Beitrags-Archiv für die Kategory 'Veranstaltungen'

„Good morning class!“

Montag, 18. Juli 2011 10:22

Der Englischlehrer betritt den Klassenraum der 9a. Bis auf einen Schüler erwidern alle die Begrüßung. Peter sitzt auf dem Lehrerstuhl mit einem Cappie auf dem Kopf und den Füßen auf dem Tisch. Die Aufforderung sich auf seinen Platz zu setzen, beantwortet er lustlos: „Vor 10 Minuten wollte ich anfangen, aber jetzt ist es zu spät. Geht´s mal los?“ Mit ruhigen Worten versucht der Lehrer Peter zu überreden die Mütze abzunehmen und den Platz zu wechseln. Doch Peter denkt gar nicht daran seine Position aufzugeben und provoziert immer weiter. Halb lustlos, halb provokant und latent aggressiv reagiert er auf die Bitten des Lehrers, der zunehmend – unter Beobachtung der ganzen Klasse – versagt.

Die Situation gerät außer Kontrolle. Der Lehrer ist ihr nicht gewachsen, gerät unter Stress, macht Fehler und eine Lösung will ihm schon erst Recht nicht einfallen.

In unserem Beispiel ist es nur ein Rollenspiel und unser Lehrer sagt einfach: „Stopp!“ und die Situation des Rollenspiels wird aufgelöst. Aber ähnliche Situationen gibt es jeden Tag in Berliner Klassenzimmern.

Werner Mattausch ist unser Peter und im wahren Leben ist er Experte im Bereich der Gewaltprävention, Anti-Gewalt-Trainer und Polizeibeamter vom „LKA Prä 4“, das im Rahmen der Prävention verschiedene Informationsveranstaltungen und Seminare zum Thema anbietet. Anhand solcher Rollenspiele erklärt er, wie – speziell in der Schule – Aggressionen begegnet werden kann.

Schwierig manchmal, schließlich kann man als Lehrer/-in in der Schule, dem Konflikt nicht einfach aus dem Weg gehen, wie es auf der Straße häufig angeraten wäre. Im Gegenteil wird man durch die Garantenstellung eventuell sogar zum Mittäter, wenn man zum Beispiel bei einer Prügelei nicht reagiert. Aber was macht man denn in als Lehrer in unserem Beispiel und was, wenn ein Schüler sagt, er hätte bei einem anderen eine Waffe gesehen?

Grundsätzlich gilt bei Konflikten mit Aggressionspotenzial:

Seinen eigenen Gefühlen vertrauen
80% der Opfer sagen nachher aus, dass sie vorher das Gefühl hatten, das etwas passieren wird.

Früh handeln
Je länger eine Situation, desto mehr gerät man in eine Spirale aus der man so schnell nicht wieder herauskommt.

Agieren statt reagieren
Täter haben einen „Tatplan“. Diesen gilt es zu durchbrechen, z.b. indem man etwas Unerwartetes tut oder sich Hilfe von außen holt.

Abstand halten / Stopp setzen
Es gibt einen definierten Bereich, die Distanzblase wie Herr Matausch sagt, den jeder zu schützen versucht. Sich diesen Bereich zu erhalten und auch in den Bereich des Anderen nicht ohne Erlaubnis einzudringen, ist einer der wichtigsten Punkte. Deshalb sollte frühzeitig ein „Stopp“ gesetzt werden.

Das alles gilt auch für unsere Situation mit Peter. Eine Lösung könnte sein, ihn sofort in den Fokus zu rücken und ihm das unterrichten zu überlassen; den Spieß umdrehen; sich selbst rausnehmen und den Schüler vor eine Wahl zu stellen. Mattausch sagt, das klappt fast immer. Er sagt aber auch, dass jede Situation anders ist und dass es nicht nur eine Lösung gibt. Jeder Konflikt ist abhängig von den beiden Streitpartnern und ihrer Art und Weise mit dem Konflikt in der speziellen Situation umzugehen. Was für den einen passt, lässt sich von einem zweiten vielleicht gar nicht ausführen. Deshalb sollten solche Situation geübt werden. Eine Möglichkeit sind die Präventionsseminare der „LKA Prä 4“.

Die zukünftigen Kunst- und Musiklehrer, die gerade ihre Ausbildung an der UdK absolvieren, haben jedenfalls durch das Seminar viele Anregungen und gute Verhaltensweisen zum Thema Gewalt für ihre zukünftige Arbeit an den Berliner Schulen mitgenommen.

Letzte Woche gab es in diesem Blog die Vorankündigung zu dieser Veranstaltung, diese Woche den vorliegenden Bericht. Eine schöne Ferienzeit sowie ein ruhiges nächstes Schuljahr ohne viel Gewalt in und um Schule
wünscht Ihnen Dominik Mühe

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Gewaltprävention – Umgang mit Aggression und Gewalt im Schulbereich

Freitag, 8. Juli 2011 19:43

D.: Du studierst in Berlin und möchtest Lehrerin werden. Inwiefern verfolgst du Berichte über Gewalt in Schulen in den Medien?

F.: Also man kommt ja nicht dran vorbei, aber ich achte schon auch speziell darauf und beobachte ja auch in meiner lebensnahen Umgebung die Bereitschaft von Jugendlichen zu Gewalt. Ich bin teilweise leider nicht mehr so erschüttert, sondern halte das manchmal schon fast für Klischeeentsprechung, aber ich denke, es gibt in jeder Situation eigentlich einen anderen Weg dem zu begegnen oder damit umzugehen, als der, der da so beschritten wird. Einfach sofort so überzureagieren sowohl in Wortwahl und Tonfall. Da geht’s sofort um Respekt und Ehre und Rangfolge und wer da mit wem was machen darf. Das find ich dann schon grenzwertig und da müssen sich nicht erst zwei heftig verprügeln bis man von Gewalt spricht.

D: Kannst du dir vorstellen als Lehrerin Angst zu haben?

F.: Ich denke es gibt Grenzmomente zwischen „das könnt ihr so einfach nicht machen“ und „da fühl ich mich nicht mehr zuständig“, also Fälle in denen man mit zwischenmenschlichen und sozialen Fähigkeiten nicht mehr weiter kommt und vielleicht auch die Polizei holen muss. Ich setz nicht mein Leben aufs Spiel und ich kann sicher nicht zwei 18jährige ohne eigenen Schaden davon abhalten sich zu prügeln.

D.: Wirst du in deinem Studium auf solche Grenzsituationen vorbereitet?

F.: Es wird schon zunehmend thematisiert, besonders die Studierenden stellen häufig die Frage, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollen. Wobei meistens die Fragen zu Motivationsproblemen beantwortet werden. Aber was man jetzt in Situationen macht, in denen jemand aggressiv wird, darauf werden wir nicht explizit vorbereitet, würde ich sagen. Allerdings gibt es ein Seminar zum Thema „Unterrichtsstörungen“, das geht ja in die Richtung, aber wenn ich dann vor der Klasse steh, ist sicher alles wieder neu und darauf kann mich vielleicht auch kein Seminar vorbereiten.

Im Sommersemester 2011 fand an der Universität der Künste ein Seminar zum Thema “Gewalt und Gewaltprävention in Schule” statt. Das Seminar beschäftigte sich eingangs mit Definitionen und Erklärungsmodellen für Aggressionen und Gewalt, um dann vertiefend auf verbale Gewalt, Mobbing und der in letzter Zeit viel diskutierten neuen Form des Cyber-Mobbings einzugehen. Am Ende des Semesters standen nun noch die Themen „School-shooting“ und „Gewalt an Schulen“ und Möglichkeiten der Prävention.

Als Ergänzung nimmt das Seminar ein Angebot des Landeskriminalamts Berlin (LKA Präv 4 / Anti-Gewalt-Projekt) wahr. Dieses bietet im Rahmen der Prävention verschiedene Informationsveranstaltungen und Seminare zum Thema an, die für die Teilnehmer kostenlos sind. Ziel dieser Seminare ist es, Strategien zum deeskalierenden und gewaltfreien Verhalten in Konflikt- und Bedrohungssituationen zu vermitteln bzw. gemeinsam mit den Teilnehmern zu erarbeiten. Damit soll die Handlungskompetenz und das subjektive Sicherheitsgefühl der an der Veranstaltung Teilnehmenden verbessert werden.

Ein spezielles Seminar für Lehrer und Lehrerinnen und solche die es werden wollen, soll diesen helfen Gefahren in der schulischen Umgebung richtig einzuschätzen und sich in gewissen Situationen richtig zu verhalten, dabei ist die nonverbale Kommunikation genauso wichtig, wie ein „dazwischen gehen“. Mittels verschiedener Rollenspiele sollen Aufschaukelungsprozesse und das eigene Verhalten verdeutlicht werden. Ebenso wird auf rechtliche Fragen geantwortet: Welche Verpflichtungen habe ich als Lehrer? Wann muss ich eingreifen? Was tun bei Bedrohung, Mobbing oder bei einem Waffenfund?

Für die Studierenden eine wichtige Sache, schließlich kann man sich im 1. Semester manchmal nicht vorstellen irgendwann 30 Kinder gleichzeitig zu unterrichten, geschweige denn prügelnde Kinder auseinander zu halten oder gar mit einem Waffenfund zurecht zu kommen.

Wir freuen uns auf diese Möglichkeit der Fortbildung, und wenn Sie mögen, dann besuchen Sie doch ebenfalls ein Seminar! Das nächste Basisseminar zum Umgang mit Aggression und Gewalt im öffentlichen Raum findet übrigens am 24. August 2011 statt. Einen kurzen Bericht zu einer solchen Veranstaltung finden Sie übrigens auch auf diesem Blog …

Dominik Mühe

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BuddYs aus Lichtenberg im Bundestag

Sonntag, 3. April 2011 0:11

Die Lichtenberger BuddYs arbeiten als Ordnungshelfer, PausenbuddYs, Streitschlichter, 1. Hilfe BuddYs, LesebuddYs, HausaufgabenbuddYs, HofbuddYs, SpielehausbuddYs, LernbuddYs und vieles andere mehr. Und weil dieses Engagement so ganz und gar nicht selbstverständlich ist, wurden die BuddYs aus den Lichtenberger Grundschulen mitsamt ihren Lehrerinnen sowie den Lichtenberg buddY-Koordinatoren Rainer Bäth und Dr. Wolfgang Steininger von der Abgeordneten Dr. Gesine Lötzsch in den Deutschen Bundestag eingeladen.

Lichtenberger BuddYs im Bundestag
Frau Dr. Lötzsch erkundigte sich, was die BuddYs so alles arbeiten und erklärte, dass es auch im Bundestag so manchen Streit gibt. Sie ließ sich von den Schülerinnen und Schülern in einem Rollenspiel demonstrieren, wie man Streit am besten schlichtet und beantwortete Fragen zu ihrer Arbeit als Politikerin. Beeindruckt waren die BuddYs vom Ambiente im Bundestag. Cool, nobel und modern fanden die BuddYs das Bundestagsgebäude; und begeistert waren sie natürlich von dem Rundgang im Gebäude sowie der Dachterasse und dem wunderbaren Blick von dort.

 

Mich als buddY-Trainerin hat es natürlich sehr gefreut, dass die BuddYs durch diesen Besuch eine Würdigung ihrer Arbeit erfahren haben. Deshalb kann ich nur sagen: Weiter so … !!!

Christa D. Schäfer

Thema: Schule in Berlin, Schulmediation, Soziales Lernen, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

6 billion others

Montag, 16. August 2010 7:36

- so heißt eine Ausstellung, die derzeit in Marseille gezeigt wird.

„It began with a helicopter breakdown in Mali. While I was waiting for the pilot to arrive, I spent an entire day talking with a villager. He told me about this everyday life, his hopes, his fears: his sole ambition was to feed his children. Taking a break from my work for a magazine, I found myself immersed in the most basic of concerns. The way he looked me straight in the eye contained no hint of complaint, demand or resentment. I had come here to work as a landscape photographer … but I had been captivated by his face, his words.“ (Yann Arthus Bertrand)

Das Projekt stammt von dem Fotografen Yann Arthus-Bertrand, den man durch seine Fotos und Fotoausstellungen „Die Welt von oben“ in der Zwischenzeit auch in Deutschland sehr gut kennt. 2003 haben Sibylle d’Orgeval und Baptiste Rouget-Luchaire die Projektarbeiten aufgenommen und 5.600 Interviewporträts in 78 Ländern von 6 Reportern drehen lassen. Ein brasilianer Fischer kam dabei genauso zu Wort wie ein australischer Rechtsanwalt, ein deutscher Künstler, ein Bauer aus Afghanistan und viele viele viele weiter. Alle haben dieselben 40 Fragen beantwortet: Was ist Ihre erste bewusste Erinnerung? Von was haben Sie als Kind geträumt? Was haben Sie von Ihren Eltern gelernt? Was möchten Sie gerne an Ihre Kinder weiter geben? Sind Sie glücklich und wie definieren Sie Glücklichsein? Was würden Sie in Ihrem Leben gerne ändern?

Äußerst interessant sind auch die Fragen zu Emotionen: Was ärgert Sie besonders und warum? Was war die schwierigeste Situation, die Sie in Ihrem Leben meistern mussten und was haben Sie daraus gelernt? Was würde Sie dazu bringen, jemanden umzubringen? Wie definieren Sie Liebe und denken Sie, dass Sie genug Liebe geben und empfangen?

Man muss sich vorstellen, dass es zu jeder der 40 Fragen 5.600 Antworten gibt von Frauen und Männern in 50 verschiedenen Sprachen aus 78 Ländern der Welt. Das ist wunderbar. Wer Menschen liebt, kann stundenlang zuhören und zuschauen. Da herrscht manchmal Verwunderung vor, manchmal Zustimmung oder Staunen. Es gibt Szenen, da möchte man mitweinen oder die Interviewten in den Arm nehmen, und es gibt andere Szenen, da muss man lächeln oder auch bei einigen Antworten richtig lachen.

Auf der englischsprachigen Webseite des Projektes „6 billion others“ kann man einige kurze Beispielsfilme mit Antworten zu Gefühlen wie Angst, Trauer, Ärger und Freude finde.

Über 6 Milliarden Menschen gibt es derzeit auf der Erde.
Wir sind alle unterschiedlich.
Wir alle haben unterschiedliche Erfahrungen und Geschichten.
Ist das nicht wunderbar?

Das Projekt passt so gut auch nach Berlin mit all seinen vielen unterschiedlichen Menschen, die natürlich auch ganz unterschiedliche Erfahrungen, Ansichten und Sichtweisen haben. Da heißt es stets, gut miteinander zu kommunizieren, Dinge auszuhandeln und Toleranz zu zeigen.

Christa D. Schäfer

Wenn Sie schauen wollen, wovor sich Kinder fürchten und was die tollsten Sachen sind, die ihnen passieren, dann finden Sie auch dazu Hinweise hier im blog.

Thema: Emotionale Intelligenz, Konflikte, Soziales Lernen, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Berliner Mediationstag 2011

Freitag, 13. August 2010 20:19

Der nächste Berliner Mediationstag wird am 08.04.2011 von Dr. Verena Kast (Zürich) gestaltet. Wer kennt sie nicht, die Schweizer Psychologin und Psychotherapeutin …

„Vom Umgang mit Emotionen“, so ist der Titel der Veranstaltung. Ärger, Wut, Angst, Scham, Neid und viele andere Emotionen spielen auch in Mediationssitzungen eine große Rolle. Ärger zeigt uns beispielsweise an, dass jemand über unsere Grenze gegangen ist oder uns nicht erlaubt, unsere Grenzen zu vergrößern. Angst sagt uns, dass wir von einer Gefahr ergriffen werden. Werden diese Emotionen nicht wahrgenommen, so kann auch deren Veränderungspotential nicht genutzt werden. Aber auch die positiven Emotionen wie Freude und Interesse sind starke Emotionen, die ihren Raum in der Mediation finden müssen, indem sie als robuste Ressourcen wahrgenommen werden.

Deshalb: Heftige Emotionen verstehen und damit umgehen können ist ein Schlüssel für eine erfolgreiche Mediation.

Ich war beim 4. Berliner Mediationstag dabei und freue mich bereits auf den 5. Berliner Mediationstag mit Verena Kast und ihre Gedanken zur Mediation. Besten Dank an Peter Knapp und Dr. Birgit Keydel für die Organisation.

Christa D. Schäfer

Thema: Emotionale Intelligenz, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

BM-Kongress mit starkem Programm in Berlin

Mittwoch, 21. Juli 2010 10:09

Ich möchte Sie heute noch einmal auf den Kongress zum Thema Streitkultur hinweisen, der in Berlin vom 16.-18.9.2010 stattfindet.

Der Kongress bietet zu Beginn einen Rückblick darauf, aus was sich Mediation entwickelt hat und zeigt dann am zweiten Tag einen Überblick über die Vielfalt der praktischen Ansätze der Gegenwart. Am dritten Tag wird thematisiert, welche Konflikte die Zukunft mit sich bringt und welchen Herausforderungen sich Konfliktmanager und Mediatoren gegenüber sehen.

Alles im Hotel Berlin, Berlin und sicher sehr informativ!
Näheres unter BM-Kongress.de

Und das derzeit aktuelle Programm ganz exklusiv hier im Mediationsblog.

Ich hoffe, wir sehen uns …
Christa D. Schäfer

Thema: BM Mediationskongress 2010, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Buddy-Kinderkonferenz in Lichtenberg

Montag, 28. Juni 2010 5:09

Was sind denn Buddys?
Das sind Schülerinnen und Schüler, die anderen SchülerInnen helfen, mit ihnen zusammen lernen, sie anleiten, beraten oder bei Konflikten vermitteln.

Buddy-Projekte werden auf der Grundlage von vier Qualitätsleitzielen augebaut: der Peergroup-Education, der Lebensweltorientierung, Partizipation und Selbstwirksamkeitsstärkung. In Trainings für Lehrer und Sozialpädagogen wird das dazu notwendige Wissen vermittelt. Die PädagogInnen gehen dann an ihre Schulen zurück und bauen Buddy-Praxisprojekte auf.

In Berlin können seit dem Schuljahr 2006/07 alle Grundschulen am Buddy-Projekt teilnehmen. Damals haben von fast allen Berliner Grundschulen zwei Lehrkräfte im Lehrertraining teilgenommen und auch jetzt noch treffen sich die Buddy-Lehrer (auch Buddy-Coaches genannt) über das Netzwerk der Berliner Suchtprophylaxe zu Weiterbildungs- und Austauschrunden. Seit der Zeit gibt es in Berliner Schulen Pausenbuddys, Lesebuddys, Spielebuddys, Klassenräte, Konfliktbuddys, Fachhelfer und vieles mehr.

In Berlin Lichtenberg ist Buddy schnell durchgestartet. Dort gibt es einen Förderpreis zum Sozialen Lernen, der jetzt bereits zum dritten Mal in Folge vom Kontaktlehrerzentrum Lichtenberg zusammen mit dem Bezirksamt (Abt. Familie, Jugend und Gesundheit) ausgelobt wurde. Dieser Förderpreis ist im Rahmen der Schirmherrschaft über die Buddy-Grundschulkonferenz von der Bezirksbürgermeisterin Christina Emmerich gemeinsam mit dem Leiter des Kontaktlehrerzentrums der Sen BWF, Rainer Bäth, im Jahre 2008 entwickelt worden. Seit der Zeit wird er jedes Jahr in den drei Kategorien: Lernen, Schulkultur und Konfliktmanagement vergeben.

Aus Anlass der Verleihung der Förderpreise haben sich rund 150 Buddys aus allen Lichtenberger Grundschulen am 18.06.2010 zur ersten Lichtenberger Kinderkonferenz zusammengesetzt und ausgetauscht. Das Ergebnis war eindeutig, alle haben den Austausch genossen und gehen gestärkt an ihre Schulen zurück.

 

Dieses Jahr ging der Förderpreis in der Kategorie „Lernen“ an die Schule Am Faulen See, dort gibt es Pausenbuddys und Lernbuddys. SchülerInnen der 5ten Klassen lesen und lernen zusammen mit SchülerInnen der 3ten Klassen. In dem Film, der bei der Preisverleihung zum Projekt gezeigt wurde, konnte man sehen, dass sogar Mathe richtig viel Spaß macht, wenn so gelernt werden kann. Den betreuenden Buddy-Lehrerinnen Monika Wolff und Jutta Beuge sowie allen Buddys der Schule natürlich herzlichen Glückwunsch.

Der Förderpreis in der Kategorie „Konfliktmanagement“ ging an die Karlshorster Grundschule für ihre Projekte Pausenbuddys und Konfliktlotsen. Das Buddy-Schulteam, bestehend aus Karla Walzer und Elke Wessel und ihren Buddys, haben sogar ein Buddy-Lied komponiert und mit allen Buddys zusammen eingeübt. Super!

Ja, und der dritte Förderpreis in der Kategorie „Schulkultur“ wurde an die Brodowin-Schule vergeben, die mit aktuell 6 Buddy-Projekten wirklich gut ausgestattet ist. Die verschiedenen Projekte werden durch das Buddy-Schulteam koordiniert, betreut und unterstützt. Neben Aufsichtshelfern (Pausenbuddys), Konfliktlotsen und Spielebuddys gibt es in der Brodowin-Schule auch Lesebuddys und sogar Einzelfall-Helfer. Evelyn Schindler und Evelin Fritzsche, den beiden Buddy-Lehrerinnen der Schule ein großes Kompliment für die Arbeit.

Übrigens werden am 15. November diesen Jahres 300 Lichtenberger Buddys im Bundestag sein. Sie sind von Dr. Gesine Lötsch, Mitglied des Deutschen Bundestages, eingeladen worden. Frau Lötsch möchte sich damit bei diesen Buddys (stellvertretend für alle anderen Berliner Buddys) für ihr bisheriges Engagement an den Schulen bedanken und sie weiterhin für gesellschaftliches Mit-Gestalten begeistern. Auch davon werde ich an dieser Stelle natürlich berichten.

Christa D. Schäfer

Thema: Konfliktprävention, Schule in Berlin, Soziales Lernen, Veranstaltungen | Kommentare (0) | Autor:

Der 15. Deutscher Präventionstag und die fünf Konflikttypen

Montag, 17. Mai 2010 6:13

Über 200 Informationsstände und ca. 300 ReferentInnen haben am 10. und 11. Mai im ICC zum Thema Prävention unter dem Schwerpunkt „Bildung – Prävention – Zukunft“ informiert. Wer sich einmal durch das dicke Programm mit Angaben zu den Infoständen sowie den Veranstaltungshinweisen zu den Plenen, Vorträgen, Ausstellungen und den Werkstattveranstaltungen „hindurch gewühlt“ hat, bekam jede Menge geboten. Auch für Kinder und Jugendliche war der Präventionstag interessant; an beiden Tagen wurde eine Schüleruni angeboten und speziell am zweiten Tag besuchten viele Schulklassen den Präventionstag, um dort an den Angeboten „Geheimsache Igel“ (Präventionstheater), „Mit Musik und Tanz für Toleranz“ oder „Konfliktfähigkeit in Bewegung trainieren“ teilnehmen zu können.

Der 1. Deutsche Präventionstag startete 1995 als nationaler jährlicher Kongress speziell für das Arbeitsfeld der Kriminalprävention. In der Zwischenzeit steht er auch Institutionen, Projekten, Methoden, Fragestellungen und Erkenntnissen aus anderer Arbeitsfeldern offen, von der Suchtprävention über die Gewaltprävention bis zur Verkehrsprävention und zu Präventionsbereichen im Gesundheitswesen.

Mediation ist Intervention, das ist klar. Aber ist Mediation auch Prävention, so fragten sich die MediatorInnen des MediationsZentrums Berlin im Vorfeld der Veranstaltung, und sie beantworteten diese Frage eindeutig mit “ja”. Mediation verhindert eine weiter gehende Eskalation von Konflikten und wirkt damit deeskalierend. Je früher Mediation im Konfliktfall ansetzt, um so einfacher ist ein Konflikt zu lösen und um so weniger „fährt er sich fest“. Und da das MediationsZentrum zudem in Projekten wie dem „Runden Tisch in der Familie“ oder im „KiJuRa“ eindeutig präventiv arbeitet, hat das MediationsZentrum an seinem Stand auf dem Präventionstag zum Thema „Mediation und mehr“ informiert.

Besonders gut ist bei den Standbesuchern das Thema der fünf verschiedenen Konflikttypen angekommen. Nach Kenneth W. Thomas und Ralph H. Kilmann und dem von ihnen entwickelten TKI (Thomas-Kilmann Conflict Mode Instrument) gibt es 5 verschiedene Konflikttypen. Durch das TKI wird das Verhalten einer Person in Konfliktsituationen gemessen. Dazu gibt es zwei grundlegende Dimensionen, wie das Verhalten einer Person beschrieben werden kann: Erstens der Grad des Durchsetzungsvermögens, mit dem eine Person sein Ziel zu verwirklichen sucht und zweitens das Ausmaß, in dem eine Person auch an die andere Konfliktpartei und die Beziehung zu dieser denkt. Auf den Punkt gebracht variiert das Verhalten einer Person im Konflikt also immer nach den beiden Koordinaten „Ziel“ und „Beziehung“. Diese beiden grundlegenden Dimensionen des Verhaltens definieren die fünf Modi/Konflikttypen für die Reaktion auf Konfliktsituationen.

Competing, accommodating, avoiding, collaborating und compromising, so lauten die 5 Konflikttypen bei Thomas und Kilmann. Zwang/Durchsetzung, Rückzug/Flucht, Beschwichtigung/Verzicht, Problemlösung/win-win und Kompromiss/50-50, so lauten die Konflikttypen in der deutschen Sprache.


„Ich habe Recht, und du musst das endlich einsehen“, so lautet der Standardsatz des Durchsetzungstyps, dem das Ziel ganz wichtig ist, der die Beziehung aber dabei vernachlässigen bzw. sich verschlechtern lässt.

„Ach ist doch egal, ich will damit nichts zu tun haben“, so der Kernsatz des Fluchttyps, der sowohl das Ziel als auch die Beziehung zur anderen Streitpartei am liebsten aufgibt.

„Was soll’s, dann hast du eben Recht“, so ein Lieblingssatz des Beschwichtigers, dem die Beziehung zum Konfliktpartner so wichtig ist, dass er das Ziel aus den Augen verliert.


„Du gibst nach, ich gebe nach, das wird schon“, so denkt der Mensch, der am liebsten Kompromisse eingeht und der damit so einigermaßen gut durch’s Leben kommt.

Und: „Wir tauschen Bedürfnisse, Interessen und Gefühle aus und finden eine gute Lösung“, das bietet eine win-win-Position, bei der sowohl Ziel als auch Beziehung gut berücksichtigt werden. Genau diese Position ist es, die in einer Mediation angeregt wird und die die Medianden nach einer gelungenen Mediation zufrieden gehen lässt.

Falls Sie nun wissen wollen, welcher Konflikttyp Sie sind, so können Sie gerne folgende Übung machen: Nehmen Sie sich bitte 5 Minuten Zeit bei absoluter Ruhe. Denken Sie an drei verschiedene Konflikte, die Sie in letzter Zeit erlebt haben. Schreiben Sie die drei Konflikte untereinander auf einen Zettel. Schreiben Sie dann bitte daneben, wie Sie in diesen drei Konfliktfällen reagiert haben. Vergleichen Sie jetzt bitte diese Konfliktlösungsstrategien mit den von mir oben vorgestellten Konflikttypen. Jetzt sollten Sie die Situation klarer sehen können, welcher Konflikttyp Sie sind … Und, was war das Ergebnis?

Falls Sie lieber mit einem Fragebogen Ihren Konflikttyp herausfinden möchten, so habe ich Ihnen hier einen kleinen Fragebogen hinterlegt, den Sie sich ausdrucken und ausfüllen können. Zur Auflösung schauen Sie dann bitte wieder hier im Blogartikel nach.

Die Standbesucher auf dem Präventionstag durften sich, nachdem Sie ihren Konflikttyp erkannten, eine Süßigkeit aus dem Glas mit der entsprechenden Kennung nehmen. Das kann ich hier virtuell natürlich nicht leisten. Aber falls Sie die fünf Konflikttypen in der Übersicht haben möchten, auch das hier im Blog hinterlegt …

Unsere Idee sei Ihnen natürlich zur Nachahmung und Anregung empfohlen. Und ich freue mich jederzeit über Rückmeldungen zu den von Ihnen gemachten Erfahrungen (als Kommentar hier im Blog) und/oder über Ihren Besuch. Jede Woche gibt es hier ein bis zwei Blogartikel zum Themenfeld zwischen Pädagogik und Mediation …

Bis bald
sagt Christa D. Schäfer

Ach ja, und hier noch die Auflösung zum Fragebogen:
Z Zwang/Durchstetzung, R Rückzug/Flucht, B Beschwichtigung/Verzicht, P Problemlösung/win-win, K Kompromiss/50-50

Thema: Konflikte, Veranstaltungen | Kommentare (2) | Autor:

Eine Friedenspfeife für Berliner Konfliktlotsen

Montag, 19. April 2010 6:14

Acht Gruppen von Berliner Konfliktlotsen boten am 16. April im Theater des Westens eine Performance. Sie nahmen am Wettbewerb im Bereich Gesang, Tanz und Schauspiel teil, der vom Theater des Westens in Kooperation mit dem Bundesverband Mediation durchgeführt wurde. In meinen Artikeln “Mit der Friedenspfeife ins Theater des Westens“ und “Die Friedensspeife hat großen Anklang gefunden“ berichtete ich bereits darüber. Das vorgegebene Thema der künstlerischen Darbietungen: „Konflikt gewaltfrei lösen“.

Die Aufregung war groß und die Vorführungen wirklich erstklassig. Von Liedaufführungen durch Konfliktlotsen aus der Grundschule bis zur Tanzeinlage von Oberstufenschülern war alles dabei. Und zum Schluss wurden natürlich drei Siegergruppen prämiert, die der Jury am Besten gefallen haben. Die Jury bestand neben Vertretern des Theaters aus Sosan Azad (Vorsitzende der Regionalgruppe Berlin des Bundesverbandes Mediation), Raed Saleh (Mitglied des Abgeordnetenhauses Berlin und Mitbegründer des Spandauer Kinder- und Jugendprojektes „Stark ohne Gewalt“), einem amtierenden Konfliktlotsen des Campus Rütli und der Begründerin der Konfliktlotsenidee Ortrud Hagedorn.


Los ging es mit der Ludwig Cauer Grundschule und dem Lied „Konfliktlotsen sind einfach Zauberei“.

Die Fichtelgebirge-Grundschule schloss sich an mit einem Rap zum Thema „Überall gibt es Regeln. In der Schule gibt es Regeln. Auf dem Fußballplatz gibt es Regeln. In der Familie gibt es Regeln. Überall gibt es Regeln.“

Die Grundschule am Arkonaplatz gingen mit dem Lied „Wir sind die Konfliktlotsen vom Arkonaplatz und führen die Gespräche Satz für Satz“ an den Start.


Einen Sketch gaben die Schüler der Ernst-Abbe-Oberschule zum Besten. Getränke Bob, der Getränke Mediator leitete die Mediation zwischen Cola Zero und Orange Fantastic. Gegenseitige Beleidigungen hat die beiden zur Mediation geführt. Cola Zero war sehr traurig darüber, dass er als Diabetiker beschimpft wurde und Orange Fantastic hat sich darüber aufgeregt, dass sie immer auf ihr Gewicht angesprochen wird. Schließlich hat die gemeinsame Lösung ergeben, dass aus Cola und Orange Spezi wird. Das war wahrlich eine erfolgreiche Mediation, die Getränke Bob da abgeliefert hat …

 

Die Rixdorfer Grundschule schloss sich mit einem Lied an, das den Refrain trug: „Frieden zu schließen, du hast es in der Hand.“ In vier Sprachen war der Refrain zu hören und das Lied schloss mit den Worten „undl jeder, der was ändern will, fängt am besten bei sich selber an …“ Da kann man nur zustimmen.


„Das Spiel der Farben“, davon berichtete die Thalia Grundschule. Früher, so hört man, haben die Farben sich heftig gestritten, wer wohl die Schönste und Beste sei. Jede Farbe konnte Gründe nennen, warum sie ausgerechnet die Auserwählte sei. Doch nach dem Streit und der gelungen Mediation wurde dann der Regenbogen erfunden, der die Farben vereint und etwas wunderbares Neues hervorbringt!

 

Mit dem Campus Rütli und dem Rap „Streitschlichter spielen bei uns an der Schule eine ganz große Rolle“ gab es noch einmal fetzige Musik zu hören.


Und was für’s Auge bot der Tanz „Der Außenseiter“ der Menzel-Oberschule. Die Tanzgruppe überzeugte sowohl mit fetzigen, als auch mit emotionalen, lyrischen und einfühlsamen Tanzeinlagen. Aus schwarz und weiß wurde bunt, aus einem Gegeneinander wurde ein Miteinander, aus Streit wurde Versöhnung – wunderbar!

 

Wer gewonnen hat, möchten Sie jetzt wahrscheinlich wissen. Alle haben gewonnen, so meine Meinung, denn alle haben das Thema der Streitschlichtung an ihrer Schule vorangebracht. Vom künstlerischen Standpunkt her hat die Fichtelgebirge Grundschule den dritten Platz erhalten, die Menzel-Oberschule den zweiten Platz (und einen workshop im Theater des Westens dazu) und der erste Platz ging an die Ludwig-Cauer Grundschule. Herzlichen Glückwunsch von mir an alle Preisträger und Mitwirkenden des Wettbewerbs !!

Ach ja, und wenn Sie sich fragen, was denn wohl das Theater des Westens bewogen hat, die Konfliktlotsenidee zu unterstützen? Wahrscheinlich hat das mit Uschi zu tun, die in dem Musical „Der Schuh des Manitu“ stets zwischen dem Apatschen-Häuptling Abahachi und seinem Blutsbruder Ranger vermitteln muss, wenn die beiden sich streiten. Für die Vermittlung steht bei den Apatschen die Friedenspfeife, und die erhielten auch die ersten Sieger des Konfliktlotsen-Wettbewerbs.

Ich hoffe, dass sich auch nächstes Jahr wieder ein Unterstützer findet, der eine Ehrung der Konfliktlotsenarbeit in Berlin ermöglicht. Bis dahin gute Arbeit allen Konfliktlotsinnen und Konfliktlotsen, allen Streitschlichterinnen und Streitschlichtern in Berliner Schulen.

Christa D. Schäfer

Thema: Schule in Berlin, Schulmediation, Veranstaltungen | Kommentare (1) | Autor:

Es wird ein spannender 15. Deutscher Präventionstag,

Dienstag, 6. April 2010 21:49

der am 10. und 11. Mai im Berliner ICC stattfindet. Bereits im November letzten Jahres berichtete ich das erste Mal über Rahmeninformationen zum Präventionstag 2010.

Jetzt ist das Programm des Präventionstages online einsehbar.

Über 300 namhafte Referentinnen und Referenten befassen sich mit dem großen Themengebiet der Prävention. Über 200 Vereine, Initiativen und Institutionen aus Berlin und ganz Deutschland sind mit einem Stand vertreten. Neben den ganz Großen wie beispielsweise der Bundespolizei und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gibt es Ausstellungsstände von A wie ADHS Selbsthilfegruppe Neubrandenburg bis Z wie Zweikampfverhalten e.V. Auch das MediationsZentrum Berlin, das schwerpunktmäßig im Bereich der Nachbarschafts-, Stadtteil- und Gemeinwesenmediation arbeitet, ist mit einem Stand vertreten. Es gibt sogar einen Vortrag zur Gemeinwesenmediation; Dr. Franziska Becker von der Konfliktagentur im Sprengelkiez hält ihn mit dem Titel: Mediation und Prävention in sozialen Brennpunkten.

Die Anmeldegebühr beträgt für Berliner je Tag 45 € oder für beide Tage zusammen 65 €, Anmeldungen sind ab jetzt möglich.

Und das Grußwort von Klaus Wowereit, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin zum Kongress lautet:

„Der deutsche Präventionstag hat in seiner 15jährigen Geschichte vieles bewirkt, vor allem hat er die richtigen Partner zusammengebracht. Zum ersten Mal tagt er in Berlin, der deutschen Hauptstadt. Ich lade Sie alle herzlich ein, unter dem Motto „Bildung – Prävention – Zukunft“ Weichen für die künftige Präventionsarbeit zu stellen.“

Also bis dann beim Kongress sagt
Christa D. Schäfer

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