Beitrags-Archiv für die Kategory 'Schulmediation'

Mit der Friedenspfeife ins Theater des Westens

Freitag, 12. Februar 2010 15:36

Theater des Westens

Foto von Tobias Schlitt

Berliner KonfliktlotsInnen und SchulmediatorInnen aufgepasst: Das Theater des Westens richtet in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Mediation/Regionalgruppe Berlin den Wettbewerb „Friedenspfeife“ für Konfliktlotsinnen und Konfliktlotsen der Berliner Schulen aus!

 

Gesucht werden für den Wettbewerb kreative Ideen für die Bühne (gespielte Szenen, Songs o.ä.) zum Thema „Konflikte gewaltfrei lösen“. Zugelassen werden Wettbewerbsbeiträge in den Bereichen Gesang, Tanz und Schauspiel, die von den KonfliktlotsInnen der teilnehmenden Schulen präsentiert werden.

Die Jury besteht aus zwei Vertretern des Theaters, Sosan Azad (Bundesverband Mediation), Ortrud Hagedorn (Begründerin der Konfliktlotsenidee und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes), Raed Saleh (Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin und Mitbegründer von „Stark ohne Gewalt“) sowie Nemanja Stojanovic (Konfliktlotse des Campus Rütli). Die Preisträger werden durch die Jury ausgewählt, die drei besten kreativen Ideen werden prämiert.

Alle teilnehmenden Schüler erhalten als Gewinn eine Freikarte für DER SCHUH DES MANITU und die drei Gewinnergruppen können u.a. ein Meet & Greet mit den Darstellern dieses Musicals gewinnen !!

Achtung: Anmeldung zum Wettbewerb bis 3. März 2010 möglich. Der Wettbewerb selber findet am 26. März statt. Weitere Projektinformationen sowie die Anmeldung zum Wettbewerb hier im Blog. Und von mir viel Spaß für die Vorbereitungen !

Christa D. Schäfer

Thema: Schule in Berlin, Schulmediation, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Das gesellige Gehirn

Montag, 30. November 2009 8:01

„Die Neurowissenschaft hat herausgefunden, dass unser Gehirn als geselliges Organ konstruiert ist, das unweigerlich eine enge Verbindung mit dem Gehirn jeder Person aufnimmt, mit der wir es zu tun haben. Diese neuronale Brücke ermöglicht es uns, auf das Gehirn – und damit auch den Körper – eines jeden Menschen Einfluss zu nehmen, mit dem wir in Kontakt treten; ein Prozess, der in der umgekehrten Richtung natürlich ebenfalls stattfindet.
Selbst ganz alltägliche Begegnungen wirken auf unser Gehirn ein und setzen Gefühle frei, wünschenswerte und weniger wünschenswerte. Je stärker wir einer Person emotional verbunden sind, desto stärker ist die gegenseitige Einwirkung. Der intensivste Austausch findet mit jenen Menschen statt, mit denen wir über Jahre hinweg die meiste Zeit verbringen, besonders mit jenen, die uns wichtig sind.
Bei diesen neuronalen Kontakten tanzen die beiden Gehirne Tango, einen sehr gefühlsbetonten Tanz. …“

Dieses Zitat entstammt Daniel Golemans Buch „Soziale Intelligenz. Wer auf andere zugehen kann, hat mehr vom Leben“.

Der amerikanische Psychologe und Wissenschaftsjournalist Daniel Goleman wurde bereits durch sein 1995 erschienenes Buch „Emotionale Intelligenz“ weltberühmt. Seinen Ausführungen nach setzt sich die Emotionale Intelligenz aus fünf Fähigkeiten zusammen: Die Selbstwahrnehmung ist die grundlegende Fähigkeit eines Menschen, achtsam den eigenen Gefühlen gegenüber zu sein. Die auf der Selbstwahrnehmung aufbauende Fähigkeit besagt, seine Emotionen gut handhaben zu können. Die Selbstmotivation meint, Emotionen in den Dienst eines Ziels stellen zu können. Die Empathie ist die Fähigkeit, emotionale Befindlichkeiten anderer Menschen zu verstehen und angemessen darauf reagieren zu können. Der geschickte Umgang mit Beziehungen stellt als Fähigkeit diejenige soziale Kompetenz dar, Kontakte zu knüpfen und tragfähige Beziehungen aufzubauen.

„Man kann die Ursache der Emotionen nicht von der Welt der Sozialbeziehungen trennen. Unsere Gefühle werden von unseren sozialen Kontakten gesteuert.“

so Goleman (der übrigens auch einen blog zum Thema schreibt) weiter zum Zusammenhang zwischen emotionaler und sozialer Kompetenz.

Viele Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer müssen sich in den letzten Jahren zwangsläufig mit diesen Themenkomplexen auseinander setzen. Die SchülerInnen, die jetzt in ihre Klassen kommen, haben oft zumindest in den Großstädten einen großen Nachholbedarf zum Thema.

Für diejenigen unter den Lehrkräften, die bisher nicht besonders viel Erfahrung mit Unterricht im Bereich des Sozialen Lernens haben, gibt es jetzt ein Mitmachheft für Grundschüler zum Thema “Gewalt? Ohne uns!”, das sogar von der Stiftung Lesen empfohlen wird. Ich habe dieses Arbeitsheft, das im Klassensatz bestellt werden kann, im Sailer Verlag entdeckt. Im Heft werden die Themen „Mobbing und Bullying besprochen, es wird über Wut und den Umgang mit Wut berichtet, über Streitschlichter und ein Interview mit einem Polizisten. Eine Foto-Story lädt zum Schreiben von Texten ein, ein Comic zum Zeichnen und eine Melodie zum Schreiben eines Raps. Nebenher gibt es „Spiele“, die in der Klasse zum Thema behandelt werden können und ein Quiz zum Abschluss, in dem getestet wird, was die Schüler in der Unterrichtseinheit gelernt haben.

Wem diese Art Unterricht mit Arbeitsheften gefällt, der kann auch auf das Heft “Voll korrekt! Benimm-Tipps für Schülerinnen und Schüler” zurückgreifen, das der Bearbeitung von Verhaltensregeln für Schule, Zuhause, Restaurant und Chat dient und eine Sensibilisierung zum Umgang mit anderen Menschen in fremden Ländern bietet.

Ach, und wer von Ihnen zur Förderung der emotionalen Intelligenz in der Familie Informationen sucht, die finden übrigens einige fantastische Hinweise dazu in meinem Buch “Kommunikation in der Familie. Vom Schimpfen und Schreien zum Runden Tisch”.

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Schulmediation, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Berliner Schulen nehmen Waffen entgegen

Freitag, 20. November 2009 17:57

Am 1. Dezember werden zwischen 8 und 16 Uhr in Berliner Schulen kostenlos Waffen und verbotene Gegenstände von der Polizei abgeholt. Das ist der Hinweis von Bildungsstaatssekretärin C. Zinke. Die Polizei will damit die Amnestie für illegalen Waffenbesitz unterstützen, die noch bis 31. Dezember gelte. Diese Amnestie war nach dem Amoklauf von Winnenden ausgesprochen worden, um die Zahl illegaler Waffen in den Haushalten zu reduzieren.

Wie bitte sehr, ist das Vorgehen gedacht? Sollen Lehrer ihre Schüler jetzt nach illegalen Waffen fragen, die diese abgeben könnten?!

Christa Schäfer

Thema: Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Schulmediation | Kommentare (1) | Autor:

“Worin liegen Ihrer Einschätzung nach die Ursachen für Gewalt an Schulen?”

Montag, 16. November 2009 5:02

„Es gibt eine Vielzahl von Gründen für Gewalt. Experten wie Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Institut Hannover haben immer wieder darauf hingewiesen, dass es Familienerfahrungen gibt, die zur Gewalt führen: Geprügelte Kinder werden prügelnde Kinder. Das ist ziemlich bekannt und wohl auch eine der wichtigsten Ursachen für eine Gewaltneigung bei Jugendlichen.
Doch es gibt weitere Ursachen und Zusammenhänge. Dazu gehören Desintegration und Verwahrlosung (…)
Ich glaube freilich, dass Gewalt in Schulen nicht zuletzt eine Reaktion auf die Schule selbst ist. Das bedeutet nicht, dass man die Schulen stets ursächlich für den Ausbruch von Gewalt verantwortlich machen kann, meist sind die kontextuellen Bedingungen verantwortlich: weil die Lehrpersonen weg geschaut haben, weil die Schulen keine Verfahren der Aushandlung, der Kommunikation kultivieren, weil sie keine Konfliktschlichter ausgebildet haben, weil Mediation im Schulprogramm keine Rolle spielt, weil die Schüler an der Hauptschule nicht das Gefühl haben, an dieser Schule sinnerfüllt tätig sein zu können, und keine Lebensperspektive entwickeln können. Das macht viele, vor allem solche Jugendlichen, die mit Schwächen von zu Hause in die Schule kommen, kompensatorisch gewalttätig. Dabei gewinnen sie Selbstwirksamkeitserfahrungen, vor allem in der sozial destruktiven Gestalt, der Erfahrung der Herrschaft über andere. So wie sie sonst selber geknechtet werden – so wie geprügelte Kinder zu prügelnden Kindern werden -, so sind geknechtete Kinder rebellisch und gewalttätig.“

„Was können Schulen, was können Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler, wirksam gegen Gewalt tun?“

„Es muss darum gehen, dass ein Schulklima, eine Kultur der Schule geschaffen wird, in der Kooperation, Partizipation, Achtung und eine ernst zu nehmende Beachtung der Schülerinnen und Schüler in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt werden, damit sie sich wertgeschätzt fühlen. Solche Ziele müssen im Zentrum der Kooperation von Lehrern und im Zentrum von Überlegungen der Schulleitungen stehen. Wir brauchen einfach andere Konzepte von Schule, andere Konzepte von Bildung und Erziehung.“

Die Fragen in diesem Interview hat Reiner Engelmann gestellt, der seit 1993 Autor und Herausgeber zahlreicher Anthologien zu gesellschaftlichen Brennpunktthemen ist. Die Antworten kamen von Prof. Dr. Wolfgang Edelstein, Direktor emeritus am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Veröffentlicht wurde das Interview in dem von Reiner Engelmann im cbt-Verlag herausgegebenen Buch “Keiner hat was gesehen! Texte über Gewalt an der Schule“. Neben dem bereits erwähnten Interview mit Prof. Edelstein findet sich dort auch ein kurzer Text über „Eine Schule der Civil-Courage“ von Otto Herz und es sind viele viele Kurzgeschichten über das Thema „Gewalt in der Schule“ abgedruckt. Das macht dieses Buch auch so spannend für den Einsatz in der Schule selber. Die Geschichten geben einen guten Einstieg in eine Vertretungsstunde oder in eine thematische Einheit und es kann anschließend wunderbar am Thema weiter gearbeitet werden. Es ist nicht einfach, diese Geschichten „auszuhalten“ beim Vorlesen oder selber lesen, aber sie berichten von einer Gewalt, der viele Kinder täglich in der Schule ausgesetzt sind.

Die ersten beiden Geschichten können auf der Verlagsseite eingesehen und gelesen werden. Darunter (welch Wunder) eine Geschichte zu Kevin, der zunächst im Unterricht schläft und dann durch Gewalt gegen seine Lehrerin auffällt. Wie es dazu kam, lesen sie am besten selber …

Ja, und welche Rückschlüsse sind aus obigen Interviewabschnitten zu ziehen? Na, neben der absolut gewaltfreien Erziehung im Elternhaus ist es für die Schule dringend notwendig, ein auf Kooperation, Partizipation und Achtsamkeit bauendes Schulklima zu schaffen, in der Methoden der Konfliktbearbeitung eine wichtige Rolle spielen. Wie dies funktioniert? Dazu finden Sie Hinweise in diesem Blog. Und falls Sie dazu eine Beratung benötigen, einen Studientag, eine SchiLF oder eine Weiterbildung, so wenden Sie sich bitte persönlich an mich …

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Schulmediation | Kommentare (0) | Autor:

Täglich die Angst

Montag, 14. September 2009 20:29

Das ist das Gefühl, mit dem Mobbingopfer in die Schule gehen – und das ist auch das Gefühl, das Thorsten aus dem gleichnamigen Buch von Manfred Theisen verspürt.

„Katinka, Annika und Lisa haben die Klasse fest im Griff und Thorsten in der Zange. Er ist ihr neuestes Opfer, und die Lehrer reden gegen Wände, denn keiner macht den Mund gegen die Gang auf. Wer ist schon so verrückt, sich als nächstes Mobbing-Opfer anzubieten? Doch irgend jemand hat den Terror satt – und mobbt zurück, eiskalt und richtig gefährlich: mit Sachbeschädigung, versuchter Körperverletzung und Entführung, bis Annika die Gewaltspirale durchbricht.“ – so der cbj-Verlag über dieses Buch zum Thema Mobbing.

Ursprünglich bezeichnete man mit Mobbing eine Folge von böswilligen Taten (Gewalt mit Worten oder Bildern, Ausgrenzen, Eigentum zerstören), die über einen längeren Zeitraum hinweg durchgeführt werden und das Ziel haben, einen Mitschüler oder eine Mitschülerin fertig zu machen. Bullying meinte dagegen eher eine wiederkehrende physische Gewalt gegen eine andere Klassenkameradin bzw. einen anderen Klassenkamerad. Heutzutage werden die Worte Mobbing und Bullying im Schulkontext oft parallel gebraucht.

Das oben angesprochene Buch ist für die Klassenstufen 8 und 9 geschrieben. Interessant ist die Erzählperspektive aus der Sicht einer Mit-Täterin. Die 14jährige Annika berichtet hart, kühl und mit wenig Empathie über die Mobbing-Geschehnisse. Die Romansprache ist mitunter recht derb und die Leser können gut die Motive der Mit-Täterschaft sowie ihre Hilflosigkeit gegenüber der Haupt-Täterin samt dem Gruppenzwang herauslesen. Irgendwann will Annika beispielsweise aussteigen, aber dann ist sie bereits so dicht im Geschehen, dass es kaum mehr eine Chance gibt.

Auch Thomas hat als Mobbing-Opfer zunächst keine „Wahl“:

„Wäre Thorsten Russe, Kurde oder Türke, hätte er eine Chance in der Klasse, denn die Clans halten zusammen, und jeder von denen kriegt auch immer ein Mädel: Russe findet Russin, Kurde Kurdin, Türke Türkin. Aber er ist kein Russe, kein Kurde, kein Türke, sondern Deutscher, Eingänger ohne Clan. Ein Computerfreak, Hacker, Genie an der Tastatur. Bringt ihm bloß nichts. Gar nichts. Schlanke Hände, ein Hochleistunghirn, nichts davon zählt, denn er gehört zu den schwachen Tieren in der Herde. Wären wir ein Wolfsrudel, hätten wir ihn totgebissen.“ (Seite acht)

Falls Sie Hilfe für einen Mobbingfall in der Schule benötigen, gibt die 32seitige Berliner Anti-Mobbing-Fibel erste Auskünfte zum Thema. Die von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport herausgegebene und von Walter Taglieber geschriebene Broschüre eignet sich hervorragend für einen ersten Einstieg ins Thema.

Ebenfalls empfehlenswert ist die 24seitige Anti-Mobbing-Broschüre des Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung unter Mitarbeit von Christina Großmann. Beide Broschüren sind kostenfrei herunterladbar.

Fantastisch, und damit schließt sich der Kreis, ist auch das 24seitige, ebenfalls kostenfrei herunterladbare Unterrichtsmaterial zum oben genannten Buch „Täglich die Angst“. Dieses wurde von Birgit Gehring herausgegeben, die als ehemalige Lehrerin die Mobbingthematik im Zusammenhang mit dem Buch gut aufgearbeitet hat. Damit wird das Buch ein wirksames Instrument zur Mobbingprävention. Im heutigen Sprachgebrauch werden ja interessanterweise die Wort „Mobbingopfer“ und „Mobbingtäter“ nicht mehr verwendet – beide werden als „Mobbingbetroffene“ gesehen. Im obigen Jugendroman wird letztendlich aus dem Opfer ein Täter und es werden aus den Tätern die Opfer.

Neben der Mobbingproblematik bietet das Buch auch Erkenntnisse zu Computerspielen sowie zur Medienerziehung, aber das nur am Rande.

Ach ja, und übrigens gibt es derzeit eine interessante Forschung zum Thema Mobbing im Schulbereich. Dr. Melanie Wegel vom Institut für Kriminologie der Universität Tübingen untersucht einerseits individuelle Verhaltensweisen sowie Sozialisationsstile der Opfer und andererseits die Reaktion der Außenstehenden. Sie geht von der Annahme aus, dass Mobbing nur möglich ist, wenn die Gemeinschaft dies toleriert. Dieses vom Weissen Ring unterstützte Projekt hat jetzt erste Ergebnisse vorgelegt: Mobbingtäter haben in ihrem Elternhaus in der Regel selbst Opfererfahrungen gemacht (Handgreiflichkeiten oder Vernachlässigung). Ein Teil der Mobbingopfer hat im Elternhaus Opfererfahrungen erlebt und behält diese Rolle in der Schule bei. Ein anderer Teil der Mobbingopfer wurde überbehütet erzogen und erlernte Verhaltensweisen, die zwar der Deeskalation dienen, aber beim Täter nicht greifen. Letztlich hat Wegel einen transgenerationalen Effekt festgestellt: „Mobbende Eltern haben mobbende Kinder“. (Quelle: Weisser Ring direkt, Ausgabe 19 Nr. 3/2009)

Halten wir also unsere Augen und Ohren offen und greifen so früh wie möglich ein! Mehr zum Thema Mobbingbearbeitung finden Sie in der entsprechenden Kategorie hier im Blog.

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Konflikte, Literaturempfehlungen, Mobbingbearbeitung, Schulmediation | Kommentare (0) | Autor:

Die Schule neu machen …

Montag, 31. August 2009 7:38

… heißt ein Buch von Rainer Winkel, dem Gründungsdirektor der EGG, der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck. Das Buch ist das wohl geradezu einmalige Dokument einer Schulgründung, in dem nicht nur Erfolge aufgezeigt werden, sondern auch Prozesse des Scheiterns. Und das macht das Buch auch so interessant für diesen Mediationsblog.

Die dort dargestellten Aufgaben im Rahmen einer Schulgründung sind immens. Die vorkommenden Konflikte sind schier überwältigend. Winkel schreibt dazu: Es gab kollegiale Konflikte zwischen den Lehrern bzw. zwischen dem Schulleiter und einigen Lehrern; edukative Konflikte zwischen Eltern und Lehrern; didaktische Konflikte zwischen der wünschenswerten Schul- bzw. Unterrichtsreform und ihrer Machbarkeit; und es bahnten sich Konflikte zwischen dem Schulträger und dem Schulleiter an. Ja, und natürlich sind nicht zu vergessen die Konflikte zwischen den Schülerinnen und Schülern bzw. zwischen Lehrern und Schülern.

Ein Großteil der Konflikte wurde zu Unterrichtsstörungen, ein anderer Teil führte zu Verweisen, ein Fall führte gar zum Schulausschluss. Da heißt es von Lehrer- und Schulleiterseite aus zu warnen, Grenzen aufzeigen, gelbe und auch rote Karten zücken; sodann: die Schäden beseitigen, Konsequenzen wagen, wieder gutmachen; und schließlich: dem Geschädigten die Hand reichen, der Gemeinschaft etwas Gutes tun, in sich das Böse überwinden. „Wir Lehrer müssen wieder lernen, dass dies zusammengehört: das Warnen, das Wiedergutmachen und das Stiften neuen Vertrauens durch eine neue, eine gute Tat.“, so Winkel auf S. 322 dieses Buches.

Ja, und auch über soziale Konflikte muss ein Gründungsdirektor seine Lektion lernen, die da hieß: „Personale Konflikte lassen sich nicht im Medium von Sachlichkeit, von Logik und Beweisführung lösen – überhaupt nicht diskursiv – im Gegenteil: Sie werden auf diese Weise und darin zu noch festeren Knoten gezurrt. Personale Konflikte sind nur personal zu lösen, das heißt im Medium von liebevoller Emotionalität, die freilich so wahr, so echt und so spontan sein muss und das Lachen und das Weinen der kleine L.W. …“ Mein Dank an Prof. Dr. Rainer Winkel für dieses offene Buch, das allen an Schule und Konflikten interessierten Lesern wärmstens empfohlen sei.

Was wäre es doch prima, wenn alle Lehrer kommunikative und mediative Kompetenzen in Ihrer Ausbildung erlernen und Schulleiter diese in jeder Schule erfahrbar machen könnten. Dann würden zwar auch weiterhin Unterrichtsstörungen vorkommen – aber der Umgang miteinander wäre ein humanerer, die Möglichkeiten der gegenseitigen seelischen Verletzung wäre geringer und die Chancen auf gelungene Konfliktlösungen wäre viel höher. Vielleicht werden dann die Ergebnisse der nächsten TALIS-Studie angenehmer als die der letzten …

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Kommunikation, Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Schulmediation, Soziales Lernen, Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

TALIS und die Wichtigkeit des Klimas in Schulklassen

Sonntag, 16. August 2009 6:39

In den meisten Ländern verliert jeder vierte Lehrer mindestens 30 % seiner Unterrichtszeit aufgrund von störenden Schülern und den daran anknüpfenden Bemühungen, eine sichere und produktive Lernumgebung zu schaffen. Manche Lehrer kostet dieses Vorhaben sogar über die Hälfte ihrer Zeit. Länderübergreifend befinden sich 60 % der Lehrer an Schulen, deren Schulleiter berichten, dass Störungen im Klassenzimmer das Lernen behindern.

TALIS (Teaching and Learning International Survey der OECD) ist eine internationale vergleichende Studie über die Bedingungen von Lehren und Lernen, die im Juni 2009 die ersten Ergebnisse vorlegen konnte. 23 Länder haben an der Studie teilgenommen, die deutschen Kultusminister hatten sich gegen eine Teilnahme entschieden.

Das Klima in einer Klasse beeinflusst laut TALIS die Ergebnisse und Leistungen der Schüler !!!

TALIS erkennt jedoch auch enge Verbindungen zwischen Faktoren wie positivem Schulklima, Überzeugungen von Lehrern, Kooperationen unter Lehrern, berufliche Zufriedenheit von Lehrern, berufliche Weiterbildung und Umsetzung unterschiedlicher Lehrtechniken.

„Wenn Lehrer effektives Lehren als Fähigkeit sehen, die erlernt werden kann, kann ihnen dieses Gefühl von Selbstvertrauen dabei helfen, Probleme besser zu analysieren und zu lösen. Umgekehrt können diese Lehrer, wenn sie mit einem Gefühl von geringem Selbstvertrauen konfrontiert werden, Selbstzweifel erleben und sich um Beurteilungsthemen Sorgen machen, wenn sich Anstrengungen als nicht erfolgreich erweisen.“

TALIS legt nahe, dass Lehrer, die stärker an beruflicher Weiterbildung teilgenommen haben, eine deutlich höhere Ebene an Selbstvertrauen erlangt haben. Ebenfalls geht die Teilnahme von Lehrern an Weiterbildungen mit der Beherrschung einer größeren Palette an Methoden zum Einsatz im Klassenzimmer einher.

„In zahlreichen Ländern spiegelt sich die Beurteilung und das Feedback, welches Lehrer erhalten, in dem Vertrauen auf ihre eigenen Lehrfähigkeiten wider, in anderen Worten, wenn sie für Ihre Arbeit Feedback erhalten, haben sie mehr Vertrauen in ihre Fähigkeiten, den Herausforderungen des Lehrens zu begegnen.“

Interessant sind auch die Untersuchungen bezüglich ihres Rollenschwerpunktes, einerseits der Rolle des Lehrers als Vermittler von Wissen und Anbieter von konkreten Lösungen und andererseits der Rolle des Lehrers als Unterstützer des aktiven Lernens. TALIS hat herausgefunden, dass Lehrer, die sich als Wissensvermittler sehen, mit höherer Wahrscheinlichkeit ein negatives disziplinäres Klima im Klassenzimmer haben (also mehr den Unterricht störende Schüler). Lehrer hingegen, die ihre Rolle eher als Unterstützer wahrnehmen, schülerorientierte Methoden nutzen und eine konstruktivistische Sicht auf das Lehrern und Lernen besitzen, haben mit höherer Wahrscheinlichkeit ein positives disziplinäres Klima im Klassenzimmer (also weniger den Unterricht störende Schüler).

Was sagen diese Ergebnisse von TALIS für das neue Schuljahr?
Na, vereinfacht gesagt: Es ist sehr wichtig, ein gutes Klassenklima zum Lernen zu schaffen. Gute Weiterbildungen, ein gesundes Selbstvertrauen, eine Feedbackkultur, Zusammenarbeit unter Lehrern und eine konstruktivistische Sichtweise sowie die Rollendefinition des Lehrers als Unterstützer helfen jeder Lehrerin und jedem Lehrer, seinen Alltag gut zu bewältigen. Los geht’s!

Christa D. Schäfer

PS: Kennen Sie schon mein Buch zum Thema Unterrichtsstörungen?

Thema: Kommunikation, Konfliktberatung, Konfliktlösung, Mediationsverfahren, Schulmediation, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Das Kinder- und Jugendtelefon hilft bei Problemen und Konflikten

Montag, 13. Juli 2009 7:28

Vor den Sommerferien gibt es Zeugnisse, und bei einigen Schülerinnen und Schülern rufen diese ein starkes Unwohlsein oder sogar ein Krise hervor. Manche Kinder und Jugendlichen können mit ihren Eltern oder mit Freundinnen und Freunden, ihrem Bruder oder der Schwester, ihren Lehrern oder anderen Personen darüber sprechen. Andere trauen sich nicht und “fressen den Ärger in sich hinein”.

Es gibt auch andere Probleme und Konflikte, da mag ein Kind oder eine Jugendliche bzw. ein Jugendlicher eigentlich zu niemandem gehen, um dies zu besprechen. Vielleicht ist das Problem mit Angst besetzt, vielleicht ist es zu peinlich oder es gibt niemanden, zu dem man genügend Zutrauen hat, oder die Eltern sind gerade die Konfliktpartner …

Dann können Kinder und Jugendliche anrufen bei der
Nummer gegen Kummer: 0800-1110333.

Kinder und Jugendliche können sich kostenlos und anonym an dieses Kinder- und Jugendtelefon wenden. 2006 haben dort 225.864 Kinder und Jugendliche angerufen, die Beratung gesucht haben. Der Anteil an längeren Gesprächen hat zugenommen, das spricht dafür, dass die Probleme und Konflikte komplizierter geworden sind oder Kinder und Jugendliche sich intensiver damit auseinander setzen. Je älter die Anrufer sind, um so länger dauert ein Beratungsgespräch. Das Alter der Anrufer liegt zwischen 8 und 25 Jahren, 73 % der Anrufer sind zwischen 12 und 16 Jahren. Daran ist zu merken, dass die Pubertät ein wichtiges Thema für Jugendliche ist und bleibt und oft kein Ansprechpartner da ist, mit dem Fragen diesbezüglich geklärt werden können. Mädchen und Frauen nutzen das Beratungsangebot häufiger als Jungen, 2/3 aller Anrufe sind weiblich.

Mehr als 3.500 Beraterinnen und Berater arbeiten ehrenamtlich für die Nummer gegen Kummer. In den meisten Fällen ist der Anlass für den Anruf die eigene, persönliche Entwicklung des Anrufers, an zweiter Stelle folgen Probleme mit Gleichaltrigen, also anderen Kindern und Jugendlichen und erst an dritter Stelle folgt das Thema Auseinandersetzung mit Eltern oder der Familie. 75 % der geführten Gespräche werden zu einer Problemklärung geführt bzw. zu einer Anregung zur selbständigen Bewältigung, zur Selbsthilfe.

Ergänzend zur Nummer gegen Kummer gibt es die Internetberatung für Kinder- und Jugendliche, bei denen die Nutzer die Möglichkeit haben, ihre Probleme per mail den Beraterinnen und Beratern zu schildern.

Das Elterntelefon unter der Nummer 0800-1110550 bietet Eltern oder anderen Personen Hilfe, die Fragen zur Erziehung haben oder Tipps und Hinweise zu speziellen Problem im Umgang mit Kindern und Jugendlichen suchen. Hilflosigkeit und Überforderung ist das meist besprochene Thema am Elterntelefon, gefolgt von allgemeinen Erziehungsfragen sowie Problemen mit dem (Ex-)partner, einer Unsicherheit in der Beziehung sowie dem Umgang mit Bestrafen und Strafen.

Die Nummer gegen Kummer gibt es seit 1980, sie ist in der Zwischenzeit ein unverzichtbares Beratungsangebot in Deutschland geworden. Mein Wunsch ist es, dass viele Kinder und Jugendliche ihre Probleme und Konflikte selber lösen können bzw. lösen lernen. Falls sie jedoch Hilfe benötigen und suchen und nicht in ihrem Umfeld bekommen, die Nummer gegen Kummer ist glücklicherweise da.

Informationen über Probleme und Konflikte von Kindern- und Jugendlichen in Berlin auf diesem blog.

Christa Schäfer

Thema: Familienmediation, Konfliktberatung, Konflikte, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Schulmediation, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Aus Hühner-Bruno wird Super-Bruno

Montag, 8. Juni 2009 8:34

Hühner-Bruno ist kein Huhn, sondern eine Landtaube, eine ziemlich dicke Landtaube sogar. Brunos Taubenvater ist gestorben und seine Taubenmutter muss sehen, dass sie seinen kleinen Bruder groß bekommt.

Was hat denn diese Beschreibung in diesem Blog zum Thema „Mediation und Konfliktberatung in Berlin“ zu suchen? Nun, ganz einfach. Die Geschichte von Bruno Taubendödel, so wie er auch am Anfang des Buches genannt wird, hat viel mit sozialem Lernen zu tun. Ein Dödel ist ein Tollpatsch, und das ist auch Bruno. Er ist dick, bewegt sich kaum, hat Probleme mit dem Fliegen, mag sich weder waschen noch pflegen und wird von den anderen Tauben ausgelacht und gemobbt. Dann ist er auch noch Schuld am Unfall seiner einzigen Freundin Tilly, die sich dabei den Flügel bricht. Da Tilly die Nächte in Altdorf mit einem gebrochenen Flügel nicht überstehen würde, verlassen Tilly und Bruno das Dorf und begeben sich auf Wanderschaft. Dabei erleben beide weitere Abenteuer und Bruno fängt an sich so zu verändern, dass er schließlich als Super-Bruno wieder nach Altdorf zurückkehren kann.

Das Buch “Bruno Taubendödel“ von Alexandra Flemming ist hervorragend zur Förderung der sozialen Handlungkompetenz von kleinen Kindern (Kindergarten und erste Schuljahre) geeignet; es ist eine fantastische Vorlage zum Modellernen.

Durch das Lernen am Modell (auch Beobachtungslernen oder Nachahmungslernen genannt) können kleine Kinder Brunos Situation reflektieren und seine Erfahrungen auch auf ihre Lebenswirklichkeit anzuwenden versuchen. Das bedeutet, dass Kinder durch das Vorlesen oder selber Lesen der Geschichte das Verhalten und die Verwandlung von Bruno wahrnehmen und auf ihr eigenes Verhalten projizieren und anwenden. Dabei können sie neue Verhaltensweisen aufbauen, und zwar Verhaltensweisen, die sie bisher nicht in ihrem Repertoire hatten. Voraussetzung dafür ist, dass verschiedene Prozesse ablaufen: Das Kind muss der Geschichte positive Aufmerksamkeit schenken, die Geschichte im Gedächtnis ablegen und sie später erinnern und gemäß des dadurch angeregten Lernprozesses agieren können.

Eine weitere gut zum Modellernen geeignete Geschichte für Grundschulkinder trägt den Namen „Und wenn ich zurückhaue“. Erste Informationen dazu auch hier im Blog.

Und denken Sie daran: Kinder brauchen viele Geschichten, denn aus jeder guten Geschichte können sie etwas “mitnehmen” für ihr Leben!

Christa D. Schäfer

Thema: Familienmediation, Literaturempfehlungen, Schulmediation, Soziales Lernen | Kommentare (1) | Autor:

Konfliktbearbeitung in Schulklassen

Montag, 6. April 2009 6:58

Wie beuge ich in Schulklassen Konflikten vor?
Wie kann ich die Konflikte bearbeiten, wenn sie dann da sind?

Diese Frage gewinnt in den heutigen Schulen immer mehr an Wichtigkeit. Und sie ist eine Standardfrage und ein gern gesehenes Thema für SchiLFs und KiFs (Schulinternen und Kollegiumsinterne Lehrerfortbildungen), die ich in letzter Zeit des öfteren durchgeführt habe.

Gerne empfehle ich in diesen Veranstaltungen die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung herausgegeben zwei Hefte zum Thema „Achtsamkeit und Anerkennung“. Diese Materialsammlung ist excellent aufbereitet, gibt einen guten Überblick zum Thema und enthält viele praktische Übungen und leicht einsetzbare Arbeitsblätter. Sie ist kostenfrei online bestellbar.

Die sieben Bausteine des ersten Heftes für die Grundschule bearbeitet wichtige Themen wie u.a. rasch umsetzbare Anregungen zur Verbesserung des Klassenklimas, die klasseninterne Streitschlichtung, die Giraffen- und Wolfssprache, den Bereich des Mobbing und die Schülermitbestimmung. Das für die Klassen fünf bis neun gedachte Material bearbeitet in elf Bausteinen spannende Themen wie Orientierungshilfen zur Selbst- und Fremdwahrnehmung der Schüler, den Umgang mit unterschiedlichen persönlichen Fähigkeiten und Grenzen sowie Wissenswertes zum Kommunikations- und Konfliktmanagement.

Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Pädagoginnen und Pädagogen, Schulleitungen, Eltern, Hausmeister, Betreiber der Schulcaféteria und viele andere sind in der Institution Schule in vielfältige Interaktionen verstrickt. „Sie müssen sich auf raschen Szenenwechsel einstellen, mit unterschiedlichen Erwartungen, Gewohnheiten und Interessen zurechtkommen, sich in Konfliktsituationen behaupten, mit Missverständnissen fertig werden und auf Urteile und Interpretationen reagieren, die sie selbst manchmal für falsch halten oder zumindest als voreilig empfinden. Oft geht das gut und dann trägt Schule dazu bei, dass die Jugendlichen sich und andere besser verstehen lernen und die eigene Persönlichkeit im Umgang mit vielfältigen sozialen Anforderungen weiterentwickeln.“ – so steht es im Vorwort zu einem der oben beschriebenen Hefte.

Damit dies möglichst gut gelingt, sind natürlich nicht nur gut gestaltete Arbeitsmaterial wie die oben beschriebenen Hefte notwendig. Vielmehr benötigt Schule eine Ist-Analyse mit einer sich anschließenden Beratung oder einem Coaching, manchmal ist ein Studientag für die LehrerInnen wichtig, manchmal ist ein Training für bestimmte Schülergruppen notwendig. Falls Sie daran Interesse haben, nehmen Sie bitte mit mir Kontakt auf und wir können passgenau und zielgerichtet ein Angebot für Ihre Schule entwickeln.

Christa Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Schulmediation, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor: