Beitrags-Archiv für die Kategory 'Systemischer Ansatz'

Was hat soziale Akzeptanz mit Angst und Aggression zu tun?

Montag, 22. Februar 2010 5:54

Die beiden Phänomene Angst und Aggression haben einen engen Zusammenhang. Wird ein Menschen bedroht, so ruft das spontan bei ihm entweder Angst oder Aggression hervor. Und wird zunächst Angst hervorgerufen, so führt ihn dies entweder zur Flucht (flight) oder in die Aggression (fight).

Mit Aggression ist hier die mit Wut verbundene destruktive Aggression gemeint. Allgemein gesagt, dient die Aggression im ursprünglichen biologischen Sinn der Bewahrung der Unversehrtheit des eigenen Körpers und der Abwehr von Schmerz. Aus neurobiologischer Sicht lässt sich nicht nachweisen, dass die destruktive Aggression ein „Trieb“ ist. Sowohl Angst als auch Aggression sind vielmehr psychische und neurobiologische Zustände, die unter bestimmten Bedingungen abgerufen werden. Sie sind aber auch beide biologische Signale, die einem Menschen Bedrohung anzeigen und zugleich sein Verhaltensprogramm aktivieren, das ihn vor Gefahren schützen soll.

Absichtlich herbeigeführter physischer Schmerz ist immer direkter Auslöser für Aggression. Und wie die amerikanische Neuropsychologin Naomi Eisenberger herausgefunden hat, bewertet das menschliche Gehirn zugefügten körperlichen Schmerz auf die gleiche Weise wie soziale Ausgrenzung oder Demütigung. Das hat auch zur Folge, dass beides – physischer wie psychischer Schmerz – mit Aggression beantwortet wird.

Körperliche Unversehrtheit heißt also, auch sozial akzeptiert zu werden. Ausschluss und Erniedrigung sind aus psychologischer und neurobiologischer Sicht ein potentieller Aggressionsauslöser.

Kinder, die keine oder keine hinreichenden Erfahrungen sozialer Akzeptanz machen konnten bzw. machen, beantworten diesen Mangel aus einem unbewusst ablaufenden Mechanismus heraus mit erhöhter Aggressionsbereitschaft. Untersuchung haben ergeben, dass die stärksten Prädikatoren (Vorhersagefaktoren) für Gewalttätigkeit bei Heranwachsenden die selbst erlebte Gewalt und fehlende persönliche Bindungen sind.

Alles, was Menschen in Beziehungen erleben, wird vom Gehirn in biologische Signale verwandelt, wirkt sich auf Biologie und Leistungsfähigkeit unseres Körpers aus und beeinflusst unser Verhalten, was dann wiederum Rückwirkungen auf unsere Beziehungen hat. Da kommt das Stichwort der Spiegelneuronen ins Spiel …

Quelle dieser eben dargelegten Gedanken ist das Buch „Lob der SCHULE“ von Joachim Bauer, Medizinprofessor und Psychotherapeut. Er hat sieben Perspektiven für alle an Schule Beteiligten formuliert und sieht sein Buch als Grundlage für eine Neurobiologie der Schule an. Bauer formuliert 10 Regeln für einen Schulvertrag, beruhigt Eltern, indem er ihnen sagt, dass Erziehung nie „perfekt“ und stets „fehlerbehaftet“ sein wird, und ruft Lehrern zu:

„Wenige Berufe erfordern eine derart vielseitige Kompetenz wie die des Lehrers. Zu ihr gehören fachliches Können, starke persönliche Präsenz und Ausstrahlung und flexible Reagieren auf sich ständig verändernde Situationen genauso wie intuitives Gespür, Verständnis für völlig unterschiedliche Schülerpersönlichkeiten, Widerstandskraft, Geschick bei atmosphärischem Gegenwind und – vor allem – Führung.“ (Bauer, S. 51)

Den Lehrerberuf sieht Joachim Bauer in einer Balance zwischen verstehender Zuwendung und Führung. Dabei bedeutet verstehende Zuwendung, den einzelnen Schüler sowohl unter dem Aspekt seines schulischen Könnens, als auch ihn vor allem als Person zu sehen. Führung bedeutet für ihn die Notwendigkeit, Werthaltungen zu vertreten, Ziele zu formulieren, Schüler zu fordern, Kritik zu üben, SchülerInnen Mut zu machen und sie zu unterstützen. Das “Lob der SCHULE“ ist wunderbar geschrieben und bietet viele Argumentationsketten, die das Feld der Schule mit den Bereichen der emotionalen und sozialen Kompetenz verbindet. Es ist hoch wissenschaftlich, bietet andererseits aber auch vollkommen praktische Anregungen für die Erziehung. Mit anderen Worten, dieses Buch ist derzeit fast so etwas wie ein „Muss“ unter Pädagogen …

Übrigens wirkt sich die soziale Akzeptanz von Kindern auch auf die spätere Gesundheit aus. Forscher einer Studie des Centre for Health Equity Studies in Stockholm verfolgten die Entwicklung von 14000 Kindern des Jahrgangs 1953 ab dem sechsten Schuljahr über 30 Jahre. Sie fanden heraus, dass Erwachsene, die in ihrer Kindheit ausgegrenzt waren, neunmal häufiger an Herzkrankheiten litten und viermal häufiger an Diabetes als ehemalige gut integrierte und gemochte Kinder. Verhaltensstörungen und psychische Erkrankungen traten bei ihnen doppelt so häufig auf. Kurz gesagt kann man also sagen, dass je beliebter ein Kind unter Gleichaltrigen ist, desto gesünder ist es in seinem späteren Leben. Die Apotheken Umschau 1/2010B berichtete kürzlich darüber.

Was nützt also die heutzutage fast mantrahafte Wiederholung des Begriffes Disziplin? Wir müssen vielmehr statt dem Disziplinbegriff der zunehmenden Beziehungs- und Bindungslosigkeit, in der Kinder und Jugendliche heute heranwachsen, massiv und wirksam entgegen treten, um das Gewaltproblem in der heutigen Gesellschaft und in den heutigen Schulen in den Griff zu bekommen!

Ja, und die Eingangsfrage, was soziale Akzeptanz mit Angst und Aggression zu tun hat, kann also eindeutig beantwortet werden:

Kinder ohne soziale Akzeptanz gehen in die Aggression.
Und umgekehrt: Aggression wird ebenso wie die Angst durch Bedrohung hervorgerufen.

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

Mit „Ich schaffs!“ gibt es einen Weg von den Problemen zu den Fähigkeiten

Montag, 25. Januar 2010 6:01

„Ich schaffs“ hat viel mit der Thematik der Mediation gemeinsam.

Es ist ein Programm, das auf dem lösungsorientierten Ansatz beruht, dass Kinder eigentlich keine Probleme haben, sondern nur Fähigkeiten, die sie erlernen und verbessern können. Kinder und Jugendliche mit Problemen können anhand von 15 aufeinander folgenden Schritten lernen, Schwierigkeiten konstruktiv zu überwinden – seien es Verhaltensprobleme, Aufmerksamkeitsstörungen, Ängsten oder schlechte Angewohnheiten. Basierend auf Ben Furmans Konzept gibt es dazu zwei fantastische Bücher, mit denen dieser Ansatz zum einen für Kinder und zum anderen für Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren aufgearbeitet ist.

Ich schaffs basiert auf der Systemtheorie von Gregory Bateson, nach der Probleme in einem System aus dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren des Systems resultieren und nicht durch eine einzige Ursache entstehen. Daher können Lösungen auch nur unter Beachtung dieser Faktoren entwickelt werden. Auch die Mediation steht in der systemischen Tradition – manche Ausbildungsinstitute betonen dies, indem sie ihr Angebot systemische Mediation nennen.

Eine Gemeinsamkeit, die diesen Zweig der systemischen Pädagogik mit der Mediation und auch dem Buddy-Projekt eint, ist, dass eine weitere Person als „Helfer“ zu Hilfe geholt wird. Ist es in der Mediation der Mediator und im Buddy-Projekt ein anderer Schüler, so können das beim Ich schaffs durchaus mehrere Personen sein, die zu Helfern und Unterstützern werden. Schwierige Aufgaben, also Probleme und Konflikte, lassen sich am besten bewältigen, wenn uns andere helfen – so die Devise. Und Lösungen findet nur diejenige Person, die das Probleme bzw. den Konflikt besitzt – auch das ist bekannt.

LehrerInnen, SozialpädagogInnen, ErzieherInnen, HortnerInnen und Eltern finden mit dieser Methode einen Weg, Kinder und Jugendliche in ihren Potentialen zu stärken und den Weg von den vorhandenen Problemen zu den möglichen Fähigkeiten zu lenken. „Mein Sohn lässt immer seine Schultasche mitten im Flur stehen.“ „Mein Schüler ruft immer dazwischen.“ „Diese Schülerin schafft es nicht, ruhig auf ihrem Stuhl zu sitzen.“ „Ich will dieses und jenes Ziel erreichen …“

Probleme über Probleme. Ich schaffs bietet die Förderung sozialer Kompetenzen und die Förderung von Lerninhalten. Eine Kultur der Kooperation und der gegenseitigen Hilfe ist möglich. Auch eine Mediation bietet einen Weg der Veränderung von Konflikten zu kreativen und konstruktiven Lösungen.

Ach ja, und falls Sie jetzt die 15 Schritte im Veränderungsprozess wissen wollen, die sind folgende:
Das Leben als Zeitreise betrachten.
Sich Ziele setzen.
Nach dem Nutzen schauen.
Fähigkeiten erlernen.
Helferinnen und Helfer suchen.
Motto und Symbol finden.
Gründe für Optimismus suchen.
Zuversicht fördern.
Einen Stufenplan erstellen.
Los geht’s.
Ein Logbuch führen.
Sich auf Rückschläge vorbereiten.
Feier und Dank vorbereiten.
Neu erlernte Fähigkeiten weitergeben.
An die Zukunft denken.

Interessiert am Thema Konfliktbearbeitung und Soziales Lernen im Klassenzimmer?

Christa D. Schäfer

Thema: Konflikte, Konfliktlösung, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

„Kommunikation ist …

Montag, 18. Januar 2010 7:11

… der Stoff, aus dem soziale Systeme bestehen. Indem wir uns in die etablierten Kommunikationsweisen einfädeln, werden wir zu Mitgliedern eines Systems und nehmen an dessen kontinuierlichem Bemühen um Sinnklärung und Sinnfortschreibung teil.

Für Systemiker bedeutet dies, dass für sie die Kommunikation das ist, was es zu fördern und zu erhalten gilt, nicht das Rechthaben und Bescheidwissen in der Kommunikation selbst. Sie wissen um die Begrenztheit ihrer eigenen Deutungen und sind deshalb weniger darum bemüht, Ratschläge zu geben als vielmehr Selbstklärungsprozesse (‘Suchbewegungen’) zu initiieren.“

Autoren dieser Zeilen sind der Pädagoge und systemische Berater Prof. Dr. Rolf Arnold sowie die systemische Beraterin Beatrice Arnold-Haecky. Beide haben das hervorragende Buch „Der Eid des Sisyphos. Eine Einführung in die Systemische Pädagogik“ (obiges Zitat von S. 93) geschrieben. Neben anderen Kapiteln widmet dieses Buch auch ein Kapitel dem Thema „Kommunikation und Unterricht“ sowie dem „Konflikttraining in der Schule“.

Zu Störungen der Kommunikation in der Schule berichten Arnold und Arnold-Haecky u.a., dass wir uns bei einer Kommunikation immer ein Bild vom Empfänger einer Nachricht machen und unseren Kommunikationsstil diesem anpassen. Das Bild, das wir uns gestalten, ist dabei immer ein Produkt von dem, was „ist“, kombiniert mit dem, was wir darüber denken. Dabei treten drei Verfälschungs-Mechanismen auf:

Projektion:
Es wird am anderen vehement das bekämpft, was man an sich selber nicht mag. Bsp.: Ich falle gerne anderen ins Wort, um meine Meinung schnell kund zu tun. Bei meinen LehrerkollegInnen kann ich diese Verhaltensweise jedoch schon mal gar nicht leiden.

Übertragung:
Ein Gegenüber erinnert uns (meist unbewusst) an einen anderen Menschen und wir reagieren in einer „alten Weise“ darauf. Bsp.: Schon bei meinem Bruder konnte ich nicht leiden, dass er …, und jetzt macht dieser Schüler ganz genau dasselbe.

Unrepräsentativer Kontakt:
Es entsteht ein einseitiges Bild meines Gegenübers in der Kommunikation, da ich diesen ja nur in einer Situation kenne und wahrnehme. Bsp.: Ich kenne Max nur aus meinem Deutschunterricht, nicht aber in seinem Engagement für beispielsweise die evangelische Kirche oder für ältere Mitmenschen.

Bedenken sollte man bezüglich der Kommunikation im Schulkontext auch:

„Nichts existiert für uns, bis wir in Beziehungen eintreten!“
(Der Eid des Sisyphos, S. 102)

„Optimale Kommunikation ist nur dann möglich, wenn wir dem anderen vermitteln, dass wir ihn als Person annehmen.“
(ebenda)

Ja, und falls Sie noch kurz vor der Vergabe der Halbjahreszeugnisse mit einer oder einem Beteiligten am System Schule einen „Zwischenfall“ hatten, über den Sie sich arg geärgert haben, so bietet die folgende Übung aus dem hier besprochenen Buch einen guten Weg zur Reflexion der Situation und zu einer möglichen Veränderung der Kommunikationsmethodik in einer ähnlich gelagerten neuen Situation.

„Denken Sie an einen ‘Zwischenfall’ in Ihrem schulischen Kontext, bei dem Sie sich über Ihr Gegenüber geärgert haben, und beantworten Sie für sich folgende Fragen:
Was hat der andere gesagt oder getan?
Wie haben Sie dies interpretiert?
Welches Bild haben Sie von diesem Menschen?
Wie hat dieses Bild Ihre Interpretation des Geschehens beeinflusst?
War in Ihren Reaktionen eine negative Bewertung Ihres Gegenübers spürbar?
Haben Sie sich selbst durch Ihr Gegenüber negativ bewertet gefühlt?
Haben Sie ihm gezeigt, wie Sie seine Worte oder sein Handeln interpretieren und was diese Interpretation bei Ihnen auslöst, oder haben Sie sich hinter allgemeinen Aussagen, Vorwürfen oder Unnahbarkeit versteckt?“

“Der Eid des Sisyphos” von Arnold und Arnold-Haecky bietet vielfältige Gedankenanregungen und Übungen und es ließe sich noch etliches über dieses kluge Buch zur Einführung in die Systemische Pädagogik schreiben. Für Frühjahr habe ich einen Blog-Artikel geplant über die fünf Leitsätze des systemischen Denkens und Handelns, die im Buch interessant, schul-nah und für alle gut verständlich formuliert sind …

Rolf Arnold hat übrigens auch darüber geschrieben, wie die Systemische Pädagogik zur DISZIPLIN steht …
Viel Spaß beim Weiterlesen
wünscht Christa D. Schäfer

Thema: Kommunikation, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

Kevin und die Unterrichtsstörungen

Mittwoch, 7. Oktober 2009 19:51

Manchmal entscheidet wohl schon der Vorname darüber, ob ein Schüler den Unterricht stört oder nicht – so lautet grob gesagt das Resümée einer Untersuchung von Julia Kube.

Es scheint tatsächlich so zu sein, dass Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer bestimmte Vornamen mit Vorurteilen belegt haben. Kevin gilt demnach als Prototyp eines verhaltensauffälligen Kindes. Auch bei Justin, Mandy und Chantal haben die LehrerInnen gleich ein besonderes Bild vom Kind im Kopf.

Aus dem angloamerikanischen oder französischen Sprachraum stammende Vornamen (Marcel, Yves oder eben Yustin) werden vielfach mit Lernschwäche, mangelndem Interesse und schlechtem Sozialverhalten verbunden. Klassische deutsche Vornamen (Agnes, Sophie, Anna, Charlotte) wecken bei LehrerInnen dagegen meist positive Assoziationen wie Intelligenz, Lernbereitschaft und gutes Sozialverhalten.

Die Untersuchung wurde an der Oldenburger Arbeitsstelle für Kinderforschung durchgeführt und von der Pädagogik-Professorin Astrid Kaiser betreut. In einem Interview mit Spiegel Online berichtet Kaiser: „Was mich bei der Studie allerdings überrascht hat, war die Deutlichkeit und die Schärfe, mit der die befragten Lehrer über bestimmte Namen urteilen – und mit welcher Bestimmtheit sie davon ausgehen: Das ist kein Vorurteil, das ist eigene Erfahrung, das ist die Wahrheit.“ … Da muss doch dann sofort das Stichwort der self fulfilling prophecy fallen …

Wie türkische und arabische Namen in der Klassenliste auf GrundschullehrerInnen wirken, wurde leider nicht untersucht. In Berlin sind es beispielsweise die Namen Mohammed und Hamudi, die für die Vorstellung massiver Unterrichtsstörungen stehen.

Interessant nachzulesen ist sowohl der Bericht zur Forschung von der Uni Oldenburg, als auch natürlich die ausführlichen Ergebnisse der gesamten Studie.

In Oldenburg wird in der Lehreraus- und -weiterbildung das Anti-Bias-Training eingesetzt. PädagogInnen können hier lernen, eigene Vorurteile zu überwinden. Das sollte Schule in weiteren Universitäten – und natürlich auch in Schulen – machen.

Und natürlich sollten LehramtsstudentInnen und ReferendarInnen vor der Praxisphase über das Thema Unterrichtsstörungen informiert werden, immer mehr Hochschulen und Universitäten gehen dazu über, das Thema Unterrichtsstörungen systemisch zu betrachten und in den Lehrplan mit aufzunehmen.

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konflikte, Systemischer Ansatz, Unterrichtsstörungen | Kommentare (1) | Autor:

Liebesaffären zwischen Problem und Lösung

Montag, 5. Oktober 2009 7:07

„Wer einigermaßen der Gleiche bleiben will, muss sich ständig verändern.“
Gunther Schmidt 2007

Leider gibt es immer mal wieder Medianten, die zwar einen Konflikt “gelöst haben möchten”, aber nicht bereit sind, sich zu verändern. Dann passiert es natürlich allzu oft, dass die Mediation “misslingt”.

Aus systemischer Sicht ist jedes Phänomen, jedes menschliche Erleben (und damit auch jeder Konflikt) nur dann sinnvoll verstehbar und konstruktiv be(ver-)handelbar, wenn es in seinem Kontext (seinem Situationszusammenhang) beschrieben wird, in den es eingebettet ist.

Mediation ist also per se systemisch. Individuelle Erlebens- und Verhaltensprozesse müssen als Phänomene aufgefasst werden, die sich in Interaktionsnetzwerken zwischen Menschen ereignen. Alle an einer Interaktion Beteiligten üben wechselseitig (oft synchron) Einfluss aufeinander aus, und sie bestimmen auch immer wechselseitig die jeweiligen Bedingungen der anderen im Interaktionsfeld. Permanent wirken sie mit all ihren Beiträgen als intensives Feedback füreinander. Man spricht diesbezüglich von zirkulären Prozessen, denn jedes Verhalten jedes Beteiligten ist gleichzeitig Ursache und Wirkung des Verhaltens der anderen Beteiligten. Das „Sosein“ eines Verhaltens wird als Teil eines Wechselwirkungsprozesses verstanden.

Gunther Schmidt, von dem obiges Anfangszitat stammt, plädiert dafür, dass Prozesse, die bisher ein „Problem“ oder „Symptom“ beschrieben und bezeichnet haben, auf eine andere Ebene zu holen sind und in einer kompetenzfokussierenden Perspektive beleuchtet werden sollten. Ähnlich ist in der Mediation der Gedankengang, die Konflikte nicht als etwas Schweres, Beladenes und damit als Defizit zu sehen, sondern sie als (oft unterbewusste) Interventionen im Dienste bestimmter Bedürfnisse zu verstehen.

Schmidt will in seinem Bereich der Beratung und Therapie weg von der Problemtrance. Gerade, wenn man etwas schon länger als Problem erlebt, zeigt die hypnotherapeutische Erfahrung, engt sich der Wahrnehmungsprozess der Betroffenen besonders ein und ihre Erlebnisprozesse sind intensiv mit den Problemmustern assoziiert. Man kreist um das Problem und es fallen einem meist nur Lösungsstrategien ein, die das Problem geradezu stabilisieren.

Wir Menschen existieren jedoch nicht als statische Wesen, sondern wir er-finden und er-zeugen uns permanent Sekunde für Sekunde wieder neu, unsere Aufmerksamkeitsfokussierung bestimmt dafür den Weg. Darum ist es nach Schmidt auch ganz wichtig, als Therapeut (in unserem Zusammenhang als Mediatorin oder Mediator) die Klienten (Medianten) als komptenzfokussierendes, zieldienlich wirksames Kooperationssystem aufzubauen. Dies fordert eine unbedingte Orientierung auf Kompetenzen, Ressourcen und Lösungen und es können so „neue Realitäten“ geschaffen werden.

Die Aufgabe lautet (im Sprachgebrauch Gunther Schmidts) den gesamten Prozess der Arbeit so zu gestalten, dass er zu einem Kontext der Wertschätzung, Sicherheit, von Wohlgefühl und von optimalem Flow-Erleben wird. Auch das ist ein Satz, den die meisten MediatorInnen sicherlich bedenkenlos unterschreiben würden.

Wer hätte also gedacht, dass die hypnosystemische Arbeite von Gunther Schmidt so viele Ähnlichkeiten zur systemischen Medition aufweist?!

Hypnosystemisches Arbeiten meint dabei eine von Schmidt entwickelte spezifische Form der Integration systemisch-konstruktivistischer Konzepte mit dem ericksonschen Hypnosetherapiekonzept. Die Anwendungsfelder liegen zwischen dem Feld der Psychotherapie und der Beratung von Individuen, Teams und Organisationen – und ähneln dem mediativen Verfahrensprozess. Es ist hoch spannend, das von Schmidt geschriebene Buch Liebesaffären zwischen Problem und Lösung aus dem Carl-Auer Verlag mit den Augen einer Mediatorin, eines Mediators oder unter dem Blickwinkel des mediativen Arbeitens zu lesen und dabei Parallelen sowie Unterschiede auszumachen.

Eigentlich müsste sich die Mediation auf den Weg begeben und sich mit den Vertretern des systemischen Ansatzes stärker vertraut machen, austauschen und verbinden. Der Gewinn läge sicherlich auf beiden Seiten. Aber wer übernimmt die Aufgabe? Sie wäre hervorragend für eine Master- oder sogar eine Doktorarbeit geschaffen!

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konfliktlösung, Konfliktmanagement, Literaturempfehlungen, Mediationsverfahren, Systemischer Ansatz | Kommentare (3) | Autor:

Disziplin und Soziales Lernen

Montag, 7. September 2009 6:19

Disziplin, das ist ein traditionsbelasteter Begriff, der dem Kasernenhof entstammt und die Vorstellung des „unbedingten“, möglicherweise auch blinden Gehorsams impliziert. Immer wieder kommt dieser Begriff auch mit der Pädagogik in Verbindung.

So auch in letzter Zeit wieder verstärkt. Immer noch steht das Buch „Lob der Disziplin“ von Bernhard Bueb in den Bestsellerlisten. Das Buch, das sich grundsätzlich und engagiert gegen das Bild von Erziehung wendet, das Bueb verbreitet, hat es leider bisher noch nicht in die Top 10 geschafft, ist in Fachkreisen allerdings hoch angesehen.

Ich spreche hier von Rolf Arnolds Buch “Aberglaube Disziplin“ aus dem Carl-Auer Verlag. Rolf Arnold spricht vom Begriff der Disziplin als „Erleichterungsbegriff“ für gestresste ErzieherInnen, Eltern und LehrerInnen; als Begriff, der das heimliche Versprechen gibt, endlich Handlungsgewissheit, Wirksamkeit und Ruhe zu verschaffen. Aber aufgepasst: Nach diesem Modell funktionieren autoritäre Gesellschaften, während demokratische Gesellschaften der Auseinandersetzungen und des Ausgleichs bedürfen.

Für Situationen mit schwierigen Schülern oder schwierigen Situationen in der Schule wird auch immer wieder der Begriff der „Disziplinstörung“ verwendet. Während dieses Wort eher dem Lehrer die Schuld an der Situation gibt, da er nicht „durchgreifen“ kann – weist das Wort der „Verhaltensauffälligkeit“ eher dem Schüler oder der Schülerin die Schuld zu, da sie sich „nicht richtig“ verhalten. Der eher neutrale Begriff der Unterrichtsstörung meint dagegen die Betrachtung des Unterrichts und des Systemgefüges einer schwierigen Situation und ist daher der Begriff, der am ehesten der Situation gerecht wird.

„Wer diszipliniert wird, ist mundtot. Wer einer Disziplin unterworfen wird, handelt nicht aus Überzeugung. Disziplin ohne Selbst führt zu einer Entfremdung vom Selbst.“ (Arnold S. 15)

„Ein Kind, das sich in seinen eigenen Handlungen nicht zu spüren vermag, weil es kein liebevoll akzeptierendes Gegenüber hat, kann kein Bild von sich selbst entwickeln. Doch ohne ein solches Bild von sich selbst kann auch Selbstdisziplin nicht wirklich entstehen …“ (Arnold S. 23)

Erziehung, oder soll ich besser sagen: Die Ermöglichung eines Sozialen Lernens ist also nicht Drill oder Disziplin. Erziehung, oder soll ich sagen: Die Ermöglichung eines Sozialen Lernens erfordert Nachdenken, Reflexion und Aufklärung.

Sind Kinder und Jugendliche wirklich „schwierig“ oder befinden sie sich nicht auch in „schwierigen Situationen“, die sie sich selber nicht aussuchen konnten?

All denjenigen, die Erziehung als Dialog mit der absoluten Notwendigkeit einer gegenseitigen Wertschätzung auffassen, denen sei dieses Buch von Rolf Arnold als „Stärkung“ empfohlen – allen anderen als ein Instrument zum Nachdenken und eventuell sogar Überdenken ihrer Position!

Was für ein fantastisches Konzept bietet die Systemische Pädagogik, auf deren Grundlage das Buch geschrieben ist: Eine Pädagogik, die die Vielfalt und Wechselbezüglichkeit des Erzieherischen kennt. Sie sieht in der Selbstreflexion von Eltern, Lehrern und Erziehern sowie der Erweiterung ihrer pädagogischen Vielfalt eine große Chance und will die Professionalität der Erziehung in Deutschland stärken. Komplexe Probleme benötigen komplexe und differenziert begründete Antworten!

Pure Disziplin als Lösung für Unterrichtsstörungen? Nein danke. Wo bleibt da das Verständnis für unser Gegenüber, das Verständnis für uns selber, die Reflexion der Situation und damit die Chance zur Veränderung und Verbesserung von Schule?

Ohne Begegnung findet keine Erziehung und kein soziales Lernen statt. Also: Geben wir Kindern und Jugendlichen, Freunden und unser Familie Zeit, Gespräche und Begegnungen! Lassen Sie uns mehr Wert auf Erziehung und soziales Lernen durch Beziehungen legen!

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktberatung, Konflikte, Literaturempfehlungen, Soziales Lernen, Systemischer Ansatz | Kommentare (2) | Autor:

Berlin: Myfest und 1.-Mai-Demo 2009

Montag, 4. Mai 2009 7:32

Erst gab es das Myfest in Berlin Kreuzberg, dann begann abends die so genannte „Revolutionäre 1.-Mai-Demo“ mit ca. 5000 Teilnehmern.

Auf dem Myfest halfen 200 Kreuzberger Jugendliche aus den Kreuzberger Jugendclubs der Polizei, die Stimmung ruhig zu halten und Krawalle nicht aufkommen zu lassen. Sie hatten zuvor in einige Seminare allgemeine Informationen zum 1. Mai erhalten und bei der Polizei in Rollenspielen gelernt, wie man Streit schlichtet. Mit Namensschildern und dem Hinweis auf ihre Security-Tätigkeit haben die jungen Wachleute stolz ihre Aufgaben versehen. Damit haben die Jugendlichen einen Teil der Verantwortung für ihren Kiez übernommen, sie haben als Experten in eigener Sache sicherlich die richtigen Worte bei ihnen bekannten Jugendlichen getroffen und so zur Deeskalation beigetragen. Wer weiß, vielleicht hätten einige ohne diese ihre Aufgabe sonst sogar selber bei den Krawallen mitgemacht …

Auf der Revolutionären 1.-Mai-Demo am Abend brach dann bereits zwei Minuten, nachdem sich diese Demo am Kottbusser Tor in Bewegung gesetzt hatte, Gewalt aus. Die Anti-Konflikt-Teams (AKT’s) der Polizei, die mit im Demonstrationszug gingen, wurden mit Flaschen beworfen. Die Stimmung war aggressiver als in den letzten Jahren, der Steinhagel extremer. Dennoch konnte verhindert werden, dass die Randale ausuferte, denn die Feiern auf dem Myfest gingen weiter …

Christa Schäfer

Thema: Gemeinwesenmediation, Konflikte, Konfliktmanagement, Konfliktprävention, Systemischer Ansatz | Kommentare (3) | Autor:

Die VW-Regel in der Kommunikation

Montag, 2. März 2009 5:29

Die Sprache ist ein wesentliches Element in der Mediation. Und zur Sprache bzw. zur Intervention durch Sprache bzw. zu minimalen Interventionen mit maximaler Wirkung ist mir gerade ein fantastisches Buch in die Hände gefallen: Die MiniMax-Interventionen von Manfred Prior aus dem Carl-Auer Verlag.

Dieses Buch richtet sich vornehmlich an Psychotherapeuten, Berater, Supervisoren, Coachs und Organisationsentwickler. Meiner Meinung nach darf bei dieser Aufzählung die Berufsgruppe der MediatorInnen jedoch nicht fehlen!

Die VW-Regel hat meine Mediationsausbilderin bereits in meiner Ausbildung stets betont, allerdings natürlich nicht als solche benannt: „Hinter jedem Vorwurf steckt ein Wunsch!“ Bei Prior in der MiniMax-Intervention Nr. 15 heißt dies: „Aus V mach W.“

Wie oft gibt es Medianten, die sich gegenseitig Vorwürfe an den Kopf werfen: „Nie hilfst du mir im Haushalt …“ oder „Und wenn ich nach Hause komme, dann sitzt du immer vor dem Fernseher oder quatscht mit deinen Freundinnen am Telefon …“ So geht es in manchen Ehen zu, es gibt Vorwürfe über Vorwürfe, und in den allermeisten Fällen tut der Weg in die Mediation, der Weg zu einer Änderung der Kommunikation bzw. der Schritt zur Lösung dieser Kommunikationsstörung gut. Wie anders klingt es hingegen, wenn sie sagt: „Ich wünsche mir, dass du mehr im Haushalt hilfst und zum Beispiel Dienstags das Altpapier in die Tonne bringst.“ Und er könnte dann sagen: „Und ich wünsche mir, dass du mich begrüßt, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme und dich mit mir gemeinsam an den Tisch setzt, um die Neuigkeiten des Tages zu besprechen.“ Das klingt doch schon viel anders als die Vorwürfe und wird natürlich – da freundlicher und gezielter formuliert – auch eher angenommen und berücksichtigt.

Übrigens steckt in diesem Beispiel auch die MiniMax-Intervention Nr. 4, denn „immer“ stimmt in den meisten Situationen nicht. Sagt sie: „Immer brüllst er mich an!“, so kann das gar nicht sein. Durch bedacht formuliertes Spiegeln und Fragen kann der Mediator dieses „immer“ auf seine tatsächliche Größe zurückschrauben: „In der Vergangenheit hat er Sie oft angebrüllt. Wann war das letzte Mal, an das Sie sich erinnern können, und was ist da passiert …“ Nach Klärung dieser Situation kann dann der Mediator weitergehen und Situationen erfragen, wann die Kommunikation gut geklappt hat, wie sich dies angefühlt hat, was dieses Gespräch ausgemacht hat usw. Da kommt dann das zu mediierende Paar einer Lösung schon viel näher.

Die MiniMax-Interventionen von Manfred Prior bringen mit einem Mini-Leseaufwand einen maximalen Gewinn für MediatorInnen. Die Reflexion der eigenen Kommunikation in der Mediation wird mit Hilfe der vorgeschlagenen Interventionen riesig spannend. Auch für den Alltag und das tägliche Miteinander in Familie und Beruf kann man diesem Buch viel Gewinnbringendes entnehmen.

Ach, und übrigens sorgt in dem Buch ein kleine Bär mit seiner radikalen Form der deutschen Rechtschreibung für echten Lesegewinn: „’n tolles Buch hap ich da grad inne Finger gekricht!“

Auf der auf der Homepage der Regionalstelle Frankfurt der Milton Erickson Gesellschaft können Sie in das Vorwort sowie in zwei weitere Interventionen hineinschnuppern. Ein MiniMax-Buch für Lehrer ist übrigens gerade in der Entstehung – ich freue mich schon jetzt sehr darauf. Und falls Sie sich für „Fragen in der Mediation“ interessieren, schauen Sie doch hier in diesem Blog auf den entsprechenden Artikel.

Christa Schäfer

Thema: Familienmediation, Kommunikation, Konfliktberatung, Konfliktlösung, Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Systemischer Ansatz | Kommentare (1) | Autor:

Unkonventionelle Methoden der Konfliktprävention und -intervention

Montag, 27. Oktober 2008 8:54

oder: Der Mitternachtssport und die Buurtväter

In Berlin Spandau gibt es seit ca. einem Jahr eine unkonventionelle Methode der Konfliktprävention: den „Mitternachtssport“. Das von dem Sozialarbeiter Ismail Öner initiierte und betreute Projekt hat dafür gesorgt, dass eine Turnhalle in Spandau-Wilhelmstadt Freitag nachts bis 3 Uhr für Jugendliche geöffnet hat. Jetzt tummeln sich die 14- bis 20jährigen nicht mehr am Wochenende auf der Straße, sondern treiben Sport. Neben der sportlichen Betätigung lernen sie Fair Play, Teamwork und verbindliche Regeln. Viele jugendliche Migranten haben früher auf der Straße „abgehangen“ und aus lauter Langeweile „Scheiße“ gemacht. Jetzt gibt ihnen der Sport Beschäftigung und Lebensfreude. Seitdem sind nach den Angaben des zuständigen Polizeiabschnittes die Straftaten in der Gegend spürbar zurückgegangen. Also lautet die Devise: Konfliktprävention und weniger Gewalt durch mehr Sport.

Die Idee zum Mitternachtssport kommt aus New York und den Pariser Banlieues. In Großstädten wie Hannover, Frankfurt am Main und Köln gibt es Mitternachtssport schon seit Jahren. In Berlin hat das Projekt in Spandau große Erfolge gezeigt und demnächst werden dort weitere drei Turnhallen für den Mitternachtssport geöffnet. Dennoch ist an eine flächendeckende Anwendung dieses Konzeptes zur Konfliktprävention in Berlin vorerst nicht gedacht.

In Amsterdam-West/Niederlande gibt es seit seit einigen Jahren eine unkonventionelle Methode der Konfliktintervention: die marokkanischen Buurtvaders. Dieses von marokkanischen Vätern initiierte Projekt hat zum Ziel, die Sicherheit im Stadtviertel zu erhöhen, indem sie junge Männer von der Straße holen und sie in ihren Zukunftsperspektiven unterstützen. Die Zielgruppe des Projektes sind ebenfalls jugendliche Migranten. Die marokkanischen Väter (Buurtvaders) machen abendliche Rundgänge durch die Straßen und sprechen hierbei Jugendliche und Jugendgruppen u.a. auf ihr andere Menschen beeinträchtigendes Verhalten an. Der Einstieg ins Gespräch folgt auf indirekte Weise durch ein Gespräch über das Wetter, über Fußball oder die Schule. Erst danach wird mit einer wertschätzenden Haltung Kritik geäußert. Die Jugendlichen werden eingeladen zu Fragen bezüglich der Reflexion ihres Verhaltens, ihrer Verantwortung gegenüber ihrer direkten Umgebung sowie sich selbst. So übermitteln die Väter Werte und Normen auf eine respektvolle Weise, ohne die Jugendlich moralisch zu verurteilen oder einen Machtunterschied auszuspielen.

Partizipation und das Mitgestalten-Können der eigenen Umgebung und der eigenen Möglichkeiten sieht das Projekt als ein gutes Mittel, eine weitere Radikalisierung der Migrantenjugend zu verhindern. Auch hier in diesem Projekt sind die Gewalttaten im Stadtteil deutlich zurückgegangen. Die Väter haben ihre eigenen Interessen selber in die Hand genommen und sorgen sowohl für Intervention als auch Prävention im Konfliktfall. In einem neu erschienenen Büchlein der Stiftung Mitarbeit sowie auf folgender Internetseite gibt es mehr Informationen zum Thema.

Nicht auf Stadtteilebene, sondern auf Schulebene Gewalt und Sucht durch Tätigkeit und Lebenssinn vorbeugen, das will das Buddy-Projekt. Mehr zu diesem Projekt zur Förderung sozialer Handlungskompetenz für Schüler in Schulen auch in diesem Blog.

Christa Schäfer

Thema: Konfliktprävention, Literaturempfehlungen, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor:

Kinder(konflikte) in Berlin

Donnerstag, 18. September 2008 13:11

Jedes zweite Berliner Schulkind hat bereits einen Mobbingfall in der Schule erlebt, sei es als Täter oder als Opfer. Ein Viertel der Berliner Schüler zwischen elf und 15 Jahren klagen über psychosomatische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder Einschlafstörungen. Jede Berliner Schulklasse hat durchschnittlich zwei bis drei psychisch auffällige Schüler/innen.

Diese Zahlen gehen aus einer Untersuchung zum Gesundheitszustand der Berliner Schüler hervor. Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher hat den Bericht gestern der Öffentlichkeit vorgestellt. Im Jahr 2006 waren für diese Untersuchung insgesamt 1.300 Mädchen und Jungen aus fünften, siebten und neunten Klassen befragt worden.

Es fällt auf, dass psychische Erkrankungen derzeit häufiger vorkommen als bei der letzten Untersuchung von vor 4 Jahren. Interessant ist auch, dass psychosomatische und psychische Störungen verstärkt bei Kindern aus ärmeren Familien vorkommen.

Was sagen uns diese Zahlen? Es muss mehr investiert werden in die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen, Familien und Schule!

Christa Schäfer

Thema: Familienmediation, Konflikte, Schulmediation, Systemischer Ansatz | Kommentare (0) | Autor: