Beitrags-Archiv für die Kategory 'Soziales Lernen'

Gemischte Gefühle?

Montag, 2. Januar 2012 15:59

Ja, gemischte Gefühle kann man schon haben am Anfang eines neuen Jahres … Man wünscht sich so Einiges, das im neuen Jahr in Erfüllung gehen soll. Man hat aber auch Befürchtungen, was da so alles auf einen zukommen könnte im frisch gebackenen Jahr. Gemischte Gefühle hat man jedoch nicht nur Anfang des Jahres, sondern sie sind ein Begleiter durch das ganze Jahr. Und mir werden dieses Jahr die Befos mit ihren gemischten Gefühlen Begleiter sein.

Befos?

Die Befos, die sind gleichzeitig fremd und vertraut, schräg, manchmal schüchtern und verlegen oder motzig und frech. Sie sind tiefgründig und albern und oft wundern sie sich, wie alles so ist. Das sagt jedenfalls die „Mutter der Befos“ Bettina Follenius zu den von ihr kreierten Gefühlskerlen.

Die Befos zeigen Gefühle, gemischte Gefühle. Es gibt 42 postkartengroße Gefühlskarten, die wunderbar in vielen Bereichen einsetzbar werden können, in Schule, Jugendarbeit, Mediation, Supervision, Seminaren, Trainings, Teambesprechungen, Beratungen, Coachings und vielem mehr.

Was sagen die Befos wohl, wenn ich Ihnen mitteilen, dass das neue Jahr gestartet hat?


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es ist bekannt, dass der Umgang mit eigenen und fremden Gefühlen Voraussetzung ist für den Aufbau von positiven und zufriedenstellenden Beziehungen, deshalb ist auch der adäquate Umgang mit Emotionen ein wichtiger Baustein im Sozialen Lernen. In der Schule kann beispielsweise über die Gefühle der Befos gesprochen werden, die Karten können Anlass für Geschichten sein oder als Signalkarten im Sozialen Lernen genutzt werden.

Auch in Mediations-, Supervisions- oder Coachingsitzungen ist der Umgang mit Gefühlen ein ganz wichtiger. Da bringt manchmal eine Befo-Karte die Situation klar und deutlich auf den Punkt. In Seminaren können sie gut in Eingangs- oder Abschlussrunden eingesetzt werden.

Ich freue mich sehr, dass Frau Follenius, die Erfinderin der Befos, mir einige Fragen zu den Befos beantwortet hat:

Frau Follenius, wie sind Sie auf die Idee gekommen, die Befos zu erfinden?

In meinen Bildern habe ich schon länger an dem Spiel zwischen Gesichts/Gefühlsausdruck und Text gearbeitet. Mich interessiert dabei immer das nicht eindeutige, vielleicht auch überraschende, das die Betrachter zu eigenen Interpretationen einlädt. Gemischte Gefühle eben. Die Idee ein Kartendeck zu gestalten kam mir im Gespräch mit Kunden auf dem Kunstmarkt, die meine Bilder in ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verwenden wollten. Und wie wesentlich es ist, Gefühle wahrzunehmen und damit umzugehen ist mir aus meiner langjährigen Arbeit als Lehrerin, Therapeutin und Coach sehr vertraut. Dabei hilft ein Medium wie die Karten sich dem Thema Gefühle zu nähern, am besten mit einem Augenzwinkern.

Wie alt sind die Befos schon?

Nach 6 Monaten Entwicklungszeit haben sie in dieser Form im September 2011 das Licht der Welt erblickt.

Was ist ihr Lieblingserlebnis mit den Befos?

Am Verkaufstand während der Tagung „Selbstwert und Persönlichkeit“ im November in Göttingen. Eine Gruppe von vier jungen Frauen, eine zieht eine verdeckte Karte und liest laut vor: „Igitt“, eine andere zieht eine andere Karte und antwortet: „Auch das noch“, und so geht es weiter mit witzigen und zum Teil absurden Dialogen. Einer fällt ein: “das wäre etwas für…“, „genau, das ist doch wie…“, einer anderen: „das würde ich Frau… gerne mal sagen“. Spontanes Theater, die Umstehenden amüsieren sich. Später erzählen mir die jungen Frauen, dass sie in der Ausbildung zur Erzieherin sind und sich die Karten z.B. für Reflexionsrunden wünschen, die Teil ihrer Ausbildung sind. Das war spontan und besonders lebendig. Aber ich habe schon so viele, ganz unterschiedliche schöne, witzige und anrührende Situationen mit den „Gemischten Gefühlen“ erlebt, dass ich darüber ein ganzes Buch schreiben könnte.

Liebe Frau Follenius,
besten Dank für das Gespräch.

Grob gesehen gibt es vier Grundgefühle: Freude, Wut, Trauer und Angst. Der PS-Psychologe Paul Ekman definiert Wut, Ekel, Angst, Freude, Traurigkeit und Überraschung als Basisemotionen und hat durch seine Forschungen Anfang der 1970er Jahre auf Papua-Neuguinea nachgewiesen, dass die dortigen Ureinwohner diese Emotionen mit ähnlicher Mimik ausdrücken wie Europäer oder Amerikaner. Andere Wissenschaftler zählen neben den bereits genannten auch die Neugier zu den Basisemotionen.

Den Gemischen Gefühlen hat die Süddeutsche Zeitung 2011 eine Serie gewidmet. Da geht es um Gemischte Gefühle als Triebkräfte unseres Lebens, um Gefühle wie Verachtung, Verwirrung, Eifersucht, Schadenfreude, Ekel, Nostalgie, Einsamkeit, Rache, Geborgenheit, Vertrauen und noch viel mehr …

Ich empfinde Gefühle, Emotionen, Stimmungen, Empfindungen als ein spannendes Feld. Allen, die gut mit ihren gemischten Gefühlen ins neue Jahr starten möchten, empfehle ich die Befos, zu bestellen unter … (einfach auf den roten Text klicken)

Christa D. Schäfer

Haben Sie schon einmal Gefühle aus Sand gesehen?

Thema: Emotionale Intelligenz, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Die Schule der Tiere

Montag, 1. August 2011 7:20

 
Es war einmal eine Zeit, da hatten die Tiere eine eigene Schule. Der Unterricht bestand aus Rennen, Klettern, Fliegen und Schwimmen, und alle Tiere wurden in allen Fächern unterrichtet.

Die Ente war gut im Schwimmen, besser sogar als ihr Lehrer. Im Fliegen war sie durchschnittlich, aber im Rennen war sie ein ganz besonders hoffnungsloser Fall. Da sie in diesem Fach so schlechte Noten hatte, musste sie nachsitzen und den Schwimmunterricht ausfallen lassen, um das Rennen zu üben. Das tat sie lange, bis sie auch im Schwimmen nur noch durchschnittlich war. Durchschnittsnoten aber waren akzeptabel, darum machte sich niemand Gedanken darum – außer der Ente.

Der Adler wurde als schwieriger Schüler angesehen. Zwar schlug er in der Kletterstunde alle anderen darin, als Erster den Wipfel des Baumes zu erreichen. Jedoch wurde er unnachsichtig und streng gemaßregelt, da er darauf bestand, seine eigene Methode anzuwenden.

Das Kaninchen war anfänglich im Laufen an der Spitze der Klasse. Dann bekam es einen Nervenzusammenbruch und musste von der Schule abgehen wegen des vielen Nachhilfeunterrichts im Schwimmen.

Das Pferd gab sich beim Klettern besondere Mühe. Es war nämlich schon beim Flugunterricht unangenehm aufgefallen. Im Fliegen hätte es beinahe eine Fünf bekommen und sollte jetzt Nachhilfeunterricht nehmen.

Das Eichhörnchen war Klassenbester im Klettern, aber sein Fluglehrer ließ es seine Flugstunden am Boden beginnen, anstatt vom Baumwipfel herunter. Es bekam Muskelkater durch Überanstrengung bei den Startübungen und immer mehr „Dreier“ im Klettern und „Fünfer“ im Rennen.

Die Präriehunde waren der Meinung, dass man Buddeln auf jeden Fall in der Schule lernen müsse. Als die Schulbehörde es aber ablehnte, Buddeln zu einem neuen Unterrichtsfach zu machen, gaben sie ihre Jungen zum Dachs in die Lehre.

Am Ende des Schuljahres hielt ein anormaler Aal, der gut schwimmen konnte, etwas rennen, klettern und fliegen konnte, als bester Schüler die Abschlussrede.

Soweit zum Thema “Notwendigkeit von Individualisierung im Unterricht”. Diese Geschichte trägt den Namen “Die Schule der Tiere”. Sie wird mitsamt dem zugehörigen Bild immer wieder im deutschsprachigen Raum genutzt. Es war mir nicht möglich, die Ursprungsquelle herauszufinden. Vielleicht kann jemand helfen?!

Auch in meinem Buch “chicken soup for the soul“ ist sie zu finden – da natürlich in der englischen Version.

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Soziales Lernen, Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

Hühnersuppe für die Seele

Montag, 25. Juli 2011 10:27

A college professor had his sociology class go into the Baltimore slums to get case histories of 200 young boys. They were asked to write an evaluation of each boy’s futue. In every case the students wrote, „He hasn’t got a chance.“ Twenty-five years later another sociology professor came across the earlier study. He had his students follow up on the projekt to see what had happened to these boys. With the exception of 20 boys who had moved away or died, the students learned that 176 of the remaining 180 had achieved more than ordinary success as lawyers, doctors and businessmen.

The professor was astounded and decided to pursue the matter further. Fortunately, all the men were in the area and he was able to ask each one, „How do you account for your success?“ In each case the reply came with feeling, „There was a teacher.“

The teacher was still alive, so he sought her out and asked the old but still alert lady what magic formula she had used to pull these boys out of the slums into successful achievement.

The teacher’s eyes sparkled and her lips broke into a gentle smile. „It’s really very simple,“ she said. „I loved those boys.“

Eric Butterworth: Love, the one creative force. In: Canfield, Jack; Hansen, Mark Victor: Chicken Soup for the Soul. 101 Stories to open the heart and rekindle the spirit. Health Communications 1993. S. 2 f.

Dies ist eine Geschichte, die das Herz erwärmen soll. Sie ist aus dem Buch „Chicken Soup for the Soul. 101 Stories to open the heart and rekindle the spirit.“ Es gibt dutzende Bücher aus der Chicken Soup Serie und in den USA sind sie seit Jahren ein Verkaufsschlager.

„Hühnersuppe für die Seele“ ist auch im Goldmann Verlag auf Deutsch erschienen. Aus dem Vorwort des zweiten Bandes “Noch mehr Hühnersuppe für die Seele“:

„Die Geschichten, die Menschen erzählen, bewirken, daß man sich mit ihnen beschäftigt. Wenn Sie also Geschichten hören, gehen Sie sorgsam damit um. Und lernen Sie, sie dahin weiterzugeben, wo sie gebraucht werden. Manchmal hat ein Mensch eine Geschichte nötiger als Nahrung, um weiterzuleben. Das ist der Grund, weshalb wir diese Geschichten einander erzählen. Auf diese Weise befassen sich die Menschen mit sich selbst.“ Barry Lopez

Zur Geschichte vom Prophet und den langen Löffeln geht’s übrigens hier ….

Weiterhin eine schöne Ferienzeit
wünscht Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Soziale Kompetenz in der Schule am Beispiel des Buddy-Programms

Montag, 13. Juni 2011 10:27

“Das brauche ich doch im Leben nie wieder!”, so könnte die Aussage eines Jugendlichen lauten, der im Mathematikunterricht gerade Integralrechnung lernen soll. Und natürlich ist Fachwissen nach wie vor ein wichtiger Bestandteil der deutschen Bildung. Darüber, was beispielsweise Induktion ist, wie Photosynthese funktioniert oder wann Otto von Bismarck Reichskanzler wurde, können Lehrer stundenlang referieren.

Aber ist das alles, was Schüler heutzutage in der Schule lernen sollen?
Gehört nicht vielmehr dazu, um sich später in einer demokratischen Gesellschaft zurechtfinden und angemessen handeln zu können?

Viele Bildungspolitiker und Wissenschaftler sind sich einig, dass neben kognitiven Fähigkeiten auch die soziale Kompetenz im Umgang miteinander in der Bildung eine Rolle spielen soll.

Was überhaupt ist aber soziale Kompetenz und wie wird sie erworben?

Mit diesen und weiteren Fragen habe ich mich als Lehramtsstudentin der Universität der Künste Berlin in einer Hausarbeit im Fach Erziehungswissenschaften auseinandergesetzt.

Der Sozialkompetenzbegriff ist ungefähr so wenig konkret wie der der Kompetenz. Das erschwert eine Eingrenzung und klare Defintion von Sozialer Kompetenz. Das ganzheitliche Sozialkompetenzmodell von DuBois und Felner (1) bietet aber einen guten Überblick und eine Systematisierung konkreter Fähigkeiten, die diese Kompetenz umfasst.

Folgende vier Kernbereiche bilden die Basis Sozialer Kompetenz: Kognitive Fähigkeiten, Handlungsfähigkeit, emotionale Kompetenz und Motivation.

Kognitive Fähigkeiten sind in diesem Zusammenhang z.B. der Erwerb sozialen und kulturellen Wissens, die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen sowie die Verarbeitung von Glaubenssätzen/-schemata. Auch die Art, wie man negative Ereignisse begründet oder was man von zukünftigen Ereignissen erwartet, spielt hierbei eine Rolle.

Handlungsfähigkeit meint das Wissen über Handlungsmöglichkeiten in konkreten Situationen und die bisherigen Handlungserfahrungen. Dazu gehören z.B. das Bitten um Hilfe, das Initiieren sozialer Interaktionen etc.

Emotionale Kompetenz meint den Umgang mit den eigenen Gefühlen und denen anderer, aber auch die Fähigkeit zum Aufbau tragfähiger Beziehungen, das Vertrauen aufeinander und gegenseitige Unterstützung.

Die Motivationalen Aspekte betonen das „Sichtbar Werden“ sozial kompetenten Verhaltens. Man kann noch so gut wissen, wie man sich sozial kompetent verhält, wenn die Motivation dazu fehlt. Motivation, heißt es nach DuBois und Felner, werde durch ein persönliches Wertesystem bestimmt. Das Gefühl der Selbstwirksamkeit und der Stand moralischer Entwicklung beeinflussen dieses System.

Dieses Modell bildet meiner Meinung nach eine gute Grundlage für das Verständnis von Sozialer Kompetenz.

Wie aber kann diese Kompetenz in der Schule konkret erworben werden?

Eine Möglichkeit dazu bietet das BuddY-Programm. Unter dem Motto „Aufeinander achten Füreinander da sein. Miteinander lernen.“ ist es ein bundesweit verbreitetes Programm, das an mehreren Schulen durchgeführt wird. Hierbei können Schüler als BuddYs ihren Mitschülern z.B. bei den Hausaufgaben helfen, als Streitschlichter in der Pause agieren, Paten für die „Neulinge“ an der Schule sein etc. Dem Handlungsspielraum sind hier keine Grenzen gesetzt. Die Schüler sollen selbst Projekte entwickeln, als BuddYs aktiv werden und den sozialen Umgang miteinander verbessern können. Je nach Aufgabenbereich werden sie von Lehrern aus- und weitergebildet. Gleichzeitig haben die BuddYs eine Art Vorbildfunktion für ihre Mitschüler, was sich positiv auf das soziale Miteinander auswirken kann. Das BuddY-Programm trägt laut Rita Süßmuth, Präsidentin des buddY-E.V., dazu bei, …

„dass Schule neben einem Ort der Wissensvermittlung auch eine zentrale Einrichtung für den Erwerb sozialer, emotionaler und kognitiver Kompetenzen sowie gelebter demokratischer Werte ist.” (2)

Genau das verspricht der buddY-E.V. den Schulen, die sich für die Umsetzung des Projektes entscheiden.

Wie kann eine Umsetzung dieses Projektes aussehen?

An der Anne-Frank-Grundschule Berlin wird das Projekt in Verbindung mit der STOPP-Regel (3) durchgeführt. Diese Regel soll verhindern, dass es zur gewaltsamen Eskalation eines Konfliktes kommt. Wenn ein Kind von einem anderen Schüler in der Pause geärgert, bedrängt oder gar geschlagen wird, signalisiert es mit einem lauten und deutlichen „STOPP!“, dass das Gegenüber die Handlung einstellen soll. Nach dreimal STOPP sagen, hat das betroffene Kind die Möglichkeit, einen BuddY zur Hilfe zu holen. Der versucht dann den Konflikt zu klären und zu einer Lösung beizutragen, gegebenenfalls einen Lehrer zu Rate zu ziehen.

Die BuddYs, Schüler aus der 4.-6. Klasse, werden zu Beginn des Schuljahres allen Schülern der Berliner Grundschule vorgestellt, damit auch die neuen Schüler wissen, an wen sie sich im Konfliktfall wenden können. Das klingt sehr vielversprechend.

Aber was lernen die BuddYs tatsächlich dabei?
Werden sie sozial kompetenter oder bleibt doch alles beim Alten?

Ein Gespräch mit zwei BuddYs der Anne-Frank-Grundschule soll darüber Aufschluss geben. Anhand des oben genannten Sozialkompetenzmodells habe ich Interviews durchgeführt, analysiert und ausgewertet. Erstaunlich und teilweise auch überraschend sind die Ergebnisse dieser Selbsteinschätzung. Aussagen wie „Eigentlich sollte es keine Gewalt geben.“ (4) oder „Ich wollte eben auch mal so werden, (…) dass ich Kindern helfen kann.“ (5) lassen auf verschiedenste Formen sozialer Kompetenz schließen. Aber noch viel mehr verspricht diese Einstellung für die Zukunft ein verantwortungsvolles, Frieden stiftendes Handeln in einer demokratischen Gesellschaft. Dies hier ist aber nur ein kleiner Ausschnitt der beiden Interviews mit den BuddYs, die im Anhang meiner Arbeit zu finden sind.

Wenn auch Sie noch mehr über Soziale Kompetenz in der Schule, das BuddY-Programm und über meine Interpretation nach der Frage des Sozialkompetenzerwerbs für die BuddYs der Anne-Frank-Grundschule erfahren möchten, lade ich Sie ein, meine teils wissenschaftliche, teils persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema zu lesen. Dazu bitte einfach auf diesen roten Text klicken …

Viel Vergnügen dabei!
Birgitta Kießig

Anmerkungen:
(1) Nachzulesen in: Brohm, Michaela: Sozialkompetenz und Schule. Theoretische Grundlagen und empirische Befunde zu Gelingensbedingungen sozialbezogener Interventionen. Juventa Verlag Weinheim und München 2009. S. 77-83
(2) http://www.buddy-ev.de/Buddy-Programm Stand: 23.03.2011
(3) Nachzulesen in: Grüner, Thomas / Hilt, Franz: Bei STOPP ist Schluss! – Werte und Regeln vermitteln. AOL-Verlag Buxtehude 2009
(4) Kießig 2011, Anhang S.20
(5) Kießig 2011, Anhang S.20

Übrigens haben die BuddYs der Anne Frank Grundschule den buddY-Wettbewerb im Februar 2011 gewonnen.

Thema: Schule in Berlin, Soziales Lernen, Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

Vielfalt ist ergiebig …

Montag, 23. Mai 2011 10:50

Mediation

Die Streitparteien in der Mediation haben unterschiedliche Sichtweisen, sie stammen mitunter aus verschiedenen sozialen Schichten, sind unterschiedlichen Geschlechts, repräsentieren unterschiedliche Kulturen, Lebensstile, Generationen usw. Mediationsverfahren zeigen Erkenntnisse über Unterschiede und Gemeinsamkeiten, Werte und Verhaltensnormen sowie Kommunikationsmuster der Streitparteien. Die Aufgabe der MediatorInnen ist es, für ein gutes Gesprächsklima zu sorgen und dem Gespräch Struktur zu geben, damit sich die MediandInnen auf die Inhalte des Gesprächs sowie auf ihre Bedürfnisse und Emotionen konzentrieren können. Aus Vielfalt ergibt sich hier eine neue Chance.

Mediation in Organisationen hilft die persönliche Ebene zu bearbeiten, aber auch Zusammenhänge auf der Gruppen- und Organisationsebene zu beleuchten. Dadurch können strukturelle Veränderungen thematisiert und Ideen dafür generiert werden.

Diversity Management in Wirtschaftsbetrieben

„Vielfalt ist allgegenwärtig. Ziel eines modernen und zukunftsorientierten Diversity Managements ist es, diese Vielfalt nicht als Erschwernis zu verstehen, sondern die großen Chancen zu erkennen und zu nützen, die sie bieten.“ (Pauser; Wondrak, S. 9)

„Diversity Management ist das Management von Vielfalt. Es nutzt personelle Vielfalt zur Zielerreichung. Größtmögliche Vielfalt ist also nicht ein Ziel an sich, sondern hat den Zweck, die Zielerreichung von Unternehmungen zu unterstützen.“ (Pauser, Wondrak, S. 27)

Vielfalt in Schule – Inklusion

Die Vielfalt der Kinder und Jugendlichen in Schule ist in manchen Großstädten nahezu unübersehbar. Dennoch wird heutzutage immer noch von „Integration“ gesprochen, anstatt die Inklusion zu gestalten. Schulen in Berlin sollen jetzt umdenken und sind auf dem Weg …

Der Begriff der Inklusion entstand Anfang der 1990er Jahre. Eine Erklärung über die Inklusion als wichtigstes Ziel der internationalen Bildungspolitik und ein Rahmen für deren Umsetzung war das Hauptergebnis der UNESCO- Konferenz, die 1994 in Salamanca stattfand:

„Das Leitprinzip, das diesem Rahmen zugrunde liegt, besagt, dass Schulen alle Kinder, unabhängig von ihren physischen, intellektuellen, sozialen, emotionalen, sprachlichen oder anderen Fähigkeiten aufnehmen sollen. Das soll behinderte und begabte Kinder einschließen, Kinder von entlegenen oder nomadischen Völkern, von sprachlichen, kulturellen oder ethnischen Minoritäten sowie Kinder von anders benachteiligten Randgruppen oder -gebieten.“ Salamanca Erklärung

Die UNESCO-Erklärung führt aus, dass Regelschulen mit Inklusiver Pädagogik das beste Mittel sind, um diskriminierende Haltungen zu bekämpfen, um Gemeinschaften aufzubauen, die alle willkommen heißen, um eine integrierende Gesellschaft aufzubauen und um Bildung für alle zu erreichen.

Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung hat im Januar 2011 ein Konzept zur Umsetzung der UN-Konvention in der Berliner Schule vorgelegt. Marzahn-Hellersdorf hat sich mit INKA (Inklusion auf dem Weg) bereits bewegt.

Buch zum Thema

Über Diversity Managment gibt es jetzt ein absolut lesenswertes Buch aus dem Österreichischen Facultas Verlag. Obige Gedanken sind großteils diesem Buch entnommen. Von Norbert Pauser und Manfred Wondrak herausgegeben ist das „Praxisbuch Diversity Management“ optisch unglaublich ansprechend und inhaltlich äußerst reich und informativ. Wem die oben stehende Einblicke in das Thema „Management von Vielfalt“ nicht ausreichen, der tut gut daran, sich dieses Buch zu besorgen. Es wird nicht mehr lange dauern, da ist es auch in Deutschland absolut notwendig, ein gutes Diversity Management zu haben – in Schulen und anderswo …

Christa D. Schäfer

Thema: Literaturempfehlungen, Soziales Lernen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

Nach dem Krach dort auf den Hügeln

Donnerstag, 19. Mai 2011 8:46

will ich mich mit Hugo prügeln.
Erst ein Stoß und dann ein Tritt!
Ich bin sauer, gitt-igitt!
Immer muss der Doofi petzen,
unsern Lehrer auf mich hetzen …

Das ist ein Gedicht zum Thema „Wut“. Wut, das ist neben der Trauer, der Angst und der Freude eines der absoluten menschlichen Grundgefühle. Nach Wikipedia ist die Wut eine sehr heftige Emotion und häufig eine impulsive und aggressive Reaktion, ausgelöst durch eine als unangenehm empfundene Situation oder Bemerkung. Gegenüber dem Ärgern besitzt die Wut ein höheres Erregungspotential. Im Gegensatz zum Zorn ist die Wut näher dran am eigenen Ich.

Die Entstehung von Wut wird psychologisch analog zur Entstehung von Aggression erklärt. Die Triebtheorie von Sigmund Freud geht vom angeborenen Aggressionstrieb aus. Die Frustrations-Aggressions-Theorie sieht Aggressionen als Reaktionen auf Frustration und dementsprechend die Wut als Abreaktion der Aggression. Die Lerntheorie nach Albert Bandura stellt Aggression als erlerntes Verhalten und als Verhaltensmuster dar, das durch bestimmte Erfahrungen und das Lernen von Vorbildern antrainiert werde.

Immer wieder und immer häufiger gibt es Kids, die in bestimmten Situationen sehr aggressiv reagieren. Meist haben sie nicht gelernt mit eigenen und fremden Gefühlen gut umgehen zu können. Mit anderen Worten: Diese Kinder haben absoluten Nachholbedarf im Bereich des Umgangs mit Emotionen. Bereits vor langer Zeit hat Daniel Goleman den Begriff der Emotionale Intelligenz geprägt und darüber ein Fachbuch geschrieben.

In diesem Buch unterscheidet er fünf Kompetenzen, die Bestandteile der Emotionalen Kompetenz sind: eigene Gefühle erkennen und akzeptieren, Gefühle so handhaben dass sie der Situation angemessen sind, Emotionen beeinflussen um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, Empathie empfinden können, Beziehungen befriedigend leben können.

Howard Gardner (Psychologe an der Harvard School of Ecudation) prägte die dazu wichtigen Begriffe „Interpersonale Intelligenz“ und „Intrapersonale Intelligenz“ (Gardner, Howard: Multiple Intelligences: The Theorie of Practice. New York: Basic Books 1993.): Interpersonale Intelligenz ist die Fähigkeit, andere Menschen zu verstehen: was sie motiviert, wie sie arbeiten, wie man kooperativ mit ihnen zusammenarbeiten kann. Intrapersonale Intelligenz ist die entsprechende, nach innen gerichtete Fähigkeit. Sie besteht darin, ein zutreffendes, wahrheitsgemäßes Modell von sich selbst zu bilden und mit Hilfe dieses Modells erfolgreich im Leben aufzutreten.

Es scheint heute eindeutig, dass Emotionales Lernen einen Teilbereich des Sozialen Lernens darstellt und ein guter Umgang mit Agression und Wut in früher Kindheit oder auch später „erlernt“ werden kann. Ein wunderbares Buch, um konstruktive Bewältigungsprozesse von Wut und Aggression in Gang zu setzen, bietet das Buch “Spiele zum Umgang mit Aggressionen“ von Rosemarie Portmann. Dieses Buch enthält 152 einfache, aber auch komplexere Übungen für Kinder und Jugendliche. Es soll die Fähigkeit trainiert werden, wütende und aggressive Impulse beherrschen zu lernen und befriedigende Beziehungen zu anderen aufzunehmen und aufrecht erhalten zu können. Auch die Fähigkeit und Bereitschaft, konstruktives und friedfertiges Konfliktlösungsverhalten zu praktizieren, soll durch die Übungen gefördert werden. Für jede Gelegenheit und jede Gruppe findet man in der Vielfalt der vorgeschlagenen Übungen eine geeignete und passende.

Das obige Gedicht ist übrigens der Übung „Gesammelte Wut“ (Buch S. 24) entnommen., und die Übung Nr. 37 „Ärgernisse“ möchte ich Ihnen im folgenden zur Nachahmung empfehlen:

Jedes Kind schreibt auf, was es in einer bestimmten Situation oder im Umgang mit bestimmten Personen am meisten ärgert. Anschließend zeichnet es auf ein Blatt Papier einen großen Kreis, in dem die „Ärgernisse“ nach ihrer Bedeutung als größere oder kleinere Segmente eingetragen werden.

Die Zeichnungen werden zunächst in Kleingruppen, zum Schluss in der Gesamtgruppe verglichen und diskutiert. Die Gruppe erfährt auf diese Weise vielleicht, wodurch sich einzelne geärgert fühlen – und aggressiv reagieren – und was alle ärgert und deshalb ganz dringend geändert werden muss. (Buch S. 43)

Natürlich können Sie diese Übung auch alleine oder im Team durchführen.
Alles Gute dafür wünscht Ihnen Christa D. Schäfer

Emotionen lösen Farben aus und Farben lösen Emotionen aus …..

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen | Kommentare (0) | Autor:

Wann ist eine Frage eine gute Frage?

Montag, 4. April 2011 7:33

Eine Frage erfüllt immer zwei Funktionen und verbindet immer mindestens zwei Menschen miteinander. Derjenige, der fragt, ist neugierig, interessiert sich und will mehr wissen. Der Befragte hat etwas zu sagen, das interessant ist, bei dem anderen weitere Fragen auszulösen. Eine Frage ist im Sinne einer Lösungsorientierung eine gute Frage,

  • wenn sie nicht sofort beantwortet werden kann.
  • wenn sie Gedanken auslöst, die sich der Befragte bis dahin noch nicht gemacht hat.
  • wenn der Befragte Zeit braucht, um sich mit neuen Gedanken auseinanderzusetzen.
  • wenn die Frage neue Perspektiven eröffnet bzw. das Handlungsspektrum erweitert.
  • wenn die Frage ein Stück weit das System „verstört“, also eine Änderung hervorruft.
  • wenn die Frage eine neue Perspektive, neue Gedanken bzw. neue Lösungsmöglichkeiten herausfordert.

Fragen sind gut, wenn sie das Handlungs- und Denkspektrum des Befragten erweitern. „Die kleine Psychotherapeutische Schatzkiste“ von Andrea und Filip Caby stellt eine ganze Reihe von Fragetpyen und Interventionen für unterschiedliche Berufsbilder vor.

Was empfiehlt die Psychotherapeutische Schatzkiste …

… wenn ein Mediand mit dem Satz aufwartet:
„Sie sind unsere letzte Hoffnung“?

Dann wird dadurch einerseits deutlich, wie groß der Druck des Medianden ist, aber auch, wie groß der Druck für den Mediator sein kann. Druck im Prozess ist jedoch nicht gut, und mögliche Interventionen sind Sätze wie:

„Woran werden Sie merken, dass es gut war, Ihre letzte Hoffnung bei mir eingesetzt zu haben?“
„Wenn es stimmt, dass die Hoffnung zuletzt stirbt, muss ich mir dann jetzt Sorgen machen?“
„Wir sollten uns auf die „Vorletzte“ einigen!“
„Ich kann Sie beruhigen, nach mir gibt es auch noch jemanden.“

… wenn ein Mediand Ihnen als Mediator mitteilt:
„Wir haben schon alles probiert“?

„Alles ausprobiert“ heißt im Streitfall leider auch oft „zu früh aufgehört“. Deshalb lohnt es sich genauer hinzuschauen, zum Beispiel mit folgender Frage:

„Was von dem hat am besten funktioniert? Und was genau? Und was haben Sie da gerade anders gemacht?“

… einer Lehrkraft, die bei aggressivem Verhalten eines Schülers / einer Schülerin nicht weiterkommt und das Gespräch mit ihm / ihr sucht?

Sie empfiehlt für die gesamte Klasse die Nutzung von Ansätze wie Entspannungstechniken und den Aufbau sozialer Kompetenzen. Für das pädagogische Einzelgespräch mit dem aggressiven Schüler schlägt die Schatzkiste ein Repertoir aus fünf verschiedene Indikationen vor: Fragen nach Ausnahmen, Externalisieren, Zirkuläres Fragen, Beobachtungsaufgaben und So-tun-als-ob.

Beim Externalisieren kann gerade mit jüngeren Schülern gut im „Zwei-Instanzen-Modell“ gearbeitet werden. Eine Instanz des Schülers ist die des aggressiven Bösen, die zweite Instanz ist diejenige, die das Kind eigentlich sein möchte. „Ich habe den Eindruck, es gibt Zwei von Dir – der eine Part ist aggressiv, der andere ist nett.“ In meinen Arbeiten mit aggressiven SchülerInnen beschreiben viele der Schüler sogar selber diese Instanzen, indem sie darüber berichten, dass zwei kleine Männchen bzw. zwei Stimmen sie leiten. Während das eine Männchen sagt: „Schlag zu“, mahnt das andere Männchen „Sei ganz ruhig und besonnen.“ Manche Schüler bauen dieses Modell sogar so aus, dass sich die beiden Stimmen / die beiden Männchen unterhalten können und sie selber dadurch unterstützt werden, weniger aggressiv zu sein.

Es ist stets spannend, in diesem Bereich mit Schülerinnen und Schülern zu arbeiten !!

Die kleine Psychotherapeutische Schatzkiste ist übrigens ein sehr zu empfehlendes Buch von Andrea und Filip Caby aus dem Borgmann Media Verlag, das viele Tipps und Tricks für kleine und große Probleme vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter bereit hält. Es ist für Ärzte, Therapeuten, Behandelnde, Berater (LehrerInnen und MediatorInnen) geschrieben, die alle von den Hinweisen im Buch profitieren können. Das erste Kapitel des Buches enthält eine kurze theoretische Einführung zu Fragetechniken und zur Gesprächsführung. Wichtig zu wissen, dass die Gedanken im Buch einen systemischen Hintergrund haben. Der Klient / Patient / der zu Beratende wird nicht als isoliertes Individuum betrachtet, sondern mit alle dem herum, das man „System“ nennt. Es wird geschaut, wie aus einem Problemsystem ein Lösungssystem werden kann. Dazu werden in den nächsten Kapiteln ganz unterschiedliche und vielfältige Interventionen vorgeschlagen.

„Übrigens: Das Problem an sich ist auch schon eine versuchte Lösung!“ (Buch S. 19)

„Ein Symptom bekommt seine Bedeutung durch seinen Kontext.“ (Buch S. 21)

„Der Mensch kennt die Lösung seines Problems,
er weiß nur nicht, dass er sie kennt.“
(Milton Erickson)

Alles Gute für die Lösung Ihrer Probleme
wünscht Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

BuddYs aus Lichtenberg im Bundestag

Sonntag, 3. April 2011 0:11

Die Lichtenberger BuddYs arbeiten als Ordnungshelfer, PausenbuddYs, Streitschlichter, 1. Hilfe BuddYs, LesebuddYs, HausaufgabenbuddYs, HofbuddYs, SpielehausbuddYs, LernbuddYs und vieles andere mehr. Und weil dieses Engagement so ganz und gar nicht selbstverständlich ist, wurden die BuddYs aus den Lichtenberger Grundschulen mitsamt ihren Lehrerinnen sowie den Lichtenberg buddY-Koordinatoren Rainer Bäth und Dr. Wolfgang Steininger von der Abgeordneten Dr. Gesine Lötzsch in den Deutschen Bundestag eingeladen.

Lichtenberger BuddYs im Bundestag
Frau Dr. Lötzsch erkundigte sich, was die BuddYs so alles arbeiten und erklärte, dass es auch im Bundestag so manchen Streit gibt. Sie ließ sich von den Schülerinnen und Schülern in einem Rollenspiel demonstrieren, wie man Streit am besten schlichtet und beantwortete Fragen zu ihrer Arbeit als Politikerin. Beeindruckt waren die BuddYs vom Ambiente im Bundestag. Cool, nobel und modern fanden die BuddYs das Bundestagsgebäude; und begeistert waren sie natürlich von dem Rundgang im Gebäude sowie der Dachterasse und dem wunderbaren Blick von dort.

 

Mich als buddY-Trainerin hat es natürlich sehr gefreut, dass die BuddYs durch diesen Besuch eine Würdigung ihrer Arbeit erfahren haben. Deshalb kann ich nur sagen: Weiter so … !!!

Christa D. Schäfer

Thema: Schule in Berlin, Schulmediation, Soziales Lernen, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Konfliktprävention in Schulklassen – durch gezielte Entspannungsphasen

Montag, 28. März 2011 5:52

Eine Gruppe entwickelt sich und durchläuft verschiedene Gruppenphasen. Ein Gruppenprozess besteht aus einer Reihenfolge gleich langer oder unterschiedlich langer Arbeitsphasen. In einer Schulklasse besteht eine Arbeitsphase aus 45 oder 90 Minuten. In Arbeitsprozessen mit Erwachsenen sind 90 Minuten eine übliche Einheit. Nach einer Phase der Arbeit und der Anspannung folgt eine Phasen des Luftholens, eine Phase der Entspannung.

Die Lernphasen werden meist ganz intensiv geplant, die Entspannungsphasen werden den TeilnehmerInnen zur freien Verfügung überlassen. Mitunter macht es Sinn, die Phase der Entspannung gezielt zu gestalten. Dadurch gelangt eine Gruppe einerseits gut in eine neue Arbeitsphase hinein und sie kann andererseits meist auch nach einer kurzen Entspannungsübung gezielter und konzentriert weiter arbeiten.

Zur Phase der Entspannung gibt es Energizer, die die Gruppenenergie putschen. Es gibt jedoch auch Entspannungsgeschichten und Entspannungsspiele, die Erholungspausen für Körper und Geist versprechen und einem hektischen und stressbeladenen Alltag vorbeugen.

Im Don Bosco Verlag gibt es jetzt 50 Spiele für 100 % Entspannung (Buchpreis 5 €). Rosemarie Portmann stellt in diesem kleinen Büchlein Spiele vor zum Stillwerden und Stillsein, zum Spüren von Körper und Seele, zum Besinnen und Nachsinnen, zum Auspowern und Abschlaffen sowie zum Ablachen und Lockerwerden. Diese praktische Sammlung von Spielen (manche PädagogInnen ziehen den Begriff der Übungen vor) ist wie geschaffen für den KiTa-Bereich sowie die Klassenstufen eins bis vier. Ich selber habe bereits mit vielen Grundschulklassen gearbeitet und festgestellt, dass jede Klasse nach einer Weile ihre Lieblingsübung hat, die sie immer wieder wiederholen möchte.

Die Übung Nr. 14 aus dem Buch der Entspannungsspiele hat es mir besonders angetan. Ich werde sie bei nächster Gelegenheit mit einer Kindergruppe gerne durchführen, und vielleicht versuchen Sie es auch einmal. Die Übung „Leicht gemacht“ erinnert an die erste Stufe im Autogenen Training, denn sie ist eine „Schwereübung“:

„Du bist auf einer Wanderung. Du trägst einen schweren Rucksack. Der Rucksack drückt. Dein Rücken wird ganz krumm. Du stöhnst unter der Last. Du trägst schwere Stiefel. Deine Schritte sind schwer. Deine Knie lassen sich nur langsam heben, erst das linke, dann das rechte. Du bleibst stehen. Du bückst dich und setzt den Rucksack ab. Du reckst und streckst dich. Dein Rücken wird gerade. Du bückst dich wieder. Du ziehst die Schuhe aus, erst den linken, dann den rechten Schuh. Du schüttelst das linke Bein aus. Du schüttelst das rechte Bein aus. Du gehst ein Stück. Du gehst leicht und mit großen Schritten.“ (Portmann, Rosemarie: Die 50 besten Entspannungsspiele. München: Don Bosco 8. Aufl. 2010, S. 26 f.)

Die Übung kann eine Vorübung zum Autogenen Training sein, sie kann aber auch für sich stehen. An dieser Stelle kann sich eine „Wärmeübung“ anschließen, die Entspannung kann jedoch auch nach dieser kurzen Episode bereits beendet werden. Es kann sich eine Reflektion anschließen oder das Arbeiten wortlos weitergehen. Als Pädagogin / als Pädagoge entscheiden Sie (evtl. zusammen mit der Gruppe), was gut tut.

Ich wünsche Ihnen alles Gute für gezielte Entspannungsphasen !!

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen, Unterrichtsstörungen | Kommentare (0) | Autor:

Gruppenentwicklung und Kennenlernübungen

Montag, 21. März 2011 5:50

Eine Gruppe besteht aus mindestens drei Personen, die in unmittelbarer Beziehung zueinander stehen. Auch eine Schulklasse ist eine Soziale Gruppe. Sie kommt zunächst nur locker miteinander in Kontakt, tritt dann aber intensiv in den Austausch und in Verbindung miteinander. Eine Schulklasse ist zudem ein dynamisches System, denn in jedem Intragruppen-Konflikt müssen Standpunkte geklärt, Konflikte gelöst und neue Spielregeln ausgehandelt werden. In einer Schulklasse kommen mitunter Schüler dazu und es gehen andere Schüler weg, so dass sich das Gefüge in der Gruppe auch mitten im Schuljahr verändern kann.

Eine Gruppe entwickelt sich. Sie ist zunächst nur ein loser Verbund, in der jedes Gruppenmitglied vorsichtig die anderen Gruppenmitglieder betrachtet, dann werden die Beziehungen untereinander fester und am Schluss steht dann irgendwann die Auflösung der Gruppe und die Trennung. Jede Klassenlehrerin, jeder Gruppenleiter kennt diese Entwicklung.

Nach Bruce Tuckman (1965) gliedert sich der Entwicklungsprozess einer Gruppe in fünf Phasen:

  1. Orientierungsphase (forming)
  2. Konfrontationsphase (storming)
  3. Kooperationsphase (norming)
  4. Wachstumsphase (performing)
  5. Auflösungsphase (adjourning)

In der ersten Phase findet das Kennenlernen zwischen den Gruppenmitgliedern statt. Alle Mitglieder sind noch „vorsichtig“ und schauen, wo sie ihren Platz in der Gruppe finden. In der zweiten Phase werden Machtkämpfe ausgetragen und vielfältige Konflikte gelöst, es findet der Kampf um die informelle Führung statt. Nach gelungener Bewältigung dieser Phase folgt die dritte Phase, die Kooperationsphase, in der das Team zusammen wächst, und in der erstmals gut und intensiv miteinander gearbeitet werden kann. Die vierte Phase führt durch eine gelungene Kooperation der Gruppenmitglieder zu einer hohen Arbeitseffektivität; es herrscht eine hohe Gruppenkohäsion und eine hohe Arbeitsmotivation. Die fünfte und letzte Phase führt zur Trennung der Gruppenmitglieder und dem Auflösen der Gruppe.

In jeder Gruppenphase gibt es also eine besondere Entwicklungsaufgabe für die Gruppe. Für diejenigen, die sich intensiv der Anfangsphase widmen möchten, hat Josef Griesbeck für den Don Bosco Verlag die 50 besten Kennenlernspiele zusammengetragen. Die Spiele sind unterhaltsam und leicht anwendbar und gut für Kinder zwischen 4 und 12 Jahren geeignet. Es gibt Spiele für den Erstkontakt, Spiele zum Vertrautwerden, Spiele zum Kontakte knüpfen, Spiele um ins Gespräch zu kommen und Spiele zum Festigen von Beziehungen.

Ich möchte Ihnen gerne eine Übung aus diesem Buch vorstellen, die dem Vertrautwerden miteinander dient, jedoch nicht gleich zu Anfang der Orientierungsphase durchgeführt werden sollte. Die Übung heißt Wiegekreis und bietet vielen Kindern im Grundschulbereich ein besonderes Erlebnis.

Wiegekreis

Für alle Gruppen oder Gemeinschaften gibt es Augenblicke, die gute Voraussetzungen für das Wachsen von Vertrauen und Solidarität bieten. Mit dem Wiegekries kann das beginnen.
Die Kinder stehen mit herabhängenden Armen im Kreis und zwar so, dass man sich an den Oberarmen leicht berührt. Es wird bewusst gemacht, dass jedes Kind ein Glied in der Kette ist. Auch die Spielleiterin steht mit im Kreis und erklärt: „Augen bitte nun schließen und einige Male kräftig durchatmen! Es soll bei geschlossenen Augen ein Wiegekreis hergestellt werden, der Gestalt, dass sich schließlich alle gleichzeitig hin und her bewegen.“
Die Spielleiterin kann zwischendurch die Augen öffnen und dann zum Öffnen der Augen auffordern, wenn der Wiegekreis hergestellt ist. Auf diese Weise wird das gemeinsame Wiegen nicht nur gespürt, sondern auch gesehen.
(Griesbeck, Josef: Die 50 besten Kennenlernspiele. München: Don Bosco, S. 31)

Ich habe diese Übung kürzlich mit einer vierten Klasse durchgeführt und war beeindruckt von der Intensität, mit der einige Mädchen und Jungen diese Übung durchgeführt und genossen haben. Auch Ihnen und Ihren SchülerInnen wünsche ich viel Freude bei dieser Übung.

Christa D. Schäfer

Was soziale Akzeptanz mit Angst und Aggression zu tun hat?
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