpiloten gegründet. 1966 dann entstand der Club der Bandidos, ins Leben gerufen durch Veteranen des Vietnamkriegs. Schon gleich zu Anfang begann der Krieg zwischen den beiden Rockerbanden. Heute haben beide US-Clubs Ableger in ca. 100 Ländern. Und auch in Deutschland setzt sich der Kampf fort, wie man gerade wieder sieht.

Geht’s noch weiter?

Ja wahrscheinlich, und das auch außerhalb Berlins. Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein berichtete, dass es am Abend des 19.02.2010 in der Flensburger Innenstadt zu einem Angriff aus einer Gruppe von Bandidos auf einen 41jährigen Mann gab, der dem Umfeld der Hells Angels zugerechnet wird. Die Bandidos waren mit Äxten und Eisenstangen bewaffnet und griffen den 41jährigen an, der im Auto saß. Sie verletzten ihn so schwer, dass er ins Krankenhaus musste. Die Bandidos flüchteten mit ihren Autos, die Polizei konnte später die Fahrzeuge ausfindig machen und die Bandidos einer vorläufigen Festnahme zuführen.

Christa D. Schäfer

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Konflikteskalation Bandidos gegen Hells Angels

Montag, 8. Februar 2010 5:16

In letzter Zeit gibt es in Berlin und Brandenburg einen Gruppenkonflikt, der die Polizei in Atem hält. An ihm kann man gut und äußerst aktuell das Thema Konflikteskalation betrachten, zur Konfliktlösung ist es bisher leider nicht gekommen.

Es gibt drei große Rockerbruderschaften in Berlin und Umgebung: die Bandidos, die Hells Angels und der Gremium MC. Zum harten Kern der drei Motorradclubs gehören je 50 Leute, ca. 100 weitere können flott mobilisiert werden. Bisher war das Verhältnis zwischen den Bandidos und den Hells Angels heftig angespannt. Sie kämpften um die Vorherrschaft im Geschäft mit Prostitution, Drogen- und Waffenhandel. Jetzt droht die Eskalation.

Am 2.2.2010 sind 70 als militant geltende Berliner Anhänger der Rockergruppe Bandidos zu den rivalisierenden Hells Angels übergetreten; der Mitbegründer der deutschen Hells Angels, Rudolf „Django“ T. hat dies bestätigt. Die 70 Personen stammen aus dem Chapter „El Centro“, der Bandidos-Dependance im Norden Berlins. Es scheint, dass das gesamte Chapter damit seine Position gewechselt hat. Grund für das Überlaufen zu den Hells Angels sind Streitigkeiten und blutige Auseinandersetzungen zwischen diesen Bandidos-Rockern aus dem Norden mit ihren Bandidos-Vereinskameraden „Southside“ aus dem Süden Berlins.

In Konsequenz darauf sind die 70 Rocker bei den Bandidos ausgetreten und haben sich mit sofortiger Wirkung am 4.2.2010 den Hells Angels, ihren bisherigen Erzfeinden, angeschlossen. Frank H., der Chef des deutschlandweit größten Club-Charters in Hannover hatte mit „Centro“-Chef Kadir P. den Übertritt des von Türken dominierten Chapters persönlich ausgehandelt. Die Centro-Rocker gelten als besonders gefährlich, ihr Chef als schwer kontrollierbar. Verstärkt wird die Kraft des Übertritts dadurch, dass er einen Tag vor dem 20igsten Geburtstag der Hells Angels vollzogen wurde, zudem haben die überlaufenden Männer symbolisch ihre als heilig geltenden Jacken zerschnitten. Die Polizei ergriff daraufhin sofort absichernde Maßnahmen. Allerdings blieb die Hauptversammlung der Hells Angels am 3.2. ruhig und auch von einer rauschenden Siegesfeier in diesem Milieu ist bislang nichts zu hören.

In Zukunft werden die übergelaufenen Männer Teil der „Hells Angels Türkei“ sein. Das hat wohl nichts damit zu tun, dass diese Männer nichtdeutscher Herkunft sind, sondern hat interne Gründe, über die es bisher keine Informationen gibt. Damit hat sich jetzt das Kräfteverhältnis im Rockermilieu zugunsten der Hells Angels verschoben und Experten sagen: „Man muss mit Reaktionen rechnen.“

Am 4.2.2010 haben in Folge dessen Spezialisten der Landeskriminalämter von Brandenburg und Berlin zu einer Krisensitzung zusammen gefunden. Gewalttaten scheinen jetzt an dieser Stelle der Eskalation aus dreierlei Gründen wahrscheinlich: Die zu den Hells Angels übergelaufenen Mitglieder von „El Centro“ müssen durch besonders mutige Taten ihre Loyalität zum neuen Club beweisen, die Hells Angels sind derzeit in Siegerlaune, weil sich das Kräfteverhältnis nun stark zu ihren Gunsten verschoben hat, und die Bandidos sind nach ihrem Ansehensverlust jetzt unberechenbar.

Am 5.2.2010 gab es eine Sitzung der Bandidos im Vereinssitz in der Weddinger Provinzstraße. Mehr als 100 Rocker aus Deutschland und dem europäischen Ausland trafen sich dort, um die aktuelle Lage zu besprechen. Die Polizei führte vor dem Vereinssitz umfangreiche Kontrollen durch, fotografierten die Teilnehmer und stellte deren Personalien fest. Rund 150 Polizeibeamte trafen dabei auf „kooperative“ Bandidos.

Die beiden verfeindeten Clubs haben jetzt einen „Krisengipfel“ angesetzt, bei dem „Leute aus den Europastrukturen“ der Clubs teilnehmen werden. Die Polizei zeigt im Rockermilieu immer wieder Präsenz durch Razzien und Kontrollen. Dennoch steigt die Nervosität bezüglich der Eskalationsspirale merklich. Dies natürlich auch vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren gemachten Erfahrungen mit dem Rockermilieu: Im August 2008 erregten die Bandidos mit einer Attacke in Berlin/Charlottenburg großes Aufsehen, denn mit einer Machete wurde der Vizepräsident der Hells Angels vor derem Clubhaus angegriffen.

2009 gab es bei bundesweiten Auseinandersetzungen unter Rockern 2 Tote und Dutzende Schwerverletzte. Es gibt Rocker und Rockergruppen, die im Drogen- und Waffenhandel aktiv sind. Bei anderen Streitigkeiten geht es um Schutzgelder, denn Rocker arbeiten auch als Einlasser und kämpfen um die Türen lukrativer Lokale, um mit bestimmen zu können, welche Geschäfte dahinter statt finden.

2009 wird im Sommer nahe Finowfurt (Barnim) einem Hells Angel mit einer Axt fast das Bein abgehackt, Centro-Mitglieder sollen hier die Täter gewesen sein. 2009 wird auch aus einem Auto heraus der 33jähriger Rocker Michael B. in Berlin/Hohenschönhausen erschossen. Gerüchten zufolge sei er kurz zuvor / oder wollte er von den Hells Angels zu den Bandidos überlaufen. Im Januar 2010 ist bei Eberswalde ein 23jähriger Anwärter der Hells Angels festgenommen worden, er habe auf einen Bandidos geschossen.

Gerade hat das Oberverwaltungsgericht auch eine Klage des Clubs „Chicanos MC Barnim“ aus Eberswalde abgewiesen, die gegen die offizielle Schließung ihres Vereinsheim vorgehen wollte.

Man wird nun abwarten müssen, ob und wie die Eskalation weiter geht …
Oder ob der Konflikt einer Lösung näher kommt …
Christa D. Schäfer

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