Beitrags-Archiv für die Kategory 'Schulmediation'

BuddYs aus Lichtenberg im Bundestag

Sonntag, 3. April 2011 0:11

Die Lichtenberger BuddYs arbeiten als Ordnungshelfer, PausenbuddYs, Streitschlichter, 1. Hilfe BuddYs, LesebuddYs, HausaufgabenbuddYs, HofbuddYs, SpielehausbuddYs, LernbuddYs und vieles andere mehr. Und weil dieses Engagement so ganz und gar nicht selbstverständlich ist, wurden die BuddYs aus den Lichtenberger Grundschulen mitsamt ihren Lehrerinnen sowie den Lichtenberg buddY-Koordinatoren Rainer Bäth und Dr. Wolfgang Steininger von der Abgeordneten Dr. Gesine Lötzsch in den Deutschen Bundestag eingeladen.

Lichtenberger BuddYs im Bundestag
Frau Dr. Lötzsch erkundigte sich, was die BuddYs so alles arbeiten und erklärte, dass es auch im Bundestag so manchen Streit gibt. Sie ließ sich von den Schülerinnen und Schülern in einem Rollenspiel demonstrieren, wie man Streit am besten schlichtet und beantwortete Fragen zu ihrer Arbeit als Politikerin. Beeindruckt waren die BuddYs vom Ambiente im Bundestag. Cool, nobel und modern fanden die BuddYs das Bundestagsgebäude; und begeistert waren sie natürlich von dem Rundgang im Gebäude sowie der Dachterasse und dem wunderbaren Blick von dort.

 

Mich als buddY-Trainerin hat es natürlich sehr gefreut, dass die BuddYs durch diesen Besuch eine Würdigung ihrer Arbeit erfahren haben. Deshalb kann ich nur sagen: Weiter so … !!!

Christa D. Schäfer

Thema: Schule in Berlin, Schulmediation, Soziales Lernen, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Gruppenentwicklung und Kennenlernübungen

Montag, 21. März 2011 5:50

Eine Gruppe besteht aus mindestens drei Personen, die in unmittelbarer Beziehung zueinander stehen. Auch eine Schulklasse ist eine Soziale Gruppe. Sie kommt zunächst nur locker miteinander in Kontakt, tritt dann aber intensiv in den Austausch und in Verbindung miteinander. Eine Schulklasse ist zudem ein dynamisches System, denn in jedem Intragruppen-Konflikt müssen Standpunkte geklärt, Konflikte gelöst und neue Spielregeln ausgehandelt werden. In einer Schulklasse kommen mitunter Schüler dazu und es gehen andere Schüler weg, so dass sich das Gefüge in der Gruppe auch mitten im Schuljahr verändern kann.

Eine Gruppe entwickelt sich. Sie ist zunächst nur ein loser Verbund, in der jedes Gruppenmitglied vorsichtig die anderen Gruppenmitglieder betrachtet, dann werden die Beziehungen untereinander fester und am Schluss steht dann irgendwann die Auflösung der Gruppe und die Trennung. Jede Klassenlehrerin, jeder Gruppenleiter kennt diese Entwicklung.

Nach Bruce Tuckman (1965) gliedert sich der Entwicklungsprozess einer Gruppe in fünf Phasen:

  1. Orientierungsphase (forming)
  2. Konfrontationsphase (storming)
  3. Kooperationsphase (norming)
  4. Wachstumsphase (performing)
  5. Auflösungsphase (adjourning)

In der ersten Phase findet das Kennenlernen zwischen den Gruppenmitgliedern statt. Alle Mitglieder sind noch „vorsichtig“ und schauen, wo sie ihren Platz in der Gruppe finden. In der zweiten Phase werden Machtkämpfe ausgetragen und vielfältige Konflikte gelöst, es findet der Kampf um die informelle Führung statt. Nach gelungener Bewältigung dieser Phase folgt die dritte Phase, die Kooperationsphase, in der das Team zusammen wächst, und in der erstmals gut und intensiv miteinander gearbeitet werden kann. Die vierte Phase führt durch eine gelungene Kooperation der Gruppenmitglieder zu einer hohen Arbeitseffektivität; es herrscht eine hohe Gruppenkohäsion und eine hohe Arbeitsmotivation. Die fünfte und letzte Phase führt zur Trennung der Gruppenmitglieder und dem Auflösen der Gruppe.

In jeder Gruppenphase gibt es also eine besondere Entwicklungsaufgabe für die Gruppe. Für diejenigen, die sich intensiv der Anfangsphase widmen möchten, hat Josef Griesbeck für den Don Bosco Verlag die 50 besten Kennenlernspiele zusammengetragen. Die Spiele sind unterhaltsam und leicht anwendbar und gut für Kinder zwischen 4 und 12 Jahren geeignet. Es gibt Spiele für den Erstkontakt, Spiele zum Vertrautwerden, Spiele zum Kontakte knüpfen, Spiele um ins Gespräch zu kommen und Spiele zum Festigen von Beziehungen.

Ich möchte Ihnen gerne eine Übung aus diesem Buch vorstellen, die dem Vertrautwerden miteinander dient, jedoch nicht gleich zu Anfang der Orientierungsphase durchgeführt werden sollte. Die Übung heißt Wiegekreis und bietet vielen Kindern im Grundschulbereich ein besonderes Erlebnis.

Wiegekreis

Für alle Gruppen oder Gemeinschaften gibt es Augenblicke, die gute Voraussetzungen für das Wachsen von Vertrauen und Solidarität bieten. Mit dem Wiegekries kann das beginnen.
Die Kinder stehen mit herabhängenden Armen im Kreis und zwar so, dass man sich an den Oberarmen leicht berührt. Es wird bewusst gemacht, dass jedes Kind ein Glied in der Kette ist. Auch die Spielleiterin steht mit im Kreis und erklärt: „Augen bitte nun schließen und einige Male kräftig durchatmen! Es soll bei geschlossenen Augen ein Wiegekreis hergestellt werden, der Gestalt, dass sich schließlich alle gleichzeitig hin und her bewegen.“
Die Spielleiterin kann zwischendurch die Augen öffnen und dann zum Öffnen der Augen auffordern, wenn der Wiegekreis hergestellt ist. Auf diese Weise wird das gemeinsame Wiegen nicht nur gespürt, sondern auch gesehen.
(Griesbeck, Josef: Die 50 besten Kennenlernspiele. München: Don Bosco, S. 31)

Ich habe diese Übung kürzlich mit einer vierten Klasse durchgeführt und war beeindruckt von der Intensität, mit der einige Mädchen und Jungen diese Übung durchgeführt und genossen haben. Auch Ihnen und Ihren SchülerInnen wünsche ich viel Freude bei dieser Übung.

Christa D. Schäfer

Was soziale Akzeptanz mit Angst und Aggression zu tun hat?
Auch das können Sie in diesem blog nachlesen …

Thema: Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Schulmediation, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Die Stopp-Regel-BuddYs

Montag, 14. März 2011 7:10

Stopp-Regel BuddYsder Anne-Frank-Grundschule in Berlin wurden im Februar 2011 zu Gewinnern beim buddY-Projekt des Monats !!

Das buddY-Projekt dient der Suchtprophylaxe und Gewaltprävention an Schulen. Die Stopp-Regel wurde von Thomas Grüner und Franz Hilt (siehe deren Buch im AOL Verlag) konzipiert. Sie sichert in aktuellen Situationen eines Schülerkonfliktes die Forderung eines Konfliktpartners nach Unterbrechung der jeweilig unerwünschten Handlung und verhindert so in den meisten Fällen die Eskalation eines Streits.

Wie oft wird auf dem Schulhof aus Spaß schnell Ernst. Erst wird ein wenig geschubst und Spaßkampf gespielt, dann fängt einer der beiden Kampfhähne an zu weinen und liegt am Boden. Da kann die STOPP-Regel helfen, indem nämlich derjenige, der nicht mehr weiter und stattdessen eine Grenze ziehen möchte „Stopp“ sagt. Daraufhin hat der andere Schüler die Pflicht in seinem Tun aufzuhören.

Damit dies auch gut klappt, gibt es an der Anne-Frank-Grundschule in Berlin die STOPP-buddYs. Die BuddYs unterstützen ihre MitschülerInnen bei der Um- und Durchsetzung dieser Regel. Sie verhandeln Regelverstöße und regen ihre Mitschüler zum eigenständigen Lösen ihres Konfliktes an. Wenn dies nicht zufriedenstellend gelingt, leiten sie die Kontrahenten zur Mediation weiter bzw. sorgen dafür, dass die KlassenlehrerInnen den Konflikt weiter bearbeiten. Ein Film gibt einen kurzen Einblick in dieses buddY Praxisprojekt.

Das Projekt der Stopp-Regel-buddYs wurde von Christine Spies konzipiert und wird jetzt von Birgit Breithaupt und Birgit Neumann weitergeführt. Ein Mal jährlich bewerben sich Schülerinnen und Schüler, um buddYs zu werden. Dann werden sie in einem workshop auf ihre Rolle und Tätigkeit vorbereitet und dann schließlich beginnen sie ihre Arbeit.

Die Konfliktbearbeitung wird so auf dem Schulhof der Anne-Frank-Grundschule von den Stopp-Regel-BuddYs übernommen. Die meisten Konflikte gelangen dadurch gar nicht mehr zu den PädagogInnen der Schule, sondern werden mit Unterstützung der BuddYs gelöst. Als Hüter der Stopp-Regel erhalten sie deshalb im Februar den buddY-Preis für das Projekte des Monats. Ich freue mich sehr, dass ich als buddY-Trainerin den Preis an die buddYs überreichen durfte.

Interessant fand ich in der Anne-Frank-Grundschule auch die Sprüche auf den Türen und Fenstern der Schule, die während eines Projekttages entstanden sind. So haben die Schülerinnen und Schüler der Schule jetzt Ihre Regeln zum Umgang miteinander sogar vor Augen.
Regeln in Schule Regeln an Schule Regeln in Schule

Gratulieren möchte ich an dieser Stelle auch Christine Spies, die mit ihrem neu erschienenen Buch „Wir können auch anders! Gefährlichen Entwicklungen bei Schülern vorbeugen“ für die Gewaltfreiheit in Schule einsteht.

Hoffentlich gewinnt die Stopp-Regel weiterhin viele Anhänger,
das wünscht sich Christa D. Schäfer

Falls Sie sich für BuddYs in der Berliner Oberschule interessieren …

Thema: Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Schule in Berlin, Schulmediation | Kommentare (0) | Autor:

Zwei Mal Alice

Montag, 24. Januar 2011 7:04

Alice im Wunderland ist das Kinderbuch des britischen Schriftstellers Lewis Carroll, das 1865 erschienen ist. „Alice im Netz“ ist ein Jugendbuch der Kinder- und Jugendbuchautorin Antje Szillat, das 2010 erschienen ist. Die Alice von 1865 lebt in einer fiktionalen Welt, Alice im Netz bewegt sich in virtuellen Welten.

Die heutige Alice aus dem Roman von Antje Szillat schreibt einen privaten Schulblog, der sich im Laufe von zwei Jahren zu einem viel besuchten, öffentlichen Schultagebuch entwickelt hat. Über so ziemlich alles berichtet Alice darin, über Lehrerinnen und Lehrer, ihre Mitschülerinnen und Mitschüler. Natürlich kommen alle Figuren in ihrem Blog nur unter einem Tarnnamen vor. Dennoch erkennt man natürlich in ihren spöttischen, lustigen und mitunter vernichtenden Artikeln die Personen hinter den anonymisierten Namen.

Obwohl Alice unter dem Namen „Rasende Rita“ in Erscheinung tritt, wissen doch einige ihrer Mitschüler, wer hinter dem Blog steht. Und da sie allzu sorglos mit Informationen über sich und andere umgeht, lässt das Unheil nicht lange auf sich warten. Irgendwann meldet sich Jared bei ihr mit den Worten „Alice! Alles, was ich über dich weiß, hast du mir selbst verraten. Alles, was du über mich wissen musst, ist, dass ich dich liebe – und dass du mir nicht entkommen kannst …“ Damit nimmt das Schicksal seinen Lauf und Alice gerät in eine heftige Geschichte hinein. Erst wird sie in ihrem Zimmer nachts gefilmt und der Film landet im Netz, dann wird die Geschichte immer verworrener und Alice landet in einem lebensbedrohlichen Alptraum.

Ausgelöst durch die freizügige Art des Schreibens gerät Alice in eine Situation, die zwischen Cyber-Mobbing und Cyber-Stalking angesiedelt ist.

Mobbing bedeutet umgangssprachlich, dass jemand über einen längeren Zeitraum geärgert, schikaniert, in passiver Form als Kontaktverweigerung mehrheitlich gemieden oder in sonstiger Weise in seiner Würde verletzt wird. In der Form des Cyber-Mobbings passiert dieses Ärgern, Schikanieren usw. mit Hilfe elektronischer Kommunikationsmittel über das Internet, in Chatrooms oder per handy und Telefon.

Stalking meint nach M. Pathe und P.E. Mullen (1997) eine „Verhaltenskonstellation, in der eine Person der anderen wiederholt unerwünschte Kommunikation oder Annäherung erzwingt“. Den Begriff des Cyber-Stalkings gibt es meines Wissens nach als solchen bisher noch nicht. Meiner Ansicht nach müsste man darunter folgerichtig ein Stalking verstehen, das beispielsweise angeregt durch das Internet startet und sich dann auf reale Situation ausweitet. Genau damit haben wir es in dem Buch „Alice im Netz“ zu tun.

Die australischen Wissenschaftler P.E. Mullen, M. Pathe und Purcell haben in ihrem Buch „Stalkers and their victims“ (Cambridge University Press, Cambridge) eine psychologische Einteilung der Stalker in sechs Gruppen vorgenommen. Sie berichten von zurückgewiesenen Stalkern, intellektuell retardierten Stalkern, rachsüchtigen Stalkern, erotomanen morbiden krankhaften Stalker, sadistischen Stalkern und beziehungssuchenden Stalkern. Diese Klassifizierung zugrunde legend findet man in dem Buch „Alice im Netz“ den beziehungssuchenden Stalker. Eine Fehlwahrnehmungen des Stalkers in Bezug auf die Beziehungsbereitschaft des Opfers führt das Opfer in eine angstauslösende krisenhafte traumatische Situation.

Psychische Störungen sind meist die Folge für das Opfer von Stalkingsituationen, mitunter gehen sie sogar mit einer PTBS, einer Posttraumatischen Belastungsstörung aus derartigen Situationen heraus. Schülerinnen und Schülern aus den Schuljahren 7. bis 9., die dieses Buch gelesen haben, werden sich sicherlich nicht mehr unvoreingenommen und naiv in den sozialen Netzwerken im Internet bewegen. „Heilsam, aber knallhart“, so meine Empfehlung für dieses Buch. Damit reiht es sich wunderbar in die Liste meiner Empfehlungen für die Mobbingprävention in Schulklassen ein. Zu diesem Buch gibt es übrigens auch ausführliche Unterrichtsempfehlungen.

Christa D. Schäfer

 

Verwandte Artikel in diesem Blog:
Buch zum Thema „Mobbing in der vierten Klasse“
Buch zum Thema „Cyber-Mobbing für Leser ab 12“
Stalking: Mediation ja oder nein?

Thema: Konflikte, Literaturempfehlungen, Schulmediation | Kommentare (0) | Autor:

Eine Schulmediation in 12 Minuten,

Montag, 25. Oktober 2010 6:43

das gibt es in der Realität, das gibt es jetzt aber auch als Film.

Lange habe ich nach einem passenden Film gesucht, der gut als Lehrfilm zur Thematik der Schulmediation geeignet ist, jetzt habe ich ihn gefunden. Der Film mit dem schlichten Namen „Schüler für Schüler“ wurde 2009 von Britta Sembach und Alexander Becker gedreht und herausgegeben.

Die Fünftklässlerin Mara beleidigt ihre Klassenkameradin Gerda auf dem Schulhof, indem sie sie fragt, ob ihre Anziehsachen von ihrer Oma sind oder doch aus dem Müllcontainer. Mara ist Einzelkind und eher schlecht in der Schule, Gerda hat fünf Geschwister und ist eine der Klassenbesten. Auf Empfehlung einer Schulkameradin beschließen beide, eine Mediation bei den Konfliktlotsen der Schule zu machen.

In diesem nachgespielten Mediationsgespräch sind die verschiedenen Phasen der Mediation klar zu erkennen. Damit ist der Film nicht nur ein Lehrfilm für das Thema Schulmediation in der Grundschule, er ist vielmehr auch als Illustration zur Methode der Mediation für Schulklassen verschiedener Jahrgangsstufen, in Konfliktlotsenausbildungen, Lehrerweiterbildungen oder für andere Zielgruppen nutzbar.

Der Film ist für 15 € zuzügl. Versandgebühr direkt bei Britta Sembach zu bestellen (brittasembach@aol.com). Gerne empfehle ich den Film in diesem blog.

Übrigens hat der Bundesverband für Mediation (BM) schon seit langem Standards zur Schulmediation herausgegeben. Die Standards enthalten verschiedene Texte zur Schul- bzw. Schülermediation, Einführung in Schulen, den erforderlichen Rahmenbedingungen im System Schule und dem der Mediation zugrundeliegenden Grundhaltung und dem ethischen Selbstverständnis. Es werden Ausbildungsrichtlinien für Schulmediation vorgestellt und Empfehlungen für die drei Zielgruppen SchülerInnen, LehrerInnen und TrainerInnen gegeben.

Diese Standards können auf der Webseite des BM heruntergeladen werden.

Ich leite derzeit eine Schulmediationsausbildung in einer Tiergartener Grundschule. Es macht mir viel Spaß zu sehen, wie Konflikte von Kindern durch Kinder so wunderbar gelöst werden. Informationen zu Gelingensbedingungen und Erfolgsfaktoren für Mediationsprojekte an Schulen finden Sie auch hier im Blog.

Christa D. Schäfer

Thema: Schulmediation | Kommentare (2) | Autor:

Mobbing in der vierten Klasse

Montag, 11. Oktober 2010 7:04

9 Jahre und 8 Monate alt ist Henry. Er kauft Kaugummis für den Fall, dass er mal wieder von Claas und Torben überfallen wird und sich freikaufen muss. Stets hat er das Gefühl, dass niemand ihn so richtig mag, und tatsächlich muss er sich auch von seinen Klassenkameraden immer doofe Sprüche anhören. Dass sein Nachname Dackel lautet, sei hier nur am Rande erwähnt, denn auch das hat große Auswirkungen …

So denkt Henry also, er hat es nicht einfach, aber eines Tages kommt alles noch viel Schlimmer. In das Doppelhaushälfte neben Henry zieht nämlich Familie Freitag mit Mia ein. Mia ist genauso alt wie Henry, und irgendwie hat sie es auf ihn abgesehen, denn schon die erste Begegnung wird zu einer Katastrophe. Mia, das Monstermädchen, so nennt Henry sie daraufhin.

Zum Glück hat Henry Kontakt zu Harry Bo, den Superhelden, der ihn in fremde Traumwelten entführt, ihn unterstützt und mit ihm zusammen ganz viele Abenteuer besteht. Ja, doch leider lässt ihn Harry dann irgendwann alleine und Henry muss sehen, wie er aus dem ganzen Schlamassel rauskommt.

Die Geschichte klingt als könnte sie in Berlin oder in Kassel oder in Eckernförde passiert sein. Tatsächlich ist sie eine Erzählung von Antje Szillat, die sich als Kinder- und Jugendbuchautorin speziell mit Themen des sozialen Lernens auseinandersetzt. Mehrere beeindruckende und treffsichere Bücher hat sie für Kinder und Jugendliche zu den Themen Mobbing und mehr geschrieben. In oben angesprochener Erzählung beispielsweise wird Henry zum Opfer von Mia, die ihrerseits gerade schwierige Zeiten erlebt und sich, so aggressiv und frustriert wie sie ist, nach menschlicher Nähe sehnt …

An dieser Stelle könnte ich gut die Geschichte analysieren und die typischen Mechanismen von Mobbing aufzeigen. Lieber jedoch empfehle ich dieses Buch „Das Monstermädchen von nebenan“ als Klassenlektüre und überlasse die Interpretation der geschilderten Situation den Leserinnen und Lesern des Buches, den Kindern und ihren LehrerInnen.

In Berlin gibt es übrigens derzeit eine Debatte über deutschfeindliche Mobbingstrukturen durch Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund. In Kreuzberg, Mitte und Schöneberg gibt es Schulklassen, die einen Migrantenanteil von 90 % haben. Da werden die „deutschen Kinder“ zu denjenigen, die integriert werden müssen und die die Außenseiter sind.

„Wie Migranten deutsche Kinder mobben. Ausgegrenzt, beschimpft, bestohlen: An einer Sekundarschule in Berlin-Kreuzberg wurde ein deutscher Junge monatelang Mobbing-Opfer seiner türkischen und arabischen Mitschüler. Der Erfahrungsbericht eines 13-Jährigen.“ so titelt die Berliner Morgenpost.

Und: „Schulexperten werfen dem Berliner Senat vor, bisher zu wenig gegen Mobbing von deutschen Schülern getan zu haben.“ so steht es im Berliner Tagesspiegel.

„Deutschenfeindlichkeit“, so heißt parallel zum Begriff “Fremdenfeindlichkeit” das neu kreierte Stichwort zum Thema. Eindeutig ist meiner Meinung nach zu erkennen, dass in Schule weitaus mehr als bisher zum Thema Soziales Lernen gearbeitet werden muss. Aber jetzt sind erst einmal zwei Wochen Herbstferien, zum Aufatmen …

Mehr zum Thema Cyber-Mobbing?

Christa D. Schäfer

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Pädagogik und Peer-Mediation Programme in Berlin 2010

Montag, 6. September 2010 6:15

Kann es möglich sein, was die Welt online kürzlich zum Schuljahresbeginn berichtete: „An Berliner Schulen kehrt die DDR-Pädagogik zurück. Von wegen Kuschelpädagogik: In Berlin findet zurzeit in Lehrer- und Klassenzimmern ein Kulturkampf zwischen Ost und West statt.“

LehrerInnen aus dem Ost-Teil der Stadt nutzen weiterhin Methode der DDR-Pädagogik und bringen diese auch in den Westteil der Stadt mit, wenn sie dort hin versetzt werden. Der britisch-deutsche Journalist Alan Posener des Welt-online-Artikels berichtet dazu folgendes Beispiel:

Vielleicht muss der Junge aufs Klo. Jedenfalls meldet sich der Zehnjährige: „Ich will…“ Die Lehrerin unterbricht: „Du WILLST?“ Sie wendet sich an die Klasse: „Was sagen wir da?“ Im Chor antworten die Kinder: „Ich will ist gestorben, hat sich den Magen verdorben!“ Die Lehrerin nickt zufrieden, der Junge verbessert sich: „Ich möchte…“

Professor Thomas Jahnke, der an der Uni Potsdam Mathematikdidaktik lehrt, beschreibt, dass der Einfluss der im Osten praktizierten Paukpädagogik sich auch in der nächsten Generation fortsetze. Er bemerke an seinen heutigen Lehramtsstudenten aus dem Osten die „verkörperte DDR-Pädagogik. Sie sind für Ruhe und Ordnung, für kleinschrittiges Vorgehen und Auswendiglernen und gegen die Reformpädagogik.“

Dennoch hat die Methode der Peer-Mediation glücklicherweise im ehemaligen Ostteil wie im ehemaligen Westteil Berlins viele Anhänger. Es gibt eine Vielzahl von Schulen, in denen Peer-Mediation praktiziert wird. Sie wird entweder von externen Fachleuten in der Schule etabliert oder, was mehr Sinn macht, von mindestens zwei in der Schule arbeitenden PädagogInnen, die eine Schulmediationsausbildung haben, angeleitet. Die Ausbildung im Bereich Schulmediation setzt nach den Richtlinien des Bundesverbandes Mediation (BM) eine mindestens 80stündige Ausbildung voraus.

Diese so ausgebildeten PädagogInnen bilden sodann Schülerinnen und Schüler in einer 40stündigen Unterrichtseinheit aus. Die SchülerInnen heißen dann Konfliktlotsen oder auch Streitschlichter. Diese beiden Begriffe werden heutzutage gleichberechtigt genutzt, dennoch gibt es fachlich gesehen einen Unterschied in der Arbeit der beiden Gruppen. Während Streitschlichter in Konfliktfällen mediieren, können Konfliktlotsen auch deeskalierend tätig werden und haben damit ein größeres Arbeitsspektrum.

Es müssen viele Faktoren im Schulalltag geklärt sein, damit die SchülermediatorInnen gut arbeiten können. Immer wieder höre und erlebe ich Schulen, wo das Projekt nur mit Müh’ und Not aufrecht erhalten werden kann, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen, die SchülerInnen nicht ernst genommen werden, die Strukturen nicht stimmen usw. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die Gelingensfaktoren für die Peer-Mediation an Schulen. Gerade jetzt zu Schuljahresbeginn ist es gut, sich diese erneut vorzunehmen und das Peer-Mediation-Projekt der eigenen Schule wieder auf eine gute Bahn zu bringen.

Leider gibt es derzeit keine aktuelle Statistik, wie viele Konfliktlotsen und Streitschlichter an Berliner Grundschulen, Sekundarschulen und Gymnasien arbeiten, aber die Zahl wird sicherlich beachtlich sein. Übrigens gab es vor Schulbeginn nach Aussagen der Berliner Zeitung „Der Tagesspiegel“ eine Mediation zwischen zwei Schulleitern, deren beide Schulen, eine Haupt- und eine Realschule, zu einer Sekundarschule zusammengelegt worden sind. Wunderbar, dass die Methode der Mediation jetzt auch für derartige Fälle genutzt wird.

Allen KonfliktlotsInnen, StreitschlichterInnen und SchulmediatorInnen wünsche ich gutes Arbeiten im neuen Schuljahr! Übrigens biete ich ab November wieder einen neuen Kurs für Schulmediation an, falls Sie also Interesse haben …

Christa D. Schäfer

Thema: Schulmediation | Kommentare (0) | Autor:

Eine Friedenspfeife für Berliner Konfliktlotsen

Montag, 19. April 2010 6:14

Acht Gruppen von Berliner Konfliktlotsen boten am 16. April im Theater des Westens eine Performance. Sie nahmen am Wettbewerb im Bereich Gesang, Tanz und Schauspiel teil, der vom Theater des Westens in Kooperation mit dem Bundesverband Mediation durchgeführt wurde. In meinen Artikeln “Mit der Friedenspfeife ins Theater des Westens“ und “Die Friedensspeife hat großen Anklang gefunden“ berichtete ich bereits darüber. Das vorgegebene Thema der künstlerischen Darbietungen: „Konflikt gewaltfrei lösen“.

Die Aufregung war groß und die Vorführungen wirklich erstklassig. Von Liedaufführungen durch Konfliktlotsen aus der Grundschule bis zur Tanzeinlage von Oberstufenschülern war alles dabei. Und zum Schluss wurden natürlich drei Siegergruppen prämiert, die der Jury am Besten gefallen haben. Die Jury bestand neben Vertretern des Theaters aus Sosan Azad (Vorsitzende der Regionalgruppe Berlin des Bundesverbandes Mediation), Raed Saleh (Mitglied des Abgeordnetenhauses Berlin und Mitbegründer des Spandauer Kinder- und Jugendprojektes „Stark ohne Gewalt“), einem amtierenden Konfliktlotsen des Campus Rütli und der Begründerin der Konfliktlotsenidee Ortrud Hagedorn.


Los ging es mit der Ludwig Cauer Grundschule und dem Lied „Konfliktlotsen sind einfach Zauberei“.

Die Fichtelgebirge-Grundschule schloss sich an mit einem Rap zum Thema „Überall gibt es Regeln. In der Schule gibt es Regeln. Auf dem Fußballplatz gibt es Regeln. In der Familie gibt es Regeln. Überall gibt es Regeln.“

Die Grundschule am Arkonaplatz gingen mit dem Lied „Wir sind die Konfliktlotsen vom Arkonaplatz und führen die Gespräche Satz für Satz“ an den Start.


Einen Sketch gaben die Schüler der Ernst-Abbe-Oberschule zum Besten. Getränke Bob, der Getränke Mediator leitete die Mediation zwischen Cola Zero und Orange Fantastic. Gegenseitige Beleidigungen hat die beiden zur Mediation geführt. Cola Zero war sehr traurig darüber, dass er als Diabetiker beschimpft wurde und Orange Fantastic hat sich darüber aufgeregt, dass sie immer auf ihr Gewicht angesprochen wird. Schließlich hat die gemeinsame Lösung ergeben, dass aus Cola und Orange Spezi wird. Das war wahrlich eine erfolgreiche Mediation, die Getränke Bob da abgeliefert hat …

 

Die Rixdorfer Grundschule schloss sich mit einem Lied an, das den Refrain trug: „Frieden zu schließen, du hast es in der Hand.“ In vier Sprachen war der Refrain zu hören und das Lied schloss mit den Worten „undl jeder, der was ändern will, fängt am besten bei sich selber an …“ Da kann man nur zustimmen.


„Das Spiel der Farben“, davon berichtete die Thalia Grundschule. Früher, so hört man, haben die Farben sich heftig gestritten, wer wohl die Schönste und Beste sei. Jede Farbe konnte Gründe nennen, warum sie ausgerechnet die Auserwählte sei. Doch nach dem Streit und der gelungen Mediation wurde dann der Regenbogen erfunden, der die Farben vereint und etwas wunderbares Neues hervorbringt!

 

Mit dem Campus Rütli und dem Rap „Streitschlichter spielen bei uns an der Schule eine ganz große Rolle“ gab es noch einmal fetzige Musik zu hören.


Und was für’s Auge bot der Tanz „Der Außenseiter“ der Menzel-Oberschule. Die Tanzgruppe überzeugte sowohl mit fetzigen, als auch mit emotionalen, lyrischen und einfühlsamen Tanzeinlagen. Aus schwarz und weiß wurde bunt, aus einem Gegeneinander wurde ein Miteinander, aus Streit wurde Versöhnung – wunderbar!

 

Wer gewonnen hat, möchten Sie jetzt wahrscheinlich wissen. Alle haben gewonnen, so meine Meinung, denn alle haben das Thema der Streitschlichtung an ihrer Schule vorangebracht. Vom künstlerischen Standpunkt her hat die Fichtelgebirge Grundschule den dritten Platz erhalten, die Menzel-Oberschule den zweiten Platz (und einen workshop im Theater des Westens dazu) und der erste Platz ging an die Ludwig-Cauer Grundschule. Herzlichen Glückwunsch von mir an alle Preisträger und Mitwirkenden des Wettbewerbs !!

Ach ja, und wenn Sie sich fragen, was denn wohl das Theater des Westens bewogen hat, die Konfliktlotsenidee zu unterstützen? Wahrscheinlich hat das mit Uschi zu tun, die in dem Musical „Der Schuh des Manitu“ stets zwischen dem Apatschen-Häuptling Abahachi und seinem Blutsbruder Ranger vermitteln muss, wenn die beiden sich streiten. Für die Vermittlung steht bei den Apatschen die Friedenspfeife, und die erhielten auch die ersten Sieger des Konfliktlotsen-Wettbewerbs.

Ich hoffe, dass sich auch nächstes Jahr wieder ein Unterstützer findet, der eine Ehrung der Konfliktlotsenarbeit in Berlin ermöglicht. Bis dahin gute Arbeit allen Konfliktlotsinnen und Konfliktlotsen, allen Streitschlichterinnen und Streitschlichtern in Berliner Schulen.

Christa D. Schäfer

Thema: Schule in Berlin, Schulmediation, Veranstaltungen | Kommentare (1) | Autor:

Ombudsstelle statt Beschwerdemanager

Mittwoch, 24. März 2010 12:02

Am 20.10.2008 habe ich hier im Blog berichtet, dass Berlins Schulsenator Jürgen Zöllner in seiner Verwaltung „Beschwerdemanager“ verankert hat. Der Landeselternausschuss (LEA) fordert dagegen seit Jahren eine Ombudsstelle.

Im Schuljahr 2008/09 ist die Anzahl der Gewaltmeldungen im Gegensatz zum davor liegenden Schuljahr um 16 % auf 1.817 Vorfälle erneut gestiegen. Zwei Drittel dieser Vorfälle betrafen körperliche Gewalt, ein Fünftel Bedrohungen. Die meisten Meldungen wurden in Grundschulen abgegeben, gefolgt von den Sonderschulen in Berlin.

Jetzt wird in der Konsequenz daraus und im Trubel um die Diskussion zum sexuellen Missbrauch an Schulen auch die Stimme nach einer unabhängigen Ombudsstelle wieder laut. Der LEA und die Grünen wollen diese als Anlauf- und Beschwerdestelle für Eltern, Schüler und Lehrer etablieren, die Hilfe bei Konflikten, Gewalt und Mobbing brauchen. Die Ombudsstelle soll als „Rettungsring“ fungieren, so der Wortlaut in einem Antrag der Grünen für das Abgeordnetenhaus.

Die Bildungsverwaltung hat hingegen die Entscheidung getroffen, dass künftig sogar leichtere Gewaltvorfälle, Sachbeschädigungen und Beleidigungen von Lehrern nicht mehr meldepflichtig sind. Der Neuköllner Bildungsstadtrat Wolfgang Schimmang und der Landeselternsprecher André Schindler kritisieren die Entscheidung, Schulleiter begrüßen diese Begrenzung als Abbau von Bürokratie und Paul Schuknecht vom GEW-Schulleiterverband sagt, wichtiger als jede Kleinigkeit zu melden, sei es, in wirklich schweren Fällen adäquat reagieren zu können. Er verwies dabei auf die Arbeit von Peer-Konfliktlotsen und Senior-Konfliktlotsen bei Gewalt in der Schule, die sich bewährt habe. Lediglich bei Fällen von sexuellem Missbrauch sei eine Ombudsstelle sinnvoll.

Das ist sicherlich nicht das letzte Mal, dass über diese bisher noch nicht existente Ombudsstelle hier berichtet wird …

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktmanagement, Schulmediation | Kommentare (0) | Autor:

Die Friedenspfeife hat großen Anklang gefunden!

Mittwoch, 17. März 2010 20:29

Theater des Westens

Foto von Tobias Schlitt

Mit der Friedenspfeife ins Theater des Westens, so lautete ein Artikel, den ich 12. Februar 2010 hier in den Blog eingestellt habe. Darin habe ich berichtet, dass das Theater des Westens in Zusammenarbeit mit der Regionalgruppe des Bundesverbandes Mediation einen Wettbewerb für Konfliktlotsen der Berliner Schulen ausgeschrieben hatte. Zugelassen waren Wettbewerbsbeiträge aus den Bereichen Gesang / Tanz und Schauspiel. Wer eine gute kreative Idee zum Thema „Konflikte gewaltfrei lösen“ auf die Bühne bringen konnte, kann Freikarten gewinnen.

Nun ist der Anmeldetermin zum Wettbewerb schon eine Weile vorüber. Der Aufruf in den Berliner Schulen war überwältigend, es haben sich insgesamt 33 Konfliktlotsenprojekte, also insgesamt 417 SchülerInnen zum Wettbewerb gemeldet!! Aufgrund dieser hohen Teilnehmerzahl werden die Wettbewerbsmodalitäten geringfügig geändert. Die Beiträge werden von der Jury vorab per DVD oder Internetlink gesichtet, die besten acht Finalisten werden eingeladen und treten dann im Theater des Westens am 16. April an um die drei Gewinnerplätze.

Ach, übrigens findet man schon jetzt auf dem Totempfahl und dem Hinweisschild in der Prärie den Hinweis auf den Wettbewerb und den Bundesverband Mediation. Schauen Sie mal …

Ich freue mich, dass ich dabei sein kann und werde Ihnen berichten !!!
Christa D. Schäfer

Thema: Schule in Berlin, Schulmediation, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor: