Beitrags-Archiv für die Kategory 'Nachbarschaftsmediation'

Wieder Nachbarschaftsmediation im RTL

Montag, 9. August 2010 7:33

Letztes Jahr im Sommer kam Andreas Kolb und hat Nachbarschaftsstreit im Fernsehen durch Mediation gelöst, ich berichtete darüber. Dieses Jahr ist es Streitschlichter Franz Obst, der „im Einsatz“ ist.

Letzte Woche hatte er einen Konflikt zu bearbeiten, in dem ein Rentner in einer niedersächsischen Kleinstadt im Streit mit der gesamten Nachbarschaft lag. Er hat buchstäblich viele seiner Nachbarn terrorisiert und zwei Ehepaare haben in Folge dessen um eine Streitschichtung gebeten. Der Rentner selber war nicht an einem gemeinsamen Gespräch interessiert, eine Mediation (im Film wird von Schlichtung gesprochen) kam deshalb nicht zustande. Es gab stattdessen ein Konfliktcoaching bzw. eine Konfliktberatung zu sehen, bei der sogar zwei „Verhaltenstrainer“ zum Einsatz kamen, die den terrorisierten Ehepaaren gezeigt haben, wie sie sich deeskalierend und geschickt in den diesbezüglichen Krisensituationen verhalten können.

Diese Woche geht es um zwei befreundete Ehepaare, bei denen aus Freundschaft Feindschaft wird. Falls es Sie interessiert: Mittwoch Abend, den 11.8.2010 um 20:15 Uhr im RTL.

In Internet können Sie auf der Seite von RTL die Streitfälle jeweils 7 Tage lang nach der Sendung kostenfrei ansehen, danach sind sie für 0,99 € zum Anschauen herunterladbar.

An dieser Stelle möchte ich gerne meine Worte wiederholen, die in meinem Blogbeitrag zum Thema letztes Jahr den letzten Absatz bildeten:

Falls Sie in Berlin eine kostenfreie, auf Spendenbasis basierende Nachbarschaftsmediation suchen, so wenden Sie sich bitte an das MediationsZentrum Berlin. Und falls Sie ein Buch zum Thema Nachbarschaftsmediation suchen …, letztes Jahr ist das erste deutschsprachige Buch erschienen!

Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Mediationsverfahren, Nachbarschaftsmediation, Stadtteilmediation | Kommentare (5) | Autor:

Interkulturelle Mediation

Montag, 10. Mai 2010 6:12

Das Wort „interkulturell“ wird in der Zwischenzeit in ganz vielen Fachbereichen genutzt. Was es eigentlich genau meint, können die Wenigsten erklären. Auch im Bereich der Mediationsausbildung gibt es oft das Stichwort „Interkulturelle Mediation“, mal sehen, was es damit auf sich hat …

Also, nach Wikipedia ist die interkulturelle Kompetenz:

„die Fähigkeit, mit Menschen anderer Kulturkreise erfolgreich zu agieren, im engeren Sinne die Fähigkeit zum beidseitig zufriedenstellenden Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen. Diese Fähigkeit kann schon in jungen Jahren vorhanden sein oder auch entwickelt und gefördert werden. Dies wird als interkulturelles Lernen bezeichnet. Die Basis für erfolgreiche interkulturelle Kommunikation ist emotionale Kompetenz und interkulturelle Sensibilität.“

Zum Stichwort des interkulturellen Lernens bzw. der interkulturellen Kompetenz gibt es verschiedene Teilziele. Das sind zunächst der bewusste und kritische Umgang mit Stereotypen, der Aufbau von Akzeptanz für andere Kulturen, die Überwindung des Ethnozentrismus, aber auch ein Verständnis der eigenen Kulturverhaftung sowie ein Fremdverstehen.

Petra Haumersen und Frank Liebe weisen in ihrem Buch „Mediation in der interkulturellen Arbeit“ darauf hin, dass man sich bei dem Versuch, den Begriff „interkulturell“ näher zu bestimmen, gelegentlich wie in einer Auseinandersetzung mit einer Hydra vorkommen: „Aus jeder vermeintlich erreichten Klärung können unversehens neue Fragen erwachsen, die ihrerseits wieder der Klärung bedürfen.“ (Buch, S. 19)

Und weiter heißt es:

„Von „interkulturell“ zu sprechen, beinhaltet logisch, dass es um Unterschiede zwischen mindestens zwei Kulturen geht. Dies gilt so erst recht für die Situation eines interkulturellen Konflikts …: Schon das Vorhandensein eines Konflikts setzt voraus, dass zumindest unterschiedliche Interessen – zumeist in der Gestalt gegensätzlicher Positionen – vorliegen. Das Vorhandensein eines interkulturellen Konflikts setzt darüber hinaus voraus, dass es zwischen den Konfliktparteien außerdem einen Unterschied hinsichtlich ihrer kulturellen Zugehörigkeit gibt.“ (ebenda)

Einen ganz grundsätzlichen Unterschied gibt es zwischen interkultureller und intra-kultureller Mediation: Gewöhnlich kann man bei einer Mediation von einem gemeinsamen Wertekanon (Werte und Weltsicht) ausgehen. Im Falle einer interkulturellen Mediation muss jedoch die unterschiedliche Werteorientierung in den Prozess integriert werden.

Eine Mediation zwischen zwei Medianden aus unterschiedlichen Kulturen ist in diesem Sinne nicht unbedingt interkulturell. Dagegen kann eine Mediation zwischen zwei Medianden aus ein und demselben Land durchaus interkulturell sein … Zudem ist interkulturelle Mediation als Methode des konstruktiven Umgangs mit einem Konflikt mehr als der Umgang mit interkulturellen Konflikten. Und interkulturelle Mediation meint stets die Auseinandersetzung auch mit unterschiedlichen Wertevorstellungen.

Da schließt sich meine Frage an: Ist Mediation in diesem Sinne nicht sehr oft interkulturell, auch wenn ich eine „deutsche Familie“ oder zwei „türkische Nachbarn“ im Streit vor mir sitzen habe? Ebenso wie sie per se grundsätzlich systemisch ist? Siehe dazu auch einen früheren Artikel in diesem blog zum Thema Interkulturelle Mediation in der Gemeinwesenmediation.

Interkulturelle Kompetenz kann übrigens schon ab frühester Kindheit gelernt werden. Dazu gehört u.a. eine Erziehung zur Offenheit anderen gegenüber, zum achtsamen Umgang miteinander sowie zur Toleranz. Das kleine Buch der Sozialwissenschaftlerin Wilma Osuji mit Titel „Die 50 besten Spiele zum interkulturellen Lernen“ will die Grundlage zur interkulturellen Kompetenz für den Kindergarten- und Grundschulbereich geben. In dem Büchlein aus dem don bosco Verlag findet man leicht umsetzbare Spielideen, die bei jungen Kindern emotionale Intelligenz und interkulturelle Sensibilität fördern. Es sind:

  • Spiele, die neugierig machen
  • Spiele, die verschiedene Sprachen näher bringen
  • Spiele aus verschiedenen Ländern
  • Spiele zu kulturellen Gemeinsamkeiten und Unterschieden
  • Spiele für Empathie, Vertrauen und Wir-Gefühl

Osuji schlägt vor, im Spiel durch praktisches Tun interkulturell zu lernen. Sie will damit u.a. typische Handlungs- und Verhaltensweisen verschiedener Kulturen erfahrbar machen, Empathie herausfordern, unterschiedliche Wahrnehmungen thematisieren und Vorurteile bewusst machen. Dieses Büchlein bietet für 5 Euro 50 wunderbare Spielideen. Das Spiel vom „Kopfschütteln und Nicken“ (Spiel Nr. 33) möchte ich hier exemplarisch für alle anderen gerne vorstellen und zur Nachahmung empfehlen:

„Wenn ein Mensch in Bulgarien mit dem Kopf schüttelt, heißt das „Ja“. Nickt er mit dem Kopf, bedeutet das „Nein“ – also genau andersherum als in Deutschland. Daraus kann Verwirrung entstehen – oder ein lustiges Reaktionsspiel: Die Kinder sitzen beieinander. Nun stellt ein Kind eine Frage, z.B.: „bulgarisch: Können Vögel fliegen?“ Die richtige Antwort der anderen Kinder darauf ist ein Kopfschütteln. Fragt das Kind z.B. „deutsch: Haben Zebras Streifen?“ erfolgt ein Kopfnicken. Hat ein Kind falsch reagiert, gibt es ein Pfand ab.“

Wer sich auf das Wagnis einlässt Fremdes kennen zu lernen,
wird letztlich viel über sich selbst erfahren !! (Wilma Osuji)

Christa D. Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren, Nachbarschaftsmediation, Stadtteilmediation | Kommentare (0) | Autor:

Ein Fall für die Gemeinwesenmedition

Montag, 14. Dezember 2009 10:03

Stellen Sich sich einmal den folgenden Fall vor:

In Berlin Spandau wohnt eine musikbegeisterte achtköpfige Familie in einem Reihenhaus. Die 16jährige Tochter spielt täglich eine Stunde Klavier und hat bereits beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ mitgemacht und dort einen Preis gewonnen. Auch einige ihrer Geschwister spielen ein Instrument und müssen natürlich üben.

Eines Sonntags nachmittags, die 16jährige Klavierspielerin übt gerade Bach, beschweren sich die neu zugezogenen Nachbarn erneut und holen die Polizei. Es wird eine Anzeige wegen Ruhe störendem Lärm aufgegeben. Das Bezirksamt setzt eine Geldbuße von 75 € fest, das zuständige Amtsgericht reduziert diese Bußgeld auf 50 €. Der Fall geht an das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Dieses kippt das Urteil des Amtsgerichtes, da nach Ansicht der Richter im Lärmschutzgesetz nicht klar geregelt ist, wann jemand in seiner Ruhe gestört sei. Nun geht der Fall zurück ans Amtsgericht, das den Fall neu entscheiden muss.

In Berlin wird jetzt neu darüber nachgedacht, ob Hausmusik vom Lärmschutz ausdrücklich ausgenommen bleiben soll. Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz kümmert sich darum.

Bereits im Oktober diesen Jahres (2009) wurde das Lärmschutzgesetz geändert. Kinderlärm gilt seit dem Zeitpunkt in Berlin als ein „Ausdruck selbstverständlicher kindlicher Entfaltung“. Jetzt wird darüber diskutiert, ob Hausmusik zu dem von Kindern verursachtem Lärm dazu gehört. Wie ist denn das gemeint?

Generell kann wohl das Spielen und Üben auf Instrumenten per Bußgeld untersagt werden. Den Richtern des Karlsruher Bundesverfassungsgerichtes geht es jedoch um die Frage, ob die Vorschriften zum Lärmschutz in einem solchen Fall klar genug sind. Möglicherweise könnte die Vorschrift wegen ihrer Ungenauigkeit gegen das Grundgesetz verstoßen.

Das Ganze ist wirklich passiert!

Bernd Matthies vom Berliner Tagesspiegel kommentiert:
“Das Verfassungsgericht hat sich jetzt aus der Sache rausgehalten, aber klare Regelungen angemahnt. Das ist gut. Aber für ein friedliches Miteinander braucht es mehr als Gesetze. Nämlich das Gefühl dafür, wann man anderen unzumutbar auf die Nerven geht. Pauschales gesetzliches Gutfinden ist keine Lösung.”

Ein pauschales gesetzliches Nichtgutfinden ist natürlich auch keine Lösung. Ja, und da wäre eine Mediation zwischen den ursprünglichen Streitparteien doch viel einfacher, schneller und natürlich auch „persönlicher“ gewesen. Und eine Lösung für das Problem, die gäbe es wahrscheinlich schon lange.

Falls Sie an einer kostengünstigen Nachbarschaftsmediation interessiert sind, so können Sie sich in Berlin gerne an das MediationsZentrum Berlin wenden, denn die Mitarbeiter des MediationsZentrums sorgen für gegenseitiges Verständnis und eine einvernehmliche Lösung. Da ist Ihr Anliegen gut aufgehoben.

Christa D. Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Konflikte, Nachbarschaftsmediation, Stadtteilmediation | Kommentare (6) | Autor:

„Frieden statt Fronten“ – Ein Artikel zum MediationsZentrum Berlin im Tagesspiegel

Mittwoch, 28. Oktober 2009 11:23

Der Berliner Tagesspiegel stellt derzeit engagierte Berlinerinnen und Berliner vor. Das MediationsZentrum Berlin e.V. ist bei der Aktion Ehrensache dabei. Eine Jury, bestehend aus Unternehmer Daniel Wall, Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner und Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt, wählten sieben Menschen aus, die nun in einer Sereie im Tagesspiegel vorgestellt werden. Die im MediationsZentrum geleistete Arbeit wird mit dem Artikel Frieden statt Fronten prima dargestellt. Wir freuen uns sehr über die Anerkennung! Besten Dank.

Christa D. Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Nachbarschaftsmediation, Stadtteilmediation | Kommentare (0) | Autor:

Nachbarschaftsmediation im Fernsehen

Donnerstag, 20. August 2009 22:25

RTL hat fünf Folgen zum Thema Mediation mit dem Rechtsanwalt und Mediator Ernst Andreas Kolb gedreht. Am 19.08.2009 kam bereits die vierte Folge im Fernsehen, dieses Mal zum Nachbarschaftsstreit (oder soll man sagen zum Nachbarschaftskrieg) zwischen den beiden Familien Kortekamp und Schäferbarthold aus Hillentrupp.

Es geht um eine Kettensäge, eine Ohrfeige sowie unzählige Beleidigungen, üble Nachrede und Verleumdungen. Das Thema Grenze ist ein ganz großes in dieser Mediation, sowohl die räumlich gezogene zwischen den beiden Grundstücken der Mediationsparteien, als auch das der persönlichen Grenze … Gesundheitliche Beeinträchtigungen durch den Streit setzen beiden Parteien massiv zu. Ein Schiedsverfahren ist bereits gescheitert. Eine Anzeige bei der Polizei hat auch nichts geändert. Jetzt gelingt die Mediation sogar mit Abschlussvereinbarung.

Wer mal schauen möchte, wie Mediation funktionieren kann, der kann die jeweils neueste Folge der Serie eine Woche lang kostenfrei anschauen, danach kostet das Ansehen der jeweils 45minütigen Sendungen 0,99 Cents.

Hier geht es zu den Fernsehfolgen der Nachbarschaftsmediation.
Viel Spaß beim Zuschauen!

Falls Sie in Berlin eine kostenfreie, auf Spendenbasis basierende Nachbarschaftsmediation suchen, so wenden Sie sich bitte an das MediationsZentrum Berlin. Und falls Sie ein Buch zum Thema Nachbarschaftsmediation suchen …, letztes Jahr ist das erste deutschsprachige Buch erschienen!

Christa Schäfer

Thema: Konfliktmanagement, Mediationsverfahren, Nachbarschaftsmediation | Kommentare (0) | Autor:

Schlägerei zwischen zwei Großfamilien

Donnerstag, 18. Juni 2009 6:49

In Berlin Mitte (Tiergarten) gab es mal wieder eine Schlägerei zwischen zwei zerstrittenen arabischen Großfamilien, die mit Stühlen und Holzlatten aufeinander los gingen. Ca. 25 Männer und Frauen waren an dieser gewaltsamen Auseinandersetzung beteiligt, rund 100 Polizeibeamte schritten ein und trennten die Kämpfenden. Es gab einige Leichtverletzte. Mehr zum Vorfall lässt sich derzeit nicht in Erfahrung bringen.

Christa Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Konflikte, Konfliktmanagement, Nachbarschaftsmediation, Stadtteilmediation | Kommentare (3) | Autor:

Gemeinwesenmediation und Zivile Konfliktbearbeitung

Montag, 27. April 2009 8:19

„Vor gut 10 Jahren gründete sich die ‘Plattform Zivile Konfliktbearbeitung’, um im Gegensatz zur militärischen Ausrichtung Lobbyarbeit zu leisten für Konfliktbearbeitung, die aus der Zivilgesellschaft kommt. Mitglieder der Plattform sind: Kirchen, Friedensdienste, wissenschaftliche Institutionen und auch Einzelpersonen. Während vorwiegend die Konfliktbearbeitung im Ausland im Vordergrund stand und auch noch steht, entwickelt sich seit knapp 3 Jahren ein zweiter Strang, der sich mit der Zivilen Konfliktbearbeitung im Inland beschäftigt.“

„Seit ebenfalls 10 Jahren ist die Mediationsszene um eine Disziplin reicher – der Gemeinwesenmediation. Diese hat mit einer Adaption der angloamerikanischen ‘Community Mediation’ auf deutsche Verhältnisse angefangen und ist dabei, immer mehr ein eigenes Profil zu entwickeln.“

Diese beiden Zitate sind einem Artikel von Olaf Schulz und Nadja Gilbert entnommen, der im Spektrum der Mediation, der Fachzeitschrift des Bundesverbandes Mediation“, den Bogen zwischen beiden Gebieten schlägt (Heft Nr. 33).

Es gibt eine Vielzahl von Projekte der Gemeinwesenmediation in Deutschland. Leider haben die meisten der Projekte nicht die Relevanz in den sozialen Stadtteilentwicklungsprozessen, den sich sich gewünscht hätten. Ein Grund dafür wird von Schulz und Gilbert in der Bottom-up-Struktur der Projekte gesehen; ein weiterer im zivilgesellschaftlichen Selbstverständnis, dem in den seltensten Fällen ein formaler Auftrag oder ein Mandat von politisch-administrativer Seite zugrunde liegt.

MediatorInnen aus den Projekten fassen Gemeinwesen-Konflikte als Impuls zur Veränderung auf und müssen dann eventuell institutionelle Ebenen einschalten, die für den zu bearbeitenden Regelungsbereich die Verantwortung haben. Damit ist die Gleichberechtigung unter den an der Mediation teilnehmenden Parteien nicht mehr gegeben.

In dem Artikel wird deshalb ein spezielles Verfahrensdesign vorgeschlagen, das sowohl Bottom-up als auch Top-down arbeitet, und die Idee der Kooperation mit Ansätzen der Zivilen Konfliktbearbeitung im Inland wirkt geradezu bestechend. Der Definition der Zivilen Konfliktbearbeitung gemäß würde sogar die Gemeinwesenmediation unter diesen Begriff fallen.

Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung der Gemeinwesenmediation in Deutschland, die ihren festen Platz im Gefüge bisher noch nicht gefunden hat.

Christa Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Nachbarschaftsmediation, Stadtteilmediation | Kommentare (0) | Autor:

Das Falsche-Opfer-Syndrom in der Mediation

Montag, 10. November 2008 10:00

Vor einigen Jahren hatte ich einen jungen Mann in der Mediation, der sich fürchterlich über seine Nachbarn beschwerte und eine Nachbarschaftsmediation anstrebte. Mit dem Nachbarn über ihm hatte er sich total verkracht, weil der den ganzen Tag so oft die Toilettenspülung bediente. Mit der Nachbarin zwei Etagen über ihm war er böse, weil die immer Brotscheiben und Brötchen auf sein Fensterbrett werfe. Mit seinem Vermieter (er wohnte als Mieter in einer Eigentumswohnung eines älteren Herren) hatte er sich sowieso verkracht, weil der die Wohnung nicht gut renoviert hatte.

Aus dieser Mediationsanfrage ist damals ein intensives Konfliktcoaching geworden, aus der der junge Herr unzufrieden gegangen ist, weil ich seiner Meinung nach „nicht genug für ihn gekämpft“ hätte – und ich ebenfalls, weil der Verlauf des Konfliktcoachings unbefriedigend verlief.

Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass der junge Herr bereits das zweite Mal durch sein Staatsexamen in Jura gefallen war und zudem schon, bevor er in die Wohnung einzog, Bedenken hatte, denn diese hatte ein schlechte Energie, weil Jahre zuvor in eben diesem Haus ein anderer junger Mann Suizid begangen hatte.

Jetzt bekam ich das von Julia Bettermann geschriebene Buch „Falsche Stalking-Opfer? Das Falsche-Opfer-Syndrom in Fällen von Stalking“ vom Verlag für Polizeiwissenschaft in die Hände. Da wurde mir vieles deutlich.

Vorgebliche Opfer sind nach Bettermann seit Jahrhunderten bekannt. Es sind Menschen, die sich als Opfer einer sozialen Lage, eines Phänomens oder gar eines Deliktes vorgeben. Das Wort „vorgeblich“ ist glücklicherweise genauso neutral wie subjektiv und lässt Zweifel für Außenstehende mitschwingen. Eine Entführung durch Außerirdische kann genauso gut vorgeblich sein wie der Umstand, Opfer von Hasskriminalität zu sein. In letzter Zeit hat man beispielsweise von einem Fall in der Zeitung gelesen, in dem sich eine Jugendliche selbst ein Hakenkreuz in die Haut geritzt hat und dann vorgegeben hat, von Neonazis geschädigt worden zu sein.

Das oben genannte Buch beschäftigt sich mit vorgeblichen Stalking-Opfer, also Personen, die sich selber als Opfer von Stalking identifizieren oder ausgeben. Untersuchungen haben ergeben, dass vorgebliche Stalking-Opfer oft Menschen sind, die entweder wahnhafte Züge entwickelt haben oder die unter anderen schwerwiegenden Problemen leiden. Häufig titulieren diese Menschen ihre Nachbarn als die Stalkenden. Vorgebliche Opfer bedürfen natürlich dringend der Hilfe, im Kontext einer Opferberatungsstelle sind sie jedoch falsch aufgehoben.

Wer sich für Stalking bzw. Falsche Stalking-Opfer interessiert, dem sei das oben genannte Buch empfohlen. Wer sich für das Thema “Stalking – ein Thema für die Mediation?“ interessiert, der findet in einem meiner früheren Artikel dazu Ausführungen.

Die gesamte Problematik resümierend möchte ich an dieser Stelle vorsichtig den Begriff des Falschen Opfers mit dem jungen Herren in Verbindung bringen, der damals zwecks einer Mediation zu mir in die Sprechstunde kam. Meine These ist, und das haben mir auch andere GemeinwesenmediatorInnen bestätigt, dass ein gewisser Prozentsatz an Personen mit wahnhaften Zügen in die Nachbarschaftsmediation kommt, die eigene Probleme auf ihre Nachbarn übertragen / projizieren und in der Mediation eine Lösung suchen. Da die Mediation wissenschaftlich gesehen jedoch noch eine relativ junge Methode ist, ist dieses Phänomen bisher leider noch nicht untersucht worden. Vielleicht findet sich ja demnächst jemand, der sich dieses Themas annimmt …..

Christa Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen, Nachbarschaftsmediation | Kommentare (0) | Autor:

Buchvorstellung “Mediation im Gemeinwesen”

Mittwoch, 8. Oktober 2008 11:50

Nachbarschaftsmediation o Stadtteilmediation o Gemeinwesenmediation

Wer sich für diese Mediationsbereiche interessiert, der ist herzlich eingeladen zur Buchvorstellung des Werkes “Mediation im Gemeinwesen“. Diese findet am Dienstag, dem 14.10.08 ab 19:00 Uhr in den Räumen des MediationsZentrums Berlin in der Dennewitzstr. 34; 10783 Berlin statt. Sie werden mit einem Tee empfangen, die Autorinnen des Sammelbandes kennenlernen und über das Thema diskutieren können.

Die beiden Hauptautorinnen des Buches, Monika Götz und Christa D. Schäfer, wünschen mit dem Buch allen bestehenden Projekten zur Gemeinwesenmediation viel Erfolg beim Wachsen, bei der Arbeit und in kritischen Phasen des Projektes. Und weiterhin hoffen sie, dass es stets genügend MediatorInnen gibt, die in diesem Feld arbeiten wollen, dass es künftig in jedem Projekt hauptamtliche Mit­arbeiterInnen geben wird, dass es Begeisterte gibt, die neue Projekte gründen, und dass es natürlich auch Fördergeldgeber gibt, die die Wichtig­keit derartiger Projekte anerkennen.

Christa Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Nachbarschaftsmediation, Stadtteilmediation, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Warum ein Mediation-Blog?

Freitag, 30. Mai 2008 15:51

Mediation heißt übersetzt Vermittlung und meint die Vermittlung in Konflikten – so die wirklich einfachste Definition. Soll das Mediationsverfahren genauer beschrieben werden, so ist das mitunter selbst für Experten nicht ganz einfach. Es muss an die Rolle einer Mediatorin bzw. eines Mediators gedacht werden, an die Ziele einer Mediation, die Vorteile, den Verlauf und die verschiedenen Anwendungsbereiche.

So gibt es beispielsweise den Bereich der Stadtteil-, Nachbarschafts- bzw. Gemeinwesenmediation, die Schulmediation, die Paarmediation und Mediation für Eltern, Familienmediation, Wirtschaftsmediation, Umweltmediation, Interkulturelle Mediation, Mediation am Arbeitsplatz und den Täter-Opfer-Ausgleich. Das Spektrum der Arbeitsweisen reicht von der Konfliktberatung bis zum umfassenden Konfliktmanagement. Die Verfahrensweisen der Mediation selber beinhalten viele Facetten, Methoden und Arbeitsweisen.

Heutzutage ist das Wort Mediation in vieler Menschen Vokabular übergegangen – auch wenn sie nicht genau wissen, was sich dahinter verbirgt. Vor einigen Jahren noch dachten viele Leute bei dem Stichwort Mediation an Achtsamkeits- und Konzentrationsübungen, die den Geist beruhigen und sammeln helfen sowie bewusstseinserweiternd wirken.

Um mit den Entwicklungen im Bereich Mediation mithalten zu können, sollen in diesem Blog vielfältige Informationen gegeben werden. Über vielfältige Konflikte sowie Wege zu Möglichkeiten der Lösung nachdenken – auch das ist in diesem mediation-berlin-blog möglich. Sowohl Anfänger als auch Profis dürfen nützliche Hinweise und Tipps für ihre Arbeit erwarten.

Christa Schäfer

Thema: Allgemein, Emotionale Intelligenz, Familienmediation, Gemeinwesenmediation, Kommunikation, Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren, Mobbingbearbeitung, Nachbarschaftsmediation, Schulmediation, Stadtteilmediation, Systemischer Ansatz, Umweltmediation, Wirtschaftsmediation | Kommentare (6) | Autor:

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