Beitrags-Archiv für die Kategory 'Konfliktprävention'

Gemeinwesenmediation im Bundesstaat Maryland / USA

Montag, 26. September 2011 9:39

Die USA hat 50 Bundesstaaten. Maryland ist einer der Bundesstaaten, der in der Nähe von Washington D.C. und Baltimore liegt. In Maryland gibt es 24 Countys (Bezirke). Einer davon ist Montgomery County mit 971.777 Einwohnern (2010).

Da Maryland der Mediation gegenüber sehr aufgeschlossen, gibt es in 18 dieser Countys ein Community Mediation Center, also ein Zentrum für Gemeinwesenmediation. Diese MediationsZentren werden von den Gerichten Marylands unterstützt, sie erhalten monitäre Förderung und bearbeiten dafür Fälle, die vom Gericht für eine Mediation benannt wurden.

Das Conflict Resolution Center of Montgomery County (CRCMC) befindet sich in Wheaton. „Strengthening our communities peace by peace“ – das ist der Slogan dieses MediationsZentrums. Es verhilft Personen im Konflikt:

to improve understanding
to open communication
to rebuild relationships
to create win-win solutions
to save time and money

Genau ist festgelegt, in welchen Fällen mediiert wird, nämlich zwischen Nachbarn, zwischen Hauseigentümer und Mieter, zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zwischen Betrieb und Kunde, zwischen Familienangehörigen, in Freundschaftsverhältnissen, zwischen Grundstückeigentümer und Mietern, bei geringfügiger Schadenshöhe, zwischen Eltern und deren jugendlichen Kindern sowie zwischen Senioren und deren Familien.

Jährlich gibt es eine Ausbildungsgruppe mit ca. 20 neuen MediatorInnen, die eine 50stündige Ausbildung genießen dürfen. Dafür stellen sie dem MediationsCenter im ersten Jahr 100 Arbeitsstunden zur Verfügung. Diese Arbeitsstunden können auf verschiedene Art und Weise „abgeleistet“ werden. Unter den TeilnehmerInnen der Ausbildung befinden sich auch immer wieder Richter oder Rechtsanwälte, die sich für diese Art der Konfliktbewältigung interessieren – die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass es diese Berufsgruppen nicht so einfach haben, Mediation zu erlernen und später im Mediationsprozess neutral zu bleiben.

Die neuen MediatorInnen werden von der Organisation „Community Mediation Maryland“ trainiert. Diese Organisation ist so etwas wie das „Dach“ der Community Mediation Zentren in Maryland, sie unterstützen die MediationsZentren Marylands durch verschiedene Serviceangebote und bieten jedem der in Maryland ansässigen MediationsZentren ein kostenfreies Training jährlich an.

Community Mediation Maryland hat Richtlinien für die Community Mediation herausgegeben, sie benennen 10 Punkte für die Gemeinwesenmediation:

1. Provide mediation services at no cost or on a sliding scale
2. Hold mediations in neighborhoods where disputes occur
3. Schedule mediations at a time and place convenient to the participants
4. Encourage early use of mediation to prevent violence or to reduce the need for court intervention, as well as provide mediation at any stage in a dispute
5. Mediate community-based disputes that come from referral sources including self-referrals, police, courts, community organizations, civic groups, religious institutions, government agencies and others
6. Educate community members about conflict resolution and mediation
7. Maintain high quality mediators by providing intensive, skills-based training, apprenticeships, continuing education and ongoing evaluation of volunteer mediators
8. Work with the community in governing community mediation programs in a manner that is based on collaborative problem solving among staff, volunteers and community members
9. Provide mediation, education, and potentially other conflict resolution processes to community members who reflect the community’s diversity with regard to age, race, gender, ethnicity, income, education, and geographic location

Aber zurück zum Conflict Resolution Center of Montgomery County (CRCMC): Derzeit stehen hier 76 MediatorInnen auf der Mediatorenliste, davon sind 25 sehr aktiv und 26 kaum aktiv. Zur Zeit wird ein volunteer mediation Standard ausgearbeitet. Danach sollen die MediatorInnen nur die Chance haben weiter zu mediieren, wenn sie mindestens 6 Mediationen pro Jahr mediiert haben und jährlich mindestens 35 Stunden für das MediationsCenter ehrenamtlich arbeiten. Sie unterstützen das Projekt durch ihre Mediationen, ihre Beratungen, ihre Fallorganisationen, als commitee members und vieles mehr. Neben Englisch wird auch in Spanisch mediiert.

Für die Annahme der Fälle sind die ehrenamtlich arbeitenden MediatorInnen selber zuständig. Montags bis Freitag zwischen 9 und 16 Uhr sitzen stets ein oder zwei MediatorInnen am Telefon, um die Fälle anzunehmen, um abzuklären ob sich ein Fall zur Mediation eignet oder um Wichtiges zu organisieren. Die meisten der eintreffenden Fälle können mit Mediation bearbeitet werden, in über 60 % der Fälle kann eine Einigung erzielt werden. Im MediationsZentrum arbeiten weiterhin neun Hauptamtliche, die verschiedene Aufgaben und Tätigkeitsbereiche haben.

Das Conflict Resolution Center of Montgomery County bearbeitete im letzten Jahr insgesamt 500 Fälle. Davon wurden 250 Fälle über das Gericht des Countys vermittelt, diese Mediationen wurden sogar im Gerichtsgebäude durchgeführt. Weitere 250 Fälle sind Fälle, die im Bereich der Community Mediation angefallen sind, vielfältige Konfliktthemen wurden bearbeitet.

Insgesamt hat das Conflict Resolution Center of Montgormery County viele Kooperationspartner, die mediationsgeeignete Fälle an das MeditionsZentrum „überweisen“. Mit manchen der Kooperationspartner wurde sogar vereinbart, dass eine Mediatorin / ein Mediator an einem festen Tag in der Woche in den Räumlichkeiten der „überweisenden Institution“ die Mediationen durchführt.

Wie beispielsweise auch das MediationsZentrum Berlin, so muss auch das Conflict Resolution Center of Montgomery County immer noch viele Aktionen starten, um Mediation bekannt zu machen. Die Vorgehensweisen sind ähnlich: Auf Festen und Festivals präsent sein, Präsentationen für andere Institutionen anbieten und durchführen, kleine zwei- oder sechsstündige Trainingseinheiten für Jedermann initiieren, den Kontakt zu den „überweisenden Institutionen“ ausbauen und halten, die im Gebiet ansässigen Schulen ansprechen und mit diesen zusammenarbeiten, Kirchen und religiöse Orte informieren und um Zusammenarbeit bitten, Broschüren und Flyer auslegen, Zettel im Supermarkt am schwarzen Brett ankleben, die Bücherei als Treff- und Informationsort nutzen, Werbung in öffentlichen Verkehrsmitteln schalten, usw. Auch in Maryland ist es noch so, dass manche Personen erst sechs bis sieben Mal das Wort Mediation gehört haben müssen, bis sie etwas damit verbinden und dann auch noch im Konfliktfall ein Zentrum für Gemeinwesenmediation aufsuchen.

Das CRCMC bietet folgendes an:

  • Mediation (stets kostenfrei)
  • Konfliktmoderation für Konflikte in und mit großen Gruppen (um eine Spende wird gebeten)
  • Community Conferencing und Dialogue Circles für Schulen (always free)
  • Konfliktkurse mit einer geringen Stundenanzahl (auf Spendenbasis von privat oder der jeweiligen Institution)

Viele Aspekte dieses Angebots sind sehr interessant und bemerkenswert. Es gibt beispielsweise ein extra Programm zur Mediation mit ehemaligen Häftlingen, genannt Re-Entry Mediation. Kurz vor und nach der Entlassung können die ehemaligen Häftlinge zusammen mit ihren Familien, Freuden, ehemaligen Freunden usw. Mediationen in Anspruch nehmen. Ein weiteres Programm nennt sich Senior-Mediation. Es soll Senioren und deren Familien helfen, die Zukunft zu planen. Sowohl die älteren Menschen als auch deren Familien besprechen gemeinsam Fragen nach der Pflege, einer Heimunterbringung und vielem anderen mehr. Die Parent-teen Mediationen sind speziell für Eltern und deren jugendliche Kinder gedacht. Die Pubertät der Kinder ist in viele Familien ein heftiger Einschnitt und die daraus erwachsenden Probleme fast nicht mehr in den Griff zu bekommen – hier wird mit Mediation eine Lösung geschaffen. Gerichte schicken beispielsweise auch bereits geschiedene Ehepaare zum CRCMC um Parenting plans zu machen, also Vereinbarungen zu treffen, wo das Kind bzw. die Kinder wann nach der Scheidung wohnen soll(en).

Die oben bereits angesprochenen Konfliktkurse laufen in Wheaton sehr erfolgreich, es sind meist sechsstündigen Konfliktkurse (drei Termine á zwei Stunden), die dort angeboten werden. Für Kooperationspartner und andere Interessierte aus der Community geht es dabei um folgende Inhalte: 1. Termin: Was ist ein Konflikt? Wie gehe ich mit einem Konflikt um? 2. Termin: Gefühle, Bedürfnisse, Grundlagen der Kommunikation 3. Termin: Creative problem solving. Zwischen 10 und 80 Personen nehmen je Kurs an diesen Terminen teil; ca. 80 derartiger Trainings gab es 2010.

Falls Sie sich nach diesem Ausflug in die Gemeinwesenmediation von Montgomery County nur für die Gemeinwesenmediation in Deutschland interessieren, empfehle ich Ihnen gerne folgendes Buch: “Mediation im Gemeinwesen“, das viele wertvolle Informationen enthält.

Ja, und über die Meeting Facilitations in Schools sowie die Dialogue Circles und die Methode des Community Conferencing gibt es demnächst in diesem blog einen eigenen Artikel, denn auch diese drei Themen sind natürlich höchst spannend !!

But now: I want to say Thank you to the three ladys from the Conflict Resolution Center of Montgomery county, who talked to me and explained all the facts I wanted to know about the Center. Thanks a lot !!

Christa D. Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Konfliktmanagement, Konfliktprävention | Kommentare (1) | Autor:

Konfliktprävention in Schulklassen – durch gezielte Entspannungsphasen

Montag, 28. März 2011 5:52

Eine Gruppe entwickelt sich und durchläuft verschiedene Gruppenphasen. Ein Gruppenprozess besteht aus einer Reihenfolge gleich langer oder unterschiedlich langer Arbeitsphasen. In einer Schulklasse besteht eine Arbeitsphase aus 45 oder 90 Minuten. In Arbeitsprozessen mit Erwachsenen sind 90 Minuten eine übliche Einheit. Nach einer Phase der Arbeit und der Anspannung folgt eine Phasen des Luftholens, eine Phase der Entspannung.

Die Lernphasen werden meist ganz intensiv geplant, die Entspannungsphasen werden den TeilnehmerInnen zur freien Verfügung überlassen. Mitunter macht es Sinn, die Phase der Entspannung gezielt zu gestalten. Dadurch gelangt eine Gruppe einerseits gut in eine neue Arbeitsphase hinein und sie kann andererseits meist auch nach einer kurzen Entspannungsübung gezielter und konzentriert weiter arbeiten.

Zur Phase der Entspannung gibt es Energizer, die die Gruppenenergie putschen. Es gibt jedoch auch Entspannungsgeschichten und Entspannungsspiele, die Erholungspausen für Körper und Geist versprechen und einem hektischen und stressbeladenen Alltag vorbeugen.

Im Don Bosco Verlag gibt es jetzt 50 Spiele für 100 % Entspannung (Buchpreis 5 €). Rosemarie Portmann stellt in diesem kleinen Büchlein Spiele vor zum Stillwerden und Stillsein, zum Spüren von Körper und Seele, zum Besinnen und Nachsinnen, zum Auspowern und Abschlaffen sowie zum Ablachen und Lockerwerden. Diese praktische Sammlung von Spielen (manche PädagogInnen ziehen den Begriff der Übungen vor) ist wie geschaffen für den KiTa-Bereich sowie die Klassenstufen eins bis vier. Ich selber habe bereits mit vielen Grundschulklassen gearbeitet und festgestellt, dass jede Klasse nach einer Weile ihre Lieblingsübung hat, die sie immer wieder wiederholen möchte.

Die Übung Nr. 14 aus dem Buch der Entspannungsspiele hat es mir besonders angetan. Ich werde sie bei nächster Gelegenheit mit einer Kindergruppe gerne durchführen, und vielleicht versuchen Sie es auch einmal. Die Übung „Leicht gemacht“ erinnert an die erste Stufe im Autogenen Training, denn sie ist eine „Schwereübung“:

„Du bist auf einer Wanderung. Du trägst einen schweren Rucksack. Der Rucksack drückt. Dein Rücken wird ganz krumm. Du stöhnst unter der Last. Du trägst schwere Stiefel. Deine Schritte sind schwer. Deine Knie lassen sich nur langsam heben, erst das linke, dann das rechte. Du bleibst stehen. Du bückst dich und setzt den Rucksack ab. Du reckst und streckst dich. Dein Rücken wird gerade. Du bückst dich wieder. Du ziehst die Schuhe aus, erst den linken, dann den rechten Schuh. Du schüttelst das linke Bein aus. Du schüttelst das rechte Bein aus. Du gehst ein Stück. Du gehst leicht und mit großen Schritten.“ (Portmann, Rosemarie: Die 50 besten Entspannungsspiele. München: Don Bosco 8. Aufl. 2010, S. 26 f.)

Die Übung kann eine Vorübung zum Autogenen Training sein, sie kann aber auch für sich stehen. An dieser Stelle kann sich eine „Wärmeübung“ anschließen, die Entspannung kann jedoch auch nach dieser kurzen Episode bereits beendet werden. Es kann sich eine Reflektion anschließen oder das Arbeiten wortlos weitergehen. Als Pädagogin / als Pädagoge entscheiden Sie (evtl. zusammen mit der Gruppe), was gut tut.

Ich wünsche Ihnen alles Gute für gezielte Entspannungsphasen !!

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen, Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

Gruppenentwicklung und Kennenlernübungen

Montag, 21. März 2011 5:50

Eine Gruppe besteht aus mindestens drei Personen, die in unmittelbarer Beziehung zueinander stehen. Auch eine Schulklasse ist eine Soziale Gruppe. Sie kommt zunächst nur locker miteinander in Kontakt, tritt dann aber intensiv in den Austausch und in Verbindung miteinander. Eine Schulklasse ist zudem ein dynamisches System, denn in jedem Intragruppen-Konflikt müssen Standpunkte geklärt, Konflikte gelöst und neue Spielregeln ausgehandelt werden. In einer Schulklasse kommen mitunter Schüler dazu und es gehen andere Schüler weg, so dass sich das Gefüge in der Gruppe auch mitten im Schuljahr verändern kann.

Eine Gruppe entwickelt sich. Sie ist zunächst nur ein loser Verbund, in der jedes Gruppenmitglied vorsichtig die anderen Gruppenmitglieder betrachtet, dann werden die Beziehungen untereinander fester und am Schluss steht dann irgendwann die Auflösung der Gruppe und die Trennung. Jede Klassenlehrerin, jeder Gruppenleiter kennt diese Entwicklung.

Nach Bruce Tuckman (1965) gliedert sich der Entwicklungsprozess einer Gruppe in fünf Phasen:

  1. Orientierungsphase (forming)
  2. Konfrontationsphase (storming)
  3. Kooperationsphase (norming)
  4. Wachstumsphase (performing)
  5. Auflösungsphase (adjourning)

In der ersten Phase findet das Kennenlernen zwischen den Gruppenmitgliedern statt. Alle Mitglieder sind noch „vorsichtig“ und schauen, wo sie ihren Platz in der Gruppe finden. In der zweiten Phase werden Machtkämpfe ausgetragen und vielfältige Konflikte gelöst, es findet der Kampf um die informelle Führung statt. Nach gelungener Bewältigung dieser Phase folgt die dritte Phase, die Kooperationsphase, in der das Team zusammen wächst, und in der erstmals gut und intensiv miteinander gearbeitet werden kann. Die vierte Phase führt durch eine gelungene Kooperation der Gruppenmitglieder zu einer hohen Arbeitseffektivität; es herrscht eine hohe Gruppenkohäsion und eine hohe Arbeitsmotivation. Die fünfte und letzte Phase führt zur Trennung der Gruppenmitglieder und dem Auflösen der Gruppe.

In jeder Gruppenphase gibt es also eine besondere Entwicklungsaufgabe für die Gruppe. Für diejenigen, die sich intensiv der Anfangsphase widmen möchten, hat Josef Griesbeck für den Don Bosco Verlag die 50 besten Kennenlernspiele zusammengetragen. Die Spiele sind unterhaltsam und leicht anwendbar und gut für Kinder zwischen 4 und 12 Jahren geeignet. Es gibt Spiele für den Erstkontakt, Spiele zum Vertrautwerden, Spiele zum Kontakte knüpfen, Spiele um ins Gespräch zu kommen und Spiele zum Festigen von Beziehungen.

Ich möchte Ihnen gerne eine Übung aus diesem Buch vorstellen, die dem Vertrautwerden miteinander dient, jedoch nicht gleich zu Anfang der Orientierungsphase durchgeführt werden sollte. Die Übung heißt Wiegekreis und bietet vielen Kindern im Grundschulbereich ein besonderes Erlebnis.

Wiegekreis

Für alle Gruppen oder Gemeinschaften gibt es Augenblicke, die gute Voraussetzungen für das Wachsen von Vertrauen und Solidarität bieten. Mit dem Wiegekries kann das beginnen.
Die Kinder stehen mit herabhängenden Armen im Kreis und zwar so, dass man sich an den Oberarmen leicht berührt. Es wird bewusst gemacht, dass jedes Kind ein Glied in der Kette ist. Auch die Spielleiterin steht mit im Kreis und erklärt: „Augen bitte nun schließen und einige Male kräftig durchatmen! Es soll bei geschlossenen Augen ein Wiegekreis hergestellt werden, der Gestalt, dass sich schließlich alle gleichzeitig hin und her bewegen.“
Die Spielleiterin kann zwischendurch die Augen öffnen und dann zum Öffnen der Augen auffordern, wenn der Wiegekreis hergestellt ist. Auf diese Weise wird das gemeinsame Wiegen nicht nur gespürt, sondern auch gesehen.
(Griesbeck, Josef: Die 50 besten Kennenlernspiele. München: Don Bosco, S. 31)

Ich habe diese Übung kürzlich mit einer vierten Klasse durchgeführt und war beeindruckt von der Intensität, mit der einige Mädchen und Jungen diese Übung durchgeführt und genossen haben. Auch Ihnen und Ihren SchülerInnen wünsche ich viel Freude bei dieser Übung.

Christa D. Schäfer

Was soziale Akzeptanz mit Angst und Aggression zu tun hat?
Auch das können Sie in diesem blog nachlesen …

Thema: Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Schulmediation, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Die Stopp-Regel-BuddYs

Montag, 14. März 2011 7:10

Stopp-Regel BuddYsder Anne-Frank-Grundschule in Berlin wurden im Februar 2011 zu Gewinnern beim buddY-Projekt des Monats !!

Das buddY-Projekt dient der Suchtprophylaxe und Gewaltprävention an Schulen. Die Stopp-Regel wurde von Thomas Grüner und Franz Hilt (siehe deren Buch im AOL Verlag) konzipiert. Sie sichert in aktuellen Situationen eines Schülerkonfliktes die Forderung eines Konfliktpartners nach Unterbrechung der jeweilig unerwünschten Handlung und verhindert so in den meisten Fällen die Eskalation eines Streits.

Wie oft wird auf dem Schulhof aus Spaß schnell Ernst. Erst wird ein wenig geschubst und Spaßkampf gespielt, dann fängt einer der beiden Kampfhähne an zu weinen und liegt am Boden. Da kann die STOPP-Regel helfen, indem nämlich derjenige, der nicht mehr weiter und stattdessen eine Grenze ziehen möchte „Stopp“ sagt. Daraufhin hat der andere Schüler die Pflicht in seinem Tun aufzuhören.

Damit dies auch gut klappt, gibt es an der Anne-Frank-Grundschule in Berlin die STOPP-buddYs. Die BuddYs unterstützen ihre MitschülerInnen bei der Um- und Durchsetzung dieser Regel. Sie verhandeln Regelverstöße und regen ihre Mitschüler zum eigenständigen Lösen ihres Konfliktes an. Wenn dies nicht zufriedenstellend gelingt, leiten sie die Kontrahenten zur Mediation weiter bzw. sorgen dafür, dass die KlassenlehrerInnen den Konflikt weiter bearbeiten. Ein Film gibt einen kurzen Einblick in dieses buddY Praxisprojekt.

Das Projekt der Stopp-Regel-buddYs wurde von Christine Spies konzipiert und wird jetzt von Birgit Breithaupt und Birgit Neumann weitergeführt. Ein Mal jährlich bewerben sich Schülerinnen und Schüler, um buddYs zu werden. Dann werden sie in einem workshop auf ihre Rolle und Tätigkeit vorbereitet und dann schließlich beginnen sie ihre Arbeit.

Die Konfliktbearbeitung wird so auf dem Schulhof der Anne-Frank-Grundschule von den Stopp-Regel-BuddYs übernommen. Die meisten Konflikte gelangen dadurch gar nicht mehr zu den PädagogInnen der Schule, sondern werden mit Unterstützung der BuddYs gelöst. Als Hüter der Stopp-Regel erhalten sie deshalb im Februar den buddY-Preis für das Projekte des Monats. Ich freue mich sehr, dass ich als buddY-Trainerin den Preis an die buddYs überreichen durfte.

Interessant fand ich in der Anne-Frank-Grundschule auch die Sprüche auf den Türen und Fenstern der Schule, die während eines Projekttages entstanden sind. So haben die Schülerinnen und Schüler der Schule jetzt Ihre Regeln zum Umgang miteinander sogar vor Augen.
Regeln in Schule Regeln an Schule Regeln in Schule

Gratulieren möchte ich an dieser Stelle auch Christine Spies, die mit ihrem neu erschienenen Buch „Wir können auch anders! Gefährlichen Entwicklungen bei Schülern vorbeugen“ für die Gewaltfreiheit in Schule einsteht.

Hoffentlich gewinnt die Stopp-Regel weiterhin viele Anhänger,
das wünscht sich Christa D. Schäfer

Falls Sie sich für BuddYs in der Berliner Oberschule interessieren …

Thema: Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Schule in Berlin, Schulmediation | Kommentare (0) | Autor:

Kiezväter

Montag, 8. November 2010 7:29

sind Wegweiser und Begleiter für Jungen.
sind Multiplikatoren und Vorbilder für andere Väter.
sind Vermittler zwischen ihrer Herkunftskultur und der deutschen Kultur.
sind Wegweiser für Unterstützungsmöglichkeiten durch das Schul-, Bildungs- und Sozialsystem.
sind Unterstützer bei der alltäglichen gesellschaftlichen Integration sowie bei unterschiedlichen Fragestellungen.

Und das Beste: Es gibt sie jetzt, die Kiezväter, in Berlin Neukölln.

Nachdem das Projekt der Stadtteil- und Kiezmütter in verschiedenen Bezirken Berlins sehr erfolgreich läuft, hatte Ilknur Gümüs die Idee zum Projekt „Kiezväter“. Gefördert vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wird dieses Projekt in Kooperation der beiden Vereine IBBC (Interkulturelles Beratungs- und Begegnungs-Centrum) und Aufbruch Neukölln durchgeführt.

Die zukünftigen Kiezväter stammen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, sie leben alle in Neukölln, kennen sich in ihrem Kiez aus und haben Freude daran, etwas in ihrer Nachbarschaft zu bewegen. Sie werden zur Zeit in verschiedenen Themenbereichen geschult und stehen danach für Gespräche anderen Vätern und Familien Neuköllns zur Verfügung.

Dieses Projekt dient der Gewaltprävention, denn die Kiezväter greifen Themen auf wie das Erziehungsverhalten von Eltern und die Gewalt in der Familie oder die Probleme von und mit Jugendlichen auf den Straßen von Neukölln. Sie beraten die Familien bei der Erziehung besonders von Jungs, und sie sind als Vermittler tätig zwischen Schule, Kindertagesstätte und Jugendamt. Ganz wunderbar finde ich, dass die Kiezväter im Bereich der Kommunikation sowie im Beratungs- und Konfliktmanagement geschult werden, denn damit sind sie dann gut ausgerüstet für die Praxis. Im folgenden ein Gespräch zwischen Christa Schäfer und Ilknur Gümüs.

Frau Gümüs, wie sind Sie auf die Idee gekommen, dieses Projekt „Kiezväter“ ins Leben zu rufen?

I.G.: Es gibt in Berlin viele Projekte, mit denen die Frauen, Mädchen und Mütter erreicht werden. Jedoch expilizit für Männer gibt es kaum Angebote. Auch sie brauchen Rat und Gesprächsmöglichkeiten. Auch sie haben Ängste und Fragen. Die Themen der Väter sind ja nicht immer identisch mit denen der Müttern und aufgrund von fehlenden oder abhandengekommenen Väter- bzw. Männerbild werden sie agressiv oder depressiv und haben keine Institution, die sie mit ihren Sorgen auffängt. In der deutschen Gesellschaft haben die türkischen und arabischen Väter leider ein sehr negatives Ansehen. Das Projekt wird die Erreichbarkeit der sogenannten bildungfernen Väter und deren Interesse an der Aufnahmegesellschaft und an ihren Familien unter Beweis stellen. Die Väter, die an dem Projekt teilnehmen, werden für ihre Communitis eine Vorbildfunktion übernehmen.

Wie wichtig finden Sie es, dass die zukünftigen Kiezväter ein solides Wissen in den Bereichen Kommunikation, Beratungs- und Konfliktmangement erhalten?

I.G.: Sehr wichtig, weil mit Kommunikation fällt und steht alles. Wir wissen, dass wir gerne Monologe durchführen und unserem Gegenüber oft nicht adäquat zuhören. Aber Kommunikation beginnt mit Zuhören und die zukünftigen Kiezväter lernen dies. Sie lernen auch zu überprüfen, ob das, was sie „gehört und verstanden“ haben, richtig ist. Dabei helfen natürlich die von Ihnen angebotenen Rollenspiele sehr.

Was sollen die Kiezväter in diesem Bereich später können?

I.G.: Sie sollen Gespräche gut und angenehm gestalten und führen können. Auch sollen sie zwischen den Zeilen lesen, und wenn Gefühle ausgesprochen werden, diese auch verstehen und den „Ratsuchenden“ das Gefühl geben können, verstanden zu werden. Hierdurch wird eine Vertrauensbasis hergestellt, die sehr wichtig für deren Arbeit ist. Ich gehe davon aus, dass die Kiezväter bei ihrer Tätigkeit mit „Familiengeheimnissen“ konfrontiert werden, und da wird die Vertrauensbasis als Grundlage für die Problemlösung besonders wichtig.

Was denken Sie, haben die Kiezväter später für Problem- und Konfliktfälle zu bearbeiten?

I.G.: Sie werden sehr viel mit Armut konfrontiert sein und Unwissenheit in der deutschen Gesellschaft. Insbesondere die Familien, die aufgrund eines Duldungsstatus sich in Berlin aufhalten bzw. als Kriegsflüchtlinge hier eingereist sind, sind in der Gesellschaft (ebenfalls aufgrund ihrer Status als Flüchtlinge) nicht integriert. Deren Kinder besuchen die Schule, jedoch ohne Perspektive. Denn diese Kinder mit Duldungsstatus dürfen keine Ausbildung absolvieren und keine Uni besuchen. Das entmutigt. Väter werden viel Mut machen müssen und für die „Ratsuchenden“ Möglichkeiten aufzeigen können. Auch die sogenannte 2. Generation der Gastarbeiter, d.h. die Gastarbeiterkinder, die keine oder geringe Qualifikation haben, leiden unter Perspektivlosigkeit. Aus dieser Mutlosigkeit bzw. Perspektivlosigkeit entsteht durchaus agressives Verhalten der Jungs bzw. der Väter. Ich stelle mir vor, diese Themen werden den Kiezvätern sehr oft begegnen.

Besten Dank Ihnen, sehr geehrte Frau Gümüs für das Interview. Ich freue mich, das Kommunikations- und Konflikttraining im Projekt durchführen zu dürfen und finde sowohl das Projekt als auch das Engagement der zukünftigen Kiezväter fantastisch. Mein Kompliment!

I.G.: Ich danke Ihnen ebenfalls, dass Sie sich der Aufgabe gestellt haben und keine Hemmungen haben, diese Gruppe zu schulen. Dabei bringen Sie eine hohe interkulturelle Kompetenz mit und Verständnis für die Belange der Gruppe.

Dem Projekt alles Gute wünscht
Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konfliktprävention | Kommentare (1) | Autor:

Mobbing in der vierten Klasse

Montag, 11. Oktober 2010 7:04

9 Jahre und 8 Monate alt ist Henry. Er kauft Kaugummis für den Fall, dass er mal wieder von Claas und Torben überfallen wird und sich freikaufen muss. Stets hat er das Gefühl, dass niemand ihn so richtig mag, und tatsächlich muss er sich auch von seinen Klassenkameraden immer doofe Sprüche anhören. Dass sein Nachname Dackel lautet, sei hier nur am Rande erwähnt, denn auch das hat große Auswirkungen …

So denkt Henry also, er hat es nicht einfach, aber eines Tages kommt alles noch viel Schlimmer. In das Doppelhaushälfte neben Henry zieht nämlich Familie Freitag mit Mia ein. Mia ist genauso alt wie Henry, und irgendwie hat sie es auf ihn abgesehen, denn schon die erste Begegnung wird zu einer Katastrophe. Mia, das Monstermädchen, so nennt Henry sie daraufhin.

Zum Glück hat Henry Kontakt zu Harry Bo, den Superhelden, der ihn in fremde Traumwelten entführt, ihn unterstützt und mit ihm zusammen ganz viele Abenteuer besteht. Ja, doch leider lässt ihn Harry dann irgendwann alleine und Henry muss sehen, wie er aus dem ganzen Schlamassel rauskommt.

Die Geschichte klingt als könnte sie in Berlin oder in Kassel oder in Eckernförde passiert sein. Tatsächlich ist sie eine Erzählung von Antje Szillat, die sich als Kinder- und Jugendbuchautorin speziell mit Themen des sozialen Lernens auseinandersetzt. Mehrere beeindruckende und treffsichere Bücher hat sie für Kinder und Jugendliche zu den Themen Mobbing und mehr geschrieben. In oben angesprochener Erzählung beispielsweise wird Henry zum Opfer von Mia, die ihrerseits gerade schwierige Zeiten erlebt und sich, so aggressiv und frustriert wie sie ist, nach menschlicher Nähe sehnt …

An dieser Stelle könnte ich gut die Geschichte analysieren und die typischen Mechanismen von Mobbing aufzeigen. Lieber jedoch empfehle ich dieses Buch „Das Monstermädchen von nebenan“ als Klassenlektüre und überlasse die Interpretation der geschilderten Situation den Leserinnen und Lesern des Buches, den Kindern und ihren LehrerInnen.

In Berlin gibt es übrigens derzeit eine Debatte über deutschfeindliche Mobbingstrukturen durch Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. In Kreuzberg, Mitte und Schöneberg gibt es Schulklassen, die einen Migrantenanteil von 90 % haben. Da werden die „deutschen Kinder“ zu denjenigen, die integriert werden müssen und die die Außenseiter sind.

„Wie Migranten deutsche Kinder mobben. Ausgegrenzt, beschimpft, bestohlen: An einer Sekundarschule in Berlin-Kreuzberg wurde ein deutscher Junge monatelang Mobbing-Opfer seiner türkischen und arabischen Mitschüler. Der Erfahrungsbericht eines 13-Jährigen.“ so titelt die Berliner Morgenpost.

Und: „Schulexperten werfen dem Berliner Senat vor, bisher zu wenig gegen Mobbing von deutschen Schülern getan zu haben.“ so steht es im Berliner Tagesspiegel.

„Deutschenfeindlichkeit“, so heißt parallel zum Begriff “Fremdenfeindlichkeit” das neu kreierte Stichwort zum Thema. Eindeutig ist meiner Meinung nach zu erkennen, dass in Schule weitaus mehr als bisher zum Thema Soziales Lernen gearbeitet werden muss. Aber jetzt sind erst einmal zwei Wochen Herbstferien, zum Aufatmen …

Mehr zum Thema Cyber-Mobbing?

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Schulmediation, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Buddy-Kinderkonferenz in Lichtenberg

Montag, 28. Juni 2010 5:09

Was sind denn Buddys?
Das sind Schülerinnen und Schüler, die anderen SchülerInnen helfen, mit ihnen zusammen lernen, sie anleiten, beraten oder bei Konflikten vermitteln.

Buddy-Projekte werden auf der Grundlage von vier Qualitätsleitzielen augebaut: der Peergroup-Education, der Lebensweltorientierung, Partizipation und Selbstwirksamkeitsstärkung. In Trainings für Lehrer und Sozialpädagogen wird das dazu notwendige Wissen vermittelt. Die PädagogInnen gehen dann an ihre Schulen zurück und bauen Buddy-Praxisprojekte auf.

In Berlin können seit dem Schuljahr 2006/07 alle Grundschulen am Buddy-Projekt teilnehmen. Damals haben von fast allen Berliner Grundschulen zwei Lehrkräfte im Lehrertraining teilgenommen und auch jetzt noch treffen sich die Buddy-Lehrer (auch Buddy-Coaches genannt) über das Netzwerk der Berliner Suchtprophylaxe zu Weiterbildungs- und Austauschrunden. Seit der Zeit gibt es in Berliner Schulen Pausenbuddys, Lesebuddys, Spielebuddys, Klassenräte, Konfliktbuddys, Fachhelfer und vieles mehr.

In Berlin Lichtenberg ist Buddy schnell durchgestartet. Dort gibt es einen Förderpreis zum Sozialen Lernen, der jetzt bereits zum dritten Mal in Folge vom Kontaktlehrerzentrum Lichtenberg zusammen mit dem Bezirksamt (Abt. Familie, Jugend und Gesundheit) ausgelobt wurde. Dieser Förderpreis ist im Rahmen der Schirmherrschaft über die Buddy-Grundschulkonferenz von der Bezirksbürgermeisterin Christina Emmerich gemeinsam mit dem Leiter des Kontaktlehrerzentrums der Sen BWF, Rainer Bäth, im Jahre 2008 entwickelt worden. Seit der Zeit wird er jedes Jahr in den drei Kategorien: Lernen, Schulkultur und Konfliktmanagement vergeben.

Aus Anlass der Verleihung der Förderpreise haben sich rund 150 Buddys aus allen Lichtenberger Grundschulen am 18.06.2010 zur ersten Lichtenberger Kinderkonferenz zusammengesetzt und ausgetauscht. Das Ergebnis war eindeutig, alle haben den Austausch genossen und gehen gestärkt an ihre Schulen zurück.

 

Dieses Jahr ging der Förderpreis in der Kategorie „Lernen“ an die Schule Am Faulen See, dort gibt es Pausenbuddys und Lernbuddys. SchülerInnen der 5ten Klassen lesen und lernen zusammen mit SchülerInnen der 3ten Klassen. In dem Film, der bei der Preisverleihung zum Projekt gezeigt wurde, konnte man sehen, dass sogar Mathe richtig viel Spaß macht, wenn so gelernt werden kann. Den betreuenden Buddy-Lehrerinnen Monika Wolff und Jutta Beuge sowie allen Buddys der Schule natürlich herzlichen Glückwunsch.

Der Förderpreis in der Kategorie „Konfliktmanagement“ ging an die Karlshorster Grundschule für ihre Projekte Pausenbuddys und Konfliktlotsen. Das Buddy-Schulteam, bestehend aus Karla Walzer und Elke Wessel und ihren Buddys, haben sogar ein Buddy-Lied komponiert und mit allen Buddys zusammen eingeübt. Super!

Ja, und der dritte Förderpreis in der Kategorie „Schulkultur“ wurde an die Brodowin-Schule vergeben, die mit aktuell 6 Buddy-Projekten wirklich gut ausgestattet ist. Die verschiedenen Projekte werden durch das Buddy-Schulteam koordiniert, betreut und unterstützt. Neben Aufsichtshelfern (Pausenbuddys), Konfliktlotsen und Spielebuddys gibt es in der Brodowin-Schule auch Lesebuddys und sogar Einzelfall-Helfer. Evelyn Schindler und Evelin Fritzsche, den beiden Buddy-Lehrerinnen der Schule ein großes Kompliment für die Arbeit.

Übrigens werden am 15. November diesen Jahres 300 Lichtenberger Buddys im Bundestag sein. Sie sind von Dr. Gesine Lötsch, Mitglied des Deutschen Bundestages, eingeladen worden. Frau Lötsch möchte sich damit bei diesen Buddys (stellvertretend für alle anderen Berliner Buddys) für ihr bisheriges Engagement an den Schulen bedanken und sie weiterhin für gesellschaftliches Mit-Gestalten begeistern. Auch davon werde ich an dieser Stelle natürlich berichten.

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktprävention, Schule in Berlin, Soziales Lernen, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Die Schule als Problem- und Konfliktfeld

Montag, 12. April 2010 9:38

Probleme und Konflikte sind normal und es wird sie immer geben.
Wichtig ist hingegen, wie mit ihnen umgegangen wird.
Schön wäre ein konstruktiver und kreativer Umgang …

Das sind einige meiner Standardsätze in der Konfliktlotsen- und Mediationsausbildung sowie in den Kursen zum Runden Tisch in der Familie. Jetzt habe ich ein Buch in die Hände bekommen, das voll von Problemen und Konflikten zum Thema Schule ist. “Ungehorsam im Schuldienst“, so heißt das Buch von Reinhard Stähling und Barbara Wenders aus dem Schneider Verlag Hohengehren.

Gehorsam war bzw. ist in den meisten Schulen noch immer oberstes Erziehungsziel. Da klingt es paradox, von PädagogInnen als “ungehorsam” zu sprechen.

Die Autoren des Buches interessierte, was hinter den Kulissen von Schulen passiert, wo „ungehorsame“ Lehrerinnen und Lehrer bei der Veränderung von Schule erfolgreich waren. Und es ist ihnen gelungen zu zeigen, dass gute Pädagogik geradezu Ungehorsam herausfordert, so resümiert Astrid Kaiser in ihrem Vorwort zum Buch. Da müssen pädagogische Handlungsspielräume ausgeweitet werden und Zivilcourage gegen bürokratische unpädagogische Richtlinien stehen. Mut und der Wille, für Kinder und Jugendliche einzugestehen, wird so zur absoluten Voraussetzung für dieses Handeln. Ein wunderbares Buch ist daraus entstanden, dem ich viele Leser wünsche.

Über ein Kapitel, das mich besonders berührt hat, möchte ich hier berichten. Wenn Kinder nicht in die Norm passen, ein Exkurs über den Widerstand gegen gymnasiale Selbstverständlichkeiten – so heißt die Ausführung. Barbara Wenders erzählt von Nelly, die von Geburt an eine Spastik hat, dagegen aber meist schon mehrere Gedankengänge weiter ist, wenn die anderen Kinder und Jugendlichen ihrer Klasse gerade zu denken beginnen. Das hat ihr geholfen, eine „normale“ Schule besuchen zu können, doch hatte Nelly immer das Gefühl, besser sein zu müssen als alle anderen, um in der Schule bestehen zu können. Von den ganzen Schwierigkeiten eine Schule zu finden, in dieser Schule in Ruhe arbeiten zu können und sich dort mit ihrem Dreirad als Fortbewegungsmittel bewegen zu können, möchte ich gar nicht berichten. Ich möchte lediglich einige Sätze Nellys zitieren, die sie am Ende ihrer Schulzeit rückblickend sagt:

„Auf so einer Schule, wie meine Grundschule eine war, wäre ich gerne länger geblieben. Dort gab es den Klassenrat, da haben wir gelernt, dass wir alle die gleichen Rechte haben. Auch ich durfte mich, im Gegensatz zur weiterführenden Schule, über meine Lehrer beschweren. Im Klassenrat haben wir gelernt, dass niemand bloßgestellt werden darf, dass jeder, der Hilfe braucht, sie auch bekommt. Für mich war nach ganz kurzer Zeit klar, dass ich immer jemanden hatte, der mir die Türen aufhielt. Dieser Dienst war im Klassenrat geregelt worden, und er funktionierte so selbstverständlich wie jeder andere Dienst auch.

Dann gab es auch noch Treppen vor dem Eingang. Wie sollte ich mit meinem Dreirad dort hinauffahren können? Die Schulleiterin hat vermutlich gegen Bauvorschriften verstoßen, als sie einfach Holzbohlen dorthin legte. Ich kam jedenfalls barrierefrei in die Schule. Als eines Tages ein anderes Kind mir drohte, mich von der Rampe zu stürzen, wusste ich, das kann ich im Klassenrat klären. Und es wurde geklärt.“ (Buch S. 75)

Eine überzeugendere Empfehlung für den Klassenrat kann es meiner Meinung nach doch gar nicht geben! Ich habe eine Praxishilfe zum Thema Klassenrat geschrieben, die Sie kostenfrei herunterladen können und nach der Sie einfach und unkompliziert den Klassenrat einführen können. Falls Sie ein Trainingseinheit zum Klassenrat buchen möchten, auch dies biete ich in einer Ein-Tages und Drei-Tages-Variante in Ihrer Schule oder in meinen Berliner Räumlichkeiten an – hier ein Bericht zu meinem Klassenratstraining in Wolfsburg

Ich hoffe darauf, dass viele Klassen den Klassenrat ebenso wie Nelly als Klärungsort für ein friedlicheres Schulleben kennenlernen … Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Allparteilichkeit in Mediation und Supervision

Montag, 22. März 2010 6:13

Mediation ist … na, das wissen doch sicherlich alle Leser dieses Blogs ?!
Dennoch:

„Mediation ist vermitteltes Verhandeln bei Problemen und Konflikten und löst primär Probleme, sekundär Konflikte.“ (Joseph Duss-von Werdt: Einführung in Mediation, S. 43)

„Supervision ist ein Weiterbildungs-, Beratungs- und Reflexionsverfahren für berufliche Zusammenhänge, in dem sich SupervisorInnen (professionelle BeraterInnen) und SupervisandInnen (professionelle Ratsuchende) begegnen. Stichwörter sind also Weiterbildung, Beratung, Reflexion, hervorgehoben wird der berufliche Zusammenhang.“ (Andrea Ebbecke-Nohlen: Einführung in die systemische Supervision, S. 11)

Während die Mediation u.a. die Klärung eines Konfliktes zum Ziel hat und eine win-win-Lösung für alle beteiligten Konfliktparteien anstrebt, sind die Ziele von Supervision:

  • „Erweiterung oder Vertiefung persönlicher Erkenntnisse über eigene Möglichkeiten und Grenzen, über Einstellungen und Werthaltungen
  • Veränderungen des eigenen Verhaltens
  • Verbesserung des Wissens über soziale und institutionelle Rahmenbedingungen für das berufliche Handeln
  • Erweiterung oder Vertiefung der sozialen Handlungskompetenz und der praktischen Fertigkeiten
  • Verbesserung der Praxistätigkeit im jeweiligen Aufgabenfeld
  • Multiplikation des erlernten beruflichen Know-how“
    (ebenda, S. 13)

Sowohl Mediator, als auch systemischer Supervisor haben allparteilich zu sein. Das heißt, dass sowohl den MediandInnen als auch den SupervisandInnen vom Mediator bzw. Supervisor keine fertige Lösung angeboten werden darf. Vielmehr ist es ihnen durch Fragen zu ermöglichen, selbst passende Lösungen zu finden. Zum Thema Fragen gab es ja erst kürzlich einen wunderbaren und gern gelesenen Artikel in diesem Blog.

Der Begriff der Allparteilichkeit hat heutzutage den Begriff der Neutralität abgelöst, den ich noch in meiner Mediationsausbildung vor über 15 Jahren gelernt habe.

Allparteilichkeit kann sowohl Neutralität als auch Pluralität bedeuteten. Allparteilichkeit im Sinne einer neutralen Haltung heißt, dass ich als Mediatorin bzw. Supervisorin in einer Auseinandersetzung, die sich innerhalb einer Person oder zwischen zwei Personen abspielt, keine Partei ergreife. Allparteilichkeit im Sinne einer pluralen Haltung meint, dass ich mich gegenüber der einen Seite als auch der anderen Seite gegenüber offen zeige. Allparteilichkeit ist deshalb derzeit so etwas wie ein Überbegriff geworden, der die Begriffe Neutralität und Pluralität einschließt.

Ja, was schon so ein Begriff an Unterschieden für eine Verfahren ausmachen kann. Die Gedanken dazu habe ich übrigens dem von mir schon oben angesprochene Buch „Einführung in die systemische Supervision“ von Andrea Ebbecke-Nohlen entnommen. Dies Buch ist eine wunderbare Einführung in die Methodik der Supervision im Allgemeinen und in die Methodik der systemischen Supervision im Besonderen. Auf 126 Seiten findet der Leser viele nützliche Informationen in einfacher und klarer Form. Für Praktiker ist besonders das letzte Kapitel zu den Methoden systemischer Supervision interessant, das von der Hypothesenbildung über das Zirkuläre Fragen und die Allparteilichkeit hin auch Themen wie Metaphern und Skulpturen berührt.

Systemische Supervision ist wie die Mediation ausgesprochen vielfältig. Es gibt gemeinsame Methoden in beiden Verfahren und sogar eine direkte Kopplung beider Verfahren in dem Angebot der Supervision für MediatorInnen in der Ausbildung bzw. für spezielle Fälle. Ich bin gerade dabei, meine Angebote neu zu schnüren und neben der Supervision für Teams und Einzelpersonen wird dann auch insbesondere die Supervision für MediatorInnen im Paket mit enthalten sein.

Interesse an Supervision oder Supervisionsausbildung?
Dann „kontakten“ Sie mich!
Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

KiJuRa, was ist das ?!

Montag, 8. März 2010 6:23

KiJuRa ist die Abkürzung für Kinder- und Jugendrat.
Einen solchen wird es demnächst in Berlin Tiergarten geben.

Ein KiJuRa hat natürlich zunächst erst einmal nichts mit dem Thema Mediation zu tun. Er dient jedoch u.a. der Konfliktprävention im Bezirk, kann aber auch zur Konfliktbearbeitung unter Kindern und Jugendlichen im Kiez genutzt werden.

Organisatorisch gesehen besteht der KiJuRa sowohl aus Kids, die die Schulen und Einrichtungen im Kiez besuchen als auch aus Kids, die zwar im Gebiet wohnen, aber keine Bildungseinrichtung im Kiez mehr besuchen. Es soll mit der Akquise der KiJuRa-Mitglieder ebenfalls versucht werden, aus allen größeren Wohnblocks im Gebiet eine Vertreterin oder einen Vertreter dabei zu haben.

Die Mitglieder des künftigen KiJuRas werden sich ihren Kiez genau anschauen, Vorschläge für Projekte machen und auch Aktionen selber durchführen. Ähnlich wie im Klassenrat werden hier auch die anfallenden Konflikte im Kiez behandelt werden. Eine Praxisbroschüre zum Thema Klassenrat können Sie übrigens hier in diesem Blog kostenfrei herunterladen. Eine Anleitung, um einen KiJuRa aufzubauen, gibt es derzeit noch nicht.

Natürlich ist die Konfliktbearbeitung nicht die vordringlichste Aufgabe eines KiJuRas. Vielmehr werden die Kids dadurch auch an Entscheidungsprozessen im Quartier beteiligt und partizipieren an politischen Prozessen. Sie erleben Demokratieerziehung live und können Demokratiestrukturen selbst mit gestalten. Und natürlich erfahren sie die Peergroup-Education bewusst als wichtigen Baustein in ihrem Leben. Letztlich soll der KiJuRa zu einer höheren Zufriedenheit und damit einer geringeren Gewaltbereitschaft der Kinder und Jugendlichen im Quartier beitragen.

Aber bis dahin ist es natürlich noch ein langer Weg … Ach ja, und da ich die Projektleiterin des KiJuRas Tiergarten bin, werde ich natürlich auch hier im Blog wieder über den KiJuRa berichten.

Übrigens arbeitet auch die Bertelsmann-Stiftung daran, dass junge Menschen früh erfahren, wie bereichernd es ist, Verantwortung zu übernehmen. Dazu haben sie eine Broschüre herausgebracht mit Namen „Engagement! Kinder- und Jugendengagement wirksam fördern“.

„Insbesondere Jugendliche müssen sich verstärkt an der Entwicklung ihres Umfelds beteiligen, bestehende Initiativen mitgestalten und Probleme, die sie direkt betreffen, eigenständig lösen. Oft wird aktivierendes Engagement durch starre Beteiligungsstrukturen und Anleitungen von oben gehemmt. Als Motor gesellschaftlichen Wandels und damit auch ihrer eigenen Entwicklung benötigen Jugendliche lediglich den Zugang zu Netzwerken und Ressourcen, um ihre Probleme selbstbestimmt und unternehmerisch lösen zu können.“ (Zitat aus der Broschüre, S. 26)

„Kinder und Jugendliche engagieren sich, wenn wir sie nicht davon abhalten, wenn wir sie nicht ständig mit Einwänden und Vorwänden, mit Einschränkungen und Beschränkungen behelligen.“

so der Reform-Pädagoge und Schulreformer Otto Herz. Und genau das wollen wir hier in Berlin Tiergarten versuchen. Falls Sie an der Entwicklung eines bzw. natürlich speziell unseres KiJuRas interessiert sind, so verfolgen Sie doch dessen Entwicklung unter www.kijura.wordpress.com. Ach ja, und drücken Sie uns bitte die Daumen für gutes Gelingen!

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktprävention | Kommentare (0) | Autor: